Herbstlich ungereimt

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Mistralgitter

Mitglied
Herbstspiele

Der Herbst wirft sturmgepeitscht sich uns zu Füßen,
er blättert lustvoll seine Farben auf,
mischt raschelnd welkes Laub mit reifen Früchten
und breitet sie als bunten Teppich aus.

Dann reckt er seine kalten Nebelhände
begierig himmelwärts zum letzten Blau.
Mit grauen Wolkenfingern zaust, zerzupft er
die sommerwarme Herrlichkeit im Nu.

Er spielt, er würfelt mit Kastanien
um Prunk, um Schönheit oder sterblichen Zerfall.
Verstörung? Tröstung? Vielleicht beides.
Gewinnen wird nur zweifelsfrei der Herbst.
 
Zuletzt bearbeitet:

anbas

Mitglied
Hallo Mistralgitter,

oh, wie juckt es mich in den Fingern, hier etwas Reimbares herauszubasteln. Aber das soll es nicht, und das ist gut so ;).

Mir gefällt dieses Gedicht gut. Lediglich in der letzten Strophe würde ich überlegen, ob diese nicht vom Klang her weicher enden könnte. Zum Beispiel so:
Doch nur der Herbst gewinnt ganz zweifelsfrei.
Dieser Vorschlag ist jetzt eher "aus der Hüfte heraus" formuliert, da es mir nur darum geht, aufzuzeigen, in welche Richtung meine Überlegungen gehen. - Vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.

Liebe Grüße

Andreas
 

Mistralgitter

Mitglied
:) Ich versteh dich nur zu gut! Mir geht es auch oft so - die Finger jucken, und man kann sich kaum zurückhalten!
Dein Änderungsvorschlag ist gut, noch häng ich noch ein bisschen sehr am bisherigen Text - das erste und das letzte Wort hat hier "der Herbst". ;)
Verstehst du?
Aber ich bin offen ... und warte noch ein Weilchen ... und noch ein Weilchen ...
Danke jedenfalls.
MG
 
G

Gelöschtes Mitglied 21114

Gast
Hi Mistralgitter,
ein bildstarkes Herbstgedicht, das mir gefällt. Bis auf die letzte Zeile (anbas scheint es ähnlich zu gehen). Aber eine gute letzte Zeile ist doch längst da – in deiner Antwort auf anbas (ich zitiere): "Das erste und das letzte Wort hat hier der Herbst".
Gruß Joe
 

Mistralgitter

Mitglied
Hallo Joe,
fein, dass dir der Text gefällt.
Zu der letzten Zeile: Dein Vorschlag passt zwar irgendwie, aber nur "irgendwie". Der Gedanke der letzten Zeilen dreht sich ja um das Würfeln, das Spielen mit Möglichkeiten. Und daraus kam mir der Gedanke, dass es eine Entscheidung geben sollte oder eben alles offen bleiben wird, weil eben niemand gewinnt, das Rennen macht, außer der Herbst.
Vielen Dank für deine Überlegungen dazu und die Empfehlung. Liebe Grüße
Mistralgitter
 

anbas

Mitglied
Hallo Mistralgitter,

ich kann Deine Überlegung nachvollziehen.

Schwierig wird es eben dann, wenn solch ein Konstrukt dem Gesamteindruck schadet.

Daher hier noch ein paar Ideen, die ebenfalls nur als Anregung gedacht sind:

Zu guter Letzt gewinnt der Herbst das Spiel.
oder
Der Herbst gewinnt am Ende doch das Spiel.
oder
Doch zweifelsfrei gehört dem Herbst der Sieg.

Liebe Grüße

Andreas
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Mistralgitter,

das ist wunderbar!
Wenn man es gelesen hat, bleibt das Gefühl es hätte sich gereimt.

Liebe Grüße
Manfred
 
Zuletzt bearbeitet:

Mistralgitter

Mitglied
Hallo Andreas,
danke, dass du dich so um meinen Text bemühst. Ich versuche immer noch zu verstehen, was an der letzten Zeile so störend wirkt. Und ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich sie umformen will. Unter deinen Vorschlägen sind welche, die ich u.U. nehmen könnte. Noch kann ich mich nicht entscheiden. Und etwas "Ultimatives" ist auch noch nicht in Sicht. Aber der Tag ist ja noch nicht zu Ende
Liebe Grüße
Mistralgitter
 

anbas

Mitglied
Hallo Mistralgitter,

mir geht es bei der letzten Zeile um den Klang, nicht um die Aussage an sich.

"Herbst" endet mit 4 Konsonanten. Beim Lesen empfinde ich dies klanglich einfach als zu hart - besonders für ein Gedicht, das ansonsten sehr melodisch daher kommt (in der Musik gibt es Stücke, die sehr plötzlich enden und andere, die leiser werden oder langsam auslaufen - um diese Wirkung geht es mir hier).
Das ist sicherlich nur eine kleine Feinheit. Und ich achte normalerweise eher nicht auf sowas, doch hier ist es mir eben aufgefallen.

Ich hoffe, ich konnte jetzt klar machen, worum es mir hier geht.

Liebe Grüße

Andreas
 

revilo

Mitglied
Der Herbst wirft sturmgepeitscht sich uns zu Füßen,
er blättert seine Farben auf,
mischt raschelnd welkes Laub mit reifen Früchten
und breitet sie als bunten Teppich aus.

Dann reckt er seine Nebelhände
himmelwärts zum letzten Blau.
Mit grauen Wolkenfingern zaust, zerzupft er
die sommerwarme Herrlichkeit im Nu.

Er spielt, er würfelt mit Kastanien
um Prunk, um Schönheit oder sterblichen Zerfall.
Verstörung? Tröstung? Vielleicht beides.
Gewinnen wird nur zweifelsfrei der Herbst.
 

revilo

Mitglied
Der Herbst wirft sturmgepeitscht sich uns zu Füßen,
er blättert seine Farben auf,
mischt raschelnd welkes Laub mit reifen Früchten
und breitet sie als bunten Teppich aus.

Dann reckt er seine Nebelhände
himmelwärts zum letzten Blau.
Mit grauen Wolkenfingern zaust er
die sommerwarme Herrlichkeit im Nu.

Er spielt, er würfelt mit Kastanien
um Prunk, um Schönheit oder sterblichen Zerfall.
Verstörung? Tröstung? Vielleicht beides.
Gewinnen wird nur zweifelsfrei der Herbst.
 

Béla

Mitglied
Da der Herbst charaktervoll beschrieben wird, kommt mir nichts ungereimt vor. Und dass das Gedicht ohne Reim bleibt, bedarf keines Hinweises im Titel.
Warum nicht titelfrei lassen? Herbst taucht ja einklammernd 2x auf.

Béla
 

Mistralgitter

Mitglied
@anbas
Jetzt verstehe ich dein Anliegen. Nur bisher habe ich auf solche Feinheiten noch nie geachtet - velleicht sollte ich das in Zukunft tun. Hier jedoch ist der Herbst auch formal die Klammer, wie Bela richtig bemerkte. Von daher möchte ich (vorerst) den Begriff so stehen lassen.

@revilo
Natürlich ist deine Version schlanker. Nur ist damit mein angestrebtes Reimschema über den Haufen geworfen. Und warum kann ein Text nicht auch mal üppig daherkommen? Ich weiß, es ist Geschmackssache. Ich hatte gerade einmal Lust dazu - ich hätte auch alles ganz anders machen können, hätte .... Damit will ich aber deine Überlegungen und Vorschläge (es ist aber doch nur einer, der zewimal gepostet wurde, oder?) nicht einfach von der Hand weisen und danke dir sehr dafür.

@Bela
Kann man denn überhaupt Texte ohne Überschrift hier einstellen? Mir fällt das mit den Titeln nämlich immer ziemlich schwer. Schön, dass du das mit der Klammer entdeckt hast.

Danke euch allen!!!! für eure Mühe
MG
 

Oscarchen

Mitglied
Moin,
Andreas spricht mir aus der Seele.
Mich gelüstet nach Verreimung!
Wie dem auch sei...
es ist ein wortstarkes Werk!
LG
Oscarchen
 

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