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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Der chinesische Spiegel
Eingestellt am 02. 02. 2017 15:49


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Toni Saller
Hobbydichter
Registriert: Jan 2017

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Kommissar Hans Freiholz sass wie oft über Mittag im 'Peking Garden'. Das kleine chinesische Restaurant und Take away lag nicht weit vom Kripogebäude, war günstig, gut, und es bot Hans einen kleinen Spaziergang weg von der täglichen Routine. Freiholz liebte das einfache Lokal und verschmähte den aufgemotzten und teuren Chinesen vis-à-vis. Was er nicht verstand, wieso Qiu Chen seinen 'Peking Garden' verspiegelte. Der Raum verlor dadurch seinen Charme und wirkte steril, und Hans wollte sich nicht selber beim Essen zuschauen.

„Kannst du das entziffern?“ Hans zog eine Postkarte mit wie es schien chinesischen Schriftzeichen aus seiner Innentasche und hielt sie Chen vors Gesicht, während er mit den Essstäbchen eine Portion gebratene Nudeln in den Mund schob.
„Sieht nach China aus, kann es aber nicht entziffern“. Chen zog sich rasch wieder hinter seine Theke zurück und verschwand in einer Wolke über seinen dampfenden Pfannen.

Eine Stunde später sass Freiholz in seinem Büro, die Füsse auf dem Tisch und sinnierte mit der Karte in der Hand über seinen Fall. Vor drei Tagen starb ein chinesischer Diplomat in der Villa 'Sührle', dem Stammhaus der berühmten Waffendynastie am reichen Zürichberg. Drei Ermittler arbeiteten daran, die Karte wurde beim Toten gefunden.

'Verbrechen oder Unfall?', so titelte das Boulevardblatt ihren heutigen Bericht, um gleich im Untertitel einen Frontalangriff auf die Kripo zu starten: 'Schläft die Polizei?' Selbst die chinesische Botschaft wurde aktiv und setzte einen Preis für denjenigen Polizisten aus, der den Fall lösen würde, und zwar ein Semester Fortbildung an einer Shanghaier Universität.
Das würde sich Freiholz gerne gefallen lassen, endlich einmal weg aus diesem Zürcher Mief. Nun konkurrenzieren sich gleich drei Zürcher Kommissare, doch während
seine Kollegen hyperaktiv sind, schaukelt Hans nur ratlos in seinem Stuhl. Auch der Autopsiebericht lässt auf sich warten, die Todesursache konnte noch nicht ermittelt werden.

Freiholz weicht seinem Konterfei im Spiegel aus, er ist müde und bestellt bei Chen heute nur eine Hühnersuppe. „Sorry, gibt es im Moment nicht“. Verschwörerisch winkt Chen Hans zu sich, um ihm ins Ohr zu flüstern: “Import ist verboten, gab Toten in Deutschland, nicht gelesen in Zeitung?“
Hans erinnert sich schwach, darüber im Internet gelesen zu haben. In Stuttgart starb jemand am offenbar aggressivsten Virus, der jemals gefunden wurde. Der sei mit grosser Sicherheit durch ein importiertes Huhn übertragen worden, was zwar offiziell nie bestätigt wurde, doch es reichte immerhin für ein vorsorgliches Importverbot für Hühner aus China.
„Also dann Rind, süss sauer.“

Eine riesige Aufregung auf der Polizei am nächsten Tag, als Hans, der wieder einmal verschlafen hatte, gegen 11:00 Uhr das Gebäude betrat.
Ruth Saner, seine Sekretärin faltete ihre Hände wie zum Gebet und klärte Hans auf: „Freddi Rölli ist von Hunden angefallen worden, als er den Garten der Villa 'Sührle' untersuchen wollte, du weisst doch, der chinesische Diplomat. Freddi liegt in der Intensivstation des Universitätsspitals. Er kommt durch, aber ist das nicht schrecklich?“

Hans geht kurz ins Büro, um die Post durchzusehen und meldet sich gleich zum Mittagessen wieder ab. Vor dem' Peking Garden' zögert er. Nein diesmal versucht er den teuren Chinesen vis-à-vis. Auch im 'China Paradise' Spiegel, allerdings diskret und leicht verdunkelt. Hans sucht das Gespräch mit dem freundlich wirkenden Kellner. „Gibt es schon wieder Huhn?“, fragt er diesen. „Immer noch riskant, verboten, Deutschland drei Tote.“ Der Preis für die ausgezeichneten gebratenen Nudeln war leicht zu hoch, aber nicht überrissen. „Kannten sie zufällig Lu Zhong, den verstorbenen chinesischen Diplomaten?“
„Ja ja, Zhong, Stammgast hier, war sehr netter Mann, immer viel Trinkgeld, ja ja Zhong, sehr schade.“

15:30 sass Hans Zeitung lesend in seinem Stuhl, als Ruth die Türe aufriss. „Ruedi ist verunfallt.“ Ruedi Fischer , der zweite Ermittler im Fall Zhong. Hans faltete ruhig die Zeitung zusammen. „Wie denn das?“
„Er hat auf seinem Motorrad einen verdächtigen Angestellten der Villa 'Sührle' verfolgt und ist dabei gestürzt. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.“
Um 17:00 war Hans auch mit dem Kulturteil durch und machte sich auf den Heimweg. Nach dem ersten Schluck Bier in der 'Central Bar' hatte er eine Idee und machte auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher ins 'China Paradise'.

Am nächsten Tag sitzt Hans im 'Peking Garden', pfeifend und bestellt ein 'Tsingtao'.
„Heute fröhlich, warum?“
„Ich habe den Fall gelöst und ein Semester Shanghai gewonnen.“
„Gratuliere, und wie Lösung?“
„Lu Zhong war vor sieben Tagen im 'China Paradise' zum Essen, und weisst du, was er gegessen hat?“
Das 'Tsingtao' war fast leer, als Zhong sich freudenstrahlend auf die Stirn schlug und beinahe schrie: „Huhn!“
Freiholz hielt triumphierend die Karte mit den orientalischen Schriftzeichen in die Höhe.
Da schlug sich Chen erneut auf die Stirn: „Da, schauen im Spiegel, ich kann lesen jetzt, Zeichen verkehrt geschrieben. Typisch Konfuzius!“
Freiholz wurde hellhörig. „Das ist eine konfuzianische Weisheit? Was heisst es?“
„Durch Nichtstun alles erreichen. Stimmt bei ihnen haargenau.“




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jon
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Ganz schnell ein kurzes Feedback:

Das ist mir etwas zu rasch runtererzählt, aber das ist Geschmackssache.
Die Zeitabläufe sind unklar - du wechselst zwischen Vergangenheit und Gegenwart, aber ich sehe nicht, warum.
Absätze immer mit oder immer ohne Leerzeile.

Wieso arbeiten drei voneinander unabhängige Kommissare an einem Fall? Gibt es zu wenige Fälle, so dass die sich um Arbeit streiten müssen? Jaja, ich weiß, die Ausschreibung – nur: Suchen sich die KripoLeute in Zürich ihre Fälle immer selbst aus?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Choricillo
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Verwechslung des Namens am Ende

Hallo Toni!
Mir gefällt die Idee und auch die Darstellung von Hans F. sehr gut. Das mit den Zeiten (Geenwart/Vergangenheit) hat Jon ja schon erwähnt. Wenn dir die Geenwartsform mehr zusagt, dann ist das OK. Es soll nur innerhalb des Textes einheitlich sein. So wirkt das. Ganze für mich wie der allererste Rohentwurf, wo die einzelnen Absätze zu unterschiedlichen Zeiten un in unterschiedlichen Situationen geschrieben wurden (wenigstens sehen so meine Rohentwürfe aus, haha)!

Wie auch immer, zwei Dinge will ich anmerken:
1. Im letzten Absatz schlägt sich Zhong auf die Stirn. Aber Zhong ist das Opfer. Es sollte also eher Chen, der Eigentümer des Lokals, den Geistesblitz haben.
2. Warum werden HĂĽhner aus China importiert? Gibt es in Deutschland, der Schweiz oder irgendeinem anderen Land keine HĂĽhner?

Und da gibt irgendwo einen Rechtsxhreibfhler, da ich aber grad mit Menem microHandy am Werk bin, finde ich den wohl nicht (auch der Grund,warum ich kein ZitateingefĂĽgthabe).

Gruss
Choricillo

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It always seems impossible until it's done (Nelson Mandela)

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