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Leselupe.de > Kurzgeschichten
meine Mona Lisa
Eingestellt am 29. 12. 2003 14:01


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Stoffel
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Meine Mona Lisa


Fernand liebte sie, mit jeder Faser seines Körpers.
Und jede dieser tat ihm weh, als er sie so da liegen sah. Nur noch auf die HĂ€lfte ihrer selbst abgemergelt, blass und mit eingefallenen Augen.
Doch sie lÀchelte immer und dieses LÀcheln brannte sich noch tiefer in sein Herz.
Sie war so rein, so schön, als er ihr zum ersten Mal begegnete. Lange schon hatte er nach einem perfektem Modell gesucht und dann trat sie in sein karges Zimmer. Es war fĂŒr Fernand, als wĂ€re die Sonne, nach langer Zeit der Finsternis, aufgegangen. Er konnte von Weitem schon ihr, nach FrĂŒhling und Sommer duftendes Haar riechen und sie lĂ€chelte ihn einfach nur an. Ja, sie war die Frau, nach der er, als Maler und Mann, immer schon gesucht hatte.
WĂ€hrend er ihre zarte, fast leblose Hand hielt, spĂŒrte Fernand noch immer diese unbĂ€ndige Kraft, die sie ihm stets gab. All die gemeinsamen Tage, Abende und NĂ€chte und all die Morgen, an denen er vor ihr wach war und in ihr schlafendes Gesicht blickte. Selbst im Schlaf lĂ€chelte sie.
Fernands Herz krampfte sich zusammen.
Sie atmete schwer, hustete Blut und der Arzt schĂŒttelte mitleidsvoll den Kopf. Seit dem lag sie dort und beide wussten, das Ende ihrer Liebe war nah. Doch keiner von beiden sprach darĂŒber. Fernand mied die Gesellschaft anderer, obwohl sie ihm dazu riet, ihn sogar anflehte. Denn es wĂŒrde seinem Fortkommen als beflissenen Maler weiterhelfen, wenn er sich unter all die anderen mischte. Er aber hatte Angst, sie allein zu lassen.
Immer öfter sprach sie von den Blumen und BÀumen, schaute zum Fenster hinaus und lÀchelte.
"Fernand" sagte sie leise. "Wenn die letzte Blume vergangen, das letzte Blatt vom Baum gefallen ist, werde auch ich gehen."
Dann ließ er von seiner Staffelei ab, schnellte zu ihr hin und griff nach ihrer Hand und kĂŒsste sie sanft. Und immer lĂ€chelte sie.
Wie oft waren sie ĂŒbermĂŒtig durch die Strassen gefegt, hatten mit ihrer guten Laune und dem Lachen die Menschen in ihrem Viertel angesteckt. Jeder, der sie kannte, schien geradezu auf sie zu warten. Sie beide hatten eine besondere Gabe, die Menschen fröhlich zu machen.

Fernand sammelte einige Dinge zusammen, die er nicht mehr benötigte, um sie zu Geld zu machen. Er brauchte noch mehr Farben, es war September und er hatte Angst, so wie auch schon im August, und noch mehr fĂŒrchtete er den Oktober.
Jeden Abend, wenn er an ihr Bett kam, lĂ€chelte sie wieder und ihre matte Hand strich ihm ĂŒber die Stirn.
"Fernand" sagte sie wieder "sei nicht gram, wenn ich gehe. Wenn die letzte Blume verblĂŒht, das letzte Blatt..." Weiter kam sie nicht, denn Fernand legte seinen Finger energisch auf ihre bleichen Lippen.
"Nein, so wird es nicht sein, so wird es nicht sein!" sagte er und eilte wieder hinaus.

Die Tage vergingen und manchmal schien Fernand am Ende seiner KrĂ€fte. Doch immer, wenn er zu ihr trat und sie ihn anlĂ€chelte, lĂ€chelte er optimistisch zurĂŒck. "Du wirst sehen, mein Lieber Schatz, du wirst schon sehen" sagte er dann geheimnisvoll.

Der Arzt konnte nicht mehr viel tun, er kam nur noch, um zu sehen, ob sie noch lebte. Und sie, sie lÀchelte. Manchmal wollte Fernand es verfluchen, dieses LÀcheln, zeigte es ihm doch, wie schwach er selbst immer noch war. Und dann, ging er wieder raus in die KÀlte.

An diesem Tag kam er schon am Nachmittag und er war fröhlich, wie schon lange nicht mehr. Er machte einen Tee, legte ein Croissant mit auf das Tablett und redete wie ein Wasserfall. "Du weisst nicht, was fĂŒr ein Wunder heute geschehen ist!" rief er von Weitem zu ihr. Dann riss er den schweren Vorhang des Fensters auf. Die Sonne schien und draußen, draußen war es Sommer. Der Baum strahlte in seinem saftigem grĂŒn Lebendigkeit und UnvergĂ€nglickeit aus und in des Himmels Blau zogen wunderschöne Paradiesvögel ihre Bahnen. Ein Blumenmeer umrankte dieses atemberaubend Kunstwerk der Natur.

Doch es kam keine Antwort und als er an ihr Bett trat, lag sie da, als ob sie schlief. Ein kleines LĂ€cheln umspielte ihren Mund.


"Ein gelungenes Werk Fernand!" flĂŒsterte sein Galerist ihm ĂŒber die Schulter zu, bevor er zurĂŒck zu den GĂ€sten der Vernissage ging. "Das ewige Leben, die UnvergĂ€nglichkeit auf einer Leinwand, von nur 6x8 Metern und das Bildnis ihrer Freundin, es erinnert mich ...irgendwie an... Mona Lisa".






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heike von glockenklang
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stoffel,

sehr poetisch,einfĂŒhlend und flĂŒssig geschrieben. mir sind ein paar kleinigkeiten aufgefallen die ich dir als vorschlag posten möchte.
lieben gruß heike

__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, kĂŒhle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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Stoffel
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Ja Heike,

man tau..hau rein!
(danke fĂŒrs lesen)

lG
Sanne

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Stoffel
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ganz lieben Dank...

an Astrid und Heike fĂŒr ihre Lektorenarbeit!!
*freu*
(wenn noch was an Fehlern sein sollte..ich hab nix her "kopiert"!..dann ist es mein Fehler..)
lG
Stoffel

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heike von glockenklang
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lach , stoffel,

ist es nicht wundervoll das mir wenigstens die fehler der anderen auffallen?
aber die fehler stören mich nicht wirklich,lach. ich möchte von den geschichten fasziniert werden. und deine romantischen story hat den anschein eines liebesromans. wie ich sie mit 17 verschlang. heute lese ich sowas nicht mehr, aber hier als bonbon empfand ich es richtig nett und ging mir ans gefĂŒhl. die poente zieht das ganze wieder etwas aufs realistische und das ist gut so , sonst wĂŒrde eine 30ger packung tempos nicht ausreichen.
bussi und viel spaß noch an deinem werk.
heike

__________________
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H Keuper-g /13.07.06

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Stoffel
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liebe Heike,

dann bin ich echt froh, nicht den anderen Schluss gewÀhlt zu haben...*lach*
(ala Romeo und Julia)
denke mal..dann könnten wir nichts mehr mit Dir anfangen und die Aktien ZellstofftĂŒcherindustrie wĂ€re in die Höhe geschnellt

Danke Dir
lG
Sanne

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