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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Ein magischer Kampf
Eingestellt am 21. 03. 2019 16:09


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Fagus Westfalica
Hobbydichter
Registriert: Mar 2019

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Ein magischer Kampf

Josh lugte aus dem Keller; seine Augen trĂ€nten. Das Erste, was in dem es normalerweise eher ihm auffiel, war, dass der Laden, ruhig zuging, voll war. Vier MĂ€nner standen vor Joshs Chef Nick Fleming. Drei von ihnen waren groß und bullig, einer war eher klein. Der Kleine wirkte irgendwie unheimlich. Joshs zweiter Gedanke war: ein Überfall.
Nick Fleming stand den Fremden gegenĂŒber mitten im Laden. Er sah ziemlich unauffĂ€llig aus: durchschnittliche GrĂ¶ĂŸe und Statur ohne besondere Merkmale außer den Augen, die so hell waren, dass sie fast farblos wirkten. Das schwarze Haar war sehr kurz geschnitten, und mit dem stoppeligen Kinn erweckte Joshs Chef immer den Eindruck, als hĂ€tte er sich zwei Tage nicht rasiert. Er trug einfache schwarze Jeans, ein schwarzes Shirt mit dem Aufdruck von einem Konzert, das vor 25 Jahren stattgefunden hatte, und ein Paar alte Cowboystiefel. Am linken Handgelenk hatte Nick Fleming eine billige Digitaluhr und am rechten ein schweres silbernes Gliederarmband sowie zwei ausgefranste bunte FreundschaftsbĂ€ndchen.
Direkt vor ihm stand der kleine Mann in einem eleganten grauen Anzug.
Josh fiel auf, dass die beiden MĂ€nner nicht miteinander redeten... Und doch passierte etwas zwischen ihnen. Beide standen reglos da, die Arme an den Seiten, Ellbogen an den Körper gelegt, die offenen HandflĂ€chen nach vorn gedreht. Fleming stand in der Mitte der Buchhandlung, der graue Mann und seine drei in schwarze MĂ€ntel gehĂŒllte Begleiter zwischen ihm und der Seltsamerweise bewegten beide MĂ€nner die Finger, ließen sie zucken und tanzen. Die Daumen berĂŒhrten leicht die Zeigefinger, dann die kleinen Finger, dann wurden Zeigefinger und kleiner Finger ausgestreckt und so ging es weiter. In Flemings HandflĂ€chen sammelten sich grĂŒne Nebelfetzen, ringelten sich in verschlungenen BĂ€ndern aus seinen HĂ€nden und sanken zu Boden, wo sie wie Schlangen hin und her zuckten. Aus der behandschuhten Hand des grauen Mannes fielen gelblich gefĂ€rbte RauchstĂŒcke, die sich wie Schmutzwasserflecken auf dem Holzfußboden sammelten. Von dem Nebel und Rauch ging der Gestank nach Pfefferminze und faulen Eiern aus. Josh spĂŒrte, wie sich ihm der Magens umdrehte. Er musste wĂŒrgen und schluckte hart. Mittlerweile war der Raum zwischen den beiden MĂ€nnern ganz von den grĂŒnen und gelben Rauchfetzen angefĂŒllt; wenn die sich berĂŒhrten, zischte es, und Funken sprĂŒhten. Fleming ließ noch immer die Finger tanzen und in seiner HandflĂ€che er-schien jetzt ein langer, armdicker grĂŒner Rauchkringel. Er blies darauf, kurz und zischend, und der Rauchkringel stieg hoch und rollte sich in Höhe der Köpfe der beiden MĂ€nner zu einer Kugel zusammen. Die kurzen, dicken Finger des grauen Mannes tippten ihren eigenen Rhythmus und ein Ball aus gelber Energie glitt aus seinen HĂ€nden und schwebte davon. Er berĂŒhrte den grĂŒnen Rauchkringel, der sich sofort um den Ball zu wickeln begann. Funken sprĂŒhten, es knallte - und eine ohrenbetĂ€ubende Explosion warf beide MĂ€nner rĂŒckwĂ€rts durch den Raum und schleuderte sie gegen die BĂŒcherregale. GlĂŒhbirnen und die Neonröhren unter der Decke zersprangen und ließen pudrig feine Glassplitter auf den Boden regnen. Zwei der großen Fensterscheiben zerbarsten und flogen nach draußen; in etlichen kleinen Sprossenfenstern bildeten sich Spinnwebrisse.
Nick Fleming stĂŒrzte nicht weit vom Kellerabgang zu Boden. Fast wĂ€re er auf Josh geprallt, der wie angenagelt auf der Treppe stand, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen.
Als Nick sich aufrappelte, drĂŒckte er Josh die Treppe hinunter. “Bleib unten, egal was passiert, bleib unten”, zischte er. Er sprach Englisch mit einem undefinierbaren Akzent. Beim Umdrehen straffte er die Schultern, und Josh sah, wie er die rechte Hand hob und erneut in die HandflĂ€che blies. Dann machte er eine Bewegung, als wolle er einen Ball in die Mitte des Raumes werfen. Josh reckte den Hals, um zu sehen, was passierte. Aber es gab nichts zu sehen... Bis es plötzlich schien, als wĂŒrde alle Luft aus dem Raum herausgesogen. BĂŒcher wurden aus den Regalen gerissen und zur Mitte der Buchhandlung hingezogen, wo sie in einem chaotischen Haufen liegen blieben. Gerahmte Drucke flogen von den WĂ€nden, der schwere Teppich hob sich voll Boden und wurde wie von Geisterhand in Richtung BĂŒcherberg gezerrt.
Und dann explodierte der Berg.
Zwei der bulligen. schwarz gekleideten MĂ€nner traf die volle Wucht der Explosion. Josh sah, wie BĂŒcher, einige schwer und hart, andere mit biegsamen Einband, dafĂŒr scharfkantig, wie aufgeregte Vögel um sie herumflatterten. Er zuckte mitfĂŒhlend zusammen, als einen der beiden ein dickes Wörterbuch mitten ins Gesicht traf Sein Hut und die Sonnenbrille flogen davon - und zum Vorschein kamen eine erdige, graue Gesichtshaut und Augen, die aussahen wie schwarze, polierte Steine. Ein ganzes Regal voller Liebesromane kippte seinen Inhalt seinem Kameraden ins Gesicht. Die billige Sonnenbrille zerbrach in zwei Teile, und Josh stellte fest, dass auch er Augen wie Steine hatte.
Da wusste er plötzlich, dass es tatsÀchlich Steine waren.
Josh wandte sich zu seinem Chef um und öffnete den Mund, wie um eine verzweifelte Frage zu stellen. Nick Fleming warf ihm nur einen kurzen Blick zu. “Unten bleiben!”, schrie er. Er hat Golems mitgebracht.”
Fleming duckte sich, als der kleine Mann drei lange, speerĂ€hnliche EnergiestĂ€be durch den Raum schickte. Sie flogen zischend durch BĂŒcherregale und bohrten sich in den Boden. Alles, was sie berĂŒhrten, begann augenblicklich zu verrotten und zu vermodern. LedereinbĂ€nde brachen, Papier wurde schwarz, Holzdielen und Regalbretter zerfielen zu feinem Staub.
Fleming warf einen weiteren unsichtbaren Ball in eine Ecke des Raumes. Josh folgte der Bewegung seines Armes. Ein Sonnenstrahl traf den Ball in seinem Flug durch die Luft, und fĂŒr einen Augenblick sah Josh ihn aufleuchten, in verschiedenen GrĂŒntönen funkelnd und schimmernd wie eine Smaragdkugel. Dann flog er aus dem Licht und wurde wieder unsichtbar.
Die Folgen seines Aufpralls waren verheerend, weit Ichlin nie r noch als beim vorherigen Mal. Diesmal war kein Laut zu hören, doch das gesamte GebĂ€ude erbebte. Tische mit TaschenbĂŒchern darauf zerfielen zu streichholzgroßen SpĂ€nen und Papierschnipsel flogen wie bizarres Konfetti durch die Luft. Zwei der MĂ€nner in Schwarz - Golems, wie Fleming sie genannt hatte - krachten rĂŒckwĂ€rts in Regale und wurden BĂŒchern begraben, wĂ€hrend der dritte, der grĂ¶ĂŸte, mit solcher Wucht gegen die TĂŒr prallte, dass sie aufschlug und er auf die Straße flog.
In der Stille, die darauf folgte, hörte man das Klatschen von behandschuhten HÀnden.
“Wie ich sehe, hast du deine Technik perfektioniert, Nicholas.” Der Graue sprach Englisch in einem seltsam singenden Tonfall.
“Ich habe geĂŒbt, John”, erwiderte Nick Fleming, wobei er langsam wieder nĂ€her an die offene KellertĂŒr rĂŒckte und Josh weiter hinunterdrĂŒckte. “Ich wusste, dass du mich frĂŒher oder spĂ€ter finden wĂŒrdest.”
“Wir haben sehr lange nach dir gesucht, Nicholas. Du hast etwas, das uns gehört. Und wir wollen es zurĂŒckhaben.”
Ein gelber Rauchfetzen bohrte sich in die Decke ĂŒber Flemings und Joshs Kopf. Es knisterte und vermoderter schwarzer Putz fiel herunter wie giftige Schneeflocken.
“Ich habe es verbrannt”, sagte Fleming. Schon vor langer Zeit.” Er drĂŒckte Josh noch weiter in den Keller hinunter, trat selbst auf die Treppe und zog dann die SchiebetĂŒr hinter sich zu. “Frag nicht”, warnte er, und seine hellen Augen leuchteten im DĂ€mmerlicht, “nicht jetzt.”
Fleming fasste Josh am Arm und zog ihn in die dunkelste Ecke des Kellers. Dort packte er ein Regal mit beiden HĂ€nden und zog es mit einem Ruck zu sich her. Etwas klickte und das Regal schwang auf. Dahinter kam eine verborgene Treppe nach oben zum Vorschein.
Fleming schob Josh vorwĂ€rts. “Schnell jetzt, schnell und leise”, sagte er.
Er trat hinter Josh durch die Öffnung und versuchte, das Regal wieder davorzuziehen. Im selben Augenblick sah Josh, wie die KellertĂŒr zu einer fauligen schwarzen FlĂŒssigkeit zusammensackte und die Treppe hinunterfloss.
“Hinauf!” Das Regal hinter ihnen rastete ein. Nick Flemings warmer Atem streifte Joshs Ohr. “Die Treppe fĂŒhrt in den leeren Laden neben unserem. Wir mĂŒssen uns beeilen. Der wird nur wenige Augenblicke brauchen, bis er merkt, was los ist.”
Josh Newman nickte; er kannte den Laden nebenan. Es war eine Reinigung, die den ganzen Sommer ĂŒber leer gestanden hatte. WĂ€hrend er weiterhastete, tanzten durch Joshs Kopf Hunderte von Fragen, und keine der möglichen Antworten, die ihm in den Sinn kamen, war befriedigend, da in den meisten ein einziges, unglaubliches Wort vorkam: Magie. Josh hatte gerade gesehen, wie zwei MĂ€nner sich mit BĂ€llen und Speeren aus - aus Energie beworfen hatten! Er war höchstpersönlich Zeuge der Zerstörung gewesen, die diese Energie angerichtet hatte. Josh war Zeuge von Magie gewesen. Aber natĂŒrlich wusste er, dass es Magie nicht gab und nicht geben konnte. Das wusste schließlich jeder.




__________________
F.W.v.Stttn.

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flammarion
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