Hallo
@booklies ,
der liebe Jon und der liebe Clown seiner Klasse haben dein Werk aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (zunächst) gelesen.
Für mich und da bin ich gewiss nicht allein

, liest es sich wie ein Gedicht. Ein wunderbares Mischwesen ist es (Prosagedicht meanwhile etcetera)
Voranschicken will ich eine Erinnerung an eine allgemeine Haushaltsauflösung. Für mich war sie niemals allgemein, denn ein ganzes Leben, das ganze Manifestierte, sprichwörtlich noch Anfassbare, nach dem "Ausscheiden aus dem Leben" dieser wundervollen Person, die mich bis dahin mein ganzes Leben mit Herzlichkeit und in Anwesenheit begleitet hatte, die wichtiger blieb als alle ausgesprochene Worte, ja, diese Erinnerung fasst mich und so lese ich auch deine Worte:
In deiner stillen Wohnung stapelt sich dein Leben.
Jede Ecke vibriert, ist bis zum Zerbersten gefüllt.
Du schreibst über diese stille"Wohnung", sie ist nicht still. Das Leben stapelt sich in ihr. Als dein Leben benannt, das Vergangene (?), aus ihm fließt aus jeder Ecke Vibration - ein Echo, zum Zerbersten gefüllt, so schreit es unhörbar, doch da.
Wir tauchen ab bis in den Keller,
und wühlen in den Taschen
alter Nerzfellmäntel.
Das liest sich für mich wie ein Eintauchen in Erinnerung, ein Graben, ein Wühlen in der Vergangenheit, wir suchen in Taschen nach Hoheit, ein Nerzfellmantel, er klingt nach Besitz wie Reichtum fellartig. Also durchsuchen wir ihn postalisch, gäbe er uns Adressen - gäbe er uns Antwort? Wäre er nur ein alter Mantel, geblieben, im Keller aufbewahrt, vor unserer Neugier verschont. Da ist er nicht, denn wir sind hinab gestiegen.
So voll, wie gestopfte Weihnachtsgänse.
Eine Zeile, die sich liest wie eine Offenbarung: Als wäre da unten etwas präpariert, die gestopften Weihnachtsgänse, die an volle Münder denken lassen, sie sind längst vergangen. So prall und drall sie opulent eines Tages auf den Tischen lagen, die Tische sind weg, die Gänze ist den Gänsen entwichen. Sie sind verdaut und ausgespuckt.
Wir lassen los, mit leeren Händen treiben wir hinauf.
In deiner Wohnung fliegt uns um die Ohren,
was du nicht mitnehmen konntest.
Was an die Oberfläche kommt, sind die leeren Hände, die nichts mehr fassen können. Es ist die Realität, das Jetzt, es lässt nicht zu, kein Etwas, selbst das Ohren umfliegende Sein, es bleibt nicht. Die Taschen bleiben leer wie das letzte Hemd. Treiben wir hinauf - besser könnte es nicht gewählt sein, dein Bild.
Deine Schuhe, Bilder und die Figuren aus Glas.
Wir strecken uns und stecken ein, was hängen bleibt.
Der Keller ist verlassen, wie das Haus es ist. Doch Schuhe sind noch da, in denen niemand gehen will. Bilder sind noch vorhanden, sie hängen nicht an der Wand. Figuren aus Glas, sie sind zerbrechlich, nicht unbedingt gewollt. Denn diesen steht gegenüber: Wir strecken uns und stecken ein, was hängen bleibt. Das Strecken ist ein Überwurf für mich, es verlässt das Haus, das Figurenbild. Wir stecken ein, was hängen bleibt, ist etwas anderes. Wie ein aus Fäden gezogenes, mundgeblasenes Fraktal, das sich neu erschafft, so bleibt es an mir hängen.
Und in all deinem stummen Trubel
stehen wir hier ohne dich,
und wo du weg bist,
ist alles erfüllt von dir.
Der Trubel ist stumm, wir sind hier ohne dich. Das (gedoppelte) Paradox: alles ist erfüllt von dir, wo du weg bist.
Wir stehen hier. Und wider Erwarten sind wir damit allein
Übersetzt - in Kurzversion:
Ich bin begeistert. Wenn ein Text so lange wirkt, dann ist er gut. Es geht nicht um eine Zuordnung. Es ist der Inhalt.
Es schlägt noch<3
Liebe Grüße,
ubertas