vom Mikrokosmos zum Tellerrand und zurück in die Suppe

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Thylda

Mitglied
Der Wecker piezokrischallt einen neuen Tag in diese Welt. Ein Fuß probehalber auf den kalten Boden. Na gut, muß wohl. Per Autopilot ins Bad. Erleichtert in die Dusche. Zähne putzen, Zunge nachspitzen, Haare aus dem Gesicht klammern. Ja, die kenn' ich. OK. Was ziehen wir denn heute an? Schwarz? Anthrazit? Dunkelgrau? Vielleicht etwas Heiteres? Egal - Griff in den Kleiderschrank. Auf dem Weg nach unten anziehen. Mist, wer hat denn da schon wieder Bücher auf der Treppe gestapelt? Erste Hürde: Literatur. Hoffentlich habe ich keinen geweckt, sonst muß ich wieder reden. Keine Reismilch mehr da. Dann eben Tee. Ach, da ist ja noch eine sommersprossige Banane. Die tuts. Schlüssel? Hab' ich. “Tür muß geölt werden” schnell noch auf ein Post-it. Autositz schön vorgeheizt. Guter Anfang.
 

Thylda

Mitglied
Schrumpfkopf auf Hexenjagd

Bei Menschenopfer denkt man an Isaak, die Druiden, die Azteken, Jesus usw. Einer oder wenige wurden für die Allgemeinheit geopfert, um Gott oder die Götter zu besänftigen. Wie barbarisch! - aber das ist ja schon lange her...

Noch vor nicht ganz so langer Zeit, ein wenig mehr als 100 Jahre, hat Durkheim in seinem Buch über Selbstmord statistisch untermauert die These verteten daß bei zunehmendem Druck auf die Gesellschaft ihre schwächsten Individuen (die Nichts mehr zu verlieren haben) mit Selbstmord reagieren.

Nun stelle man sich vor, man stattet solch ein gequältes Wesen in einer auswegslosen Situation mit Ideologie und Begeisterung für eine Sache aus und schon hat Scheuble seinen Selbstmordattentäter, vor dem er uns mit gesammelten Fingerabdrücken und trinkflaschenfreien Flughäfen schützen muß. Ob unser Multiunterhosenträger sich wohl ebenso willig 72 Schwiegermütter hinter den 72 Jungfrauen einhandeln würde, wenn man statt Soldaten zur Kontrolle des Öls einmal Lebensmittel und Medikamente in sein Dorf schickte?

Wie ist eigentlich die Selbstmordrate in unserer eigenen Bevölkerung, in Zeiten, in denen es der Wirtschaft wieder besser geht, aber die allgemeine Teuerung den kleinen Bürger fest im Griff hat? Und, wird der Mammon wirklich besänftigt? Die Welt ist eine Scheibe...
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Selbstmord kommt viel zu oft vor. Ich habe zwei meiner besten Freunde verloren, der eine war im 12. Schuljahr kurz vor dem Abi aus der Schule weg, ich hatte ihn aus den Augen verloren. Ich hatte nicht verstanden, dass meine Probleme mit ihm (er war vorher einer meiner besten Freunde) seine eigenen waren. Er sah wohl keinen Weg mehr.
Der andere ging einen scheinbar sehr geraden Weg, war einer der besten in der Schule und im Studium, war Klubratsvorsitzender im Jugendklub für Kunst und Literatur und studierte Kriminalistik. Ich traf ihn ungefähr 2 Wochen, bevor er sich erschoss. Ich begriff nichts. Erst hinterher wurden mir einige Andeutungen klar. Ich treffe mich immer mal wieder mit seinem Zwillingsbruder. Seine Familie wirft ihm vor, er sei schuld. Das nimmt ihn sehr mit, aber ihn trifft keinerlei Schuld.
Meine Schwester konnten wir retten. Aber gerade so.
Sie wiederum gehörte zu den schwächsten. Jetzt hat sie sich nach einigen Jahren wieder etwas gefestigt.
Es ist schon ein schwieriges Problem und ich stelle es nicht offen, sondern verdeckt in die Leselupe.

Begreifen muss man: Depression kann jeden treffen.
 

Thylda

Mitglied
Today I volunteered in the Charity shop. Mairy was there too. She sat behind the counter as usual and left her place only for a cup of tea. There she was breathing heavily sorting through the boxes that came in.

When I took them upstairs Shona was already steaming cloths. She chatted away while rummaging through the boxes. There was some china in there as well.
Shona took a creamer out and beamed at me.

These were the fashion right after the war and her posh neighbour had a set.
“When I was a young woman I never had that kind of money to afford lovely things like that” She paused and continued “now both of us ended here.” She sight. “You will see the posh things from today can be found in the charity shops once you are my age” she said smiling. “You are young and there is a lot coming for you yet”

I felt like a spring chicken and rather uncomfortable. She continued with her steaming and I labelled and folded the linen for a few hours.

Then I waved the Ladies good bye and rushed home to pick up the children from school.

Some of the mothers were waiting already chatting and flirting with the workers who were building the bike shed. I watched them.
What a lovely hormone-choreographed ballet that was.
Thankfully I do not have to take part in that peacock-feather show any more. Actually I welcome and enjoy my metamorphosis of becoming a hag. And while I pondered over the advantages of having peaked the school bell rang.

My little girl came running dropped her bag and cartwheeled off. Skipping back.
“Mama?” - “Ja, was denn?” - “My big brother says I am too small and a girl and that is why he is not taking me to the hut they are building, and the wee one says I am allowed everything just because I am big and a girl.”
“Und nun?” - “You see, if I am too small and too big – that really means I am most likely exactly right.”
And off she went leaving me a bit wiser.
 

Thylda

Mitglied
Lieber Bernd

Früher nannte man Depression Schwermut. Depression klingt für mich wie eine Fehlfunktion, die repariert werden muß. Einem schwermütigen Menschen hingegen muß man die Last abnehmen, damit er sich selbst wieder aufrichten und atmen kann. Das ist das Problem in dieser Gesellschaft, Menschen werden nicht als Person behandelt. Für manche ist es zu viel. Sie können nicht mehr gute Mine zum bösen Spiel machen und verabschieden sich "aus heiterem Himmel" ganz unheiter.
Auch einer meiner Freunde ist gegangen. Für immer. Nachdem ich die Hintergründe mitbekommen habe, wunderte ich mich, daß er nicht schon früher gegangen war. Die Frage, was man hätte tun können, läßt einen nie ganz los.
Depression wird viel zu sehr verharmlost.

Liebe Grüße
Thylda
 
Sieben auf einen Streich

Mach mal aus dem drei mal auftauchenden "muß" ein dreifaches "muss" und aus dem "tuts" ein "tut's", bitte. Sonst hagelt es nämlich weitere schlechte Zensuren, die Du Dir, wenn Du es so lässt, redlich verdient hast.

Dann: Steht das Wort "[red]keinen[/red]" bei: (Hoffentlich habe ich keinen geweckt, sonst muß ich wieder reden.) als Substantiv? Wohl ja, jedenfalls wird es hier als solches benutzt. Dann weißt Du selbst, wie es geschrieben werden muss.
Ansonsten: Ganz hübsch.
Demnächst dann auch bitte die Heimkehr, wenn ich bitten darf, aber ohne "Muß", ja?, das erinnert mich immer ans tapfere Schneiderlein.

Beste Grüße

S.
 

Thylda

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Der Wecker piezokrischallt einen neuen Tag in diese Welt. Ein Fuß probehalber auf den kalten Boden. Na gut, muß wohl. Per Autopilot ins Bad. Erleichtert in die Dusche. Zähne putzen, Zunge nachspitzen, Haare aus dem Gesicht klammern. Ja, die kenn' ich. OK. Was ziehen wir denn heute an? Schwarz? Anthrazit? Dunkelgrau? Vielleicht etwas Heiteres? Egal - Griff in den Kleiderschrank. Auf dem Weg nach unten anziehen. Mist, wer hat denn da schon wieder Bücher auf der Treppe gestapelt? Erste Hürde: Literatur. Hoffentlich habe ich Keinen geweckt, sonst muß ich wieder reden. Keine Reismilch mehr da. Dann eben Tee. Ach, da ist ja noch eine sommersprossige Banane. Die tut's. Schlüssel? Hab' ich. “Tür muß geölt werden” schnell noch auf ein Post-it. Autositz schön vorgeheizt. Guter Anfang.
 

Thylda

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ab in die Box

Die Würmer freuen sich
über
der Bäume Mode der letzten Saison
und das
freut meine Kartoffeln
nächstes Jahr​
 

Thylda

Mitglied
nature or nurture

Der Kleine brachte heute einen Brief aus der Schule nach Hause.
'... Your son was threatening another child with physical violence during break time. He refused to apologise. Neither did he agree to refrain from such actions in future. He stated “I don't feel sorry. You don't want me to lie” and “I will do it again if I have to”. ... (parents signature)'
Ich rief ihn und fragte, was da los war. Er schwieg.
“Komm, Schatz, wenn du mir Nichts erzählst, kann ich dir nicht helfen”
“They withdrew all my golden time for this week!” rief er aufgebracht.
„Das war aber doch nicht ohne Grund, oder?”
“I'm not telling! I already told them I'm not a grass.”
“Hast Du das Kind bedroht?”
“Yes, I did!”
“Hat es dir Etwas getan?”
“Not to me.”
“Du hast also Jemanden verteidigt?”
“Yes, and I'll batter him if he does not stop. I'm not scared he is older.” Er hob seine kleine Faust.
“Dann wirst du wieder bestraft.”
“So what. You would help your friends too, wouldn't you?”
Nun schwieg ich.
“Das sagst du uns doch immer.” kam vom Großen, der breit um die Ecke grinste.
Ich strich dem Kleinen über die blonden Locken “Kind, du hast noch viel Ärger vor dir.”
Er sah mich mit seinen großen braunen Augen direkt an “With you, do I?”
“Nein, mein Schatz, diesmal nicht.” Ich seufzte und unterschrieb den Wisch.
 

Thylda

Mitglied
beauty

Shopping centres are sometimes surprising places.
I was visiting our local version today when a delightful young lady greeted me from behind her stall and offered me her services. I revealed, her undoubtedly excellent services were not tempting me to start plugging my eyebrows now. Especially as I made a sufficient contribution to the genetic pool already.
And she gave me a lovely somewhat startled smile in return.
 

Thylda

Mitglied
credo der endlosen nacht

ewiger wahnsinn vergiftet die seelen
in raum und zeit
zwitschern die drüsen
ewig droht dir verderben
und selbst die götter bleiben fern
wonneleer - immerdar

du bist gemeint
oh endlose nacht

poetron sprich zu mir!​
 

Thylda

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An dem einst schwarzbelaubten Baum
ergrünt das Geisblatt.
Darüber in der Sonne schillernd
sitzen Turtelkrähen.
 

Thylda

Mitglied
nur so ein Gedanke

Es gibt immer die Versuchung, die Stimme über das gesunde Maß hinaus zu erheben, findet man sich in einer Situation, die einen überfordert oder sonst wie die eigene Hilflosigkeit vorführt. Obwohl es durchaus befreiend sein kann, ist es doch selten ratsam, sich zügellos dahin galoppieren zu lassen. Speziell Menschen, die sich in einer Schlüsselposition wähnen, steht es gut zu Gesicht, zunächst an den eigenen Unzulänglichkeiten zu arbeiten und eine professionelle Haltung anzustreben, bevor sie sich in einem schwachen Moment den Respekt verscherzen, der ihre Position garantiert. Jene aber scheinen oftmals keinen großen Wert darauf zu legen, auf diesen Umstand hingewiesen zu werden.
 

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