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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Todestanz
Eingestellt am 21. 01. 2016 18:41


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onivido
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Martín konnte sich nicht erklären, was in ihn gefahren war. Er hatte sich in ein Zimmermädchen des Continental verliebt. War es vielleicht Heimweh? Bei einem kurzen Wortwechsel hatten sie sich als Landsleute erkannt. Reflexartig hatte er sie zu einem Strandbesuch an ihrem freien Tag überredet. Die dunkle Aphrodite hatte Aufsehen erregt und auch Martín war ihren Reizen verfallen. Yamilé war in einer Siedlung am Stadtrand aufgewachsen. Ihre Bewohner waren vom Land in die Stadt gezogen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, besser als die Schufterei auf dem Lande unter der sengenden Sonne. Im Laufe der Jahre hatte sich dieses Labyrinth von unverputzten Ziegelbauten mit Wellblechdächern und Holzhütten dazwischen zu einem Slum gewandelt. In den engen, winkeligen Gassen herrschten Banden. Drogen, Überfälle und Morde waren alltäglich. Yamilé war diesem Sumpf des Elends entflohen. Wie viele Lateinamerikaner war sie illegal nach Spanien eingewandert. Martin gefiel, wie sie sich in jeder Situation zurecht fand, trotz des wenig stimulierenden Umfelds in dem sie aufgewachsen war. Er bewunderte ihre Entschlossenheit ihren Traum von einem Leben an einem Ort wahrzumachen, an dem sie nicht fürchten musste, dass eine verirrte Kugel aus dem Nichts dem Leben ihrer Kinder ein jähes Ende bereiten würde.
Im Vergleich mit ihr schnitt er schlecht ab. Seine Eltern waren nicht arm. Er hatte studiert, war im Besitz eines Passes der europäischen Gemeinschaft und hatte nichts Anderes zu tun gefunden, als Flüchtlinge auf seinem Catamarán von Nordafrika nach Spanien zu transportieren. Was ihn dabei antrieb war weniger der finanzielle Gewinn; manchmal, wenn das “Landemanöver” reibungslos vonstatten gegangen war, gab er seinen Passagieren beschämt die Hälfte der Bezahlung zurück. Was ihn reizte, war die Polizei und die Küstenwache zu überlisten, sich gegen die Allmacht eines Staates zu stemmen und vor allen Dingen den gewissenlosen Menschenschmugglern Kunden wegzunehmen. Bei Gelegenheit wollte er später Yamilé die Wahrheit beichten. Er hatte ihr erzählt, er sei Geologe, was auch nicht gelogen war.
Heute hatten sie eine lange Bergwanderung hinter sich. Die Dunkelheit war bereits hereingebrochen. Sie wollten den Zehnuhrzug zur Küste nicht verpassen. Um Zeit zu gewinnen wählten sie einen Schleichweg durch einen Olivenhain. Mitten im Hain brannte ein Feuer, um das lachende Männer standen. Yamilé wollte die Gruppe umgehen, aber Martín hatte es eilig und wollte keine Zeit verlieren. In unmittelbarer Nähe sahen sie den Grund der Heiterkeit der Männer. Von dem Ast eines Olivenbaums hing eine Schlinge, die um den Hals eines Galgos (spanischer Windhund) gelegt war. Der Hund musste sich auf seinen Hinterbeinen balanzieren, um nicht von der Schlinge erdrosselt zu werden. Dieses Schicksal würde ihn ereilen, wenn er ermüdete.
Niemand hatte sie bemerkt und MartĂ­n schlug jetzt vor, einen Umweg zu machen.
“Wir können doch nicht zulassen, was sie mit dem Hund machen“, sagte Yamilé empört.
Martín zögerte.
“Bist du zu feige “, flüsterte Yamilé beinahe unhörbar.
MartĂ­n antwortete nicht.
War es Verachtung, oder nur ungläubiges Erstaunen, was sich in Yamilés schwarzen Augen spiegelte? Ihr Blick schmerzte Martín mehr als ihre Worte.
Seine Antwort hörte sie nicht mehr.
Sie war in den Kreis des Lichtscheins getreten und schritt, taub für die gegrölten Zoten der Tierschinder, auf den zappelnden Hund zu, hob ihn an und ehe einer der Umstehenden sie daran hindern konnte, streifte sie die Schlinge von seinem Hals und liess ihn los.
Erst jetzt erholten sich die Kerle von ihrer VerblĂĽffung.
“Negra de mierda”, brüllte ein bulliger Fettwanst und zerrte Yamilé an den Haaren auf die Knie. Yamilé krallte ihre Fingernägel in seinen Unterarm. Er schüttelte sie wie ein Pitbull eine Katze.
Ein Knall.
Aufschreiend liess der Mann von Yamilé ab. Sein linker Schuh färbte sich blutrot. Martín stand neben ihm. Im Dämmerlicht verlieh ihm eine Sonnenbrille das Aussehen eines Sicarios. Er hielt eine Pistole in der Hand, mit dem Kolben waagrecht, wie Yamilé es bei den choros – den Gangstern im Slum - viel zu oft gesehen hatte.
“¡Quietecitos todos!”
“Auf den Boden, oder ich lege euch um!” befahl Martín mit heiserer Stimme.
“¡Sudaca del carajo!”
MartĂ­n antwortete nicht. Seine Pistole bellte, als der Mann einen Schritt auf ihn zumachte. Schreiend fasste er sich an die Schulter und sank auf die Knie.
Das Gelächter, das Grölen war verstummt. Nur das Stöhnen der Verwundeten und das Zirpen der Grillen unterbrach die Stille. In der Ferne auf der Landstrasse summten die vorbeifahrenden Autos.
“Zieht eure Schuhe aus und gebt mir eure Handies”, befahl Martin.
Er sammelte Schuhe und Telefone ein, warf sie ins Feuer und drückte Yamilé die Pistole in die Hand.
“Wenn sich einer rührt, jagst du ihm eine Kugel in den Leib”.
Er fasste die Schlinge, nahm Mass an seinem Nacken und verkĂĽrzte das Seil mit einem Seemannsknoten.
Dann nahm er die Pistole wieder aus Yamilés leicht zitternder Hand und ging ein paar Schritte auf die am Boden liegenden Männer zu. Mit dem Pistolenlauf zeigte er auf einen korpulenten Mann mittleren Alters.
“Steh auf” befahl er .
“Bring ihn her”, sagte er und deutete mit dem Lauf auf einen Eimer.
Mit der Pistole lenkte er den Mann mitsamt Eimer zu der Schlinge.
Yamilé ahnte wozu Martín den Eimer brauchte.
“Übertreib nicht”, sagte sie
Martín schien ihren Einwand nicht gehört zu haben. Er stellte den Eimer mit dem Boden nach oben unter die Schlinge.
“Steig auf den Eimer”, befahl er.
Der Mann bewegte sich nicht
MartĂ­n richtete den Lauf auf den Unterleib des Mannes
“Was ist dir lieber, ein paar Minuten mit einer Schlinge um den Hals zu tanzen wie ein Galgo, oder von einer Kugel kastriert zu werden?”
Weinend stieg der Mann auf den Eimer.
Martín legte ihm die Schlinge um den Hals. Ein Fusstritt gegen den Eimer, der Mann fiel, fing sich auf seinen Zehenspitzen und tänzelte verzweifelt, um das Gleichgewicht zu bewahren. Der Strick lag gespannt um seinen Hals. Wenn er ermüdete würde er sich selbst erhängen, wie ein Galgo.
Seine Kumpane wagten nicht ihm beizustehen, solange MartĂ­n sie mit der Pistole bedrohte.
Langsam wandte sich Martín zum Gehen. Er fasste Yamilé bei der Hand, hielt sie fest in der seinen. Er würde versuchen sie zu halten, solange er lebte.

Die vorstehende Geschichte ist leider nicht ganz erfunden.
Dieser Spektakel wird im ländlichen Spanien“el baile de la muerte- der Todestanz” , oder auch “tocar el piano” – “Klavier spielen” genannt, wahrscheinlich weil der Hund verzweifelt mit den Vorderpfoten rudert, um sich auf zwei Beinen halten zu koennen.
Uebrigens “ Sudaca” sagen die Spanier wenn sie einen Suedamerikaner beleidigen wollen.




Version vom 21. 01. 2016 18:41
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Rumpelsstilzchen
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Tach onivido!

Wieder einmal eine Deiner lebenssaftigen Geschichten, wie immer kräftig und mit leuchtenden Farben gemalt!
Hast dabei ein wenig gekleckert, bin so frei, die Spritzer abzutupfen:


Martín konnte sich nicht erklärenKomma was in ihn gefahren war. Er hatte sich in ein Zimmermädchen des Continentals ist ein Eigenname

In den engen, winkeligen Gassen herrschten Banden, Punkt statt Komma

Drogen, Überfälle und Morde waren alltäglich. Yamilé war diesem Sumpf des Elends entflohen. Wie viele Lateinamerikaner war sie illegal nach Spanien eingewandert. Martin gefiel, wie sie sich in jeder Situation zurecht fand, trotz dem des wenig stimulierenden Umfeldes in dem sie aufgewachsen war. Er bewunderte ihre Entschlossenheit ihren Traum von einem Leben an einem Ort wahrzumachen, an dem sie nicht fürchten mussteKomma dass eine verirrte Kugel aus dem Nichts dem Leben ihrer Kinder ein jähes Ende bereitete bereiten würde.

Was ihn dabei antriebKomma war weniger der finanzielle Gewinn; manchmal, wenn das “Landemanöver” reibungslos von statten vonstatten gegangen war, gab er seinen Passagieren beschämt die Hälfte der Bezahlung zurück. Was ihn reizteKomma war die Polizei und die Küstenwache zu überlisten, sich gegen die Allmacht eines Staates zu stemmen und vor allen Dingen den gewissenlosen Menschenschmugglern Kunden wegzunehmen. Bei Gelegenheit wollte er später Yamilé die Wahrheit beichten. Er hatte ihr erzähltKomma er sei Geologe, was auch nicht gelogen war.

Sie wollten den Zehn- Uhr -Zug Zehnuhrzug zur KĂĽste nicht verpassen.

Der Hund musste sich auf seinen Hinterbeinen balanzierenKomma um nicht von der Schlinge erdrosselt zu werden. Dieses Schicksal ereilte wĂĽrde ihn ereilen, wenn er ermĂĽdete.

Niemand hatte sie bemerkt und MartĂ­n schlug jetzt vorKomma einen Umweg zu machen.

“Wir können doch nicht zulassenKomma was sie mit dem Hund machen“, sagte Yamilé empört.

Sie war in den Kreis des Lichtscheins getreten und schritt, taub für die gegrölten Zoten der Tierschinder, auf den zappelten zappelnden Hund zu, hob ihn an und ehe einer der Umstehenden sie daran hindern konnte, streifte sie die Schlinge von seinem Hals und liess ließ ihn los.

Aufschreiend liess ließ der Mann von Yamilé ab.

Schreiend fasste er der Getroffene (sonst falscher Bezug)sich an die Schulter und sank auf die Knie.

Er fasste die Schlinge, nahm Mass Maß an seinem Nacken und verkürzte das Seil mit einem Seemannsknoten. vielleicht Palstek? Ein Henkerknoten wäre ja wirklich Mord ...

“Übertreib nicht”, sagte sie Punkt

Der Mann bewegte sich nicht Punkt

Ein Fusstritt Fußtritt gegen den Eimer, der Mann fiel, fing sich auf seinen Zehenspitzen und tänzelte verzweifeltKomma um das Gleichgewicht zu bewahren. Der Strick lag gespannt um seinen Hals. Wenn er ermüdeteKomma würde er sich selbst erhängen, wie ein Galgo.
Seine Kumpane wagten nicht ihm beizustehen, solange MartĂ­n sie mit der Pistole bedrohte.. Leerzeichen und dann 3 Punkte

Er wĂĽrde versuchen sie zu haltenKomma solange er lebte.


Ein paar Absätze wären auch nicht schlecht ...


Schnupperte am Wattebausch
und versank im Farbenrausch
__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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Ji Rina
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quote:
@onivido: "...ein bischen am Arm herumschnipselte...."

Also, ich wĂĽrd so sagen:

quote:
"""Martín konnte sich nicht erklären was in ihn gefahren war. Er hatte sich in ein Zimmermädchen des Continentals verliebt. War es vielleicht Heimweh? Bei einem kurzen Wortwechsel hatten sie sich als Landsleute erkannt. Reflexartig hatte er sie zu einem Strandbesuch an ihrem freien Tag überredet. Die dunkle Aphrodite hatte Aufsehen erregt und auch Martín war ihren Reizen verfallen. Yamilé war in einer Siedlung am Stadtrand aufgewachsen. Ihre Bewohner waren vom Land in die Stadt gezogen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, besser als die Schufterei auf dem Lande unter der sengenden Sonne. Im Laufe der Jahre hatte sich dieses Labyrinth von unverputzten Ziegelbauten mit Wellblechdächern und Holzhütten dazwischen zu einem Slum gewandelt. In den engen, winkeligen Gassen herrschten Banden, Drogen, Überfälle und Morde waren alltäglich. Yamilé war diesem Sumpf des Elends entflohen. Wie viele Lateinamerikaner war sie illegal nach Spanien eingewandert. Martin gefiel, wie sie sich in jeder Situation zurecht fand, trotz dem wenig stimulierenden Umfeld in dem sie aufgewachsen war. Er bewunderte ihre Entschlossenheit ihren Traum von einem Leben an einem Ort wahrzumachen, an dem sie nicht fürchten musste dass eine verirrte Kugel aus dem Nichts dem Leben ihrer Kinder ein jähes Ende bereitete. Im Vergleich mit ihr schnitt er schlecht ab. Seine Eltern waren nicht arm. Er hatte studiert, war im Besitz eines Passes der europäischen Gemeinschaft und hatte nichts Anderes zu tun gefunden, als Flüchtlinge auf seinem Catamarán von Nordafrika nach Spanien zu transportieren. Was ihn dabei antrieb war weniger der finanzielle Gewinn; manchmal, wenn das “Landemanöver” reibungslos von statten gegangen war, gab er seinen Passagieren beschämt die Hälfte der Bezahlung zurück. Was ihn reizte war die Polizei und die Küstenwache zu überlisten, sich gegen die Allmacht eines Staates zu stemmen und vor allen Dingen den gewissenlosen Menschenschmugglern Kunden wegzunehmen. Bei Gelegenheit wollte er später Yamilé die Wahrheit beichten. Er hatte ihr erzählt er sei Geologe, was auch nicht gelogen war.

Martin hatte sich in sie verliebt (ist also bereits von ihren Reizen überzäugt) In der folgenden Beschreibung könntest Du veilleicht in zwei Zeilen erklären, dass sie aus einem Slum stammt. Daraus versteht der Leser alles andere von selbst: Banden, Drogen, etc...
Mit der Zeile „Martin gefiel, wie sie sich in jeder Situation zurecht fand“ willst Du ihre Entschlossenheit beschreiben. Das Martins Eltern nicht arm waren, dass er studiert hatte, ist glaub ich, unnötig für diese Geschichte.

Hin und wieder transportiert er Flüchtlinge nach Spanien und gab ihnen manchmal beschämt ein Teil des Geldes zurück. Ihr hatte er erzählt, er sei Geologe.

So wie der Text jetzt dasteht, gefällt er mir gut. Aber er teilt sich in zwei "Etappen" (?): Eine lange Beschreibung Über Martins und Yamiles Herkunft im ersten Teil – und erst dann „die Aktion“ „das komprimierte Geschehen“ im zweiten. Eine Abrundung wäre wohl von Vorteil, damit „beide Teile“ zu einem Teil werden.

Wer sagte nochmal: Kurz Schreiben ist s e h r schwer....? Aber gerade das gefällt mir bei Dir.

__________________
Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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