Laurel 2.0

3,50 Stern(e) 4 Bewertungen

KB

Mitglied
Der Typ im vor mir fahrenden Auto sieht aus wie Stan Laurel von hinten. Finde ich jedenfalls.
Dieser typische trapezförmige Schädel mit den kleinen abstehenden Ohren. Die Frisur, an den Seiten kurz, oben wie der Kehrbesen der Hausmeisterin. Ich nenne ihn einfach mal Stan Laurel, weil ich seinen richtigen Namen nicht kenne. Wie sollte ich auch, hab mich noch nie mit ihm unterhalten.
Sein Fahrstil stammt jedenfalls aus einer Zeit, in der es noch keine Verkehrsregeln gab. Mit einem leicht nach rechts geneigten Oberkörper hängt er in seiner Karre wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Derzeit sind auffallend viele Laurels unterwegs. Sie fahren junge Frauen spazieren, die stolz sind, von einem Laurel in einem gepimpten Mittelklassewagen chauffiert zu werden. Wer etwas auf sich hält, kurvt mit seiner erbeuteten Bitch durch den dichten Feierabendverkehr.
Ich werde mich an die Fersen seiner auffällig hellgrün lackierten Felgen heften. Es interessiert mich eigentlich nicht besonders, aber ich finde es witzig, einen Laurel auf freier Wildbahn zu beobachten. Er macht es mir nicht leicht. Seinem leichtsinnigen Fahrstil folgend, bin ich gezwungen auch in äußerst brenzlichen Situationen zu überholen. Laurel indes bleibt cool. Auch wirklich gefährliche Aktionen erledigt er in schräger Sitzposition. Ich sehe förmlich, wie er sich nach mehr oder weniger gelungenen Überholmanövern den Haarbüschel rubbelt. Seine Beute ist dabei zur Co-Heldin aufgestiegen und hat sich währenddessen am Haltegriff festgekrallt. Vermutlich ist sie froh, fürs Erste alles lebend überstanden zu haben. Dafür wird sie dann auch gönnerhaft ins Mc Doof eingeladen. Treffen mit Gleichgesinnten. Man kennt sich und wird mit einer angedeuteten Umarmung begrüßt. Seine Beute bleibt derweil unbeachtet, ist eh nur eine Bitch.
Ich habe Angst, Laurel in der Menge der Verwechselbaren aus den Augen zu verlieren. Erst auf dem Parkplatz kann ich ihn wieder an seinen neonfarbenen Sneaker identifizieren.
Die erlegten Burger wurden inzwischen ausgeweidet und die weggeworfene Papierhüllen kennzeichnen deutlich den Schlachtplatz. Gesättigt und mit dröhnenden Motoren geht es weiter ins Feld. Es gilt, den coolen Ruf den man sich mühsam erworben hat zu verteidigen.

Mir dagegen ist langweilig geworden. Ich fahre nach Hause und sehe mir „DICK UND DOOF MACHEN EINE LANDPARTIE“ an.
 

Ilona B

Mitglied
Hallo KB,
ich finde die Geschichte nicht witzig. Was nicht heißen soll, dass sich jemand anderes göttlich darüber amüsiert.

Folgendes würde ich ganz weglassen, ist meiner Meinung nach überflüssig.
Ich nenne ihn einfach mal Stan Laurel, weil ich seinen richtigen Namen nicht kenne. Wie sollte ich auch, hab mich noch nie mit ihm unterhalten.
Mir ist die Erzählung zu langweilig, da nur ein allgemeines Klischee mit ein paar überzogenen Ausdrücken erzählt wird. Du hättest den Verfolger mehr in den Vordergrund rücken können, da dieser sich sehr überlegen fühlt, obwohl er sich selbst primitiv verhält.
 

KB

Mitglied
Liebe Ilona,
vielen Dank für Deinen Komentar.
Ich finde es auch nicht witzig. Sollte es auch nicht sein. Mir sind solche Situationen während vieler Autofahrten aufgefallen. Mehr oder weniger ein Gedankenprotokoll. In dem Fall bin ich dann wohl der primitive Verfolger.
 
Hallo KB,
witzig ist das tatsächlich nicht. Aber für Satire ist es auch nicht tauglich. Und für Stan Laurel ist es wohl eher eine Beleidigung, ihn mit einem solchen Hanswurst zu vergleichen.
Ich habe es als Busfahrer den ganzen Tag mit solchen möchtegerncoolen Typen in ihren heißen Kisten zu tun. Das ist teilweise schon gemeingefährlich. Aber hätte die Bitch an seiner Seite nur ein bisschen Grips, würde sie ihn spätestens nach der dritten Aktion auffordern, sie aussteigen zu lassen. Das wäre vernünftig. Aber diese Menschen, männlich wie weiblich, sind nicht vernünftig ... Sie sind einfach nur doof. Auch deshalb finde ich den Vergleich mit Stan Laurel gemein, denn der war keineswegs doof.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

KB

Mitglied
Du hast Recht: Stan Laurel war nicht doof, aber Doof war doof. Der Vergleich mit Stan Laurel ist nicht gut. Ich wollte damit aber nur sein Aussehen beschreiben.
Ich sollte mir bessere Geschichten ausdenken.
Vielen Dank für die Kopfnuss.
 

hein

Mitglied
Hallo KB,

so daneben ist es gar nicht:

Wenn du sagst er sieht aus wie "Stan Laurel" ist das nur eine äußerliche Beschreibung (und da war das Original ja wirklich etwas seltsam). Aber es sagt nicht das das Original doof war.

Ich würde den Typ aber nicht "Laurel" nennen, sondern "Stan".

LG
hein
 
Hallo KB,
oh, bitte, gern geschehen ;) Nein, ist ja nicht bös gemeint. Du weißt, wie ich es meinte. hein hat es da vielleicht etwas moderater formuliert. Der Vergleich im optischen Sinne ist okay.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

Oben Unten