Wider die Trauer

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george

Mitglied
Wider die Trauer

Schon bringt der Wind den Herbst, die Kühle,
in unser’n Bäumen, Beeten, Wiesen
schon wieder bunte Farben letzter Tage.

Schon naht die letzte reiche Ernte, trauernd
Tomaten, Äpfel, Kürbisse und Nüsse körbeweise
bergauf getragen hin zum Haus.

Reich ist sie, uns’re Ernte, paradiesisch,
doch leer und schwer das Herz,
in dem die Blätter oft gefallen.

Wider die Trauer im Wind,
so viel gehofft, gearbeitet, getragen,
wider den lautlosen Schmerz
rede und umarme ich dich.

Wider die Trauer in deinen Blicken,
wider die fragende Sehnsucht,
wider dein gesenktes Haupt
ob uns’res toten Sohns.

Und nun zum zweiten Mal gegangen
ein kleines Leben, dieses Mal am Anfang gleich.
Das Träumen, Flüstern, Lachen
gleich zerstoben, gleich verloren.

Wider den Flor in deinem Haar,
in den ersten grauen Strähnen.
Wider die stummen Fragen
in deinen feuchten Augen.

Wider die Trauer halte ich dich
und trage mit dir uns're Ernte,
die Hoffnung, Zeit, Gedanken
und die Last der Stille.



31.8.2003
 

Vera-Lena

Mitglied
gemeinsam

Lieber george,

es gibt immer wieder Schicksalsschläge zu erdulden, und wenn man jemanden hat, mit dem man so etwas gemeinsam tragen kann, ist es für beide eine bedeutsame Angelegenheit.

Wie Du die Ernte in der Natur mit der mangelnden Ernte der Beiden (keine Kinder) in Verbindung gebracht hast, auch die Jahreszeiten, die Mutter nähert sich schon dem Lebensherbst, (erste graue Haare, manche Menschen ergrauen ja schon sehr früh, und mit 48 Jahren kann man ja auch noch Kinder bekommen) das ist für mich die Stärke dieses Textes.

Liebe Grüsse Vera-Lena
 
R

rilesi

Gast
george

lieber george

diese umarmung in gedichtform ist warm und wunderbar für deine frau, sie hat sie auch bitter nötig. wie traurig, so ein schicksalsschlag.
beim 'beobachten' wird mir warm ums herz. danke.

liebe grüsse
 

george

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

danke für Deine Antwort. Ja, es kam mir auf den Gegensatz zwischen Ernte und Verlust an, den ich durchscheinen lassen wollte.

Grüsse
 

Traum

Mitglied
Betroffenheit und Trauer

Hallo George,

Dein Gedicht hat eine unendliche Tiefe, die nachklingt, und
traurig macht. Man spürt das Geschehen dahinter. all die Widrigkeiten. Danke.
Brauchte einige Zeit, um Dir darauf antworten zu können.

Wünsch Dir was

Traum
 

silverbird

Mitglied
lieber george
ein trauriges Werk das einen tiefen Einblick in die Gegensätze des Lebens gewährt. Hier die Ernte, dort kurz nach der Aussaat bereits das Ende. Es tut mir so leid, aber man darf die Hoffnung gar gar nie aufgeben, denk daran.
Lieben Gruss
silverbird
 

sekers

Mitglied
Hallo george,

wozu schreiben wir?
Antworten darauf gibt es wahrscheinlich so viele wie Blätter in Deinem Herz gefallen,
oder sollte ich sagen Blätter im Herbst fallen?
Dein Text zeigt, wenigstens mir, dass man wider das Schweigen schreibt.
Die Trauer macht oft sprachlos, und Du beschwörst das ja mit der 'Last der Stille'.
Und von Sprachlosigkeit zum Schweigen ist es ein Katzensprung, und das Schweigen lähmt (einen selbst), tötet (Beziehungen), macht was weiß ich noch was alles kaputt.
Aber Dich macht die Trauer nicht schweigen, hier wenigstens, und mit Deinem im-Text-dar-Stellen machst Du sie begreiflich, verständlich, fassbar, und damit zu etwas, mit dem man sich auseinandersetzen kann, das bewältigbar wird.
Wir schreiben wider das tödliche Schweigen.
Danke für Dein Gedicht.

G.
 

george

Mitglied
Liebe Traum, liebe silverbird, lieber sekers,
ich danke Euch für Eure Kommentare und für Eure Interpretationen.
Grüsse
 

Jongleur

Mitglied
ich werde ganz stille

George,
dem einen droht die Stille Last zu werden, er schreibt, er spricht dagegen an. Und das ist gut so.
Der andere, der Leser, kommt aus geschwätzigem Tage. Und wird mit dem Gedicht ganz stille. Und das ist gut so.
Jongleur
 

Schakim

Mitglied
Lieber boygeorge!

Mit tiefschürfenden Worten gelingt es Dir durch die geschilderten Metaphern zur Natur Gefühle auszudrücken, die nicht besser hätten gesagt werden können. Ich gratuliere!

Liebe Grüsse und einen schönen Strahletag!
Schakim
 

Grit1962

Mitglied
wider...stand

aus deinem gedicht spricht die hoffnung aber auch die pure verzweiflung deiner protagonisten. sich nicht der trauer hinzugeben, sondern gegen sie ( wider ) zu sein, birgt eine große gefahr. da denke ich persönlich an das annehmen und verarbeiten der schicksalsschläge, welches auch ein weg sein kann, sich irgendwann wieder einer guten und reichen ernte zu erfreuen.

du hast den gegensatz der aufgehenden und nicht keimenden saat ( klingt...doof...*grübel) allerdings für mich genial herausgearbeitet und ich habe große bewunderung für die sensible wahl deiner bilder und worte.

respekt und anerkennung
gruß grit
 
S

Stoffel

Gast
Hi,

nun aber mal die Frage.
Es heisst doch z.B.
"wider der Natur", daran hab ich mich orientiert.
Müsste es dann aber nicht in deinem Text heissen:

"Wider der Trauer im Wind.."
"Wider dem lautlosen Schmerz"..
"Wider der fragenden Sehnsucht.."
"Wider deines gesenktem Hauptes"(hm..)
"Wider dem Flor in deinem Haar.."
"Wider den (der)stummen Fragen.."

Ich frag ja nur...

Man ist ja nicht nur hier um lobzuhudeln..und
"ach das ist ja so schlimm.."
sondern auch..geht es hier um Textarbeit.

Entgegen meiner Vorredner interpretiere ich in diesen Text was anderes, also nicht grollig sein. Schade, das der Autor nicht darauf eingeht und ein wenig mehr sagt über die Beweggründe. Denn ich gkaube nicht, das der Autor zwei Kinder verloren hat.
Darum gehts hier sicher nicht, nicht wahr, george.

Weisst Du, meine Tochter hatte Krebs, ist dem Tod von der Schippe gesprungen und ich habe niemals..nicht..in 10 Jahren, die ich nun schreibe und veräöffentliche..solch effekthascherischen Text geschrieben.;)

Note: unterdurchschnitt.

lG
Susanne
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
M O D E R A T I O N

Hallo Stoffel,

ich bitte Dich, im Betroffenheitsforum keine Vermutungen zur Betroffenheit des Autors zu treffen. Geh davon aus.

Dein Beitrag ist in meinen Augen taktlos.

Frage das nächstemal den Autor per mail oder ON, ob Du mit Deiner Vermutung richtig liegst, bevor Du hier in munterem Plauderton Äusserungen von Dir gibst, deren Auswirkungen Du gar nicht absehen kannst.

Dies ist eine ernsthafte Warnung.

cu
lap
 
S

Stoffel

Gast
"Betroffenheit"

Hallo,

ich denke mal, wie in andren Rubriken..kann man doch hier auch..Textarbeit leisten??
Oder will der Autor nur Lob?

Frage: Darf man in dem Bereich KEINE Fragen stellen was Textarbeit angeht?

Mein voriger Kommentar hatte Fragen ZUM TEXT.
Sorry, wenn ich da nicht dahinschmelze..etc..
Mein Kommentar bezog sich auf den Text..wieso wird er dann ausgeblendet?

"daneben"?
Silverbird, ich denke mir schon was dabei und es ist NICHT daneben.

Nur weil IHR alle etwas in dem Text seht, muss ICH das noch lange nicht sehen. Jeder Leser darf bitteschön seine eigene Interpretation haben. Und ich..ich habe meine.

Bevor ich so einen Kommentar schreibe, wie vorher..da habe ich ein Gesamtbild...
seiner GANZEN Werke.

NIEMALS...hab ich aus nur EINEM Werk gelesen, von Trauer, Tod eines Kindes, etc...

SONST hätte ich wohl hier auch ein wenig anders gelesen und MIT-gefühlt.Und auchs Köpfle gstreichelt.."acxh, du armer"

Ich habe den TEXT hinterfragt..und meine Fragen wurden nicht beantwortet. Der Autor lässt sich nur...bemitleiden.Geht nicht auf den Inhalt ein. WAS er meinte, WAS ihn bewog,etc..

WIESO bitte..schreib ICH dann nie über so etwas? ICH..jemand..der ein Krebskind hatt? Wieso tun wir das nicht?

Für mich..hat das Gedicht keine Aussage und ja, ich gebe es zu..ärgert es, das da lobgehudelt wird.
Dieses "ach der arme george"...
es nervt mich an.

Jeder darf seine Meinung sagen, ich hab nicht gegen die Nettiquette verstossen..also bitte.

Man muss sich mit Texten auseinandersetzen. Können..müssen. Ansonsten muss man Tagebuch schreiben.

lG
schönen Abend
Susanne
 

Ralf.

Mitglied
Salut George

Die Verknüpfung von spätsommerlicher/herbstlicher Ernte mit Schwangerschaft und Fehl- oder Todgeburt finde ich außerordentlich gut gelungen. Die spontane, auch fröhliche, Assoziation Erntedankfest, bleibt einem in den Hirnwindungen stecken, fährt man weiter im Text fort. Das ist eine Gleichzeitigkeit von Frohsinn und Melancholie, die ich liebe.
Stolpern mußte ich jedoch ständig bei dem falschen Gebrauch des Wortes "wider". Ich bin fest davon überzeugt, daß mit den Worten "wider" und "wieder" textlich gespielt werden sollte, aber auf mich wirkte es nicht. Leider. Die Häufigkeit des Wider-Themas und der wortliche Gleichklang läßt das "wieder" von ganz allein erscheinen, meine ich.
Aber ansonsten, und das ansonsten macht den größten Teil des Gedichtes aus, finde ich es sehr schön.

Ralf.
 

blaustrumpf

Mitglied
Hallo, Ralf.

Auch mir ist dieses Flackern zwischen "wider" und "wieder" aufgefallen. Im Gegensatz zu dir finde ich es sehr reizvoll. Es mag an unseren unterschiedlichen Sprachstilen liegen.

Allerdings empfinde ich auch keinen falschen Gebrauch des "wider". Das mag an meinem Duden liegen, der auch in seiner 22. Auflage "wider" als Präposition mit Akkusativ bezeichnet.

Schöne Grüße von blaustrumpf
 

Ralf.

Mitglied
Salut blaustrumpf

Ja, auch in meinem Duden (20.A) steht "Präp. mit Akk." und vielleicht offenbare ich jetzt hier einige grammatikalische Defizite (und der lapismont schrieb mir ja vorhin, ich stünde auf der altmodischen Seite der Sprachentwicklung ;) ), aber müßte es nicht heißen:

"Wider die Trauer in deinen Blicken,
wider die fragende Sehnsucht,"

Wider der Trauer [...]
wider der fragenden Sehnsucht,[...]

Aber am liebsten ist mir ja der Genitiv. Nur nicht hier.

Ralf.
 

blaustrumpf

Mitglied
hallo, Ralf.

hier eine kleine testreihe. ich poste sie hier, um die grammatische sachlage auch für andere zu verdeutlichen.

[strike]wider + nominativ = wider wer => wider die trauer[/strike]
[strike]wider + genitiv = wider wessen => wider der trauer[/strike]
[strike]wider + dativ = wider wem => wider der trauer[/strike]
wider + akkusativ = wider wen => wider die trauer

george ist also auch in grammatischer hinsicht im recht.

grüße von blaustrumpf
 

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