Mirandoa

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Vorbemerkung

Die Abteilung «Erzählungen» der Leselupe wird als eine Art Archiv genutzt – oder irre ich mich? Guck ich mir die Einträge an, fällt mir auf: Dort tummeln sich kurze Texte, lange Texte, sie werden überflogen oder gelesen, die Besucherzahlen werden registriert, aber Konstruktives, inspirierende Kritik, Änderungsvorschläge lassen die Besucher in der Regel dort nicht zurück. Hier und da meldet sich eine Einzelstimme, spendiert grüne Sternchen – Ende. Im Gegensatz dazu wird beispielsweise in der Abteilung «Gereimtes» für den belanglosesten Vierzeiler Aufmerksamkeit aufgewendet, wird das lyrische Ich bemüht, werden Umformulierungen angeboten. An einem Vierzeiler (wenn ein Thema da ist) sitze ich eine halbe Stunde – für eine Erzählung kann ein halbes Jahr draufgehen. Für einen Vierzeiler finde ich locker kritische Stimmen auch woanders – für eine Erzählung muss ich hausieren gehen, und oft schlägt man mir die Tür vor der Nase zu. Ich habe mich als Mitglied in der Leselupe eingeschrieben, weil ich mir hier ein kritisches und vor allem auch vielstimmiges Forum erhofft habe – vor allem in der Abteilung: Erzählungen!

Joe Fliederstein







Mirandoa



Eva strahlte. Adam maulte. Als Chef und einziger Angestellter seiner kleinen Firma Adam‘s Craziness, die sich mit der Entwicklung von Computerspielen herumschlug, hatte Adam überhaupt keine Zeit. Unentwegt hatte er Einfälle. Die ihn bis in den Schlaf hinein verfolgten. Unentwegt saß er vor einem Computer. Oft in der Besenkammer, die er zu seiner Lieblingsarbeitsnische ausgebaut hatte. Manchmal hockte er vor seinem Zweitcomputer im Schlafzimmer, wenn Eva Besuch hatte. Vor einem Drittcomputer im Fahrradkeller, wenn Eva sich im Oboenspiel übte. Und manchmal verzog Adam sich mit seinem Laptop sogar auf den Dachbalkon, wenn er das Bedürfnis verspürte, den weltumlaufenden Datenströmen besonders nahe zu sein. Gern hörte Adam sich dann sagen: «Wie du das wieder angehst, mein Junge, genial!» Und er hatte ein Wort in ständigem Gebrauch, von dem er behauptete, es im Alter von drei Jahren selbst erfunden zu haben: Kreativdruck. Dem er sich, wie er vorgab, bedingungslos zu beugen habe. «Ich bin meinen Einfällen verpflichtet, und insofern halte ich mich für nicht alltagstauglich!» – «Du gehst trotzdem mit!» entschied Eva. Sie hatte bei einem Preisausschreiben zwei Eintrittskarten für das Insel-Museum gewonnen. Normalerweise hätte sie sich um Kaufkarten bemühen müssen, ja, ohne Vorbestellung wäre ihr Kartentraum nie in Erfüllung gegangen, oder es hätte Jahre gedauert, keine Frage, ehe sie mit einer Bestellung zum Erfolg gekommen wäre. (Das Insel-Museum ist das beliebteste Ausflugsziel weltweit, und es gilt die Regel, dass täglich immer nur ein Besucherpaar eingelassen werden darf. Museumsdirektor Bottersturz wirbt sehr erfolgreich mit dem Slogan: Finden Sie bei uns Ihr ganz persönliches Inselglück!)



An einem Freitag, einem dreizehnten obendrein, Punkt elf Uhr morgens, öffnete man Eva und Adam die Museumstür. Eine Uhr hinter der Tür hatte elfmal Kuckuck gerufen, leise Musik plätscherte ihnen beim Eintreten entgegen, ein betörend süßlicher Duft durchflutete den Raum.

Der Museumsdiener sammelte ihre Handys ein – elektromagnetische Felder, so erklärte er und zog dabei wichtigtuerisch eine Augenbraue hoch, minderten die Wirksamkeit der Simulationssysteme des Museums, Handys und Dergleichen seien nicht erlaubt – und da steuerte auch schon Direktor Bottersturz auf sie zu. «Gnädige Frau», rief er im Heranstürmen, «mein lieber Herr Adam, wie schön, dass Sie sich auf dieses Abenteuer einlassen wollen!» – «Wieso wollen?» knurrte Adam. «Von wollen kann überhaupt keine Rede sein!» Eva knuffte ihn in die Seite. – «Also dann: geradeaus und zweimal links, immer den Hinweistafeln nach!» Der Direktor wies mit großer Geste den Weg. «Dort haben wir alles für Sie vorbereitet, gnädige Frau, wie von Ihnen bestellt!» Direktor Bottersturz nickte Eva anerkennend zu. «Eine wirklich originelle Bestellung, die Sie da in Auftrag gegeben haben!» Und zu Adam gewandt, fügte er an: «Ihre Frau Gemahlin hat uns mit vielen kleinen persönlichen Geheimnissen versorgt, so dass wir für Sie beide eine ganz außergewöhnliche Inselrezeptur vorbereiten konnten! Was sagen Sie!» – «Aha.» sagte Adam. – «Nun denn: Hals und Beinbruch bei Ihrem Start in den Tag eins einer neuen Erlebniszeit!» Der Direktor machte eine Verbeugung, dann wedelte er davon. Adam guckte ihm hinterher und brummte: «Was redet der Mensch für einen Schwachsinn?» Eva nahm Adam wortlos am Ellenbogen und zog ihn mit sich fort.

Der Weg führte Eva und Adam zur Wunschtrauminsel Mirandoa. Auf Mirandoa freute Eva sich. Von allen Wunschtrauminseln, die das Museum in seinem Katalog führte, war Mirandoa «die unwiderstehlichste», so hatte es Eva ein paar Tage vorher beim Abendessen aus dem Museumskatalog vorgelesen. «Ach, Adam, was sagst du: Endlich einmal alles hinter uns lassen, die Firma, die Streitereien, raus aus dem Trubel, endlich einmal nur wir beide – da steht‘s! – eintauchen in ungestörte Glückseligkeit!»

Sie saßen in der Küche. Adam hatte sich gerade einen Frikadellenhappen in den Mund geschoben, hatte genickt und gebrummt: «Wenn ich ehrlich sein soll: Für ungestörte Glückseligkeit bin ich überhaupt nicht der Typ.»

«Aber, Adam! Eine nervöse Natur wie du, die muss auch mal die Luft anhalten!»

«Seit wann bin ich eine nervöse Natur?»

«Das bist du, und das weißt du auch!»

«Das redest du mir ein!» Adam legte seine Gabel neben den Teller und tippte eine Mail-Abfrage in sein Handy, das neben dem Teller auf dem Küchentisch lag. Keine neuen Mails – wurde gemeldet. Adam ärgerte sich. «Zu einem normalen Abendessen gehören ein paar Mails, oder?» knurrte er. Er schob das Handy beiseite. «Ich hab schon gar keine Lust mehr auf dieses … dieses Museumsspektakel!»

«Aber, Adam, nun markier doch nicht den Dickschädel, du gehst mit und lässt ein bisschen unberührte Natur an dich heran! Ein Mensch wie du, der nur noch mit seinen Computern verheiratet ist – wenn du mich fragst: So einer schwebt in akuter Lebensgefahr!»

«Lebensgefahr?» Adam verschluckte sich an einem Frikadellenbissen. «Dass ich nicht lache!»

«Adam, antworte mir! Ehrlich! Wann hast du mich zum letzten Mal geküsst?»

«Komische Frage, na … na, heute Morgen vor dem Aufstehen, wenn ich mich richtig erinnere?»

«Das warst nicht du, Adam.»

«Wer denn sonst, bitteschön?»

«Irgendein Fremder, was weiß ich, irgendeiner dieser Supermänner aus deinen Computerspielen, aber nicht du!»

«Was redest du denn da!»

«Eine Frau spürt so etwas, Adam. Bei irgendeinem von diesen Plastikcasanovas hast du dir den Kuss abgeguckt, und bei mir bist du ihn dann heute Morgen losgeworden. So kam es mir vor. Und nicht zum ersten Mal!»

«Eva, du suchst Streit!»

Eva rückte ihre Brille gerade, die ihr verrutscht war. «Reg dich nicht auf, Adam, wir werden dich schon zu retten wissen, das hab ich mir geschworen!»

«Wer: wir?»

«Na, ich!»

«Und wenn ich nicht gerettet werden will?»

«Du willst, Adam, du weißt es nur noch nicht!»

Adam griff leise aufstöhnend zum Bierglas. «Ich frage mich Eva …»

«Keine Fragen mehr, Adam, bitte! Sonst verschluckst du dich wieder.»

«Dann erklär mir wenigstens, was hat ein halbwegs zufriedener Mensch wie ich auf einer … einer Wunschtrauminsel verloren?»

«Ach, Adam, du ahnst ja gar nicht, was dich erwartet! Da! Da steht‘s!» Und Eva hatte aus dem Katalog vorgelesen: Mirandoa, im Volksmund auch Die Betäubende genannt, ist eine Insel mit Kokospalmen und rauschenden Quellen, mit Orchideenzauber und beseligenden Windböen in der Abendstunde. Du kannst dir gar nicht vorstellen, Adam, wie ich mich darauf freue! Und jetzt geh ich in die Badewanne. Ein bisschen träumen. Im Voraus. Könnte dir auch guttun.»

Adam verzog das Gesicht. «Ich bin sauber!»



Im Museum waren die beiden Besucher den Anweisungen von Direktor Bottersturz gefolgt, und Adam hatte sich wider seinen Willen von Eva zum Ufer der Wunschtrauminsel Mirandoa ziehen lassen. Da stand er nun, ließ weißen Sand durch die Finger rinnen, und er hätte jetzt am liebsten an der Museums-Bar einen Cappuccino geschlürft, ein paar Suchabfragen in sein Handy getippt oder, besser noch, auf seinem Tablet eines seiner selbst erdachten Computerspiele aufgerufen. Zum Beispiel: Rocco Wucht besiegt die Rammawuhlen. Eine Figur, die Adam sich ausgedacht hatte: Rocco Wucht. Eine Heldengestalt, in die Adam sich gelegentlich selbst hineinversetzte, im Supermarkt an der Kasse, zum Beispiel, wenn er im Gedränge nach vorn gestoßen wurde. Auch in der Episode: Rocco Wucht im Kampf mit den Spiegelriesen – Adam sah sich geradezu herausgefordert, in diesen Kampf zu ziehen, wenn er nur daran dachte, wenn er in Fortsetzungen daran dachte, er dachte immer in Fortsetzungen: Rocco bläst die Spiegelriesen von den Dächern (Folge 17) das wäre jetzt eine sinnvolle Beschäftigung gewesen. Stattdessen Wunschtrauminseltrallala …

Eva ließ sich die Museumssonne ins Gesicht scheinen. Sie knöpfte ihr Sommerkleid oben herum auf, dann zog sie Adam am Ellenbogen weiter Richtung Inselmitte.

Dort ist ein Schild aufgestellt: Achtung, Weltuntergang!

Ein Warnschild? Hatten sie gerade eine Sperrzone betreten? Ein Fall für Rocco Wucht? Adam arbeitet in Gedanken an Folge 38 …

Eva fächelt sich den süßlichen Duft in die Nase, der nun geradezu einschläfernd von überallher auf sie zugeströmt kommt …

… und sie sieht, wie Adam die Augen verdreht …

… Adam sieht Eva an, er will ihr etwas zufrufen …

… Eva lächelt …

… Adam sinkt wie ein Fragezeichen in sich zusammen …

… die Sprecher der Nachrichtensender weltweit kündigen in Sondersendungen ein heranstürmendes Inferno an …

… im Erdinnern seien gewaltige Explosionen registriert worden, heißt es, und es müsse mit der Vernichtung sämtlicher Zivilisationen gerechnet werden …

… an einem Freitag, dem 13. …

… Punkt 11 Uhr 55 Globalzeit …

… um 11 Uhr 55 bleiben auf der ganzen Welt die Uhren stehen. Denn auf der ganzen Welt ist um 11 Uhr 55 der Strom ausgefallen. Von dem Stromausfall sind sämtliche Rechenzentren der Erde betroffen, auch die interplanetaren Kraftwerke haben ihre Energielieferungen eingestellt, so dass sämtliche Versorgungsnetze wie auf Knopfdruck zusammengebrochen sind. Die Monitore weltweit flackern zwar noch eine Weile über Reservestrom, schließlich aber verlöschen sie. Auch das Licht der Sonne verlöscht an diesem Freitag. Um Punkt 11 Uhr 55 wird es auf der ganzen Welt dunkel. Im gleichen Augenblick gibt es einen großen Knall! Dann ist es eine Weile still auf der Welt. Die Menschen auf der ganzen Welt sind in eine plötzliche Ohnmacht gefallen …



Als Eva und Adam irgendwann aus ihrer Ohnmacht erwachten, strahlte über ihnen die Sonne. Sie hockten im Sand. Sahen sich um. Die Welt, so kam es Ihnen vor, hatte sich verwandelt. Adam suchte nach Erklärungen. Er erinnerte sich an einen großen Knall. Und was er da jetzt rundum sah, war ganz offensichtlich kein Angebot des Insel-Museums mehr: Es gab keine Museumswände, die Wegweiser zur den umliegenden Kataloginseln waren weggeräumt, der Stuhl des Museumsdieners war … ja, wo war der? «Ich kann mir nicht erklären, wie es zugegangen ist», murmelte Adam, «aber diese … diese Wunschtrauminsel … die ist … das ist doch verrückt! … die ist womöglich … ich glaub es einfach nicht!»

Eva schaute sich um. Es gefiel ihr, was sie sah. «Das ist doch schön, oder?» sagte sie.

Adam spuckte Sand aus. «Schön, ja», brummte er, «aber ich wüsste gern, in welchem Restaurant wir heute zu Abend essen, das hatten wir doch vor, oder?»

Eva lachte. «Von wegen Restaurant, da, guck!»

Adam guckte: Um die Insel rauschte das Meer, und darüber war wie ein blaues Tuch der Himmel gespannt.

Adam rappelte sich auf die Beine und ging ein paar Schritte. Versuchte die Ereignisse zu ordnen, die in seinem Kopf durcheinanderschwirrten. Vom Ufer der Insel aus konnte er die Linie des Horizonts sehen. Was war jetzt dahinter? Diese Frage stellte er sich, er wusste nicht, warum. Was war jetzt dahinter? Der Rest der Welt? Andere Inseln? War die Welt mit dem großen Knall auseinandergebrochen? – Hirngespinste, was denn sonst! Adam schüttelte den Kopf und stieg auf eine der Kokospalmen, die in der Nähe wuchsen. Das Klettern gelang ihm mühelos, denn er war vertraut mit dem Computerspiel Max auf den Baum, das er sich für Kinder ausgedacht hatte, ein Spiel, in dem er selbst als virtueller Schimpanse schon hunderte Male alle bekannten Klettertechniken durchprobiert hatte. Und als er nun von der Spitze der Palme auf das Meer hinausschaute, war der Horizont eine Strecke weiter von ihm abgerückt, aber rundum war auch jetzt nichts anderes zu sehen als das Meer. Adam hangelte sich von der Palme herunter. Er suchte nach Erklärungen. Eine plötzliche Unruhe überkam ihn: Waren sie jetzt allein auf der Welt? Die übrige Menschheit … war sie mit dem großen Knall womöglich ausgelöscht worden?

Eva lachte, als Adam ihr diese Frage stellte. «Typisch Computerfreak, immer übertreiben! Irgendwo wird die Menschheit schon untergekommen sein, da mach ich mir überhaupt keine Gedanken. Außerdem: Für ein paar Tage ist das doch eine willkommene Abwechselung, findest du nicht?»

«Und was, wenn …?»

«Wenn was …?»

«Du musst es zu Ende denken, Eva! Angenommen, wir sind jetzt tatsächlich allein auf der Welt!»

«Ja, dann … aber das sind wir nicht!»

«Angenommen, Eva! Siehst du hier irgendjemanden? Hörst du Geräusche? Ein Auto?»

«Du willst mir Angst machen, oder?»

«Nein … aber, was, wenn!»

Eva nahm ihre Brille ab. Putzte die Gläser mit einem Sommerkleidzipfel.

Nach einer Weile fragten sich beide, ob sie das Alleinsein aushalten würden. Es gab auf der Insel Kokospalmen, und eine Wasserquelle musste sich laut Museums-Katalog auch finden lassen. Sie hatten zu essen und zu trinken. Über ihnen hing wie ein großer goldener Pfirsich die Sonne am Himmel und wärmte sie. Es war eine wunderbare Welt, in der sie aufgewacht waren. «So hab ich es auch bestellt!» sagte Eva.

«Du hast was?»

«Wenn ich es schon wünschen darf, hab ich mir gedacht, und weil es zu unseren Vornamen passt, hab ich einfach mal das Paradies für uns bestellt.»



Adam ging später der Gedanke durch den Kopf, mit dem großen Knall könnte das gesamte Wissen der Welt ausgelöscht worden sein. Mit Eva wollte er nicht darüber sprechen, sie würde mit seinen Gedankensprüngen womöglich nicht Schritt halten wollen, aber als Erfinder von Computerspielen war er daran gewöhnt, in Unmöglichkeiten zu spekulieren, und er überlegte: Wenn weltweit sämtliche Datenspeicher zerstört worden waren – und davon ging er versuchsweise aus – waren er und Eva in einer Welt ohne Wissen aufgewacht. In einer Art Paradies, in dem noch gar nichts los war. So schätzte er es ein. Immerhin: Sie hatten ihre Erinnerungen.



Schon nach wenigen Tagen des Eingewöhnens auf der Insel sagte Eva zu Adam: «Du, ich verliere meine Erinnerungen.» Auch Adam hatte Ähnliches bei sich selbst beobachtet. Er wollte es nicht wahrhaben. Und er war entschlossen, vorzubeugen. Einige besonders flüchtige Erinnerungen, die ihm aber wichtig erschienen, wollte er in das Gestein eines Inselfelsens einkratzen. Zum Beispiel die Titel zu neuen Computerspielen, die er noch erfinden wollte. Rocco Wucht im Datensturm, war so ein Titel. Und auch: Roccos Flug zu den Glutsonnen. Doch das Gestein bröckelte Adam immer wieder unter den Händen weg, ja, er kam gar nicht dazu, auch nur ein Wort zu Ende zu schreiben – es dauerte eine Ewigkeit, ehe er ein läppisches «A» in den Fels gekratzt hatte, was war hier los? Es kam Adam auf einmal so vor, als bliebe unentwegt die Zeit stehen, während er kratzte. Schließlich gab er den Versuch entnervt auf. Leise knurrend sagte er vor dem Einschlafen zu Eva: «Ich vermisse meinen Rechner!»



Das sagte er jetzt häufiger. Es war ein quälendes Verlangen, das Adam überkam wie ein chronisches Fieber. Morgens beim Aufwachen fing es an. Ein Verlangen, das ihn einmal sogar nachts ans Ufer der Insel trieb, weil er, er wusste nicht, warum, weil er hier seinen Fahrradkeller mit dem Drittcomputer vermutet hatte, ein Verlangen nach seiner anschlaggesteuerten Tastatur, nach dem freischwebenden Keramikmonitor, den er gerade erst angeschafft hatte, das Verlangen nach einem Handy, egal welche Baureihe, seinem Tablet, für das er erst kürzlich auf dem heimischen Nachttisch eine Extra-Ablage eingerichtet hatte – wie ihm das alles fehlte! Wie ihn das an den Rand eines Zusammenbruchs zu bringen drohte! Wenn er dann heimlich gegen den Stamm einer Palme trat, oder schwer atmend Löcher in den Ufersand trampelte, und wenn Eva dann unvermittelt hinzukam und fragte: «Was, um Himmelswillen, ist denn mit dir los?» – antwortete Adam: «Lass mich verdammtnochmal in Ruhe, ich bin auf Entzug!»

Im Wechsel von Tag und Nacht und Nacht und Tag hatten Eva und Adam irgendwann die Hoffnung aufgegeben, ein Flugzeug könnte über ihre Insel fliegen, oder ein Schiff könnte am Ufer vor Anker gehen. Die Flugzeuge und Schiffe der Welt waren bei dem großen Knall womöglich alle zerstört worden. So kam es, dass Eva eines Abends zu Adam sagte: «Du, wir sind die letzten Menschen.» Und Eva fügte ein wenig hilflos lächelnd hinzu: «Ich sehe uns in der Verantwortung!»

«Du meinst?» hatte Adam gefragt.

Und Eva erwiderte: «Wir dürfen die Gattung Mensch nicht aussterben lassen!»

Adam erbat sich Bedenkzeit. Er wolle sich seiner Verantwortung natürlich stellen, sagte er, zunächst müsse er sich aber mit einer viel entscheidenderen Problematik auseinandersetzen.

«Und?» erkundigte sich Eva, «Was für eine Problematik soll das sein?»

Adam schaute zum Himmel hoch und schwieg.

«Fürchtest du», bohrte Eva vorsichtig nach, «der große Knall könnte dich um deine Manneskraft gebracht haben?»

«Ganz im Gegenteil», antwortete Adam, «da ist gewissermaßen noch jede Menge abzurufen, wenn ich es richtig einschätze. Ich frage mich aber: Sollten wir die Gattung Mensch nicht besser aussterben lassen?»

Eva dachte über die Frage nach. «Wir haben es in der Hand!» entgegnete sie. Und nach einer Pause setzte sie kichernd hinzu: «Wenn ich an unsere Nachbarn denke, du erinnerst dich, die Üchels mit den rosa Petunien auf der Fensterbank, tja, dann denke ich: Man sollte die Gattung Mensch tatsächlich aussterben lassen! Wenigstens könnte man sie vom Aussterben eine Weile bedroht sein lassen, was hältst du davon?»

Adam nickte.

«Andererseits», gab Eva zu bedenken, «wenn wir den Fortbestand der Menschheit auf die lange Bank schieben … ich bin Mitte Dreißig …»

«Das bedeutet?» erkundigte sich Adam.

«Das bedeutet: Wenn wir es zum Beispiel heute Abend angehen ließen … die Luft ist ungewöhnlich lau …»

Das Gespräch endete damit, dass es Eva und Adam an diesem Abend angingen.

Das Vergessen schritt anfangs nur langsam voran. Adam konnte sich eine Weile noch deutlich daran erinnern, dass der Mensch einmal Wasserfahrzeuge erfunden hatte. Auch das Wort Floß war ihm im Gedächtnis geblieben. Und Adam schaffte es irgendwann auch, aus Schilfrohr und Graswedeln ein reisetaugliches Floß zu bauen. Evas Sommerkleid musste als Segel herhalten, und eines Morgens wagte Adam sich mit seinem Floß aufs Meer hinaus. «Ich muss wissen, was jetzt dahinter ist!» hatte er zu Eva gesagt. Eva rang die Hände. «Wenn du ertrinkst!» Aber Adam ließ sich nicht aufhalten. «Ich muss es wissen, Eva: Was ist jetzt hinter dem Horizont?» Und lachend fügte er hinzu: «Mir passiert schon nichts! Ich … ich nehme Rocco Wucht mit an Bord!»

Eva rutschte ein hysterisches Kichern über die Lippen.

Und sie schlug die Hände vors Gesicht, als Adam vom Ufer abstieß.

Das Meer war an diesem Morgen ruhig. Es breitete sich vor Adam aus wie eine spiegelnde Decke. Leichter Wind strich über das Floß hinweg und verfing sich im Sommerkleidsegel. Je weiter Adam an diesem Morgen mit seinem Floß vorankam, um so enttäuschter schüttelte er immer wieder den Kopf. Irgendwann holte er das Segel ein und ließ sich eine Weile treiben. Die Linie des Horizonts war ihm auf seiner Fahrt vorausgeeilt, und darüber wunderte Adam sich auch gar nicht, er hatte es so erwartet. Denn offenbar war die Welt trotz des großen Knalls eine Kugel geblieben, über die hinweg er nur einen begrenzten Blick hatte. In Adam regte sich aber bald schon der Verdacht, der Horizont könnte für ihn und Eva künftig das Ende der bewohnten Welt bedeuten. Eva hatte womöglich recht: Sie waren die letzten Menschen. Hinter dem Horizont gab es nichts als das Meer.

Da zieht plötzlich ein Sturm auf.

Adam will das Floß wenden.

Regen klatscht auf ihn herunter.

Adam setzt eilig das Segel, wirft das Ruder herum und will zur Insel zurückdrehen. Doch im gleichen Augenblick – ein Blitz blendet ihn, Adam hält eine Hand über die Augen: im gleichen Augenblick sieht er den weiß flimmernden Wasserspiegel entlang … er sieht Bilder … sieht Bilder wie Vögel auffliegen, sieht eine riesige Monitorwand auf sich zurasen, sieht Rocco Wucht im Kampf mit den wirbelnden Bildern. Und die Monitorwand schiebt sich näher heran, drückt sich in Adams Gesicht, rast über ihn hinweg und peitscht in den Himmel hinauf. Der hat sich verdunkelt. Regen kommt in Sturzbächen herunter. Eine ungeheure Meerespfütze tut sich vor Adam auf, und er sieht ihn kämpfen: Rocco Wucht! Er ist zur Stelle: Rocco Wucht. Und die unbezwingbaren Kräfte in ihm treiben ihn an. Im Flackerlicht des Monitors bläht sich das Segel, droht im Sturm vom Mastbaum zu reißen, aber Rocco Wucht kann das Segel festhalten, kann es einholen. Sein Schiff droht zu kentern, die Maste ächzen, ein Mann geht über Bord, Rocco Wucht brüllt Befehle, lässt Ballast abwerfen – und dann ist es Adam, er ist jetzt Rocco Wucht! Er sieht sich im Monitor gespiegelt, sieht, wie ihm die Muskeln schwellen, der Brustkorb sich weitet, und da, wieder ein Blitz, das Schiff bäumt sich auf wie ein Tier, und Rocco Wucht, es ist ein einziger Schlag, Rocco Wucht zerlegt sich selbst in unzählige Einzelteile, wird in schwarze Tiefen gezogen …



Der Regen hatte aufgehört. Adam war gestolpert. Hatte versucht, sein Floß aus dem Sturm herauszusteuern. Dann war er gestürzt. Hatte das Bewusstsein verloren.

Das Meer dampfte weiße Schwaden aus. Adam lag auf dem Floß. Hatte sich festkrallen können. Das Floß trieb auf die Insel zu. Bei Einbruch der Dämmerung zog Eva das Floß an Land. Adam lag lange wie tot am Ufer.



Eva und Adam hatten irgendwann begonnen, sich die Welt zu erzählen, wie es sie in ihrer Erinnerung noch gab. Das Vergessen schritt jetzt schneller voran, als sie es erwartet hatten, und sie wollten retten, was von der alten Welt für sie noch von Bedeutung war. Fragen waren da zu klären. Sollten sie sich die Zeit zurückholen? Eine Sonnenuhr bauen? Auf diese Frage waren sie gestoßen, als Eva eines Morgens den leise schnarchenden Adam nach alter Gewohnheit mit den Worten geweckt hatte: «Aufwachen, Adam, die Pflicht ruft!» Adam war, wie von einer Hornisse gestochen, aus dem Schlaf geschreckt: «Was, schon acht Uhr?» hatte er gestöhnt, «Um Gotteswillen, um viertel vor neun ist Meeting bei einem Kunden!» Aber mit einem befreienden Lachen ließ er sich dann in den Ufersand zurückfallen, hatte das Wort Meeting der Wörterhölle anheimgegeben (dorthin schickten Eva und Adam seit einiger Zeit alle die Wörter, mit denen sie nichts mehr zu tun haben wollten), auch das Wort Pflicht wurde an diesem Morgen zum Teufel gejagt, und Eva legte sich neben Adam in den Sand. Sie wollten außerhalb der Zeit bleiben. So wurde es an diesem Morgen beschlossen.

Später stellte Eva eine Frage, auf die Adam keine Antwort wusste: «Vielleicht bilden wir uns das ja alles auch nur ein, was meinst du?» Die Frage ermunterte Adam zu der Gegenfrage: «Was ist Wirklichkeit?» Und darauf wusste Eva eine Antwort: «Wirklichkeit ist, wenn ich dich anfasse.» – Adam nannte die Antwort «beglückend, aber philosohisch nicht haltbar». – «Wie früher! Alles musst du besser wissen!» entgegnete Eva und machte kleine Augen. «Also los», blaffte sie, «Aufstehen! Fang endlich an, die Hütte zu bauen, die du mir schon hundertmal versprochen hast, dann weißt du nämlich, was Wirklichkeit ist!» Adam seufzte auf und baute die Hütte.

An den Tag des großen Knalls konnten Eva und Adam sich noch eine Weile erinnern. Aber eines Morgens war dieser Tag aus ihrem Gedächtnis gelöscht. «Die Sonne ist aufgegangen», flüsterte Eva an diesem Morgen dem zufrieden schnarchenden Adam ins Ohr. Adam rollte sich auf den Rücken und versprach: «Ich hole uns zum Frühstück eine Kokosnuss!» Und gähnend setzte er hinzu: «Oder hast du Lust auf Rührei?» Später machte er sich dann auf die Suche nach den Inselhühnern, die es irgendwo geben musste, denn ihr Gegacker war jeden Morgen zu hören. Eva fachte unterdessen mit Hilfe ihrer Brille, die sie als Brennglas benutze, ein Feuer an. Und so gab es zum Frühstück heute Rührei mit Kokosmilch.

«Schmeckts?» fragte Adam.

«Dir auch?» fragte Eva.

«Ich habe mir ein neues Wort ausgedacht», sagte Adam: «Rabenaas».

«Was bedeutet es?» wollte Eva wissen und schlang einen Happen Rührei hinunter.

«Das weiß ich noch nicht.»

«Ich weiß es! Es bedeutet: «Du hast eine Geliebte!»

«Geliebte? Was soll denn das bedeuten?»

«Es bedeutet, dass ich dir in meinem letzten Traum hinterhergelaufen bin, weil du mir hinterhergelaufen bist. Aber ich war nicht ich.»

«Das versteh ich nicht», sagte Adam, «und wer warst du?»

«Das ist es ja, ich weiß es nicht, und das macht mich nervös!»

Nach dem Frühstück ging Eva zu ihrem Lieblingsplatz hinter der Hütte. Dort warf ein hoher Busch einen breiten Schatten. Eva legte sich auf den Boden und gab sich ihrer Morgenmüdigkeit hin. Adam, der morgens immer gern aufs Meer hinausschaute, ging zum Ufer, hockte sich in den Sand, schaute auf das Kräuselspiel der Wellen und bemühte sich, mit offenen Augen von einer Geliebten zu träumen. Er erinnerte sich wieder deutlich daran, dass es einmal das Wort Geliebte gegeben hatte. Dass zu diesem Wort … wie sollte er es ausdrücken … so etwas wie eine Körperlichkeit gehörte … es gelang ihm aber nicht, einer solchen Körperlichkeit in seinen Gedanken habhaft zu werden, denn immer, wenn sie gerade Wirklichkeit zu werden versprach, schob sich Evas Bild vor die beinahe Erdachte. Und so verstrich der Tag, und die Nacht brach herein, und der neue Morgen begann mit dem klackernden Gegacker der Inselhühner.



So ging es nun von Tag zu Nacht und Nacht zu Tag, und Eva erfand eines Morgens das Hupfen. Das sich, wie sie Adam erklärte, vom Hüpfen insofern unterscheide, als dass die Hupfende den Hupfsprung mit ungleich mehr Eleganz ausführe, als es eine Hüpfende beim Hüpfen je vermocht hätte. Das Hupfen sollte Eva über die Morgenmüdigkeit hinweghelfen, denn Adam hatte einige Male beim Aufwachen gemurmelt: «Dieses ewige Gegähne am frühen Morgen geht mir auf den Wecker!» (Das Wort Wecker war ihm herausgerutscht, und er grübelte eine Weile darüber nach, was es bedeuten könnte, aber er fand keine Erklärung.) Und während Eva hupfend gegen die Müdigkeit ankämpfte, übte sich Adam, kniend an der Uferböschung, im Fischfang. Zum Mittagessen gab es dann Mirandoa-Barsch auf Bratäpfeln, denn Eva hatte beim Hupfen einen Apfelbaum entdeckt.

Eva und Adam liefen nackt herum. Ihre Kleidung war aufgetragen, und weil ihnen außer den Hühnern niemand hinterherschaute, nicht einmal irgendein Inselaffe, fragten sie sich: Wozu weiterhin die lästigen Fummel? (Das Wort Fummel hatte Eva sich ausgedacht, und es gefiel ihr auf Anhieb.)

Dann aber spazierte Adam eines Morgens am Ufer entlang, und er hatte sich einen Palmwedel um die Hüfte geschlungen. Eva, die nackt hupfend herankam, wunderte sich und fragte: «Was ist denn mit dir kaputt?»

«Nichts!» antwortete Adam.

«Dieses Nichts sieht aber sehr verdächtig aus!» entgegnete Eva und hupfte kopfschüttelnd weiter.

Adam biss sich auf die Lippe. Er hatte Eva angelogen. Aber wie hätte er es ihr auch erklären sollen? Ja, er verfügte jetzt über eine Geliebte! Er hatte sich unterwegs einen Apfel gepflückt, und schon mit dem ersten Bissen war ihm wie ein Trugbild eine Geliebte plötzlich und unerwartet in seinen Gedanken erschienen, und seither sah ihn diese heimliche Geliebte an. Eine Geliebte im Schlangenkleid (das neu erfundene Wort Schlangenkleid hörte sich für Adam wie ein Lockruf an) – aber Adam hatte sich vor dieser Schlangenkleidgeliebten geniert, weil sie ihn nackt sah. Darum war er auf die Idee mit dem Palmwedel gekommen.

«Also doch! Du hast eine Geliebte!» sagte Eva beim Abendessen. Und sie setzte mit den Worten nach: «Du kannst es leugnen, aber ich sehe es dir an!»

«Wo denkst du denn hin!» verteidigte sich Adam.

«Auf der Promenade heute Morgen (sie nannten das Inselufer jetzt Promenade), auf der Promenade heute Morgen stand es dir ins Gesicht geschrieben.»

«Was?»

«Du hast eine Geliebte! Du hast nämlich geguckt, wie du früher dieser … dieser Mathilde auf den Hintern geguckt hast!»

«Welcher Mathilde?»

«Der du nachgehampelt bist wie ein … wie ein» … Eva rang um einen Vergleich, Adam hielt die Luft an – «wie ein … Vielfraß!» platzte es aus Eva heraus. «So etwas merkt sich eine Frau für die Ewigkeit!»

«Und wenn … wenn ich tatsächlich so etwas wie eine Geliebte hätte», gab Adam versuchsweise zu bedenken, «was … bitte … was dann?»

«Dann hast du sie, und weiß der Teufel, woher du sie hast, und du frisst an ihr herum, man sieht es dir an, und deshalb werden wir uns aus dem Weg gehen müssen, und das machen wir jetzt auch!» Eva stürmte aus der Hütte, stürmte in die Abenddämmerung hinaus und kletterte heftig schnaufend auf eine Palme. Versuchte hinaufzuklettern. Schaffte es unter großen Mühen auch. Und dort oben hockte sie am folgenden Morgen noch immer. Und Adam hockte in der Hütte.

In der kühlen Nachtluft hatte Eva die Lust verloren, auf ihrem unbequemen Hochsitz weitere Tage und Nächte zu verbringen. Sie hatte schlecht geträumt, rieb sich beim Aufwachen den Schlaf aus den Augen, knickte, grimmig guckend, einen Blattwedel von der Palme ab und ließ sich nach unten rutschen. Langsam ging sie auf die Hütte zu … und aus der Hütte heraus trat in diesem Augenblick Adam. Adam stand der Mund offen. Eva hatte sich den Blattwedel um die Hüfte geschlungen. «Du hast …?» stammelte Adam.

«Ich habe …!» bestätigte Eva.

«Einen … Geliebten?»

«Ach, was! Keinen Bock mehr auf Ehekrach!» entgegnete Eva. (Das Wort Bock zählte zu Evas neu erdachten Lieblingswörtern, vor allem die Wendung: auf etwas Bock haben.)

«Und …?» wollte Adam wissen.

«Den Wedel meinst du?»

Adam nickte.

«Den hab ich mir umgehängt, weil ich noch immer nicht herausgekriegt habe, warum du dir so was umhängst!»

«Na, dann», sagte Adam, «könnten wir das Gewedel ja auch fallen lassen.»

«Du fängst an!» sagte Eva.

Beide lachten, ließen die Wedel fallen, sanken sich in die Arme und wollten an diesem Morgen die Gattung Mensch auf gar keinen Fall länger vom Aussterben bedroht sein wissen.



«Womöglich haben wir einen Fehler gemacht heute Morgen», gab Adam später zu bedenken.

«Du meinst …?»

«Ich meine, du und ich, wir haben eine ganze Menge schlechter Eigenschaften. Die wir uns erst einmal abgewöhnen sollten, ehe wir in Planungen für die Zukunft der Menschheit einsteigen, wenn du verstehst, was ich meine.»

Eva schüttelte den Kopf: «Nein!»

«Das bleibt doch alles in den Genen hängen!»

«Du meinst …?» fragte Eva.

«Ich meine: Wir, als die Eltern eines neu zu erschaffenden Menschengeschlechts …»

«Nun machs aber mal halblang», wiegelte Eva ab, «noch sind wir hier ziemlich allein auf der Welt! Außerdem: Ein paar schlechte Eigenschaften mehr oder weniger gehören zum Gesamtkonzept.»



Im Wechsel von Tag und Nacht und Nacht und Tag hatten Eva und Adam irgendwann beschlossen: Von heute an sind wir glücklich! Das Vergessen war immer weiter vorangeschritten, ja, es kam ihnen so vor, als hätten sie nie eine Vergangenheit gehabt. Mit den Planungen zur Erschaffung eines neuen Menschengeschlechts kamen sie zwar nur schleppend voran, es gab aber durchaus erfüllte Momente und insofern auch Hoffnung auf künftige Ergebnisse. Hin und wieder gab es auch Streit. Zum Beispiel beim gemeinsamen Erarbeiten einer Inselordnung. Adam hatte aus zerstampftem Gras eine grüne Farbe herausgepresst, und mit dem Zeigefinger wollte er damit die Inselordnung, wie er sie sich vorstellte, an die Hüttenwand schreiben: «Friede, Freude, Eierkuchen!» sollte da stehen, eine Wendung, die ihm beim Apfelpflücken eingefallen war.

Eva wollte es anders: «Wie das klingt! Du schreibst: Freude schöner Götterfunken!»

«Und was bedeutet das?» erkundigte sich Adam.

«Es hört sich gut an. Das reicht.»

Adam schrieb es achselzuckend hin, und darunter schrieb er: «Badewanne». Ein Wort, für das er keine Erklärung hatte. Es war plötzlich in seinen Gedanken aufgetaucht. Ein Wort, das ihm gefiel. Auch Eva gefiel es. Aber sie rätselten beide, was es bedeuten könnte.



Später lagen Eva und Adam nebeneinander in der Abendsonne. Sie hatten sich in den warmen Sand eingewühlt, hielten die Augen geschlossen, und irgendwann sagte Adam leise das Wort: «Badewanne». Eva nannte das Wort «magisch». Und nach einer Weile war es ihnen, als habe das Wort ihre Insel angestoßen … als sei sie in Bewegung geraten und trage beide nun langsam und unhörbar in Unendlichkeiten hinaus. Sie schwebten nebeneinander her, in ihren Köpfen waren die Geräusche verstummt, und unter ihnen schlugen die Inselhühner lautlos mit den Flügeln.



Fortan genügte es, dass sie manchmal einfach nur das Wort sagten: Badewanne – und das Davonschweben fing sofort wieder an …



«Das Insel-Museum schließt in wenigen Minuten!» Direktor Bottersturz hatte es gerufen. Er kam herangewedelt. «Mein lieber Herr Adam, Sie haben es überstanden!» Der Museumsdirektor klopfte Adam leutselig auf die Schulter. «Durchatmen, gleichmäßig durchatmen! So ein Abenteuer geht an die Substanz, wir kennen das!» Direktor Bottersturz wandte sich Eva zu. «Ich sehe es Ihnen an, gnädige Frau, unser Haus der Illusionen hat Ihnen einen aufregenden Tag beschert.»

Eva wischte sich über die Augen. «Wo bin ich?»

Adam stammelte: «Was ist passiert?»

«Das Insel-Museum schließt in wenigen Minuten!», drängte Direktor Bottersturz noch einmal, «also müssen wir Sie jetzt in die abendliche Wirklichkeit entlassen, denn wir haben noch eine Menge Vorbereitungsarbeit zu erledigen. Morgen Früh, Punkt 11 Uhr, kommt eine Drei-Mann-Rentner-WG zu uns, die Herren haben sich entschlossen, eine Schatzinsel anzusteuern!» Direktor Bottersturz machte eine Verbeugung. «Ich darf Sie also hinausbegleiten? Gnädige Frau, lieber Herr Adam: Wir danken für Ihren Besuch, kommen Sie gut nach Hause!» Mit aufmunterndem Schulterklopfen schob Direktor Bottersturz Eva und Adam eilig die Museumsgänge entlang und zur Tür hinaus.



Eine Weile gingen sie wortlos in der Dunkelheit nebeneinander her. Als sie in ihre Straße einbogen, sagte Eva: «Wir müssen vorsichtig sein, unser Gartentor quietscht. Die Üchels von nebenan haben einen leichten Schlaf. Stell dir vor, die werden vom Quietschen wach, und dann fragen sie uns aus. Was sollen wir ihnen erzählen, wenn sie wissen wollen, was wir im Museum erlebt haben?»

Adam schlug vor: «Wir könnten ihnen die Wahrheit sagen.»

Eva schüttelte den Kopf: «Der Heinz Üchel ist Nervenarzt, der würde uns glatt in eine Anstalt einweisen!»



Als Adam später in seine Schlafanzugshose schlüpfte, sagte er: «Wir sollten die Gattung Mensch nicht noch länger vom Aussterben bedroht sein lassen.»

Eva tat erstaunt. «Bist du denn nicht mit deinen Computern verabredet?»

Adam grinste. Und löschte das Licht.
 

blackout

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Ja, reif für die Insel, Joe. Manchmal wünsche ich sie mir, das Paradies, wenigstens den Traum davon. Aber zu deinem Text:

Ein seltsames Museum, das Träume verkauft. Nun gut, im Traum ist alles möglich. Adam und Eva im Paradies, bereits überzivilisiert, sie finden sich wieder ohne Auto, Flugzeug und wohl auch ohne Zigaretten. Und was dann geschieht, zieht sich für meine Vorstellungen etwas zu sehr in die Breite und Länge.
Hier hätte ich mir einiges wegdenken können. Stellenweise war ich versucht, ein paar Sprünge zu machen, machte ich dann auch. Vielleicht ist mir dadurch Wesentliches entgangen, wer weiß. Ein Zeichen dafür, dass es an Handlungen fehlte.

Zur Charakterisierung: Die Personen Adam und Eva kann ich mir ganz gut vorstellen, sie stammen aus dem oberen Mittelbürgertum und partizipieren von den gegenwärtigen sozialen Verhältnissen. Eva, die Gescheite, Adam, der Zeit braucht, sich zurechtzufinden. Es ist nicht nötig, dass du ihr Äußeres beschreibst, ein paar typische Merkmale können wie nebenbei eingeflochten werden.

Zum Dialog: Du benutzt einen eher etwas sterilen Sprachstil, grammatikalisch korrekt. Aber sprechen Menschen so? Diese Geschichte würde von einem Dialog leben können, der den ganzen Witz von der Insel auf den Kopf stellt. Tut er aber nicht. Und noch was: Dialog hat die Aufgabe, die Handlung weiterzutreiben. Überprüf deine Dialoge mal daraufhin.

Insgesamt finde ich die Idee des Rückzugs aus der Gegenwart vom Ansatz her ganz gut angepackt. Meiner Ansicht nach wird aber zuviel erzählt. Ich hätte mir die Erzählung auch als Satire denken können, mit satirischen Handlungen und, was sich direkt anbietet, mit einer lockeren, humorvollen Sprache, die du beherrschst, hast du ja in deinen Gedichten bewiesen. Hier stimmen für mich Sujet und Vorliegendes noch nicht überein. Alles viel zu ernsthaft, viel zu "normal". Mir scheint, Joe, du als Autor sehnst dich viel zu sehr nach dem Inselparadies und bist noch nicht in der Lage, dich darüber lustig zu machen. Ich weiß, Sachen, über die man lachen kann, werden nicht ernstgenommen, pfeif drauf. Sie sind das Schwerste. Mach daraus eine Satire, die sich gewaschen hat. Der Stoff bietet sich geradezu an.

Ehe ich es vergesse: Ich würde mir den ganzen einleitenden Absatz sparen. Steig doch gleich ein mit "Freitag, der 13." Oder bau es in Handlung oder Dialog ein.

Vielleicht aber liege ich mit meiner ganzen Einschätzung schief, auch das passiert, Bitte in vorauseilendem Gehorsam um Entschuldigung.

Gruß, blackout
 
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hein

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Hallo Joe,

deiner Einleitung stimme ich uneingeschränkt zu. Ich muss allerdings zugeben, das auch ich lieber schnell einen Vierzeiler konsumiere und bei Gefallen ein paar Sterne hinterlasse, als das ich einem langen Text überhaupt anfange, geschweige denn bis zum Ende lese.

Deinen Text habe ich durchgehend gelesen und es bis zum Ende nicht bereut: übersichtliche Absätze, gut strukturierte und nachvollziehbare Gedankengänge, starke Formulierungen (Sommerkleidzipfel !), und nicht viel was man vielleicht weglassen könnte.

Der phantastische Inhalt hat mich so gefesselt das ich immer mehr auf ein Ende im Paradies ohne Nachwuchs hoffte (die geplagte Erde wäre ohne weiteres Zutun der Menschheit doch wohl besser dran). Insofern war das reale Ende doch ein klein wenig enttäuschend.

LG
hein
 
Mit Absicht habe ich zwei Nächte gewartet mit einer Antwort auf erhoffte Kommentare, die, so hatte ich es mir vorgestellt, in überschaubarer Menge, aber immerhin in Menge zu meiner Mirandoa-Geschichte eintrudeln würden. Zwei Kommentare sind gekommen, für die ich mich bedanke, als zählten sie für zwanzig. Es sind zwei ganz und gar gegensätzliche Kommentare, und das, denke ich, spricht für die Geschichte. blackout kann sich die Geschichte als Satire vorstellen, «die sich gewaschen hat» – hein bekennt, dass er «immer mehr auf ein Ende im Paradies ohne Nachwuchs hoffte», und dass ihn die Rückkehr in die abendliche Alltäglichkeit enttäuschte. Und also stecke ich jetzt im Dilemma. heins Perspektive: das langsame, unmerkliche Abgleiten in die Selbstaufgabe, aus der er nicht mehr heraus will – das war beim Schreiben meine Intention. Genau dahinein wollte ich den Leser ziehen, der sich auf die Geschichte einzulassen bereit war; hein ist gewissermaßen mein idealer Leser. Und sein Wunsch, die desillusionierende Realität am Ende zu streichen, ist eine wunderbare Anregung. Ich werde beim Korrigieren versuchen, das paradiesische Weiterspinnen mit dem realen Hereinbrechen wie übereinanderliegende Spiegelbilder zusammenfallen zu lassen. Wenn mir das gelungen ist, guck ich mir die Geschichte als «Satire, die sich gewaschen hat» an. Der Gedanke, die Situation «Paradies» als Satire zu betrachten, hat etwas von einer «Hoffmannschen Erzählung» neueren Kalibers. Ungeheuer reizvoll.
Und so hätte ich vielleicht irgendwann zu meinem einzigen Einfall zwei total kontrastierende Erzählungen.

Joe Fliederstein
 

Vagant

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Hallo Fliederstein,

ich will - allerdings nicht als offizieller Vertreter der "Abteilung Erzählung" - hier mal versuchen, meine Leseeindrücke wiederzugeben.
Erstmal: Chapeau zum Umfang des Textes; wobei ich damit auch deine Fantasie hinsichtlich der Plotentwicklung erwähnen möchte. Ich weiß, sowas macht erstmal viel Arbeit - genau so, wie du es in deinen vorangestellten Zeilen erwähnt hast -, und allein deshalb, weil du diese Arbeit auf dich nimmst, während man in den Unterforen immer mehr Texte findet, denen anzusehen ist, dass sie kaum länger als eine Tasse Kaffee und zwei Zigaretten in Anspruch genommen haben, allein deshalb ist es der Text wert, gelesen zu werden; und wenn man ihn dann schon gelesen hat, kann man ja auch einen Leseeindrück hier lassen.

Den Spur, der Text tauge zur Satire, hast du meines Erachtens selbst gelegt. Auch wenn es sicher nicht deine Intention war hier in Richtung Satire zu gehen, hinterlässt allein die Figurenzeichnung des Museumsmitarbeiters dicke, fette Abdrücke im Erzählsand, die allesamt in Richtung Satire führen. Sein etwas penetrant flötendes "Gnädige Frau" und "mein lieber Herr Adam" klingen wie eine Persiflage auf einen irgendeinen alten Theo-Lingen-Film und damit doch arg aus der Zeit gefallen.
Apropo aus-der-Zeit-gefallen: Die Dialogsituationen - auch das wurde hier schon erwähnt - klingen doch recht gestelzt. Ständig spricht man sich gegenseitig mit dem Namen an. Ich meine, wenn du das in einem persönlichen Gespräch tust, dann hebt dein Gesprächspartner spätestens beim dritten Mal abwehrend die Hände und sagt dir, er wisse schon selbst, wie er heiße und man brauche diese hier nun auch nicht immer wieder zu erwähnen.
Die Dialogzeilen sind teilweise zu lang, manchmal wird in ihnen Information transportiert, die dort gar nicht reingehört, und es fehlt ihnen an einer dramatischen Struktur, bzw. die Struktur wird durch das "Plappern" verwässert.
Problematisch finde ich an dieser Stelle auch die hier vorliegende Formatierung und die Absatzaufteilung. Das ist nun erstmal ein rein formelles Problem und hat sicher auch etwas mit Lesevorlieben zu tun, aber allein in den Dialogen empfinde ich diese Luftigkeit in deinem Text als extrem störend und leseunfreundlich. Durch die vielen Leerzeilen geht bei mir da der gesamte Lesefluss den Bach runter; da lobe ich mir doch den kompakten Blocksatz, der eher mal auf einen Absatz verzichtet, als einen zu viel bringt. Ein Absatz macht bei mir ohnehin nur Sinn, wenn die Szene wechselt, wenn ein zeitlicher oder räumlicher Sprung den Erzählfluss unterbricht.
Anders verhält es sich da beim Zeilensprung. Es ist dem Lesefluss zuträglich, wenn sich beim Wechsel der Reflektorfigur auch in einem neuen Zeilenanfang kenntlich macht. Sicher, der auktoriale Erzähler kann zu jeder Zeit seinen Fokus wechseln und unmittelbar von der Totalen in den Kopf seiner Figuren springen, und nicht nur das, er kann mit dem nächsten Halbsatz dann auch schon wieder aus dem Bewusstsein des Nächsten berichten; die Frage ist nur: Muss er, nur weil er es kann, es denn dann auch tun?
Ich denke, nein. Gerade bei kürzeren Texten wie Kurzgeschichten und Erzählungen die einem Handlungsstrang folgen, ist der Erzähler gut beraten, ein bisschen abzurüsten und nicht gleich wild mit allen Pfeilen aus seinem Köcher zu hantieren. Da ist es Für das Aufrechterhalten des Spannungsbogen manchmal sinnvoller, den Sprung von einer zur nächsten Refektorfigur erst beim Wechsel einer Szene zu machen. Ausgenommen Erzählpassagen zeitleicher Gleichheit, wie zum Beispiel "Frank brüht den Kaffee, während Kerstin den Bienenstich aufschneidet"; aber so ein Satz ist ohnehin nur narratives Beiwerk und birgt für den Spannungsbogen kaum einen nennenswerten Mehrwert.

Nun muss ich sagen: Ich habe die Geschichte gestern Nachmittag gelesen und mir gesagt: Wenn Du hier was dazu schreibst, dann bringst Du hier und da ein Zitat, damit deutlich wird, auf welche Textpassage sich das alles bezieht. Heute Vormittag ist es mir ohne längeren Zeitaufwand kaum möglich, diese Stellen nun im Text ausfindig zu machen, weswegen ich nun gar nicht mehr den Versuch unternehmen werde, diese Stellen im Text zu finden.

Zwei kleine sprachliche Dinge noch; und dafür möchte ich meinen kurzen Beispielsatz von weiter oben nochmals strapazieren.
"Frank brüht Kaffee, während Kerstin den Bienenstich aufschneidet", wobei ich hier aufs "Brühen" und den "Bienenstich" hinaus will, also auf die Wahl der Verben und das Umschiffen von Oberbegriffen.
Ich habe irgendwo im Text gelesen "Frank guckte" und habe diese Verb an dieser Stelle als extrem störend empfunden. Das Verb stimmt dort nicht, und ich denke, das weißt du auch. Ich weiß selbst, dass es manchmal sehr schwierig ist, immer das richtige Verb zu finden, aber gerade das macht ja den Charme beim Schreiben aus. Wenn einer langsam geht, dann schleicht er, schlendert oder flaniert, und redet er leise, dann flüstert er oder raunt etwas; was uns zeigt: Es gibt für jede Situation das passende Verb. Dieses "gucken" war dort halt nicht Das-gerade-passende-Verb.
Den Bienenstich habe ich hier am Start, weil er da mal so als Beispielhappen für ein oft gelesenes Problem steht. Man hätte auch einfach "Kuchen" schreiben können und gut wär's gewesen, aber das Problem des Kuchens ist, dass ich das zwar lese und im Gehirn aufnehme, sich da aber außer "Ja, kenn' ich" nichts weiter regt. Bei "Bienenstich" merke ich da ja fast schon Speichelfluss, also scheinen beim konkreten Benennen der Dinge noch ganz andere Hirnregionen involviert zu sein. Da werden Verknüpfungen aktiviert, die den Text am Ende fast schon schmeckbar werden lassen.
Ich bringe das an, weil mir im Text doch viele Oberberiffe aufgefallen sind. "Kleidung" möchte ich nur mal als Beispiel nennen.
Ich denke, alle Wörter wie Pflanzen, Vegetation, Einrichtung, Nutztiere, Wildtiere, Nahrung, etc. pp. haben in prosaischen Texten nichts zu suchen. Man will ja die Sinne ansprechen, aber dies tun diese Wörter nun mal nicht. Das sind Worte für Ämter und Bürokraten, nicht für Literaten.
Hier ist es für Geschichtenerzähler allemal besser, die Dinge beim Namen zu nennen; aber dann als Ersatz für "Geschirr" nicht die gesamte Kücheneinrichtung auszählen, sonder es bei zwei, drei Dingen belassen, so als Pars-pro-Toto, und damit eine greifbare Dinglichkeit herstellen.

So, das soll's erstmal gewesen sein, Vagant.
 
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Hallo Vagant,

danke. Auch für den Theo Lingen, an den sich vermutlich nur wenige noch erinnern werden (ich habe ihn in der Rolle des Malvolio in Shakespeares «Was ihr wollt» auf der Bühne bei den Bad-Hersfelder-Festspielen gesehen, er war unnachahmlich «aus der Zeit gefallen» und wunderbar). Sollten die Figuren des Museumsdirektors und seines Assistenten mit Theo-Lingen-Schrägheiten dem Mirandoa-Text einen etwas altertümelnden Rahmen geben, so hielte ich das für einen erwünschten Glücksfall. Diese beiden Figuren sehe ich in der Tat «aus der Zeit gefallen», oder genauer «in keiner Zeit zu Hause», sie könnten auch in der Muppet-Show untergebracht sein oder in einer Aristophanes-Komödie, sie sind der unwirkliche Rahmen für das Zusammenspiel zweier ganz normaler Leute in einer Albtraumsituation (Weltuntergang anfangs), die sich mit fortlaufender Handlung in eine Wunschtraumsituation wandelt.

Zur Formatierung. Zwischen zwei Absätzen schaltet die Leselupen-Technik bei der Übertragung aus einem Textprogramm (copy-and-paste) eine Leerzeile. Sieh dir – um ein weiteres Beispiel zu nennen – die Formatierung von blackouts «Kindheiterinnerungen» an. blackout arbeitet viel mit Dialogen. Beim Übertragen aus ihrem Textprogramm zwingt ihr die Formatierungstechnik zwischen Dialogzeile-eins und Dialogzeile-zwei diese «gähnenden» Leerzeilen auf. Die könnte man zwar «per Hand» herauslöschen – bei langen Texten eine Fließbandquälerei.
Für mich viel irritierender noch: Die Leselupe bietet in der Formatierungsleiste nicht die Möglichkeit an, die erste Zeile eines Absatzes einzurücken – zur Strukturierung längerer Texte ist das aber ein unverzichtbares Gestaltungsmittel. (Vielleicht liest einer der Moderatoren diesen Hinweis und denkt über Abhilfe nach.)

Den Mirandoa-Text werde ich mir noch einmal vornehmen. Am Sprachlichen arbeiten. Vergleiche überprüfen. Dialoge abklopfen.
Danke, Vagant, für die Kommentierung.

Joe Fliederstein
 
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Vagant

Mitglied
Ok. Und danke für die Ausführungen zur Formatierung, Das erklärt so einiges. Ich werde das mal mir einer Datei aus meinem Schreibprogramm versuchen. Ich denke aber, irgendwie sollte das doch machbar sein.
 

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