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Leselupe.de > Ungereimtes
Über die Freiheit
Eingestellt am 23. 08. 2019 12:41


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DinoLoncar
Schriftsteller-Lehrling
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Über die Freiheit

Das erste was ich mit dir mache,
ist, dass ich glaube (habe ich eine Wahl?):
Ah, Freiheit wie lieb ich dich,
liebst du aber auch mich?
Wie viele Male spreche ich deinen Namen aus,
ohne zu wissen was dein Preis ist,
und ob es ihn überhaupt gibt.

In den schwersten Stunden sehe ich deinen Wert,
denn einzig du bist beständig,
egal wie viel man verschenkt und verschwendet,
Freiheit bleibt allen Wesen,

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Tula
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2016

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Hallo Dino

Ein interessanter Ansatz ist dieses auf jeden Fall, besonders der Einstieg. Ja, was macht man ihr, als den Glauben an sie nicht zu verlieren.

Die letzten drei Zeilen der ersten Strophe sind nicht so erhebend. Natürlich gibt es einen Preis, und natürlich ist sie nicht beständig! Du musst dich um sie bemühen, wie um die Dame deines Lebens: JEDEN Tag Aber ich hab's ja verstanden, beständig ist die Freiheit als Ideal.

Freiheit lohnt sich immer als Thema. Schon weil der Begriff selbst diskutierbar ist und zum Beispiel viele nicht verstehen, dass Freiheit die Rücksicht auf andere mit einschließt. Und dass "Freiheiten" nicht mit "Freiheit" gleichzusetzen sind, begreifen auch sehr wenig. So gefällt mir dein Gedicht, denke aber auch, dass aus diesem Thema noch mehr herauszuholen wäre.

LG
Tula

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DinoLoncar
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2019

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Danke, Tula. Es freut mich, dass dich das Gedicht zum denken gebracht hat.

Du schreibst:
"Die letzten drei Zeilen der ersten Strophe sind nicht so erhebend. Natürlich gibt es einen Preis, und natürlich ist sie nicht beständig! Du musst dich um sie bemühen, wie um die Dame deines Lebens: JEDEN Tag"

Ich verstehe diesen Standpunkt und halte ihn für nützlich als auch wertvoll, aber, ich möchte hierrauf antworten.

Der Grund wieso es als Frage (die keine ist, denn das Fragezeichen fehlt) geschrieben ist, ist GERADE weil wir Menschen uns, dass abermals und abermals stellen und vergessen, dass wir frei sind! Wir wissen natürlich das es einen Preis gibt (die Phrase "Alles hat seinen Preis") und wie viele Menschen für dieses Ideal: Freiheit, ihr leben für andere opfern. Das ist Freiheit in einem sozialen Sinn und Kontext. JEDOCH, nochmal, wir vergessen dabei, dass Freiheit das Fundament des Menschen (und aller Wesen) ist. Boethius so (ein zum Tode Verurteilter Philosophe) berichtet in seinem Buch ("Die Tröstung der Philosophe") auch über einen Menschen der, hingerichtet werden soll, wenn er nicht seine Freunde verratet. Der Mann, macht es nicht und beißt sich die Zunge ab. Entschuldige für das brutale Beispiel, aber, dass ist auch Freiheit -- die innere Freiheit zu handeln und sich nicht zu ergeben! Weiter, wenn wir Sachen wie: Freiheit (oder auch Menschenrechte wie mir ein Jurist einmal erläuterte) als quid-pro-quo Verhältnise -- eine Hand wäscht die ander usw -- ansehen, dann können wir nicht über Freiheit und Menschenrechte überhaupt sprechen. Natürlich ist in der Gesellschaft nicht ideal und wir haben quid-pro-quo Situationen, aber dass sind keine Beispiele für diese fundamentale Freiheit des Menschen und aller Wesen die uns erlaubt zu: handeln, lieben, leben... Deswegen MÜSSEN wir davon ausgehen, deswegen habe ich auch dies als Frage gestellt, denn wir vergessen auf diese fundamentale Freiheit und stellen uns hin und wieder selber diese Frage. Auf dies deute ich in den letzten Zeien an; nämlich, dass egal wie finster es auch scheint es trotzdem nicht möglich ist den Menschen die Freiheit zu nehmen. So, z.B. wenn wir nicht an diese Freiheit (im wahren Sinne) glauben würden, dann würde es keinen Grund geben irgendetwas zu machen, ja, überhaupt dieses Gespräch zu führen. Wir müssen also von Freiheit reden die auch über die Geselschaft hinaus geht und keinen Preis, ABER einen Wert hat, damit wir etwas machen können. Bzw. wir müssen von Anfang an, Freiheit haben, damit wir den Menschen (und alle Wesen) freier machen können -- deswegen sage ich auch, dass Freiheit beständig ist, und --> egal wieviel und oft man sie gibt, sie bleibt bestehen. Wir haben also:
1. keine Wahl das wir an Freiheit glauben.
2. Dies erlaubt uns selber, und dann auch allen anderen Menschen, dass wirh helfen und Sachen gerade biegen.
3. Die Freiheit (in wahren Sinn) sollten wir NIE vergessen!
4. Aus der Freiheit, dieser Freiheit, kommt auch Hoffnung.

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Patrick Schuler
Routinierter Autor
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Ich hab da meine Probleme mit.

Zuallererst ist Freiheit ernsthaft zu definieren.
Freiheit im Sinne: ich kann in jeder Situation frei Entscheiden, was ich tuen möchte, gibt es wohl nicht. Wir sind zu einem wesentlichen Teil determiniert. Also das Produkt unserer Biologie und Biographie. Wir haben allerdings die Handlungsfreiheit, also die Möglichkeit unseren eigenen Willen zu verwirklichen. Der ist aber niemals universell, wie Tula bereits bemerkt hat, gibt jeder von uns sogar Freiheiten auf, um andere Freiheiten zu bekommen. (Man stiehlt nicht um nicht bestohlen zu werden usw.) Ich glaube kaum, dass es klug wäre die Menschenrechte als platonische Ideen durch den Raum schwirren zu lassen, in denen die menschliche Natur nicht mehr vorkommt.
(Die ganze Menschenrechtsidee fußt auf dem Einverständnis aller Beteiligten, auf bestimmte Freiheiten zu verzichten) Ich glaube auch nicht, dass es Sinn macht den Begriff der Freiheit zu idealisieren und zu transzendieren. Nur wenn wir uns bewusst sind, das Freiheit eben nicht "an sich" existiert, haben wir das nötige Bewusstsein diese verletzliche und fragile Schönheit zu verteidigen.

L.G
Patrick

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DinoLoncar
Schriftsteller-Lehrling
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An Patrick Schuler:

Ich sage das beides der Fall ist: natürlich, eine konkrete (soziale) Freiheit gibt es, aber, es ist nicht zu bestreiten, dass auch eine transzedente Freiheit existiert, und existieren muss -- egal wie wir an die Sache rangehen möchten.

Wenn wir mit Freiheit nur an ein quid-pro-quo Verhältnis denken, dann glauben wir nicht wirklich an Freiheit. Freiheit muss über die Gesellschaft und geselschaftlichen Verhältnise hinausgehen.

Beispiel: in einer Diktatur und in schwersten Bedingungen, was, wenn nicht Freiheit würde es den Menschen ermöglichen sich gegen die Diktatur zu stellen und zu rebelieren? Wenn die Menschen, von ihrem Wesen aus keine innere Freiheit hätten und nicht Freiheit verlangen würden, dann würde das Diktatoren und anderen Monstren dies, dass grüne Licht geben für Sklaverei, sie würden, dann sagen können: "Der Mensch ist nicht von sich oder von Natur aus frei, deswegen kann ich alles mit ihm machen und ihn formen wie ich will"
Wir müssen, also, auch mit einer transzedente Freiheit rechnen.

Hier ein Terry Pratchet Zitat:

“There is always a choice."
"You mean I could choose certain death?"
"A choice nevertheless, or perhaps an alternative. You see I believe in freedom. Not many people do, although they will of course protest otherwise. And no practical definition of freedom would be complete without the freedom to take the consequences. Indeed, it is the freedom upon which all the others are based.”

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DinoLoncar
Schriftsteller-Lehrling
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Um es kürzer zu fassen:
- Der Mensch ist von seiner Natur, von sich, von seinen Wesen her frei. Das ist der Grund wieso er/sie rebeliert wenn die Freiheit ihm/ihr geferdet wird -- so rebeliert er nicht weil ihm eine Autorität keine Freiheit gibt, sondern weil diese Autorität seine Freiheit geferdet. Also, nicht unbedingt eine "transzente" Freiheit, sondern eine innere Freiheit, und eine (wie erwähnt) bestendige Freiheit ist hier gemeint.
- Wenn wir nicht davon ausgehen, weil wir von uns selber Angst haben, und wir uns unserer Freiheit nicht bewusst werden möchten, dann sind wir: Sklaven die sich selber die Kette anlegen.

Dino.

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