Das kalt lächelnde Klavier

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Das kalt lächelnde Klavier


© Rolf-Peter Wille


Es sind nun schon zwei Jahre her, daß mein Freund, der Klavierlehrer X., durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Viele Zweifel sind an der Ursache seines Todes geäußert worden, doch war es leider allen Nachforschungen der Kriminalpolizei unmöglich geblieben, Licht in das entsetzliche Dunkel dieses Unfalls zu bringen. Man hatte X. am 13. April in seiner Wohnung mit einem Schädelbasisbruch aufgefunden, und die offizielle Version lautete, daß ihm beim Klavierstimmen der Flügeldeckel auf den Kopf gefallen sei. Es ist nun allgemein bekannt, daß X. leider in den Jahren vor seinem Unfall dem Alkohol mehr und mehr verfallen war. Dieses Laster findet man ja heutzutage in den besten Kreisen, und so glaube ich, das Andenken meines Freundes durch diese Veröffentlichung in keiner Weise herabzusetzen. Auch vermutete man, daß X. sich wegen des Todes eines Schülers grämte. Überhaupt schien er sehr abwesend in seinen letzten Tagen, und da ich nicht weiß, daß er besondere persönliche Feinde besaß, ist ein solcher Unfall wohl auch nicht auszuschließen.

Kurze Zeit nach dem Tod des Herrn X. fiel mir durch einen Zufall dessen Tagebuch in die Hände. Die Gewissenhaftigkeit und Regelmäßigkeit der Eintragungen erscheinen für einen Alkoholiker wie X. äußerst ungewöhnlich. Auch verliert er sich in Spekulationen recht mystischer Natur, die weit über den Stil eines gewöhnlichen Tagebuches hinausgehen. Obwohl die Eintragungen jedoch wichtige Aufschlüsse über den tragischen Tod meines Freundes geben, glaubte ich damals aus verschiedenen Gründen, von einer Veröffentlichung Abstand nehmen zu müssen, hoffe nun aber, daß eine Frist von zwei Jahren die Gemüter teilweise beruhigt haben wird. Ein gewisser Abstand ist durchaus notwendig, um nicht den vom Alkohol bedingten Fieberphantasien meines Freundes zu verfallen. Es ist mir leider nur zu bekannt, wie vielen Lesern die phantastischen Vermutungen und Hirngespinste des Herrn X. nicht gar zu abwegig erscheinen werden. Der allgemeine Aberglaube, den man noch vor kurzem besiegt wähnte, hat in letzter Zeit einen angsterregenden Aufschwung erfahren, und wenn nicht ein Wunder geschieht, werden wir wohl wieder in die Hölle des mittelalterlichen Dunkels zurückfallen. In breiten Kreisen des Volkes haben Astrologen, Geomantiker und andere Scharlatane weit mehr Einfluß als ehrbare Ärzte oder Anwälte. Selbst der Kunst und Musik werden besondere magische Heilkräfte zugeschrieben. Die schwarzen Baßstimmen tibetanischer Mönche sollen schon viele Kranke geheilt haben. Natürlich schließt die Logik des Aberglaubens hieraus, daß es auch Musik mit ‘negativen Schwingungen’ gebe. So hat doch selbst der Pianist Artur Rubinstein festgestellt, daß sein Vortrag von Chopins Trauermarsch jedesmal mit dem Tod eines Freundes in geheimnisvollem Zusammenhang stand. Fast schien es ihm, als wenn sein Spiel dieses Unglück erst ausgelöst habe, weshalb er sich dann später weigerte, das Werk in privaten Kreisen aufzuführen.

Doch bin ich wohl zu schwarzseherisch. Die Tagebucheintragungen von Herrn X. sind zu irrsinnig, als daß ihnen jemand ernsthaft Glauben schenken könnte. Sie sind hier nur veröffentlicht, um dem Leser ein Bild von dem Geisteszustand meines Freundes zur Zeit seines Unfalls zu geben:

4. 4. Entsetzliche Katerstimmung. Hatte Mühe aus dem Bett zu kommen. Meine Abneigung gegen Menschen im allgemeinen und Musiker (die ich gar nicht zu letzteren zähle) im besonderen nimmt immer krankhaftere Formen an. Schon seit gestern habe ich aufgehört, das Telephon zu beantworten. Phantasierte etwas am Klavier. Wurde jedoch von einem Schüler unterbrochen, der ein Empfehlungsschreiben brauchte. Möchte alle Schüler umbringen. Bier gekauft und gesoffen. Wieder einen Tag getötet.

9. 4. Habe nun auch die Hausklingel ausgestellt. Mögen mich doch alle in Ruhe lassen! Phantasierte wieder am Klavier. Wurde jedoch wieder vom selben Schüler unterbrochen. Irgendjemand muß die Haustür offengelassen haben. Werde mir wohl demnächst einen Panzerschrank kaufen, um mich darin einzuschließen. Übrigens spielte ich merkwürdigerweise genau das gleiche Werk wie letztesmal als der Schüler kam — ironischerweise den letzten Satz von Beethovens ‘Les Adieux’. Werde wohl nächstesmal nur noch den zweiten Satz, ‘L’Absence’, spielen, um sicher zu gehen, daß mich niemand stört.

10. 4. Spielte heute in der Tat ‘L’Absence’ von Beethoven. Konnte mich jedoch nicht beherrschen, doch noch den letzten Satz anzuspielen, da mich ein gewisses sehr eigenartiges Gefühl überkam. Als ich mich der Stelle näherte, an der die letzten beiden Male der Schüler klopfte, wurde ich von einer großen Unruhe, ja — sogar Angst ergriffen. Ich stoppte unwillkürlich und schlug mit der Faust auf die Tasten. Dies war genau gegen 2 Uhr nachmittags. Konnte hierauf nicht weiterüben. Jedoch klopfte zum Glück niemand mehr.

11. 4. Erhielt heute früh einen Anruf. Wahrscheinlich hatte ich vergessen, wie sonst das Telephon auszustellen. Mein Schüler ist gestern nachmittag gegen 2 Uhr gestorben. Auf dem Weg zu mir ist sein Motorrad von einem schweren LKW erfaßt worden, und er war auf der Stelle tot. Ich bin in keinster Weise entsetzt. Es ist mir, als wenn ich alles Entsetzen bereits gestern empfunden hätte. Es ist völlig klar, daß mein Klavierspiel diesen Unfall verursacht hat. Kein Gericht der Welt würde mich für diese Tat verurteilen, aber ich kenne meine eigenen Gefühle gut genug. So, wie man mit einem bösen Blick eine Krankheit auslösen kann, so war mein Schlag auf die Klaviatur eine Auflehnung gegen das ‘Gute Prinzip’. Ein Musikstück ist ein lebendiges Wesen. Mein Schüler hatte dieses Wesen so oft verletzt. Meine Reaktion in jenem Moment mußte all diese negativen Energien in einem einzigen Moment konzentriert zurückgeworfen und den Tod jenes Menschen ausgelöst haben.

In verschiedenen Ländern, wie Haiti und China, gibt es magische Riten, die einem persönlichen Feind Schaden zufügen. Sie bestehen darin, daß einer Holzpuppe mit astrologischen Daten des betreffenden Opfers Nägel an bestimmten Punkten hineingetrieben werden. Man sagt auch, daß bei falscher Handhabung die negativen Energien auf den Magier selbst zurückfallen können.

Nun ist solch eine Holzpuppe ein primitiver Gegenstand. Ein Musikwerk hingegen ist ein höchst kompliziertes Gebilde, mit dem man bei geschickter Manipulation wohl allerhand anrichten kann. Man sagt gemeinhin im Volksmund, jemand habe ein Werk so arg verstümmelt, daß sich der Komponist im Grabe herumgedreht habe. Diese Wirkungen sind natürlich auf keinen Fall zu verwechseln mit den Reaktionen, die das Hören von Musik hervorbringen kann. Allgemein bekannt sind ja die Hysterieanfälle bei Konzerten von Paganini oder Liszt gewesen, von einigen neuzeitlichen Pop Gruppen ganz zu schweigen.

Aber dieses meine ich hier nicht. Ich war eigentlich immer sicher, daß Musik eine magische Wirkung ausüben kann, die nicht nur ihre hörbare Erscheinung transzendiert sondern vielleicht sogar ganz außerhalb dieser offensichtlichen Erscheinungsform im Dunkeln sozusagen existiert. So, wie jeder Mensch eine Aura besitzt, welche nur den Augen weniger hellsichtiger Personen erkenntlich ist, so fungiert die Musik als Aura einer besonderen Idee oder Kraft. Die Möglichkeit, durch die Beeinflussung dieser Aura eine Art Kontrolle über jene Macht zu gewinnen, war immer ein besonderer Reiz für meine Bosheit. Man kann davon ausgehen, daß die negative Energie besonders vernichtend wirkt, wenn das zerstörte Wesen besonders gut oder moralisch hochstehend ist. Man kennt von den Übungen bestimmter Hexen und Sataniker des Mittelalters, welche eine besondere Lust dabei empfanden, z. B. während des Gottesdienstes insgeheim scheußliche Verwünschungen und Flüche auszustoßen. Noch entsetzlicher sind jene Geschichten, in denen ungetaufte Kinder geopfert werden. Die Vernichtung der Reinheit oder der Unschuld wurde als größtmögliches Übel angesehen.

Nun war ich jedoch immer davon überzeugt gewesen, daß große Kunstwerke — und besonders große Musik — die Kristallisation des Lebens schlechthin darstellen. Ein Angriff auf ein derartiges Wesen wäre somit ungleich schlimmer als alle Teufeleien des Mittelalters, und ein wissenschaftliches Vorgehen, welches diese Zerstörung systematisch betreiben würde, müßte sogar Katastrophen auslösen können.

Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, daß mein Schüler in dieser schwarzen Kunst nicht ganz unbewandert war. Zunächst glaubte ich nur, daß er gänzlich unbegabt sei, bemerkte jedoch bald eine teuflische psychologische Finesse in seiner verzerrenden Spielweise. Er hatte schnell erkannt, wie sehr ich an seinen entsetzlichen Stümpereien zu leiden hatte, und er empfand eine diabolische Lust dabei, mich durch allerlei falsche Rhythmen und unsinnige agogische Foppereien bis an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Dabei konnte ich ihm niemals nachweisen, daß seine Schlechtigkeit Methode hatte, da er nach außenhin den gewöhnlichen Tölpel markierte. Doch war sein Spiel eine widerliche Fratze, die mich beständig auslachte. Sogar die Tastatur des Klaviers schien sich zu einer kalt lächelnden Fratze zu verzerren, wenn er anhub zu spielen.

Er spielte übrigens die ‘Les Adieux’ Sonate und verstand es, im letzten Satz — der ‘Freudigen Wiederkehr’ — einen abscheulich geschmacklosen, geradezu hüpfend, humpelnden Rhythmus zu erzeugen. Seine gemeine Blasphemie erinnerte mich jedesmal an den letzten Satz der ‘Symphonie fantastique’ von Berlioz, in welcher der unglückselige Held verdammt ist, seine Liebe in der Hölle als gemeine Dirne wiederzusehen. Die phantastische, schwärmerische ‘Idee fix’ präsentiert sich als geschmackloser Gassenhauer. Liszt hat in seiner ‘Faust Symphonie’ ähnliche Effekte verwand: Mephisto, der Geist des Bösen, kann kein eigenes Thema kreïeren. Er kann nur auslachen. Wie böse war die Karikatur meines Schülers! Wie teuflisch perfekt war seine Maskerade als stümpernder Amateur.

Doch hatte er mich unterschätzt. Es ist ihm nicht aufgefallen, daß er in mir einen verwandten Geist gefunden hat. Ich habe all seine Unarten in meinem Unterbewußtsein gesammelt, und dies war letztlich sein Untergang.

12. 4. Erhielt heute eine Einladung zur Begräbnisfeier meines Schülers, die auf morgen 4 Uhr angesetzt ist.

Eine schwarze Idee ist in meinem Gehirn geboren: Ich werde eine eigene Feier morgen veranstalten. Auf meinem Klaviersarg werde ich Punkt 4 Uhr beginnen, den letzten Satz der ‘Les Adieux’ Sonate zu spielen — und zwar in einer frohlockenden Scheußlichkeit, die selbst mein Schüler nicht erahnt hat. Natürlich könnte ich noch eine Photographie von ihm aufs Klavier stellen, vielleicht brennende Weihrauchstäbchen davor, oder seine astrologischen Daten ins Klavier eingravieren.

Doch sind das ja alles Kindereien und Grobheiten. (Ich könnte ja auch gleich eine schwarze Katze töten und in den Flügel hängen.) Die äußerste Ironie ist unglaublich fein. Nur ein Ahnen, ein schwankendes Gefühl zwischen Unglauben und Erkennen des Hohns kann jenes entsetzliche Grauen auslösen. Ich muß schön spielen. Ich muß so lange in der Freude des Wiedersehens schwelgen, bis ich selbst an ein freudiges Wiedersehen glaube. Der entsetzlichste Hohn kann nur darin bestehen, daß ich angesichts der Verzerrungen meines Schülers nun im Moment seines Todes eine völlig perfekte und tief empfundene Wiedergabe des Satzes anstrebe.

Ein Grausen befällt mich, wenn ich die kalt lächelnde Tastatur sehe. Doch was für ein eigenartiges Gefühl! Je stärker mir graust, desto mehr wächst mein Verlangen zu spielen.

Ich werde morgen den Flügel stimmen, um einen Vortrag von kristalliner Schönheit zu gewährleisten.

Nachtrag:

Die Tagebuchaufzeichnung bricht an dieser Stelle ab. Am Abend des 13. 4. Wurde X. mit zertrümmertem Schädel in seiner Wohnung aufgefunden.
 

anemone

Mitglied
Diese Erzählung gibt zum Nachdenken Anlass.
Ist es der beginnende Wahnsinn des Klavierlehrers,
der ihn die Dinge so und nicht anders sehen läßt?

Die Erzählung endet mit einem Rätsel, das in so einem Fall sicher gelüftet wurde: Es würde mich interessieren.

lG
anemone
 
Hallo Anemone,

eine interessante Frage! Wahnsinn fuer uns. Realitaet fuer ihn (den Klavierlehrer). Aber sind nicht alle Realitaeten konstruiert? Wieso soll eine Realitaet wahrer als die andere sein? Es gibt sehr langweilige Realitaeten, und es gibt aufregende. Lyrische, dramatische, epische Realitaeten. Manche suchen sie. Manche fliehen vor ihnen. Der Kuenstler baut sie. Hier ist ein Hyperlink zu einem interessanten Essay von Philip K. Dick (leider auf English): How to Build a Universe That Doesn't Fall Apart Two Days Later

Viele Gruesse,
Rolf-Peter
 

Zefira

Mitglied
Lieber Rolf-Peter,
die gängigen Redensarten "ein Musikstück verstümmeln" und "am Klavier phantasieren" bekommen durch Dich einen völlig neuen Bedeutungsgehalt. Vielleicht sollte ich mal drüber schreiben, wie ich den armen Schumann mißhandle.

Was die "wahnsinnige Realität" des Klavierlehrers angeht, so hat meine Klavierlehrerin ein ähnliches Leiden. Den in diesen Sätzen geschilderten Zustand

>... und er empfand eine diabolische Lust dabei, mich durch allerlei falsche Rhythmen und unsinnige agogische Foppereien bis an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Dabei konnte ich ihm niemals nachweisen, daß seine Schlechtigkeit Methode hatte, da er nach außenhin den gewöhnlichen Tölpel markierte.<

kann ich ihr manchmal vom Gesicht ablesen.

Es wird Zeit, daß wir unsere Klaviergeschichten zu einer Antho zusammentragen. Ich verweise auf meine eigene, "Die Hand", die ich gerade unter Kurzgeschichten gepostet habe. Mit Deinen Texten, Antaris' Story und dem, was der Doktor Digitalis sicher noch zu erzählen hat, dürfte schon ein hübsches Büchlein zusammenkommen...

Liebe Grüße
Zefira *die auch immer den gewöhnlichen Tölpel markiert*
 
Liebe Zefira,

aha, auch Du betreibst pianistischen Voodoo... ;-)

Die Idee mit der Antho ist hervorragend! Wir koennen sie allen Klavier spielenden Kindern (auch Er- und Verwachsenen) sowohl als anregendes als auch abschreckendes Beispiel andrehen. Nach dem Sieg eines Chinesen beim letzten Chopin Wettbewerb in Warschau ist das Klavier jetzt auch der letzte Schrei in China. Alle internationalen Wettbewerbe sind von Chinesen ueberschwemmt (sie aendern sogar ihr Alter im Pass, etc., etc.) Wenn wir also diese Antho in's Chinesische uebersetzen ... ... ... ... ...

Ich hatte grossen Spass beim "Handlesen" und habe schon meinen guidonischen Senf hinzugefuegt.

Viele Gruesse,
Rolf-Peter
 
N

niclas van schuir

Gast
Hallo Rolf-Peter,
deine Ungeduld schmeichelt mir sehr und spornt mich gleichermaßen an. Zur Zeit bereite ich allerdings Beiträge für andere Genres vor.
Ich darf dir jedoch zwei schon länger von mir veröffentlichte "Werke" empfehlen, die auf Theater-Erlebtem gründen und die du über die Suche findest: "Ein ganz gewöhnliches Vorspiel" und "Lohengrin", und ich hoffe, dass du zwischenzeitlich ein wenig Spaß daran findest.
Herzliche Grüße + ein schönes Wochenende, Nic
 

Antaris

Mitglied
Gruseln

Hi allerseits,

@ Rolf Peter: ich habe lange überlegt, ob ich es schreibe, abe ich denke, wenn schon Perfektionismus, dann richtig. Außerdem fallen Schwächen oder auch nur Auffälligkeiten in der Storyline - falls vorhanden - kaum auf wenn jemand sprachlich wirklich gut erzählt.

Bei Deiner Geschichte fällt auf, dass sie nicht nur optisch ziemlich stark zweigeteilt ist (Kleiner Tipp am Rande falls die Geschichte wirklich mal gedruckt wird: Längere kursiv gedruckte Passagen wirken auf Leser ziemlich abschreckend, und es kann durchaus sein, dass jemand ein Buch genau deswegen nicht kauft). Im ersten Teil habe ich spontan gedacht, wow, das liest sich fast ein Text von Ligotti, im zweiten Teil bleibt es gruselig, aber die typische Rolf Peter kommt wieder stärker hinzu. Rein gefühlsmäßig vermute ich dass Du im ersten Teil näher an dem bist, was Du eigentlich erzählen willst, obwohl der zweite Teil mit den Tagebucheinträgen sorgfältiger ausgearbeitet ist. Auch ohne Dein voriges Posting ahne ich, dass bei Dir in Sachen Horror noch viel Talent schlummert. Das Gruseln ist Dein Plaisier? Wie fühlst Du Dich, wenn Du an einer Gruselgeschichte arbeitest...irgendwie leichter? Auf jeden Fall wären die Ergebnisse spannend wenn Du in dieser Richtung weitermachst...

@Zefira: hej, das mit der Anthologie ist eine wirklich gute Idee! Falls es wirklich dazu kommt, wäre ich schon gerne dabei (es sei denn, die Sache müsste über einen DKZ-Verlag gehen) obwohl Ihr mir gegenüber stark im Vorteil wärt. Illustrationen wären auch schön - kann noch jemand zeichnen? So, jetzt schau ich mir endlich mal Deine Kurzgeschichte an, ne, Moment...noch'n Nachtrag...

@Rolf-Peter: Chinesisch übersetzen? Gute Idee. Könnte Deine Frau nicht...Frauen tun ja fast alles wenn Männer nur genug nerven :D.

LG

Antaris
 
Hallo Antaris,

vielen Dank fuer die Kommentare! Ich habe die Tagebuchaufzeichnungen jetzt durch "QUOTE" abgesetzt. Liest es sich besser so? Dadurch wuerde die Geschichte ja auch laenger, das Buch dicker, und noch mehr wuerden es kaufen. :) Ja der Stil ist anders in den beiden Teilen. Das soll natuerlich so sein, aber ein Problem ist, dass ich den Stil des Tagebuchschreibers nicht eingehalten habe. "Er" faengt im Telegrammstil an und schreibt dann irgendwann wieder im Erzaehlstil. Das ist natuerlich inkonsequent und ich koennte es nur damit entschuldigen, dass es im Eifer des Gefechts mit dem Tagebuchschreiber durchgegangen ist und er so von seinem eigentlichen Tagebuchstil abgewichen ist. Vielleicht ist das eine lahme Entschuldigung... Schuld ist sicher, dass ich selbst nie Tagebuch schreibe. Andererseits ist natuerlich dieses "Tagebuch" auch bloss ein Stilmittel wie bei Bram Stokers Dracula oder Edgar Allan Poe Arthur Gordon Pym. Meine pseudo-wissenschaftlichen Vorreden sind wohl von Poes Der wahre Sachverhalt im Falle Valdemar abgeschaut (bzw. eine Parodie darauf ;) ).

Meine Frau hat uebrigens bereits die meisten meiner Geschichten uebersetzt (und redigiert???). Wir brauchen nur noch einen Zeichner... :)

Viele Gruesse,
Rolf-Peter
 

Antaris

Mitglied
Hi Rolf-Peter,

so, so, das mit dem Übersetzen klappt also längst :cool:, na prima! Die Geschichten müssten eigentlich nicht nur für Musiker, sondern für so ziemlich alle Kunstinteressierten interessant sein.

Der Stil der Tagebucheinträge ist völlig stimmig. Sie wechseln genau zum richtigen Zeitpunkt vom knappen Telegrammstil zum ausführlicheren Erzählstil um Spannung zu erzeugen. Wetten, dass ausser Dir niemand den Stilwechsel bemerkt hat?

Die Tagebucheinträge erzählen eigentlich schon die Geschichte und zwar in in der Ich-Form. Als Ich-Erzähler kannst Du Deine Leser so eng wie in keiner anderen FOrm in das Gefühlsleben Deiner Protagonisten einbinden. Hier geht es um ANgst, die ist aber sehr wirkungsvoll durch Deinen ironischen Stil entschärft. Allerdings kann die Ich-Perspektive manchmal ziemlich einschränken, wenn der Erzähler tot ist, hast Du schnell ein Problem, wie hier :).

Eigentlich würden bei Deiner Geschichte ein, zwei Sätze als Rahmen ausreichen um die Situation zu erklären. Im Prinzip erzählst Du die die gleiche Geschichte allerdings nochmal aus einer personalen Perspektive (eigentlich auch wieder ein Ich-Erzähler, aber das fällt auch kaum auf) Diesmal wählst Du einen Stil, der weitgehend frei von Ironie ist und auf eine schöne Horrorstory hinweist. Allerdings arbeitest Du diesmal den Erzählstrang kaum aus, nimmst sogar den Schluss vorweg (ich sage nicht, dass sowas nicht funktionieren kann, aber wenn Du einen Schluss vorwegnimmst solltest Du schon einen sehr guten Grund haben...). Zudem ist die personale Erzähweise relativ distanziert von den Gefühlen. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass Du Dich hier selbst davon abhält, die Geschichte zu erzählen, die Du eigentlich erzählen willst ;-).

Nimm es mir nicht übel, gut ist Deine Geschichte trotzdem...

LG

Antaris
 

Zefira

Mitglied
Hallo zusammen,

die Idee mit dem Klaviergeschichtenbuch war zwar eigentlich ein Jux, aber wenn Interesse besteht und sich jemand findet, der sich mit Vertriebswegen auskennt - ich würde ein BoD vorschlagen... In diesem Zusammenhang erblüht uns übrigens auch in der Schreibwerkstatt mit Pommels "Virtuosenhänden" ein weiterer Anwärter. Horror pur, kann ich nur sagen.

Zu Rolf-Peters langer Vorrede kann ich nur sagen, daß ich sie genommen habe als das, was sie wohl auch sein soll (wenn ich Dich richtig verstehe, RP): so eine Art Verneigung in Richtung der früher oft gebrauchten pseudowissenschaftlichen Vorreden. Lovecraft hat das bis zum Exzeß getrieben mit dem Prinzip "ich wollte, ich müßte es auch nicht erzählen; die Feder sträubt sich, aber es muß einfach sein..." Bei Stendhal fand ich kürzlich ein langes lateinisches Zitat und sinngemäß danach die Bemerkung "Das gehört einfach noch dazu, aber mit der Übersetzung will ich den Leser jetzt nicht mehr nerven." Man muß allerdings mit der Stilebene vertraut sein, es also gewissermaßen von vornherein mit einem Körnchen Salz lesen ;)

Sonntagsgrüße von
Zef
 

Antaris

Mitglied
Aus Spass wird Ernst, und der lernt gerade laufen...

Hi Zefira,

das mit der Vorrede ist ok, ich sage ja nicht, dass Rolf-Peter der einzige ist, der sowas macht. Ich habe mir das unter dem Gesichtspunkt "Kill your darlings" angeschaut, um versuchen, herauszubekommen, was dahinter steckt.

Aus so manchem Spass ist schon ein Ernst geworden, aber den müssen wir nicht gleich morgen früh zum Kindergarten anmelden :D. Bei Rolf-Peters Geschichtensammlung drängt sich der Gedanke an eine Anthologie geradezu auf, sie sind ziemlich aus einem Guss und doch immer wieder unterhaltsam. Mal sehen, wie sich die Sache noch entwickelt. Falls es Ernst wird müssen wir uns dringend Gedanken um Vertriebswege machen. Ob ein BOD oder ein konventionell gedrucktes Buch keiner kauft ist egal...

Nun schaue ich mal in die Schreibwerkstatt, danke für den Tipp...

LG

Antaris

LG

Antaris
 

Zefira

Mitglied
Hallo Rolf-Peter,
das gibts vielleicht bei euch drüben nicht...
"Book on Demand", wird vom Autor (oder wem auch immer) auf eigene Kosten ohne Verlag gedruckt, und zwar immer nur in der Menge, die jeweils gebraucht wird. Es gibt keine "Auflage" im herkömmlichen Sinn, folglich auch keine Paletten voll Bücher im Keller. Geht schnell und kostet viel weniger als Druckkostenzuschußverlag. Kann auch durchaus professionell aussehen: Das letzt BoD, an dem ich beteiligt war, ist ein Prachtstück geworden.
Nachteil: Werbung und Vertrieb muß Autor bzw. Herausgeber selbst machen.

Ich habe mal in einem anderen Forum ein deprimierendes Bild entwickelt von der Autorin Zefira, die nie ohne Koffer voll Bücher anzutreffen ist. Wo Autorin Zefira auftaucht, schließen die Leute die Fenster und holen die Kinderwagen aus den Vorgärten.

Mit Grüßen
:( Autorin Zefira :(
 

Antaris

Mitglied
BOD

Hallo,

@Rolf-Peter: Zef. hat Recht. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass jedes Buch einzeln auf Bestellung gedruckt wird. Der Käufer erhält über seine Buchhandlung sein BOD Buch genauso schnell wie ein konventionell gedrucktes Buch über das Barsortiment. Knackpunkt Nummer eins ist, dass der Käufer natürlich erst einmal wissen muss, dass es Dein Buch gibt, denn der Buchhändler hat es natürlich nicht im Schaufenster oder Bücherregal. Relativ glücklich mit dem BOD Verfahren sind z. B. Autoren, die vor ein paar Jahren mal einen Titel der einigermaßen gut lief veröffentlicht hatten, aber irgendwann von der backlist ihres Verlages rausgeflogen sind. Mit dem Wissen im Hinterkopf dass sie pro Jahr soundsoviel hundert Bücher verkaufen können lachen sich diese Leute natürlich ins Fäustchen wenn sie ihre Rechte zurückkriegen und rennen zum nächsten BOD Verlag... Als unbekannter Autor musst Du Dir aber was einfallen lassen für Deine Werbung wenn es über BOD klappen soll.

Knackpunkt Nummer zwei ist der Preis. Zwar kannst Du Dir für ein paar hundert Mark, pardon Euro, Dein Buchprojekt realisieren lassen (plus eine jähliche Gebühr fürs Speichern), aber die Kosten pro Einzelexemplar sind relativ hoch. Wenn Du von vornherein weißt, dass Du nur relativ wenige Exemplare verkaufen kannst, lohnt BOD. Wenn es Dich aber stört, dass so gut wie nichts an Kohle hängenbleibt auch wenn der Verkauf gut läuft, solltest Du Dir die Sache lieber nochmal überlegen.

Außerdem bist Du bei BOD bei der Aufmachung Deines Buches etwas eingeschränkt, es gehen z. B. nur bestimmte Formate, und das Cover wird es nur auf Hochglanz geben.

Es gibt noch ein paar Zwischenlösungen - Stichwort Digitaldruck - aber viele Autoren fahren letztendlich besser, wenn sie ihr Eigendruckprojekt in einem konventionellen Druckverfahren realisieren. In Taiwan könntest Du vielleicht noch ganz andere Konditionen aushandeln als wir hier...

@Zefira: Keine Sorge, es gibt noch mehr Leute, die ständig verdächtige Koffer oder Taschen dabei haben und mit dem Verkauf ihrer Druckerzeugnisse drohen :) . Irgendwann kriegen wir sie alle unter die Leute...

LG

Antaris
 

GabiSils

Mitglied
Macht das unbedingt mit der Anthologie, eine Kundin habt ihr schon :)
Und nehmt Rolf-Peters "Rotkäppchen" mit rein!

Gruß,
Gabi
 
Oh, vielen Dank, Gabi! Das freut mich, dass das Rotkaeppchen noch nicht ganz aufgefressen ist!

@Zefira und Antaris: Interssant mit BoD! Kann man BoDs auch ueber Amazon etc. anbieten (entschuldigt die naive Frage)? In Taiwan sind meine Klaviergeschichten uebrigens schon als Buch erschienen. Es hielt sich in den Buchlaeden, weil es in die Rubrik "Musik" aufgenommen wurde (da gab's weniger Konkurrenz). Weitere Buecher erschienen als "Literatur" und die verschwanden dann schnell aus den Buchlaeden (und deswegen laufen meine Schueler jetzt mit dicken Koffern herum.:D)

Viele Gruesse,
RP
 

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