Lieber Irrturm,
ich danke dir für dein Lesen und deine so trefflichen Worte. Es freut mich, sie geschrieben zu sehen von dir. Danke für dein großes Lob.
Dein erster Satz hat im Grunde bereits beantwortet, worum sich alles dreht. Oft kreist es nur – sowie sich zeitliche Präsenz im nicht nur modernen Menschen, zu dem wir alle werden wollen, geworden wurden oder sind, abzeichnet, um beides gern zu sein: omnipräsent. Du hast etwas Ehrliches darauf gesagt, ich übertrage es in den Plural und in einen eigenen Kontext: wir kommen nicht dazu. Wir kommen, wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, genau zu diesem Punkt. Nicht alles zu beherrschen, nicht alles zu erfüllen, nicht alles mit derselben Aufnahme zu erfassen. Wir sind nicht überall. Das ist gut so.
Wir kommen zu vielen Dingen nicht. Während wir uns anstrengen, alles, aber auch alles zu erfassen, zu bemessen, zu sein. Diese Erfüllungen, die wir anstreben, sie liegen an manchen Tagen auf dem Weg, wir greifen sie, wir greifen sie nicht, sind selbst unbegreifbar darin, in unserer Erfassung. Sie wankt.
Deine Worte: „Und die Zeit ist beides: die Grenze, an die man stößt, und der Raum, der sich erst durch das Denken öffnet.“
In dieser Zeit, in diesem Raum sind wir. Wir, die Menschen, die sich schon immer als die Gewesenen in beiden suchen, strömen. Wir, die mit Fragen ihre Grenzen zu erreichen versuchen, wir die Menschen, die diesen Raum/diese Zeit nur und nun erwägen. Durch unser Denken und jedes kleine Schlängeln in diesem Gewebe ergibt sich eine ganz einzigartige Bewegung. Diese Bewegung ist zwar gebunden in eine Vorstellung. Wenn sie aber herausbricht, in ihrer Schönheit, in einem Tanz, in dem Hall eines lieben Lachens, verliert sie keine Grenze: sie findet sich. Wenn es sie wieder zersetzt und aus dieser Bewegung ein einzelner Gang wird, selbst dann ummantelt ihn eine Spur. Vielleicht sind wir nichts. Vielleicht braucht es nur ein einziges Verzeihen, ein einziges Versehen, um dieses Nichts zu lieben, das nicht das Nicht ist, wenn es uns umgibt.
Danke auch für deine wunderbare Bewertung.
Du hast mich zum Denken angeregt, das ist schön und steht außerhalb des Gedichts.
Danke dafür.
Liebe Grüße,
ubertas