Gedanken eines Veteranen

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georg

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Gedanken eines Veteranen




Den ersten Mord beging ich mit 21 Jahren. Und dieser war sogar legal.

Ich bin Mathew Stufinsky, 29 Jahre alt und ein jämmerlicher Veteran. Mein rechtes Bein besteht aus einer Holzprothese. Zwar hat sich der Schreiner selbst übertroffen, dennoch bleibt es ein Stück Holz, auf dem ich dauernd humpeln muss. Das Gehör nahezu zerstört. Auf dem linken Auge bin ich zu 90 Prozent blind. Meine Arme sind jedoch intakt. Ich bin Rechtshänder und töte gerne.

1938. Mein erster Einsatz war in Japan in einem Dorf namens Agashima, auf einer düsteren Insel von Dschungel umwuchert. Meiner Gruppe war das Ziel nicht bekannt. Wir sollten uns dort niederlassen und auf weitere Anweisungen warten. Tagelang passierte nichts.
Michael, Trevor und ich verbrachten die Zeit damit, sich unter das Volk zu mischen. Unbewaffnet trauten wir uns kaum vor die Tür. Wir hielten uns meistens in der Dorfmitte auf, wo der Sake ziemlich stark und Geishas ungewöhnlich billig waren.

Eigentlich weiß ich nicht viel von japanischer Kultur, aber eines weiß ich mit Sicherheit, dass Geishas nämlich für gewöhnlich keinen Geschlechtsverkehr anbieten, zumindest nicht außerhalb dieser Insel. Unser Japanisch und dereren Englisch waren dermaßen schlecht, dass wir uns kaum verstanden, doch das was sie uns anboten, war unmissverständlich. Wir genossen den ersten Tag sehr, lernten viel über das Liebemachen auf Japanisch und betranken uns mit verschiedenen Sorten Sake. An diesem Ort herrschte kein vornehmes Leben. Falls jemand den Drang verspürte, sich zu erleichtern, so wurde ungeniert die Straßenseite benutzt, an der Lebensmitteltheken aneinanderreihten und der Geruch des Urins sich unweigerlich mit dem des frittierten Fleisches vermengte. Dieser Ort war verdorben. Die Frauen verzweifelt, die Männer unzurechnungsfähig.

Wir tranken permanent. Sake zum Frühstück, im Laufe des Vormittags, am Abend und die ganze Nacht. Der Ort zog uns in sich hinein. Er schluckte unsere feine Art zu reden, zu denken. Etwas war in unseren Verstand eingedrungen und klammerte sich wie ein Parasit in unseren Köpfen fest. Nachdem der Sake seine volle Wirkung entfaltet hatte, fanden wir uns in einer misslichen Lage wieder. Ein Waffenschmied beherrschte unsere Sprache und bot uns für jeden einen Samurai Schwert zum Wucherpreis an, falls wir jedoch ablehnen sollten, würde er uns auf der Stelle aufschlitzen. Normalerweise hätten wir lachend abgelehnt, doch mit seinem Angebot meinte es der Schmied todernst. Obwohl eine Colt1911 in meinem Holster unter meiner Hand griffbereit war und ich genug Schuss hatte jedem hier im Dorf das Leben zu erleichtern, traute weder ich mich, noch meine Kameraden etwas zu unternehmen. Wir waren betrunken und akzeptierten das Angebot. Meine Liebe war bereits in der Kindheit den Messern verfallen und so bat ich den Schmied nur ein einziges Messer zu schmieden. Ein taktisches Überlebensmesser mit einer Klinge von 24 Zentimetern mit der Schärfe eines Samurai Schwertes. Und so kam ich zu meinem Baby, dass ich stets bei mir trage.

1939 war es so weit. Ich war endlich gezwungen in einem Nahkampf meine taktische Klinge zu gebrauchen. In einer zerbombten Wohnung überraschte mich ein Feind aus dem Hinterhalt. Nach einem Kampf klebte das Blut nicht nur an meinen Händen, sondern an jedem Gegenstand und jeder Wand im Raum. Ich werde nie die Augen des Deutschen vergessen, wie er mich anschaute. Dies war das erste und letzte Mal, dass ich Mitleid empfand, nicht weil der Deutsche sterben musste, sondern wie er sterben musste. Der Oberkörper landete links, der Rest rechts vor mir. Er starrte zuerst auf sein Hinterteil, dann zu mir hoch und ich auf die Riesenschweinerei. Während der Soldat mit dem Tod ringte, trat bei mir ein Samenerguss ein. Ich kniete nieder und durchtrennte ihm den Kopf. Die zweite Ejakulation folgte unmittelbar. Ab hier wusste ich, dass ich in den Augen der Öffentlichkeit verdreht bin.

Mittlerweile hege ich eine besondere Beziehung zu meinem Messer. Ich liebe was es kann, und ich danke dem Schmied, der übrigens Hiroki heißt. Seit da an habe ich auf jede Gelegenheit gewartet mein Messer zu benutzen. Auf jeden Nahkampf gehofft. Auf dem Schlachtfeld und unter meinen Kameraden erhielt ich sogar den Namen Samurai. Die Dienstzeit genoss ich in vollen Zügen. Fast alles war legal, der Tod hingenommen, der Kollateralschaden akzeptiert, meine Lust täglich gestillt. Damals ahnte ich bereits, was passieren würde, wenn der Krieg vorüber sein wird und ich ihn überlebe. Heute weiß ich, dass ich ein erbärmlicher Veteran bin.

Ich bin süchtig danach, Lebewesen etwas anzutun, auf es einzustechen, es zu schneiden, oder gar in mehrere Teile zu zerschneiden. Das, was ich bin, verdanke ich dem Krieg. Reue empfinde ich nicht. Die von mir begangenen Taten sind derart abscheulich, dass ich den Versuch nicht wagen möchte, diese in irgendeiner Weise zu entschuldigen. Sie sind unmenschlich, daran gibt es keinen Zweifel. Doch ich bin menschlich und ein Suchender. Ich suche ständig nach Befriedigung. Der Schmerz in meinem Kopf lässt erst nach, wenn ich mich dem füge. Sobald mein Messer durch das Fleisch der Opfer dringt, verliere ich die Last, die ständig auf mich drückt. Der bohrende Schmerz in meinen Schläfen vergeht und die langersehnte Glückseligkeit tritt ein.

Der Krieg ist vorüber und alles, was mir geblieben ist, ist die Sehnsucht nach Mord. Heute. 1947 in Kalifornien, stehe ich vor dem berühmt berüchtigten Finocchio’s Club, wo viele dieser seltsamen Menschen verkehren. Sie haben Spaß, sie lachen, tanzen und trinken, in einem Umfang, der mich anwidert. Ich bin es leid mir hier in San Francisco das täglich anzuschauen. Zu meiner Zeit war es undenkbar, Männern auf der Straße mit Frauenkleidern zu begegnen. Dieser Club ist die reinste Brut des Teufels und ich werde da hineingehen und mit meinem Samurai hemmungslos feiern. Sa-yo-na-ra.



Danke fürs lesen und kommentieren!
 

ahorn

Mitglied
Hallo Georg,
ich hab ein kleines Problem. Die USA trat im Dezember 1941, nach Perl Harbor und nach der Kriegserklärung der Deutschen, in den zweiten Weltkrieg ein, der wiederum 1939 mit dem Überfall auf Polen begann.

Was macht dein Soldat 1938 in Japan?

Gruß
Ahorn
 

georg

Mitglied
Hallo ahorn,

nun ja, eigentlich soll diese Kurzgeschichte nicht auf den korrekt geschichtlichen Hintergrund abzielen. Dass da etwas mit der historischen Tatsachen, vertauscht worden ist, ist mir bewusst, hat mir bereits ein Kenner ausführlich dargelegt.

Ps Danke für den Hinweis dennoch.

georg
 

ahorn

Mitglied
Hallo Georg,
warum schickst du ihn nicht in die französische Legion. Vietnam französisch! Kleine Scharmützel mit den Japanern. ;)

Ahorn
 

georg

Mitglied
Hallo ahorn,

ja schon, eigentlich ist das mit den Japanern den Deutschen völlig nebenbei entstanden. Das Ziel war es die perversen Gedanken eines Veteranen darzulegen, der wohl gemerkt gerne tötet. Ich hatte absolut schlechte Recherche geleistet, das habe ich eingesehen ?? mittlerweile...

Aber wie findest du den Rest, abgesehen von den Fakten?

georg
 
Das ist mmn. nicht emotional genug, ich kaufe "dem Veteranen" weder ab, dass er Mitleid empfunden hat, noch das er gerne tötet. Es ließt sich zu sehr wie ein Bericht in den 20 Uhr Nachrichten.

P.S: wenn du sagst, dass der Krieg ihn zu dem gemacht hat, was er ist, darfst du ihn nicht schon beim ersten Töten einen Samenerguss bekommen lassen.

L.G
Patrick
 

MicM

Mitglied
Hallo Georg,

wenn man nur die einzelnen Absätze liest, finde ich den Text passagenweise gut. Die Szenen werden an einigen Stellen gut „ausgeleuchtet“. Es wird aber aus meiner Sicht keine überzeugende (Kurz-)Geschichte daraus. Folgende Punkte sind mir besonderes aufgefallen:

- die Geschichte ist für meinen Geschmack bei der Länge/Kürze zu „vollgestopft“ mit Ideen - erst das dreckige Leben in Japan mit Geishas und Sake, dann die Messerleidenschaft, dann auf einmal Deutschland, dann die Lust am Töten und dann ist der Krieg auch schon wieder vorbei; das sind mind. drei Kurzgeschichten (oder Grundlage für etwas Längeres;-)
- weniger ist dabei mehr: wenn dein Thema für die Geschichte die Lust am Töten ist, genügt es zu Beginn der Geschichte vielleicht, dass der Prot das Samurai-Messer von seinem Opa geschenkt bekommt oder zufällig in China-Town in San Francisco findet oder so ähnlich
- abgesehen davon, dass der Krieg zwischen USA und Japan erst später begann (wurde schon erwähnt), waren sie jedenfalls auch keine „Freunde“. Man könnte die Geschichte vielleicht ein paar Jahre nach hinten schieben, aber selbst dann wäre nicht plausibel, dass der Prot dort zu Kriegsbeginn einige Zeit „lebt“, säuft und hurt und keinen Menschen töten muss (das macht er erst später in Deutschland). Kurz gesagt: die Chronologie stimmt nicht
- auch beim Prot gilt „weniger ist mehr“, denn dass der Prot ein Holzbein hat und nahezu taub und halb blind und erst 29 Jahre ist wohl auch für Liebhaber des Genres (wozu ich nicht gehöre) etwas „too much“

Soweit ein paar Eindrücke; vielleicht hilt‘s

Auf bald,
MicM
 

georg

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Den ersten Mord beging ich mit 21 Jahren. Und dieser war sogar legal.

Ich bin Mathew Stufinsky, 29 Jahre alt und ein jämmerlicher Veteran. Mein rechtes Bein besteht aus einer Holzprothese. Zwar hat sich der Schreiner selbst übertroffen, dennoch bleibt es ein Stück Holz, auf dem ich dauernd humpeln muss. Das Gehör nahezu zerstört. Auf dem linken Auge bin ich zu 90 Prozent blind. Meine Arme sind jedoch intakt. Ich bin Rechtshänder und töte gerne.

1938. Mein erster Einsatz war in Japan in einem Dorf namens Agashima, auf einer düsteren Insel von Dschungel umwuchert. Meiner Gruppe war das Ziel nicht bekannt. Wir sollten uns dort niederlassen und auf weitere Anweisungen warten. Tagelang passierte nichts.
Michael, Trevor und ich verbrachten die Zeit damit, sich unter das Volk zu mischen. Unbewaffnet trauten wir uns kaum vor die Tür. Wir hielten uns meistens in der Dorfmitte auf, wo der Sake ziemlich stark und Geishas ungewöhnlich billig waren.

Eigentlich weiß ich nicht viel von japanischer Kultur, aber eines weiß ich mit Sicherheit, dass Geishas nämlich für gewöhnlich keinen Geschlechtsverkehr anbieten, zumindest nicht außerhalb dieser Insel. Unser Japanisch und dereren Englisch waren dermaßen schlecht, dass wir uns kaum verstanden, doch das was sie uns anboten, war unmissverständlich. Wir genossen den ersten Tag sehr, lernten viel über das Liebemachen auf Japanisch und betranken uns mit verschiedenen Sorten Sake. An diesem Ort herrschte kein vornehmes Leben. Falls jemand den Drang verspürte, sich zu erleichtern, so wurde ungeniert die Straßenseite benutzt, an der Lebensmitteltheken aneinanderreihten und der Geruch des Urins sich unweigerlich mit dem des frittierten Fleisches vermengte. Dieser Ort war verdorben. Die Frauen verzweifelt, die Männer unzurechnungsfähig.

Wir tranken permanent. Sake zum Frühstück, im Laufe des Vormittags, am Abend und die ganze Nacht. Der Ort zog uns in sich hinein. Er schluckte unsere feine Art zu reden, zu denken. Etwas war in unseren Verstand eingedrungen und klammerte sich wie ein Parasit in unseren Köpfen fest. Nachdem der Sake seine volle Wirkung entfaltet hatte, fanden wir uns in einer misslichen Lage wieder. Ein Waffenschmied beherrschte unsere Sprache und bot uns für jeden einen Samurai Schwert zum Wucherpreis an, falls wir jedoch ablehnen sollten, würde er uns auf der Stelle aufschlitzen. Normalerweise hätten wir lachend abgelehnt, doch mit seinem Angebot meinte es der Schmied todernst. Obwohl eine Colt1911 in meinem Holster unter meiner Hand griffbereit war und ich genug Schuss hatte jedem hier im Dorf das Leben zu erleichtern, traute weder ich mich, noch meine Kameraden etwas zu unternehmen. Wir waren betrunken und akzeptierten das Angebot. Meine Liebe war bereits in der Kindheit den Messern verfallen und so bat ich den Schmied nur ein einziges Messer zu schmieden. Ein taktisches Überlebensmesser mit einer Klinge von 24 Zentimetern mit der Schärfe eines Samurai Schwertes. Und so kam ich zu meinem Baby, dass ich stets bei mir trage.

1939 war es so weit. Ich war endlich gezwungen in einem Nahkampf meine taktische Klinge zu gebrauchen. In einer zerbombten Wohnung überraschte mich ein Feind aus dem Hinterhalt. Nach einem Kampf klebte das Blut nicht nur an meinen Händen, sondern an jedem Gegenstand und jeder Wand im Raum. Ich werde nie die Augen des Deutschen vergessen, wie er mich anschaute. Dies war das erste und letzte Mal, dass ich Mitleid empfand, nicht weil der Deutsche sterben musste, sondern wie er sterben musste. Der Oberkörper landete links, der Rest rechts vor mir. Er starrte zuerst auf sein Hinterteil, dann zu mir hoch und ich auf die Riesenschweinerei. Während der Soldat mit dem Tod ringte, trat bei mir ein Samenerguss ein. Ich kniete nieder und durchtrennte ihm den Kopf. Die zweite Ejakulation folgte unmittelbar. Ab hier wusste ich, dass ich in den Augen der Öffentlichkeit verdreht bin.

Mittlerweile hege ich eine besondere Beziehung zu meinem Messer. Ich liebe was es kann, und ich danke dem Schmied, der übrigens Hiroki heißt. Seit da an habe ich auf jede Gelegenheit gewartet mein Messer zu benutzen. Auf jeden Nahkampf gehofft. Auf dem Schlachtfeld und unter meinen Kameraden erhielt ich sogar den Namen Samurai. Die Dienstzeit genoss ich in vollen Zügen. Fast alles war legal, der Tod hingenommen, der Kollateralschaden akzeptiert, meine Lust täglich gestillt. Damals ahnte ich bereits, was passieren würde, wenn der Krieg vorüber sein wird und ich ihn überlebe. Heute weiß ich, dass ich ein erbärmlicher Veteran bin.

Ich bin süchtig danach, Lebewesen etwas anzutun, auf es einzustechen, es zu schneiden, oder gar in mehrere Teile zu zerschneiden. Das, was ich bin, verdanke ich dem Krieg. Reue empfinde ich nicht. Die von mir begangenen Taten sind derart abscheulich, dass ich den Versuch nicht wagen möchte, diese in irgendeiner Weise zu entschuldigen. Sie sind unmenschlich, daran gibt es keinen Zweifel. Doch ich bin menschlich und ein Suchender. Ich suche ständig nach Befriedigung. Der Schmerz in meinem Kopf lässt erst nach, wenn ich mich dem füge. Sobald mein Messer durch das Fleisch der Opfer dringt, verliere ich die Last, die ständig auf mich drückt. Der bohrende Schmerz in meinen Schläfen vergeht und die langersehnte Glückseligkeit tritt ein.

Der Krieg ist vorüber und alles, was mir geblieben ist, ist die Sehnsucht nach Mord. Heute. 1947 in Kalifornien, stehe ich vor dem berühmt berüchtigten Finocchio’s Club, wo viele dieser seltsamen Menschen verkehren. Sie haben Spaß, sie lachen, tanzen und trinken, in einem Umfang, der mich anwidert. Ich bin es leid mir hier in San Francisco das täglich anzuschauen. Zu meiner Zeit war es undenkbar, Männern auf der Straße mit Frauenkleidern zu begegnen. Dieser Club ist die reinste Brut des Teufels und ich werde da hineingehen und mit meinem Samurai hemmungslos feiern. Sa-yo-na-ra.



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