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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Neuanfang - aufregend anders
Eingestellt am 07. 07. 2019 21:16


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KirstyMcCallen
Hobbydichter
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Der schneidende Wind schlug Andrew entgegen, als er die Wagent├╝r ├Âffnete und ins Freie trat. Er atmete tief durch und lie├č den Blick schweifen. S├╝dengland hatte Mitte Oktober etwas raues, kaltes ÔÇô was hatte ihn nun doch wieder hierher getrieben? An diesen Ort wo alles begonnen hatte, dorthin wo er das gr├Â├čte Gl├╝ck seines Lebens erlebt hatte und dahin zur├╝ck, wo vor nunmehr drei Jahren alles auf einmal vorbei war.

Das Leben des mittlerweile Sechsunddrei├čigj├Ąhrigen hatte sich schlagartig ge├Ąndert, als Diane ihm damals von heute auf morgen er├Âffnete hatte, dass sie sich scheiden lassen wollte. Das junge Gl├╝ck hatte nach ihrer Hochzeit nicht einmal zwei Jahre gehalten. Noch vor ihrem zweiten Hochzeitstag hatte die Blondine ihre Koffer gepackt und war zur├╝ck in die Anliegerwohnung ihrer Eltern gezogen.

Gedankenverloren schaute er auf die Wellen des Ärmelkanals, die sich an den Steinen brachen und schwelgte in Erinnerungen.

Begonnen hatte das Ganze schon kurz nachdem Andrew den Job an der Schule in Brighton angenommen hatte.Der damals achtundzwanzigj├Ąhrige Mathematik- und Sportlehrer hatte nach einer neuen Herausforderung gesucht und war aus Liverpool in die K├╝stenstadt Brighton gekommen. Der Job mit den Teenagern machte ihm Spa├č, von den neuen Kollegen wurde der junge Mann mit offenen Armen empfangen und genau aus diesem Grunde hatte Andrew sich hier auch gleich heimisch gef├╝hlt.

Diane unterrichte ebenfalls die ÔÇ×SixthForm", also die Oberstufe, an der High School. Mit der jungen Kollegin, die gerade ihr Referendariat beendet hatte verstand Andrew sich auf Anhieb und auch sie schien ihm nicht wirklich abgeneigt zu sein. Man unterhielt sich in den Pausen, tauschte sich aus und n├Ąherte sich dadurch immer weiter an. Man schien auf einer Wellenl├Ąnge zu liegen, wie man so sch├Ân sagte. Das erste Date lie├č nicht allzu lange auf sich warten und der gro├čgewachsene sportliche Mann sp├╝rte schnell, wie gro├č die Anziehungskraft der attraktiven Kollegin war. Auch Diane konnte ihm nicht wirklich widerstehen,obwohl sie zu Beginn skeptisch gewesen war. Er sah umwerfend aus! Andrew war sportlich, gr├╝ne Augen, dunkelblonde Haare und ein L├Ącheln, das selbst einen Eisblock in Sekunden zum Schmelzen bringen konnte. Mit seinen knappen eins-neunzig war er nat├╝rlich ein Frauenschwarm und somit hatte die junge Frau anfangs ihre Zweifel, ob man einen solchen Mann f├╝r sich alleine haben w├╝rde. Er flirtete oft und gerne und die Damenwelt lag ihm schnell zu F├╝├čen. Auch wenn er immer wieder versicherte, dass er sich nichts dabei dachte und andere Frauen ihn nicht interessierten, behielt Diane ihn skeptisch im Auge. Das gr├Â├čte Problem damals war die Tatsache, dass er mit etlichen seiner vorwiegend weiblichen Sch├╝lerinnen in einem sozialen Netzwerk befreundet war. Musste so etwas sein? Diese Frage hatte sich die Blondine wohl gef├╝hlte einhunderttausend Mal gestellt und nicht nur einmal war es genau deshalb zum Streit zwischen ihnen gekommen.Drew sah sich immer als Kumpeltyp und punktete damit bei seinenSch├╝lern ÔÇô eine Tatsache, die er bis Heute auch so beibehalten hatte ÔÇô aber die immer wieder f├╝r schlaflose N├Ąchte bei Diane gesorgt hatte, weil sie sich fragte, ob da nicht doch mehr dahintersteckte, als er zugab. So konnte man doch nicht die n├Âtige Distanz zu den Sch├╝lern wahren und ihrer Meinung nach ging durch dieses Verhalten auch jeglicher Respekt verloren. Andrew sah das nat├╝rlich vollkommen anders und genau deshalb gerieten die Beiden schon vor einer festen Beziehung immer mal wieder aneinander. Trotz aller Zweifel lie├č sich die junge Lehrerin darauf ein und schwebte schon bald gemeinsam mit ihm auf Wolke sieben. Er war der perfekte Mann, der sie mit seinem Charme und seiner zeitgleichen Dominanz vollkommen um den Finger wickeln konnte. Warum war ein solcher Moment irgendwann vorbei? Warum konnte man nicht ewig diese Verliebtheit f├╝hlen, die zu Beginn einer neuen Beziehung so pr├Ąsent war, dass man die Realit├Ąt verga├č? Niemand vermochte heute noch zu sagen warum die Magie des Augenblicks dann doch so schnell verflogen war.Bis zu ihrer Hochzeit hatten sie geglaubt, das nichts und niemand sie je wieder trennen k├Ânnte. Die Beiden waren verliebt wie am ersten Tag, als sie sich nach zweieinhalb Jahren Beziehung am 01. August das Ja-Wort gaben. Die Sonne schien vom blauem Himmel und irgendwie h├Ątte man dies doch als perfektes Omen deuten k├Ânnen. In der Tat hatten sie geglaubt, was sie sich schworen: Gl├╝cklich ÔÇô bis das der Tod sie scheiden w├╝rden. Doch es kam anders. Noch immer arbeiteten sie zusammen und der frischgebackenen Miss McAllister blieb nat├╝rlich nichts verborgen. Kurz nach ihrer Hochzeit begann sie damit Andrew zu kontrollieren. Sie bekam mit wie seine Sch├╝lerinnen ├╝ber ihnsprachen und die Eifersucht kochte immer weiter in ihr hoch. ÔÇ×McSexy"wurde er oftmals auf dem Pausenhof genannt, wenn er es nicht mitbekam. Diane h├Ârte die ├Ąlteren Sch├╝lerinnen dar├╝ber sprechen,wie hei├č ihr Mann in seinen Sportsachen aussah und nicht nur einmal bekam sie mit, wie sich die jungen M├Ądchen fragten, warum er sich f├╝r die unscheinbare Geschichtslehrerin entschieden hatte, wenn er doch auch bei einer von ihnen gute Chancen gehabt h├Ątte. Siezweifelte an sich, stellte Drews Liebe und Treue in Frage und verfluchte seine offene und charmante Art, die er allgegenw├Ąrtig an den Tag legte. Es war einfach nicht angebracht in ihren Augen und so gab es immer wieder neuen Z├╝ndstoff f├╝r einen handfesten Streit nach Feierabend.

Andrew seufzte tief, zog den Rei├čverschluss seiner Jacke noch etwas weiter nach oben und sch├╝tzte sich dadurch gegen den eisigen Wind, der ihm immer noch entgegenschlug. Er lehnte sich an seinen Wagen und stellte sich abermals die Frage, ob es richtig gewesen war wieder hierher zukommen.

Der junge Mann strich sich die Haare aus der Stirn, die der Wind dorthin wehte und schaute auf das aufgew├╝hlte Wasser, das sich in immer wiederkehrenden Wellen an derfelsigen K├╝ste brach. Noch immer hing der Lehrer seinen wirren Gedanken nach und stellte seine Entscheidung nach wie vor in Frage. Warum zweifelte er so? Er hatte das Angebot einer High School hier in Brighton bekommen nachdem sein Vertrag in London ausgelaufen war. In der englischen Hauptstadt hatte er die letzten drei Jahre verbracht und h├Ątte man seinen Vertrag verl├Ąngert, w├Ąre der junge Mann mit den schottischen Wurzeln auch gerne dort geblieben, doch so hatte ersich nach einer Alternative umsehen m├╝ssen. Viele Bewerbungen hatte er gar nicht geschrieben und das ihn ausgerechnet eine Schule in Brighton einstellte h├Ątte er sich auch nicht tr├Ąumen lassen. Aber nun war er wieder hier und all die Erinnerungen an Diane und ihre gemeinsame Zeit waren pr├Ąsenter denn je. Er schloss seine Augen und in Sekundenbruchteilen, waren seine Gedanken wieder bei ihr und mittendrin.

Er dachte an ihre Hochzeit. Vielleicht hatten sie doch nicht die besten Voraussetzungen f├╝r eine gemeinsame Zukunft, aber soweit hatte keiner von ihnen gedacht. War es am Ende m├Âglicherweise sogar ihre permanente Eifersucht, die ihn veranlasst hatte, um ihre Hand anzuhalten? Wollte er ihr damit vielleicht nur beweisen, dass er nur sie liebte und sie ihm vertrauen konnte? Hatte sie vielleicht auch nur deshalb ÔÇÖJaÔÇÖ gesagt, als er vor ihr auf die Knie gegangen war? Nur um ihn auf ewig an sich binden zu k├Ânnen und um noch mehr Einfluss auf sein Leben aus├╝ben zu k├Ânnen?

Es war an Silvester gewesen ÔÇô sie hatten genau hier gestanden, am Brighton Pier. Ihr Blick war auf die K├╝ste gerichtet und dank einer klaren Nacht war das Glitzern der Raketen beinahe magisch. Der perfekte Moment! Andrew war in dieser Hinsicht mehr als traditionell. Beim Weihnachtsessen mit ihrer Familie hatte er bei ihrem Vater um ihre Hand angehalten und Sean Jenkings hatte ihn nach erster ├ťberraschung v├Ąterlich in die Arme geschlossen. An seine Worte erinnerte Drew sich noch heute, als w├Ąre es erst gestern gewesen, das Sean sie gesagt hatte: ÔÇ×Mein Junge ÔÇôendlich... Nat├╝rlich, ich freue mich f├╝r euch und wei├č, dass du meine Tochter gl├╝cklich machen wirst!" Dann wanderte sein Blick in den Nebenraum, wo man Dianes liebenswertes Lachen h├Âren konnte.

ÔÇ×Sie ist so gl├╝cklich mit dir!" l├Ąchelte ihr Vater und wirkte ebenfalls zufrieden, wenn auch leicht sentimental. So war das wohl, wenn die eigene Tochter erwachsen wurde und heiraten wollte. Eine Vater-Tochter Beziehung war doch in gewisser Weise etwas besonderes und wahrscheinlich auch etwas unergr├╝ndliches. Diane war Einzelkind, was es ihrem Vater unter Umst├Ąnden nur noch schwerer gemacht hatte loszulassen, doch in seinen Augen war Drew der perfekte Schwiegersohn. Das Andrew diesen hohen Erwartungen doch nicht entsprechen konnte ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Mit Mr. Jenkings Segen fasste Andrew deshalb in der Silvesternacht all seinen Mut zusammen, den Ring hatte er schon einige Wochen vorher gekauft und in dieser Nacht war es soweit.Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er vor ihr stand und ihr seine Liebe abermals gestand. Sie l├Ąchelte, schien zu ahnen was kommen w├╝rde und als er sich hinkniete konnte man das Gl├Ąnzen in ihren Augen erkennen. Ihre Tr├Ąnen lie├čen auch den jungen Lehrer schlucken und er selbst k├Ąmpfte mit seinen ├╝berw├Ąltigenden Emotionen, als er sie fragte, ob sie seine Frau werden wollte.

Nach einer kurzen Pause, in der man nicht mal mehr das Knallen des Feuerwerks wahrnahm hauchte sie einÔÇÖJaÔÇÖ, zog ihn wieder hoch und versank in einem innigen Kuss mit ihm.Dieses Gl├╝ck und diese wunderbaren Gef├╝hlen lie├čen sich gar nicht mehr in Worte fassen, aber man konnte dem Strahlen der Beiden entnehmen, dass es ├╝berw├Ąltigend sein musste, was in ihnen vorging.

Ein Hochzeitstermin war schnell gefunden. Diane bestand darauf einen ganz besonderen Tag, als Hochzeitsdatum zu nehmen und so fiel die Wahl auf den 01. August. Die beiden frisch Verlobten verbanden einige Erinnerungen mit diesem Tag und das Datum war mindestens genauso magisch, wie diese Nacht. Das es kein Gl├╝ck bringen w├╝rde lag sicherlich nicht an der Terminwahl und noch rechnete auch keiner damit, dass das junge Gl├╝ck nicht f├╝r die Ewigkeit gedacht war. Die Zeit bis zur langersehnten Hochzeit, die einem zu Beginn noch endlos vorkam, verging schneller als gedacht.Die ganzen Vorbereitungen spannten sie vollkommen ein. Hier stellte Diane ihr Organisationstalent voll unter Beweis und plante alles perfekt bis in jedes noch so kleine Detail. Dinge, die Andrew nicht einmal im Traum eingefallen w├Ąren hatten f├╝r sie eine riesengro├če Bedeutung. Er war wirklich froh, dass sie sich um all diese Dinge k├╝mmerte, wenn er es in die Hand genommen h├Ątte w├Ąre schon die Vorbereitung kl├Ąglich gescheitert und die Hochzeit sicherlich in einem Desaster geendet. Auf einmal und eh man sich versah war ihr gro├čer Tag gekommen. Auch hier hatten sich die Beiden an Traditionen gehalten. Am letzten Wochenende waren beide getrennt voneinander unterwegs gewesen, um ihren Junggesellenabschied zu feiern und auch die letzte Nacht hatten sie nicht zusammen verbracht.

Wieder drang ein leises Seufzen ├╝ber Drews Lippen, als er seine Diane wieder vor dem inneren Auge sah. In ihrem bodenlangen wei├čen Kleid mit den roten Verzierungen. Sie sah aus wie eine Prinzessin, strahlte und stellte alle anderen in denSchatten. Mit klopfendem Herzen hatte Andrew dagestanden und gewartet, als sie an der Seite ihres Vaters den Gang entlang schritt und schlie├člich seine Hand ergriff.

Es war wirklich so wie man sagte, der sch├Ânste Tag in ihrem Leben und nach dem Ja-Wort wurde mit den rund siebzig G├Ąsten bis sp├Ąt in die Nacht ausgelassen gefeiert.

Das Rauschen der Wellen, die sich anden Steinen brachen lenkten Andrews Erinnerungen nun zu ihren Flitterwochen, die sie damals auf den Malediven verbracht hatten. Es war so unwirklich gewesen, aber zeitgleich einfach nur traumhaft. Trotz der eisigen K├Ąlte konnte er f├Ârmlich den weichen, hei├čen Sand wieder unter seinen F├╝├čen sp├╝ren. Seine Erinnerungen zeigten ihm, wie er mit Diane auf der kleinen Terrasse vor dem Bungalow sa├č und dann wieder Hand in Hand mit ihr am Strand entlang rannte, um wenig sp├Ąter in das kristallklare Wasser des Indischen Ozeans einzutauchen.

Hier hatten sie auch das erste Mal dar├╝ber gesprochen eine Familie zu gr├╝nden und damit ihr gemeinsames Gl├╝ck vollkommen zu machen. Das auch dies nur einVersuch war Drew weiter an sich zu binden und ihre krankhafte Eifersucht in den Griff zu bekommen war damals noch keinem von ihnen wirklich bewusst. Unterschwellig war das m├Âglicherweise Dianes Plan, doch richtig realisiert hatte sie es damals sicher selbst noch nicht. Sie wollten es zum damaligen Zeitpunkt beide und zu dieser Zeit dachte auch niemand nur im Traum daran, dass ihr Gl├╝ck schon bald vorbei sein sollte.

Heute konnte man wohl von Gl├╝ck reden, das Diane nicht schwanger geworden war. Sie hatten es probiert, aber der Kinderwunsch war unerf├╝llt geblieben. M├Âglicherweise hatte es an Dianes Verbissenheit gelegen. Sie w├╝nschte es sich so sehr, dass sie sich allein mit dem Gedanken an ein Kind wohl zu sehr unter Druck gesetzt hatte. Das war zumindest die einzig logische Erkl├Ąrung, die ihnen diverse ├ärzte liefern konnten, nachdem sie sich gut ein Jahr nach ihren Flitterwochen untersuchen lassen hatten, weil es einfach nicht klappen wollte. Der Wunsch nach einem Baby war so gro├č und aus medizinischer Sicht gab es auch nichts, was dagegen sprach.

Schon zu dieser Zeit schienen in ihrer Beziehung dunkle Wolken aufzuziehen. Diane schien Streit zu suchen, lie├č ihre Frustration ├╝ber den unerf├╝llten Kinderwunsch immer h├Ąufiger an Drew aus und verkroch sich immer weiter und tiefer in ihrer eigenen Welt. Sie war lustlos, distanzierte sich von Freundinnen, die schwanger wurden und zog sich mehr und mehr zur├╝ck. Die junge Frau ver├Ąnderte sich. Sie hatte keine Lust irgendetwas zu unternehmen, sa├č nach der Arbeit oft alleine zu Hause und beschwerte sich ├╝ber vieles was Drew tat. Recht machen konnte er es ihr schon lange nicht mehr, wenn er zum Sport ging maulte sie ihn an, hielt ihm mangelndes Interesse an ihrer Person vor und versuchte ihm ein schlechtes Gewissen einzureden. Zun├Ąchst mit Erfolg, aber nachdem er auf vieles verzichtete, was ihm wirklich am Herzen lag, kam auch bei ihm Unzufriedenheit auf. Die logische Konsequenz daraus waren neue Streitigkeiten.

Egal was er sagte, sie hatte Gegenargumente, egal was er tat, es passte ihr nicht.

Das Ganze zog sich ├╝ber einige Wochen, bevor sie gemeinsam entschieden, das es so nicht weitergehen konnte. Man entschied sich dazu einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Ein Tapetenwechsel war dringend n├Âtig und vielleicht w├╝rde man dort auch ein wenig Ruhe und Entspannung finden. Etwas, das Beide so sehr brauchten. In der Tat ging dieser Plan auf. Die vierzehn Tage, die sie auf Teneriffa verbrachten sorgten daf├╝r, dass sie sich wieder n├Ąher kamen. Manchmal war es eben doch richtig dem Alltag zu entfliehen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Auf der Kanareninsel war alles anders, sie unternahmen viel und konnten dadurch zun├Ąchst alles vergessen, was ihren Alltag daheim ├╝berschattet hatte. Man sagte nicht umsonst, das man Probleme ansprechen musste, um gemeinsam eine L├Âsung zu finden. Genau das tat das junge Paar. Es hatte nicht nur einen abendlichen Spaziergang am Strand gegeben, stundenlange Gespr├Ąche und Tr├Ąnen inklusive. Dieser Neuanfang, wie die Beiden ihn nannten war der richtige Weg. Zumindest f├╝r den Augenblick waren die Verliebten dieser Meinung. Auch nach ihrer R├╝ckkehr schienen sie noch davon ├╝berzeugt zu sein und augenscheinlich ging ihr Plan auch auf.

Allerdings war ihr Gl├╝ck nicht mehr von langer Dauer. Gute sieben Monate sp├Ąter fiel Diane wieder in alte Muster zur├╝ck. Sie war lethargisch, verfiel in Depressionen, weil sie sich nicht als richtige Frau sah solange sie nicht schwanger war und nat├╝rlich machte sie Andrew f├╝r diese Misere verantwortlich.

Resignierend versuchte er immer wieder das Gespr├Ąch zu ihr suchen, scheiterte aber gnadenlos daran. Zu dieser Zeit fing sie auch wieder an ihn zu kontrollieren. Anfangs wusste er nichts davon, doch er sollte noch herausfinden, dass sie seinen E-Mail Account, sein Handy und das soziale Netzwerk durchst├Âberte, weil sie ihm unterstellte etwas mit einer anderen Frau zu haben.

Es war ein Abend im April, als er sie nach dem Joggen dabei erwischte, wie sie sich durch sein Profil und seine Nachrichten in dem sozialen Netzwerk klickte, in dem er angemeldet war.

Fassungslos starrte er sie an, stellte sie zur Rede und wurde zum ersten Mal in ihrer Beziehung wirklich laut. Genau das legte sie ihm nat├╝rlich so aus, als h├Ątte er was zu verbergen und ├╝bersch├╝ttete ihn mit haltlosen Vorw├╝rfen. Diane unterstellte ihm, dass er nicht so ausrasten w├╝rde, wenn er nichts zu verbergen h├Ątte und das sie es gleich gewusst hatte, das er nicht treu w├Ąre und die kleinen M├Ądchen aus der Schule v├Âgelte, kaum das sie ihm den R├╝cken zudrehte.

Andrew kochte und lie├č derartige Verleumdungen nat├╝rlich nicht auf sich sitzen. Nie, niemals h├Ątte er eine seiner Sch├╝lerinnen angefasst! Er verschwendete nicht einen Gedanken an eine andere Frau und umso verletzter war er von Dianes Worten. Wie konnte sie ihm so etwas vorhalten? Kannte sie ihn wirklich so wenig, das sie derartige Vermutungen anstellte? Verletzt warf er ihr seinerseits auch einiges an den Kopf, was ihm im Nachhinein wirklich leid tat und wof├╝r er sich auch ein paar Stunden sp├Ąter entschuldigte, w├Ąhrend er vergebens darauf wartete, das sie ihr eigenes Verhalten ebenfalls bereute und es ihm gleichtat.

Irgendwie rauften sie sich dennoch wieder zusammen, doch die Beziehung hatte einen tiefen Riss und schon zwei Wochen sp├Ąter brach sie den n├Ąchsten Streit vom Zaun, weil sie ihn nach der Schule gesehen hatte, wie er mit einer Sch├╝lerin gesprochen hatte. Sicher tat er das ÔÇô er war Lehrer, da war es normal, dass man nach dem Unterricht mit dem ein oder anderen Sch├╝ler ein Wort wechselte, eine Frage beantwortete und einfach nur zuh├Ârte, wenn man um Rat gefragt wurde. Wer, wenn nicht Diane, sollte das verstehen k├Ânnen? Bei ihr war es doch nicht anders.

Ihrer Meinung nach w├Ąre das aber etwas ganz anderes. Als er sie darauf ansprach beharrte sie darauf, er h├Ątte mit dem M├Ądchen geflirtet und sie w├╝sste ganz genau was da ablief. Nein, sie wusste gar nichts und langsam kam es Drew so vor, als suchte sie nur nach Gr├╝nden sich mit ihm zu streiten. Warum hatte sie ihm keinerlei Vertrauen entgegenbringen k├Ânnen? Noch nie hatte er ihr einen Grund dazu gegeben an seiner Ehrlichkeit und Treue zu zweifeln. Er wusste nicht mehr weiter, denn derartige Vorw├╝rfe k├Ânnten ihm beruflich schaden und ihn seinen Job kosten. Sie musste damit aufh├Âren!

Genau das tat Diane auch, allerdings anders als er gedacht, erwartet und gehofft hatte. Ein paar Tage sp├Ąter packte sie unter Tr├Ąnen ihre Sachen, er├Âffnete ihm das ihr Anwalt bereits eingeschaltet w├Ąre und sie die Scheidung wollte. Was? Das war nun wirklich ein Schock f├╝r den jungen Lehrer. Sicher hatten sie Probleme, aber man konnte doch ├╝ber alles reden und eine Ehe war nun mal nicht immer eitel Sonnenschein. Es gab H├Âhen und Tiefen, die man seiner Meinung nach gemeinsam meistern musste. An gel├Âsten Problemen wuchs man und zusammen konnte man alles schaffen, wenn man es wollte. Doch sie wollte nicht! Dianes Entschluss stand fest und davon lie├č sie sich auch nicht mehr abbringen. Andrew redete auf sie ein, bat sie darum noch einmal nachzudenken und vern├╝nftig in aller Ruhe mit ihm zu reden. Vergebens, sie zog zur├╝ck in die Anliegerwohnung ihrer Eltern und lie├č ihn alleine zur├╝ck. Vor Problemen wegrennen schien in ihren Augen der richtige Weg zu sein und daran konnte Andrew zu seinem eigen Bedauern nichts ├Ąndern. Er musste ihre Entscheidung hinnehmen und seinerseits damit klarkommen. Es fiel ihm nicht leicht sich mit der neuen Situation zu arrangieren,weil er Diane, trotz ihrer Macken, noch immer liebte. Doch das Leben ging weiter und das war auch Drew bewusst.

Es dauerte auch nicht lange bis dieTrennung an der Schule die Runde machte. Flurfunk funktionierte eben ├╝berall. Gerade am Anfang war es f├╝r die beiden Lehrer auch nicht leicht, sich weiterhin auf der Arbeit zu begegnen. Sie wussten nicht wie sie miteinander umgehen sollten, versuchten sich so gut wie eben nur m├Âglich aus dem Weg zu gehen und sprachen nur das N├Âtigste miteinander. Allerdings musste man ihr wohl hoch anrechnen, dass sie ihre haltlosen Beschimpfungen und Unterstellungen f├╝r sich behielt. Nicht ein Wort zu Andrews angeblichen Techtelmechteln mit denSch├╝lerinnen, keine Erkl├Ąrungen warum man sich getrennt hatte. Es ging auch niemanden etwas an und sowohl Andrew als auch Diane schwiegen sich dar├╝ber aus, wenn es doch mal Jemand wagte sie darauf anzusprechen.

Trotz allem wurde die gemeinsame Arbeit unertr├Ąglich. Schlussendlich war es Andrew, der seine Konsequenzen aus der Sache zog. Er suchte sich einen neuen Job und brach die Zelte in Brighton ab. Er musste hier einfach weg, weg von Diane, weg aus Brighton und vor allem weg von all diesen Erinnerungen. Es war einfach nicht zu ertragen seiner gro├čen Liebe jeden Tag so nah zu sein und doch zu wissen, dass es nie mehr so sein w├╝rde wie fr├╝her.

Nun war er doch wieder hier und fragte sich, wie es Diane wohl ging. Warum ihn diese Frage besch├Ąftigte wusste er selbst nicht so genau. Das letzte Treffen hatte vor Gericht stattgefunden, als ihre Scheidung amtlich geworden war. Danach warder Kontakt komplett abgebrochen, obwohl Andrew wenigstens zu ihrem Geburtstag und an Feiertagen anfangs versuchte hatte anzurufen und ihren Anrufbeantworter vollgetextet hatte. Sp├Ąter hatte er sich darauf beschr├Ąnkt eine Mail oder SMS zu schreiben, aber auch diese waren unbeantwortet geblieben, bis auch diese Art von Kontakt komplett eingeschlafen war.

W├╝rde er sie wiedersehen? War sie im Gegensatz zu ihm in einer neuen Beziehung? War sie m├Âglicherweise nun sogar schon Mutter und gl├╝cklich in ihrem neuen Leben?

Diese Dinge besch├Ąftigten den jungen Mann mehr als er sich selbst eingestehen wollte. Und auch wenn er an einer anderen Schule unterrichten w├╝rde hie├č das nicht, dass man sich nicht zuf├Ąllig ├╝ber den Weg lief. Wie w├╝rde sie auf ihn reagieren? Brighton war zwar sicherlich kein Dorf, aber M├Âglichkeiten sich zu begegnen gab es dann doch unz├Ąhlige. Ihm war durchaus bewusst, das es immer und ├╝berall m├Âglich sein k├Ânnte, vorausgesetzt sie lebte noch immer hier. Irgendwie war genau dieser Gedanke im Augenblick mehr als erschreckend f├╝r ihn. Sie waren verheiratet gewesen und heute wusste er rein gar nichts mehr von ihr.

Er fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht, als k├Ânnte er so seine Gedanken beiseite wischen. Das hier war ein Neuanfang und diesen sollte er auch nutzen ohne ├╝ber das ÔÇÖwas w├Ąre wennÔÇÖ nachzudenken.

Das nahm er sich zumindest nun auch f├╝r den Augenblick vor, ob es klappen w├╝rde und welche ├ťberraschungen das Schicksal noch f├╝r ihn bereithalten sollte, w├╝rde die Zeit zeigen.

Der Himmel war wolkenverhangen und so wunderte es ihn nicht, als dann auch erste Regentropfen auf seine Haut trafen. Zeit zu gehen. Er richtete einen letzten Blick auf die K├╝ste, atmete h├Ârbar aus und stieg wieder in seinen Wagen, um den Heimweg anzutreten. Heimweg, wie das klang ÔÇô er war nun knapp eine Woche wieder hier, morgen w├Ąre sein erster Tag an der neuen Schule, aber zu Hause f├╝hlte er sich hier noch lange nicht.

Unterschwellig hatte er sogar das Gef├╝hl hier nicht willkommen zu sein und stellte nicht zum ersten Mal seine Entscheidung, ausgerechnet wieder hierher zur├╝ckgekommen zu sein, in Frage.

Aber es war zu sp├Ąt f├╝r Zweifel, der Vertrag war unterschrieben und er konnte auch nicht ewig vor seiner Vergangenheit fliehen. Dieses Kapitel war zu ende und ein neues w├╝rde nun beginnen. Etwas worauf man sich freuen sollte.

Niemand wusste was der n├Ąchste Tag bringen w├╝rde, doch meist waren es zuf├Ąllige Begegnungen und Kleinigkeiten, die zum gro├čen Gl├╝ck f├╝hrten und das Leben lebenswert machten.

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DocSchneider
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