• Liebe Forenmitglieder,

    das Redaktionsteam sucht Verstärkung. Einige von uns wollen nach vielen Jahren emsiger Sorge für ein gepflegtes Lupen-Leben in die Lupen-Rente gehen, anderen wird schlichtweg die Zeit für dieses Ehrenamt knapp. Deshalb suchen wir Nachwuchs.

    Interesse? Mehr Infos finden sich hier.

Vom Rand - Sonett

4,00 Stern(e) 2 Bewertungen

Walther

Mitglied
Vom Rand


Vom Rand drängt sich der Jammer in das Bild:
Aus Rauch und Staub und Dunst ein Kinderweinen;
Im Feuer der Gewehre leises Wimmern, Greinen;
Und in der Schattenecke sitzt die Mutter, stillt,

Als würde nichts geschehen, ein Skelett.
Ein Donnerschlag rumort durch die Ruinen,
Schrapnells und Splitter summen wie die Bienen.
Die Munition liegt, aufgereiht und fast adrett,

Zum Griff bereit, die Waffen anzufüttern,
Und Salven knattern durch die Morgenluft.
Die Kugel fragt nicht, tötet grundlos jeden,

Der in der Bahn steht. Bilder gehn, verwittern:
Was bleibt, ist dieser ekelsüße Duft
Von frischem Blut in diesen Schreckensöden.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Feuern der Gewehre, dass sich nicht ins Leben einfügen will, hast Du gut kenntlich gemacht durch einen zusätzlichen Takt, der sich dem Sonettklang entzieht.
Ein gutes und wichtiges Gedicht.
 

Walther

Mitglied
Lieber Bernd,

es gibt noch ein weiteres, das ich gleich mal einstelle, dessen verdichtung noch weiter geht. ich habe die zusätzlichen takte dringelassen, bereite aber eine version ohne metren.kniff vor.

das thema treibt mich um, weil es jeden tag unser versagen zeigt; menschen sind spielbälle von interesse, kinderleichen pflastern den straßenrand geopolitischer und religiöser zänke und ränke. am ende bleibt dumpfer hass und tiefe enttäuschung.

lieber gruß W.
 
Hallo Walther,
fast könnte ich behaupten, Dein Sonett hätte mich zu meinem angeregt - aber so war es nicht, Deins habe ich erst nach dem Einrücken des meinen entdeckt - und freue mich, motivische Verwandtschaft vorzufinden.
In der dreimaligen Versverlängerung spüre ich eine Erinnerung an den von Gryphius so meisterhaft für die Kriegsklage benutzten Alexandriner. Ja, ich behaupte mal, Dein Text wäre in Alexandrinern womöglich stärker infolge der insistierenden und fast atemlosen Mittelzäsur.
Mit Gruß E.L.
 

Walther

Mitglied
Vom Rand


Vom Rand drängt sich der Jammer in das Bild:
Aus Rauch und Staub und Dunst ein Kinderweinen;
Im Feuer der Gewehre leises Greinen;
Und in der Schattenecke sitzt die Mutter, stillt,

Als würde nichts geschehen, ein Skelett.
Ein Donnerschlag rumort durch die Ruinen,
Schrapnells und Splitter summen wie die Bienen.
Die Munition liegt, aufgereiht, adrett,

Zum Griff bereit, die Waffen anzufüttern,
Und Salven knattern durch die Morgenluft.
Die Kugel fragt nicht, tötet grundlos jeden,

Der in der Bahn steht. Bilder gehn, verwittern:
Was bleibt, ist dieser ekelsüße Duft
Von frischem Blut in diesen Schreckensöden.
 

Walther

Mitglied
Lieber Mondnein,

danke für deinen hinweis, der dazu geführt hat, daß ich beide "überstände" rausgenommen habe, die mir die künstlerische freiheit ins ohr flüsterte. jetzt sind wir beim reinen fünfheber, der dadurch beinahe militärisch klingt.

dein vorschlag für s2v4 ist in der tat drastischer; das spricht eindeutig für ihn. daraus folgte die bearbeitung auch von s1v3.

lieber gruß W.
 

Walther

Mitglied
Lieber Eike,

danke für deinen eintrag, dessen vortrag die lange wartezeit mit auslöste. ;) ich mußte in mich gehen und die sechshebigkeit austesten. ergebnis: ich habe mich am ende gegen sie entschieden, wohl wissend, daß es dafür gute gründe gibt. evtl. entscheide ich mich später einmal um; gedichte leben ja weiter, sie sind dauernden änderungen unterworfen.

lieber gruß W.
 

Walther

Mitglied
Vom Rand


Vom Rand drängt sich der Jammer in das Bild:
Aus Rauch und Staub und Dunst ein Kinderweinen;
Im Feuer der Gewehre leises Greinen;
Im Schatten sitzt die Mutter, schweigt und stillt,

Als würde nichts geschehen, ein Skelett.
Ein Donnerschlag rumort durch die Ruinen,
Schrapnells und Splitter summen wie die Bienen.
Die Munition liegt, aufgereiht, adrett,

Zum Griff bereit, die Waffen anzufüttern,
Und Salven knattern durch die Morgenluft.
Die Kugel fragt nicht, tötet grundlos jeden,

Der in der Bahn steht. Bilder gehn, verwittern:
Was bleibt, ist dieser ekelsüße Duft
Von frischem Blut in diesen Schreckensöden.
 

Oben Unten