Das möchte ich - als dick gelesene Frau - so nicht stehen lassen!
ich bin es leid, dass sich 'Wohlmeinende' in die Brust werfen, ungefragt und ungebeten, und einen Zungenschlag in jedes Thema bringen, der in der Sache gar nichts bewirkt. Was mich daran wirklich stört, ist, dass diejenigen in meinen Augen nichts für die 'Beschützten' tun, sondern für ihr eigenes Ego!
Hast Du so tief graben müssen, bevor Du einen Text gefunden hast, bei dem noch etwas 'Beklagenswertes' zu finden war?
Vertrauen wir doch eher darauf, dass die Menschen besser wissen, welchen Schuh sie sich anziehen.
Der Mensch wird nicht resilienter, indem man ihn 'beschützt', sondern indem er es schafft, mit der Realität klar zu kommen. Wozu auch Honks gehören, die tatsächlich gemein auf Dicke reagieren. Macht es mich nicht-dick, wenn es keiner sagen darf?
Ganz abgesehen davon ist Bernd der Letzte, dem ich Unsensibilität mit dem Thema Body Shaming unterstellen würde.
Ich mag es nicht, wenn man Sprache als Kampfmittel betrachtet.
Liebe Grüße
Petra
Petra,
ich nehme zur Kenntnis, dass du
für dich anders empfindest.
Was ich allerdings nicht akzeptiere, ist, dass meine persönliche Betroffenheit hier zu einer Art fehlgeleiteter Moralpose umgedeutet wird.
Ich habe weder „tief gegraben“, noch nachträglich etwas „Beklagenswertes“ gesucht.
Ich habe auf ein
konkretes Beispiel reagiert, das im Rahmen einer Texterklärung benutzt wurde – und dieses Beispiel war, unabhängig von Intention oder Autor, durchzogen von einem Ton, der für mich eindeutig Bodyshaming transportiert.
Dass du dich als „dick gelesene Frau“ davon nicht berührt fühlst, ist dein gutes Recht.
Dass ich mich als Frau – mit eigenen Erfahrungen, eigener Geschichte, eigener Wahrnehmung – unangenehm berührt fühle, ist meines.
Hier geht es nicht um „Beschützen“, nicht um Sprachpolizei, nicht um Resilienztrainings für die Gesellschaft.
Es geht um
Wirkung.
Und Wirkung entsteht nicht erst dort, wo jemand ausdrücklich beleidigen
will, sondern dort, wo Sprache Bilder, Wertungen und Hierarchien reproduziert – oft beiläufig, oft unbedacht.
Resilienz bedeutet für mich nicht, alles stillschweigend auszuhalten.
Sie bedeutet auch, benennen zu dürfen, was einen trifft, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen oder in eine Ego-Ecke gestellt zu werden.
Und nein:
Es macht niemanden „nicht-dick“, wenn man es nicht sagt.
Aber es macht Sprache nicht harmlos, nur weil sie als Beispiel, Witz oder Stilübung daherkommt.
Dass du Bernd für sensibel hältst, glaube ich dir.
Ich habe ihm auch keine böse Absicht unterstellt.
Kritik an einem Beispiel ist keine Charakteranklage gegen einen Menschen.
Sprache ist für mich kein Kampfmittel.
Sie ist ein Werkzeug – und Werkzeuge sollte man sich anschauen dürfen, wenn sie schneiden.
Mehr wollte ich nicht sagen.
Und weniger auch nicht.
Gruß
Birgit aka Buddy