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Leselupe.de > Feste Formen
„Dunkel wird einst alle Ahnung“
Eingestellt am 11. 04. 2019 11:22


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Walther
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„Dunkel wird einst alle Ahnung“

Der Alte spricht nur noch von längst vergangnen Träumen.
Er sieht in sich hinein. Er schaut nicht mehr voraus.
Er fühlt sich fremd in diesem großen neuen Haus
Und sucht sich selbst in fast vergessnen frühen Räumen.

Es ist kaum fünf, er zieht sich an und geht hinaus;
Er folgt den Spuren, die nur seine Blicke säumen,
Vorbei an Häusern, Kreuzungen und hohen Bäumen:
Er strebt zu sich zurück und findet nicht nach Haus.

Im alten Bahnhof sitzt er, knetet seine Hände
Und schlägt sie plötzlich hart und fest auf sein Gesicht.
Er quält sich, wo er ist, sein Anfang hat kein Ende,

Auch seinen eignen Namen weiß und kennt er nicht.
Er weint und schluchzt. Er fleht, dass man ihm Heimat sende.
Das Dunkel in ihm selbst verwehrt ihm jede Sicht.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 11. 04. 2019 11:22

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Label
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Lieber Walther

wie du sicher weißt, gehören Sonette nicht zu meiner bevorzugten Gedichtform -aber dieses wow.
Sehr überzeugend führt das Gedicht feinfühlig in die Welt eines an Demenz Erkrankten.

Die Überschrift bildet mit seiner Prognose noch einmal einenen Höhepunkt und schließt den Kreis vom letzten Vers zu sich selbst zurück.

zutiefst beeindruckt
Label


__________________
sie lasen soeben die buchstabenfolge, zensiert nur von eigener meinung

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Walther
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Hi Label,
danke für deinen eintrag, dein lob und die wertung. war unterwegs, daher etwas verspätet meine antwort.
das gedicht reflektiert eigenes erleben in familie und beruf. es freut mich sehr, wenn ich diese erfahrung habe nachvollziehbar darstellen können. wegen des themas erschien das sechshebige versmaß in sonettform die richtige umgebung.
der titel greift die form und ihr herkommen auf. das gryphius-sonett aus dem barock ist "dunkel" - auch die sprache hat diese melancholie um sich, die der zeit geschuldet ist.
lg W.

lb. Anbas, danke fürs reinlesen und werten. lg W.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Tula
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Hallo Walther

Sehr einfühlsam geschrieben, ohne Zweifel.

Rein "technisch" zwei Fragen bzw. Dinge, die mir als aufmerksamer Leser ins Auge dornten:
- die Wiederholung der Endreime, vor allem von ' Haus', aber auch 'Sicht' und Gesicht',
- zwei Zeilen haben 7 Hebungen anstatt 6.

Demenz ist hart, nicht zuletzt für die Angehörigen. Dafür ist das Gedicht beinah 'zu schön'.

Gern gelesen,

LG
Tula

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Walther
Routinierter Autor
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Hi Tula,

danke fürs genaue nachlesen. Ich habe die beiden verse "repariert".

die reime sind "gleich", aber nicht die inhalte bzw. bedeutungen der verwandten wörter bzw. silben. daher ist das zulässig und verstärkt sogar den effekt, den ich damit erzielen wollte.

ob das gedicht zu schön ist für das sujet? die frage ist berechtigt. es gibt den begriff des schrecklich schönen und die morbide lust an der schönheit des schreckens. beides ist uns menschen eigen.

lg W.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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HerbertH
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Lieber Walther,

schön, Dich wieder zu lesen.

Das Sonett ist grossartig, der Kunstgriff, die einzelnen Verse oft in kurze Teile mit Kommata gereiht zu teilen, bildet das Thema des Gedichtes sehr gut ein, vor allem beim lauten Lesen: Ein echter Walther

Herzliche Grüße

Herbert
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© herberth - all rights reserved
···· · ·–· –··· · ·–· – ····

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Walther
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Lieber Herbert,

danke für deine sehr freundliche besprechung meines etwas sperrigen sonetts. das thema ist schwergängig, und es bedurfte einiger bearbeitung, damit ich zufrieden war.

es freut mich sehr, daß der text dir als erfahrenem sonetter zusagt. und, ja, ich bin gerne wieder da. manchmal schafft die zeit es, hindernisse zu beseitigen, die unüberwindbar schienen.

lieber gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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