John Goodman
Mitglied
Das Thema ist gelöscht.
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, die Geschichte zu lesen und zu bewerten und umso mehr freut es mich, wenn die Story bei dir Anklang gefunden hat. Und ja, dies stellt lediglich den Auftakt zu etwas Größerem dar. Fortsetzung folgt.Trailer? Wie geht es weiter? Spannend!
Das erste Kapitel ist dem Thema angefügt. Ich war mir jetzt nicht sicher, ob ich für Kapitel 1 ein eigenes Thema eröffne. Sofern mir bekannt, wäre das nicht zulässig auf der Plattform.
In der dunklen Kabine herrschte Stille, nur das leise Summen des Bordcomputers war zu hören. Entgegen der Anweisung, nichts unbefestigt liegenzulassen, schwebten einige Kleinutensilien umher, begleitet von einem Buch mit abgegriffenem Einband, dessen Seiten sanft in der Schwerelosigkeit wogen.
»Zulassungsunterlagen, Check. Schuluniform, Check.« Das schwache Licht ihres Tablets beschien ihr Gesicht und gepaart mit der gelben Farbe ihres Raumanzuges, verlieh es ihren feuerroten Haaren einen goldenen Schimmer. Ihre flinken Finger flogen über das Display. »Schulordnung, Check. Cockpit-Vorschriften, Check.« Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Doch ihre Vorfreude versuchte sie zu unterdrücken. All die schlaflosen Nächte, der erbarmungslose Lehrstoff, den sie immer und immer wieder durchgekaut hatte.
Sie hatte vermutlich das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen erfahren. Von tiefster Verzweiflung, wenn sie erneut bei einem Test durchgefallen war und die Prüfer sie unentwegt an ihr Unvermögen erinnerten. Bis hin zu hemmungslosen Glücksgefühlen, als sie endlich die Abschlussprüfung bestand. Es war ein Privileg hier zu sein und das wusste sie.
Ein seichtes Plätschern, wie das einzelner Wassertropfen, lenkte ihren Blick von dem Tablet auf den dunklen Bereich neben ihr. Wo sich jetzt eine Animation aus vielen bläulichen Dreiecken abspielte, die sich zu den Seiten in Wellen wieder auflösten. Der Klang war ihr vertraut. Sie war mit ihr aufgewachsen und sie hatte gelernt darauf zu achten, wenn sie was auf dem Herzen trug oder sie etwas beunruhigte. Sie gehörte zu ihrer Familie. Auch wenn die Leute das nicht verstanden. »Keine Sorge Ava, ich habe schon ein Gesuch deinetwegen eingereicht.«
Im selben Augenblick meldete sich aus dem Com eine blecherne Stimme. »Wir erreichen in Kürze die technische Bildungsanstalt Aetheria Academia im zweiundachtzigsten Bezirk«, die Com Einheit verstummte kurz in einem Rauschen, dann fuhr der Sprecher der Kommandobrücke fort. »Warteposition für den Andockvorgang wird eingenommen.«
Sie hatte Bilder und Aufnahmen dieser Universität bisher nur im Datenstream gesehen. Dass es sich um ein gewaltiges Konstrukt handelte und selbst den Mond winzig erscheinen ließ, war ihr ebenfalls bekannt. Aber es mit eigenen Augen zu sehen, war dann doch ein ganz anderes Erlebnis. Schnell tippte sie ihren Sicherheitscode für die Bildfreigabe ins Tablet und löste im Bordcomputer eine leise, melodische Klangabfolge aus. Die dunklen Bereiche öffneten sich schlagartig und gaben ihr ein Panorama frei auf das weite All und abertausende Lichtpunkte darin. Ihr Gesicht spiegelte sich kaum merklich auf der virtuellen Bildkuppel, die sie wie eine gläserne Kugel umschloss.
Inmitten dieses galaktischen Ozeans glich die Raumakademie einem strahlenden Juwel. Ihr Atem stockte.
»Das ist also ... die Schule ..., ich habe es endlich geschafft. Mom!«
Gigantische ringförmige Strukturen erstreckten sich vor ihr, umgeben von Metallstreben, die das Sonnenlicht reflektierten. Nach unten hin zog sich das Konstrukt wie ein Trichter in immer kleiner werdenden Ringen zusammen. Angetrieben durch einen inneren Kern in steter Rotation um die eigene Achse, wurde daraus eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle gewonnen und ein stabiles Magnetfeld erzeugt. Sie vermochte das Ausmaß nur erahnen. Ihr Transportfrachter war dagegen wie ein einsames Staubkorn.
In weiter Ferne sah sie etwas schweben. Vermutlich ein Wartungsbot, der sich im Reparatureinsatz befand. Sie tippte in ihr Tablet und öffnete auf der Bildfläche vor sich ein Fenster, mit dem sie den kleinen grauen Fleck stufenweise vergrößerte, bis sie deutlich seine Form erkannte. »Das ist aber ..., jemand in einem Raumanzug?« Sie betrachtete ihn eine Weile und bemerkte dann erst, dass er regungslos umhertrieb.
Als sie begriff, was sie dort sah, schlug ihr ruhiges Herz in Panik über.
»Nein, nein, nein, das darf nicht sein.« War er bewusstlos? Hatte er Sauerstoffmangel? Konnte sie überhaupt noch helfen? Verzweifelt tippte sie mehrfach auf den Kommunikationskanal ihres Tablets, als ginge der Verbindungsaufbau dadurch schneller. Was dauerte denn da so.
»Hier spricht die Brücke«, meldete sich nach einigen Sekunden der Bordoffizier.
»Der ... der machts nicht mehr lang.« Sie schrie ungewollt in den Com, ihre Stimme bebte und überschlug sich dabei.
»Was?«
»D-D-Da ... da ist«, sie sendete der Brücke ihren Videofeed. »Der überlebt nicht mehr lange!«
Für einen Moment durchbrach das Interferenzrauschen die unerträgliche Stille, das ein plötzliches Warnsignal ablöste. »Rettungsteam benachrichtigen und für externen Einsatz vorbereiten«, drang es aus der offenen Leitung. »Person in Not entdeckt.«
Sie steckte ihr Tablet in die Ladestation und schwang sich in einer fließenden Bewegung zurück auf ihren Sitz. Dann schnappte sie nach ihrem frei schwebenden Helm und setzte ihn sich auf, der klickend einrastete. Sie glitt zuerst in den einen und dann in den anderen Handschuh, deren Enden sich in einer schraubenförmigen Drehung automatisch mit ihrem Raumanzug verbunden. Über eine Magnethalterung an der Rückenlehne wurde ihre Sitzposition gesichert. Die Kleinutensilien, wie auch das Buch, pickte sie aus der Luft und verstaute sie in ihrer Brusttasche.
Im Hintergrund hörte sie die Einsatzbesprechung zwischen der Brücke und der medizinischen Versorgungsstation.
»Wie ist die aktuelle Lage des in Not geratenen?«
»Wahrscheinlich kritisch.«
»Gibt es Anzeichen einer Kollision mit Wrackteilen oder Ähnlichem?«
»Unbekannt.«
Das musste alles sehr viel schneller gehen. Unter diesen Umständen wäre das Einsatzteam nicht rechtzeitig vor Ort. Zu beiden Seiten fuhren Bedienhebel aus ihrem Sitz nach oben, die sie mit den Händen ergriff. Vor ihr öffneten sich einzelne Fenster, in denen komplexe Berechnungen durchliefen, um dann nacheinander in einem Halbkreis ein Nutzerinterface zu bilden. Als die Ladesequenz beendet war und die Bordsysteme erwachten, erschien auf der virtuellen Bildkuppel ein Fadenkreuz.
»Wer voranschreitet ... zweifach«, murmelte sie mehr zu sich selbst, in Erinnerung an die Worte ihrer Mutter.
»Wie bitte?«
»I-I-Ich rette ihn!«
Ihren Entschluss hatte sie bereits gefasst. Auch wenn sie am ganzen Körper zitterte und ihr Herz aus der Brust zu springen drohte. Sie deaktivierte die Verankerung.
»Hey! Was soll das werden?!«, schlug ihr die strenge Stimme des Bordoffiziers aus dem Com entgegen. »Wir kümmern uns um den Rettungseinsatz!«
Ein lautes Zischen erfüllte die Frachthalle. Eine Gruppe von Lagerarbeitern, die Kisten auf den Schwebetransporter verluden, während andere dabei waren das Netzelement einer Steuerungskonsole zu wechseln, sahen allesamt überrascht hinauf. Einem der Deckshelfer entglitt vor Schreck sein Werkzeug aus der Hand, das in den schwerelosen Raum davontrieb.
Die massiven Stahlträger hoben sich nur langsam von den breiten Schultern ihrer mobilen Einheit, als sich einer der Träger verkantete.
»Will die damit wirklich starten?«, hörte sie den Bordoffizier seinen Kollegen skeptisch fragen.
Mit einem Vorwärtsschub, welcher die Steuerdüsen an den hydraulischen Armen und Beinen ihrer Maschine aufheulen ließ, hätte sie beinahe die gesamte Tragstütze aus der Fassung gerissen. Doch sie schaffte sich noch zu lösen und der Stahlträger donnerte rücklings gegen die Wand.
»Verflucht nochmal ... Pilotin der mobilen Einheit!«
»T-T-Tu ... Tut mir leid.«
Geradewegs steuerte sie auf den Ausgang zu, der die Frachthalle von der Schleuse trennte, und überflog die Besatzung, die wie aufgeschrecktes Getier in alle Richtungen auseinanderstoben.
Er erkannte, dass es keinen Sinn hatte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Der Com verstummte flüchtig, dann meldete er sich resigniert zurück. »Wir öffnen die Außenluke. Halte dich so lange im Zaum.«
Als der Frachtbereich hinter ihr geschlossen war und der Druckausgleich hergestellt, setzten sich mechanische Bolzen in Gang.
Sie landete auf den schlanken Beinen, die stromlinienförmig in einen breiten Oberkörper übergingen, auf dem sich nahtlos der stählerne Schädel gliederte.
Die Schleuse entriegelte sich. Durch den sich öffnenden Spalt fielen erste Sonnenstrahlen auf den silbernen Brustpanzer ihrer mobilen Einheit. Woraufhin sich zu beiden Seiten riesige Metalltore aufschoben.
»Kontaktiere uns, wenn du die Person gefunden hast, damit wir umgehend Hilfe schicken können.«