15 (Kriminalnovelle)

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jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich mag diese Geschichte. Der Plot ist zwar, selbst für eine Novelle, etwas arg konstruiert und der Stil wirkt noch nicht ausgereift (den eventuellen Vorwurf von Kitsch kann man nur schwer von der Hand weisen), es gibt außerdem hier und da konstruktiv und dramaturgisch Ausbaufähiges und Ausbaubedürftiges … Aber: Es ist im Rahmen der (mir) offenbar werdenden Möglichkeiten der Autorin sorgfältig gemacht, ich mag die durchgehende Verschränkung (es gibt quasi keine unerhebliche Nebenstory) sehr und vor allem hat die Story beim ersten Lesen einen Sog erzeugt, den ich so nicht mehr sehr oft bei LL-Texten (in die ich schaue) erlebe.
 

molly

Mitglied
Herzlichen Glückwunsch, xavia,

eine saubere Arbeit. Da ich Prolog und Epilog zuerst gelesen habe, fange ich nun mit dem ganzen Text an.

Viele Grüße

molly
 

xavia

Mitglied
Vielen Dank, jon, SilberneDelfine und molly!

@jon: Zur Konstruktion des Plots: Ich bin auf der Suche nach der Novelle, daher dachte ich mir, es kann nicht „unerhört“ genug sein für eine solche. An Reifung, Konstruktion und Dramaturgie will ich sehr gerne noch arbeiten, bin für konkrete Hinweise dankbar und versuche es ggf. auch auf eigene Faust. Was den Kitsch angeht, vermute ich mal, dass es um die Schwärmerei von Sabrina geht – ist das nicht typisch für manche 15-jährige? Aber vielleicht lokalisiere ich den auch falsch. Dass du die „durchgehende Verschränkung“ erwähnst, freut mich sehr, darauf habe ich großen Wert gelegt.

@SilberneDelfine: Den Prolog habe ich heute morgen noch einmal neu geschrieben, nachdem jon mir viele wertvolle Anregungen gegeben hat. Hoffentlich gefällt dir der neue auch.

@molly: Ich hoffe, dass der Epilog dir nicht zu viel verraten hat, wollte dem Spürsinn meiner LeserInnen eigentlich ein wenig Nahrung bieten. Lies nur nicht das vorletzte Kapitel vor den anderen ;)
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Xavia,

nein, bei Kitsch meine ich die Grundstory. Dass Teenager kitschig verknallt sind, ist völlig okay – das empfand ich sogar als ausgesprochen treffend erfasst.
Ich meine tatsächlich diese theatralische Überhöhung, dass es nicht nur (was ungewöhnlich genug wäre) zwei Generationen betrifft und warum es so ist (ich will hier nicht zu sehr spoilern). Bei dem allen schwebt so eine Überhöhung der Bedeutung von bestimmten Ereignissen und besonders eine Überschätzung der Langzeitwirkung von Gefühlen mit, dazu etwas zu viele „passende“ Zufälle … Dass das Ganze dann in ein Happy End mündet, macht dieses Gefühl von „ne, das Leben ist nicht so" perfekt.
Bitte versteh mich nicht falsch: Solche überzogenen, romantischen (die Romantik hatte eine stark ausgeprägten morbiden Zug), „weltschweren“ Plots sind nicht per se schlecht, sie prägen ganze Genres. Und wenn sie wie hier damit kombiniert werden, zwischenmenschliche Wirkungen zu beleuchten, nehm ich das gern als „literarische Überspitzung des Sets zum Zwecke der Deutlichmachung“ hin. Trotzdem bleibt die Stärke des Textes (neben der kompletten Verschränkung) eben jenes Beleuchten, nicht der Plot an sich.
 

xavia

Mitglied
Liebe Jon,
ah, ja, ich verstehe. Da ist es einfach mit mir durchgegangen, als ich gemerkt habe, dass ich das (wenn auch mühvoll) in der Zeit unterbringen kann. Es wäre ja nicht schwierig, das realistischer zu gestalten, ohne dass die Beleuchtung weniger würde, aber meinst du, das wäre besser?
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Schwer zu sagen, ob die Auflösung dieser Klammern besser wäre. Es würden immerhin einige Verbindungen verloren gehen, für deren Kontakt-Stellen neuer Text geschrieben werden müsste/sollte. Jetzt ist z. B. die Härte von Petras Mutter durch die Klammer erklärt - löst man diese, wird diese Härte zwar nicht unerklärlich, ist aber gewissermaßen ein von außerhalb der Story hereingebrachtes Element. Und das ist ja nur ein Element dieser Art.
Vielleicht gewinnt die gesamte Geschichte dadurch so viel an Lebensnähe, dass der Abstrich an der „Kunstfertigkeit“ der Konstruktion dadurch aufgewogen wird. Ich vermute aber, dass da auch dramaturgisch größere Anspassungen nötig wären, weil es dann ja nicht mehr auf einen gemeinsamen Bogen hinausläuft.

Da das, wie ich inzwischen gelesen habe, ein „Auf einen Rutsch“-Stück ist, bei dem es dir vor allem um das Testen der Form Novelle ging, würde ich jetzt nicht so grundsätzlich an dem Text rumschrauben. Meiner Erfahrung nach „zerschreibt“ man so durchkonstruierte Storys dabei zu leicht. Ich würde es im Detail bearbeiten und eben einfach zu dem „Kitsch“ stehen. (Muss man auch manchmal, ich hab auch solches „Zeug“ im Sortiment.) Wie schon gesagt: Es gibt ganze Genres, die auf solche „romantisierenden“ Inhalte bauen; ich bin nichtmal sicher, dass es nicht irgendwann eine Gelegenheit geben kann, in der genau so ein Text perfekt passt.

Also lass die Basis ruhig so und kümmre dich eher um die konrekte Ausformung - das wäre zumindest mein Tipp.
 

FrankK

Mitglied
Mal ganz ehrlich, jon,
ein "Lass es so, mach nur ein bisschen Feinschliff" hört man selten von Dir. ;)


Ich nehme gerade den dritten Anlauf, Xavia, um über das zweite Kapitel hinauszukommen. Von einem "Sog" merk ich nichts, mag aber daran liegen, dass mir Krimis perse nicht liegen.

Vielleicht schaff ich es ja noch ...


Ach ja ... und eh ich es völig vergesse:
Gratulation zum Werk des Monats. ;)


Abendliche Grüße
Frank
 

xavia

Mitglied
Liebe Jon, ich habe, bevor ich deine Antwort las, auch noch mal über die Frage des Kitsches nachgedacht, bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich das, was du Kitsch nennst, in der Geschichte brauche, um dieses sich-ständig-wiederholende Muster deutlich zu machen, notfalls eben bis über die Schmerzgrenze des Kitsches hinaus. Da muss einer stutzten, um es zu sehen, sonst verbirgt es sich und nur durch das Erkennen kann man es sich bewusst machen. Ja, zu diesem Zweck kann ich wohl zu dem Kitsch stehen.
Vielen Dank für deinen einfühlsamen Kommentar!

Dank auch an FrankK und an SilberneDelfine für die Glückwünsche! Ich freue mich so sehr und war völlig geplättet, als ich den „Stempel“ auf meinem Werk sah.

@FrankK: Ich glaube, Männer haben es schwer mit dieser Geschichte, haben sie doch selten etwas von der Art erlebt.
Da ich an meinem Stil noch arbeiten möchte, würde mich aber interessieren, wo es für dich hakt, was es dir schwer macht, das zu lesen.

@SilberneDelfine:
Der Plot hat mir allerdings vor dem Umschreiben besser gefallen.
Über diese Rückmeldung freue ich mich ganz besonders! Mir geht es nämlich auch so: Zuerst dachte ich, ich kann lernen (hab ich auch) und habe mich gefreut, aber dann wurde es immer schlimmer und der Sinn der Sache entglitt mir. Ich werde den auf jeden Fall noch mal umschreiben, sobald ich mich von dem Schrecken erholt habe :)
 

FrankK

Mitglied
Hallo Xavia
Ich glaube, Männer haben es schwer mit dieser Geschichte, haben sie doch selten etwas von der Art erlebt
Muss man etwas bestimmtes erlebt haben, um sich auf die entsprechende Geschichte einzulassen?
Ich bin noch nie mit einem Heißluftballon gefahren und war noch nie auf einer einsamen Insel - dennoch habe ich Jules Verne und seine "Geheimnisvolle Insel" verschlungen. ;)

Da ich an meinem Stil noch arbeiten möchte, würde mich aber interessieren, wo es für dich hakt, was es dir schwer macht, das zu lesen.
Es "hakt" für mich am Genre, ich bin kein ausgesprochener Krimi-Fan, wobei hier allerdings das kriminologische doch eher etwas knapp davonkommt. Vielleicht komme ich heute Nachmittag noch dazu, etwas mehr zu lesen.
Ein Statement wirst Du auf jeden Fall von mir bekommen - aber ob es bis ins kleinste Detail geht ...


Grüßend
Frank
 
E

eisblume

Gast
Liebe xavia,

nur schnell ein kurzer erster Eindruck.
Ob die Kriterien einer Novelle erfüllt sind, kann ich jetzt nicht sagen, den Text als solches konnte ich in einem Rutsch durchlesen. Einfach aus Neugierde, wann es denn mit dem Kriminalhaften endlich losgeht.
Ich bin von Haus aus kein Fan von Prologen, in den meisten Fällen finde ich sie einfach unnötig und überflüssig. Hier in deinem Text fühle ich mich als Leser zudem sogar ein bisserl auf die Schippe genommen. Der Prolog führt in ein Verbrechen ein mit Protagonisten, die mir auch ein wenig nahegebracht werden, die aber dann erst einmal (gleich für Jahre!) samt Ermittlungsarbeit in der Versenkung verschwinden.
Das mit dem Kitsch geht für mich in Ordnung, diese drei Geschichten in eine große zu verpacken, hat mir gut gefallen, aber für mein Empfinden bleibt eben das Kriminalistische auf der Strecke, was mir wiederum egal wäre, wenn es denn nicht als Kriminalnovelle angekündigt wäre :)

LG
eisblume
 

 
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