Christa Paulsen - Der letzte Fall 38. Rolle rückwärts - Dünnbier weiß es besser

ahorn

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Rolle rückwärts
Dünnbier weiß es besser


Christa strich endgültig Lutz sowie Theo aus dem Kreis der Verdächtigen. Die Zwei verband etliches, aber nicht der Tod von Wanja.
Lutz hatte sie ein weiteres Mal beschwindelt, davon ging sie aus. Er war nicht sofort zurück zu Günter geeilt. Zugesehen hatte er, wie Theo mit Genuss sein Glied in Kalina versengte, sie zum Höhepunkt trieb. Gleichfalls hatte sie bei dem nächtlichen Beischlaf mit dem Zuhälter ihn, Lutz gezwungen, sein Einverständnis erpresst. Somit war Lutz ein Opfer, bei Weitem kein Täter.
Tim war nicht minder ein Lügner. Inwieweit er die Frauen in der Nacht gesehen hatte, konnte sie nicht verifizieren aber, dass er seinen Lümmel in Wanja gesteckt hatte, strich sie. Es war sicherlich sein Wunsch, ein Traum gewesen.
Günter schwindelte ohne rot zu werden und Werner?
Konnte sie seine Geschichte von Liebespaar glauben.
Einzig die Spuren der Damenschuhe bewiesen, dass zur nächtlichen Stunde eine Frau um sein Haus geschlichen war. In der Nacht musste es geschehen sein, ansonsten wären jene Abdrücke im leichten Heideboden bereits zerfallen.
Diese Lügen sowie die zwei mysteriösen Kleidungsstücke, dieses Etuikleid, dieses Mieder, brachten sie zur Verzweiflung.

Christa trat in die Pedale, als Dünnbier sie mit einem breiten Lächeln aufhielt.

»Mein Instinkt hat mich nicht getäuscht Frau Kriminaldirektorin Paulsen.«
»Was meinen sie?«
»Sie war ein Kerl.«
»Wer? Bitte! Wie?«
»Wanja Ivanowa Petrova.«
»Wie kommen sie auf derartigen Blödsinn.«
Dieser Dünnbier ging ihr auf den Senkel. Sie, Christa konnte einen Mann von einer Frau unterscheiden. Inwieweit Günter damit Probleme hatte, lag an ihm, aber dass ein Polizist, welchem mit Sicherheit bereits Fakten vorlagen, sich erdreiste, ihr derlei Lügen an den Kopf zu werfen, trieben ihr die Galle hoch.
»Sie oder sagen wir besser er, war im Kiez bekannt.«
Christa zog ihre Augenbrauen zusammen. »Sie war eine Prostituierte?«
»Dieses weniger, eher auf der anderen Seite.«
Sie wurde hellhörig. Seine Aussagen interessierte sie, sodass ihr Wutlevel sank.
»Sie war ein Zuhälter?«
»Deswegen der Kies, abkassiert hatte er. Sein richtiger Name ist Wanja Dimitrow Wladimirow.«
»Das ist schwachsinnig!«
Dünnbier grinste. »Ich nenne es genial. Niemand kannte Wladimirow im Milieu, war eine graue Imminens. Ich bin bereits lange hinter ihm her gewesen. Er hat, soweit ich herausbekommen habe, das Geschäft vom Vater geerbt. Hinten herum die Fäden zu ziehen und vorne herum seine Pferdchen als ihresgleichen abzukassieren, ist brillant. Keine Mitwisser störten ihn. Man munkelt, dass er sich zurückziehen wollte. Der nächste Schritt war perfekt inszeniert. Schwanz ab, einen neuen Namen annehmen, sich vielleicht einen unbescholtenen Mann suchen und das Leben genießen.«
Christa tippte sich an ihre Schläfe. »Bitte!«
»War halt schwul!«
»Wer hat ihnen dies alles erzählt?«
»Die Frau Oberstaatsanwältin.«
Dünnbier erhob seinen rechten Zeigefinger. »Ach ja! Bevor ich es vergesse. Besten Dank für ihre Gastfreundschaft. Wir brechen unsere Zelte ab. Wir müssen einen Serienmörder fassen.« Er senkte seine Arme. »Obwohl ich davon ausgehe, dass es keinen weiteren Mord gibt. Wladimirow hat dieser bestimmt inszeniert, um ...« Er winkte ab. »Egal.«
»Hauptkommissar Kettler, Frank Kettler?«
»Der ist zurück nach Hannover.«
Auch er hatte sie verlassen. Ohne sich bei ihr zu melden, sie in Stich gelassen. All ihre Wünsche, Träume auf ein besseres Leben zerplatzten.

Mehr aus Verzweiflung griff sie in ihre Handtasche, zog die erste Wildkamera heraus, dann die Zweite. In beiden fehlte die Speicherkarte.
Mit ihrer Annahme, dass der Tod von Wanja mit dem Rotlichtmilieu zu tun hatte, lag sie richtig. Dieses hatte ihr Dünnbier bestätigt. Einzig die Protagonisten schienen anders verteilt.
Günter hatte die Kameras von den Bäumen genommen, aber dass er verantwortlich für ihren Tod war, konnte sie nicht glauben. Dennoch kam ihr der Gedanke, dass Werners Karnickelstall mehr mit ihrem Ableben zu tun hatte, als sie vermutet hatte. Was, wenn der Ort ihres Todes, ihr Hinscheiden von den Kameras aufgezeichnet war? Der Dreck an ihren Absätzen kam ihr wieder in den Sinn, sowie der Humus auf dem ehemaligen Gärtnereigelände.
Es war mehr ihre Verzweiflung, die sie trieb. Trieb in der Hoffnung, endlich Lutz Toyota aufzufinden, um in diesen, gleicher Art Erde vorzufinden.

Sie fand Werners Hof verlassen vor. Einzig Theos BMW stand wie zuvor auf dem Gehöft. Christa sah sich um, studierte jede Ecke auf der Suche nach Indizien. Nichts fand sie, nichts was sie bereits inspiziert hatte. Bevor sie sich auf ihr Fahrrad schwank, teilte Christas Smartphone ihr mit, dass sie eine Nachricht erhalten hatte. Wilfried schickte ihr eine E-Mail.
Die Nachricht war knapp, aber aussagekräftig. Ralf Jantzen war ein Wilfried bekannter Hamburger Investor. Wie der Zufall es wollte, war Jantzens Ehefrau mit Wilfrieds Gattin bekannt. Eine Recherche bei seiner Gattin ergab, dass dieser Jantzen die Wochenenden mit seiner Sekretärin Antje Bluhm in Lübeck verbrachte. Seine knappe Beschreibung der Bluhm, ließ sie vermuten, dass er diese zumindest einmal gesehen hatte. 1,60m bis 1,70m groß, schwarzes kurzes Haar und schmächtig, schrieb er. Christa strich über ihre Brust, über ihr Becken. Was Wilfried, als schmächtig bezeichnete war ihr bekannt: Typ Bügelbrett. Er bevorzugte Frauen, die als solches zu erkennen waren.
Sie dachte an Lutz sowie Sabines Aussage. Lutz bezeichnete ihn als wortkargen Kumpel von Theo und Sabine? Der Kleine mit den kurzen schwarzen Haaren. Sodann schwangen ihre Gedanken erneut nach Hamburg.
Zumindest war der Jantzen raus. Nach Wilfried Recherche war dieser bis nach Mitternacht bei einer Vorstandssitzung gewesen und gegenüber seiner Gewohnheit hatte er die Nacht mit seiner Ehefrau verbracht.
Der Nachsatz inwiefern Wilfried Holde sich darüber erboste, weshalb verheiratete Männer Geliebte hatten, ließ Christa ein Schmunzeln über ihre Lippen huschen.
Christas Annahme, Wanja trüge einen Verlobungsring war falsch. Ob sie sexuellen Kontakt zu Jantzen hatte, schloss Christa nicht aus. Aber, dass er sich neben seiner Sekretärin eine zweite Geliebte leistete, zwar möglich, dennoch unwahrscheinlich.

Erneut das Smartphone vor ihrer Nase, suchte sie das Foto, welches sie Lutz gezeigt hatte. Seine Reaktion war nicht das Entsetzen sie tot zu sehen, eher Verwunderung, Schuld und Trauer. Sie strich über das Bild über Wanjas überkreuzte Arme bis zu ihrem linken Ringfinger.
In Gedanken stieg sie vom Rad, schob dieses bis zu Werner Mülleimer und öffnete jenen. Eine dunkelbraune Langhaarperücke thronte auf den Hausmüll.


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