Nachts starren wir auch nur durch Hühneraugen

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pseudodelic

Mitglied
wenn man nachts, allein, um drei oder so
nach ein paar Gläsern Wein, oder so
an die Wand starrt und dem Wind
der durch die Blätter weht
zuhört,
kann man meinen
irgendetwas im Griff zu haben -
oder
überhaupt nichts zu verstehen
oder
nichts von beidem
oder beides
gleichermaßen
oder
etwas dazwischen.
Man kann sich in diesem Moment,
wie in jedem Moment,
nie sicher sein -
aber nachts, allein, hast du
die Freiheit
alles zu glauben, was du dir
vorstellen kannst
ohne dass die
Realität
reinfunkt und dich
auf den schleimigen Boden
zurückholt,
der mit Tatsachen, Rechnungen,
Depression, schmelzender Eiscreme,
deinem blassen Antlitz
& Haifischzähnen überschwemmt ist.
 

AbrakadabrA

Mitglied
Klingt wie der Therapiebericht einer geschiedenen weiblichen Büroführungskraft um die 50, die wegen Corona im Home-Office versauert.
 

lietzensee

Mitglied
Hallo pseudodelic,
dein Gedicht zeigt viele starke Bilder. Den Spannungsbogen, der zum Boden der Realität führt, könnte man für meinen Geschmack noch straffen.

Richtig klasse finde ich den Einstieg:
wenn man nachts, allein, um drei oder so
nach ein paar Gläsern Wein, oder so
an die Wand starrt



Klingt wie der Therapiebericht einer geschiedenen weiblichen Büroführungskraft um die 50, die wegen Corona im Home-Office versauert.
Und wenn es so wäre? Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Abgründe. Warum sollte so eine Bürokraft kein interessanter Protagonist sein?


Viele Grüße
lietzensee
 

pseudodelic

Mitglied
Klingt wie der Therapiebericht einer geschiedenen weiblichen Büroführungskraft um die 50, die wegen Corona im Home-Office versauert.
Ich liebe deine Kommentare! Und keine Sorge, kriegst du bald zurück 8) Ich würde gerne mal mit dir ein Bier trinken.
ABER, das ist meine Ansicht, ich bin 27 und weit weg von einer Büroführungskraft. Aber steckt nicht in jedem eine Büroführungskraft um die 50, die Zuhause versauert?

Hallo pseudodelic,
dein Gedicht zeigt viele starke Bilder. Den Spannungsbogen, der zum Boden der Realität führt, könnte man für meinen Geschmack noch straffen.

Richtig klasse finde ich den Einstieg:






Und wenn es so wäre? Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Abgründe. Warum sollte so eine Bürokraft kein interessanter Protagonist sein?


Viele Grüße
lietzensee
Danke für deinen Kommentar, lietzensee. Straffen kann man ja immer, aber mir ist das hier straff genug. Andere Gedichte sind dafür zu straff - als Ausgleich, sozusagen.
Und nimm AbrakadabrAs Kommentar nicht zu ernst 8)


Ich wünsche euch noch einen schönen Restnamenstag von "Ingeburg"!
 

Tula

Mitglied
Hallo pseudodelic
Nein, eine weibliche Bürokraft im letzten Stadium einer Corona-Depression würde noch anders klingen, aber diese Aufgabe sollten wir den dichtenden Damen überlassen ;)

Ich finde es sehr stimmig, dieses hin und her und herum um eigentlich gar nichts. Im zweiten Teil würde ich die Depression rauslassen oder durch etwas anderes austauschen. Skurril wie die Haifischzähne am Ende, denn die sind wunderbar!

LG
Tula
 

revilo

Mitglied
wenn du nachts, allein, um drei oder so
nach ein paar Gläsern Wein, oder so
an die Wand starrst und dem Wind
der durch die Blätter weht
zuhörst glaubst du
irgendetwas im Griff zu haben -
oder
überhaupt nichts zu verstehen
oder

nichts von beidem
oder beides
gleichermaßen
oder

etwas dazwischen.

du kannst dir in diesem Moment,
wie in jedem Moment,
nie sicher sein -
aber nachts, allein, hast du
die Freiheit
alles zu glauben, was du dir
vorstellen kannst

ohne dass die
Realität
reinfunkt und dich
auf den schleimigen Boden
zurückholt,
der mit Tatsachen, Rechnungen,
Depression, schmelzender Eiscreme,
deinem blassen Gesicht
& Haifischzähnen überschwemmt ist.
ein gutes gedicht......könnte Verdichtung vertragen......lg Oliver
 


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