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Leselupe.de > Kindergeschichten
Muriel
Eingestellt am 16. 03. 2014 10:31


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Otto Lenk
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Es waren einmal zwei tunichtgutige KrÀhen namens Kraak und Kröök.
Nun war es durchaus nicht so, dass unsere beiden gefiederten Gesellen zwei schlechte ihrer Art gewesen wÀren, nein, es lag mehr in der Natur des KrÀhenvolks schlechthin, dass sie ein wenig
kraak- und kröökelig waren. HÀtte man sie befragt, hÀtten sie diese tunichtgutige Art weit von sich gewiesen, ja, sie hÀtten sich gewiss als durchaus freundliche, lustige Gesellen darzustellen versucht.
Drum wollen wir es dabei bewenden lassen und sagen:
Es waren einmal zwei KrÀhen namens Kraak und Kröök!

Und dann war da noch das Menschenkind Muriel. Ein rechtes TrĂ€umerle, deren Welt durchs Lesen immer grĂ¶ĂŸer, tiefer und phantastischer geworden war. Die Welt auf der sie stand,
reichte ihr schon lange nicht mehr aus. Sie trĂ€umte sich fort, immer weiter fort, doch immer wieder erschien ihr die RealitĂ€t so groß und schwer, dass es ihr unmöglich erschien, so ganz und gar zu anderen Welten aufzubrechen.

Nun wollen wir versuchen Menschenkind und KrÀhenvolk zu einem Bild zu vereinigen.

Vor Muriels Elternhaus stand eine alte Buche. In diese hatten sich Kraak und Kröök als Untermieter eingenistet, und von hier aus beobachteten sie das Geschehen rund um Muriels Heim.
Nein, nicht nur rundum, auch hinein, denn der grĂ¶ĂŸte Buchenast zeigte genau auf Muriels Zimmer. Auf ihm saßen die Beiden und beobachteten das Menschenkind Muriel.

Da uns die KrĂ€hensprache fremd ist, wollen wir das GekrĂ€chze der Beiden in unserer Sprache ĂŒbersetzen.

Schau nur, schau. So schau doch.
Ja, ja
ich schau doch schon.
Schau nur wie gut sieÂŽs hat. Schau nur.
Ja doch, ja!
Immer warm und trocken, immer eine Decke ĂŒber dem Kopf. Kein nasses Gefieder, nicht.
Ja doch, ja!
Und wir? Wir herbsten auf diesem Ast herum. Von wegen federleicht. Federschwer ist mir vor lauter NĂ€sse.
Ja doch, ja.
Mensch mĂŒsste man sein. Mensch!
Ja doch.
Ja!

WÀhrend sich unsere beiden KrÀhen bedauerten, ob der Schicksalslaunenhaftigkeit der Natur, lag Muriel auf ihrem Bett und las die Geschichte vom kleinen Prinzen.
Gerade versank sie im Bild auf dem der kleine Prinz von Vögeln gezogen, durch die Luft flog. Ja, das ist es, dachte sie, so mĂŒsste es gehen. Dachte es und dachte es und dachte sich fort in einen Traum. Einen Traum, in dem sie, von Vögeln gezogen durch die LĂŒfte reiste.
Immer kleiner und kleiner wurde ihr Elternhaus, bis es schließlich in den Wolken versank. Plötzlich, wie aus dem Nichts, vernahm sie eine Stimme:
Du musst die Sterne vom Himmel pflĂŒcken, sie in eine Decke einnĂ€hen und dich mit ihr zudecken. Dann, ja dann, wirst du im Schlaf zu allen Welten aufbrechen können und alles Erlebte wird in deinem Herzen bewahrt bleiben.
Muriel hielt nach der Stimme Ausschau und sah den kleinen Prinzen, der ĂŒber ihr an seinem Vogelband durch die Wolken schwebte.
PflĂŒcke dir die Sterne vom Himmel, hörte sie ihn noch einmal rufen, bevor er in einer dick aufgeplusterten Wolke verschwand.
Sie ĂŒberlegte nur kurz, rief: Höher, ihr Vögel, höher!
Höher und höher, schneller und schneller flog sie dahin. Huidiepui flog sie am Mond vorbei, winkte den Planeten. Und kurze Zeit spÀter schon, waren die Sterne zum Greifen nahe.
Muri, he Muri! He du alte SchlafmĂŒtze, es ist Zeit aufzustehen. Die Schule wartet nicht auf dich.
Hmmm„„hmmm
.oh Mama! Jetzt hast du mich aus einem so wichtigen Traum gerissen. Wie soll ich denn jetzt wissen, wie es weitergeht? Oh je!
Stell dich vor den Spiegel und erzĂ€hle dir das Traumerlebte, damit es nicht verloren geht. Dann kannst du heute Nacht daran anknĂŒpfen und trĂ€umst deinen Traum zu Ende.
So erzĂ€hlte sich Muriel ihren Traum, wĂ€hrend sie vor dem Spiegel stand und ihr Haar kĂ€mmte. Was sie freilich nicht wusste war, dass auf dem Buchenzweig gegenĂŒber ihres Zimmers zwei tuenichtgutige KrĂ€hen namens Kraak und Kröök saßen und durchs geöffnete Fenster ihrer Geschichte lauschten.

Hör nur, hör. So hör doch.
Ja, ja
ich hör doch schon.
Hör nur, was der Traum ihr verschafft. Hör nur.
Ja doch, ja!
Immer warm und immer trocken. Alles was wir brauchen, ist die Decke ĂŒber dem Kopf.
Ja doch, ja!
Wir brauchen nur ein paar dieser Sterne. Dann trÀumen wir unseren eigenen Traum.
Komm, Kröök, komm. Lass uns tanzen, krĂ€chzen
wie verrĂŒckt. Wir mĂŒssen Muriels Aufmerksamkeit
gewinnen.
Was was?
Nicht was was. Los schon, los! Sie muss unser Gebaren mit Haut und Federn aufbewahren, so wie wir ihren Traum verinnerlichen. Wenn wir es gut machen, richtig gut, verschaffen wir uns vielleicht einen Platz in ihrem nĂ€chsten Traum. Und wenn wir dann ihren Traum trĂ€umen
wer weiß.
Ja doch, ja.
Mensch werden wir sein. Mensch!
Ja doch.
Ja!

Mir nichts, dir nichts, wurde Muriel aus ihrer HaarkĂ€mmgedankenlosigkeit gerissen. Auf dem Baum gegenĂŒber ihres Zimmers saßen zwei KrĂ€hen und fĂŒhrten, ja, es sah tatsĂ€chlich so aus, einen Tanz auf. Und sie tanzten nicht nur, sie krĂ€chzten auch noch eine ohrenbetĂ€ubende Melodie dabei. So etwas hatte Muriel noch nie zuvor gesehen
und gehört. Vögel die tanzen. Sie wĂ€re diesem Bild noch ewig gefolgt, hĂ€tte ihre Mutter nicht aus der KĂŒche gerufen, dass es nun allerhöchste Zeit sei.
Der Tag nahm seinen Lauf, doch die Vögel gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Muriel konnte die Schlafenszeit kaum abwarten. Als es endlich so weit war, legte sie sich ins Bett und blickte aus dem Fenster auf die Buche. Ihr war, als sĂ€ĂŸen dort zwei Vögel. In ihren Gedanken ließ sie den Traum der letzten Nacht an sich vorĂŒberziehen. Sie dachte und dachte und dachte sich fort in einen Traum.

Vergiss nicht, Kröök. Denk dich in ihren Traum. Nimm ihn mit in deine Nacht hinein.
Ja, ja
ich denke ihren Traum.
Vergiss nicht, was der Traum uns verschafft. Vergiss nicht.
Nein doch, nein. Ich vergesse es nicht.
Gut
dann schlaf ein.
Ja doch


Da waren die Sterne. Sie schwebten durch den dunklen Raum und warteten nur darauf, von Muriel gepflĂŒckt zu werden. Sie nahm den erstbesten, setzte sich auf ihn und löste die BĂ€nder, mit denen sie mit den Vögeln verbunden war. Fliegt, rief sie, fliegt
ich brauch nun keine Federn mehr. Und so pflĂŒckte sie einen Stern nach dem anderen und knotete sie mit den BĂ€ndern aneinander.
In einem anderen Traum hÀtte womöglich ein Mensch in dieser Nacht ein neues Sternenbild getrÀumt.

He Kröök. Schau nur, schau. So schau doch.
Ja, ja
ich schau doch schon.
Schau nur wo wir sind. Schau nur. Wir sitzen auf Sternen, fliegen durchs All.
Ja doch, ja!
Ich denke, sie kann uns nicht sehen. Wir haben uns in ihren Traum getrÀumt, trÀumen aber unseren eigenen Teil. Versehst du?
Nein!
Äh
nun gut, wie dem auch sei. Lass uns ein paar der Knoten lösen, ein paar der Sterne stibitzen.
Sie wird es nicht merken, sind ja so viele.
Ja doch, ja. Nein doch, nein.

Der nÀchste Morgen brachte das gleiche Theater wie der morgen davor.

He Muri! Was ist nur mit dir los? Mach das du aufstehst, du Tunichtgut.
Ja Mama, ja. Ich steh ja schon auf.
Es wird aber auch Zeit.
Ja doch, Mama. Ja.

Und wie am Morgen zuvor, saß Muriel kurze Zeit spĂ€ter vorm Spiegel und erzĂ€hlte sich ihren Traum,
auf dass nichts davon verloren ginge.
Und wie am Morgen zuvor, saßen zwei KrĂ€hen gegenĂŒber Muriels Fenster. Nur lauschten sie dieses Mal nicht ihrer Geschichte sondern erzĂ€hlten sich ihren Traum
auf dass er bliebe.

Und wie am Tag zuvor, zog sich auch dieser Tag unendlich in die LĂ€nge, nur mit dem Unterschied,
dass es dieses Mal ein Menschenkind und zwei aus dem Volk der KrÀhen nicht abwarten konnten, von hier nach dort zu gelangen.

Als es endlich so weit war, hĂ€tte Muriel schwören können, dass auf dem Ast der Buche zwei Vögel saßen.

Und nun dachten und dachten und dachten sich ganz unterschiedliche Wesen ins ‚was war‘ und schliefen ein.

So, dachte Muriel in ihrem Traum. Nun sind sie eingenĂ€ht. Jetzt ab auf die Leine, damit der nĂ€chtliche Wind alle TrĂ€ume, Abenteuer, alle Welten ĂŒberall, einwehen lassen kann.

Komm, hilf mir einmal, Kröök!
Ja doch, ja.
Da ist noch Platz fĂŒr unsere Decken, ja da!
Ja doch, ja!

Am folgenden Morgen war Muriel bereits vor ihren Eltern auf. Nichts konnte schnell genug erledigt werden. Der Tag sollte Huidiepui vorĂŒbergehen, damit das Abenteuer beginnen konnte. Auf dem Ast der Buche erhoben sich zwei gefiederte Gesellen. In Windeseile verflog der Tag.

Als die Nacht kam, schaute Muriel aus Gewohnheit auf den Ast der Buche. Keine Vögel.

Wieder dachte und dachte und dachte sie sich in den Schlaf hinein, deckte sich mit dem letzten Gedanken mit ihrer Sternendecke zu und das Abenteuer begann.

Kraak und Kröök lagen derweil zugedeckt in ihrem Nest und trÀumten ihren Traum.

Muri, Muri
krÀchzte eine Stimme, steh auf. Es ist Zeit.

Langsam, ganz langsam, erwachte Muriel lĂ€chelnd. Was war das fĂŒr eine aufregende Nacht gewesen!
Kraak, kraak krÀchzte die Mutter.
Was ist denn los, Mama?
Ich glaube, Papa und ich haben uns erkÀltet.
Wie zur BestĂ€tigung hörte sie Papa aus der KĂŒche kröökeln.


Kurze Zeit spĂ€ter stand Muriel am Spiegel, kĂ€mmte ihr Haar und dachte ĂŒber das Erlebte der letzten Nacht nach. Als sie aufstand, fiel ihr Blick aus dem Fenster auf den Ast der Buche.

Dort saßen zwei KrĂ€hen. Muriel hĂ€tte schwören können, dass sie lĂ€chelten.


Jetzt, da Traum und Wirklichkeit zu einem Hier und Jetzt, Jederzeit und Überall, zusammenwuchsen, Mensch Vogel - Vogel Mensch, Ă€nderten sich Mensch und Vogel in ihrem Sein. Betrachten wir dies erst einmal, indem wir heimlich in den Alltag von Muriels Eltern eintauchen.

Waren ihnen frĂŒher Vögel und ihr Sein piepegal, sah man die beiden nun öfters beim stummen Beobachten der Vögel im Garten sitzen. Hin und wieder geschah es, dass ihnen beim Vorbeiflug zweier KrĂ€hen ein sehnsuchtsvolles "Ach ja!" entfleuchte. Kurze Zeit spĂ€ter verlegten sie ihren Beobachtungspunkt. Sie saßen nun immer öfter auf dem Dach, weil man von dort, wie sie meinten, einen besseren Blick hĂ€tte.

Muriel fielen die VerĂ€nderungen ihrer Eltern natĂŒrlich auf. Sie bekam schon einen mĂ€chtigen Schrecken, als sie ihre Eltern das erste Mal auf dem Dachfirst sitzen sah. Gleichzeitig musste sie lĂ€cheln, sah sie in ihnen nun VerbĂŒndete im Traum vom Allerweltenreich. Man hörte es nun tĂ€glich vom Dachfirst kraaken, krööken und piepen. Zwei Menschenkinder in Zwiesprache mit dem Federvolk. Dies konnte natĂŒrlich der Nachbarschaft nicht verborgen bleiben.
Und so kam es, dass eines Tages zwei Polizisten vor dem Gartenzaun des Hauses standen.

‚Geht’s ihnen gut‘? rief einer der beiden.
Muriels Mutter kraakte und kröökte nickend und der Vater piepte ein Lied dazu.
‚Was machen Sie denn dort oben‘? fragte der Zweite.
‚Wir verĂ€ndern unseren Blickwinkel‘ antworteten die beiden, wie aus einem Mund.
‚Aber ist das nicht gefĂ€hrlich dort oben‘?
‚Kommt drauf an wie manÂŽs sieht‘ kraakelten und kröökelten sie piepender Weise.
‚Nun, ich denke, wir denken", sprach einer der beiden, "es wĂ€re vernĂŒnftiger, wenn Sie vom Dach stiegen und die Welt von ihrem Garten aus betrachteten‘.
‚Nun‘, antwortete Muriels Vater, "dies mag Ihrer Ansicht von Vernunft vernĂŒnftig erscheinen, unserer nicht. Wir bleiben hier. Hier oben. Auf unserem Dach. Weil es uns gefĂ€llt. Wir stören niemanden, und unsere Vernunft sagt uns, dass es vernĂŒnftig ist, hier zu sein‘!

Aus der Buche im Garten von Muriels Eltern erklang ein kraaken und krööken. Es klang wie: "Ja, ja, ja
so sonderbar, so wunderbar."

‚Nun, dann passen Sie auf sich auf‘!
‚Keine Angst, wir werden schon nicht fort fliegen‘, antwortete Mutter Muriel, und Vater Muriel fing laut an zu lachen, begleitet vom Kraaken und Krööken aus der Buche.

In den Wochen darauf gab es fĂŒr Muriel und ihre Eltern viel zu erleben. Man angelte sich durch die BĂ€ume eines Kletterparks, bestieg Berge und ĂŒberließ sich dem Wind bei einer Fahrt im Ballon. Wer die drei bei ihren Abenteuern beobachtete, dem fiel auf, dass da immer zwei schwarze Schatten in der NĂ€he waren.

Eines Abends, Muriel saß mit ihren Eltern beim Abendbrot, verkĂŒndete Muriels Vater, dass er und die Mutter am nĂ€chsten Tag einen Fallschirmsprung wagen wĂŒrden. Es sei an der Zeit, meinte Vater mit stolzgeschwellter Brust, breitem Kreuz, die Arme wie ein Vogel schwingend, den Himmel zu erkunden, und sich dabei wie ein Vogel zu fĂŒhlen.
Muriel hatte bei den Worten des Vaters gerade ins Brot gebissen, das nun halbwegs, zwischen den ZĂ€hnen steckend, aus ihrem offenen Mund lugte, den sie ob des Gehörten nicht mehr schließen konnte. Als sie Nachricht und Brot endlich geschluckt hatte, rief sie mit Schrecken in ihrer Stimme:
‘Was wollt ihr? Ihr, ihr wollt aus einem Flugzeug springen! Aber das ist doch verrĂŒckt, vollkommen verrĂŒckt‘!
‚So ist es‘, antwortete Vater, den Arm um die Schulter seiner Frau legend, die leise
kaum hörbar, in sich hineinlachte.
‚Ist es nicht wunderbar‘, meinte sie schließlich, ‚wir sind verrĂŒckt, verrĂŒckt‘!
Bei diesen Worten standen die beiden auf und tanzten wie verrĂŒckt durch die KĂŒche.

Wie es Muriels Eltern bei ihrem Jungfernvogelflug erging, werden wir erfahren, wenn wir demnÀchst in die Geschichte von Kraak und Kröök eintauchen.

Bis dahin habt Geduld!


__________________
Der Kopf denkt weiter als man denkt.

Version vom 16. 03. 2014 10:31
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Kraak und Kröök ging es gut. Nein, es ging ihnen sehr gut, jetzt,da sie in ihrer Traum-Wahrhaftigkeitswelt zu Hause waren.
Mal waren sie ganz KrÀhenpaar, dann wieder Muriels Eltern,
wobei Kraak ganz der Vater zum ‚Ole, Ole, Ole‘ Fussballnarr und ich weiß alles ‚Wer wird MillionĂ€r‘ Superdenker mutierte, wĂ€hrend Kröök sich mehr zur Serien-
Kochsendung- wer wird Superstar-wer angelt sich `nen Bauer bzw. MillionÀr usw.(wobei die Betonung auf usw. liegt) Superfan entwickelte.
Was hatten ihre TrĂ€ume, in denen sie in menschliche Rollen schlĂŒpften, nicht alles zu bieten.
Allein das FrĂŒhstĂŒck. Essenskreationen auf Federkleid.
RĂŒhrei als Hut auf Kopf drapiert. Rote Marmeladenwangen auf schwarzem Teint.
Nutellakrallen. BrotkrĂŒmelduelle. SahnehĂ€ubchen und Schnabelweiß.
Kakaolandkarten ĂŒberall
.anschließend ruhen.
Raus auf die Terrasse und in den Schaukelstuhl geflÀzt .
Dabei sich selbst aus den Augen der Menschen, die auf der Buche ruhen, beobachten.
Zwei KrÀhen auf einem Ast, die nach unten auf zwei Menschen blicken
lÀchelnd, wie es scheint.
Danach Zeitung lesen. Jede/r seinen Teil. Und wieder ruhen.
Sich insgeheim auf Mittagessenschlachten freuen.
Passt ein ausgewachsenes FischstÀbchen in einen Schnabel?
Pommes-Dracula-ZĂ€hne mit tropfendem Ketchupblut daran.
Schnabelsalatscherenschnitte. Und erst der Nachtisch.
Plumpspudding.
Anschließend ruhen.
Vor dem Abendessen ein Spaziergang.
Die Welt aus den Augen eines Menschen beobachten.
Faszinierend. Manchmal auch beÀngstigend.
Ei die weil die Menschen alles so ernst nahmen.
Und weil sie so wenig FreirĂ€ume fĂŒr sich hatten.
Oder gar nicht wussten, was sie mit ihren FreirÀumen anfangen sollten.
Da war KrÀhensein doch um einiges einfacher.
Man war einfach. Und es war gut so.
Schlafen. Aufwachen. Ein wenig essen und ansonsten sich einen schönen Tag machen.
Doch die meisten Menschen hatten wohl verlernt Mensch zu sein.
Immer und alles und alles und immer drehte sich um Arbeit.
Arbeit Arbeit Arbeit. Und Geld und Geld und Geld.
Sie irrten und wirrten durch die Welt, dass man sich nur weit von ihnen fort wĂŒnschte.
Und so waren Kraak und Kröök sehr froh, dass sie auf Muriels Eltern gestoßen waren. Die Beiden hatten ein fast kraakröökischen Sein fĂŒr sich gefunden und das gefiel unseren KrĂ€hen. Also ruhte man gemeinsam nach dem Spaziergang aus, wartete aufs Abendessen und die Zeit danach. Alles war gut bis zu jenem Abend, an dem Muriel das Brot aus dem Mund lugte.
Kraak und Kröök bekamen ihre SchnÀbel nicht mehr zu.
Zwar hatten sie in letzter Zeit so einige Abenteuer mit den Eltern geteilt, doch hörten sie hier zum ersten Mal von ihrem Flugplan.
Das Abendbrot krĂŒmelte aus ihren offenen SchnĂ€beln.
Nein, oh nein. Das ging zu weit. Viel zu weit beziehungsweise tief. Damit wollten Kraak und Kröök nun aber ganz und gar nichts zu tun haben.
Aus einem Flugzeug?! Aus Tausenden von Metern.
Diese verteufelte Idee mussten sie verpennt haben.
Sonst hÀtten sie protestiert. Versucht, in die TrÀume der Eltern einzugreifen.
Bis heute hatte es Kraak und Kröök einen Heidenspaß gemacht, am Vogelsein der Beiden teilzuhaben. Aber das hier
nein! Schließlich waren sie KrĂ€hen. KrĂ€hen! KrĂ€hen und keine Adler.
Auf BĂ€ume, ein Hausdach, oder auch gerne mal eine Kirchturmspitze. Aber aus einem Flugzeug!
Kraak und Kröök hatten Höhenangst. Nein, sie hatten Höhenpanik.
Was um alles in der Welt wollte man dort oben?
AbstĂŒrzen und elendig am Boden zerschellen!
Ja, mehr gab es nicht
und dies entsprach nun ganz und gar nicht ihren WunschtrÀumen.
Aber was blieb zu tun? Schnell mal anklopfen!
Ja
genau!
An den TraumwĂ€nden der Beiden anklopfen und warten bis jemand ‚herein‘ rief.
Und dann mir nix dir nix an den TrÀumen von Muriels Eltern arbeiten. Ihnen klarmachen, dass Fliegen zwar grundsÀtzlich schön sei, aber doch bitte nur bis zu einer gewissen Höhe. Einer Höhe, aus der man einen am Boden kriechenden Wurm ausmachen konnte.
Ja, dachten sie, wir mĂŒssen schnell schlafen und trĂ€umen.
Ganz ganz feste trÀumen.





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Als Kraak und Kröök schließlich in ihrer Traumwahrhaftigswelt erwachten, blickten sie sich voller Zuversicht um, um im nĂ€chsten Moment wie aus einem Schnabel zu schreien:
‚Nein, oh nein‘!
Es hatte nicht funktioniert.
Im gleichen Moment blickte einer der Fluglehrer den beiden FlugschĂŒlern ins Gesicht um meinte dort so etwas wie Angst und BestĂŒrzung zu erkennen.
‚Sie mĂŒssen sich nicht fĂŒrchten, wir haben schon 100te TandemsprĂŒnge hinter uns‘!
‚Nein doch, nein! Wir sind wohl ein wenig aufgeregt, aber nicht Ă€ngstlich‘ antwortete Muriels Vater, und die Mutter nickte glĂŒcklich lĂ€chelnd dazu.
‚Schließlich‘ meinte sie, ‚fĂŒhlen wir uns frei wie Vögel, und Vögel wollen fliegen‘!
‚Nein, oh nein‘, krĂ€chzte Kraak, wĂ€hrend Krook leise das 'Vogel unser' betete.
‚Da haben sie die Rechnung ohne den Vogel gemacht. Wir wollen hier raus, und zwar sofort‘!
Als hĂ€tte einer der Fluglehrer die Worte vernommen, bewegte er sich zur seitlichen TĂŒr und schob sie auf.
Erst jetzt wurde den beiden KrÀhen bewusst, wie hoch in der Luft sie schon waren.
‚Nein, oh nein‘, schrie Kraak, (Krööks ‘Vogel unser‘ Ă€hnelte nun mehr einer lauten Klage) ‚TĂŒr zu‘!
Aber da war nichts von wegen TĂŒr zu. Sie blieb nicht nur offen, nein, die beiden Fluglehrer begannen nunmehr ihre FlugschĂŒler mit sich zu vergurten.
Nein, oh nein, das sah nicht gut aus fĂŒr Kraak und Kröök. Wenn sie doch nur einen Ausgang aus ihren TrĂ€umen finden könnten. Aber den gab es nicht, schließlich hatten sie sich ja diese Welt ertrĂ€umt.
‚Ach herrje, ach herrje. Sie wollen doch nicht wirklich mit dieser armen alten schwĂ€chlichen Dame auf dem Flugzeug springen. Bedenken sie doch! Sie könnte vor Schreck einen Herzinfarkt bekommen. Oder sie wird vor Schreck ohnmĂ€chtig. Oder der Schreck fĂ€hrt ihr in die Glieder. Oder
ja, ja, ja – bedenken sie, sie könnte gar vor Schreck
und gewiss hat sie keine Windel an. Bedenken sie ,bedenken sie‘!
Sprachs und Blubb waren Fluglehrer und SchĂŒlerin verschwunden. Man hörte noch ein lautes Juchhu aus Mutters Mund und Stille. Gerade wollte ein rostiges KrĂ€chzen aus Kraaks Maul die Stille durchbrechen, als Kröök mit riesigen Ă€ngstlichen Augen, vor sich hinbetend, an ihm vorbeiflog,
besser gesagt, völlig aufgelöst an ihm vorbeiblitzte.
Er wollte ihm noch etwas nachrufen, aber zu mehr als einem ‚Äh‘ kam er nicht und weg war Kröök.
Kraak blickte zu Muriels Vater und erkannte, dass auch er sich mit seinem Lehrer auf den Weg machte.
‚Nein, oh nein! Lassen sie uns doch bitte wie Erwachsene Menschen beziehungsweise Vögel darĂŒber sprechen. Seien sie doch bitte nicht so egoistisch. Sehen sie es doch einmal aus meiner Sicht‘, jammerte er.
‚Wollen wir wie ein Vogel fliegen‘? rief der Fluglehrer seinem SchĂŒler zu, als Beide an der offenen TĂŒr Platz genommen hatten.
‚Ja, oh ja‘! antwortete Muriels Vater und Kraak dachte fĂŒr sich: Nein, oh nein!
Dachte es und Plumps, warÂŽs um ihn geschehen. Er purzelbaumelte durch die Luft, nicht wissend, wo oben und unten ist. Vergeblich versuchte er mit den FlĂŒgeln zu schlagen. Hatte er ĂŒberhaupt noch welche, dachte er, und bei diesem Gedanken fing er von Herzen an zu schreien.
‚AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHH‘!
Im nĂ€chsten Augenblick sah er Muriels Vater, der fröhlich vor sich hin frohlockend diesen Wahnsinn zu genießen schien. Seine Wangen blubberten wie hoher Wellengang nur so vor sich hin. Er sah aus, als mĂŒsse man sein Gesicht nach der Landung bĂŒgeln. Aber es schien ihm zu gefallen.
Nein, nicht nur einfach zu gefallen, er schien es zu genießen. Ja merkte er nicht, spĂŒrte er nicht, dass es zu Ende ging. Kraak standen die Federn zu Berge.
Und Wuff! wutschte Kröok, in sich gefaltet betend, an ihm vorĂŒber. Er schien sein Schicksal angenommen zu haben und nur noch auf Erlösung wartend.
Da war ja auch Muriels Mutter.
‚Juchhu‘!
Und da war er, Kraak, beziehungsweise das, was von ihm ĂŒbrig war. Eine mit Angst gefĂŒllte HĂŒlle.
‚Nein, oh nein‘, dachte er. ‚Bin ich ein Vogel oder nicht? Ja, dass bin ich. Ich bin die KrĂ€he Kraak. Ich habe FlĂŒgel und kann fliegen‘!
Sprachs, fand auch tatsÀchlich eben jene, obwohl sie sich tief in seine Seiten eingegraben hatten, spannte sie weit von sich und: Blubb!
Er fiel einfach zu schnell. Seine FlĂŒgel schnellten nach oben und man konnte ob der merkwĂŒrdigen Ansicht zu dem Schluss gelangen, da ergebe sich ein Vogel im Flug.
Keine Frage. Es ging nach unten fĂŒr unseren Kraak. Turboschnell. WUUUUIIIIIIIIIIIIIIII!
Gerade als er in Gedanken seine schwarzen FlĂŒgel mit weißen FlĂŒgeln zu tauschen bereit war, öffneten sich Fallschirme und FlĂŒgel waren wieder dazu da, wozu sie dienten. Zum fliegen!
‚Juchhu‘ frohlockte Kraak, als er erkannte, dass er die schwarzen FlĂŒgel behalten durfte, wobei man bei nĂ€herer Ansicht mehrere graue Federn erkennen konnte.
‚Juchhu‘ krĂ€chzte Kraak, ‚ich kann fliegen‘.
‚Was denn sonst, du Blödvogel‘ anwortete eine Taube, die zufĂ€llig Kraaks Weg kreuzte.
Und so segelten Mensch und Vogel ganz sanft erdwÀrts.

Was weiter geschah? Wir werden sehen!





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Muriel konnte und wollte der Flugshow ihrer Eltern nicht beiwohnen. Ihr wurde beim Gedanken daran schon schwindelig.
Und so ging Muriel am Abend vor dem großen Flug mit einem mulmigen GefĂŒhl zu Bett.
Anfangs fand sie keine Ruhe, es war, als sei ihr Bett eine tosende See. Doch mit der Zeit wurde die See ruhiger und Muriel glitt Welle fĂŒr Welle in ihre Traumwelt hinein.
Sie schlief im Hier ein und wachte im nÀchsten Moment im Dort auf.
‚Hallo junge Frau‘! rief eine Stimme von ungefĂ€hr.
‚Hallo
hier unten‘!
Muriel blickte nach unten und sah einen
hmm, was sah sie eigentlich?
Da saß ein Irgendwas und blickte zu ihr hoch.
‚Ähm
Hallo! Wer und was bist du denn‘?
‚Wer oder was ich bin? Na das sieht man doch! Ich bin der Schabernacker‘!
‚Der Schabernacker? Aha! Hallo!‘
Jetzt, da Muriel den kleinen Kerl ein wenig lÀnger betrachtete, ging ihr ein Licht auf.
‚Hmm‘ dachte sie, ‚ja klar, wenn ich ihn mir so anschaue, ein rechter Schabernacker.
Dass ihr das erst jetzt auffiel.
Der Schabernacker war eine Mischung aus Schabe und Nacktschnecke.
Zumindest weitlÀufig und mit ein wenig, nun gut, ein wenig mehr Phantasie.
‚Ein Schabernacker also. Und was macht ein Schabernacker den lieben langen Tag‘?
‚Ich bin der Meister des Unsinns und der Streiche‘.
Meister des Unsinns und der Streiche also! Was konnte man mit so einem anfangen?
Muriel ĂŒberlegte und ĂŒberlegte
und ZONG! Geistesblitz! wusste sie es.
Der alte Maier. Ja
der alte Maier. Mit ihm hatte sie noch eine, nein tausende Rechnungen offen. Was hatte er ihr ĂŒber Jahre hinweg schon den Spaß verdorben, dieser alte Griesgram.

Bei Herrn Maier, Maier mit ai, hatte alles seine Ordnung. Über 30 Jahre Beamter. 06:00Uhr aufstehen. Ins Bad. Morgentoilette. Um 06:30Uhr FrĂŒhstĂŒck mit der Frau. Schweigend in die Zeitung vertieft. 07:30Uhr vor die HaustĂŒr treten. Blick zum Himmel. Kuss auf die Wange der Frau.
Mit Mantel, Anzug, brauner Ledertasche und Schirm um Punkt 07:32Uhr zum Tor hinaus. Zwei Straßen weiter zur Haltestelle. Abfahrt des Busses um 07:45Uhr. Zehn Minuten Fahrzeit. Kurzer Fußweg. Betreten des Amtes um 07:55Uhr.Hinein in den Aufzug. 8er Stock aussteigen. Betreten des BĂŒros um 07:59Uhr. Dienstbeginn: 08:00Uhr. Arbeit.Feierabend: 17:00Uhr

Fußweg. Haltestelle. Bus. Zwei Straßen zu Fuß. Öffnen des Tores. Blick zum Himmel. HaustĂŒr öffnen. Hut ab, Mantel aus, Schuhe aus, Hausschuhe an, Tasche an ihren Platz. Kuss.
Punkt 18:00Uhr Abendessen. Frage von Frau Maier wie es auf der Arbeit war.
Antwort von Herrn Maier: Wie immer.
Nach dem Essen Wohnzimmer. SichÂŽs im Fernsehsessel bequem machen. Fernsehzeitung. Plan fĂŒr den Fernsehabend erstellen. Danach ein kurzes Ruhen bis 20:Uhr. Tagesschau. Anschließend Programm nach Plan. Nach den Tagesthemen ins Bad. Abendtoilette. Bett. Kuss. Schlafen.

Tausende Beschwerden bei Muriels Eltern wegen dem ungezogenen lauten Gören.
Mittagsruhe einhalten! Sonntagsruhe! Leise spielen. Verbieten auf den Baum zu klettern.
Sie spÀhe immer in Maiers Schlafzimmer. Nicht rennen. Nicht rufen. Nicht, nicht, nicht°
So oft schon hatte sich Muriel bei ihren Eltern ĂŒber Herrn Maier beschwert.
Du musst Geduld haben, meinte die Mutter immer wieder, er hatte nie Kinder.
Gott sei Dank fĂŒr die Kinder, war stets die Antwort Muriels.
Muriels Eltern schĂŒttelten den Kopf und ermahnten sie ob ihrer Rede, aber heimlich lachten sie in sich hinein, empfanden sie es doch gerade so.

Muriel erzĂ€hlte dem Schabernacker vom alten Maier. Er hörte ruhig zu. Als sie geendet hatte, lĂ€chelte er und meinte: ‚Oh ja, oh ja. Mir scheint er braucht eine Lektion‘.
Sie beschlossen sich einmal nÀher in Maiers Haus umzusehen.
Und so inspizierten die Beiden jeden Raum des Hauses wÀhrend Herr und Frau ihre TrÀume trÀumten.
Im Badezimmer sah Muriel Maiers dritten ZĂ€hne in einem mit Wasser gefĂŒllten Glas liegen. Sie wusste, dass im alten Kleiderschrank auf dem Speicher ihres Hauses noch die Dritten von Opa lagen.
‚Was meinst du, Schabernack, soll ich die dritten ZĂ€hne von meinem Opa holen und wir tauschen sie gegen die hier aus‘?
‚Oh ja, oh ja, frohlockte der Schabernacker, welch ein köstlicher Gedanke! Was wird er den Mund verziehen, mit dem nicht richtig passenden Gebiss. Und hier haben wir die Pomade von ihm. Mal schauen. Wie wĂ€rÂŽs, wenn wir die Tube mit dem HaarfĂ€rbemittel von Frau Maier vertauschen. Sie sehen sich sehr Ă€hnlich. Mit ein wenig warmen Wasser lösen wir die Etiketten und vertauschen sie‘.
‚Und ich bringe von drĂŒben noch was von meinem Gel mit. Das mischen wir noch unter. Dann lĂ€uft er morgen wie ein Punk durch die Welt. Aber halt! Er wird sich doch im Spiegel sehen, und dann istÂŽs vorbei mit der Schabernackerei‘.
Schabernack petzte seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Er blickte Muriel wie ein verschwörerischer Agent an und flĂŒsterte: ‚Lass das meine Sorge sein. Ich lege einen schabernackischen Zauber auf den Spiegel, so dass er sein gewohntes Angesicht sehen wird‘.
Das gefiel Muriel sichtlich. Sie prustete so feucht vor sich hin, dass sich eine Spuckkblase auf ihren Lippen bildete. Sie bloppte sie hinweg und sang schmunzelnd:
‚Oh weih, oh weih, welch Schabernackerei. Lass uns in die KĂŒche gehen, sehen, was wir dort anstellen können‘.
In der KĂŒche fiel ihr Blick direkt auf den Toaster.
‚Könntest du den Toaster so manipulieren, dass das Toastbrot alle paar Sekunden wieder herausspringt? Und könntest du außerdem dafĂŒr sorgen, dass es keine hartgekochten Eier gibt, sondern lebendige KĂŒken den Eiern entspringen‘?
‚Der Unsinn muss noch erfunden werden, den ich nicht verwirklichen könnte. Die KĂŒken werden schlĂŒpfen und das Toastbrot wird hĂŒpfen‘ Nun lass uns schnell ins Schlafzimmer springen und sehen was wir dort bewirken können‘.
Ruckzuck war der Wecker eine Stunde vor- und Frau Maiers Hausschuhe an Stelle der von Herrn Maier gestellt.
Der Tag des Schabernacks konnte kommen.
Maiers Wecker klingelte laut Anzeige um 06:00Uhr. Es war 04:00Uhr morgens. Herr Maier glitt wie jeden Morgen aus dem Bett und schlĂŒpfte in seine Hausschuhe hinein. Hinein
.hiiiiiiiiiii
nein.
Zumindest drei Zehen fanden jeweils den Weg in die Schuhe. Da Herr Maier immer im Dunkeln seinen Weg ins Bad fand, sah er nichts vom Schuhvertausch.
‚Wasser‘ dachte er. Musste ja so kommen. Schließlich hatten Oma und Opa auch Wasser in den Beinen.
‚So geht das, dachte er weiter. ‚So mir nichts dir nichts ĂŒber Nacht Wasser. Auf dem Heimweg muss ich mir neue Hausschuhe besorgen und fĂŒr die Arbeit nehme ich das Paar, das mir immer zu groß war. So watschelte Herr Maier wie eine Ente ins Bad. Morgentoilette. Waschen. Danach die Dritten, die ĂŒber Nacht im Reinigungsbad gelegen hatten, in den Mund.
‚Wasch ischt denn dasch, rief er? Wasch ischt mit meinen ZĂ€hnen? Die schitzen ja gar nischt. So ein Mischt. Wird doch wohl nischt dasch Wascher aus den FĂŒschen bis in dem Mund gekommen schein.
Na ja
dann musch isch in der Apotheke vorbei, Waschertabletten beschorgen. Schnell noch die Pomade in die Haare. Fertig.
Als Herr Maier die KĂŒche betrat, traf Frau Maier fast der Schlag. Fast! Sie fragte ein wenig beunruhigt, ob alles mit Herrn Maier in Ordnung sei.
‚Ein wenig Wascher im Mund und in den FĂŒschen. Wie Oma und Opa halt. Anschonschten ischt alles klar.
Frau Maier hatte nun ganz und gar nicht den Eindruck, dass mit ihrem Mann alles in Ordnung sei. Andererseits gefiel ihr der Gedanke, dass sich ihr Mann ein wenig lĂ€cherlich machte. Schließlich hatte er sie in den letzten Jahren wie ein StĂŒck Luft bzw. eine zu bearbeitende Akte behandelt. Und sollte sich ihr Mann mit schiefem Mund (lispelnder Weise) und Punkfrisur, nebst roten StrĂ€hnen, tatsĂ€chlich auf den Weg zur Arbeit machen, wollte sie dies keineswegs versĂ€umen.
Ganz davon abgesehen, dass es 05:00Uhr morgens war.

Vier Scheiben Toast in den Toaster gelegt und Blubb warf es sie im hohen Bogen wieder hinaus.
Zur gleichen Zeit liefen Eier mit FĂŒĂŸen ĂŒber den Tisch und Blubb flog Toastbrot durch die Luft.
‚Dasch ischt ein ganzsch und gar merkwĂŒrdiger Tag, Frau. AuschgebrĂŒtete Eier, die Scheitung noch nischt im Briefkaschten und Wascher in FĂŒschen und Mund.
Nichtsdestotrotz wollte Herr Maier nicht von seinen Gewohnheiten ab. Also öffnete er die gestrige Zeitung, schnappte sich eine Toastbrotscheibe aus der Luft und begann sie mit Margarine zu beschmieren. Ein Ei mit FĂŒĂŸen lief ĂŒber das Brot und sĂŒĂŸe FußabdrĂŒcke musterten Tisch und Zeitung.

Um Punkt 07:15Uhr stand Herr Maier auf um sich fĂŒr die Arbeit fertig zu machen. NatĂŒrlich hatten Muriel und der Schabernacker alle Uhren im Haus verstellt. Es war Punkt 06:15Uhr als Herr Maier die zu großen Schuhe anzog.
‚Schuper‘, rief er seiner Frau zu, ‚hier paschen alle Zschehen rein. Und ischt noch jede Menge Platsch ĂŒbrig.
Voll angetan trat Herr Maier um 07:30Uhr vor die TĂŒr und blickte zum Himmel. Irgendwie schien es heute spĂ€ter zu dĂ€mmern.
‚Pascht ja zschum verrĂŒckten Tag‘, murmelte Maier vor sich hin und kĂŒsste seine Frau auf die Wange.
Um Punkt 07:32Uhr (so dachte er) schloss er das Tor hinter sich. HĂ€tte er einen Blick zurĂŒckgeworfen,
wĂ€re er doch ein wenig ĂŒber seine Frau verwundert gewesen, die sich vor Lachen krĂŒmmend auf dem Boden warf. Es war aber auch zu komisch, ihn dort in seinen zu großen Schuhen watscheln zu sehen. Und diese Frisur!
Da auch um 06:45Uhr ein Bus ging, fiel Herrn Mayer lediglich auf, dass deutlich weniger Menschen auf den Bus warteten, und dass sich diese ein wenig merkwĂŒrdig benahmen. StĂ€ndig sahen sie ihn verstohlen an, drehten sich schnell weg um sich dann einen wegzugrinsen.
‚Isch hab Wascher von Oma und Opa‘ hĂ€tte er ihnen gerne entgegen geschmettert, aber er schwieg
und wĂŒnschte ihnen die Gischt an den Hals.
Im Bus sprach ihn so ein halbstarkes BĂŒrschen mit Ringen hier und dort an: ‚Man ist nie zu alt fĂŒr den Punk, Alter. Sprachs, klopfte ihm mehrmals auf die Schulter und ballte die Hand zur Faust, nur Zeige-
und kleinen Finger von sich streckend.
Herr Maier hatte keine Ahnung ,was dieser Irre von ihm wollte.
‚Wo scholl dasch enden mit diescher Jugend‘, dachte er fĂŒr sich. Dasch schind die, die schpĂ€ter mal unscher Land fĂŒhren schollen. Gott schteh unsch bei‘!
Um 07:55Maierzeit betrat Maier das Amt. Besser gesagt
wollte Herr Maier das Amt betreten.
Doch das Amt war verschlossen. Er klingelte und klopfte gegen die GlastĂŒr. So etwas hatte er in seiner ĂŒber 30jĂ€hrigen Beamtenlaufbahn noch nicht erlebt. Geschlossen!
‚Ja schind den heute alle verrĂŒckt. Wasch schollen denn die BĂŒrger denken, wenn schon auf unsch kein Verlasch mehr ischt‘.
So zĂŒrnte Herr Maier vor sich hin, bis endlich, um 08:30Maierzeit, 07:30Uhr in der RealitĂ€t, der Hausmeister kam, um die TĂŒr zu öffnen. Mittlerweile hatten sich schon einige Kollegen Maiers eingefunden. Alle machten sie einen belustigt besorgten Eindruck.
‚Ja wasch‘, schrie er. ‚Bin isch der Einzschige, den dasch schtört? Wasch scholl der BĂŒrger denken,
wenn er schich nischt mehr auf scheine Beamten verlaschen kann‘?
‚Mensch Maier‘ rief MĂŒller aus dem dritten Stock aus zweiter Reihe, ist denn schon Fasching? Hast gestern wohl ganz schön einen drauf gemacht‘. Sprachs und lachte sich fast weg, nicht ohne dass die anderen Beamten um ihn herum ins Konzert einstimmten.
‚Wischt ihr wasch‘, schrie Maier, ihr könntÂŽ misch alle `mal. Sprachs, ging zum Aufzug und fuhr hinauf in den 8ten Stock. Dort betrat er sein BĂŒro und begann um Punkt 08:00Uhr (wahrhaftige Zeit) mit seiner Arbeit.
Um Punkt 09:30Uhr betrat er die Toilette um sich vor dem FrĂŒhstĂŒck die HĂ€nde zu waschen. Um Punkt 09:30Uhr und 15 Sekunden gellte ein Schrei durch das Amt. Herr Maier hatte in den Spiegel geschaut. Er kannte den, den er dort sah
und doch auch wieder nicht. Dieses ‚nicht‘ bezog sich auf die wilde Igel-Irokesen-Frisur, durchzogen von roten StrĂ€hnen. Das alleine wĂ€re ja vielleicht noch gerade so gegangen, aber der Mund. Das waren nie und nimmer seine ZĂ€hne dort in seinem Mund. Diese waren im Vergleich zu seinen riesengroß und außerdem fehlte oben, ziemlich in der Mitte, ein Zahn. Sein Gebiss erinnerte ihn an den RĂŒcken des Glöckners von Notre Dame. Bei dieser Erkenntnis schrie er.
Es klang ungefÀhr so:AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!

Die ganze Zeit ĂŒber beobachteten Muriel und der Schabernacker durch ein Traumfenster hindurch das Geschehen. Na ja
nicht alles. Teilweise lagen sie vor lauter Lachen unter dem Fenster. Dem hatten sie es gezeigt.

Ihr hĂ€ttet sehen sollen, wie kleinlaut Herr Maier an diesem Tag zu Hause ankam. Tage brauchte es, bis er das Durchlebte verkraftet hatte. Seiner Frau, seinen Kollegen gegenĂŒber, machte er ein Medikament verantwortlich, dass ihm sein Arzt verschrieben und dass er nicht vertragen habe.
Doch bewirkte das alles letztendlich viel Positives fĂŒr Herrn Maier, seine Frau, Muriel und deren Familie. Herrn Maier wurde durch das Erlebte bewusst, wie schnell alles anders sein konnte. Er erinnerte sich daran, dass es da frĂŒher noch was anderes als Arbeit und Fernsehen gab. Theater, SpaziergĂ€nge, der Zoo, sein Garten, Lesen
das Leben ĂŒberhaupt.

Und so wurden Herr Maier, der ĂŒbrigens Ferdinand mit Vornamen hieß und Muriel gute Freunde.

Aber dazu spÀter mehr.






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Muriel (Intermezzo)

Hast mich im Sturm genommen kleines Menschenkind
Mit deinem LĂ€cheln, das die Atome meines Seins
In alle Winkel des Universums zerstreut
Diese Augen, klar und rein, so ganz und gar bei sich
In ihrer Welt, die nicht von dieser Welt

Hast mich im Sturm genommen kleines Menschenkind
Bin ganz bei dir, bei deinem Sein
Ich weiß, wenn ich dann gehe, irgendwann,
Bleibt doch ein Teil von mir
Bei dir





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Ein jeder Schritt von armstrongischer Dimension
Im umgekehrten Sinn versteht sich
Wobei die Menschheit fĂŒr sie doch noch so klein
Ein Familienuniversum nur
Also ein großer Schritt fĂŒr alle Menschenheit

Die Arme nach oben
Als schreite sie ĂŒber ein unsichtbares Seil
Und hin und wieder dieser Teufelsmut
HĂ€nde nach unten und weiter
Diese Freude ĂŒber jeden neugewonnen Schritt

Und Plumps! Hosenboden
Zum GlĂŒck pampersgefedert
TrÀnen in den Augen
Aber Helden und Entdecker weinen nicht
Also auf
Auf immer neuen Wegen


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