Vollendung

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Arcos

Mitglied
Liebe ist wie eine Blüte,
nicht nur zart, sondern vergänglich im Kern,
ein leises Aufbegehren gegen das Vergehen,
ein Duft, der schon im Entstehen Abschied in sich trägt.

Sie wächst nicht im Licht allein,
sondern in den Rissen unserer Unvollkommenheit,
dort, wo Sehnsucht sich mit Angst vermischt
und Nähe zugleich Rettung und Abgrund wird.

Jede Berührung ist ein Versprechen,
das die Zeit nicht halten kann,
und doch halten wir daran fest,
als wäre gerade dieses Zerbrechen der Sinn.

Denn Liebe ist kein Zustand,
sie ist ein Übergang,
ein ständiges Werden und Verlieren,
ein stilles Erkennen,
dass wir im Anderen nie ganz ankommen,
aber ohne ihn noch weniger bei uns selbst sind.

Und vielleicht ist sie gerade deshalb wahr,
weil sie uns nicht erfüllt,
sondern uns öffnet,
wie eine Blüte,
die sich dem Unendlichen entgegenstreckt,
im vollen Wissen,
dass sie fallen wird.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ubertas

Mitglied
Lieber Önder,

ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich dein Gedicht inzwischen gelesen habe. Und damit ist noch lange nicht Schluss.

Und vielleicht ist sie gerade deshalb wahr,
weil sie uns nicht erfüllt,
sondern uns öffnet,
wie eine Blüte,
die sich dem Unendlichen entgegenstreckt,
im vollen Wissen,
dass sie fallen wird.
In meinem Begreifen deiner Verszeilen ist sie das. Sie ist vor allem dann wahr, wenn sie uns nicht satt macht, sondern wenn sie uns ermöglicht, aus uns herauszutreten und wir in ihr erblühen. Gerade in unserer Vergänglichkeit, im Wissen um unser eigenes Fallen, das Unendliche sehen zu können, ist ihr einziger Grund. Diesen gefunden zu haben ist der Sinn jedes "Zerbrechens".

Liebe Grüße,
Anita
 



 
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