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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Egons Traumjob (W)
Eingestellt am 11. 10. 2017 10:40


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ThomasQu
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Egons Traumjob

Grinsend ĂŒberflog Egon die Stellenbeschreibung, die in der FußgĂ€ngerzone in einem Schaufenster aushing.
Wenn das wirklich ernst gemeint war, dann musste er nicht lange ĂŒberlegen. Dieser Job war wie geschaffen fĂŒr ihn. Die leichteste Art und Weise, sich etwas zu seiner spĂ€rlichen FrĂŒhrente hinzuzuverdienen.
Kurzentschlossen betrat er das GeschĂ€ft, sprach die erstbeste VerkĂ€uferin auf das Stellenangebot an und zwei Minuten spĂ€ter saß er im BĂŒro des stellvertretenden GeschĂ€ftsfĂŒhrers. Nach einer kurzen Unterhaltung war alles klar. Egon hatte den Job. Arbeitszeit tĂ€glich neun bis achtzehn Uhr.

Das war mal ein Grund zum Feiern. Die Stehtrinkhalle im Bahnhof war der gĂŒnstigste Gastronomiebetrieb weit und breit. Vierundzwanzig Stunden geöffnet. Dort traf sich Egon gelegentlich mit seinen Freunden und heute hielt er alle frei. Die Kumpels grölten, als er seine neue Arbeit beschrieb, die er gleich am nĂ€chsten Tag antreten sollte.

Erst am frĂŒhen Morgen löste sich die illustre Runde auf und einer nach dem anderen machte sich torkelnd auf den Heimweg.
Draußen war die Luft kĂŒhl und Nieselregen setzte ein. Egon atmete tief durch. Er fĂŒhlte sich, als wĂ€re er in einem halsbrecherischen Karussell gefangen, das einfach nicht mehr anhalten wollte. Die ganze Gehsteigbreite beanspruchte er fĂŒr sich und immer wieder musste er sich an HĂ€userwĂ€nde lehnen, um nicht hinzufallen.
Geraume Zeit spĂ€ter stand er vor seiner HaustĂŒr, suchte umstĂ€ndlich nach dem richtigen SchlĂŒssel, sperrte auf und mĂŒhte sich bis zu seiner Wohnung, hoch oben im dritten Stock.
Jetzt brauchte er dringend eine StĂ€rkung. WĂ€hrend die Kaffeemaschine gurgelte ließ sich Egon entkrĂ€ftet auf seinen KĂŒchenstuhl fallen. Noch drei Stunden bis sein erster Arbeitstag begann. Bleierne MĂŒdigkeit hatte ihn mittlerweile erfasst, gegen die der Kaffee nur schwer ankam. Egon versuchte alles um sich wach zu halten, lief in seiner Wohnung auf und ab, duschte kalt, streckte den Kopf aus dem Fenster, absolvierte TurnĂŒbungen 


Endlich war es halb neun. Egon packte seine Arbeitskleidung in eine Tasche und machte sich auf den Weg.
PĂŒnktlich kam er an, eine von den VerkĂ€uferinnen war gerade dabei, die LadentĂŒre aufzusperren. Im Aufenthaltsraum fĂŒr die Mitarbeiter zog er sich rasch um und ging im Bademantel durch den Verkaufsraum in Richtung der Schaufenster. Dort war alles schon fĂŒr ihn vorbereitet. Eine VerkĂ€uferin zog den Vorhang zurĂŒck, der den Verkaufsraum vom Schaufensterbereich abtrennte. Unsicher kraxelte er die zwei Stufen hoch, legte den Bademantel ab, unter dem ein gestreifter Pyjama zum Vorschein kam und ließ sich in das frisch gemachte Bett fallen.
Endlich! Sein Traumberuf!
Draußen brachte gerade ein Dekorateur einen Schriftzug an der Schaufensterscheibe an:
SO GUT SCHLAFEN SIE IN EINEM BETT VON BETTENHAUS KRÖGER

Version vom 11. 10. 2017 10:40
Version vom 20. 10. 2017 07:24

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Alberta
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An das
Bettenhaus Kröger
GeschÀftsleitung


Sehr geehrte GeschÀftsleitung,


durch meinen Bekannten, Herrn Egon Hackendicht, habe ich erfahren, dass Sie in Ihrem Bettenhaus noch engagierte und zuverlÀssige Betten-Models suchen.
Nach meiner langjÀhrigen TÀtigkeit als diplomiertes Hundefutter-Model bei Schnappi&Consorten suche ich eine neue berufliche Herausforderung.
Schon seit meiner Kindheit liege ich gerne. An der Volkshochschule habe ich ein Diplom im Seitenliegen erworben, weitere Liege- und Beischlafpositionen bin ich gerne bereit, mir ĂŒber Fort- und Weiterbildungen anzueignen.
Sehr gerne wĂŒrde ich mich im Schaufenster Ihres Hauses zu Egon betten, gerne auch in andere Betten, mit anderen Herren.
Ich habe das Potential und die Bereitschaft, mich bis in die oberen Etagen Ihres Unternehmens hochzuschlafen.
Unter/neben/auf Kollegen bin als teamfÀhige, unterhaltsame und sportiver Betthase bekannt und beliebt.
Zu einem VorstellungsgesprÀch komme ich gerne. Auch mehrmals.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Alberta Schrömpel

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ThomasQu
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Sehr geehrte Frau Schrömpel,

bitte unterschĂ€tzen Sie die TĂ€tigkeit des WerbeschlĂ€fers nicht. Grundvoraussetzung dafĂŒr ist ein wirklich fester Schlaf.
Unsere Schaufenster sind auch tagsĂŒber grell beleuchtet. Aus den VerkaufsrĂ€umen dringt permanent Stimmengewirr bis zu Ihnen, viele Passanten, die vor dem Fenster stehenbleiben, klopfen an die Scheibe und, was noch erschwerend hinzukommt – die SchlafgerĂ€usche des Herrn Hackendicht, wegen derer sich seine Frau vor zehn Jahren von ihm hat scheiden lassen. Auf einen so begabten, zuverlĂ€ssigen und motivierten Mitarbeiter können wir natĂŒrlich unmöglich verzichten.

Falls Sie dennoch Interesse an einer Werbeschlaf-TĂ€tigkeit in unserem Hause haben, können Sie sich jederzeit an unseren stellvertretenden GeschĂ€ftsfĂŒhrer Herrn NimmermĂŒd wenden.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,

Karl-Otto Kröger

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Alberta
Guest
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Sehr geehrter Herr Kröger,

herzlichen Dank fĂŒr Ihre RĂŒckantwort: Ich schnarche auch.
Mit Inbrunst zersÀge ich Ihnen den Harz.
Herr Hackedicht wĂŒrde das sicher gefallen, so ein Schnarch-Duett und die Leute draußen wĂŒrden ja nichts hören...
Vielleicht sollten wir doch besser erstmal ein vierwöchiges Nacht-Praktikum vereinbaren.

Herzlichst,
Alberta Schrömpel

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ThomasQu
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Sehr geehrte Frau Schrömpel,

ein vergĂŒtungsfreies Nachtschlafpraktikum wĂ€re tatsĂ€chlich nach vorheriger Absprache in privater AtmosphĂ€re im Hause unseres stellvertretenden GeschĂ€ftsfĂŒhrers, Herrn NimmermĂŒd, vorstellbar. Dessen Frau befindet sich noch fĂŒr lĂ€ngere Zeit auf Kur.
Auch in diesem Fall bitte ich Sie um ein kurzes VorstellungsgesprÀch in unserem Hause.

Unserere GeschÀftszeiten:
Montag bis Samstag
9.00 bis 18.00 Uhr

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,

Karl-Otto Kröger

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anbas
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Hallo Anonymus,

ja, die nachfolgende Korrsepondenz gefĂ€llt mir auch - leider ist sie aus meiner Sicht noch besser als der Text. In diesem fehlt mir die Überraschung - gleich bei der Kombination "Bettenhaus - neuer Job" hatte ich geahnt, worauf es hinauslĂ€uft. Ich wĂŒrde daher z.B. ĂŒberlegen, ob Du den Text noch etwas weiter ausbaust, in dem Du ihn noch etwas weiter erzĂ€hlst. Die (von mir) erwartete Pointe ist erreicht - wie könnte es weitergehen? FrĂŒhstĂŒck im Bett, verschĂŒtteter Kaffee, Besuche der Kollegen aus der Trinkhalle, die Eltern stehen plötzlich vor dem Schaufenster und Mutti will ihn gleich verwöhnen usw. usw. (wobei ich nicht meine, dass jetzt massenhaft weitere Ereignisse folgen mĂŒssen - es reichen ein oder zwei, die dann aber gut herausgearbeitet werden).

Handwerklich finde ich den Text OK, sticht aber auch nicht besonders hervor. Hinsichtlich der Kommasetzung solltest Du ihn noch mal durchgehen. Vor allem an den Stellen, in denen nach einem "und" ein vollstĂ€ndiger Satz folgt - denn da gehört jeweils ein Komma vor das "und" (außer, ich habe irgendeine Rechtschreibreform verpennt ). Im Gegenzug gibt es aber auch einige Kommata zu viel.

Was die Wettbewerbs-Bewertung betrifft, so warte ich noch, da ich mich im Moment noch nicht ganz entscheiden kann.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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ThomasQu
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Hallo anbas,

die Überraschung fehlt dir nur deswegen, weil du zuerst die Kommentare und danach den Text gelesen hast. Im Text kommt das Wort “Bettenhaus“ erst im letzten Satz vor.
Ich glaube, mit der Kommasetzung und dem “und“ hast du Recht. Ich habe das auch schon mal gehört, aber bisher hat mich noch niemand geschimpft, wenn ich vor dem “und“ kein Komma gesetzt habe. Das schaue ich mir aber noch mal an.

Erweitern möchte ich den Text nicht. (Das hat ja auch Alberta schon getan).

Jetzt bleibt mir nur noch, mein Haupt vor der heiligen Leselupen-Inquisition zu beugen und auf dein Urteil zu warten. (:

Danke fĂŒr deine Meinung.

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