Ich werde dir einmal schreiben

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ich werde dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
am ersten tag des jahres
an dem es regnet. oder schnee fällt.
davon dass die vögel sich
nach dem ufer sehnen. oder dem meer.
und von der alten geschichte.
dem loch im boden, das uns verbindet.
in das wir erde werfen.
vielleicht glauben wir dem gedächtnis
nicht mehr. hier und da tauchen
aufgenähte gesichter auf. sie lügen klar.
aber ich hätte es wissen müssen
als aus dem nebel die gestalten kamen.
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorüber.
Als sollte ich dir etwas sagen.
 

ENachtigall

Mitglied
Geniale Akzentuierung, dieses eine große A am Anfang der letzten Zeile.

Ein Gedicht, das sitzt wie ein Reisender auf dem Bahnsteig, der sich in Anbetracht der ein- und ausfahrenden Züge selbst vergisst.

Es macht Lust auf Wiederlesen.

Das ist schon ein schönes Kunststück für ein Gedicht ...

Grüße von Elke
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Patrick,

nach den vielen anerkennenden Worten und Wertungen ist es natürlich schwierig, hier noch Kritik vorzubringen. Ich versuche trotzdem mal, meinen Eindruck darzulegen:

Ich bin keine Lyrikerin, deshalb sehe ich ein Gedicht zunächst immer unter sprachlichen Gesichtspunkten. Erst dann kommt der Inhalt für mich. Darum fielen mir gleich mehrere Wortwiederholungen auf, die in so einem ultrakurzen Text nicht sein müssten:
ich werde dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
Dieses doppelte werde klingt für mich unschön. Man könnte das zweite entweder ganz weglassen oder durch „möchte“ ersetzen.
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorüber.
Als sollte ich dir etwas sagen.
Auch hier: Zweimal etwas so nah beieinander finde ich nicht gelungen. Allerdings habe ich hier im Moment keinen Vorschlag, wie man dies besser lösen könnte

Für mich würde sowieso eine Umstellung der letzten drei Sätze logischer erscheinen, ob nun mit großem A oder nicht.
sie nickten. Als sollte ich dir etwas sagen.
dann gingen auch sie vorüber.
Nur meine unmaßgebliche Meinung.

Gruß Ciconia
 
Hi Ciconia
Die Wortwiederholungen sind ja gewollt.
Sie sollen unbeholfenheit signalisieren.

Genau wie die letzten Sätze
So bleibt es offener

Vielen Dank für die Kritik. :)
Deine Meinung ist übrigens überhaupt nicht
unmaßgeblich!

L.G dir
Patrick
 
Muss man denn immer nach 0815 Regelregeln schreiben?
Lyrik ist ein Spiel, sei gut, sei schlecht, sei fair, sei unfair.
Nur bitte vor nichts zurückschrecken.

Der ganze Text ist doch eine Frage und etwas unausgesprochenes.
Warum das nicht auch in die Form einfließen lassen.

Wenn du's allerdings nicht ernst nehmen kannst, habe ich
wohl etwas falsch gemacht.
Schade.

L.G
Patrick
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Patrick,

ich glaube, hier hast du etwas missverstanden: Es geht mir hier doch nicht um Regeln, sondern um die Vielfalt der Sprache, die man einsetzt!

Ciconia
 
Hi Ciconia
Mir geht es doch auch um Vielfalt.
Aber viele Worte sind hier (meines erachtens)
fehl am Platz. Es passt einfach nicht zu diesem
Grübeln.
Wie gesagt, hier sind wir unterschiedlicher Meinung.
Ich bin aber froh darüber, dass du mir die Kritik zu
Herzen gelegt hast.

Hi
SummoningPhantom

Den kenne ich nicht.
Habe ich etwas verpasst?

L.G
Patrick
 
ich muss dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
am ersten tag des jahres
an dem es regnet. oder schnee fällt.
davon dass die vögel sich
nach dem ufer sehnen. oder dem meer.
und von der alten geschichte.
dem loch im boden, das uns verbindet.
in das wir erde werfen.
vielleicht glauben wir dem gedächtnis
nicht mehr. hier und da tauchen
aufgenähte gesichter auf. sie lügen klar.
aber ich hätte es wissen müssen
als aus dem nebel die gestalten kamen.
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorüber.
Als sollte ich dir etwas sagen.
 
S

Summoning Phantom

Gast
The Others ist ein guter Film, aber jede Erklärung würde ihn spoilern.
 

HerbertH

Mitglied
Eine Wiederholung kann auch Etwas betonen, hervorheben, zum Nachdenken bringen, was dies Etwas ist, und ob es dasselbe Etwas ist. Ändere das bloß nicht...

Chapeau
 
Hallo Patrick,
da die bekanntesten Autoren der LL vor Begeisterung nur so dahin schmelzen, dürfte ich eigentlich nichts Negatives sagen.
Sogar Karl, der eigentlich sehr sparsam mit großem Lob ist schrieb:
„ein wunderbarer, atmosphärisch unglaublich dichter Text.“

Es muss wohl daran liegen, dass ich keine Ahnung von großer Dichtung habe, dass mir Vieles nicht gefällt.

Warum will er ihn besuchen, wenn der erste Regen oder Schnee fällt?
Für mich ganz unklar.
Dann will er schreiben
von der alten geschichte.
dem loch im boden, das uns verbindet.
in das wir erde werfen.
Ist da ein Grab gemeint, in das man Erde geworfen hat? Dann müsste m. E. „in das wir Erde warfen“ dort stehen oder ist das Grab noch offen und es wird immer noch Erde hinein geworfen?
Und wer sind denn diejenigen mit den „aufgenähten“ Gesichtern. Haben sich alle einer Schönheitsoperation unterzogen?
Die Wortwiederholungen gefallen mir auch nicht, doch du hast sie ja mit den Worten

Die Wortwiederholungen sind ja gewollt.
Sie sollen Unbeholfenheit signalisieren.
erklärt (seltsame Erklärung), doch Herbert hat sie ja schön geredet.

Dann frage ich noch, was die Punkte in dem folgenden Satz bedeuten.

sie nickten[red].[/red] dann gingen auch sie vorüber[red].[/red]
Viele Grüße,
Marie-Luise
 
S

Summoning Phantom

Gast
Ich würd auch gern wissen wovon das Gedicht eigentlich handelt. Ich versteh es nicht.
Ich weiß dass Patrick schreiben kann, aber der Text wirkt auf mich prätentiös. Zeitformen werden hin und her geworfen, ist das ein Rätsel um des Rätsels willen?
Mein erster Eindruck war es geht um 2 Tote, die vielleicht noch nicht wissen dass sie tot sind, daher die Gestalten im Nebel, die vielleicht selber Menschen sind die leben und den Geistern wie Geister vorkommen. Dann das Werfen von Erde in ein Loch.

ciao.
 

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