Das Fest (gelöscht)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

wüstenrose

Mitglied
Hallo rogathe,

beim Lesen dachte ich: die hier verwendete Sprache hat was Beherrschtes, Gesetztes, Kultiviertes - das gefällt mir! Und irgendwie war ich mir sicher, dass dieser Sprache noch ein inhaltlicher Kontrapunkt an die Seite gestellt werden würde. Der kam dann doch nicht. Mit dem Schluss und der Auflösung in "allgemeines Wohlgefallen" konnte ich persönlich nix anfangen. Was kann ich als Leser mitnehmen?
Die Goldene Hochzeit, die vielen gemeinsam gegangen Jahre literarisch zu würdigen, - dieser Idee kann ich durchaus was abgewinnen; aber ist die Darstellung nicht ein wenig zu glatt, zu gefällig, zu harmonisch?

lg wüstenrose
 

molly

Mitglied
Hallo rogahte,
mir war das gleich klar: Hubertus-Jagdverein, ordnen, Feuerwerk,Dankesschreiben an die Gäste und so ernst am Hochzeitstag im Schlafzimmer,dann der Knall. Für mich eher eine Satire.
Ich habe eine Geschichte gelesen von einem jungen Paar, das sich angeblich sehr gut verstand und sich dann zum Schluß auch fragten, ob sie das tun wollten. Sie sprangen von der Brücke.
Frohes Wochenende und viele Grüße
molly
 

rogathe

Mitglied
Danke vielmals für deinen Kommentar!

LG rogathe
(ist bloß die Abkürzung meiner drei Vornamen Rosemarie Gabrielle Thérèse)
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo rogathe,

hiermit bitte ich ganz im Ernst um Entschuldigung! Ich habe am Ende, vielleicht schon im Erkältungs-Delirium, schlampig gelesen und mir so einen gänzlich anderen Schluss zusammengereimt. Mit etwas mehr Zeit werde ich mir deine Story nochmal neu auf mich wirken lassen.

lg wüstenrose
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Und warum verüben die beiden Jubilare Suizid?

Das erinnert an das Bonmot, dass langjährig verbandelte Paare nicht an Scheidung denken, aber sehr wohl an (Selbst)Mord.
Sauber geschriebene Geschichte, die mir aber zu wenig Empathie hat, der das aufrichtige Gefühl fehlt.
LG Doc
 

rogathe

Mitglied
Sie sind zufrieden mit ihrem Leben und treten ab, bevor es ihnen schlecht geht. Als ca. 80jährige eine gute Idee, finde ich.
Zu wenig Empathie? kann ich nicht nachvollziehen.

LG rogathe
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Nein, keine gute Idee. Weshalb?
Ich empfinde den Text halt so, wie von außen betrachtet geschrieben, aber ohne sich wirklich in die Protagonisten versetzt zu haben.
LG Doc
 

molly

Mitglied
Hallo Rogathe,
Deinen Namen werde ich bestimmt nicht mehr vergessen, kann man sich gut merken.
Zu der Geschichte:
__________________________________________
Bedächtig zieht er aus der Schublade seines Schreibtischs ein Blatt Büttenpapier, auf dem in goldenem Schriftzug steht:
Gut ging es – schön war es – Danke
__________________________________________
Das finde ich z. B. satirisch. Das Jubelpaar inszeniert seinen Abgang ohne an die Gäste zu denken und was passiert mit den Geschenken? Vielleicht haben sie sich ja Geld gewünscht, für die eigene Beerdigung?

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch
molly
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo rogathe,

o.k., ich nehm noch mal einen Anlauf...

Schon am Anfang, nach wenigen Zeilen, drängt sich bei mir der Eindruck auf: Das ist alles so "furchtbar" aufgeräumt, geordnet, gewissenhaft abgemessen. Das gefällt mir, weil das alles sehr souverän wirkt und mich gleichzeitig (auch wenn ich das Ende noch gar nicht kenne) eine böse Ahnung beschleicht. Nicht, dass ich einen konkreten Verdacht hätte, worauf es hinauslaufen könnte, aber ich spüre schon in den Eingangszeilen eine gewisse Gefahr, die lauert, einen Fallstrick, der da irgendwo liegen könnte.
Insofern wirkt es zumindest auf mich nicht satirisch; auch spüre ich kein Verlangen, der Autor möge mit größerem Einfühlungsvermögen weitere Details offen legen. Ich erfahre genug, mehr möchte ich nicht wissen.
Wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil der Schluss so oder so viele Fragen offen lässt. Lange, mühsame Versuche, die Motive griffig auf den Punkt zu bringen, sind zum Scheitern verurteilt. Was bleibt, sind Andeutungen, Mutmaßungen, Spekulationen.
Aber vielleicht kann man doch ahnen: Das Ehepaar strebte nach Gefälligkeit und Ordnung, selbst im Abgang wollte es stilvoll daher kommen; es exekutierte die dunkle, gebrechliche Seite, ehe diese die Oberhand gewinnen konnte. Freilich muteten die Jubilare ihrer Umwelt genau diese dunkle Seite besonders überfallartig, auf eigentlich grausame Weise zu.
Wie gesagt: viele Fragen bleiben offen. Am Textende schaut der Leser quasi in eine offene Wunde. Und kann nichts dagegen tun.

Hingucken. Es ertragen. Die aufkommenden Bilder in sich wirken lassen.

lg wüstenrose
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich empfinde den Text eher satirisch, sie putzen und räumen noch alles auf, dann geben sie sich den Gnadenschuss. Übrigens heißt es "es knallt erneut" - es wird aber mindestens zwei Mal geknallt haben. Oder einer hat es sich anders überlegt, was bei aller Tragik schon wieder komisch daher kommt.
Ich weiß, du hast alles anders gemeint. Aber bei mir kommt es so an. Wenn sich Leser so viele unterschiedliche Gedanken machen, ist der Text gelungen. So oder so.
LG Doc
 

rogathe

Mitglied
Hallo Wüstenrose,
für deinen ausführlichen Kommentar danke ich dir herzlich.
Ein souverän selbstbestimmtes Ende halte ich für ein Grundrecht.
Bin mit dieser Haltung in meiner Familie umstritten. Am heftigsten widerspricht mein Sohn (Arzt). Meine Tochter (Computerlinguistin) scheut dieses Thema, mein Mann teilt meine Überzeugung.

LG rogathe
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.


Oben Unten