Flucht über die Nordsee 1: Das Kleid

ahorn

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Das Kleid

Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines Gründerzeithauses. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehen blieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …


»Toni!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer.
Er hasste es, wenn sie ihn so rief. Torben war sein Name, ihre Ignoranz, ärgerte ihn. Er versteckte das Buch unter einer auf seinem Schreibtisch liegenden Mappe.
»Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte die kräftige Frauenstimme.

Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war Stolz darauf, anders zu sein. Gern grenzte er sich von den Mitschülern ab. Den schreienden Jungen, die wild einem Ball hinterherliefen. Ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. Er brauchte sie nicht, nicht die blauen Flecke, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. Mit stechenden Blick wehrte er jeden Spickversuch eines Mädchens ab. Dann umklammerte, schütze, er sein Wissen vor diesen nichtwissenden Eindringlingen.
Meist saß er allein mit erhobenen Kopf, der Genialität, die er besaß, bewusst, lauschte den Ausführungen der Lehrkräfte und half ihm beim Versagen der unfähigen Schüler.
Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm sprachen, egal an welchen Ort, gleichgültig zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Am liebsten las er Kurzgeschichten manchmal Novellen, die er aus Sammlungen kopierte und auf dem Smartphone speicherte. Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war sie zu rezitieren. Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben stand, er wandelte nachts durch Rom, um seine Plädoyers einzustudieren.
Wie dieser geniale Politiker, Anwalt und Philosoph murmelten ihm die Texte, einzig unterbrochen vom Kauen seiner Lieblingsspeise – Streuselkuchen, aus dem Mund. Nur, dass er nicht wandelte sonder schlich.

Er strich sein currygelbes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt auf seinem Schreibtisch zu studieren.
Bärbel betrat den Raum. »Toni!«, zischte sie, stützte ihre Fäuste in die Taille.

Tante Bärbel hatte die Blütezeit ihres Leben überschritten. Die Frau ruhte, ihren Künsten bewusst, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Sie konzentrierte sich auf das Wesentliche und lehnte ab, was sie für Träumereien hielt, hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. Die herrschsüchtigen Ansprüche, gepaart mit ihrer Milde, hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, dennoch mit Seele, um ihre Schlacht zu gewinnen.


»Ja!« Er sengte den Kopf.
Bärbel schritt auf ihren Neffen zu. »Schau mich an, wenn ich mit dir spreche.«
Torben wandte sich ihr zu, sah in ihre Richtung, knetete seine zierlichen Finger.
»Tante du siehst nicht gut aus«, murmelte er, wich ihrem stechenden Blick aus.
Sie drückte ihre faltigen Hände an die Rippen, schwang den Kopf mit verzerrtem Gesicht von einer auf die andere Schulter. Das linke Auge verschlossen, verdrehte sie ihren dürren Hals, strich das kastanienbraune gewellte Haar von den eingefallenen Wangen und klemmte es hinter die Ohren. »Sitzt du mehrere Nächte vor der Nähmaschine«, stöhnte sie, »Ich habe einen krummen Rücken.« Bärbel reckte ihre hageren Arme in die Höhe, verschränkte sie am Genick bis die schlaffe Haut des Oberarms, wie das Tuch einer Fahne flatterte. »Du wolltest mir doch helfen!«
Er schielte zum Schreibtisch, zog seine dünnen Beine überkreuzt unter den Drehstuhl, rieb die Hände. »Ich muss … lernen.«

Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu, zog das Buch unter der Mappe hervor, betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
»Kind«, zürnte sie, schlug auf den Buchdeckel, »kannst du nicht etwas anderes lesen?« Sie warf das Buch auf den Schreibtisch, stemmte die Hände an ihre gepolsterte Taille, atmete tief ein. Wie ein Ballon, dessen Knoten aufspringt, entwich die Luft aus ihren Lungen. »Hanni und Nanni«, lächelte sie und strich über sein curryfarbenes Haar, »hat deiner Schwester gefallen.«
Torben verdrehte die Augen.
»Oder Die drei Fragezeichen, das sind herrliche Krimis.«
Seine schmächtigen Schultern sanken herab und er spitzte die Zunge. »Tante, das ist Kinderkram!«, blies er entgegen.
»Mein Liebling!« Sie drohte mit ihrem knochigen Zeigefinger, pumpte sich abermals auf. »Du bist erst zwölf!«
»Fast dreizehn«, warf er ein.
»Dann lies Liebesroman«, zischte sie und presste ihr breites Kinn auf den faltigen Hals, »da fließt kein Blut und niemanden wird der Kopf abgerissen.«
Torben öffnete Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an. »Benimm dich und komm mit!«

Er erhob sich, folgte ihr mit gesenktem Blick. Kurz vor dem Verlassen des Zimmers zwinkerte er einem Foto zu. Ein Bild von einem Segelboot, auf dessen Deck er mit geschwollener Brust stand.

»Morgen kommt deine Schwester«, sang sie, regte die Arme wie ein Apfelpflücker. »Bis dahin müssen wir unbedingt fertig sein.« Sie blieb stehen, wandte ihm das Gesicht zu. »Wir haben es ihr versprochen.«
Dabei betonte sie das wir in einer Tonlage, als hätte er ein Versprechen abgeben. Er erinnerte sich nicht an eine derartige Beteuerung.

Sie beraten den Raum, in dem die Nähmaschine stand. Sie wies ihn an, seines Jogginganzugs auszuziehen.
»Muss das sein!«, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme vor ihrer ausladenden Brust.
Sie schloss ihre opalgrünen Augen und lies ihre schmalen Lippen hängen. »Stell dich nicht an. In unserer Wohnung beobachten dich niemand und außerdem …«.
Torben sackte zusammen »… kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.«
Sie erhob ihre schlankgliedrig, faltige Hand. »Werd nicht frech!«, zürnte sie. »Sei still! Stell dich bitte dort drauf und zappel nicht.«
Er stellte sich auf die Kiste. Sie streifte ihm einen schweren seidig-glänzenden Rock über die zierlichen Beine. Er faste an den Bund. Sie ergriff das zugehörige Oberteil, zog es Torben über den Kopf, befestigte es mit Stecknadeln am Unterteil.
»Na, mein Schatz hat es wehgetan«, grinste sie und betrachtete ihr Werk. »Meine Tanja wird begeistert sein!«

Das Brautkleid war für seine Schwester. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging. Was sie nach ihren Lehrjahren unternommen hatte, gab sie nicht preis. Sie erzählte nie von früher. Weil damals die Welt in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Elend war oder der Autounfall, bei den die Eltern kurz nach seiner Geburt starben. Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft von ihm. Sie hatte keine eigenen Kinder.

»Bleib zu Hause«, befahl sie und befreite ihm von dem Kleid. »Ich brauch später erneut deine Hilfe!«, bat sie.
Er quittierte mit einem Kopfnicken, die Nähmaschine ratterte und er entschwand in seinem Zimmer.

Es wurde früher Nachmittag. Er erneut versunken in dem Krimi.
»Toni! Toni!«, donnerte es mehrmals.
Er legte das Buch zur Seite, stand auf, trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß die Augen geschlossen, den Oberkörper gebeugt mit hängenden Armen vor ihrer Nähmaschine. Das schneeweiße Brautkleid lag auf ihren Schoß.
»Dann lass uns sehen, ob ich mich nicht vernäht habe«, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich - ohne zu murren.
Bärbel hielt ihm das Werk über den Kopf. Er schlüpfte in das weiße, glänzende Brautkleid. Sie umkreiste ihn mit prüfenden Blick. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss.
»Hallo! Hallo! Wo seit ihr?«, erklang eine Frauenstimme aus dem Flur.
»Im Arbeitszimmer!«, antwortete Bärbel.
Die Zimmertür flog auf, eine Frau in einem knappen Minikleid hüpfte herein.
»Tanja!«, rief Torben.
Er wollte zu ihr, verfing sich im Kleid, mehr noch er fiel seiner Tante in die Arme.
»Kannst du nicht aufpassen!«, harschte Bärbel ihn an. »Bleib einfach nur stehen!«
Die Tante half ihm auf die Kiste. Seine Schwester warf ihm ein knappes hallo Torben entgegen.
Von ihr hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, Dankeschön Bruder, dass du dich opferst oder ähnlich.

Tanja die dritte im Bunde war eine Frau, die das Leben liebte, dieses zeigte. Prinzipien waren ihr fremd. Jeden Tag genoss sie, als würde es ihr Letzter sein. Ein Wink des Schicksals sie in den Abgrund trieb, alles das Nehmen, was sie besaß.
Ihre Launigkeit bereitete ihn oft angst. In einem Moment kabbelten sie, wie gleichaltrige Geschwister. Dann benahm sie sich ihrem Bruder gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Manchmal, ignorierte sie ihn.

Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.

Er hatte kein Problem damit, für die Tante, als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Ein Brautkleid trug er das erste Mal. Für Kinder und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.

Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Die Nichte umarmte ihre Tante, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Woraufhin Bärbel ihre Hand ergriff. »Tanja, du schon hier?«, fragte sie.
»Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen.« Sie wedelte mit ihren langen Fingern vor dem Gesicht. »Der Nächste nach Bremen ist erst Montag«, sie kratzte sich an der Nase. »Dreimal umsteigen wollte ich nicht.«
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand.
»Schau, ich bin fertig geworden.« Bärbel strich über das Kleid. »Wie gefällt es dir?«
Tanja betrachtete das Werk mit leuchtenden Augen.
»Super! Wunderschön!« Sie betastete die winzigen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides. »Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.« Sie tupfte eine Träne vom Lid.

Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Dank zu bekommen, sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand, zog ihre Nichte gen Zimmertür. »Tanja, du hast bestimmt keinen Bissen zu dir genommen!«, ermahnte sie und legte den Arm um ihre Taille.

Die beiden Damen verschwanden aus dem Zimmer, jede eine Flasche Sekt in der Hand. Sie ließen ihn im Hochzeitskleid zurück.
Gleich einer Modepuppe, deren einziger Sinn darin besteht, die angepriesene Ware zu präsentieren, bis der letzte Kunde das Warenhaus verließ. In Sehnsucht auf das Öffnen der Pforten am nächsten Morgen, damit unzählige Kundinnen ihre Kleidung vergötterten, hoffte auf eine Person, die ihren Schmerz wahrnahm.



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jon

Foren-Redakteur
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Das Buchzitat ist ein echtes, oder? Wie ich darauf komme? Es ist zwar stilistisch in seiner Schwülstigkeit kaum erträglich, aber weitestgehend fehlerfrei – was man beides von dem anschließenden Teil nicht sagen kann. Wenn es aus einem echten Buch ist, könntest du Probleme bekommen mit dem Abschreiben einer so lange Passage (und das auch noch ohne Angabe der Quelle).

Davon abgesehen: Bei dem sanften (konfliktfreien) Einstieg ins Buch finde ich es eine gute Lösung, so eine Spannung erzeugende Passage voran zu setzen und sie motivisch (Nähen, altes Haus) mit dem Anschließenden zu verknüpfen. Mir gefällt auch die Figurenführung in dem Abschnitt hier (die Re/Aktionen wirken weitgehend natürlich), auch wenn die (emotionale) Nähe fehlt, so dass die Figuren ein bisschen blutleer wirken.

Stilistisch und in Sachen Rechtschreibung und Grammatik ist da noch einiges zu tun. Nicht, dass der Stil grundsätzlich nicht ginge, wirklich nicht, aber im Detail wirkt es oft unbeholfen, verdreht oder ein bisschen hölzern. Doch das ist am Ende ob der Menge der Details eher eine Fleißarbeit, es läuft wohl weniger auf ein grundsätzliches Umbauen des Stils hinaus.

So, und nun die Details:

Im Buchzitat schreib ich mal fast nicht rum, die nur schwer erträgliche Überzeichnung und Überladung ist ja „nicht dein Text“. Nur: Schau mal, ob du die Kommas richtig abgeschrieben hast! Und:

Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte ihm keine Schmerzen zufügen.
… wer will schon Orten Schmerzen zufügen?!

Der Plan, der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Das Komma hinter „Plan“ ist zu viel.

Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack, erklang es wieder.
Das Komma hinter dem letzte „tack“ ist zu viel.

Der Leichensack ist fertig, dachte er, mit zitternder Hand. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbei schleichen und ihm ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Er denkt mit zitternder Hand? Na von mir aus. Wichtiger: „und ihrem Neffen“ nicht „und ihm ihren Neffen“

Sie öffnete, die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt, gleichzeitig mit ihrem Mund flehend.
Komma hinter „öffnete“ ist zu viel.
„gleichzeitig mit ihrem Mund flehend“ – ?? Stilistischer und inhaltlicher Quark.

Torben versteckte sein Buch unter einer Mappe, die auf seinem Schreibtisch lag.
Unschöne Dopplung von „sein“ schon im ersten Satz. Ist es wichtig, dass das Buch Torben gehört und er es sich nicht nur geliehen hat? Wenn nicht: „das Buch“ statt „sein Buch“.

„Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?“, flehte Bärbel, weiter den Raum betretend.
Das geht gar nicht: Weder dass sie die Worte „fleht“ (die Ausrufe-Teile am Anfang passen einfach nicht dazu, auch inhaltlich ergibt es keinen Sinn), noch dass sie dem Raum „weiter betritt“ (es ist haargenau ein Schritt, vielleicht noch ein Doppelschritt, mit dem man einen Raum betritt, wenn man dann weitergeht, hat man den Raum schon betreten).

Der Junge strich sein blondes Haar zurück und tat, als würde er das Arbeitsblatt studieren. Dann schwang er auf seinen Stuhl herum und betrachtete seine Tante.
„Tante du siehst gar nicht gut aus.“
Unschöne Dopplung von „sein“ und Grammatik-Fehler („schwang auf seineM Stuhl herum“ und Komma fehlt in der Rede nach „Tante“). Die wörtliche Rede würde ich ankoppeln
Inhaltlich stolpere ich ein bisschen darüber, dass er sie betrachtet – das erscheint mit keine passende Reaktion von einem Teenager in der dieser Situation. Ich weiß: Das läutet die Passage ein, in der du erklärst, dass die Tante näht. Aber Figuren ohne Rücksicht auf die Glaubwürdigkeit etwas tun oder sagen zu lassen, nur um eine bestimmte Sache sagen/zeigen zu können, macht die Figuren zu Pappkameraden, zu reinen Marionetten. Hier ist das noch nicht sooooo schlimm, aber du musst aufpassen, dass du dir das nicht angewöhnst.
Ich würde keinen Absatz zwischen Blick und Rede machen.

„Kind, sitzt du die ganze Nacht vor einer Nähmaschine. Ich habe ein ganz krummen Rücken.“
Tippfehler. Und: Hier empfinde ich, dass ein „mal“ und ein „schon“ fehlen: „Kind, sitz du mal die ganze Nacht vor einer Nähmaschine. Ich habe schon einen …“

Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu. Dann zog sie die Lektüre hervor und betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
Schön: Sie marschiert, das zeigt Resolutheit.
„Die Lektüre“? Ach so! Du meinst das Buch! Denn eigentlich ist ja das Aufgabenblatt eher sichtbar.
Schöner, runder klänge: „Dann zog sie das Buch unter der Mappe hervor …“ – zum einen muss man nicht raten, was mit „Lektüre“ gemeint ist, und zweitens ist besser zu sehen, wo sie es hervorzieht.

„Torben, kannst du nicht etwas anderes lesen. Hanni und Nanni hat deiner Schwester immer gut gefallen.“
Fragezeichen hinter „lesen“.
Echt? Die schlägt einem Jungen „Hanni und Nanni“ vor? Wie ist die denn drauf? ;)

Torben verdrehte seine Augen.
Ja wessen auch sonst? ;) („Torben verdrehte die Augen.“)

„Oder die drei Fragezeichen, das sind auch Krimis.“
Hier bin ich jetzt nicht sicher, ob es „Die drei Fragezeichen“ oder „die Drei Fragezeichen“ heißen müsste. Vielleicht kannst du da mal recherchieren.

„Torben mein Liebling, du bist auch erst zwölf!“
Komma nach „Torben“ fehlt.

„Dann ließ Liebesroman, da fließt jedenfalls kein Blut.“
„lies“ (von „lesen“, nicht von „lassen“)
„Liebesromane“

Ihr Neffe öffnete seinen Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Ja wessen Mund auch sonst?
„Der Neffe“ empfand ich als umständlich, als hölzern. Warum nicht „Torben“ oder einfach „er“?

Bärbel stupste seinen Hinterkopf an.
„Benimm dich und komm mit!“
Keinen Absatz dazwischen machen.

Dann schlürfte er ihr hinterher, während sie weiterhin auf ihn einredete.
„schlurfte“ (Man kann Suppe vom Löffel oder Tee aus einer Tasse schlürfen.)

Torben konnte sich an eine derartige Beteuerung nicht erinnern und was gingen ihm ihre Zusagen an.
„gingen ihn“
Das geht ins Leere, dieses „Was geht mich das an?“ führt zu keiner Reaktion – Torben tut und fühlt, was er auch ohne diesen Gedanken tun und fühlen würde: Er gehorcht kommentarlos.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzug zu entledigen.
„ihren Neffen“, „seines Jogginganzugs“
… und Torben macht es ohne zu Murren oder irgendeine andere Reaktion. Brav!

In einem sanften mütterlichen Tonfall erklärte die Tante dem Jungen, was sie noch zu erledigen hatte.
„Torben soweit bin ich fertig, ich muss nur noch den Rockteil des Kleides an das Oberteil nähen. Dafür brauche ich unbedingt deine Mithilfe.“
Das ist doppelt gemoppelt: Erst sagst du, was sie sagt, dann lässt du uns hören, dass sie das sagt.
Kein Absatz!
Komma nach „Torben“

Sie half Torben das Oberteil anzuziehen. Der Junge musste ein wenig seinen Bauch einziehen, als die Frau den Reißverschluss auf seinem Rücken schloss. Der seidige Stoff legte sich eng an seine Haut.
Komma nach „Torben“
Mehrfach „sein“ – das bei Bauch ist entbehrlich.
Inhalt: Der Knabe ist 12, also ein Spacko sozusagen (das sehe ich zumindest bei „12“ und von was anderem ist nicht die Rede). Wie winzig ist denn bitte die Schwester, dass sich ein Kleid für sie seinem Körper anschmiegt? Sogar im Brustbereich!

Die Frau zeigte auf ein paar dunkelbraune Sandaletten.
„Torben. Zieh bitte die Schuhe an und stell dich dann auf die flache Kiste!“
Kein Absatz!
Die Schwester hat also nicht nur einen so schmalen Körper wie ein 12-jähriger Knabe, sondern auch so große Füße. Oder hat Torben den gepolsterten Körper einer 20-jährigen (?) jungen Frau und so zierliche Füße? Na gut …

Seine Tante hielt ihn dabei ein wenig fest. Das Brautkleid sollte für seine Schwester sein. Er wusste, warum er dieses tat, da sie zu dieser Zeit einen halben Kopf länger als Torben war und zu ihrer Hochzeit hochhackige Schuhe tragen würde. Glücklicherweise überstand er die Prozedur nach kurzer Zeit. Tante Bärbel fixierte den Rock flink mit Stecknadeln an das Oberteil.
Hier stimmt jetzt die Logikabfolge nicht. Dass er was tat? Was hat „die Schwester ist länger“ mit „Bärbel half Torben“ zu tun?? Der Satz mit der Prozedur klingt falsch – auf eine Kiste und/oder in Schuhe zu steigen ist keine „Prozedur“ und die vier, fünf Sekunden, die das dauert, als „kurze Zeit“ zu bezeichnen, wirkt wie eine maßlose Übertreibung.
„an dem Oberteil“ fixieren (wo fixieren?)

Handarbeit war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt.
„Handarbeiten waren“
„Handarbeit“ ist kein Beruf.

Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte und Freunde schuftete.
„von den vielen“
Das „schuftete“ klingt, als täte sie es unter Zwang und würde dabei schrecklich leiden.
Aha, für die Familie hatte sie also bislang noch nichts genäht. Warum nicht?

Nach der Lehre hat sie noch eine Ausbildung als Verwaltungskaufmann angeschlossen. Im öffentlichen Dienst wurde besser bezahlt und eine Kündigung musste sie nicht befürchten. Seit dieser Zeit führte sie ihre Tätigkeit im Ordnungsamt von Bremen aus.
Nicht perfekt angebunden – die Lehre ist schon 3 Teilsätze her.
„hatte angeschlossen“ – klingt aber sowieso eher amtlich-steif als erzählend. Auch „führte sie ihre Tätigkeit aus“ ist Amtsdeutsch.
Logikfluss stimmt nicht: „Verwaltungskaufmann zu lernen“ ist eines, was im öffentlichen Dienst gilt, hat damit nichts zu tun. (Nicht jeder, der im öffentlichen Dienst arbeitet, ist automatisch Beamter und genießt damit Kündigungsschutz.) Und: Seit welcher Zeit?
Kurz und gut: Dieser Abschnitt sinkt von handwerklichen Niveau her deutlich unter die Passagen davor.

Unglück hatte die Familie vor zwölf Jahren genug gehabt.
… und das Niveau bleibt unten: Zu abrupter, zu harter Sprung zu „Unglück“ und worauf bezieht sich „genug“?

Damals verstarben die Eltern von Torben und seiner Schwester bei einem tragischen Autounfall.
„verstarben“ ist Amtsdeutsch
Gibt es auch nicht-tragische Autounfälle, bei denen jemand stirbt? Was ist an diesem so tragisch gewesen?

Tante Bärbel[red]KOMMA[/red] die kleine Schwester von Torbens Mutter[red]KOMMA[/red] übernahm daraufhin die Pflegschaft der Geschwister.
Zu umgangssprachlich in diesem Stil-Kontext, gemeint ist sicher „die jüngere Schwester“.

Sie hatte keine eigenen Kinder. Die Eltern der Waisen hatten vor dem Unfall die Wohnung, in der sie lebten, zusammen mit Bärbel erworben. Platz bestand genug. Immerhin besaß die Wohnung vier geräumige Zimmer, zwei Bäder eine riesige Küche und noch einen großen Salon. Der Salon wurde seit Jahren nur selten benutzt. Torben wollte den Raum immer als sein Zimmer nutzen, aber die Heizkosten waren seiner Tante einfach zu hoch.
Das wirkt irgendwie nicht rund, nicht geschmeidig.
Unschöne Dopplung „nutzen“
Platz besteht nicht, es gibt ihn.

Nicht, dass er seiner Schwester das gute Stück nicht gönnte, aber sie hätte sich ein Neues kaufen können.
„ein neues“

„Torben bleibst du bitte noch zu Hause. Ich brauche nachher nochmal kurz deine Hilfe.“
Komma nach „Torben“, Fragezeichen statt Punkt nach „Hause“.

Der mit einem kurzen ›ja‹ quittierte und wieder in seinem Zimmer entschwand.
Geht so nicht, der Bezug für „Der“ fehlt, so dass sich dieser Nebensatz nicht einfach so (ohne Hauptsatz) in die Landschaft stellen lässt. Und: Einheitliche Zeichen benutzen! Entweder deutsche oder französische (halbe) Anführungszeichen.

Er wurde früher Nachmittag.
„Es wurde …“

Torben hatte sich gerade wieder über sein Buch gebeugt, nachdem er seiner Tante eine Suppe in ihr Nähzimmer gebracht hatte. Da schallte es wieder durch die hohen Zimmer.
Zeitlich nicht perfekt sortiert: Man springt beim Lesen von jetzt (Torben liest) zurück (Suppe gebracht) und sofort wieder zu jetzt (Torben liest und die Tante ruft). Das ist jetzt kein großer Stolperstein, aber vielleicht kannst du dieses Thema mal im Hinterkopf behalten.
Außerdem: Nicht mit Punkt trennen, sondern „… gebracht hatte, da schallte …“

„Dann lass uns mal sehen, ob ich alles richtig gemacht habe.“
Ich muss mal schon wieder drauf kommen: Bärbel benutzt Torben also nicht einfach als Schneiderpuppe, um die Arbeit zu erleichtern, er ist tatsächlich genauso gebaut wie seine Schwerster (auch um die Hüfte rum), so dass er als „Prüfobjekt“ dienen kann? Dann müsste er auch die selbe Länge wie seine Schwester haben oder einen in Verhältnis zu seiner Größe zu langen Oberkörper. Mich würde ja schon beruhigen, wenn irgendwo ersichtlich wäre, dass ihm das Kleid nicht wirklich passt …

Sie übergab Torben das Kleid, der sich bis auf seine Unterhose entkleidet hatte. Er wollte gerade hineinschlüpfen, da bremste ihn seine Tante.
Stolperer im Zeitablauf, der führt zu einer kleinen Bezugsverwerfung: Wieso will er in seine Unterhose schlüpfen, die hat er doch schon an?

„Torben nicht so schnell du musst erst den Unterrock anziehen!“. Torben legte das Brautkleid vorsichtig über eine Stuhllehne, dann schlürfte er in den Unterrock.
Absatz nach der Rede.
Du meinst sicher „dann schlüpfte er in den Unterrock“. Das ergibt eine unschöne Dopplung von „schlüpfen“
Punkt nach Rede zu viel
Kommas nach „Torben“ und „schnell“ (in der Rede) fehlen

Danach hielt sie ihr Werk über seinen Kopf, sodass er kopfüber das weiße, glänzende Brautkleid über seinen Körper legen konnte.
Der Versuch, hier ein „schlüpfen“ zu sparen, führt zu einem Semantikfehler: Man kann nicht „etwas kopfüber über seinen Körper legen“.

Mit prüfendem Blick umkreiste die Tante ihren Neffen. Jede einzelne Naht wurde überprüft.
Dopplung „prüfen“.

Die schwere Haustür fiel ins Schloss und eine weiche Frauenstimme durchdrang den Flur.
Zu überladen im Stil-Kontext.
Eine weiche(!) Stimme durchdringt(!) den Flur? Die Bilder sind widersprüchlich.
Moment mal! Das hier ergibt nur Sinn, wenn die Haustür sofort in den Flur führt, es also der Hausflur ist. Der Ankömmling würde aber erst im Wohnungsflur rufen, ergo sind Haus- und Wohnungsflur identisch, ergo haben Torbens Eltern und seine Tante damals nicht (wie oben behauptet) eine Wohnung gekauft, sondern ein Haus.

„Hallo! Hallo! Wo seit ihr?“, hörte man.
Wer hörte das?

„Im Arbeitszimmer!“, antwortete Bärbel der Stimme.
Nein, sie antwortet dem Ankömmling.

„Tanja!“, rief Torben.
Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür zum Zimmer.
Er ruft schon, bevor sie eintritt? Tut aber sonst nichts – kein Strahlen im Blick, kein Versuch, von der Kiste zu steigen und zu Tanja zu laufen, nichtmal ein Lächeln oder Strinrunzeln oder was auch immer ihn sein Gefühl (was für eines??) tun lassen könnte? Merkwürdig.

Bärbel schien erstaunt über das Erscheinen ihrer Nichte.
„Tanja, du schon hier?“
Absatz weg!
Doppelt gemoppelt: Erst sagst du, dass sie erstaunt ist, dann lässt du es uns hören.
Wem scheint es so?

„Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen. Der Nächste nach Hamburg ist erst Montag und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.“
„der nächste“

Tanja stellte zwei Flaschen Sekt, die sie in den Händen hielt auf den rechts neben ihr stehenden Nähtisch ab.
Komma nach „hielt“ fehlt.
Der Nebensatz (die sie in den Händen hielt) ist überflüssig: Ja was denn sonst? Okay, sie könnte sie noch herzaubern …

Bärbel strich über das Kleid, welches sie ihrem Neffen angezogen hatte.
Dass sie es ihm angezogen hatte, ist nun schon ein paar Sätze her. „Brautkleid“ schreiben und Nebensatz streichen!

„Schau Tanja, ich bin gerade fertig geworden. Wie gefällt es dir?“
Die Augen ihrer Nichte leuchteten, als sie ihr die Arbeit betrachtete.
„Super Bärbel! Wunderschön!“
Kommas nach „Schau“ und „Super“
„ihr die“??
Sie redet sie nicht mit „Tante Bärbel“ an? Na okay.

Torbens Schwester betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides.
Wir wissen schon, dass sie Tanja heißt, du kannst sie also getrost so nennen; das wäre geschmeidiger.

„Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast, Bärbel.“
Diese Manie, alle Nase lang den anderen beim Namen zu nennen, wirkt eher wohlwollend-herablassend oder gekünstelt verbindlich. Deshalb stört es z. B. nicht, dass die Tante Torben ständig mit Namen anredet, sie hält ihn offenbar noch für ein kleines Kind.0

Die Tante ergriff Tanjas Hand und zog sie in Richtung der Zimmertür.
… die Hand? ;)

„Tanja, du hast bestimmt noch nichts gegessen!“
Auch hier: Nicht schon wieder den Namen sagen lassen!
Das gehört ohne Absatz an den Satz davor.

Die beiden Frauen verließen das Zimmer und ließen den Jungen im Brautkleid allein zurück.
Kicher. Hier wäre jetzt noch eine Reaktion von Torben schön, damit es nicht so sehr nach kühlem Bericht, sondern mehr nach anheimelnder Erzählung klingt und man einen besseren Kontakt zur Figur bekommt.
Letzteres ist generell noch ausbaubar. Wenn du in das Beobachtbare, das du uns zeigst, noch etwas mehr Mimik, Gestik und andere persönliche Details (Emotionen) der Figuren bringen könntest, würden diese lebendiger wirken und man könnte sie eher als Personen (und nicht nur als Textaufsager und Handlungsabspuler) empfinden.
 
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ahorn

Mitglied
Hallo jon,
danke für deinen konstruktiven Kommentar.
Zu meiner Einleitung:
Es handelt sich nicht um ein Zitat. Nachdem ich ein paar Tipps gelesen hatte, habe ich meine erste Einleitung geändert - der Spannung wegen.
Dabei bin ich meinem Bauchgefühl nachgegangen ohne auf den Stil zu achten.
Warum auch? Der Leser soll denken, es sei aus einem anderen Buch.

Deine weiteren Anmerkungen werde ich gerne berücksichtigen und mit diesen Erkenntnissen meine weiteren Kapitel überarbeiten.

Wobei ich zugeben muss, dass ein Teil der Bemerkungen nicht nötig gewesen wären, wenn ich an diesen Stellen den Text nicht abgeändert hätte.

Mit Dank
Ahorn
 

ahorn

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Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines alten Gründerzeithauses, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der noch schwachen Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehenblieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme ….


„Torben!“
Torben versteckte das Buch unter einer Mappe, die auf seinem Schreibtisch lag.
„Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?“
Er strich sein blondes Haar zurück und tat, als würde er das Arbeitsblatt studieren.
Sie stemmte ihre Fäuste an die Taille.
„Torben!“
„Ja. Tante Bärbel“, seinen Kopf senkend.
„Schau mich an, wenn ich mit dir spreche“, dabei einen Schritt auf ihn zugehend.
Torben wandte sich seiner Tante zu, knetete die Finger und sah in ihre Richtung.
„Tante du siehst gar nicht gut aus“, ihrem stechenden Blick ausweichend, als hätte er ein Geheimnis, welches sie nicht erfahren sollte.
„Kind, sitzt du mal die ganze Nacht vor einer Nähmaschine. Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.“
Er schielte über seine Schulter.
„Torben, du wolltest mir doch helfen!“
„Ich muss noch … lernen.“
Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu. Dann zog sie das Buch unter der Mappe hervor und betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
„Torben, kannst du nicht etwas anderes lesen? Hanni und Nanni hat deiner Schwester immer gut gefallen.“
Torben verdrehte die Augen.
„Oder Die drei Fragezeichen, das sind auch Krimis.“
„Tante, das ist Kinderkram!“
„Torben, mein Liebling, du bist auch erst zwölf!“
„Fast dreizehn“, warf er ein.
„Dann lies Liebesroman, da fließt jedenfalls kein Blut.“
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an „Benimm dich und komm mit!“
Mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck gab er sein Einverständnis. Dann stand er und folgte ihr mit gesenktem Blick, während sie weiterhin auf ihn einredete.
„Morgen kommt deine Schwester und bis dahin müssen wir fertig sein. Wir haben es ihr versprochen.“
Torben konnte sich an eine derartige Beteuerung nicht erinnern.
In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzug zu entledigen.
„Muss das sein!“, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme und schloss die Augen.
„Stell dich nicht so an. Es sieht dich niemand und außerdem …“
Torben sackte zusammen „… Kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.“
Sie erhob ihre Hand.
„Werde nicht frech!“
Dann erklärte Bärbel, was sie noch zu erledigen hatte.
Er stellte sich auf eine Kiste und sie steifte ihm einen schweren, seidig-glänzenden Rock über die Beine, den Torben mit beiden Händen festhielt. Danach zog sie ihm ein Oberteil an, welches sie mit Stecknadeln am Rock befestigte.
„Hat doch gar nicht wehgetan“, grinste Bärbel.
Bärbel betrachtete ihr Werk.
„Deine Schwester wird begeistert sein!“

Das Brautkleid sollte für seine Schwester sein. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging.

Was sie nach ihrer Ausbildung gemacht hat, wusste Torben nicht. Seine Tante erzählte nie viel von früher. Nur das Damals die Welt noch in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Unglück war oder der Autounfall bei den seine Eltern starben. Damals kurz nach seiner Geburt.
Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft für Torben. Sie hatte keine eigenen Kinder. Die Eltern der Waisen hatten vor dem Unfall die Wohnung, in der sie lebten, zusammen mit Bärbel erworben.
Seine Eltern und Bärbel hatten geplant gemeinsam einzuziehen. Lange nach einer großen Wohnung gesucht, die nahe am Zentrum und zugleich sich in der Nähe des Bürgerparks befand.

Torben schnaufte durch, als er endlich das Kleid wieder ausziehen konnte. Warum musste seine Schwester unbedingt das Brautkleid ihrer Mutter bei ihrer Hochzeit tragen? Nicht, dass er seiner Schwester das gute Stück nicht gönnte, aber sie hätte sich ein neues kaufen können. Dann hätte seine Tante keine Arbeit gehabt.
„Torben, bleibst du bitte noch zu Hause? Ich brauche nachher nochmal kurz deine Hilfe.“
Er quittierte mit einem Kopfnicken und entschwand in seinem Zimmer. Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Torben versunken in seinem Krimi, erschrak, als er Bärbels Stimme vernahm.
„Torben, Torben!“
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das weiße Brautkleid auf ihren Schoß.
„Dann lass uns mal sehen, ob ich mich nicht vernäht habe“, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf, sodass er in das weiße, glänzende Brautkleid schlüpfen konnte. Mit prüfendem Blick umkreiste die Tante ihren Neffen. Jede einzelne Naht von ihr auf Perfektion kontrolliert.
Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss und eine Frauenstimme durchdrang den Flur.
„Hallo! Hallo! Wo seit ihr?“
„Im Arbeitszimmer!“, antwortete Bärbel.
„Tanja!“, rief Torben, als seine Schwester den Raum betrat.
Torben wollte zu ihr, verfing sich im Kleid und fiel in die Arme seiner Tante.
„Kannst du nicht aufpassen! Bleib einfach nur stehen!“
Bärbel half Torben auf seine Kiste, während seine Schwester im ein knappes hallo Torben entgegenwarf.
Er hatte kein Problem damit, für seine Tante als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder- und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Manchmal machte es ihm sogar Spaß. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock ihr posierte. Von seiner Schwester hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben. Ein Dankeschön hätte ihm gereicht.
Oft verstand er sie nicht. In einem Moment kabbelte sie mit ihm, als wäre sie fast gleich alt. Dann benahm sie sich ihm gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Und manchmal, ignorierte sie ihn einfach.

Tanja umarmte Bärbel und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Tanja, du schon hier?“
„Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen. Der nächste nach Hamburg ist erst Montag und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.“
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf den rechts neben ihr stehenden Nähtisch ab, während
Bärbel über das Kleid strich.
„Schau, ich bin gerade fertig geworden. Wie gefällt es dir?“
Die Augen ihrer Nichte leuchteten, als sie ihr die Arbeit betrachtete.
„Super, Bärbel! Wunderschön!“
Torbens Schwester betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides.
„Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.“
Er hoffte, in diesem Augenblick an dem sie ihm berührte, eine Spur von Dankbarkeit zu bekommen aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand und zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
„Tanja, du hast bestimmt noch nichts gegessen!“
Die beiden Frauen verließen das Zimmer und ließen den Jungen im Brautkleid allein zurück. Den Sekt hatten sie nicht vergessen.
 
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Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines alten Gründerzeithauses, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der noch schwachen Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehenblieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …


„Torben!“
Torben versteckte das Buch unter einer Mappe, die auf seinem Schreibtisch lag.
„Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?“
Er strich sein blondes Haar zurück und tat, als würde er das Arbeitsblatt studieren.
Sie stemmte ihre Fäuste in die Taille.
„Torben!“
„Ja. Tante Bärbel“, seinen Kopf senkend.
„Schau mich an, wenn ich mit dir spreche“, dabei einen Schritt auf ihn zugehend.
Torben wandte sich seiner Tante zu, knetete die Finger und sah in ihre Richtung.
„Tante du siehst gar nicht gut aus“, ihrem stechenden Blick ausweichend, als hätte er ein Geheimnis, welches sie nicht erfahren sollte.
„Kind, sitzt du mal die ganze Nacht vor der Nähmaschine. Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.“
Er schielte über seine Schulter.
„Torben, du wolltest mir doch helfen!“
„Ich muss noch … lernen.“
Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu. Dann zog sie das Buch unter der Mappe hervor und betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
„Torben, kannst du nicht etwas anderes lesen? Hanni und Nanni hat deiner Schwester immer gut gefallen.“
Torben verdrehte die Augen.
„Oder Die drei Fragezeichen, das sind auch Krimis.“
„Tante, das ist Kinderkram!“
„Torben, mein Liebling, du bist auch erst zwölf!“
„Fast dreizehn“, warf er ein.
„Dann lies Liebesroman, da fließt jedenfalls kein Blut.“
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an „Benimm dich und komm mit!“
Mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck gab er sein Einverständnis. Dann stand er auf und folgte ihr mit gesenktem Blick, während sie weiterhin auf ihn einredete.
„Morgen kommt deine Schwester und bis dahin müssen wir fertig sein. Wir haben es ihr versprochen.“
Torben konnte sich an eine derartige Beteuerung nicht erinnern.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzugs zu entledigen.
„Muss das sein!“, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme und schloss die Augen.
„Stell dich nicht so an. Es sieht dich niemand und außerdem …“
Torben sackte zusammen „… Kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.“
Sie erhob ihre Hand.
„Werde nicht frech!“
Dann erklärte Bärbel, was sie noch zu erledigen hatten.
Er stellte sich auf eine Kiste und sie streifte ihm einen schweren, seidig-glänzenden Rock über die Beine, den Torben mit beiden Händen festhielt. Danach zog sie ihm ein Oberteil an, welches sie mit Stecknadeln am Rock befestigte.
„Hat doch gar nicht wehgetan“, grinste Bärbel.
Bärbel betrachtete ihr Werk.
„Tanja wird begeistert sein!“

Das Brautkleid war für seine Schwester bestimmt. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging.

Was sie nach ihrer Ausbildung gemacht hat, wusste Torben nicht. Seine Tante erzählte nie viel von früher. Nur das damals die Welt noch in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Unglück war oder der Autounfall, bei den seine Eltern kurz nach seiner Geburt starben.
Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft für Torben. Sie hatte keine eigenen Kinder. Die Eltern des Waisen hatten vor dem Unfall die Wohnung, in der sie lebten, zusammen mit Bärbel erworben.
Seine Eltern und Bärbel hatten geplant, gemeinsam einzuziehen. Sie hatten lange nach einer großen Wohnung gesucht, die sowohl nahe am Zentrum und in der Nähe des Bürgerparks war.

Torben schnaufte durch, als er endlich das Kleid wieder ausziehen konnte. Warum musste seine Schwester unbedingt das Brautkleid ihrer Mutter bei ihrer Hochzeit tragen? Nicht, dass er seiner Schwester das gute Stück nicht gönnte, aber sie hätte sich ein neues kaufen können. Dann hätte seine Tante keine Arbeit gehabt.
„Torben, bleibst du bitte noch zu Hause? Ich brauche nachher nochmal kurz deine Hilfe.“
Er quittierte mit einem Kopfnicken und entschwand in seinem Zimmer. Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Torben versunken in seinem Krimi, erschrak, als er Bärbels Stimme vernahm.
„Torben, Torben!“
Torben legte das Buch zur Seite, stand auf und trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das weiße Brautkleid auf ihren Schoß.
„Dann lass uns mal sehen, ob ich mich nicht vernäht habe“, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf, sodass er in das weiße, glänzende Brautkleid schlüpfen konnte. Mit prüfendem Blick umkreiste die Tante ihren Neffen. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss und eine Frauenstimme durchdrang den Flur.
„Hallo! Hallo! Wo seit ihr?“
„Im Arbeitszimmer!“, antwortete Bärbel.
„Tanja!“, rief Torben, als seine Schwester den Raum betrat.
Torben wollte zu ihr, verfing sich im Kleid und fiel in die Arme seiner Tante.
„Kannst du nicht aufpassen! Bleib einfach nur stehen!“
Bärbel half Torben auf seine Kiste, während seine Schwester ihm ein knappes hallo Torben entgegenwarf. Von seiner Schwester hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, vielleicht Dankeschön lieber Bruder, dass du dich opferst oder so ähnlich.
Ihre Launigkeit machte ihn manchmal angst. In einem Moment kabbelte sie mit ihm, als wären sie gleichaltrig. Dann benahm sie sich ihm gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Und manchmal, ignorierte sie ihn einfach.
Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.
Er hatte kein Problem damit, für seine Tante als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder- und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Manchmal machte es ihm sogar Spaß. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.
Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Tanja umarmte Bärbel und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Tanja, du schon hier?“
„Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen. Der nächste nach Hamburg ist erst Montag und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.“
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand, während Bärbel über das Kleid strich.
„Schau, ich bin gerade fertig geworden. Wie gefällt es dir?“
Die Augen ihrer Nichte leuchteten, als sie ihr die Arbeit betrachtete.
„Super, Bärbel! Wunderschön!“
Torbens Schwester betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides.
„Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.“
Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Erkenntlichkeit zu bekommen aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand und zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
„Tanja, du hast bestimmt noch nichts gegessen!“

Die beiden Frauen verließen das Zimmer und ließen den Jungen im Brautkleid allein zurück.
Jede eine Flasche Sekt in der Hand.
 
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jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ahorn,

ich hab inzwischen die Stelle gefunden, wo du den Text schonmal zu Betalesen eingestellt hast. Stimmt, einiges von dem, was mir auffiel, kam wegen der dortigen Anmerkungen in den Text. Schreiben ist schon nicht ohne, überarbeiten aber erst recht nicht. Ich denke, du wirst mit der Zeit genug Gespür auch dafür bekommen - man muss nicht alles ausbessern, vor allem nicht, wenn die Lösungen unrunder klingen als die „Fehler“. (Bei echten Fehlern wie Rechtschreibung & Co. sollte man es natürlich schon tun, wenn man nicht sehr gute Gründe hat, es zu lassen.)

Den Stil des „Buchzitates" würde ich auch so lassen – wenn Torben solche Schmöker gern liest, dann sagt das ja was über ihn aus. Mir gefallen auch die Ergänzungen, die Torben (und den anderen) mehr Leben einhauchen. Bitte beachte, dass du dich durch diese Anpassung auf einen personellen Erzählstil festlegst!


Was die Änderungen angeht: Auch beim Einarbeiten meiner Anmerkungen sind dir Verschlimmbesserungen unterlaufen. Dort zum Beispiel:
„Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?“
Er strich sein blondes Haar zurück und tat, als würde er das Arbeitsblatt studieren.
Sie stemmte ihre Fäuste in die Taille.
„Torben!“
Die Lösung dafür, dass die Tante nicht „das Zimmer weiter betreten“ kann oder/und der Wortwahl nicht nach „flehen“ klingt, besteht nicht darin, sie ganz zu streichen und plötzlich eine "sie" im Text zu haben, die man nicht zuordnen kann. Bärbel könnte z. B. „das Zimmer betreten“ (also bei diesen Worten erst zur Tür reinkommen).

Das allermeiste andere ist aber gut geglückt oder zumindest besser als vorher. Ich will da jetzt mal nicht weiter drinrumrühren, damit du dich nicht verzettelst - vielleicht haben noch andere was beizutragen und vielleicht können wir am Ende (also vor der Veröffentlichung) nochmal drüberschauen. (Falls ich den Text aus den Augen verliere, erinnere mich ruhig daran!)

Generell: Wenn du dieses Buch zum Veröffentlichen fertig machst (ob nun, um einen Verlag/eine Agentur zu suchen, oder um es als Selfpublisher herauszubringen), achte darauf, dass die überflüssigen Leerzeilen entfernt werden!
 

ahorn

Mitglied
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1. Das Kleid

Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines alten Gründerzeithauses, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehenblieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …


»Torben!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer.
Torben versteckte das Buch unter einer Mappe, die auf seinem Schreibtisch lag.
»Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte eine raue Frauenstimme.
Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war im
Allgemeinen Stolz darauf, anders zu sein. Anders, als seine Schulkameraden, die lauthals schreiend, wild einem Ball hinterherliefen oder ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. Er brauchte diese Jungen nicht, nicht die blauen Flecke auf der Haut, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm Sprachen, egal an welchen Ort, zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Aber am liebsten las er Kurzgeschichten oder Novellen, die er nötigenfalls aus Sammlungen kopierte, auf dem Smartphone speicherte. Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war sie zu rezitieren. Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben wurde, dass er nachts durch Rom wandelte, seine Plädoyers einstudierte.
Wie dieser große Politiker, Anwalt und Philosoph marschierte Torben in den Pausen über den Schulhof, murmelnd, mit einem Stück Streuselkuchen in der Hand.

Torben strich sein blondes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt zu Studieren, welches vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
Die Frau betrat den Raum.
»Torben!«, zischte sie, stemmte ihre Fäuste in die Taille.
»Ja. Tante Bärbel«, sengte er den Kopf.

Tante Bärbel eine Frau die die Blütezeit, den Zenit ihres Leben überschritten hatte, war eine Person, die auf beiden Beinen ruhte. Ihren Fähigkeiten bewusst, sich auf das wesentliche Konzentrierte sowie alles ablehnte, was mit Träumereien zu tun hatte. Sie hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. Die teilweise herschsüchtigen Ansprüche, gepaart mit der aufkommenden Barmherzigkeit, hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn genau das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, denoch mit Seele, um den Erfolg des Gefechtes nicht zu gefährden.

»Schau mich an, wenn ich mit dir spreche«, schritt Bärbel auf ihren Neffen zu.
Torben wandte sich seiner Tante zu, sah in ihre Richtung, knetete die Finger.
»Tante du siehst gar nicht gut aus«, murmelte er, wich ihrem stechenden Blick aus.
»Kind, sitzt du mal die ganze Nacht vor der Nähmaschine«, drückte sie die Hände an die Rippen, »Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.« Sie hob die Arme. »Torben, du wolltest mir doch helfen!«
»Ich muss noch … lernen«, schielte er über die Schulter.

Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu, zog das Buch unter der Mappe hervor, betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
»Torben«, sie schlug auf den Buchdeckel, »kannst du nicht etwas anderes lesen? Hanni und Nanni«, sie strich über seine Haare, »hat deiner Schwester immer gut gefallen.«
Torben verdrehte die Augen.
»Oder Die drei Fragezeichen, das sind auch Krimis.«
»Tante, das ist Kinderkram!«, blies er ihr mit hängender Schulter entgegen.
»Mein Liebling!«, drohte sie mit dem Zeigefinger, »du bist auch erst zwölf!«
»Fast dreizehn«, warf er ein.
»Dann lies Liebesroman«, nickte sie ihm zu, »da fließt jedenfalls kein Blut.«
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an. »Benimm dich und komm mit!«

Mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck gab er sein Einverständnis.
Er erhob sich, folgte ihr mit gesenktem Blick.
»Morgen kommt deine Schwester«, schmetterte sie, breitete ihre Arme aus, »und bis dahin müssen wir fertig sein. Wir haben es ihr versprochen«, wandte sie ihren Kopf ihm zu.
Torben erinnerte sich nicht an eine derartige Beteuerung.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzugs zu entledigen.
»Muss das sein!«, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme.
»Stell dich nicht so an. Es sieht dich niemand und außerdem …«, schloss sie die Augen.
Torben sackte zusammen »… kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.«
»Werde nicht frech!«, erhob sie die Hand. »Stell dich dort drauf und zappel nicht.«
Er stellte sich auf die Kiste. Sie streifte ihm einen schweren seidig-glänzenden Rock über die Beine, den Torben festhielt. Bärbel nahm das zugehörige Oberteil, zog es Torben an, befestigte es mit Stecknadeln am Rock.
»Hat doch gar nicht wehgetan«, grinste Bärbel.
»Tanja wird begeistert sein!«, betrachtete Bärbel ihr Werk.

Das Brautkleid war für seine Schwester. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging. Was sie nach ihrer Ausbildung gemacht hatte, gab sie nicht preis. Seine Tante erzählte nie von früher. Nur das damals die Welt in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Elend war oder der Autounfall, bei den seine Eltern kurz nach seiner Geburt starben. Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft von Torben. Sie hatte keine eigenen Kinder.

»Torben, bleibst du bitte noch zu Hause?«, befreite sie ihm von dem Kleid. »Ich brauche nachher nochmal kurz deine Hilfe!«, bat sie.
Er quittierte mit einem Kopfnicken, entschwand in seinem Zimmer.
Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Torben versunken in seinem Krimi.
»Torben, Torben!«, donnerte es abermals.
Torben legte das Buch zur Seite, stand auf, trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das weiße Brautkleid auf ihren Schoß.
»Dann lass uns mal sehen, ob ich mich nicht vernäht habe«, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf. Er schlüpfte in das weiße, glänzende Brautkleid, woraufhin Bärbel ihn mit prüfenden Blick umkreiste. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss.
»Hallo! Hallo! Wo seit ihr?«, erklang eine Frauenstimme aus dem Flur.
»Im Arbeitszimmer!«, antwortete Bärbel.
Die Zimmertür flog auf, eine Frau in einem knappen Minikleid hüpfte herein.
»Tanja!«, rief Torben.
Torben wollte zu ihr, verfing sich im Kleid, mehr noch er fiel seiner Tante in die Arme.
»Kannst du nicht aufpassen!«, harschte Bärbel ihn an. »Bleib einfach nur stehen!«
Bärbel half Torben auf die Kiste. Seine Schwester warf ihm ein knappes hallo Torben entgegen. Von ihr hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, Dankeschön Bruder, dass du dich opferst oder so ähnlich.

Tanja die dritte im Bunde war eine Frau, die das Leben liebte, dieses zeigte. Prinzipien waren ihr fremd. Jeden Tag genoss sie, als würde es ihr Letzter sein. Ein Wink des Schicksals sie in den Abgrund treib, alles das Nehmen, was sie besaß.
Ihre Launigkeit bereitete ihn oft angst. In einem Moment kabbelten sie, wie gleichaltrige Geschwister. Dann benahm sie sich ihrem Bruder gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Manchmal, ignorierte sie ihn.

Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.

Er hatte kein Problem damit, für seine Tante, als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.

Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Tanja umarmte Bärbel, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. »Tanja, du schon hier?«, nahm Bärbel ihre Hand.
»Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen«, wedelte sie mit den Fingern vor dem Gesicht. »Der nächste nach Bremen ist erst Montag«, kratzte sie sich an der Nase, »und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.«
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand.
»Schau, ich bin gerade fertig geworden«, Bärbel strich über das Kleid. »Wie gefällt es dir?«
Tanja betrachtete das Werk mit leuchtenden Augen.
»Super, Bärbel! Wunderschön!«, betastete sie die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides. »Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast«, tupfte sie eine Träne vom Lid.

Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Erkenntlichkeit zu bekommen, aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand, zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
»Tanja, du hast bestimmt noch nichts gegessen!«, legte Bärbel den Arm um ihre Taille.

Die beiden Frauen verließen das Zimmer, jede eine Flasche Sekt in der Hand. Sie ließen den Jungen im Hochzeitskleid allein, gleich einer Modepuppe, deren einziger Sinn darin besteht, die angepriesene Ware zu präsentieren, bis der letzte Kunde das Warenhaus verließ. Mit der Sehnsucht, dass am nächsten Morgen das Geschäft wieder geöffnet wird. Unzählige Kundinnen ihre Kleidung in ihrer Hoffnung bewunderten, dass eine Person sie wahrnahm.
 
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1. Das Kleid

Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines Gründerzeithauses, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehen blieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …


»Torben!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer.
Der Junge versteckte das Buch unter einer auf seinem Schreibtisch liegenden Mappe.
»Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte eine raue Frauenstimme.

Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war im allgemeinen Stolz darauf, anders zu sein. Sich gerne abgrenzte von den Schulkameraden, die lauthals schreiend, wild einem Ball hinterherliefen oder ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. Er brauchte diese Jungen nicht, nicht die blauen Flecke auf der Haut, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. Mit stechenden Blick werte er jeden Versuch eines Mädchens ab, sofern sie ihm zu dicht kam, um auf seine Arbeitsblätter zu schielen. Dann umklammerte, schütze, er sein Wissen vor Eindringlingen. Meist saß er mit hoch erhobenen Kopf allein, der Genialität, die er besaß, bewusst, lauschte den Ausführungen der Lehrkräfte und half ihnen beim Versagen der anderen Schüler. Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm Sprachen, egal an welchen Ort, zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Aber am liebsten las er Kurzgeschichten manchmal Novellen, die er nötigenfalls aus Sammlungen kopierte, auf dem Smartphone speicherte. Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war sie zu rezitieren. Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben wurde, dass er nachts durch Rom wandelte, seine Plädoyers einstudierte.
Wie dieser große Politiker, Anwalt und Philosoph marschierte Torben in den Pausen über den Schulhof, murmelnd, mit einem Stück Streuselkuchen in der Hand.

Er strich sein hellbraunes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt zu studieren, welches vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
Die Frau betrat den Raum.
»Torben!«, zischte sie, stemmte ihre Fäuste in die Taille.
»Ja. Tante.« Er sengte den Kopf.

Bärbel eine Frau die die Blütezeit, den Zenit ihres Leben überschritten hatte, war eine Person, die auf beiden Beinen ruhte. Ihren Fähigkeiten bewusst, sich auf das wesentliche Konzentrierte sowie alles ablehnte, was sie für Träumereien hielt. Sie hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. Die teilweise herschsüchtigen Ansprüche, gepaart mit der aufkommenden Barmherzigkeit, hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn genau das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, denoch mit Seele, um den Erfolg des Gefechtes nicht zu gefährden.

Bärbel schritt auf ihren Neffen zu. »Schau mich an, wenn ich mit dir spreche.«
Torben wandte sich der Frau zu, sah in ihre Richtung, knetete die Finger.
»Tante du siehst nicht gut aus«, murmelte er, wich ihrem stechenden Blick aus.
»Kind, sitzt du mal die mehrere Nächte vor der Nähmaschine«, stöhnte sie, drückte die Hände an die Rippen, schwang den Kopf mit verzerrten Gesicht von einer auf die andere Schulter. »Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.« Bärbel reckte die Arme in die Höhe, verschränkte sie hinter dem Genick. »Du wolltest mir doch helfen!«
Er schielte zum Schreibtisch, zog die Beine überkreuzt unter den Drehstuhl, rieb die Hände. »Ich muss noch … lernen.«

Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu, zog das Buch unter der Mappe hervor, betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
»Kind«, schnaufte sie, schlug auf den Buchdeckel, »kannst du nicht etwas anderes lesen?« Sie warf das Buch auf den Schreibtisch, stemmte die Hände in die Taille, atmete tief ein. Wie ein Ballon, dessen Knoten aufspringt, entwich die Luft aus ihren Lungen. »Hanni und Nanni«, lächelte sie, strich über seine Haare, »hat deiner Schwester immer sehr gefallen.«
Torben verdrehte die Augen.
»Oder Die drei Fragezeichen, das sind spannende Krimis.«
»Tante, das ist Kinderkram!«, blies er ihr mit hängender Schulter entgegen.
»Mein Liebling!« Sie drohte mit dem Zeigefinger, pumpte sich abermals auf. »Du bist erst zwölf!«
»Fast dreizehn«, warf er ein.
»Dann lies Liebesroman«, zischte sie, presste ihr Kinn auf den Hals, »da fließt jedenfalls kein Blut und niemanden wird der Kopf abgerissen.«
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an. »Benimm dich sei lieb und komm mit!«

Er erhob sich, folgte ihr mit gesenktem Blick.
»Morgen kommt deine Schwester«, sang sie, regte die Arme wie ein Apfelpflücker, »und bis dahin müssen wir unbedingt fertig sein.« Sie blieb stehen, wandte ihm das Gesicht zu. »Wir haben es ihr heilig versprochen.«
Torben erinnerte sich nicht an eine derartige Beteuerung.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzugs zu entledigen.
»Muss das sein!«, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme.
»Stell dich nicht so an. In unserer Wohnung kann dich niemand beobachten und außerdem …«. Sie schloss die Augen.
Torben sackte zusammen »… kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.«
»Werde nicht frech!« Sie erhob die Hand. »Sei still! Stell dich bitte dort drauf und zappel nicht.«
Er stellte sich auf die Kiste. Sie streifte ihm einen schweren seidig-glänzenden Rock über die Beine, den er festhielt. Sie nahm das zugehörige Oberteil, zog es Torben an, befestigte es mit Stecknadeln am Rock.
»Na, mein Schatz hat doch gar nicht wehgetan«, grinste sie und betrachtete ihr Werk. »Meine Tanja wird begeistert sein!«

Das Brautkleid war für seine Schwester. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging. Was sie nach ihrer Ausbildung unternommen hatte, gab sie nicht preis. Sie erzählte nie von früher. Nur das damals die Welt in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Elend war oder der Autounfall, bei den die Eltern kurz nach seiner Geburt starben. Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft von ihm. Sie hatte keine eigenen Kinder.

»Bleibst du bitte noch im Hause?« Sie befreite ihm von dem Kleid. »Ich brauche nachher noch mal kurz deine Hilfe!«, bat sie.
Er quittierte mit einem Kopfnicken, entschwand in seinem Zimmer.
Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Er erneut versunken in dem Krimi.
»Torben, Torben!«, donnerte es mehrmals.
Der Junge legte das Buch zur Seite, stand auf, trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das schneeweiße Brautkleid lag auf ihren Schoß.
»Dann lass uns mal sehen, ob ich mich nicht vernäht habe«, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf. Er schlüpfte in das weiße, glänzende Brautkleid, woraufhin sie ihn mit prüfenden Blick umkreiste. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss.
»Hallo! Hallo! Wo seit ihr?«, erklang eine Frauenstimme aus dem Flur.
»Im Arbeitszimmer!«, antwortete Bärbel.
Die Zimmertür flog auf, eine Frau in einem knappen Minikleid hüpfte herein.
»Tanja!«, rief Torben.
Er wollte zu ihr, verfing sich im Kleid, mehr noch er fiel seiner Tante in die Arme.
»Kannst du nicht aufpassen!«, harschte Bärbel ihn an. »Bleib einfach nur stehen!«
Die Tante half ihm auf die Kiste. Seine Schwester warf ihm ein knappes hallo Torben entgegen. Von ihr hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, Dankeschön Bruder, dass du dich opferst oder so ähnlich.

Tanja die dritte im Bunde war eine Frau, die das Leben liebte, dieses zeigte. Prinzipien waren ihr fremd. Jeden Tag genoss sie, als würde es ihr Letzter sein. Ein Wink des Schicksals sie in den Abgrund trieb, alles das Nehmen, was sie besaß.
Ihre Launigkeit bereitete ihn oft angst. In einem Moment kabbelten sie, wie gleichaltrige Geschwister. Dann benahm sie sich ihrem Bruder gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Manchmal, ignorierte sie ihn.

Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.

Er hatte kein Problem damit, für die Tante, als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.

Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Die Nichte umarmte ihre Tante, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Woraufhin Bärbel ihre Hand nahm. »Tanja, du schon hier?«, fragte sie.
»Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen.« Sie wedelte mit den Fingern vor dem Gesicht. »Der nächste nach Bremen ist erst Montag«, sie kratzte sich an der Nase, »und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.«
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand.
»Schau, ich bin gerade fertig geworden.« Bärbel strich über das Kleid. »Wie gefällt es dir?«
Tanja betrachtete das Werk mit leuchtenden Augen.
»Super! Wunderschön!« Sie betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides. »Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.« Sie tupfte eine Träne vom Lid.

Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Erkenntlichkeit zu bekommen, aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand, zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
»Tanja, du hast bestimmt noch keinen Bissen zu dir genommen!«, ermahnte sie und legte den Arm um ihre Taille.

Die beiden Frauen verschwanden aus dem Zimmer, jede eine Flasche Sekt in der Hand. Sie ließen den Jungen im Hochzeitskleid allein, gleich einer Modepuppe, deren einziger Sinn darin besteht, die angepriesene Ware zu präsentieren, bis der letzte Kunde das Warenhaus verließ. Mit der Sehnsucht, dass am nächsten Morgen das Geschäft wieder geöffnet wird. Unzählige Kundinnen ihre Kleidung in ihrer Hoffnung bewunderten, dass eine Person sie wahrnahm.

weiter zum nächsten Teil 2. Die Wette
 
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Peter

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Hi Ahorn, hast du Interesse an einer detailierten Korrektur und Revision? Um es mit Paulus zu schreibe: Nicht, dass ich es ergriffen hätte... aber einige objektive Hinweise und jede Menge Subjektives kann ich dir schon zu deinem Text schreiben. Ich halte die überarbeitete Version noch für überarbeitungswürdig. Um dir einen Vorgeschmack zu geben, habe mir jetzt nur die ersten elf Zeilen vorgenommen. Vielleicht ist dir das ja auch zuviel des Guten. Melde dich doch einfach und schreib mir, ob meine Kritik für dich hilfreich ist. Dann mache ich damit weiter.
LG
Peter


1. Das Kleid

Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines Gründerzeithauses, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack.
Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste.

[red]Ich würde mit dem Tack beginnen. Das machte den Einstieg ungewöhnlich und interessanter. "hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden": Giftgrün gefliest reicht für den ersten Eindruck. "Es schien, als drang" ist aus der Sicht eines zielstrebigen Täters nicht direkt genug. Er wusste, woher das Rattern kommt. [/red]
[blue]Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Das Rattern der Nähmaschine hallte an den giftgrün gefliesten Wänden wider und erfüllte den Hausflur des seelenlosen Gründerzeithauses. Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, woher die Geräusche kamen. [/blue]

Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.

[red]"Das Messer, welches" liest sich ungelenkt. Das Relativpronomen "welcher, welche, welches" würde ich in der Regel nicht benutzen. Ich halte eine verdichtete Ausdrucksweise für besser. Relativsätze sollten dann gebracht werden, wenn sich ein Sachverhalt anders nicht gut darstellen lässt. "Unklammern" impliziert "fest". "Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg": Auch hier kannst du verdichten. Wenige Worte sind immer besser als viele, wenn wenige Worte zur Beschreibung reichen.
"Er kannte sein Ziel" musst du nicht schreiben. Oben wird ja schon erklärt, woher die Geräusche kommen mussten. "Eine von den Wohungen": Eine der Wohnungen. "Deren" ist ähnlich sperrig wie "welches".
[/red] [blue]Er schlich die steinerne Treppe hinauf. Nicht zum ersten Mal. Nur umklammerte er diesmal statt eines Straußes Blumen (macht das Sinn?) ein sorgfältig geschärftes Messer. Er hätte sein Ziel im zweiten Obergeschoss auch blind gefunden, und er hatte Bilder von der Wohnung vor Augen: von den hohen Wänden und von den mit Stuckornamenten verzierten Decken. Und von den Spinnen, die in den Ecken ihre Nester bauten. (Hier könnte die Wohnung noch etwas mehr beschrieben werden)[/blue]

Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehen blieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …

»Torben!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer.
Der Junge versteckte das Buch unter einer auf seinem Schreibtisch liegenden Mappe.
»Torben! Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte eine raue Frauenstimme.

Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war im allgemeinen Stolz darauf, anders zu sein. Sich gerne abgrenzte von den Schulkameraden, die lauthals schreiend, wild einem Ball hinterherliefen oder ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. Er brauchte diese Jungen nicht, nicht die blauen Flecke auf der Haut, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. Mit stechenden Blick werte er jeden Versuch eines Mädchens ab, sofern sie ihm zu dicht kam, um auf seine Arbeitsblätter zu schielen. Dann umklammerte, schütze, er sein Wissen vor Eindringlingen. Meist saß er mit hoch erhobenen Kopf allein, der Genialität, die er besaß, bewusst, lauschte den Ausführungen der Lehrkräfte und half ihnen beim Versagen der anderen Schüler. Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm Sprachen, egal an welchen Ort, zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Aber am liebsten las er Kurzgeschichten manchmal Novellen, die er nötigenfalls aus Sammlungen kopierte, auf dem Smartphone speicherte. Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war sie zu rezitieren. Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben wurde, dass er nachts durch Rom wandelte, seine Plädoyers einstudierte.
Wie dieser große Politiker, Anwalt und Philosoph marschierte Torben in den Pausen über den Schulhof, murmelnd, mit einem Stück Streuselkuchen in der Hand.

Er strich sein hellbraunes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt zu studieren, welches vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
Die Frau betrat den Raum.
»Torben!«, zischte sie, stemmte ihre Fäuste in die Taille.
»Ja. Tante.« Er sengte den Kopf.

Bärbel eine Frau die die Blütezeit, den Zenit ihres Leben überschritten hatte, war eine Person, die auf beiden Beinen ruhte. Ihren Fähigkeiten bewusst, sich auf das wesentliche Konzentrierte sowie alles ablehnte, was sie für Träumereien hielt. Sie hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. Die teilweise herschsüchtigen Ansprüche, gepaart mit der aufkommenden Barmherzigkeit, hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn genau das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, denoch mit Seele, um den Erfolg des Gefechtes nicht zu gefährden.

Bärbel schritt auf ihren Neffen zu. »Schau mich an, wenn ich mit dir spreche.«
Torben wandte sich der Frau zu, sah in ihre Richtung, knetete die Finger.
»Tante du siehst nicht gut aus«, murmelte er, wich ihrem stechenden Blick aus.
»Kind, sitzt du mal die mehrere Nächte vor der Nähmaschine«, stöhnte sie, drückte die Hände an die Rippen, schwang den Kopf mit verzerrten Gesicht von einer auf die andere Schulter. »Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.« Bärbel reckte die Arme in die Höhe, verschränkte sie hinter dem Genick. »Du wolltest mir doch helfen!«
Er schielte zum Schreibtisch, zog die Beine überkreuzt unter den Drehstuhl, rieb die Hände. »Ich muss noch … lernen.«

Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu, zog das Buch unter der Mappe hervor, betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
»Kind«, schnaufte sie, schlug auf den Buchdeckel, »kannst du nicht etwas anderes lesen?« Sie warf das Buch auf den Schreibtisch, stemmte die Hände in die Taille, atmete tief ein. Wie ein Ballon, dessen Knoten aufspringt, entwich die Luft aus ihren Lungen. »Hanni und Nanni«, lächelte sie, strich über seine Haare, »hat deiner Schwester immer sehr gefallen.«
Torben verdrehte die Augen.
»Oder Die drei Fragezeichen, das sind spannende Krimis.«
»Tante, das ist Kinderkram!«, blies er ihr mit hängender Schulter entgegen.
»Mein Liebling!« Sie drohte mit dem Zeigefinger, pumpte sich abermals auf. »Du bist erst zwölf!«
»Fast dreizehn«, warf er ein.
»Dann lies Liebesroman«, zischte sie, presste ihr Kinn auf den Hals, »da fließt jedenfalls kein Blut und niemanden wird der Kopf abgerissen.«
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an. »Benimm dich sei lieb und komm mit!«

Er erhob sich, folgte ihr mit gesenktem Blick.
»Morgen kommt deine Schwester«, sang sie, regte die Arme wie ein Apfelpflücker, »und bis dahin müssen wir unbedingt fertig sein.« Sie blieb stehen, wandte ihm das Gesicht zu. »Wir haben es ihr heilig versprochen.«
Torben erinnerte sich nicht an eine derartige Beteuerung.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzugs zu entledigen.
»Muss das sein!«, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme.
»Stell dich nicht so an. In unserer Wohnung kann dich niemand beobachten und außerdem …«. Sie schloss die Augen.
Torben sackte zusammen »… kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.«
»Werde nicht frech!« Sie erhob die Hand. »Sei still! Stell dich bitte dort drauf und zappel nicht.«
Er stellte sich auf die Kiste. Sie streifte ihm einen schweren seidig-glänzenden Rock über die Beine, den er festhielt. Sie nahm das zugehörige Oberteil, zog es Torben an, befestigte es mit Stecknadeln am Rock.
»Na, mein Schatz hat doch gar nicht wehgetan«, grinste sie und betrachtete ihr Werk. »Meine Tanja wird begeistert sein!«

Das Brautkleid war für seine Schwester. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging. Was sie nach ihrer Ausbildung unternommen hatte, gab sie nicht preis. Sie erzählte nie von früher. Nur das damals die Welt in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Elend war oder der Autounfall, bei den die Eltern kurz nach seiner Geburt starben. Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft von ihm. Sie hatte keine eigenen Kinder.

»Bleibst du bitte noch im Hause?« Sie befreite ihm von dem Kleid. »Ich brauche nachher noch mal kurz deine Hilfe!«, bat sie.
Er quittierte mit einem Kopfnicken, entschwand in seinem Zimmer.
Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Er erneut versunken in dem Krimi.
»Torben, Torben!«, donnerte es mehrmals.
Der Junge legte das Buch zur Seite, stand auf, trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das schneeweiße Brautkleid lag auf ihren Schoß.
»Dann lass uns mal sehen, ob ich mich nicht vernäht habe«, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf. Er schlüpfte in das weiße, glänzende Brautkleid, woraufhin sie ihn mit prüfenden Blick umkreiste. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss.
»Hallo! Hallo! Wo seit ihr?«, erklang eine Frauenstimme aus dem Flur.
»Im Arbeitszimmer!«, antwortete Bärbel.
Die Zimmertür flog auf, eine Frau in einem knappen Minikleid hüpfte herein.
»Tanja!«, rief Torben.
Er wollte zu ihr, verfing sich im Kleid, mehr noch er fiel seiner Tante in die Arme.
»Kannst du nicht aufpassen!«, harschte Bärbel ihn an. »Bleib einfach nur stehen!«
Die Tante half ihm auf die Kiste. Seine Schwester warf ihm ein knappes hallo Torben entgegen. Von ihr hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, Dankeschön Bruder, dass du dich opferst oder so ähnlich.

Tanja die dritte im Bunde war eine Frau, die das Leben liebte, dieses zeigte. Prinzipien waren ihr fremd. Jeden Tag genoss sie, als würde es ihr Letzter sein. Ein Wink des Schicksals sie in den Abgrund trieb, alles das Nehmen, was sie besaß.
Ihre Launigkeit bereitete ihn oft angst. In einem Moment kabbelten sie, wie gleichaltrige Geschwister. Dann benahm sie sich ihrem Bruder gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Manchmal, ignorierte sie ihn.

Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.

Er hatte kein Problem damit, für die Tante, als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.

Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Die Nichte umarmte ihre Tante, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Woraufhin Bärbel ihre Hand nahm. »Tanja, du schon hier?«, fragte sie.
»Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen.« Sie wedelte mit den Fingern vor dem Gesicht. »Der nächste nach Bremen ist erst Montag«, sie kratzte sich an der Nase, »und dreimal umsteigen wollte ich auch nicht.«
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand.
»Schau, ich bin gerade fertig geworden.« Bärbel strich über das Kleid. »Wie gefällt es dir?«
Tanja betrachtete das Werk mit leuchtenden Augen.
»Super! Wunderschön!« Sie betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides. »Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.« Sie tupfte eine Träne vom Lid.

Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Erkenntlichkeit zu bekommen, aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand, zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
»Tanja, du hast bestimmt noch keinen Bissen zu dir genommen!«, ermahnte sie und legte den Arm um ihre Taille.

Die beiden Frauen verschwanden aus dem Zimmer, jede eine Flasche Sekt in der Hand. Sie ließen den Jungen im Hochzeitskleid allein, gleich einer Modepuppe, deren einziger Sinn darin besteht, die angepriesene Ware zu präsentieren, bis der letzte Kunde das Warenhaus verließ. Mit der Sehnsucht, dass am nächsten Morgen das Geschäft wieder geöffnet wird. Unzählige Kundinnen ihre Kleidung in ihrer Hoffnung bewunderten, dass eine Person sie wahrnahm.
 

ahorn

Mitglied
Hallo Peter,
wiederum dank für deine Zeilen. Du kannst mir jederzeit, in jeder Form, Anregungen unterbreiten. Hänge ja auch über deinen Text ;).

Die Idee mit dem
am Anfang finde ich super, kommt demnächst mit rein.
Ansonsten ist der Anfang schräg geschrieben, da es sich um ein Buch handelt, dass Torben liest und der Textstil sich bewusst vom Rest des Textes abheben soll.


Beste Grüße
Ahorn
 

Peter

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Zitat: Ansonsten ist der Anfang schräg geschrieben, da es sich um ein Buch handelt, dass Torben liest und der Textstil sich bewusst vom Rest des Textes abheben soll.

Okay, kapiert. Aber ich muss dir sagen, dass Torben da gerade ein sehr schlecht geschriebenes Buch liest. Das solltest du unbedingt überarbeiten.
 

ahorn

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1. Das Kleid

tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Das Rattern einer Nähmaschine erfüllte den seelenlosen Hausflur eines Gründerzeithauses. Die Schallwellen brachen an hüfthoch, giftgrün gefliesten Wänden. Es schien, als drang das Geräusch, das Hämmern der Maschine aus einer Wohnung im zweiten Obergeschoss, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Er wusste, dass er nur diesem Lockruf folgen musste. Das Messer, welches er zuvor geschärft hatte, fest mit seiner Hand umklammernd, schlich er die steinerne Treppe herauf. Es war nicht das erste Mal, dass er sie bestieg. Er kannte sein Ziel. Eine von den Wohnungen, mit geräumig hohen Zimmern und mit Stuckornamenten verzierten Decken, in deren Ecken gerne Spinnen ihre Nester bauen.
Das Schlagen der alten Nähmaschine setzte die Luft in der Diele dieser Wohnung in Schwingung, sodass die weißen Holztüren der Wohnung leicht vibrierten, tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack. Obwohl durch die geöffnete Küchentür die Strahlen der Frühlingssonne fielen, blieb die fensterlose Diele in einem Halbdunkel, welches nicht zum Verweilen einlud.
Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte.
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben.
Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei.
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehen blieb. Ihre blutroten Fingerspitzen umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme …


»Torben!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer.
Der Junge versteckte das Buch unter einer auf seinem Schreibtisch liegenden Mappe.
»Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte eine raue Frauenstimme.

Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war im allgemeinen Stolz darauf, anders zu sein. Sich gerne abgrenzte von den Schulkameraden, die lauthals schreiend, wild einem Ball hinterherliefen oder ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. Er brauchte diese Jungen nicht, nicht die blauen Flecke auf der Haut, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. Mit stechenden Blick werte er jeden Versuch eines Mädchens ab, sofern sie ihm zu dicht kam, um auf seine Arbeitsblätter zu schielen. Dann umklammerte, schütze, er sein Wissen vor Eindringlingen. Meist saß er mit hoch erhobenen Kopf allein, der Genialität, die er besaß, bewusst, lauschte den Ausführungen der Lehrkräfte und half ihnen beim Versagen der anderen Schüler. Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm Sprachen, egal an welchen Ort, zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Aber am liebsten las er Kurzgeschichten manchmal Novellen, die er nötigenfalls aus Sammlungen kopierte, auf dem Smartphone speicherte. Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war sie zu rezitieren. Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben wurde, dass er nachts durch Rom wandelte, seine Plädoyers einstudierte.
Wie dieser große Politiker, Anwalt und Philosoph marschierte Torben in den Pausen über den Schulhof, murmelnd, mit einem Stück Streuselkuchen in der Hand.

Er strich sein hellbraunes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt zu studieren, welches vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
Die Frau betrat den Raum.
»Torben!«, zischte sie, stemmte ihre Fäuste in die Taille.
»Ja. Tante.« Er sengte den Kopf.

Bärbel eine Frau die die Blütezeit, den Zenit ihres Leben überschritten hatte, war eine Person, die auf beiden Beinen ruhte. Ihren Fähigkeiten bewusst, sich auf das wesentliche Konzentrierte sowie alles ablehnte, was sie für Träumereien hielt. Sie hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. Die teilweise herschsüchtigen Ansprüche, gepaart mit der aufkommenden Barmherzigkeit, hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn genau das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, denoch mit Seele, um den Erfolg des Gefechtes nicht zu gefährden.

Bärbel schritt auf ihren Neffen zu. »Schau mich an, wenn ich mit dir spreche.«
Torben wandte sich der Frau zu, sah in ihre Richtung, knetete die Finger.
»Tante du siehst nicht gut aus«, murmelte er, wich ihrem stechenden Blick aus.
»Kind, sitzt du mal die mehrere Nächte vor der Nähmaschine«, stöhnte sie, drückte die Hände an die Rippen, schwang den Kopf mit verzerrten Gesicht von einer auf die andere Schulter. »Ich habe schon ein ganz krummen Rücken.« Bärbel reckte die Arme in die Höhe, verschränkte sie hinter dem Genick. »Du wolltest mir doch helfen!«
Er schielte zum Schreibtisch, zog die Beine überkreuzt unter den Drehstuhl, rieb die Hände. »Ich muss noch … lernen.«

Tante Bärbel marschierte auf ihren Neffen zu, zog das Buch unter der Mappe hervor, betrachtete den Einband, auf dem ein blutverschmiertes Messer prangte.
»Kind«, schnaufte sie, schlug auf den Buchdeckel, »kannst du nicht etwas anderes lesen?« Sie warf das Buch auf den Schreibtisch, stemmte die Hände in die Taille, atmete tief ein. Wie ein Ballon, dessen Knoten aufspringt, entwich die Luft aus ihren Lungen. »Hanni und Nanni«, lächelte sie, strich über seine Haare, »hat deiner Schwester immer sehr gefallen.«
Torben verdrehte die Augen.
»Oder Die drei Fragezeichen, das sind spannende Krimis.«
»Tante, das ist Kinderkram!«, blies er ihr mit hängender Schulter entgegen.
»Mein Liebling!« Sie drohte mit dem Zeigefinger, pumpte sich abermals auf. »Du bist erst zwölf!«
»Fast dreizehn«, warf er ein.
»Dann lies Liebesroman«, zischte sie, presste ihr Kinn auf den Hals, »da fließt jedenfalls kein Blut und niemanden wird der Kopf abgerissen.«
Torben öffnete den Mund, als wolle er sein Frühstück hervorwürgen.
Bärbel stupste seinen Hinterkopf an. »Benimm dich sei lieb und komm mit!«

Er erhob sich, folgte ihr mit gesenktem Blick.
»Morgen kommt deine Schwester«, sang sie, regte die Arme wie ein Apfelpflücker, »und bis dahin müssen wir unbedingt fertig sein.« Sie blieb stehen, wandte ihm das Gesicht zu. »Wir haben es ihr heilig versprochen.«
Torben erinnerte sich nicht an eine derartige Beteuerung.

In dem Raum angekommen, in dem zuvor die Nähmaschine gerattert hatte, wies die Frau ihrem Neffen an, sich seines Jogginganzugs zu entledigen.
»Muss das sein!«, knurrte er.
Bärbel verschränkte ihre Arme.
»Stell dich nicht so an. In unserer Wohnung kann dich niemand beobachten und außerdem …«. Sie schloss die Augen.
Torben sackte zusammen »… kann ich besser an einem Menschen, als an einer Schneiderpuppe … bla, bla.«
»Werde nicht frech!« Sie erhob die Hand. »Sei still! Stell dich bitte dort drauf und zappel nicht.«
Er stellte sich auf die Kiste. Sie streifte ihm einen schweren seidig-glänzenden Rock über die Beine, den er festhielt. Sie nahm das zugehörige Oberteil, zog es Torben an, befestigte es mit Stecknadeln am Rock.
»Na, mein Schatz hat doch gar nicht wehgetan«, grinste sie und betrachtete ihr Werk. »Meine Tanja wird begeistert sein!«

Das Brautkleid war für seine Schwester. Schneidern war Bärbels Leidenschaft. Sie hatte den Beruf erlernt. Gearbeitet hatte sie nie als Schneiderin, wenn man von dem vielen Stunden absah, die sie für Bekannte, Freunde und die Familie ihrem Hobby nachging. Was sie nach ihrer Ausbildung unternommen hatte, gab sie nicht preis. Sie erzählte nie von früher. Nur das damals die Welt in Ordnung war, bis das Unglück über sie kam. Er konnte nicht einmal sagen, ob er das Elend war oder der Autounfall, bei den die Eltern kurz nach seiner Geburt starben. Tante Bärbel die Zwillingsschwester von Torbens Mutter übernahm daraufhin die Pflegschaft von ihm. Sie hatte keine eigenen Kinder.

»Bleib bitte zu Hause?« Sie befreite ihm von dem Kleid. »Ich brauch nachher noch mal kurz deine Hilfe!«, bat sie.
Er quittierte mit einem Kopfnicken, entschwand in seinem Zimmer.
Die Nähmaschine fing wieder an zu rattern.

Es wurde früher Nachmittag. Er erneut versunken in dem Krimi.
»Torben, Torben!«, donnerte es mehrmals.
Der Junge legte das Buch zur Seite, stand auf, trottete der Rufenden entgegen.
Bärbel saß ermattet vor ihrer Nähmaschine. Das schneeweiße Brautkleid lag auf ihren Schoß.
»Dann lass uns sehen, ob ich mich nicht vernäht habe«, zwinkerte sie.
Torben entkleidete sich wieder, diesmal ohne zu murren.
Bärbel hielt ihr Werk über seinen Kopf. Er schlüpfte in das weiße, glänzende Brautkleid, woraufhin sie ihn mit prüfenden Blick umkreiste. Jede einzelne Naht kontrollierte sie auf Perfektion.

Die schwere Wohnungstür fiel ins Schloss.
»Hallo! Hallo! Wo seit ihr?«, erklang eine Frauenstimme aus dem Flur.
»Im Arbeitszimmer!«, antwortete Bärbel.
Die Zimmertür flog auf, eine Frau in einem knappen Minikleid hüpfte herein.
»Tanja!«, rief Torben.
Er wollte zu ihr, verfing sich im Kleid, mehr noch er fiel seiner Tante in die Arme.
»Kannst du nicht aufpassen!«, harschte Bärbel ihn an. »Bleib einfach nur stehen!«
Die Tante half ihm auf die Kiste. Seine Schwester warf ihm ein knappes hallo Torben entgegen. Von ihr hätte er mehr erwartet, als ein hallo Torben, Dankeschön Bruder, dass du dich opferst oder so ähnlich.

Tanja die dritte im Bunde war eine Frau, die das Leben liebte, dieses zeigte. Prinzipien waren ihr fremd. Jeden Tag genoss sie, als würde es ihr Letzter sein. Ein Wink des Schicksals sie in den Abgrund trieb, alles das Nehmen, was sie besaß.
Ihre Launigkeit bereitete ihn oft angst. In einem Moment kabbelten sie, wie gleichaltrige Geschwister. Dann benahm sie sich ihrem Bruder gegenüber, wie eine Mutter zu ihrem unartigen Kind. Manchmal, ignorierte sie ihn.

Nur ein Dankeschön für seine Hilfsbereitschaft.

Er hatte kein Problem damit, für die Tante, als lebende Schneiderpuppe zu fungieren. Es war das erste Mal, dass er ein Brautkleid trug. Für Kinder und Jugendkleidung stand er öfter zur Anprobe, egal, ob für Mädchen oder Jungen. Außer Bärbel sah ihn niemand, wenn er in einem Rock posierte.

Nur ein Dankeschön dafür, dass er seine Zeit geopfert hat.

Die Nichte umarmte ihre Tante, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Woraufhin Bärbel ihre Hand nahm. »Tanja, du schon hier?«, fragte sie.
»Der morgige Flug wurde gestrichen, da habe ich einen früher genommen.« Sie wedelte mit den Fingern vor dem Gesicht. »Der nächste nach Bremen ist erst Montag«, sie kratzte sich an der Nase, »und dreimal umsteigen wollte ich nicht.«
Tanja stellte zwei Flaschen Sekt auf dem Nähtisch ab, der Rechts neben ihr stand.
»Schau, ich bin fertig geworden.« Bärbel strich über das Kleid. »Wie gefällt es dir?«
Tanja betrachtete das Werk mit leuchtenden Augen.
»Super! Wunderschön!« Sie betastete die kleinen Perlen auf dem breiten Gürtel des Brautkleides. »Wie schön du die Taillenschärpe genäht hast.« Sie tupfte eine Träne vom Lid.

Er hoffte, in diesem Augenblick, an dem sie ihn berührte, eine Spur von Erkenntlichkeit zu bekommen, aber sie betastete nur den Stoff, der schlaff über seinem Körper hing.
Bärbel ergriff Tanjas Hand, zog ihre Nichte in Richtung der Zimmertür.
»Tanja, du hast bestimmt keinen Bissen zu dir genommen!«, ermahnte sie und legte den Arm um ihre Taille.

Die beiden Frauen verschwanden aus dem Zimmer, jede eine Flasche Sekt in der Hand. Sie ließen den Jungen im Hochzeitskleid allein, gleich einer Modepuppe, deren einziger Sinn darin besteht, die angepriesene Ware zu präsentieren, bis der letzte Kunde das Warenhaus verließ. Mit der Sehnsucht, dass am nächsten Morgen das Geschäft wieder geöffnet wird. Unzählige Kundinnen ihre Kleidung in ihrer Hoffnung bewunderten, dass eine Person sie wahrnahm.

weiter zum nächsten Teil 2. Die Wette
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Peter

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Sein Vorhaben zwang ihn, den Ort der kommenden Tat zu betreten. [red]Es handelt sich um einen Thriller. Du musst dichter schreiben, um die Spannung zu erzeugen. Immerhin will der Täter in Kürze ein Verbrechen begehen. "Ort der Tat" klingt sehr geschraubt. Außerdem ist es ja logisch, dass er den Tatort betreten muss, um die Tat zu begehen.[/red] Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Hatte er eine andere Wahl? Nein! Der Plan der Nichte seiner Geliebten [red]"Plan der Nichte seiner Geliebten" ist zu lang. Hat sie einen Namen und wird ihr Name später noch verwandschaftlich zugeordnet? Dann reicht es, hier ihren Namen einzusetzen.[/red] würde ihn nicht zum Mörder machen, aber ein Täter würde er bleiben und sein Opfer für immer Zeuge seiner Tat.
[blue]Er wollte dem Jungen keine Schmerzen zufügen. Er war kein Mörder. Ein Draufgänger, ein Tunichtgut, ein skrupelloser Hochstapler, das war er. Aber er hatte keine andere Wahl. xxx´s Plan würde ihn nicht zum Mörder machen. Sein Opfer würde weiterleben und für immer Zeuge seiner Tat sein.[/blue]

Tack … tack, tack, tack … tack … tack, tack, tack erklang es wieder.
Aus dem Raum, in dem die Nähmaschine zu stehen schien, verschmolz das Schlagen mit den Schallwellen einer Frauenstimme, die den Namen eines Jungen krächzte. [red]Er kennt den Raum, weil er schon öfter dort war. Daher ist "schien" nicht angebracht. "Aus dem Raum,...,verschmolz" ist schlechte Ausdrucksweise.[/red]
Der Leichensack ist fertig, dachte er, während [red]"Während" ist hier ein Spannungskiller. Kurze Sätze erhöhen die Spannung.[/red]seine Hand zitterte. Er würde ihr folgen, sich an ihr vorbeischleichen und ihren Neffen den tödlichen Stich geben. [red]Wem würde er folgen? Der Stimme oder der Frau. Es ist nicht klar, dass die Frau sich von der Nähmaschine wegbewegt. Wie soll er ihr folgen? Kein Konjunktiv 2, da der Plan ja feststeht. Du beschreibst etwas quasi Reales, nichts Irreales. Tödlicher Stich? Er ist doch kein Mörder, und der Junge soll als Zeuge am leben bleiben?! Ein Stich wird versetzt, nicht gegeben. [/red]
[blue]Das Tacken der Nähmaschine vermischte sich mit der krächzenden Stimme der Alten. Sie rief den Jungen.
"Der Leichensack ist fertig." dachte er. Die Hand mit dem Messer zitterte. Es sollte ein Leichtes sein, an ihr vorbeizuschleichen und ihrem Neffen den tödlichen Stich zu versetzen.[/blue]

Die Frau wechselte ihre Stimmlage. Aus dem anfänglichen Krähen wurde ein Schrei. [red]Das ist doppelt gemoppelt.[/red]
Das Schlagen verstummte. Eine Tür zum Flur flog auf. Eine grauhaarige, buckelige Frau in einem bodenlangen rattengrauen Gewand trat in die Diele. Ihr langes zu einem Dutt geknüpftes Haar schimmerte im fahlen Licht, während sie durch den Flur stampfte. Bei jedem Schritt knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten. [red]"knackten die hölzernen Dielen, als wollten sie die Alte begleiten" hört sich irgendwie lyrisch an, aber du schreibst einen Krimi.[/red] Das Flehen des Bodens verstummte im selben Moment, als sie die Zimmertür des anliegenden Raumes erreichte und stehen blieb. Ihre blutroten Fingerspitzen [red]Warum blutrot? Hatte sie sich geschnitten? Sind bei einer alten Dame nicht eher Durchblutungsstörungen an der Tagesordnung?[/red] umschlangen den Knauf der Tür. Sie öffnete die sich wehrende Tür[red] Die Tür wehrt sich nicht, da sie ein Objekt ist.[/red] und ihr Kopf lugte durch den Spalt. Ihre flehende Stimme … [red]Die Stimme war bislang nicht flehendlich[/red]
[blue]Der Junge reagierte nicht. Ignorierte er die Alte? Offensichtlich wurde ihr das zu bunt. Die Nähmaschine verstummte. Drückende Stille. Dann schrie sie seinen Namen. Ehe der Junge sich rühren konnte, flog die Tür des Nähzimmers auf. Die buckelige Frau mit dem grauen Dutt stürmte wütend heraus, dass die Dielenbretter bebten. Sie stampfte auf die Tür des Nachbarzimmers zu. Ihre kaltblassen Finger drehte den Türknauf nach rechts. Sie gab der klemmenden Tür einen derben Stoß mit der Schulter, damit sie sich wenigstens zwei Handbreit öffnete und zwängte ihren Schädel durch den schmalen Spalt.[/blue]
 

ahorn

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Hallo Peter,
Danke für deine mühevolle Arbeit.
Sollte ich irgendwann einmal den Kurzroman

Das blutige Messer
schreiben, werde ich gern auf deine Anmerkungen eingehen (Wenn ich es darf ;)).

In diesem Roman geht das leider nicht. Wie ich dir bereits geschrieben hatte, sind deine vollkommen richtigen Anmerkungen, somit die unzulänglichen im Text, bewusst gewählt.

Solltest du meinen Roman weiter gelesen haben – davon gehe ich aus, hast du festgestellt, dass sich die Thematik des Lesens fortsetzt, ein Stilelement darstellt. Innerhalb dieser Kurztext erhält der Leser Information. Daher sind sie kein Element der Spannung, eher der Neugier.

Des Weiteren in Vorfreude auf anregende Kritik.

Ahorn
 

Peter

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Dein Vorgehen ist gewagt. Und herausfordernd.
Ein Roman, wie der Protagonist ihn gerade liest, würde der Komposition wegen von niemandem veröffentlicht. DAS ist das Problem. Der Protagonist liest glaube ich alles mögliche bishin zum Kochbuch.
Damit der geneigte Leser deinen Roman nicht schon nach der ersten Seite zur Seite legt, sollte der Roman im Roman mindestens das Niveau eines der berüchtigten Bastei-Hefte haben (Kennst du die noch, diese sogenannten Groschenromane?)
LG
Peter
 

ahorn

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Hallo Peter,

Provokant. Du hast es erfasst. Mal etwas wagen, anders machen. Ich bin kein guter Schreiber, übe, suche meinen Still, will lernen.
Warum dann nicht neue Wege beschreiten?
Abschrecken nein! Der Prolog steht bekannterweise vor dem 1. Kapitel.
Ich gebe zu, optimal ist dieser wahrlich noch nicht, kümmere mich später drum.

Also Peter komm mal aus dir heraus – besser als ich schreibst du gewiss. Wage Neues. Höchstens einen hämischen Kommentar kannst du ernten.

Ahorn
 

Peter

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Das meinst du doch nicht im Erst. Du solltest den Prolog so verfassen, dass der Leser weiterliest. Es geht hier nicht darum, wer besser schreibt und wer nicht. Ich habe deinen Hinweis zur Personenvorstellung schließlich angenommen, weil du da auf der richtigen Seite bist. Dein Argument war, dass du meinen Roman spätestens an dieser Stelle weglegen würdest. Das ist bei deinem Prolog nicht anders.
Es stellt sich also die Herausforderung, einen Auszug aus einem billigen Groschenroman zu verfassen, der auch als Groschenroman erkannt wird. Das ist so, als würde man ein Musikinstrument (und da kenne ich mich aus) absichtlich unter Niveau spielen...
Ich habe in den letzten Tagen mit folgendem Gedanken gespielt: Wir schreiben beide Romane gemeinsam und veröffentlichen sie in EINEM Buch. Ich als dein Co-Autor, du als meiner. Das wäre natürlich ein Riesending.
Und ansonsten bin ich an dir als Mensch interessiert. In deinem Profil steht nichts über dich. Absicht? Wer bist du? Du bist übrigens der erste, der sich eingehend mit meine Roman bzw. dem Prolog dazu auseinandergesetzt hat. Und ich bin damit in drei Foren unterwegs und auf Facebook. Magst du mal was über dich erzählen?
 

ahorn

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Hallo Peter,
Richtig.
Brachte deinen Prolog weiter. Aber dieser Textauszug steht nicht im Prolog, sondern im 1. Kapitel (Das Kleid).
Und ich habe nicht gesagt, dass deine Vorschläge abwegig. Eher im Gegenteil. Nur bitte verzeih. Wie du schreibe ich einen Roman und es ist mein Erster.
Das blutige Messer
ist ein Stilmittel meines Romans, wenn dieser nach meinem Geschmack beendet, begutachte ich diese Textauszüge in Gänze.

Zu der Anmerkung bezügliches deines Romans. Ich fand und finde deine Vorstellungsrunde amüsant und gut geschrieben, nur an der falschen Stelle. Ein Prolog ist ein Vorwort-Vorgeschichte. In deiner Geschichte soll sie aufzeigen, warum das Buch entstanden ist - super 9 von 10 Punkte.

Dennoch wir beide schreiben in der Rubrik Krimi-Triller und da erwartete ich als Leser, dass etwas passiert, es kracht - Mord, Totschlag, Einbruch ...

Deshalb wage was Neues!!

Zu meinem Werk.
Da meine Zeilen gelesen werden sollen - ja auch ich bin eitel, will ich nicht zu viel schreiben.

Deshalb zu deinem Vorschlag.
Lies meinen Roman, mach dir Gedanken, schmettere mir Kausal und Logik Fehler unter die Texte - über Anmerkung bezüglich Sprache bedanke ich mich im Vorraus.

Desgleichen, soweit ich es noch nicht vorbereitet habe, unternehme ich desgleichen in deinen Texten.

Jeder wie Lust und Zeit. Jeder übernimmt was er für seinen Text als richtig empfindet.

Den Rest sollten wir lieber per E-Mail besprechen!

Ahorn
 

Peter

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Moin Ahorn,
ich habe mal weiter gelesen und ich habe da einen Tipp, den Du unbedingt beherzigen solltest: Schick Deine Texte durch eine Rechtschreibprüfung bzw. schreibe sie zuerst in Word, damit Dir die Rechtschreibfehler und die Grammatikfehler angezeigt werden. Ich habe in dem kurzen Text unten ein paar Sachen markiert. Grundsätzlich und krass gesagt: Einen Text, der derart mit Fehlern, schlechten bzw. unpassenden Formulierungen und Grammatikfehlern gespickt ist, liest keine Sau!

Hierzu ein Zitat aus den Leselupe-Regeln: Nutzen Sie bitte die Rechtschreibprüfung Ihres Textverarbeitungsprogramms, bevor sie den Text auf der Leselupe veröffentlichen!
Achten Sie bitte bei Ihrer Veröffentlichung auf die geltenden Rechtschreibregeln und hier insbesondere auf die Groß- und Kleinschreibung.

Ich habe zu Hause eine kleine Fibel, ein Grundschulbuch. Das ist jetzt keine Verarschung. Ich nutze es, wenn ich Synonyme suche, um Wiederholungen zu vermeiden und trotzdem einen treffenden Ausdruck zu verwenden. Ich hänge gerade einem Hotel ab. Wenn ich wieder zu Hause bin, schicke ich Dir die Datei. Wenn du daran Interesse hast...

»Torben!«, dröhnte es durch den Flur in das Kinderzimmer. [red]Das muss kürzer sein. Zum Beispiel: „Torben!“, dröhnte es durch das Haus.[/red]
Der Junge versteckte das Buch unter einer auf seinem Schreibtisch liegenden Mappe. [red]Zu kompliziert. Vielleicht besser: Der Junge versteckte das Buch unter der Mappe, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag.[/red]
»Mensch! Hörst du mich nicht?«, donnerte eine raue Frauenstimme. [red]Gibt es raue Frauenstimmen, die gleichzeitig donnern?[/red]
„Torben!“

Torben als normales Kind zu bezeichnen, hätte ihn beleidigt. Er war im [red]a[/red]llgemeinen [red]S[/red]tolz darauf, anders zu sein. [red]Im Allgemeinen stolz zu sein, passt nicht zu seinem Selbstbewusstsein. Entweder ist er grundsätzlich stolz oder er ist nicht.[/red] Sich gerne abgrenzte von den Schulkameraden, die lauthals schreiend, wild einem Ball hinterherliefen oder ihre Freunde in den Schwitzkasten nahmen, bis sie mit hochroten Kopf zusammensackten. [red]So kannst Du den Text nicht weiterführen, grammatisch total schräg. Vielleicht besser: Er grenzte sich gerne von seinen Mitschülern (Kameraden sind es nicht für ihn), die lauthals und wild einem Ball hinterher (lauthals schreiend ist doppelt gemoppelt)[/red] Er brauchte diese Jungen nicht, nicht die blauen Flecke auf der Haut, wenn er es doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen. [red]Das kannst Du dichter schreiben. Blaue Flecken sind immer auf der Haut, wenn sie die Überbleibsel von Prügel sind. Das klingt nach "Weißer Schimmel". Doch einmal versuchte, ihnen näher zu kommen ist zu lang.[/red] Mit stechenden Blicken we[red]h[/red]rte er jeden Versuch eines Mädchens ab, sofern sie ihm zu dicht kam[red] schlechtes Deutsch[/red], um auf seine Arbeitsblätter zu schielen. [red]Findest Du stechenden Blicken hier passend? Es heißt mit stechendem Blick oder mit stechenden Blicken. Aber hat Torben überhaupt die Autorität, die es braucht, um andere mit den Blicken zu leiten? Ihm zu dicht kam ist im Grunde eine Wiederholung, vorher schreibst Du was von näher zu kommen.[/red] Dann umklammerte, schütze, er sein Wissen vor Eindringlingen. [red]Mitschüler, die abschreiben wollen, sind ja wohl weniger Eindringlinge für ihn, sondern eher Looser. Hier könntest Du Torben darüber kotzen lassen, wie sehr er seine Mitschüler hasste.[/red] Meist saß er mit hoch erhobenen Kopf allein, der Genialität, die er besaß, bewusst, lauschte den Ausführungen der Lehrkräfte und half ihnen beim Versagen der anderen Schüler. [red]Das ist schön formuliert, passt hier aber nicht. Er weist auf das Versagen der Mitschüler hin und unterstützt damit die Lehrer. Anders gesagt haut er seine Mitschüler in die Pfanne.[/red] Er hatte wahre Gefährten, die ihn in verstanden, die mit ihm [red]S[/red]prachen, egal an welchen Ort, [red]hier vielleicht ein zweites "egal" einsetzen (egal zu welcher Stunde)?[/red] zu welcher Stunde. Die Bücher, die Literatur der Welt, die ihn abholte, ja[red],[/red] ihn gefangen nahm. Er las alles, sogar Kochrezepte oder Handarbeitsanleitungen [red]besser Strickbücher? Das ist kürzer.[/red] seiner Tante, wenn ihm keine anspruchsvolle Lektüre zur Verfügung stand. Aber am liebsten las er Kurzgeschichten manchmal Novellen, die er nötigenfalls aus Sammlungen kopierte, auf dem Smartphone speicherte. [red]Warum nötigenfalls? Das Wort ist ältlich! Und worin besteht in Not? Hinter kopierte würde ich statt dem Komma ein "und" setzen. [/red] Damit er sie jederzeit griffbereit hatte, um in ihnen zu schmökerte, bis er in der Lage war[red],[/red] sie zu rezitieren. [red] Auch Kochrezepte und Strickmuster???[/red] Ein Umstand, der ihm in der Schule den Spitznamen Cicero einbrachte, von dem geschrieben wurde, dass er nachts durch Rom wandelte [red]wandelte ist ebenfalls ältlich, schon beinahe Lutherdeutsch[/red] seine Plädoyers einstudierte.
Wie dieser große Politiker, Anwalt und Philosoph marschierte Torben in den Pausen über den Schulhof, murmelnd, mit einem Stück Streuselkuchen in der Hand. [red]Marschieren bedeutet einen strammen Schritt draufhaben. Cicero dagegen wandelte.[/red]

Er strich sein hellbraunes Haar zurück, gab vor, das Arbeitsblatt zu studieren, welches vor ihm auf dem Schreibtisch lag. [red]Verzichte wenn eben möglich auf dieses Relativpronomen.[/red]
Die Frau betrat den Raum.[red] Die Frau kannst Du hier schon beim Namen nennen. Tante Bärbel.[/red]
»Torben!«, zischte sie, stemmte ihre Fäuste in die Taille. [red]Zischte sie wirklich? Stell dir das einmal bildlich vor! Jemand, der wütend die Fäuste in die Taille stemmt, zischt nicht. Meine Meinung.[/red]
»Ja. Tante.« Er sengte den Kopf.

Bärbel eine Frau, die die Blütezeit, den Zenit ihres Leben[red]s[/red] überschritten hatte, war eine Person, die auf beiden Beinen ruhte. [red]Blütezeit, den Zenit ihres Lebens musst Du hier nicht doppeln. Das hört sich zwar irgendwie lyrisch an, hemmt aber den Fluss. War eine Person, die ist zu umständlich beschrieben. Man steht fest auf den Beinen oder mit beiden Beinen im Leben oder man ruht in sich. [red]Ihren Fähigkeiten bewusst,[/red] Das ist grammatisch total falsch.[/red] Sich auf das wesentliche [red]K[/red]onzentrierte sowie alles ablehnte, was sie für Träumereien hielt. [red]Vielleicht besser so: Sich ihrer Fähigkeiten bewusst konzentrierte sie sich auf das Wesentliche und lehnte alles, was sie für Träumerei hielt.[/red] Sie hatte ihre Prinzipien, die oft im Widerspruch zu ihren Glauben standen. [red]Der Glaube beruht auch auf Prinzipien. Man kann nur erahnen, was du hier meinst, aber du bringst es meiner Meinung nach nicht auf den Punkt.[/red] Die teilweise her[red]r[/red]schsüchtigen Ansprüche, [red]besser Herrschaftsansprüche. Ich würde hier teilweise weglassen.[/red] gepaart mit der aufkommenden Barmherzigkeit, [red]aufkommende Barmherzigkeit hört sich irgendwie komisch. Insgesamt hast Du versucht, Tante Bärbel zu charakterisieren, schriftstellerisch ist es Dir aber nicht gelungen, meine ich.[/red] hatten ihr den Beinamen Admiral eingebracht. Denn genau das war sie. Sie lenkte ihre Flotte ohne Widerstreit, das müsste Widerstand heißen. Zum Beispiel vielleicht so besser: [red]Sie lenkte ihre Flotte, ohne dass Widerstand aufkam[/red] den[red]n[/red]och mit Seele, um den Erfolg des Gefechtes nicht zu gefährden. [red]Dennoch mit Seele leitet ein, dass sie auch eine warmherzige Seite hat. Du benutzt diese Formulierung aber, um an das vorangegangene anzuknüpfen, an den Erfolg des Gefechtes zu zielen. Daher passt das hier nicht. Erfolg des Gefechtes klingt außerdem nicht gut. Schreibt man so nicht. Man kann den Erfolg eines Projektes (nicht) gefährden oder ein Gefecht gewinnen. Besser: Eine Schlacht gewinnen. [/red]

Boah ey, da habe ich jetzt etwa zwei Stunden drangesessen. Ahorn, im Ernst, so geht Schreiben nicht! Durchsuche deine bisher veröffentlichten Kapitel schnellstens auf Rechtschreibfehler... Nicht, dass ich es ergriffen hätte! ... und merze die Ausdrucks- und Grammatikfehler aus. Und dann suche intensiv nach sinnvollen Synonymen. Male dir eine Szene vor Augen und beschreibe das Bild und die Stimmung. Verstehst du was ich damit meine? Und auch hier gilt: Nicht, dass ich es ergriffen hätte!
So long
Peter
 

ahorn

Mitglied
Hallo Peter,
danke für deine offene Kritik.
Vorweg ein kleiner Tipp. In einer konstruktiven Kritik würde ich Passagen wie
ich habe mal weiter gelesen und ich habe da einen Tipp, den Du unbedingt beherzigen solltest: Schick Deine Texte durch eine Rechtschreibprüfung bzw. schreibe sie zuerst in Word, damit Dir die Rechtschreibfehler und die Grammatikfehler angezeigt werden. Ich habe in dem kurzen Text unten ein paar Sachen markiert. Grundsätzlich und krass gesagt: Einen Text, der derart mit Fehlern, schlechten bzw. unpassenden Formulierungen und Grammatikfehlern gespickt ist, liest keine Sau!
verzichten.
Ich denke zu wissen, wie du es meinst. Dennoch könnte sich der eine oder andere Autor eher pikiert fühlen. Glaubst du, dass irgendein Autor seinen Text direkt in die Textarea hämmert. (Ich glaube es manchmal ;) )

Deine Idee mit dem Standard-Textverarbeitungs-Ding sehe ich skeptisch. Das Programm der Fensterfirma taugt sicherlich, um Briefe oder Kurzgeschichten zu analysieren, freilich nicht für Romane.
Die Komplexität derartiger Projekte benötigt mehr als Rechtschreibprüfung. Stil- und Lesbarkeitanalyse, Recherchen- und Figurendatenbanken, Zeitstahldarstellung und Denkbretter um einige Hilfsmittel aufzuzählen. Gerne gebe ich dir einen Tipp ;).

Trotzdem bedanke ich mich bei dir. Denn sind wir nicht hier, um Unzulänglichkeiten in Sprache und Formulierung zu diskutieren. In welcher Art diese sind ist - nach meiner Meinung – wahrlich subjektiv, da das Feld der Literatur weit gefächert ist.
Es geht von dem einsamen Fischer, der nach der Grundschule keinerlei Texterfahrungen gemacht hat, dennoch seine Sichtweite auf die Welt zu Papier bring und ein gern gelesener Autor wird. Bis zu dem Germanistikprofessor, der in gestochener sprachlicher Schärfe über das Wesens des Sein philosophiert, obwohl es niemand liest.

Deinen letzten Satz streiche ich. Wohl wissend eines Autors in diesem Portal, der die Aussage umdreht, um seine eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren.

Genug der Schwafelei. Natürlich habe ich einen Teil deiner Tipps verinnerlicht, bin nur ein blutiger Anfänger – will lernen. Lies dann wirst du sehen.

Ach, was ich noch sagen wollte. Auch ich sitze bereits mehrere Stunden über deinen Roman, musste mir einen neuen Rotstift kaufen – war ein Scherz, ein roter Bildschirm sieht blöd aus. Sprachlich nichts gravierendes – du schreibst halt besser als ich, aber der Rest. :)
Wo ich bei dem Thema bin. Die Sache mit der Struktur. Auch ein Kommentar sollte eine Struktur haben. Es gibt da ein paar Hilfsmittel:

zum Beispiel diesen
Freudig auf weitere konstruktive Kommentare
Ahorn
 

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