Wie halten es die Anderen?

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Friedrichshainerin,

interessante Überlegungen.

Es stellt sich die Frage, wieso man überhaupt schreibt, wenn man auf der einen Seite Reaktionen möchte, sich aber auf der andere Seite "komisch" fühlt, wenn man weiß, dass man gelesen wird. Und denjenigen sogar noch kennt.

Und wieso schreibt man eigentlich? Und sogar öffentlich?

"Weil sonst die Seele birst", sagt mal jemand.

Öffentlichkeit ist nun mal offen - und der Autor muss mit Reaktionen rechnen. Und eigentlich freut man sich doch, wenn positive und auch negative Kritik kommt, denn dann werden die Texte auf jeden Fall gelesen.

Anonymität kann ein Schutz sein. Aber sie ist auch ein Stück weit feige.

Schreibt man gegen Bezahlung in diversen Jobs, so wissen die Leser, wer da schreibt. Das führt dann auch zu positiver Kritik wie "Dass du das kannst" oder "Was hast du da bloß geschrieben!"

Und warum macht man es trotzdem?

Eben! :)

Gruß DS
 
Hallo, da habe ich ja mal ins Schwarze getroffen und ein Thema berührt, dass die Meisten interessiert. Ja, warum schreibt man eigentlich? Um reich und berühmt zu werden auf alle Fälle nicht. Obwohl es ja viele gegeben hat, die gerade das geworden sind durch ihre Schriftstellerei.

Es ist nicht schlimm, wenn jemand, den du gar nicht kennst, deine intimsten Dinge, womit ich jetzt nicht das meine, woran alle denken, sondern mehr die Niederlagen, die man hatte, und die man eigentlich nicht an die große Glocke hängen möchte, meine.
Wir gibt schon gerne zu, dass er meist verlassen wurde, gesellschaftlich ziemlich unbeliebt ist und in fast jedes Fettnäpfchen getreten ist. Aber das mit den Winnern will keiner so recht lesen, höchstens auf Instagram. Wer gelesen werden will, muss sich öffentlich seine Wunden lecken und dazu bereit sein oder damit klarkommen, dass es allerhand Leute gibt, die ein bisschen zuviel über dich wissen.

Mich berührte es beispielsweise mal sehr, wie jemand in einem Forum darüber schrieb, wie er ein Mädchen, dass nicht in seine Kreise passte, nach einer Nacht einfach verließ. Man spürte den Wahrheitsgehalt der Erzählung und sein schlechtes Gewissen, dass er wohl loswerden wollte. Er machte sich Vorwürfe, dass er Vorurteile gegen Leute hat, die nicht seinem Bildungsstand entsprechen.
Wenn man sowas eingesteht, ist das fast noch entblößender, als wenn man über Sex schreibt.

Genau um dieses Problem suchen sich viele Schreiberlinge einfach herumzumogeln. Man weicht aus in Humor und Fantasy, um nichts von sich preisgeben zu müssen. Zum Glück kennt einen keiner. Beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb, werde ich mich aber outen müssen.

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.
 



 
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