Affentanz

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Trippi

Mitglied
12. Affentanz

...
„Na, dann kann´s ja endlich losgehen“ ließ Melanie ungeduldig verlauten.
„Machen wir´s gemeinsam? Doppelte Hoffmänner, auch nicht zu verachten“ richtete sich Dieter fragend an mich, woraufhin ich zustimmend nickte. Er riss also die Papierchen in je zwei Hälften. Dann ging er herum und legte die Hälften der Reihe nach jedem vorsichtig auf die vorgestreckte Zunge, als sei er ein Priester bei der Verteilung des Abendmahls. Bei Maiko angelangt sah sie mich fragend an. Richtig, sie hatte ja keine Ahnung, dass LSD gewöhnlich auf Löschpapier aufgebracht wurde. „Nicht gleich schlucken. So lange wie möglich kauen“ gab ich ihr zur Anleitung. Ich träufelte dann jedem vier Tropfen hinterher. Mir selbst zuletzt, was übrig war: Fünf.
Dann machten wir uns in gehobener Stimmung auf. Weiter die Stufen hinauf und zwischen den beiden kleinen Hügeln hinein ins Phantasieland.
Der Blick von der Anhöhe dort oben war atemberaubend.
Vor uns erstreckte sich die majestätische Landschaftsformation in tiefen Grautönen, nur akzentuiert vom gespenstischen Glitzern des Flusses. Der Mond war gerade aufgegangen und hing tiefgelb nur ein Stück weit über dem Horizont. Die Zikaden um uns herum zirpten aufgeregt. Hier und da raschelte ein verdorrter Strauch im angenehm warmen Wind. Atemlos verharrten wir und ließen die Blicke schweifen. Mit der Zeit erkannte man Details. Undeutlich die dunkleren, unnatürlich rechteckigen Gebilde, wie sie sich schemenhaft von den weichen Linien der Hügel abzuheben begannen. Zu unserer Rechten, den Hügel hinauf bis oben zu seiner Kuppe ein kleiner Tempel, der sich bald deutlich vom Hintergrund abhob.
Ich fuhr mit dem Blick immer den linksliegenden Fluss entlang bis „da“ stieß ich hervor und zeigte in Richtung meines Blickes. Trotz der Entfernung deutlich erkennbar ragte die Spitze des Vittala Tempels in das strömende Lichtspiel des Flusses. „Da will ich heut noch hin“ verkündete ich. „Wie weit ist denn das bis da unten?“ fragte Dieter. „Schätze drei, vier Kilometer.“ „Dann gehen wir doch mal los“ rumpelte Stepan und marschierte mit großen Schritten vorwärts.
Bald schon waren wir so weit hinab gestiegen, dass uns der Lichtkegel des Bazars nicht mehr erreichte. Mit jedem Schritt vorwärts und mit jedem Höhenmeter, den der schnell aufsteigende Mond erklomm, wurden die Konturen deutlicher, traten einem plastisch entgegen. Schon begann sich die nähere Umgebung in schwachen Farbnuancen zu zeigen. Wir hatten keine Mühe den streckenweise extra angelegten Weg in die Ruinenstadt im Tageslichttempo entlangzuspeeden.
Ein kleines Stück mussten wir durch eine enge Schlucht, die zu beiden Seiten dunkel und drohend auf uns herabsah. Aber als wir auf der anderen Seite wieder ins Mondlicht traten, hatte die Sicht nur noch den Horizont als Grenze, so hell kam es uns vor. Wir waren jetzt auf Höhe der Flussebene, aber selbst die Hänge der entfernten Hügel vor uns, die noch halb im Mondschatten lagen, ließen jeden einzelnen Fels erkennen, ihn wie in einem alten 3D-Film unwirklich hervortreten, als könne man ihn greifen.
„Ich hab voll die Optiks“ lachte Isabella „ich sehe die Oberfläche der Steine, jedes Detail!“ Sie deutete in die Ferne. Ich nickte mit offenstehendem Mund. „Castaneda? Kennt ihr?“ fragte Dieter ohne eine Antwort abzuwarten „Don Juans Fernsicht, der selbe Film.“ Isabella lachte wieder. „I am sorry, das habe ich nicht gelesen. Werde ich aber tun.“
„Was meint ihr eigentlich“ fragte ich unvermittelt in die Runde „wie das hier zu Stande gekommen ist? Diese ganzen Steinbrocken.“ Wie das Land da so im gespenstischen Licht vor uns lag, sahen die unregelmäßig verstreuten Hügel aus wie hilflose Überreste eines Berges, vor Urzeiten von Gottes Faust zertrümmert. „Nach der geologischen Erklärung darfst Du mich nicht fragen, aber die wirkliche, die kann ich Dir sagen“ meinte Frank. „Na, schieß schon los“ gluckste Isabella und auch Maiko lachte jetzt laut. „Das hier“ hauchte Frank und machte eine weit ausholende Armbewegung „ist der Schauplatz eines interstellaren Krieges.“ Isabella brüllte vor lachen, warf den Oberkörper nach vorne und schlug sich auf die Schenkel. Maiko stand, den einen Arm auf Isabellas Schulter und leicht zu ihr gebeugt als wolle sie ihr helfen. Doch es hatte eher den Anschein, als müsse sie sich abstützen, so sehr schüttelte auch sie sich vor Lachen. Doch Frank setzte unbeirrt fort „waren die Laserkanonen, die haben den Stein zum Glühen gebracht, bis er zerbarst und die spritzenden Funken kühlten aus zu kleinen Kügelchen, wie bei einer Wunderkerze.“ Ich sah es förmlich vor mir, ein Feuerwerk galaktischen Ausmaßes. „Das hier war eigentlich mal ein Gebirge“ endete Frank ungerührt vom johlenden Gelächter, das er jetzt von der ganzen Gruppe erntete. Eine Sekunde lang glaubte ich, er meinte das ernst, so schulmeisterisch hatte seine Stimme geklungen, doch mit einem Mal fing auch er an zu lachen. Wir grölten, dass uns die Tränen über die Wangen rannen. Es dauerte eine Zeit, bis wirklich der letzte Stoßlacher herausgekitzelt war. „I am sorry“ sagte Isabella, als sei sie verantwortlich.
Dann marschierten wir weiter den Weg entlang, der mir jetzt wie eine voll beleuchtete Autostraße vorkam. Sylvia schlug vor, sich zunächst mal eine Basis zu suchen, am besten einen kleinen Tempel auf einem Hügel. „Oder, was ist denn das da?“ sie deutete nach rechts. Wenige hundert Meter von uns entfernt war eine größere Gebäudegruppe zu erkennen, die auf einer offenbar von Menschenhand nivellierten Fläche stand. „Das ist der andere Bazar“ erklärte ich „das selbe wie unten im Dorf, nur eben noch leer.“ Das Noch hatte sich völlig unbeabsichtigt eingeschlichen und hinterließ einen schwermütigen Beigeschmack. Noch leer. Ich konnte es schon vor meinem geistigen Auge sehen, wie eines nahen Tages auch hier in den alten Grundmauern Souvenirgeschäfte und Fressbuden eingezogen sein würden. Weltkulturerbe. Dazu musste man kein Prophet sein. „Da will ich hin“ jauchzte Sylvia aufgeregt. Im halben Dauerlauf sprang sie wie ein Rehkitz voran, wir anderen eilten fröhlich hinterher.
Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder.
Es ist faszinierend, Kinder zu beobachten. Kinder, wie sie stundenlang, allein, gänzlich in sich gekehrt ein Stöckchen betrachten oder zu mehreren, ausgelassen in einem Sandkasten umhertoben. Wie sie immer wieder irgendetwas Neues entdecken und nie aus dem Staunen herauskommen. Hier ein Riss im Lack der Holzumrandung, da ein kleiner Kieselstein, der offenbar nicht zum feinen Sand gehört. Ihn verwundert hochheben, wie einen unersetzlichen Schatz eingehend in der Hand rollend beäugen, um ihn schließlich achtlos fallen zu lassen, weil es wieder etwas anderes zu entdecken gibt. Kinder. Man könnte stundenlang darüber schreiben und würde doch nicht dem wunderbaren Gefühl gerecht, das ein Kinderherz erfüllt. Ganz im Hier und Jetzt. Wenn Aufmerksamkeit begeistert von Hölzchen auf Stöckchen kommt, ohne ein wirkliches Ziel zu verfolgen. Ein wunderbares Gefühl, das man als Erwachsener vielleicht noch bruchstückhaft zurückerahnen kann, das sich aber hartnäckig der Beschreibung verweigert.
Einzig das Bild der spielenden Kinder, man hat es unweigerlich vor Augen.
So. Genau so.
Genau so ist es, wenn eine Horde Erwachsener völlig high in uralten Ruinen herumtollt.
Unbeschreiblich. Unbeschreiblich das „Ey, guck mal hier und guck mal da“. Unbeschreiblich das zeitfreie Gefühl, wenn man vor einem behauenen Granitsteinträger stehend andächtig dessen Geschichte lauscht. Wenn man mit jeder kleinsten Verwitterung der Oberfläche vordringt in eine Phantasiewelt, die sich so real anfühlt, wie für ein Kind der Geist im Keller. Eine Welt, die vielleicht sogar real ist, aber was spielt real schon für eine Rolle im kindlichen Zustand der Ungezwungenheit? Und, tell me, what´s real anyway?
Säule stehen-, Gedanken fallen-, Körper sacken gelassen, schwer atmend auf dem Rücken liegend und mit unendlich geweiteten Pupillen in den Sternenhimmel starrend, fasziniert von den rhythmisch tanzenden Bewegungen der Gestirne, dem Puls des Universums. Der kosmische Tanz Shivas.
Ein Trip. So kann er sein.
Magisch auf ganz profane Weise. Einfach dadurch, dass er eine Gruppe von Leuten mental verjüngt. Sie zu begeisterungsfähigen Kindern macht, mit nichts Argem im Herzen, angetrieben von der Wonne reinen Spieltriebs. Heaven is not a place.
„Kennst Du den heiligen Gral?“ hatte mich Acid Erick im Beisein Anettes gefragt, als wir ihm bei Anettes erster Reise nach Indien in Anjuna vor seinem Haus begegnet waren. „It´s just Acid.“ Ja, Erick.
Losgelöste Kinder, Seifenblasen im Wind.
So war unser Trip. Es war der richtige Tag, der richtige Moment, die richtige Kombination von Leuten, die richtige Dosierung. Glück. Zufall.
Glücklich.
Wenn LSD sein wahres Potential entfaltet.
Die mystische Einheitserfahrung, von der die spirituellen Kreise aller Kulturen seit Anbeginn berichten. Zum Beispiel die taoistischen Höhlenmönche. Und nicht nur die kann man mit dem Konsum halluzinogener Drogen in Verbindung bringen.
Und?
Und wenn alles `nur´ ein Trip ist? Eine Illusion?
Die Erfahrung wird dadurch doch nicht abgewertet, dass man sie psychologisch oder biochemisch erklärt. Das verstellt ja den Blick total. Die Erfahrung als solche hat ihren Wert. Spendet kindlich naives Vertrauen in tieferliegende Zusammenhänge, die nicht an Geld und Zeit gebunden sind.
Bei all unserem Getolle, wirbelnd zwischen den Säulen, versteckt hockend hinter alten Stufen, außer Atem auf den welligen Steinplatten liegend, sich gegenseitig fangend, ich war mir dennoch die ganze Zeit bewusst, dass ich hier erstmals willentlich eine Führerrolle akzeptiert hatte. Mindestens Maiko gegenüber sowieso, denn ich war der Bewanderte im Acidland. Aber ich war ja auch der einzige, der sich im `realen´ Gelände auskannte. Damit war ich also für allesamt der Führer, eine Rolle, der ich jetzt endlich innerlich ein lebensfrohes `Ja´ entgegenbrüllte. Insofern hatte ich die ganze Zeit über immer ein Bein außerhalb von Acidland, auf dem Boden der sogenannten Tatsachen. Ich musste und wollte es so haben, beobachtete die Bahn des Mondes und verband seinen Stand mit der Uhrzeit. Das ging zwar auf Kosten meines Amüsements, aber auf keinen Fall wollte ich die Chance verpassen, früh genug in den großen Tempel zu gelangen. Das würde für alle der absolute Knaller sein, denn im Vergleich zu ihm machten sich die Ruinen hier geradezu kümmerlich aus.
Allerdings war ich mir nicht so sicher, ob man diese ausgelassene Rasselbande je gezielt in eine Richtung lenken können würde. Von daher war ich dankbar für die Unterbrechung, als Maiko rief, sie werde nun den Hügel erklimmen, um in dem Tempel „da, oben, dort, schau“ sagte sie und nahm Isabella führend am Arm, „ja, dort“ werde sie eine Runde verschnaufen. Damit war das kosmische Spiel mit einem Mal beendet. Wie eine Schar Vögel, die sich auf ein geheimes Zeichen zeitgleich in die Höhe erheben, griffen alle bereitwillig ihre Sachen und folgten den beiden.
Vor dem Himmel mit seinen funkelnden Sternen als Hintergrund zeichneten sich beim Näherkommen deutlich die vielleicht vier oder fünf Säulen der Stirnseite ab, auf denen das Dach thronte. Das Tempelchen wirkte ein bisschen wie die Akropolis, allerdings erheblich kleiner. Stumm ragten die rundgeschliffenen Säulen gen Himmel. Ein um einige Stufen erhöhter Sockel aus schweren Steinquadern bildete das Fundament. Das spitze Dach war noch weitestgehend intakt, das Innere wirkte deshalb dunkel und verlassen, obwohl das Tempelchen zu allen Seiten offen war.
Ich war froh, dass niemand eine Taschenlampe zückte, denn ich kann die Dinger nicht ausstehen. Man sieht dann nur noch das winzige bisschen im Lichtkegel, während jede Wahrnehmung außerhalb vom umgebenden Schwarz einfach geschluckt wird. Fast bekommt man den Eindruck, auch Geräusche würden absorbiert von dem undurchdringlichen Schwarz. Der Eindruck ist nicht mal gänzlich falsch, denn um den Lichtschein herum verstummt ja die Natur. Aber hier, um den Tempel rum, an dessen schattiger Nordseite sich spärliches Grün gehalten hatte, hier wimmelte es nur so von Zikaden, die zirpten als gelte es uns zu vertreiben. Im Inneren bildete das Fundament eine ebene Lagerfläche, langsam kletterten wir hinein und ließen uns nieder. Mit der Hand strich ich über den glattpolierten Stein des Bodens. So saßen wir eine Weile schweigend, schwer atmend, jeder in seine innere Welt horchend, mit dem Gezirpe der Zikaden als Begleitmusik.
Irgendwann, am nächsten Tag konnte keiner mehr so genau sagen wann, jedenfalls bezeugten wir uns gegenseitig alle einhellig folgende Begebenheit: Stepan und Isabella sprachen etwas auf Tschechisch. Ich weiß nicht mehr, was es war, aber ich verstand auf einmal jedes Wort. Lauschte einen Moment in gebannter Faszination. Ein Satz, hell und klar und noch ein Satz. Dachte kurz an Geschichten von Gurus, die ein sogenanntes Siddha besitzen, eine außerordentliche Befähigung, erworben im Laufe ihrer jahrelangen Askese. Und ein mögliches Siddha war angeblich so eine Art Übersetzergeist, ein kleiner Mann im Ohr sozusagen. `Den hab ich ja´ dachte ich noch und prustete „wieso versteh ich denn jedes Wort“ hervor. Nach bestem Wissen und Gewissen tat ich das auf Deutsch. Maiko, die neben mir saß, sah auf und zu den Tschechen und sagte, wie sie schwört auf Japanisch „das ist jetzt aber komisch, jetzt verstehe ich Tschechisch und Deutsch?“ Woraufhin aus der Ecke der vier Deutschen, die etwas abseits saßen, nur noch heilloses Gelächter kam. Sie kugelten japsend über den Boden und hielten sich die Bäuche.
Telepathie ist etwas völlig Reales.
Wenn es so was gibt, wie Realität.
In der halben Stunde aufgeregtem Gequatsche, die dann folgte, stellte sich tatsächlich heraus, dass ich keiner Halluzination aufgesessen war. Zumindest keiner im herkömmlichen Sinne, denn die hat man doch gefälligst allein und nicht zu acht, oder? Alle waren sich einig, für einen kurzen Moment waren wir zurückgereist in einen vorbabylonischen Zustand. Realität ist, was glaubhaft funktioniert. Damit war das Geschehene also Realität per definitionem. Es handelte sich jedenfalls mit Sicherheit nicht um eine berechenbare Verkettung von Zufällen.
Zufälle gibt es nicht.
`Wie real ein Konstrukt ist, lässt sich aus seiner Wirksamkeit schließen ... Wir müssten uns als in die Welt geworfene Wesen betrachten, die wissen, dass sie ständig Illusionen erliegen und keine wirklich stimmigen Erklärungen über ihr Sein ... abgeben können. Ich könnte mir vorstellen, dass dabei humanere Systeme entstehen ... Auch würden all jene unglaubwürdig werden, die vorgeben, sie allein wüssten, wie das Heil zu finden ist.´ Nein, das war nicht die Stimme in meinem Kopf. Noch war es der Nilli oder der Zufall. Es war der Spiegel. Der Spiegel von gestern, 01.01.01., Titel: `Das Universum im Kopf´. Interview mit dem Hirnforscher Professor Singer.
Maiko war ganz an mich rangerückt. Ihre Hände krallten sich in meinen Arm, so dass ich zuerst befürchtete, sie habe es mit der Angst zu tun bekommen. Doch wie sich herausstellte, wollte sie nur sicherstellen, dass wenigstens ich greifbar und somit in erster Näherung real war. Ich schmunzelte. Die grölenden Vier hatten sich beruhigt und kamen auch ganz nah zu uns herangerobbt.
So hockten wir eine Weile im Kreis, als wollten wir unsere Köpfe fusionieren.
Schließlich sagte Sylvia trocken „es ist kalt, hier zieht´s“, woraufhin alle einhellig grunzten. „Wir wollten doch noch zu Deinem Tempel“ meinte Frank „da gibt´s noch irgendwas besonderes hast Du versprochen.“ „Oh ja, wirst schon sehen“ entgegnete ich und griff gleich nach meinem Rucksack. „Da können wir sogar drinnen sitzen, das Gebäude ist intakt“ „Hört sich gut an, ich friere nämlich auch“ gab Melanie hinzu. „Also los.“
Mit ausgiebigen Stops, um beispielsweise herauszufinden, warum denn ausnahmslos alle Äste des knorrigen Baums über Jahre so schief in nur eine Richtung gewachsen waren, als ob einzig sein Standort ununterbrochen einseitigem Sturm ausgesetzt wäre oder, ob sich hinter dem Rascheln unter diesem Stein wirklich eine Schlange verbarg, eine Kobra vielleicht („Ey, bist du Banane? Lass das du Spinner, das ist gefährlich“), schlenderten wir weiter dem Tempel zu. Ich frohlockte innerlich. Jetzt, nicht mehr so arg high durch die Bewegung und meine Gedanken an Raum und Zeit, war ich klar genug, mir zu überlegen, wie ich die Gruppe an das sphärische Klangspiel des Vittala Tempels heranführen sollte. Sollte ich vorher erklären, was zu erwarten war oder auf den rechten Augenblick warten? Ich entschloss mich abzuwarten.
Endlich, nachdem ich schon geglaubt hatte, vom Weg abgekommen zu sein, umrundeten wir einen kleinen Hügel und hatten freie Sicht auf das wuchtige Gebäude des Tempels, kaum hundert Meter von uns entfernt. Es stand vor uns an der Spitze einer breiten Halbinsel, direkt am Fluss, der hinter ihm, noch außer Hörweite, dahinglitzerte. Man erkannte zunächst nur ein massiges Rechteck aus dessen linkem Teil eine mehrstufige Kuppel emporragte. In der Mitte schien ebenfalls ein höherer Teil zu stehen, im Gegensatz zur gerundeten Kuppel jedoch oben flach wie der Turm einer alten Burg. Nach rechts hin sah man nur undeutlich tieferliegende Schatten ohne klare Kontur.
Ich erinnerte mich nicht mehr richtig an die Aufteilung des durch eine Mauer abgegrenzten Tempelbezirks und auch beim Näherkommen war nicht sofort erkenntlich, wo genau der Eingang lag. Doch schließlich fiel mir wieder ein, dass es jenes mehr und mehr in den Himmel ragende Mittelstück war, durch das hindurch man eintrat. Ein festungsartiger Torbogen, der stumm an der vorderen Seite des Tempels stand. Er war Teil der gut zwei Meter hohen äußeren Ummauerung, hinter der die Kuppel mittlerweile kaum noch hervorragte. Schon standen wir wie angewurzelt vor dem Schatten des Turmes, der im Kontrast zum Mondlicht wie ein bodenloser Abgrund wirkte. Alle verharrten still und atmeten flach, wie in ehrfürchtiger Angst.
Erhobenen Hauptes, in der sicheren Gewissheit jetzt gleich für alle den Trip zu einem unvergesslichen Höhepunkt zu führen, sammelte ich all meinen Mut und schritt auf das dunkle Eingangstor zu. Ich erinnerte mich, das gut zehn Meter hohe Gebäudefragment ähnelte einem Triumphbogen, der abweisend aus der Ummauerung des Tempelbezirks emporwuchs. Er führte nicht etwa in ein gruftiges Gebäude, sondern entließ einen durch einen schmalen Gang auf der anderen Seite auf einen weitläufigen, mit schweren Wackersteinen gepflasterten Vorhof.
Bei Anettes und meiner Stippvisite hatten wir uns bis hierhin durch die sengende Hitze gequält. Hätte nicht der Baba im Lakshmi Tempel uns den Tipp gegeben und bedrängt, wir dürften X keinesfalls verlassen ohne den Vittala Tempel besucht zu haben, das Geheimnis wäre uns glatt verborgen geblieben.
Dennoch hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich nach kurzem Zögern in den Mondschatten eintrat, als ob ich hier nicht willkommen sei. Als ob die Dunkelheit mich verschluckte, drehte ich mich ängstlich nach den anderen um, die mir angestrengt hinterher sahen. Kaum war ich einen halben Schritt zwischen die kalten Wände getreten, verdichtete sich der Schatten zu finsterster Nacht. Ungutes ahnend tastete ich mich nur schrittweise vor. Ich wurde vor Schreck stocksteif als ich etwa in der Mitte des Durchgangs mit der Hand tastend gegen ein kaltes Eisengitter stieß. Das war bei meinem ersten Besuch garantiert noch nicht hier gewesen, schoss es mir durch den Kopf. Gerade überlegte ich, ob und wie man drüber steigen könnte, da ertönte schon gedämpft das aufgeregte Bellen eines Hundes. Weltkulturerbe. Logisch, dass das nicht mehr unbewacht sein würde. Ich Idiot.
Licht flackerte jetzt auf der Innenhofseite. Wurde größer, kam näher.
Ich sah mich um. Die anderen waren verschrocken am Rande des Schattens stehen geblieben, Isabella hatte sogar ein, zwei Schritte zurück gemacht und auch mein erster Impuls war Weglaufen. Doch mit dem Mut der Verzweiflung trotzte ich der Angst vor dem knurrenden Köter, der jetzt unmittelbar vor mir auf der anderen Torseite stand.
„Hello. What going? This no entry!“ rief es über den Hof, drang zwischen den Eingangswänden gespenstisch hallend an meine Ohren. Dann hatte ich den Lichtkegel der Taschenlampe mitten im Gesicht. Schützend hielt ich die Hand vor die geweiteten Pupillen, Isabella kreischte. „Lass ma abhauen“ meinte Frank. „This no going“ rief die Stimme ärgerlich „nighttime. No entry nighttime.“ Endlich senkte er die blendende Taschenlampe. Ich nahm die Hand herab und versuchte ein möglichst unschuldiges Gesicht zu machen. „Vollmond“ flehte ich, da sei doch dieser Tempel erst recht sagenhaft. Der Typ knurrte wie sein Hund. Wir seien weitgereiste Touristen, zu schade würde er uns nicht einlassen, versuchte ich noch zu vermitteln, obwohl ich innerlich den Tempelbesuch schon abgeschrieben hatte.
„Mango?“ die Stimme überschlug sich auf dem Weg von autoritärer Drohung zu kindlicher Überraschung. „You Mango, no?“ Endlich hatte ich mich an das gleißende Licht gewöhnt. Doch das Gesicht des hageren Schnauzbarts war mir völlig fremd. Dennoch brachte ich mühsam ein „Yes, but ...“ hervor. „Ich kenne Dich“ sagte mein Gegenüber jetzt mit dem Klang aufrichtiger Freude in seiner Stimme. „Die da“ die Lampe fuhr erneut blendend an mir vorbei „Japanerin, kenn´ ich auch. Wer sind die anderen?“ Diese Situation war zu real, als dass ich ihr in meinem Zustand hätte gerecht werden können. Mit weicher werdenden Knien taumelte ich fast, bekam aber kein Wort raus. „Freunde“ erklang hilfreich Maikos Stimme, die plötzlich neben mir stand. „Ich kenne Dich auch“ ergänzte sie. „Du warst neulich an der Busstation im Restaurant, stimmt´s?“ „Yes“ piepste es schrill zurück, mit unverhohlener Freude, dass auch er erkannt wurde. „You good people. Good people and friends always welcome.“
Bevor ich verstand, schob er schon den immer noch knurrenden Hund mit dem Fuß zur Seite und entriegelte blitzschnell das Gitter. Ratlos stand ich regungslos wie eine uralte Steinsäule, doch Maiko machte zwei mutige Schritte nach vorn. Aber der Mann blieb ihr im Wege stehen, nötigte sie innezuhalten. Mit der Taschenlampe beleuchtete er ein brandneues Schild, das an der gewölbten Innenwand festgeschraubt war. Blau lackiertes, blendendes Metall mit weißer Schrift. Irgendwas von Einlass und Preisen stand da, mehr konnte ich auf Anhieb nicht erkennen. Schon war der Lichtkegel wieder auf den Boden gesunken. „Day time twenty Rupees, ticket“ erklang wieder die Stimme des Wärters. „Night time twenty Rupees, no ticket.“ Er grinste über beide Ohren. Isabella lachte im Hintergrund. „Acht Leute“ sagte Maiko bestimmt, zückte ihr Portemonnaie und hielt ihm schnell zwei hundert Rupeescheine hin. Es war mir ein absolutes Rätsel, wie sie ihre Finger jetzt noch so sehr unter Kontrolle haben konnte, sie musste doch mindestens so abgespaced sein wie ich.
Der Schnauzbart bestand ausdrücklich darauf, ihr umständlich das Wechselgeld herauszugeben, obwohl sie es ihm bereitwillig als `Nachtzuschlag´ angeboten hatte. „Price is twenty Rupees, no more, no less“ wiederholte er wie eine Schallplatte mit Sprung. Erst dann trat er endlich zur Seite und ließ uns ein. Zögerlich brachen wir durch zur anderen Seite. Nacheinander blieb jeder ein paar Meter vom Eingang entfernt stehen und sah sich blinzelnd um. Break on through. Vor uns stand stumm und schwarz der Haupttempel, der irgendwie ganz schwach zu summen schien. Neben mir hockte der Hund und knurrte.
Ein paar Meter vom Eingang nach rechts in der Ecke stand ein weiteres, kleineres Tempelgebäude. Von dort war schwach der Schein einer zweiten Taschenlampe zu sehen, die anscheinend auf dem Boden lag. Ebenso wie das Gebäude, in dem wir zuvor gelagert hatten, ruhte sein Dach auf Stelzen, nur das die Säulen in kurzen Abständen auch im Innenraum standen. Unwirkliche Schatten tanzten auf den schmalen Pfeilern, die angesichts des schweren Steindaches eigentümlich unterproportioniert schienen.
In die momentane Ratlosigkeit hinein fragte Maiko den Wärter nach seinem Namen. Der Mann erwiderte Unverständliches zwischen seinen Beetlenuss kauenden Kiefern, war aber sichtlich über Maikos Interesse erfreut. Grinsend bot er an, unsere Taschen während der Besichtigung bei ihm abzustellen, zu viele Diebe trieben sich hier des Nachts umher. Aber bei ihm sei es sicher. Bereitwillig folgten wir ihm in den Säulenwald. Das reflektierende Licht erzeugte vage den Eindruck als beträte man ein Spiegelkabinett. Die Decke war bedrückend niedrig nach so vielen Stunden unterm Sternenzelt.
Das Lager des Wächters bestand lediglich aus zwei dünnen Decken, etwas Alugeschirr und einem Kerosinkocher. „Chai?“ fragte der uns noch, doch wir ließen nur eilig unsere Sachen fallen, lehnten dankend ab und entrannen schnell dem Lichtkegel zum Fronteingang an der schmalen Seite des Hauptgebäudes. Lichtscheues Gesindel.
Auf dem Platz vor dem gähnenden Eingang stand ein riesiger Streitwagen. Obwohl aus dem selben Granit wie alles andere wie das ehrfurchtsvolle Betasten ergab, war er so naturgetreu nachgebildet, als werde er gleich davon fahren. In alter Zeit sollen sich seine steinernen Räder sogar gedreht haben. Eingehend bestaunten wir das Wunderwerk von allen Seiten, um schließlich unsere Aufmerksamkeit dem Haupttempel zuzuwenden.
Drei flache, ausgetretene Stufen bildeten das Eingangsportal zur vordersten Tempelhalle. Die war der Grundstruktur nach dem Wärtertempel ähnlich, nur das hier das erheblich höhere Dach nur von wenigen, wuchtigen Säulen getragen wurde. Diese baumstarken Kolosse nahmen fast mehr Raum ein, als sie zwischen sich selbst erlaubten. Sowohl die Säulen, als auch der Dachfirst waren aufwendig verziert, so dass wir eine Weile mit offenen Mündern staunend auf der letzten Stufe in die Halle glotzten. Die Reliefs, die man im Dunklen nur schemenhaft erkennen konnte, reichten bis unter die gewölbte Decke. Unzählige Figuren unterschiedlichster Größen, Blumengirlanden, geometrisch exakte Ornamente, schmückten den Stein. Auf wundersame Weise entstand der Eindruck, alles stünde miteinander in Beziehung, wogte zäh, aber stetig hin und her wie Äste im Wind. Ein organisches Ganzes, das uns auf seine Weise ebenso wahrnahm wie wir es. Einen Augenblick standen wir wie angewurzelt und mit angehaltenem Atem da.
„Kommt, hier geht es lang“ flüsterte ich und schritt voran. Nachdem wir die ohnehin schon dunkle Vorhalle hastig durchquert hatten, kamen wir in einen zweiten Trakt, dessen plötzlich niedrige Decke dumpf herabdrückte, obwohl man sie kaum sehen konnte. Sie wurde von den gleichen engstehenden Säulen getragen, wie die im Tempel des Wärters. Wie ich jetzt gewahr wurde, waren sie achteckig. Die Seitenwände dieses hinteren Traktes waren offenbar geschlossen, bis auf einige eingelassene Luftschlitze, durch die spärlich Mondlicht hereinfiel. Insgesamt war es hier so finster wie im Gewölbe des Eingangstores.
Nur langsam und schemenhaft erkannte man in der Mitte einen breiten, säulenfreien Gang, der von uns aus direkt auf die Empore an der Kopfseite zulief. Hinter ihr verbargen sich einst die sakralen Räume mit den Götterbildern, das eigentliche Heiligtum. Links und rechts von diesem Gang, unter den Säulen war der Boden erhöht. Eine umlaufende Zwischenstufe erleichterte das Emporsteigen. Offenbar der Sitzbereich. Wie auf einer inneren Leinwand sah ich, wie dort einst die meditierenden Mönche ihre Gebete intonierten und dazwischen, ja dort hinten in der Ecke, ein paar hingebungsvolle Musikanten, mit ihren wippenden, roten Turbanen. Wie sie rhythmisch die Trommeln schlugen, das sonore Brummen der Mönche unterstreichend, den Weg des Pilgers zur Gottheit begleitend.
Exakt in der Raummitte angelangt wurde der Gang gekreuzt von einem gleichbreiten Weg, über den man nach links und rechts durch zwei Aussparungen in den Seitenwänden wieder nach draußen gelangen konnte. Genau im Kreuzungspunkt war aus einem einzigen Felsblock eine kreisrunde Erhöhung gehauen worden. Ihre Oberfläche war so blank poliert, das sie das wenige Licht, das durch die Türen hereinfiel, zu reflektieren vermochte. „Tanzplatz“ sagte ich, denn ich sah sie vor mir, die halbnackte Tänzerin mit den großen Busen und dem eigenwilligen Bauchschmuck, wie sie sich auf vibrierenden Füßen zur Trommelmusik wiegte.
„Beamstation“ meinte Frank und erzielte damit ein paar unterdrückte Lacher. „Ehrlich Mann, zieh dir die Kuppel rein“ er entzündete ein Streichholz und hielt es hoch, man konnte jetzt den kreisrunden Raum über der sonst klaustrophobisch niedrigen Decke erahnen. Das Streichholz erlosch mit einem feuchten Zischen, mit einem Mal standen wir geblendet in undurchdringlicher Nacht. Einzig der zurückgebliebene Geruch von verbranntem Schwefel verriet die Existenz des Raumes. „Sag gefälligst Bescheid beim nächsten Mal“ rügte Melanie ärgerlich.
Endlich hatten wir uns vorsichtig die Treppen hoch bis auf die Priesterempore bewegt, in Reih und Glied, schweigend, als seien wir die Hohepriester bei einer Kulthandlung. Über uns konnte man nun das Aufragen der großen Kuppel förmlich spüren, sie vermittelte das unbestimmte Gefühl von Raum. Aus den sakralen Kammern, zu denen man hinter der Empore wieder hinabsteigen konnte, zog höhlenfeuchte Luft herauf. „Da geh ich aber nicht rein“ flüsterte Isabella und hielt sich an Maikos Arm fest, aber niemand entgegnete etwas. Jeder verhielt sich ein bisschen gehemmt, versuchte möglichst geräuschlos Platz zu nehmen.
Bald hatten sich alle zu einem Kreis niedergelassen. Mehrfach musste ich noch versichern, dass die Götterstatuen, die einst in den katakombenartigen Räumen hinter der Empore gestanden haben mussten, mit Sicherheit nicht mehr da waren, unsere Anwesenheit also keinerlei Affront bedeutete. Besonders Dieter schien darüber besorgt, wollte dann aber auch nicht nachschauen gehen, ob ich Recht hatte. „Ist mir zu unheimlich.“
Jetzt ein Chillum! Als hätte er meine Gedanken gelesen fragte Stepan, ob der Wärter weg sei. Irgendjemand bestätigte mit einem gespenstisch hallenden „Ja“ und Stepan machte sich gleich darauf daran, eine Mischung zu machen. Genau das Richtige, um jetzt den Kick einem neuen Höhepunkt entgegen zu puschen.
„Ich fühl mich hier nicht recht wohl“ meinte Isabella zaghaft „hier ist so dunkel und riecht nach Fledermäusen.“ Da hatte sie recht, jetzt wo sie es sagte, merkte man ihn unbestreitbar, den Muffgeruch, der modrig aus der Katakombe zu uns herausquoll. „Dafür hast Du ja den Oberpriester“ brummte ich und kramte in meinem Rucksack. Mit feierlicher Miene stand ich auf und entzündete einige Dutzend Räucherstäbchen, die ich dann würdevoll, als wisse ich genau, was ich in meinem heiligen Amt zu tun hatte, in kleine Setzritzen zwischen den Steinen steckte. Im Nu waren wir eingehüllt in eine blumige Wolke, die sich tatsächlich rosa anfühlte.
Dann entzündete ich eine Kerze, als sei die Handhabung des Feuers eine geheiligte Kunst. Der Schein blendete stark. Mit dem Bewusstsein des wiedergeborenen Oberpriesters versuchte ich mich daran zu erinnern, wo sie am besten zu positionieren wäre, dass sie Licht spenden, aber nicht blenden konnte. Die Mitte der kreisrunden Tanzfläche bot den idealen Platz. Kurz zögerte ich bei dem Gedanken, der Luftzug durch die Seitentore könnte sie ausblasen, doch der Oberpriester versicherte, dass sie nicht ausgehen werde. Vorausgesetzt ich träfe exakt den Mittelpunkt des Kreises.
Als hinge mir eine lange Robe um, deren blaue Schärpe hinter mir über den blanken Boden schliff, stieg ich von der Empore herab, gebannt verfolgt von den Augen meiner Priesterkollegen und den leichte Fingertrommelwirbel einstreuenden Musikern. Würde der Oberpriester es schaffen, das Orakel glücklich zu Ende zu bringen?
Ich stand nun schon vor der kreisrunden Fläche und suchte angestrengt deren Mitte. Unmöglich, die genau zu treffen. Schon zweifelte ich am Erfolg. Doch schlagartig wurden drei Dinge klar, so klar wie die Sache mit der Banane: Erstens war Zweifel grundsätzlich abträglich. Zweitens war überall die Mitte. Drittens, am Anfang war die Tat. Vornübergebeugt, die Tanzfläche nicht betretend, zwei schnelle Wachstropfen auf den kalten Stein, Kerze drauf und auf dem Absatz umgedreht. Schärpe übergeworfen und erhobenen Hauptes zurückstolziert.
Auf der Empore wurde ich empfangen von trippigen Gesichtern, die den selben Film gesehen zu haben schienen, den ich gerade gespielt hatte. „Genau die Mitte“ bemerkte Sylvia anerkennend, deren Hakennase man in dem angenehmen Lichtschein deutlich ausmachen konnte. Ich drehte mich um und freute mich an der Kerze, die dort ohne zu flackern einsam stand. Zwar nur ein winziger Punkt, aber dennoch leuchtete sie die ganze Halle bis in den letzten Winkel aus. Go with the Flow. Ich nickte zufrieden. Dann setzte ich mich wieder in den Kreis.
Das anschließende Chillum katapultierte uns allesamt wieder mitten rein ins Acidland, wie beim Durchbrechen der Schallmauer mit einem spürbaren Ruck. Wenn die Eindrücke derart forciert auf einen einprasseln, dass nur noch Lachen eine sinnvolle Reaktion darstellt.
Ich hatte mich als erster wieder einigermaßen beruhigt.
Niemand schien mich zu beobachten und so schlich ich unbemerkt von den anderen hinab, durchschritt die Halle, hastig am Kerzenschein vorbei in die vordere Säulenhalle. Hier war es jetzt deutlich kühler als auf der windgeschützten Empore, es zog ein leichter Wind. Mich fröstelte. Dafür war das Mondlicht angenehmer als der Kerzenschein. Mit angehaltenem Atem ließ ich meinen Blick schweifen. Man hätte wohl mindestens drei Leute gebraucht, um eine der wuchtigen Säulen zu umspannen. Etwas unschlüssig griff ich an eine Säule. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich meiner eigenen Erinnerung trauen durfte, doch nach kurzem Tasten wusste ich, dass alles genau so war, wie ich mich daran erinnerte.
Die Säulen waren in ihrer Mitte um etwa ein Drittel verjüngt, als hätten sie eine Taille. Doch um diese Verjüngung hatten die Baumeister einzelne Stehlen stehen gelassen, vierkantig, von vielleicht knapp zehn Zentimeter Dicke. Diese verbanden nun freistehend den unverjüngten oberen Säulenteil mit dem Unteren, wie Luftwurzeln eines Benjanbaumes, die sich rings um den Stamm in die Erde bohren. Natürlich war es das Herzstück der Säule, das die Last des Daches trug, aber den Stehlen war ja auch gar kein statischer Zweck zugedacht worden. Ich wusste vom ersten Besuch mit Anette bei Tageslicht, dass jede Säule aus einem einzigen Felsblock gehauen worden war. Die Stehlen hatte man nun so bearbeitet, dass jede einzelne einen klaren Ton von sich gab, wenn man daran klopfte. Ein Ton so klingend klar wie der einer metallenen Glocke, dass man seinen Ohren nicht traute. Und obendrein war jede Stehle anders gestimmt, wie bei einem gigantischen Xylophon. Schnell hatten Anette und ich damals herausgefunden, dass dieser wunderbare Effekt leider überall dort verloren war, wo man das Dach behelfsmäßig mit Beton unterfüttert hatte oder wo es bereits ganz weggebrochen war. Daraus folgerten wir, dass das gesamte Deckengewölbe als Resonanzkörper dienen musste. Und nur so war die erstaunliche Tragweite des Klangs zu erklären. Ein Geniestreich der Architekten, mittels der sich nahtlos übertragenden Schwingung das gesamte Gebäude zum Musikinstrument erhoben.
Vorsichtig, noch immer meiner eigenen Erinnerung nicht recht trauend, tippte ich mit den Fingerknöcheln an eine der Stehlen. Ein hauchzartes `Ping´ erklang, setzte sich fast unhörbar fort zur Decke und erfüllte dann, schon wieder unterhalb der Hörschwelle, den gesamten Tempel mit einer feinen Resonanz. Noch mal. `Ping´. Ich hatte diesmal etwas fester geklopft, so dass zusätzlich eine unterschwellige Schwingung innerhalb des Tons zum Vorschein trat. Ein wellenartiges, hauchzartes Wechselspiel von Ober- und Untertönen. `Ping´ die Welle rauschte durchs Gemäuer. Dann tippte ich noch drei oder vier Mal an die benachbarten Stehlen und erzeugte augenblicklich ein wahres Klanggewitter, das den Geschmack von erdfarbenen Lichtblitzen hinterließ. Dann drehte ich mich um und kehrte zurück.
Am Lichtschein der Kerze vorbei fiel mein Schatten auf die Freunde, die regungslos auf der Empore harrten und mir entgegen sahen, als komme wahrlich der steinalte Hohepriester in seiner Robe. Den offen stehenden Mündern nach zu urteilen obendrein von einem Heiligenschein umflossen. Noch bevor ich fragen konnte, ob sie den Glockenklang vernommen hatten, stammelte Stepan nur „What, what, what was that?“
Doch statt einer Antwort reckte ich den Kopf vor und beugte den Rücken leicht, um meiner Rolle gerechter zu werden. Dann winkte ich wie die Hexe bei Hänsel und Gretel nur kurz mit dem Finger der rechten Hand, wandte mich augenblicklich zum Gehen, die lange Robe mit einem Ruck wieder an meinen Körper ziehend. Ich spürte, wie die anderen mir auf dem Fuße folgten.
Auf leisen Sohlen schlich ich durch das Tor in die Vorhalle, als gelte es sich an ein scheues Wild anzupirschen. Dann trat ich einen Schritt zur Seite und ließ sie alle eintreten. Mit Ehrfurcht im Blick verharrten sie unmittelbar hinter der Schwelle, ich ließ sie einen Moment warten. Erst dann machte ich eine Art Diener und wies mit dem gebieterisch ausgestreckten Arm des Hohepriesters auf die nächststehende Säule, ging behutsam darauf zu und machte ein einziges leises Klopfen. `Ping´.
Sieben Köpfe über denen erst hellorange Fragezeichen aufleuchteten, die dann augenblicklich zu purpurroten Ausrufezeichen mutierten. Gleichzeitig machten sie nun alle beherzte Schritte nach vorne, zwei direkt zu mir, Maiko irgendwohin zur Seite, jemand anderes zu einer anderen Säule weiter links, ein anderer zu einer noch weiter entfernten Säule. Wir brauchten keinen Dirigenten. In zarten Klängen vibrierte das ehrwürdige Gemäuer. Erst zögerlich, dann fordernd, schließlich donnernd trommelte der beschwörende Rhythmus, bis dass die Mauern zu neuem Leben erwachten. Bebend, als laufe ihnen ein Freudenschauer den alten Rücken hinunter, bei der Erinnerung an längst vergangene jugendliche Pracht. Klangspiel, Lichtfunken, Feuerwerk, die Auflösung von Schwerkraft, Zeit und Raum, des Ich.
Ich weiß nicht wie lange. Ich weiß nicht wie lange ich getanzt, mich in einer unendlichen Explosion aus Licht und Klang im zeitlosen Raum gedreht habe. Ich weiß nur, das alle mystischen Unterströmungen aller Glaubensrichtungen einen Zustand kennen, der des tanzenden Derwisch, des von Gott besessenen Trancetanzes. Ich weiß warum das so ist. Wer mich tanzen gesehen hat in dieser Nacht, der weiß es auch.
Zumindest kam es mir so vor.
Ich weiß natürlich, das es unnütz ist, darüber viele Worte zu verlieren. Darüber, dass ich heute auch dann so tanzen kann, wenn keine Drogen im Spiel sind und der Platz nicht unbedingt diese sagenhafte Akustik bietet. `Der Mensch wird immer geritten, sei es vom Teufel oder von Gott´. Martin Luther. Zu einfache Kategorien, Herr Doktor.
Aber ich kam mir vor wie geritten, fühlte mich eindeutig wie der Affengott Hanuman, der zwischen den Säulen herumtollte. Mit einem langen Schwanz, der mir beim Navigieren durch die Säulen und um Haaresbreite an den Freunden vorbei half. Wie ein Kind tobte ich, warf mich längs hin auf den nackten Boden, rollte ab, überschlug mich und stand wieder, als hätte der Puppenmeister ruckartig am Hauptfaden gezogen, angefeuert vom sich wilder und wilder gebärenden Rhythmus.
„No! No use stick“ drang plötzlich aufdringlich die Stimme des Wärters durch zu mir, der Sound verebbte sofort, hallte nur noch unwirklich im Gemäuer und in meinen Ohren nach. Verlor sich. Der Funkenregen verlosch. Es gelang mir innezuhalten in meiner Drehung. Der fragende Blick des Wärters richtete sich auf mich. Es war klar, er musste uns für verrückt halten, besonders wohl mich. Er war sich vielleicht nur noch nicht klar, wie er uns loswerden sollte. Ich ging vorsichtig ein paar Schritte auf ihn zu, griff nach seiner klammen Hand. Wie eine Frage lag sie kraftlos und nach oben offen in meiner. Dass ich verstünde, wenn er sich sorgen um den Tempel mache, begann ich, schließlich sei das ja sein Job. Seine weit aufgerissenen Augen musterten mich skeptisch. Um ihn herum sah ich deutlich eine schwach schimmernde Lichthülle, flackernd von grün nach blau. Aber er sagte nichts. Ich ließ seine Hand los. „Aber wir, wir benutzen doch nur unsere Hände. Nur Hände, wirklich, schau“ Ich klopfte vorsichtig an eine Stehle. `Ping´. „Nur Hände, ehrlich. Das kann doch dem Granit nichts anhaben. Stein. Nur Hände.“
Mein Gegenüber runzelte überrascht die Stirn, dass ihm sein Schnauzbart fast über die dicke Nase gerutscht wäre. „Only hands?“ fragte er ungläubig und umhüllte sich mit einer dichteren Wolke orangenen Lichts. Ich griff wieder seine Hand, führte sie, klopfte vorsichtig zwei Mal vor eine Stehle. `Ping, Ping´ hallte es. Für mein Verständnis überlaut, als trage das Gebäude nun aktiv zu dem wunderbaren Klang bei. Mit einer ruckartigen Bewegung machte sich der Wärter los von mir, trommelte nun selbst mit beiden Händen. Die Halle bebte, Lichtblitze zuckten durch das Gewölbe. Ungläubig schüttelte er mit dem Kopf. Offenbar hatte er nicht gewusst, wie sphärisch die Klänge waren in der Stille einer Vollmondnacht. Oder wie gut das Instrument reagierte, wenn man es zu spielen wusste.
Wieder riss er mit den Augenbrauen den Schnurrbart hoch und starrte mich an, machte dann einen halben Schritt zurück. Ratlos betrachtete er seine Hände, als zweifle er an deren Existenz. Schließlich zuckte er mit den Schultern und drehte sich um. „Only hands, no problem“ sagte er noch im Gehen, hielt aber dann, seine Hülle jetzt feurig rot schimmernd, inne und sah sich noch einmal über die Schulter um. Sein Blick fiel auf Stepan und Isabella, die wie gelähmt eine Säule weiter hinten standen. „You like to know the India story?“ fragte er unvermittelt. Isabella zog den Kopf ein, Stepan brachte ein halbes „No“ zu Stande. „I guide. This temple manymany stories.“ Stepan sah ratsuchend zu mir herüber. Dieter antwortete intuitiv. Dass das jetzt bestimmt kein Nepp sei, wenn ihm jemand morgens um drei eine Tempelführung anbiete. Da offenbare sich ein Lehrer. Da solle er ruhig mal mitmachen. Seine Stimme aus dem Hintergrund hallte gebieterisch zwischen den Säulen.
Ich hatte nur im Kopf schnellstmöglich wieder in den Klangregen einzutauchen und nahm kaum wahr, dass die beiden ohne Widerrede dem Wärter folgten.
Das Konzert setzte wieder ein.
Runde um Runde tanzte ich, gelegentlich immer mal einen kurzen Blick der eifrig hämmernden Musiker erhaschend, Blicke zwischen Sorge, ich könnte irgendwo gegen knallen und ehrlicher Faszination. Ich tanzte scheinbar gegen die Regeln der Schwerkraft, wie die Bälle eines Jongleurs, Runde um Runde. Nur langsam ließ der Rausch nach. Das Feuerwerk aus Klangblitzen ebbte ab, einhergehend damit, dass fast alle einer nach dem anderen nach draußen gedriftet waren, sich auf den Boden vor dem Wagen fallen ließen. Nur Frank musizierte unermüdlich weiter, bis ich ihm erschöpft in die Arme fiel und wir Hand in Hand ins Freie schwankten.
Heaven is not a place, it´s a feeling.
Neben Maiko sank ich auf die Knie. Bei ihrem Anblick erschrak ich augenblicklich, denn ihre Gesichtszüge waren steinhart. Verhärtet die Wangen, als kaue sie angestrengt auf etwas Unverdaulichem. Mit einem ganz leichten Kopfzucken hinderte sie mich daran, sie anzusprechen. Ratlos setzte ich mich neben sie und schwieg. War ich am Ende meiner Verantwortung nicht gerecht geworden in meinem selbstsüchtigen Kreiseln? Erst nach einer Weile seufzte Maiko, rückte unruhig hin und her und signalisierte so Gesprächsbereitschaft. Schließlich stieß sie hervor: „Tobias, ich habe einen Affen tanzen gesehen.“ Ich lachte erleichtert, fand das sei doch eine gelungene Halluzination. „Wie kann sich das so real anfühlen?“ presste sie zwischen den Zähnen angestrengt hervor „Ich habe Dein Fell gespürt, als Du mich gestriffen hast.“ Das sei doch das Entscheidende, die Essenz eines Trips, meinte ich, zumal ich mich ja auch gefühlt hatte wie der allererste Affe. „Das ist es ja eben“ Maiko blieb ganz ernst „was ist denn dann Realität, wenn ich mich so täuschen kann?“
Jaqueline hatte Recht. Lennon hatte Recht.
Und ich hatte Recht, als ich Maiko jetzt mitteilte, dass Realität nebensächlich war. Wenn das, woran man glaubte für einen selbst funktionierte. Und die gemeinsame Hallu vom Affen, die sei doch nun wirklich nicht ... Sie unterbrach mich knapp. Sei ja mehr als das. „Der ganze Abend, das war ...“ doch ihre Stimme versagte. Regungslos starrte sie vor sich hin. Besorgt hakte ich nach, ob sie da eventuell ein Problem habe, doch sie versicherte glaubwürdig, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Im Gegenteil, sie habe sich bisher eigentlich blendend amüsiert. Nur diese Erkenntnis, die sie da gerade nicht so ganz formulieren könne, die sei aber sehr, sehr wichtig. Das dürfe sie nicht so einfach wieder in Vergessenheit geraten lassen, dazu sei das viel zu kostbar. Und deshalb müsse sie sich jetzt konzentrieren.
Ich verstand, war zufrieden und wandte mich den anderen zu.
Einige Zeit später schien alles wieder in Ordnung. Maiko nahm bereits wieder lebhaft am Gespräch teil. Wir hatten gerade darüber reflektiert, dass sich unser Trip wohl dem Ende zuneigte, da fragte auf einmal Melanie erschrocken „Wo sind eigentlich die Tschechen?“ Mit einem Mal flammte überall ein wenig Panik auf, zerrte züngelnd zurück in die Realität. Die zwei waren tatsächlich schon eine ganze Weile weg. Zu lange, als dass der Verantwortliche nichts über ihren Verbleib zu sagen wusste. „Als wir raus sind aussem Tempel, da hab ich das erste Mal auf die Uhr geschaut, das war vor“ Frank ließ sein Feuerzeug kurz aufflackern „zwei Stunden.“ Alle schwiegen betreten. Meine Augen blieben auf Frank gerichtet. Hinter ihm blieb ein sonderbarer, rötlicher Schein in der Luft. Erst langsam kapierte ich, dass es nicht die Blendung des Feuerzeuges auf meiner Netzhaut war, sondern das erste Morgenrot.
„Hello, hello“ kam Stepans dunkle Stimme plötzlich fröhlich aus der anderen Richtung. Sylvia stieß einen unterdrückten Schrei aus. „Wo wart ihr“ fragten sie mit Melanie aus einem Munde. Hinter Stepan stand Isabella und krächzte „I am sorry.“ Gleich setzten die beiden sich zu uns und berichteten ohne Umschweife von ihrer Führung. Von den ganzen Gottheiten, habe er erzählt. Und zu jeder Geschichte gab es Abfolgen von Reliefs entlang der Außenwand. Der ganze Tempel sei eine Art plastisches Buch. Nach wenigen Minuten überschlugen sich ihre Stimmen vor Begeisterung. Dass der Wächter sie die ganze Zeit geführt hätte. Jede der Steinfiguren im Außenbereich habe er gekleidet in eine anschauliche Geschichte, jede einzelne zum Leben erweckt. Von Ganesh „wusstest Du, dass Shiva ihm den Kopf abgeschlagen hat“ fragte mich Isabella, ich nickte, sie „I am sorry, of course you know“, und Shiva und Parvatti und und und. Dass sie ihn zigmal gefragt hatten, wieso er das mache mitten in der Nacht, doch er habe immer nur grinsend „my duty“ entgegnet. Und dass er am Ende keinen Pfennig Geld habe haben wollen. Keinen! Und dass das einfach alles nicht wahr sei. „Mango, ich glaube jetzt an Dein Indien“ schloss Stepan den aufgeregten Bericht ab. (Und ich an Deine geheimen Lehrer, Norbert!)
Mein Indien! Ich hätte laut schreien mögen vor Freude. „Fast wünschte ich, ich hätte Dir das Versprechen nicht gegeben, Mango“ fügte Stepan noch lachend hinzu, doch ich hörte ihn kaum noch, so sehr hing ich meinen eigenen Gedanken nach. Mein Indien. Es war gelungen. Maiko. Und sogar die beiden begriffen. Go with the Flow.
Und dass der Wächter gesagt habe, wir müssten vor Sonnenaufgang verschwinden, riss mich Stepan aus meinen süßlichen Gedanken. Weil dann seine Ablösung komme. Eilig packten wir unsere Sachen zusammen, kontrollierten mit entzündeten Feuerzeugen, dass wir auch auf der Empore keinen groben Müll hatten liegen lassen und verschwanden klammheimlich auf dem Weg, den wir gekommen waren. Nur dass wir nicht die Selben waren, die da zurückkehrten.
Reisen verändert.
„Welchem Gott war der Tempel denn eigentlich geweiht“ fragte Maiko unvermittelt. „Hanuman“ antwortete Stepan. „Dachte ich mir.“
Durch das langsam zurückkehrende Licht, andächtig schweigend.
Die wärmer werdenden Farben und die belebende Morgenluft. Zwar ausgepowert, aber bis in die Zehenspitzen glücklich. Eins mit sich und der Welt, wie sie wirklich ist. Unfassbar.
Acid Head.

Jeder ist ein Künstler. Jeder ein Designer und jeder ein Gott.
Es handelt sich lediglich um unterschiedliche Ausprägungen. Nuancenhafte Gewichtungen, die keineswegs lebenslang starr und unbeweglich bleiben müssen.
Ich hockte auf der am Boden liegenden Matratze in unserem Zimmer.
Maiko schlief seelenruhig neben mir. Zwischendurch schnarchte sie laut. Es war der Abend des Tages danach, der immer ein wenig fahrig daherkommt. Zwischen Nachgeschmack des Höhenflugs und abgrundtiefer Ernüchterung. Wenn die phantastischen Gefühle verloren gehen und selbst die schönsten Überzeugungen unbarmherzig mit sich in den Schlund des Zweifels reißen. Die gefährliche Phase, in der ein instabiler Geist die Sucht entwickelt. Statt auszuhalten und das Geschehene solange zu verarbeiten, bis es integrierbar geworden ist. Bis die Balance wiederhergestellt ist. Bis es einen echten Grund oder wirklichen Anlass gibt. Bis alles wieder zusammenpasst.
Ich hatte mein Ziel erreicht.
Davon war ich überzeugt. Ohne, dass ich mit ihr darüber hätte reflektieren müssen. Zu viel war schon klar geworden in der Nacht, als dass nicht wenigstens Eckpfeiler herüberzuretten gewesen wären. Sie wusste jetzt, was ein `Head´ ist. Sie wusste, dass Telepathie möglich ist. Das war weit mehr als die banale Tatsache, dass Schalen nun mal größer sind als die Frucht, war der keimende Spross einer langfristigen Basis.
Dennoch, ich war nicht ganz zufrieden.
Meine Gedanken hasteten unruhig hin und her. Immer häufiger tauchte Anette auf. Wie gern hätte ich auch sie, mit der ich so viel teilte, an unserer kollektiven Auflösung in Klang und Farben teilhaben lassen. Sie Maikos Initiierung spüren lassen. Aber das war unmöglich. Mit all dem, was wir gemeinsam hatten, Worte würden es niemals zu fassen vermögen. Es war einfach nicht möglich, ein Gefühl in beschreibende Worte zu kleiden.
„Nichts ist unmöglich“ brummelte ich.
Und plötzlich war sie wieder da, die Muse. Stieg herab (oder herauf?) und küsste mich zart, auf dass ich ein kleines wenig mehr festzuhalten vermöchte von der weiten Reise. Mehr als nur Bananenweisheiten. Etwas, das helfen würde, die Erinnerung wach zu halten und Anette eine Ahnung zu verschaffen. Etwas, an dem ich mich in den nahenden dunklen Stunden würde festhalten können.
Ich kramte einen Zettel aus dem Kulturbeutel und schrieb mit ungelenker Hand:


Am Anfang war der SOUND
Und der Sound
schuf sich
Seinen RAUM
Und mit dem Raum
Kam die ZEIT
Und mit der Zeit
Kam
Alles Andere

Und
Im Sound
Lösen sich
Die Gegensätze wieder auf. Mango, Februar 1997
Vielleicht nicht so richtig klasse. Zumindest wenn man es mit den Maßstäben eines Deutschlehrers messen wollte. Metrik und all die anderen Kategorien, in die so ein Gedicht zu passen hat. Kategorien.
Aber dennoch klasse genug, um mir zwei Mal eine freudig aufflackernde Erinnerung zu entlocken. Einmal während der schweren Krankheitsphase der Zukunft, die damals noch unvorstellbar aber unausweichlich vor und jetzt, wie der fade Nachgeschmack eines nie da gewesenen Alptraums schon wieder hinter mir liegt. Erinnerung, als ich vor Maikos und meiner vermeintlich endgültigen Abreise aus Deutschland beim tränenüberströmten Sortieren unserer Habe den Zettel in die Finger bekam.
Und Anette entlockte das Gedicht zwei Mal ein fröhliches Lächeln.
Einmal, als ich ihr nach der Rückkehr beim Bericht von dieser Nacht den Zettel zeigte. Also lange vor dem schweren Entschluss, mein von medizinischen Notwendigkeiten erstarrtes Heimatland notgedrungen zu verlassen. Wie ein Urlaubsphoto von einem schönen Strand hielt ich ihr das geknüllte Papier entgegen und sie stieg lächelnd ein, als sei da in den geschwungenen Linien wirklich erfahrbar, was wir erlebt hatten. Als sei es ein Urlaubsphoto, das schließlich auch nicht mehr ist, als eine flache Vorstellungshilfe. Es half.
Ein weiteres Mal lächelte sie, nämlich als sie mir den Zettel neulich wieder unter die Nase hielt und damit für mich zum zweiten Mal die Erinnerung wach wurde. „Kannst Du das gebrauchen?“ fragte sie. Meine liebe Wahlschwester hatte das vergilbte Blatt bei unserer Abreise mit ungewisser Wiederkehr vor dem Papierkorb gerettet.
Und was Du nicht noch alles gerettet hast ...

Dem Roman "Von Scharlatanen, Schurken und Schamanen" entnommen, erschienen bei Bohmeier.
 
K

kaffeehausintellektuelle

Gast
lieber tippi

aha.
ich kenn mich ja nicht aus in der literatur, aber kurzgeschichte ist das glaub ich auch im weitesten sinne nicht.

ein lektorat erspar ich uns beiden, da das ganze ja schon in buchform erschienen ist und ich nicht denke, dass du auf textarbeit noch wert legst.
ich weiß aber auch nicht genau, worauf du wert legst. was erwartest du, wenn du das hier hereinstellst? eine diskussion? applaus? widerspruch?

ich hätte als lektorin vermutlich strengere sprachliche maßstäbe gesetzt als dein verlag.
ein paar beispiele:

„Na, dann kann´s ja endlich losgehen“ ließ Melanie ungeduldig verlauten.
„Machen wir´s gemeinsam? Doppelte Hoffmänner, auch nicht zu verachten“ richtete sich Dieter fragend an mich, ([blue] satzstellung, die frage nach der feststellung, sonst richtet sich dieter nicht mehr fragend ...)[/blue] woraufhin ich zustimmend nickte [blue](kann man auch ablehnend nicken?)[/blue]. Er riss also die Papierchen in je zwei Hälften. Dann ging er herum und legte die Hälften der Reihe nach jedem vorsichtig auf die vorgestreckte Zunge, als sei er ein Priester bei der Verteilung des Abendmahls. Bei Maiko angelangt sah sie mich fragend an. [blue](grad war dieter noch ein mann, jetzt ist sie eine "sie"? - ah, du meinst melanie? dann würd ich das erwähnen, meistens haben leser kein so gutes gedächtnis)[/blue]

...Vor uns erstreckte sich die majestätische Landschaftsformation in tiefen Grautönen, nur akzentuiert vom gespenstischen Glitzern des Flusses.
[blue]([für mich sind so viele adjektive eher eine schreibschwäche, denn eine stärke, aber das ist nur meine persönliche meinung.)[/blue]

.... Ich klopfte vorsichtig an eine Stehle. [blue](erst dachte ich, ich kenne dieses wort einfach nicht. ich hab dann bei wissen.de nachgeschlagen. und die kennen das wort Stelle und Stele, aber keine Stehle. Was bitte ist eine Stehle? ich hab nicht ganz sorgfältig gelesen, muss ich gestehen. weil es mir zu lang war. und zu langweilig auch.
oder sollte hier das lektorat versagt haben?)[/blue]


die k.
jo. aber das interessiert dich wahrscheinlich eh nicht.
 

Trippi

Mitglied
Was will ich?

Hi,

danke für die ausführliche Mail.

Was das Lektorat anbetrifft, da hast Du recht, das ist ja schon durch. Wobei ich anmerken muss, dass dies die Version vorm Lektorat ist, denn nach dem Lektorat gab´s das ganze nur noch als PDF-Datei und die ließ sich nicht einkopieren.
Nichtsdestotrotz ist das Lektorat allerdings weit hinter meinen Wünschen zurück geblieben ...
Stele, Stehle, keine Ahnung, hab ne Orthografieschwäche, was gemeint ist, sollte allerdings herauskgekommen sein.
Vielleicht der Hinweis, dass Du es bei mir nicht mit einem Intellektuellen zu tun hast, Hauptschule abgebrochen, Schreinergeselle, Ergotherapie auf zweitem Bildungsweg. Zwischendurch eine Stoffwechselerkrankung, die mir mit 60% Behinderung einen Sitzplatz in der Bahn garantiert, ein Praktiker aus der Werkstatt also.

Nicht richtig ist, dass mich Dein Feedback nicht interessiert, womit ich bei den Gründen bin.

Einer ist Eigenwerbung, wer könnte es mir verdenken, aber der stht nur numerisch oben in der ;Liste.

Tatsächlich suche ich Feedback zu ein paar Gedanken bezüglich dem Verhältnis von Psyche und Realität, also letztlich Anschluss an ein Forum, wo offener Austausch möglich ist.
Von den Lesern- und die muss es irgendwie geben, weil ich bei Amazon im Ranking gelistet bin (wobei ich Null check habe, ob das nun 2 Exemplare, 20 oder 200 sind), habe ich kein Feedback erhalten, leider. Vielleicht hat´s einfach keiner gelesen, weil es so schlecht ist, was ich natürlich nicht glauben kann und will.
Von den Leuten, die mich kennen (denn natürlich hat´s autobiografische Züge), na DAS Feedback bringt mich nun echt nicht näher an einen Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Na und die Leselupe?
Was mir scheint, hier liegt der Schwerpunkt wohl auf der Form, nicht auf dem Inhalt, zumindest ziehe ich das sowohl aus Deiner Reaktion als auch aus der Reaktion Travellers, die ich auf eine Story (nicht aus dem Buch) im Forum Freizeit erhalten habe. SOWAS hatte ich nicht gesucht, womit ich das in keiner Weise kritisiert haben möchte.
Na ja, danke nochmal, auch für´s Lesen.
Und wenn Dir inhaltlich was einfällt, schieß los.
Sonst weiterhin alles Gute beim Fliegen Lernen!

Tobi (or not to be!) Das ist für mich KEINE Frage, sondern eine Antwort ...
 

Trippi

Mitglied
SORRY TIPPFEHLER

Liebe Kaffehausintellektuelle,

es muss natürlich heissen: "... dass Du es bei mir mit KEINEM Intellektuellen zu tun hast", sonst macht´s ja nun überhaupt gar keinen Sinn!!!

Sorry, hatte eigentlich Korrektur gelesen, aber offenbar nicht ausreichend konzentriert ...
 
K

kaffeehausintellektuelle

Gast
lieber trippi

tut mir leid, inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen. das ist nicht meine welt.
ich brauche keine drogen, um mich selbst zu finden. hin und wieder ein gläschen wein zur entspannung, vielleicht.
insofern konnte ich inhaltlich einfach nichts damit anfangen. außerdem fand ich es halt einfach nicht wirklich gut geschrieben.
und für besteht jede geschichte und noch mehr jedes buch aus inhalt UND form. eins vom anderen kann ich nicht trennen.

die k.
 

pink_elb

Mitglied
hi trippi!

will an dieser stelle mal loswerden, dass ich inhaltlich sehr viel damit anfangen kann!!
allerdings muss ich gleich dazu sagen, dass ich mich auch nicht als intellektuell bezeichnen darf -
durch die schulpflicht hab ich mich zwar durchgeboxt, danach aber lehre als "hotel- und gastgewerbeassistentin", wobei ich meine energie hauptsächlich dafür aufgebracht habe, gegen die engstirnigkeit diverser leute (wie´s so ist in einem kleinen dorf) anzukämpfen und die lehrjahre dennoch zu überstehen - naja und dann hat das leben einfach seinen lauf genommen...

so halte ich mich beim lesen einer geschichte einfach danach ob ich reinkippen kann oder nicht, ob sie mir etwas gibt oder nicht und dann sag ich gefällt mir oder nicht... -
naja und deine geschichte finde ich nunmal sehr interessant und an vielen stellen kam dieses "ja, genau" gefühl in mir rauf:)

Ich finde es gibt grundsätzlich 2 Arten Drogen zu nehmen.
Die eine Art ist, sich mit Drogen zuzumachen - aus dem Alltag fliehen, weil der "normal-Zustand" nicht schön genug möglicherweise unerträglich ist.
Das funktioniert meiner Meinung nach mit jeder Art von Droge - und ganz Besonders gut mit Alkohol. (wahrscheinlich da erschwinglich, leicht zugänglich und mit dem gesellschaftsleben vereinbar...)
Die zweite Art Drogen zu nehmen ist die, einen angenehmen Zustand besser geniessen zu können - wie ein Glas Wein zur Entspannung dienen kann und ein Trip dazu dienen kann in einem Tanz völlig mit der Musik zu verschmelzen...usw...

Natürlich kann ich mich ohne Wein auch entspannen - aber zweifellos ist es eine andere Entspannung als mit.
Natürlich kann ich ohne einen Trip in die Musik reinkippen - aber klarerweise ist die Wahrnehmung mit Trip anders als ohne.

In einem Buch das ich schon ewig im Regal stehen habe "Grundlagen über die Psychologie" (das zweifellos von sehr g´scheiten Leuten geschrieben wurde) steht, dass sich LSD als hilfreich erweisen kann, wenn es in großen Intervallen, unter entsprechender Kontrolle und in Verbindung mit psychotherapeutischer Arbeit verwendet wird.... naja, da könnt ich jetzt ewig weiter drüber philosophieren...
aber ich sag mal, die Dosis macht das Gift - einen LSD Rausch im Jahr ziehe ich wohl einem Vollrausch jedes Wochenende vor - und mein Körper auch :)
Aber das ist insofern ein heikles Thema, da wir in unserer Gesellschaft (meiner Meinung nach) nicht zur Eigenverantwort erzogen werden.
Erst sagt uns die Kindergarten-Tante was richtig ist und was falsch, dann der Lehrer, dann der Boss (dann sollten wir es aber eh schon intus haben) wenn nicht, sind wir asozial, geistesgestört, freaks ... usw.
Wenn ich LSD konsumiere, sollte ich aber schon ein bissl davon besitzen, (Eigenverantwortung) denn wenn ich grad supermies drauf bin, wenn ich weiss, ich hab einen ganzen Berg schlechter Gefühle in meinen hintersten Bewusstseinswinkel gedrängt, dann ist es eben nicht so clever einen Trip zu nehmen....

Nun ja, das sind so die Gedanken, die mir beim Lesen deines Textes und den Reaktionen - oder der Reaktion - darauf durch den Kopf gehen.... eh alle schon allbekannt :)

Und was deine Eigenwerbung betrifft, hm, wenn ich mal wieder über ein bissi mehr Kleingeld verfüge schau ich bei Amazon rein :)

ganz liebe grüsse,
 

Trippi

Mitglied
Ignoranz

Mein(e) liebe(r) Pink-Elb,

SEHR freut mich Deine Mail ...

Ich hatte gerade nur gaaaanz kurz Gelegenheit, reinzuschauen, eine ausführliche Antwort muss noch warten. Aber wenn Du Dir unter "Freizeit" (Titel: Winter in Lagos)mal die (nicht vom Admin gelöschten) Kämpfe mit einem jener, die wissen, wie Literatur zu sein hat, anschaust, dann wirst Du sicher nachvollziehen können, dass die Idee, auf der Leselupe Eigenwerbung zu machen bis zu Deiner Mail eigentlich gestorben war ...

Ich setz jetzt mal stumpf ein kleines Zitat aus dem Buch hier rein, um Deine Idee, ein bissl Kleingeld zusammen zu suchen ein wenig zu unterstützen, vielleicht jedenfalls ...

„Die Lektoren meinen, das sei ja alles ganz nett, was ich da schreibe, aber leider, leider passt es in keine Kategorie. Ist eben nicht vermarktungsfähiger esoterischer Erweckungsbericht (wo man dann den Guru noch als Schlüsselanhänger verhökern kann), noch ist es Reiseliteratur und eben auch kein seichter Roman. Ist eben alles drei, untrennbar wie das Leben.
Aber angeblich wollen Leser eben klare Kategorien. Punkt.

Davor graut es mir. Vor dem stumpfen Fernsehkonsument, der zur immer gleichen Hollywood-Geschichte auch noch die Werbeunterbrechung selbst fordert.
Kategorien.

Kein Detektiv auf der Suche nach dem Mörder.
Kein wirklich lenkender Lehrer, der den Schüler an der Nase rumführt.
Keine Geheimgesellschaft hinter einem geheimen Lehrplan. Keine Außerirdischen. Nichts als ein stolpernder, strauchelnder Egozentriker in einer unerklärten Welt, der nicht müde wird zu verkünden, dass es die Hoffnung ist, die Fähigkeit zu Utopien, die uns von den Tieren unterscheidet.“

(Kapitel 23, S. 293.)

Und wenn Du demnächst mal Zeit hast, unter http://www.tobias-tripler.de bastel ich grad an einer Webseite, nächste Woche müsstn korrekte Inhalte drauf sein ...

Ansonsten,

Rhythmus & Entwicklung

Tobi

PS: Stelle unter "Gedichte" noch was für die Intellektuellen rein ...
 
C

comadeluxe

Gast
erwähne einen joint,und schon erhältst du ungefragt
die auskunft,zu was nicht-kiffer "auch ohne drogen" zu tun
im stande sind....
man "darf " es auch ohne statement täglich erfahren...

eine story packt dich entweder an empfindlicher stelle
und läßt dich nicht mehr los,oder eben nicht
unabhängig der evtl dreh- und eßgewohnheiten
des autors,er schreibt lediglich darüber (im ungünstigsten fall)

die phantasie des lesers beflügeln zu können ,
setzt nicht nur form und inhalt,sondern auch seine offenheit!!
und phantasie voraus
oder
wer beurteilt hendrix aufgrund seiner
"falsch angeschlagenen" noten???


alle regler nach rechts,trippi,
dein buch findet einen weg in meinen lebenslauf
 

Trippi

Mitglied
Regler nach rechts

Mein lieber Comadeluxe,

freut mich sehr, Deine Reaktion, muss ich gar nicht weiter kommentieren ...
Aber den Link zur Leselupe auf meine Site, den muss ich vielleicht anders beschreiben, denn gibt´s hier mehr Menschen mit Gehör für Zwischentöne, als ich eingangs gedacht hatte ...

Wenn es Dich dann nach weiterem Kommentar und Austausch gelüsten sollte, sei mir willkommen! (Am besten über die Webseite.)

Tobi (or not to be)
 

 
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