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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Am See
Eingestellt am 03. 07. 2018 09:44


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sorglos
BlĂŒmchendichter
Registriert: Jun 2018

Werke: 3
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„Da möcht‘ ich immer bleiben“, sagt sie –
ist mir entrissen worden, das Herz entrissen.
Alte FĂŒĂŸe an zittrigen Beinen, gehen nicht mehr,
der Rollstuhl im Eck am 31. Mai.
„Im Klostergarten haben sie Babys verscharrt,
ungewollte Schwangerschaften mittelloser MĂŒtter, hunderte.“
MĂŒde, leere Augen klagen an –
der Schrei der Vergessenen aus dem Munde ohne Gebiss.
Alte HĂ€nde, die nicht mehr halten wollen, falten StofftaschentĂŒcher.
Eingefallen ihre Lippen zu tiefen Furchen und Falten.
Ein Billa an morschen SĂ€uglingsknochen und die letzte Zeugin,
die nach ihrer Schultasche fragt.
Wirre Tage und doch so schön vertraut.
Unter dem Kirschbaum steht die Bank, auf der sie saß.

Ich trÀne einen Natursee aus all ihrer Liebe und Vollkommenheit,
aus allem Schmerz, den die Welt je ertragen kann.
Fische erzÀhlen stumm Geschichten.
Es sind die ihren.

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Registriert: Nov 2005

Werke: 209
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Hallo sorglos, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele GrĂŒĂŸe von ENachtigall

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Trainee
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Registriert: Oct 2017

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quote:
Da möcht‘ ich immer bleiben“, sagt sie –
ist mir entrissen worden, das Herz entrissen.
Alte FĂŒĂŸe an zittrigen Beinen, gehen nicht mehr,
der Rollstuhl im Eck am 31. Mai.
„Im Klostergarten haben sie Babys verscharrt,
ungewollte Schwangerschaften mittelloser MĂŒtter, hunderte.“
MĂŒde, leere Augen klagen an –
der Schrei der Vergessenen aus dem Munde ohne Gebiss.
Alte HĂ€nde, die nicht mehr halten wollen, falten StofftaschentĂŒcher.
Eingefallen ihre Lippen zu tiefen Furchen und Falten.
Ein Billa an morschen SĂ€uglingsknochen und die letzte Zeugin,
die nach ihrer Schultasche fragt.
Wirre Tage und doch so schön vertraut.
Unter dem Kirschbaum steht die Bank, auf der sie saß.

Ich trÀne einen Natursee aus all ihrer Liebe und Vollkommenheit,
aus allem Schmerz, den die Welt je ertragen kann.
Fische erzÀhlen stumm Geschichten.
Es sind die ihren.

Hallo Sorglos,
du hast bestimmt aus der Lyrikecke zu uns gefunden, nicht wahr? Deren Aufgabe wird uns bestimmt noch einige NeuzugÀnge verschaffen.-

Ganz im Gegensatz zu deinem Nick bescherst du uns hier ein Werk,
das eine Menge an Weltenleid zusammenfasst: das Verlassen-Werden, eine Behinderung, ungewollte Schwangerschaften im klösterlichen Umfeld, Armut (in diesem Zusammenhang die gebissfreien MĂŒnder?), die Crux mit dem Altwerden und eine Zeugin ohne Zeugenschutzprogramm.

Kein Wunder, dass nun ein "Natursee getrÀnt wird" und selbst die Fische verstummen.

Nach so viel Leid fÀllt mir nix mehr ein. Bleibt nur die Frage, ob eins davon nicht zureichend gewesen wÀre ...

Freundliche GrĂŒĂŸe
Trainee
__________________
Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen / Von fern bin ich Zora, von Nahem: Sabinchen (Simone Borowiak)

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Trainee
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Hallo Sorglos,
ich melde mich nochmal, weil ich vermutlich zu unwirsch rĂŒberkomme.

Die meisten Hobbydichter schreiben gern Trauriges. Das ist völlig in Ordnung.
Ein Element deines Gedichts, nĂ€mlich die "stummen Fische" ließen sich mit Sicherheit ausbauen.
Die Fische mĂŒssten dann allerdings in den Focus gerĂŒckt werden, als solche, die viel gesehen haben. Aus all dem Vielen solltest du dir allerdings maximal (!) drei Beispiele heraussuchen, die zueinander passen.
E i n Gedicht kann nicht ein ganzes Leben umfassen. Falls doch, ist es von einem großen Meister, dann oft von auffallender KĂŒrze.
Also, lass dich nicht entmutigen, versuch es einfach immer wieder neu.

Liebe GrĂŒĂŸe
Trainee
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Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen / Von fern bin ich Zora, von Nahem: Sabinchen (Simone Borowiak)

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Mondnein
Routinierter Autor
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Liebes sorglos!

Das Wesentliche in den freundlichen Hilfefestellungen Trainees, nĂ€mlich ihr MallarmĂ©-Zitat, hast Du einfach ĂŒbergangen. Ich stimme MallarmĂ© nicht nur zu, sondern wĂŒrde seine "Meinung" (nur scheinbar ein Kritik-Kriterium) als Prinzip jeder Lyrik verallgemeinern:

Lyrik ist nicht GefĂŒhlsausbruch, sondern Text. Der Leser sieht ein sprachliches Gebilde, oder er hört es. An diesem sprachlichen Gebilde dreht er seinen inneren Film, er liest.
Das lyrische Ich eines Textes ist innerhalb dieses inneren Filmes eines Lesers eine der Rollen, die von Schauspielern getragen werden. Wie im Traum: Wenn mir eine Kollegin im Traum "erscheint", ist es nur eine Filmrolle, beim Aufwachen bin ich erleichtert. Deine Oma wird mir im inneren Film nicht erscheinen, denn ich kenne sie nicht.

grusz, hansz


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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