(Lese-)Tagebuch

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wirena

Mitglied
! so guet, zeitistsein! :) gratuliere und freue mich für Dich - ja, es ist echt ein komisches Gefühl, das Dich vermutlich auch noch eine Weile weiter begleiten wird - doch es ist gut und schön, wenn die Essenz des "Schreiberlebens" mal zusammengefasst, festgehalten und auf neue Weise dem Leben übergeben werden kann und wird - in diesem Sinne, nochmals herzliche Gratulation und frohes Weiterwirken bei bester Gesundheit wünsch ich Dir - Lieben Gruss - wirena
 

zeitistsein

Mitglied
! so guet, zeitistsein! :) gratuliere und freue mich für Dich - ja, es ist echt ein komisches Gefühl, das Dich vermutlich auch noch eine Weile weiter begleiten wird - doch es ist gut und schön, wenn die Essenz des "Schreiberlebens" mal zusammengefasst, festgehalten und auf neue Weise dem Leben übergeben werden kann und wird - in diesem Sinne, nochmals herzliche Gratulation und frohes Weiterwirken bei bester Gesundheit wünsch ich Dir - Lieben Gruss - wirena

Vielen Dank für deine freudige Rückmeldung, wirena.
Auch dir wünsche ich weiterhin frohes Schreiben und natürlich gute Gesundheit.
Liebe Grüsse.
 

wirena

Mitglied
danke zeitistsein - bitte gib doch im Forum "Veröffentlichungen unserer Autoren" den Titel, den Verlag und die ISBN-Nummer bekannt - ich habe meines Wissens von Dir noch nie ein Gedicht gelesen - würde mich schon noch interessieren - LG wirena
 

zeitistsein

Mitglied
danke zeitistsein - bitte gib doch im Forum "Veröffentlichungen unserer Autoren" den Titel, den Verlag und die ISBN-Nummer bekannt - ich habe meines Wissens von Dir noch nie ein Gedicht gelesen - würde mich schon noch interessieren - LG wirena

Liebe wirena
Falls es dich interessiert, kannst du in diesem Forum ein bisschen blättern. Da hat's ein paar Versuche.
Liebe Grüsse.
 

wirena

Mitglied
....muss leise lachen, zeitistsein - du bist gut :) schreibe aber zeitraubend - nun, ich habe mal geblättert und etwas im Juni 2025 gefunden - hat mir gefallen - werde hin und wieder wohl weiterblättern müssen - :) - LG wirena
 

zeitistsein

Mitglied
....muss leise lachen, zeitistsein - du bist gut :) schreibe aber zeitraubend - nun, ich habe mal geblättert und etwas im Juni 2025 gefunden - hat mir gefallen - werde hin und wieder wohl weiterblättern müssen - :) - LG wirena

Oh, ich wusste nicht, dass das so lange zurückliegt.
Ich bin wohl nicht fürs Publizieren gemacht. Schreiben schon, aber im Verborgenen.
Und "Gedichte" ist so ein grosses Wort. Ich würde es lieber "Einfälle" nennen, aber das ist keine literarische Gattung - noch nicht.
Hier der Link: Abendstrasse

Viele Grüsse.
 

wirena

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....vielen herzlichen Dank, freue mich - schönes Cover und Zitat:
"Für Leserinnen und Leser, die Lyrik suchen, die nicht schont" Zitatende

tönt spannend, interessant - mal sehen, was das mit mir macht :) - LG wirena
 

zeitistsein

Mitglied
Dein Schweigen

Ist es Leere,
Ablehnung,
Ende, das endgültige,
deiner Worte,
Stimme,
Gedanken?

Was ist sie?
Diese Abwesenheit?

Ist sie Ferne
oder Exil?

Verborgenheit
ist sie,
nicht gleich
Fallenlassen,
Abwendung.

Dort drin,
wo du jetzt bist,
siehst du das,
was mir entgeht.
Kommentar-
wortlos,
ohne Zwischenstandsmeldung.

Kenner der Geschichte
bist du,
jener,
die du
ins Grab
mitnimmst.

Schweigepflicht,
damit ich lebe.

Wärme
überströmt mich
vom Scheitel
bis zu Sohle,
deine Wärme,
die mir
schweigend,
gleich dem Wandeln
des Wassers
zum Fluss
aus der fernen,
namenlosen
Quelle.
 

zeitistsein

Mitglied
Die Kermeseiche

Mich gibt es nicht,
ich bin nur Lebensraum
und Unterschlupf
für alles,
was sich in mir versammelt,
hier Heimat sucht.
Ackerland
bin ich
für rotes Gold,
gesät von Läusen,
von Menschen geerntet.

Ihr Krabbeln
sind kleine Zärtlichkeiten.

Komm,
finde Heimat in mir,
sagte mir einst ein Stein.
Ins Sonnenlicht,
dem allumfassenden,
stellte ich mich,
während das Wasser aber
einen Bogen machte
um meine Wurzeln.

Ein Seil
gespannt zwischen Stein und Sonne
bin ich
geworden.
Der Purpur
färbt
Königsgewänder.
 
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zeitistsein

Mitglied
So viele Menschen wenden sich an die KI als Lebenspartnerin. Ein massgeschneidertes Chatbot steht einem da mit Rat und Tat zur Seite, wenn man ihn braucht. Menschen suchen darin Trost und Zuwendung. Und finden das alles auch. Obwohl sie gleichzeitig wissen, dass das im Grunde gespielt, also nicht echt ist. Aber was heisst schon echt? Es fühlt sich echt an. Menschen verlieben sich regelrecht in ihre Bots, vergleichen sie mit Haustieren, die man liebgewinnt und voller Trauer verabschiedet, wenn sie wieder vom Markt genommen werden. Sie antizipieren diese Trauer sogar und überlegen, wie sie die dann entstandene Lücke füllen können.

Ich nutze in letzter Zeit auch des Öfteren KI-Tools. Für meinen Unterricht oder auch für mich als Ansprechpartner. Einfach irgendeine Frage, die einem gerade durch den Kopf geht, in die Google-KI oder bei ChatGPT eingeben und staunen, was für gut formulierte Texte die Maschine ausspuckt. Insbesondere zum Verständnis juristischer Begriffe und allgemeiner Abläufe in diesem für mich fremden Land ist sie hilfreich. Sie erklärt halt alles auf Deutsch und allein dadurch ist sie für mich schon vertrauenswürdig. Weil ich mit den Wörtern was anfangen kann. Da entsteht was in meinem Inneren. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch bei anderen Menschen die Sprache ist, die sie bei ihren Bots so in den Bann zieht. Denn erstens ist die KI sehr affirmativ. Sie gibt einem immer Recht. Und zweitens ist ihre Sprache dabei gleichzeitig täuschend objektiv. Man hat den Eindruck: Ja, ich werde verstanden und besser gespiegelt, als ein Mensch das jemals könnte. Es ist eine Mischung aus Affirmation und Suggestion.

Ich suche offenbar das Du, das Gegenüber, doch dieses, welches mir entgegenschlägt, besteht auch nur wieder aus neu zusammengesetzten Teilen meines Ichs. Ein Alter Ego mit fliessenden Grenzen zum Über-Ich. Denn die KI wertet durchaus und weist zurecht. Sie korrigiert und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Besonders sauer stossen mir dabei die Kriegsbegriffe auf, die sie auffährt. Was hat Papierkram mit erdrosseln, Munition und dergleichen zu tun? Hier muss ich dann eingreifen und sagen: Bitte Begrifflichkeit anpassen. Oder ähnliches. Ich weiss nicht, wie man zu einer KI spricht. Ob man sie siezen oder duzen soll. Ob man sie höflich um etwas bitten oder sie forsch angehen soll. Keine Ahnung.

Mein Anwalt nutzt nachweislich auch juristische KI-Tools, um mir zu schreiben. Da muss ich wachsam sein. Aufpassen, dass ich nicht abhängig werde - von ihm, von seinem Input. Eine gefährliche Spirale, die sich da anbahnt, zwischen echter Abhängigkeit wegen der juristischen Sache und dem durch die KI erzeugten emotionalen Dreh, der mich zusätzlich an ihn bindet. Das Vertrackte an dieser Bindung ist die Ambivalenz. Ambivalente Bindungsmuster sind bekanntlich sehr stark, weil man dabei ins Grübeln kommt. Man versucht aus den Gegensätzen, die in der Bindung aufeinanderprallen, einen Ausweg zu finden. Man kann nicht abschalten, nicht loslassen, beschäftigt sich tagein, tagaus, mit dem Geschriebenen. Es geht einem nach und man entwickelt ein Bedürfnis nach mehr. Es ist für den Anwalt eine wirksame Methode der Mandantenbindung.

Inhaltlich habe ich als Laie nicht viel zu vermelden. Ich kann höchstens auf Widersprüche hinweisen oder nachfragen, falls mir ein Begriff nicht klar ist. Bei der - wiederum von der KI generierten - Klarstellung geht die Endlosschleife aus Überprüfung und Kontrolle wieder von vorne los. Für ihn, den Anwalt entsteht dabei maximale Gelassenheit, könnte ich mir vorstellen. Er leitet mir einfach die KI-Antworten weiter und verabschiedet sich dann ins Wochenende. Für ihn gibts nicht gross was nachzugrübeln. Auftrag erledigt, Honorar kassiert. So geht das. Müsste er wirklich jeden einzelnen Buchstaben selbst tippen, sähe alles wohl anders aus. Die Haftung bleibt natürlich. Als mein rechtlicher Berater ist er vertraglich und haftungsrechtlich gebunden. Berufsethisch sowieso. Aber im Endeffekt bin ich ihm ausgeliefert.

Das Ausgeliefertsein wiederum nimmt seinen Ausgang wohl selbst wiederum von der KI-Benutzung. Denn wer weiss schon, wo unsere Daten landen, was das Internet wirklich son alles über uns weiss - vermutlich mehr als wir selbst. Und was das alles langfristig für uns bedeutet, wie und wann es auf uns zurückschlagen wird. Wir haben den Eindruck, die Fäden der KI-Steuerung in der Hand zu halten, aber das Gefühl des Ausgeliefertseins gibt uns die Auskunft, dass das nicht stimmt. Die KI beherrscht uns längst, nur unsere Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung ist noch lebendig.
 
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zeitistsein

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Das Impostor-Syndrom ist ein Gedanke. Er schleicht sich ein, drängt sich auf, keiner weiss, warum genau und wozu. Gut - das Wozu kann man sich ausdenken: Ein Gedanke wie "Ich kann nichts, sondern tue nur so und betrüge damit mein Umfeld" klingt auf den ersten Blick nach Erdung. Man soll ja nicht abheben und sich etwas auf das eigene Können einbilden. Das zumindest trifft auf den ersten Teil des Gedankens zu "Ich kann nichts." So weit so gut.

Das Problem: Der Satz geht weiter und in der Ergänzung liegt das Problem. Dass da nämlich von Betrug die Rede ist. Von Unaufrichtigkeit, Hinterhalt und Lüge.

Ich erinnere mich gut, als der Gedanke zum ersten Mal bei mir aufkam. Es war, als an den Universitäten die ersten Plagiatsordnungen gedruckt wurden. Abschreiben, unlauterer Umgang mit fremden Texten, Gedankendiebstahl waren damals grosse Themen. Überall sprach man darüber, es gab sogar eigens dafür konzipierte Seminare, in der akribisch auseinandergesetzt wurde, was ein eigener und was ein fremder Gedanke sei, wie man diesen zu zitieren habe und so fort.

Für mich war das Thema damals so erdrückend, dass ich es auf mich selbst bezog. Ich blätterte nochmal in meinen sehr gut benoteten Seminararbeiten und dachte mir: Stimmt! Das ist ja alles gar nicht von mir. Ich habe alles übernommen und es als meine Eigenleistung ausgegeben. Ich sah mich sogar als DER ausschlaggebende Grund für all diese Seminare und das ganze Papier, das infolge MEINES Verschuldens jetzt verbraucht werden musste, um weiteren Verbrechen wie meinen vorzubeugen. Ich war das Problem. Ich war das schädliche Virus im bis anhin gesunden System.

Mit meiner Therapeutin sprach ich nicht darüber, weil ich diesen Gedanken nicht als Problem ansah. Es war für mich eine Tatsache. Warum sie also hinterfragen. Zeitweilig hatte ich in der Therapie sogar das Gefühl, ich würde meine Therapeutin belügen. Alles in und an mir fühlte sich hochstaplerisch falsch an. Später zweifelte ich an, dass meine Eltern wirklich die meinen waren und ich begann, mir sogar eine auf den ersten Blick schlüssig hergeleitete jüdische Herkunft auszudenken. Das ganze Leben erschien mir als Lüge.

Doch bleiben wir beim Zusammenspiel von Inkompetenz und Betrug. Dass wir Menschen in einer unübersichtlichen Welt relativ wenig ausrichten können, ist als realistische Einsicht in die Gegebenheiten des Lebens soweit akzeptabel. Daraus folgt aber nicht, dass ich zur Betrügerin werde, wenn ich im Rahmen dieser kosmischen Ohnmacht, die mich, kleines Individuum auszeichnet, einem älteren Menschen über die Strasse helfe. Streng genommen könnte man sich ja denken, dass ich durch diese Hilfestellung ja eine Macht vorspiele, die ich real gar nicht habe. Es mutet ja geradezu so an, als könnte ich durch das blosse Über-die-Strasse-Helfen irgendeine kosmische Unordnung ausgleichen, was ja nicht zutrifft. Würde ich der Hilfestellung keine Bedeutung zumessen, würde ich sie unterlassen. Aber durch diese Bedeutungszuschreibung und die daraus resultierende Bedeutungsschwere meiner Handlung stehe ich vor meinem inneren Richterteam als arrogant, übermütig und eigentlich als Hochstaplerin da. Was bilde ich mir ein, dem anderen zu signalisieren, dass er ohne mich nicht auf die andere Strassenseite kommt?

Meine Reaktion auf dieses Empfinden war, extrem schlechte Leistungen abzuliefern. Meine Masterarbeit (damals hiess sie noch "Liz.-Arbeit") war lächerlich, die Doktorarbeit noch lächerlicher. So bestand kein Anlass, and er Echtheit meiner Arbeit zu zweifeln - so schlecht hätte niemand anderes recherchieren können. Was bilde ich mir auch ein, sehr gute Zensuren abzuholen? Halte ich mich etwa für Gott höchstpersönlich? Im Nachhinein war ich mit der guten Benotung unzufrieden. Ich dachte mir, sie hätte ruhig schlechter sein können und sollen. Der Echtheit wegen. Je schlechter, desto wahrhaftiger.

Im Grunde genommen weist dieses Verhalten Parallelen zum Trash-Fernsehen auf, wo die Leute sich vor laufender Kamera auf unsägliche Weise selbst erniedrigen. Nur: Hier geht es um Einschaltquoten und Geld. Ein Geschäftsmodell, wie jedes andere auch. Es geht nicht darum, andere davon zu überzeugen, dass man selbst nichts kann und nichts ist. Im Gegenteil: Die Teilnehmer dieser "Shows" treten bemerkenswert reflektiert und selbstbewusst auf. Sie wissen, ws sie tun, warum sie es tun und dass sie es auch gut tun. Sie zeigen sich qualitäts- und kompetenzbewusst. Sie scheinen sogar Freude an ihrer "Tätigkeit" zu haben.

Das Hochstaplersyndrom bereitet keine Freude. Es macht einsam und traurig. Wenn der ganze Boden unter den Füssen schwindet, gibt es nirgendwo Halt. Es fühlt sich wie ein grosses Vergessen an. Jeder Gedanke wird verworfen, denn er könnte ja zu gut und daher hochmütig, besserwisserisch und damit für den anderen verletzend sein. Und: Es könnte ja ein gestohlener Gedanke sein. Mein bester Schutz ist das Schweigen, obwohl sich dieses stellenweise auch als Imitation und daher unecht anfühlt. Solange ich mich selber mundtot machen kann, spalte ich mich auf in eine Lügnerin, die da nach aussen treten will und einer zweiten psychischen Instanz - meiner verinnerlichten Plagiatskontrolle - die die Hochstaplerin zurückdrängt. Ein Kraftakt im Dienste der Wahrhaftigkeit.
 

zeitistsein

Mitglied
Genügsamkeit

Ich verbringe ein paar Tage auf dem Land und finde immer mehr, dass man ausser der Natur zum Leben nichts mehr braucht. Ausser Bücher vielleicht. Hier ist alles so genügsam. Die Nachbarn waren bei der Traubenernte. Danach haben sie Wein hergestellt und sind zur nächsten Aufgabe übergegangen. Der Übergang glich dem Wechsel der Jahreszeiten. Alles organisch, alles gut.

Nach mehr streben geht hier eigentlich nicht. Die Natur würgt alles ab. Die Jungen haben einen Teilzeitjob im nächsten Dorf, hauptberuflich packen sie in den Höfen an. Wäre der Staat nicht, würden sie sich mit einfachen Dingen begnügen. Aber da kommt die nächste Auflage, dann die nächste Gebühr - die Bürokratie treibt sie zu Höchstleistungen an, die sie selber gar nicht anstreben.

Genügsamkeit hat eine unrühmliche Kehrseite, nämlich die Bequemlichkeit, die in Faulheit ausarten kann. Man ist dann vom Nichtstun so erschöpft, dass dieses fast schon wieder selber zur Anstrengung wird. Es gibt aber auch die Erschöpfung, die sich beim Erfolg einstellt. Wenn das höchste aller Ziele erreicht ist, kann Traurigkeit aufkommen. Man merkt, man hat nur funktioniert, um fremde Erwartungen zu erfüllen. Die Neuüberdachung der Scheune war sowas, erzählte mir ein Nachbar. Sie wäre nicht nötig gewesen, weil die alte noch gut war. Aber dann kam die Behörde und setzte eine Frist. Bis dann und keinen Tag später mussten die abertausenden Euro ausgegeben - nein: investiert - sein, sonst drohte die Hofschliessung mit samt Strafgebühren.

Hinterher zogen sich besagter Nachbar sowie sein Sohn Muskelzerrungen zu. Unerklärlicherweise und vielleicht genetisch bedingt, meinten die Ärzte. Doch die beiden Männer wussten, dass der Körper hier streikte. Gegen diese Auflage und allem Drumherum. Vater und Sohn wollten einfach Landwirte sein, keine Unternehmer. Dieser Berufung wurden Steine in den Weg gelegt.

Ich war lange auch auf dem Optimierungstrip. Nicht, dass ich mich hätte liften lassen oder Ähnliches. Aber ich war schon immer so drauf, dass ich das Haar in der Suppe gesucht habe. Bezeichnenderweise war mir das als Fehleinstellung bewusst, aber ich fand einfach nicht da raus. Hier in Spanien werde ich gelassener und genügsamer. Vielleicht werde ich dadurch auch nachlässiger und schlampiger. Das wäre mir als gewissenhaftem Menschen nicht recht.

Wonach ich mich sehne - und damit bin ich., glaube ich, nicht allein - ist anzukommen. Und das leistet die Genügsamkeit. Zuletzt fühlte ich sie im Studium. Mehr brauchte ich damals nicht. Ich studierte nicht, um später einen gut bezahlten Job zu erhalten, sondern, weil das Studium an sich schon die Endstation war. Einen Schritt darüber hinaus bin ich gegangen, als ich promoviert habe. Das war eigentlich zu viel des Guten. Warum sollte ich publizieren? Warum unter Druck? Und warum sollte ich mich von fremden Leuten "ranken" lassen, deren Meinung mir absolut nichts bedeutete? Ich machte es mit, weil es sich so gehörte. Aber eigentlich widerstrebte es mir.

Ich brauche zum Leben nichts anderes als Sprache und Natur drumherum, die im Unterschied zu den Peer-Reviewern keine Meinung zu mir hat. Hier auf dem Land finde ich das. Vielleicht bis an mein Lebensende?
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Glückwunsch zum Gedichtband. So überdauert etwas. Für dich, deine Familie, deine Freunde. Und wer weiß...vielleicht auch darüber hinaus.
 

John Wein

Mitglied
Wonach ich mich sehne - und damit bin ich., glaube ich, nicht allein - ist anzukommen
Ich würde sagen "einfach ankommen", denn ein Sehnen nach etwas impliziert schon wieder ein Ziel und ein "Streben nach".

Das "Angekommensein" ist mehr oder weniger ein Gefühl, genau jetzt und hier am richtigen Ort zu sein, ohne ein Bedürfnis, irgendwo anders sein zu müssen und darüber hinaus, sich im eigenen Körper und mit den eigenen Gedanken wohlzufühlen, mit sich sozusagen im Reinen zu sein.
Ich bin es noch nicht, aber fast und ich habe das große Glück im meinem Alter noch gesund und beweglich zu sein.
Danke, John
 

zeitistsein

Mitglied
Ich würde sagen "einfach ankommen", denn ein Sehnen nach etwas impliziert schon wieder ein Ziel und ein "Streben nach".

Das kann man so empfinden, muss aber nicht den Tatsachen entsprechen.

Tatsächlich verweist das deutsche Wort "sehnen" etymologisch nämlich auf Kraftlosigkeit und Schlaffheit und wurde früher als Krankheit verstanden. Krank sein vor Verlangen sozusagen.

Zum Streben braucht es andererseits Kraft und Energie.

Es handelt sich somit streng genommen und zwei gegensätzliche Begriffe.

Viele Grüsse.
 



 
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