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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Heimat ... Yeah!! (gelöscht)
Eingestellt am 29. 03. 2018 10:14


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Blumenberg
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Lord Nelson
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Hallo Blumenberg,

mich hast du glatt reingelegt. Beim ersten Durchlesen glaubte ich deine Kritikpunkte an diesem seltsamen neuen Ministerium nachvollziehen zu können. Beim genaueren Hinsehen reduzieren sich diese jedoch auf das Bild eines saft- und kraftlos gewordenen einheimischen Mannes, den etwas weit hergeholten Aspekt der Furcht, für homosexuell gehalten zu werden und dazu die äußerst verschwommene Kritik an der Rolle von Frauen, Behinderten und Menschen mit Migrationshintergrund in den Augen des Ersteren.

Deinen klaren Schreibstil erkenne ich nicht wieder. Hast dir wohl einen Spaß daraus gemacht, den typischen Politikersprech nachzuäffen

quote:
Dabei ist die Frage, ob es tatsächlich einer staatliche Stelle zur Evaluierung dessen bedarf, was in unserem Land heimatlich ist und was nicht, zunächst einmal auszuklammern, denn die praktische Ausformung dieses bürokratischen Januskopfes, die uns in den letzten Tagen präsentiert wurde, ist ein erheblich spannenderer Gegenstand der Betrachtung, sagt sie doch nichts darüber, was Heimat sei, aber viel darüber, wer die Kriterien für deren Bestimmung festlegt.
spannender als was? Etwa als "die Frage, ob es tatsächlich ... "? Das hieße, die Ausgestaltung dieser Stelle ist spannender als die Frage nach der Notwendigkeit? Ein fragwürdiger Vergleich, und während ich mich zu recht am Hinterkopf kratze, lachst du dich wahrscheinlich ins Fäustchen.


Trotzdem noch einige Anmerkungen (auch Politiker müssen "richtig" schreiben):

quote:
Wobei, wie in einem der zahlreichen Kommentare dazu zu lesen war, man versuche nicht Satzstellung: man nicht versuche Komma einen bestimmten Eindruck zu erwecken, sondern vor allem krampfhaft einen zu vermeiden;

quote:
Was einen da anlächelt ist das genaue Gegenteil einer modernen Gesellschaft, die sich allem voran durch die Heterogenität ihrer Mitglieder auszeichnet, "und" die so gerne mit einer klassenlosen Gesellschaft verwechselt wird.
(Bezug des zweiten Relativsatzes!)

quote:
Alexander Dobrindt hat versucht Komma das vor ein paar Monaten in der Welt unter dem Begriffsparadox der konservative Revolution zu umreißen, womit er eine Bewegung meinte , die endlich mit den Überresten der 68er aufräumen wolle.
Satzstellung: "hat vor ein paar Monaten versucht, das in der "Welt" unter dem..."
oder "hat das vor ein paar Monaten in der Welt ... zu umreißen versucht"

quote:
Leider existiert kein Bild der Gesprächsrunde Komma aus der heraus die Idee dazu entstanden ist, ich wage aber einmal die Vermutung, dass dieses, vielleicht nicht vor der Kulisse des BMI, sondern eher eines urigen Brauhauses, eine homogene Gruppe weißer Männer zeigt, die jener Ministermannschaft zum Verwechseln ähnlich wäre.
"zeigen würde, sofern es existierte" (ein Bild, das nicht existiert, kann auch nix zeigen!

quote:
Was damals, auch auf scharfe Nachfrage einer Heute Moderatorin, im Schwammigen und Widersprüchlichen verblieb, - (Einschub) man konnte sogar für einen Moment den Eindruck bekommen, der damalige Verkehrsminister hantiere mit Begriffen, deren Bedeutungsgehalt er selbst noch nicht so ganz verstanden hat,- bekommt nun seine konkrete Ausformung.

quote:
Wesentlicher sind aber, die auf dem Bild fehlenden Elemente.

quote:
Heimat, - Einschub das suggeriert diese personale Aufstellung, - ist etwas, bei dem weder Frauen, noch Menschen mit Migrationshintergrund, überhaupt ein Wörtchen mitzureden haben, geschweige denn einen wesentlichen Beitrag zu dessen konkreter Bestimmung leisten könnten.
"überhaupt" passt nicht. Stattdessen vielleicht "auch nur"?
"zu dem sie einen wesentlichen Beitrag zu dessen..." ist doppelt gemoppelt

quote:
Übertragen auf den markigen Satz, den dieser bei jeder seiner Reden in den Raum stellt: "Der Islam gehöre nicht zu Deutschland", schwingt im nicht ausgesprochenen Subtext noch so einiges andere mit, womit man die Einzelaufzählung Islam verlängern könnte, denn scheinbar gehören auch Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen, Homosexuelle und Behinderte nicht zu Deutschland, zumindest nicht zu einem, dem es endlich gelungen ist sich auf seine Heimat zu besinnen.

Mir hat der Text Spaß gemacht. War sicher nicht einfach, so verschwurbelt zu schreiben.

Viele Grüße
Lord Nelson

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Blumenberg
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Hallo Lord Nelson,

entschuldige, dass ich dir länger eine Antwort schuldig geblieben bin, ich habe die Feiertage weitgehend analog verbracht und bin nicht dazu gekommen zu antworten. Mit deinen sprachlichen Anmerkungen hast du recht (danke für die Mühen), da habe ich tatsächlich ein bisschen geschludert.

Deine erste Ahnung, dass es sich bei diesem Text um eine kurze, durchaus mit einem zwinkernden Auge geschriebene Glosse handelt, ist vollkommen richtig. Hier wird zugespitzt und überspitzt, ein bisschen Meinung herausposaunt; in einer kleinen schreiberischen Fingerübung und ohne Anspruch darauf irgendjemanden von irgendetwas überzeugen zu wollen. Es regiert eher die Lust an ein wenig Polemik, deren Ausgangspunkt das herrlich lächerliche Bild auf der Homepage des BMI bildet, als der Wunsch nach einer sachgerechten und theoriebasierten Aufarbeitung. Eine sachliche Kritik des Gegenstandes, so notwendig sie auch ist, hätte in der Tat eine wesentlich tiefere Beschäftigung vorausgesetzt und ich hätte sie wohl auch im Essayforum und nicht in der Tagebuchspalte eingestellt.

Ich glaube die Schwierigkeit eines Heimatbegriffes liegt allem voran in der vollständig subjektiven Bindung an das jeweilige Individuum. Ich habe, so ließe sich wohl sagen, mit französischen Doktoranden, denen ich in Seminaren immer wieder begegne, eine gemeinsame Heimat, die in der gemeinsamen Liebe für geistige Arbeit liegt. Anders verhält es sich mit einem Hartz IV Empfänger aus Duisburg Marxloh, mit dem mich, abgesehen von dem Pass in der Tasche (der geographischen Heimat), eigentlich gar nichts verbindet. Hier fangen die Schwierigkeiten an und ließen sich wohl bis ins Unendliche fortsetzen…

Ich wünsche dir einen schönen ausklingenden Ostermontag

Blumenberg

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