Totensonntag

3,70 Stern(e) 3 Bewertungen

Maribu

Mitglied
Totensonntag

"Guten Tag Frau - Skoronnek!" sagte er, nachdem er sich im Vorbeigehen wegen ihres komplizierten Namens schnell noch auf der Inschrift vergewissert hatte. "Wir sind ja gewissermaßen Nachbarn und trotzdem ist es ein Zufall, dass wir uns treffen."
Die Frau mit dem schwarzen Hut und im grauen geöffneten Mantel, die dabei war, letzte verwehte Blätter aus dem Rasenstück heraus zu harken, blickte überrascht auf. "Ach Sie sind es, Herr Wolter!"
Sie ließ die Harke fallen, kam ihm entgegen und reichte ihm die Hand."Nun kann ich mich endlich einmal bedanken! Drei-, viermal war ich im Sommer hier und jedes Mal wenn ich befürchtet hatte, dass meine Blumen vertrocknet seien, leuchteten sie mir prall entgegen, weil sie ausreichend von Ihnen begossen worden waren."
Den Kranz um den Stein, den sonst ihre Blumen geziert hatten, hatte sie mit Heide bepflanzt und zusätzlich mit Tannenzweigen abgedeckt.
"Ich musste meine Blumen ja auch begießen", antwortete Herr Wolter, "und die zwei oder drei Kannen mehr..."
"Trotzdem!" Sie zeigte auf den Grabstein seiner Frau, der irgendwann ja auch seiner werden würde, "Sie sind ja auch nicht mehr der Jüngste!"
Herr Wolter lachte. "Bei einem Doppelgrab ist der Überlebende
fast ein gläserner Mensch!"
Frau Skoronnek griff wieder nach ihrer Harke, nahm die Blätter auf und trug sie zum Kompostbehälter und fragte: "Kommen Sie mit zum Bus in Richtung Haupteingang?"
"Ja", stimmte er zu und legte das Gesteck, das er noch in der Hand gehalten hatte, auf das Grab seiner Frau.
Auf dem Weg zur Haltestelle sagte er: "Bis zum Sommer hatte ich noch meinen Wagen. Nachdem ich vor einem Jahr wegen 'Grauen Stars' operiert worden war, musste mein linkes Auge wegen beginnender Netzhautablösung noch einmal behandelt werden. Danach fühlte ich mich unsicher im Straßenverkehr, habe das Auto verkauft und meinen Führerschein abgegeben."
"Respekt!", lobte Frau Skoronnek. "Aber trösten Sie sich mit mir! Vor vier Jahren, nach dem Tode meines Mannes, musste ich mich auch von unserem Auto trennen, weil ich keinen Führerschein habe." Sie machte eine Pause. "Eigentlich sollte es schon ein halbes Jahr früher sein, denn als der Wagen wochenlang unbewegt in der Garage gestanden hatte, sagte mein Mann: 'Verkauf ihn doch! Er steht nur unnütz herum und rostet!
Kommt gar nicht infrage! entrüstete ich mich. Er hat uns nie im Stich gelassen. Und wenn du gesund bist, freust du dich, wenn du ihn wieder fahren kannst!' Er hat mich nur hoffnungsvoll angelächelt und nie wieder darüber gesprochen."
Herr Wolter ging schweigend an ihrer Seite. Ihm fiel nichts ein, was er darauf antworten konnte.
Obwohl die Busse an diesem Tag häufiger fuhren und sie nur fünf Minuten an der Haltestelle warteten, waren sie überrascht, dass so viele Plätze besetzt waren. In der Busmitte fanden sie aber noch zwei Sitze nebeneinander. Herr Wolter blickte umher und sagte kopfschüttelnd: "Das ist ja erschreckend!"
"Was denn?", fragte Frau Skoronnek und sah sich ebenfalls um.
"Mir ist das auf der Hinfahrt schon aufgefallen. Alles Frauen!
Nur da vorne sitzt ein Mann."
Sie grinste."Hier wird die Statistik bestätigt! Heute kommen auch die Frauen, die das ganze Jahr über keine Zeit hatten, um
mit einem Gesteck ihr Gewissen zu beruhigen!"
"Sie können ja ganz schön zynisch sein!" war er überrascht. "Da verliere ich ja fast den Mut, Sie zum Kaffee einzuladen. -
Oder werden Sie erwartet?"
"Mein Hansi erwartet mich!"
"Ihr Wellensittich hat bestimmt genug Futter im Käfig, so dass er nicht gleich verhungert." Er lächelte.
"Im Bauer sitzt ein Kanarienvogel, der mich vermisst. Außerdem habe ich nur meine Fahrkarte und kein Geld eingesteckt!"
"Ich sprach von einer Einladung!"
"Wie komme ich dazu, mich von einem wildfremden Mann einladen zu lassen?!" entrüstete sie sich, aber ohne Überzeugungskraft.
"Wildfremd?", tat er empört. "Karl-Heinz Wolter, geboren am
29. Oktober, seit zwei Jahren verwitwet; das haben Sie bereits der Inschrift entnommen. Und ich habe mich offenbart: Kein Auto, keinen Führerschein, Sehfehler auf dem linken Auge. - Wieso müssen Sie vor mir Angst haben?!"
Frau Skoronnek hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut zu lachen. "Tut das gut an so einem Tag! Ich habe es begriffen:
Sie haben Ihr Schicksal ebenfalls angenommen! - Kennen Sie denn ein Lokal in der Nähe des Bahnhofs?"
"Es gibt dort ebensoviele wie Blumengeschäfte. Die profitieren alle von der Nähe des Friedhofs."
Am Ausgang überquerten sie die Hauptstraße, und Herr Wolter führte sie zu einem Restaurant, das an der Kreuzung lag. Vor dem Eingang war ein Schild aufgestellt: 'AB 15 UHR KAFFEE UND
KUCHEN AUS EIGENER HERSTELLUNG'
Herr Wolter blickte auf seine Uhr und sagte: "Zwanzig nach drei, das passt gut!"
Sie nahmen an einem Zweiertisch Platz. Er war überzeugt, dass ihr graues, durch den von ihr getragenen Hut angedrücktes Haar, früher brünett gewesen war. Ihre Haut war noch relativ glatt, die Wangen etwas gerötet. Ringe mit einem blauen Stein verdeckten ihre Ohrläppchen.
Sie betrachtete ihn ebenfalls. Das Licht der Kerze, die der Kellner bei ihrer Bestellung angezündet hatte, spiegelte sich in den getönten Gläsern seiner Brille, so dass sie die Farbe seiner Augen nicht erkennen konnte. Er hatte eine blasse Gesichtsfarbe und sein aschgraues Haar war scheitellos gekämmt.
Er war sorgfältig rasiert, am Kinn entdeckte sie eine kleine Schnittwunde.
Der Kellner stellte die Kännchen auf den Tisch, servierte Frau Skoronnek Käsekuchen und schob die Nußtorte an Herrn Wolters Seite.
"Hm, schmeckt gut!", sagte sie. "Das war eine gute Idee, gemeinsam Kaffee zu trinken! - Wie ist die Torte?"
"Ein bisschen zu süß! - Möchten Sie die Walnuß haben?"
Sie lachte. "Nein, danke!"
Nachdem sie eine Weile geschwiegen, den Kaffee und Kuchen genossen hatten, nahm sie eine Packung Zigaretten aus der Handtasche.Sie bot ihm eine an, aber er schüttelte den Kopf.
"Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen!" Sie zündete sich eine an und sagte schmunzelnd: "Ich weiß, dass das nicht gesund ist.
Aber die drei oder vier Zigaretten, die ich am Tage rauche, schaden mir in meinem Alter bestimmt nicht mehr!" Sie nahm einen Schluck Kaffee und ergänzte: "Mein Mann war übrigens Nichtraucher und trotzdem musste er an Lungenkrebs sterben!"
Herr Wolter schenkte sich wortlos die zweite Tasse Kaffee ein und vermied es, sie anzusehen.
"Haben Sie Kinder?" nahm sie den Faden wieder auf.
"Ja und nein. Eine Tochter und zwei Enkelkinder. Aber die Ehe wurde geschieden. Die Kinder leben bei ihrem Vater in Frankfurt, und die Mutter ist als Flugbegleiterin sehr oft unterwegs."
Sie goss sich noch den Rest aus dem Kännchen in die Tasse und sagte: "Bei Ihnen ist es zwei Jahre her. Woran ist Ihre Frau gestorben? Auch an - an dieser furchtbaren Krankheit?"
Herr Wolter zögerte einen kurzen Moment. "Es hat mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen! Es war ein Unfall. Meine Frau wollte morgens mit dem Fahrrad zum Markt fahren. Kurz davor, an der Kreuzung, ist es passiert. Die Ampel zeigte für sie grün, aber der Lkw ist trotzdem um die Ecke gefahren. Der Fahrer hat meine Frau nicht gesehen." Herr Wolter schluckte.
"Er sagte einfach, er hätte sie nicht gesehen!"
"Entschuldigung!", bat Frau Skoronnek betroffen. "Ich konnte nicht ahnen, dass es noch so tief sitzt!"
Er trank seinen Kaffee aus und sagte:_ "Ich habe noch gar nicht nach Ihren Kindern gefragt."
Sie drückte ihre Zigarette aus. "Ich habe keine. Mein späterer Mann ist erst 1947 aus russischer Gefangenschaft zurückgekommen. Er war unterernährt und hatte Erfrierungen an den Füßen. Ich war damals Krankenschwester am Uni-Klinikum, wo wir uns kennengelernt haben. Sein älterer Bruder war an der Westfront gefallen, und sein Elternhaus war 1943 ebenso zerbombt worden wie meins." Sie schwieg einen Augenblick.
"Wir heirateten im selben Jahr und mussten, wie viele, bei Null anfangen. In dieser Verfassung und unter diesen Umständen hielten wir es für unverantwortlich, Kinder in die Welt zu setzen." Sie nahm den letzten Schluck aus der Tasse. Herr Wolter zögerte mit einer Antwort und gab dem Kellner ein Zeichen. "Wir haben so viel voneinander erfahren. Wäre es unverschämt, wenn wir uns wiedertreffen? Oder rechtfertigt das nicht geradezu ein Wiedersehen?!"
"Ja, nächstes Frühjahr auf dem Friedhof, um Stiefmütterchen zu pflanzen", antwortete sie lächelnd.
Herr Wolter blieb ernst und erwiderte: "Ich habe aber nicht mehr so viel Zeit! Jeder Tag ist kostbar! Denken Sie an den Bus, in dem außer mir nur noch ein anderer Mann zwischen lauter Witwen saß!"
Nachdem er die Rechnung bezahlt, hatte er das Portemonnaie in der Hand behalten und entnahm eine Visitenkarte, die er ihr reichte."Lachen Sie jetzt aber nicht! Es sind noch alte Firmenkarten. Als ich in den Ruhestand ging, habe ich den Rest mitgenommen. Meine Anschrift und die Telefonnummer stimmen immer noch. Nur die Firma ist inzwischen in Konkurs gegangen."
Sie lächelte. "Das wundert mich nicht! - Sie hätten da nicht aufhören dürfen!"
Jetzt konnte Herr Wolter herzhaft lachen. Und sie sagte:
"Jetzt, wo wir unseren Humor wieder gefunden haben, sollten wir gehen!" Sie warf einen Blick auf die Visitenkarte und steckte sie in die Handtasche. "Wie kommen Sie nach Hause?"
"Entweder mit dem Bus hier von der Ecke oder mit der S-Bahn in Richtung Stadt."
"Ich fahre leider entgegengesetzt", bedauerte Frau Skoronnek.
"Aber vergessen Sie den Bus und kommen Sie mit zum Bahnhof, dann haben wir heute schon einen gemeinsamen Weg!"
 
A

aligaga

Gast
Ein Werk aus dem vorigen Jahrhundert, offensichtlich, als es in den Bahnhofsgaststätten noch erlaubt war, zu rauchen, @Maribu.

Der um die Witwe bemühte Galant behauptet im letzten Drittel der Geschichte allen Ernstes, nun, da man sich kennen gelernt habe, stünde einem nächsten Treffen nichts im Wege.

De facto sind die beiden aber nur ganz oberflächlich ins Gespräch gekommen; erfahren haben weder sie noch der Leser wirklich etwas - außer Signalements und banale Daten banaler Lebensläufe. Die Leutchen scheinen keinen Charakter zu haben, der sich irgendwie äußerte, und es findet sich nichts, was den Anspruch des Opis sinnfällig machte, um ein Wiedersehen zu bitten.

So läuft's ja nicht mal bei Jugendlichen ab, die getrennt kommen und nach einer Zigarette deshalb gemeinsam weitermachen, weil sie sich sympathisch finden.

Das geht @ali hier ab. Weder der Mann noch die Frau lassen irgendetwas aufkommen, was den Leser dazu brächte, zu wünschen, dass die Geschichte weiterginge. Oder dass sie wenigstens begönne.

TTip: Aus den langweiligen Aktenvermerken eine kurze Einleitung machen und dann warmes Blut ins Gefäßsystem der beiden kippen, damit sie nicht weiter wie Schaufensterpuppen agieren müssen, sondern Gefühle für- oder gegneinander entwickeln können. Gesichter, Augenblicke, Berührungen. Thränen.

Und dann ein guter Schluss! Das wär's!

Gruß

aligaga
 

Maribu

Mitglied
Hallo aligaga,

mit dir habe ich schon gerechnet!

Du hast buchstäblich darauf gelauert, wieder einen Text zu verreißen, das du wesentlich besser kannst, als selbst zu schreiben!

Ja, der Text ist schon älter, aber bis auf das Rauchverbot,
das ja auch noch nicht Jahre her ist, kommt der Totensonntag
jedes Jahr wieder.

Deine Altersdiskriminierung kannst du dir allerdings sparen;
du kommst da auch hin!

Ich habe da ganz andere Kritiken bekommen. Aber - ich will mich
gern wiederholen - nicht von dir erwartet!

Bitte, erspar mir bei weiteren Texten deine Kommentare, da ich auf deinen dabei versprühenden Geifer verzichten kann!

Schade, dass diese Antwort unverdient ausgeblendet wird!

Maribu
 
A

aligaga

Gast
@Ali fände nichts dabei, wenn deine unfreundliche Antwort nicht ausgeblendet würde, @Maribu. Sie spricht ja für sich.

Wo du in @alis Kritik Altersfeindlichkeit ausgemacht haben willst, bleibt dein Geheimnis. Die Nummer wäre genauso zu kritisieren, wenn es Studenten wären, die sich am Grab ihrer jeweiligen Eltern träfen und so langweilig herüberkämen wie deine Alten. Die "Geschichte", die (noch) keine ist, leidet nicht am Alter der Protagonisten, sondern an ihrer Belanglosigkeit.

Du hast buchstäblich darauf gelauert, wieder einen Text zu verreißen, das du wesentlich besser kannst, als selbst zu schreiben!
Von deinen letzten zehn Hervorbringungen, @Maribu, ist das hier erst die zweite, zu der @ali dir geschrieben hat. Von "lauern" kann also gar keine Rede sein. Im Übrigen glaubt @ali, es sei sinnvoll, nicht nur eigene Werke ins Forum zu stellen und PN-Freundschaften zu pflegen, sondern an den Werken anderer kritisch teilzuhaben.

Sei tapfer! Medizin, so sagte mal jemand, muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts!

Heiter

aligaga
 
Gewiss ist es recht konventionell, fast etwas zu brav erzählt und man könnte sich einige Glanzlichter wünschen. Andererseits: Es ist Totensonntag, die beiden Personen sind ältere Semester mit ausgesprochen (klein-)bürgerlichen Lebensläufen. Als solche sind sie gut getroffen, gerade in ihrer Bravheit, Korrektheit usw. Eben das - pardon - leicht Vertrocknete an ihnen macht sie relativ lebensecht. Und bei genauem Lesen entdeckt man sehr wohl allerhand gut Beobachtetes, das sie individuell charakterisiert. Ich erwähne hier nur seine kleine Wunde am Kinn - kann mit dem Augenleiden zusammenhängen - oder sein Angebot, ihr die Walnuss zu überlassen.

Eine Frage: Kommt der letzte Satz nicht aus ihrem Mund? Dann würde ich das ohne Absatz direkt anschließen, vielleicht so:

--- bedauerte Frau Skoronnek. "Aber wissen Sie was, vergessen Sie den Bus und kommen Sie mit zum Bahnhof. Dann haben wir schon mal einen gemeinsamen Weg ..."

Arno Abendschön
 

TaugeniX

Mitglied
Es ist ein Stück aus dem letzten Jahrhundert, - dem Inhalt nach, der Sprache nach, auch den äußeren Umständen (Rauchen am Bahnhof) nach. Das sehe ich aber nicht als Kritikpunkt, sondern als schlichte Feststellung, dass die Handlung auf jeden Fall vor der Jahrhundertwende stattfindet.

Die Handlung ist sehr bescheiden, klein gehalten und etwas farblos. Aber auch das ist kein Kritikpunkt, weil es zum Lebensabend der kleinen vereinsamten Menschen passt.

Die direkte Rede ist spröde und brav. Aber wie soll sie denn anders sein, wenn sie aus dem Mund dieser Menschen kommt?

Es ist auch gut, dass nicht all zu viel "Herzschmerz" durschimmert. Die Adenauergeneration läßt sich nicht gehen.

Das sind Leute, die anrufen um einen Arzttermin abzusagen: "Verzeihen Sie, Schwester, dass ich den Termin für meinen Gatten so kurzfristig absage, er ist heute Nacht verstorben."
 

Maribu

Mitglied
Hallo TaugeniX,

dein Kommentar ist trotzdem tauglich!

Es freut mich, dass du diese Menschen aus einfachem
Milieu des vergangenen Jahrhunderts, die viel Leid und
wenige Glanzpunkte erlebt haben, erkannt hast!

L.G. Maribu
 
A

aligaga

Gast
Es freut mich, dass du diese Menschen aus einfachem
Milieu des vergangenen Jahrhunderts, die viel Leid und
wenige Glanzpunkte erlebt haben, erkannt hast!
Das, was die beiden dürftig beschriebenen Alten hinter sich gebracht haben, ist so alltäglich und langweilig wie der Umstand, dass Wäsche trocknet, wenn man sie in die Sonne hängt. Die Hinterhöfe der ganzen Welt sind voll davon.

Natürlich kann man da hingucken und auch darüber schreiben - aber wen interessiert, wie es aussieht, wenn Wäsche trocknet, oder welches Geräusch sie dabei macht?

Der Leser will wenigstens wissen, welche Muster auf den Bettbezügen sind, und er will sich vorstellen können, dass in diese Lappen noch einmal etwas fährt, das sie belebt. Wie sie prall werden und an etwas teilhaben, das wie eine Geschichte aussieht. Oder wenigstens wie ein Erlebnis.

So aber öffnest du uns nur die Tür zu einer Glyptothek, @Maribu, in der Gipsköpfe herumstehen, mit denen man als Leser nichts anzufangen weiß und auch nichts anfangen mag.

Daher nochmals der TTip: Den Malkasten holen und zu pinseln beginnnen! Oder nimm besser Acrylfarben. Die wären wetterfest!

Heiter

aligaga
 

TaugeniX

Mitglied
@ Aligaga, wenn man Deine Metapher übernimmt, könnte man diese Geschichte als leicht verwischtes grau-weiß Foto einer schlichten Herbstlandschaft sehen.

So etwas kann durchaus beabsichtigt sein und kein technischer Mangel. Und es kann auch ein Kunstwerk sein. Auch eine verwischte schlichte Graphik kann ein Kunstwerk sein. Ein Urteil darüber, ob diese Geschichte hier eines ist, traue ich mir nicht zu und bleibe bei persönlicher Sympathie zum Text.

Aber grundsätzlich ist das Fehlen der Farben und des "Lebens" nicht unbedingt ein Fehler.
 
A

aligaga

Gast
Schwarzweißfotografien sind nur dann „farblos“, @Taugenix, wenn ihre Urheber keine Ahnung von Licht und Schatten haben, Linien keine Aufmerksamkeit schenken und die Spuren übersehen, die auch noch der kleinste Vogel im Schnee zurückzulassen pflegt; die nichts von Schärfentiefen, Überblendungen oder Mitführungen verstehen und die keine Ahnung davon haben, wie man Gegenlicht nutzbar macht. Es wird solchen „Knipsern“ niemals gelingen, ein Schwarzweißbild zu zeichnen, das Oberflächen verlässt und Tiefen aufzeigt.

Das Verschmieren von Konturen, das absichtliche (oder unabsichtliche) Unscharfmachen ist per se kein Kunstgriff, sondern zuallermeist Artefakt, Wischiwaschi, das dem Stümper dienen soll, seine Schwächen zu kaschieren. Die wenigen Ausnahmen, die es da gibt, bestätigen nur die Regel.

Das hier zu betrachtende Friedhofsbild ist, wie schon mehrfach bemerkt, leider recht konturlos geraten und langweilig. Es gewinnt nicht durch die Behauptung, man habe beim Schreiben einen „Filter“ vorgeschaltet, der es milchig machte oder verzerrte. Es würde dadurch ja keineswegs interessanter, sondern nur noch langweiliger, als es ohnehin ist, nicht wahr?

Einer „Geschichte“ die Handlung vorzuenthalten, ist nur dann keine literarische Todsünde, wenn die Kulissen so markant und eindrücklich sind, dass sie für sich sprechen können. Aber leider sind sie es in diesem Text ganz und gar nicht.

Es ist keine Schwarzweißbild, das hier hängt. Es ist alles beige. Eine Farbe, die nur dem steht, der einen Kontrast zu ihr bilden kann. Der olle Goethe konnte das noch nicht wissen.

Heiter

aligaga
 

TaugeniX

Mitglied
Ich fürchte, wir werden diese Diskussion nie zu Ende ausfechten. Ich sehe genau das, was Du so schön beschrieben hast: "die Spuren, die ein kleiner Vogel im Schnee hinterlassen hat". zart und schon ein wenig verweht.

Wie soll man da tun, wenn zwei Menschen den gleichen Text ansehen und unterschiedliche Bilder sehen?
 
A

aligaga

Gast
Ich sehe genau das, was Du so schön beschrieben hast: "die Spuren, die ein kleiner Vogel im Schnee hinterlassen hat". zart und schon ein wenig verweht.
Wirklich?

Dann sei doch so gut und kringel mal die vielen "zarten, verwehten Spuren" in dem Text ein, die auf Bewegungungen außerhalb der vorgegebenen und tief eingeschliffenen, burgeoisen Geleise schließen ließen.

Da ist @ali jetzt echt gespannt.

Heiter

aligaga
 

Maribu

Mitglied
Hallo TaugeniX,

danke für deine Standhaftigkeit gegenüber dem heiteren
"ali gaga" und auch für die "Acht"!

Er ist mit seinen sogenannten erotischen Geschichten unter
dem Titel "Häuser am Fluss" unzweifelhaft der King unter den Ll-Autor(innen).

Wer schafft schon von uns 185.784 Klicks?

Das kann nur "getürkt" sein! Das Pseudonym weist ja schon darauf hin!

Außerdem vermute ich, dass er eine Verbindung zum "Computer-
Chaos-Club" hat; für so "heiter" halte ich ihn denn doch nicht,
dass er die "Klicks" in tagelanger Arbeit selber fabriziert hat.

Lieben Gruß
Maribu
 

TaugeniX

Mitglied
Ich hab Tag ein Tag aus mit alten Leuten zu tun. Deswegen liegt mir Dein Text am Herzen. Deswegen erkenne ich auch berührt ihre spröde Sprache, ihre seelische Ungelenkigkeit, ihr ganz zurückgehaltenes leises Leiden.

Die Spur mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist für mich das Auto, das nicht verkauft wird. Das habe ich schon von einigen Patientenangehörigen so gehört, auch in Bewußtheit der palliativen Lage.
 
A

aligaga

Gast
Die Spur mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist für mich das Auto, das nicht verkauft wird. Das habe ich schon von einigen Patientenangehörigen so gehört, auch in Bewußtheit der palliativen Lage.
Das also soll die kleine Kohlmeisentrittspur im vorweihnachtlichen Schneefeld sein?

@Ali liest in der Geschichte etwas von verkauften und damit ordnungsgemäß abgemeldeten Kraftfahrzeugen - das eine, weil Opi es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr lenken durfte, das andere, weil Omi nichts damit anfangen konnte, denn sie hatte keinen Führerschein. Es war also nicht mal ihr Auto, das danach unter einer anderen Nummer munter weiterfuhr.

Das sind keine Spatzenspuren, die nachdenklich machten, @Taugenix, sondern zwar bedauerliche, aber höchst banale Sachverhalte. Geknipst, nicht fotografiert. Du bist sicher, dass wir über den gleichen Text sprechen?

Amüsiert

aligaga
 

Maribu

Mitglied
Sehr geehrter Herr Ronneberger,

ich wundere mich sehr, dass Sie als Redakteur für das Forum
"Erzählungen" es nicht für notwendig erachten, "Ihren" Autor(innen) ein paar Worte der Kritik zukommen zu lassen!

Oder sind die Ll-Redakteure nur dazu da, die "Netiquette" zu überwachen, damit unliebsame Kommentare gelöscht oder zumindest ausgeblendet werden können?!

Freundlichen Gruß
Maribu
 
A

aligaga

Gast
Da will @ali den armen @Ralph gleich mal in Schutz nehmen: Ein Schiri sollte sich nur ganz ausnahmsweise direkt an einem Spiel beteiligen. Das ist stets das Beste für die gesamte Liga!

Oder sind die Ll-Redakteure nur dazu da, die "Netiquette" zu überwachen, damit unliebsame Kommentare gelöscht oder zumindest ausgeblendet werden können?!
Was sind "unliebsame" Kommentare? Solche, die der AutorIn nicht gefallen, weil sie sich kritisch mit deren Werk auseinandersetzen und zu dem Ergebnis kommen (müssen), es sei missglückt?

Solche Kommentare wurden und werden gottlob noch nicht gelöscht oder unterdrückt. Nur, wenn sie beleidigend, rassistisch, sexistisch, gewaltverherrlichend, rechtsradikal oder volksverhetzend sind. Wo da die Grenzen liegen, kommt natürlich auch auf die Tagesform des Moderatos an.

Aber so isses nun mal. Die LeLu ist von Menschen für Menschen gemacht. Also menschelt's, hin und wieder.

Ist das nicht herrlich?

aligaga
 

Maribu

Mitglied
Herr Ali Gaga,

werden Sie eigentlich dafür bezahlt, das Sprachrohr der Leselupe zu sein?

Ihnen ist das passive Verhalten des Redakteurs natürlich ganz recht; sonst hätte Herr Ronneberger bestimmt nachgefragt, wie man bei 5.148 Mitgliedern auf 186.118 Aufrufe (Stand 27.11. 8:32)
kommen kann?!

Nicht heiter, nicht amüsiert,
sondern ernsthaft: Maribu
 
A

aligaga

Gast
Ihnen ist das passive Verhalten des Redakteurs natürlich ganz recht; sonst hätte Herr Ronneberger bestimmt nachgefragt, wie man bei 5.148 Mitgliedern auf 186.118 Aufrufe (Stand 27.11. 8:32)
kommen kann?!
Die Antwort ist ganz leicht gegeben, o @Maribu: Wenn alle angemeldeten User jedesmal den Klappentext anklicken würden, um an die nächste Fortsetzung zu kommen, wären das bei momentan 84 Fortsetzungen ja schon 84 x 5.184 = 435.456 Klickser - nicht gerechnet den Umstand, dass dem Klappentext inzwischen mehr als 100 Kommentare anhängen und er auch deshalb immer wieder aufgesucht wird.

Wie viele angemeldete User er zu den Lesern der "Häuser am Fluss" zählen darf, weiß @ali nicht. Er geht davon aus, dass es mehr unangemeldete als angemeldete sind, weil der Aufruf der Fortsetzungen so exorbitant hoch ist (zu Beginn des Kapitels "In der Lagune" waren es immerhin 1500 bis 2000 Aufrufe pro Fortsetzung).

Die LeLu ist vom Konzept her nicht bloß an einen inneren Nutzerkreis, sondern auch ganz gezielt nach außen gerichtet, @Maribu, wie du dem Vorspann der einzelnen Rubriken unschwer entnehmen kannst.

Dass die "Häuser am Fluss" so überraschen gut laufen (du musst sie ja nur mit den vielen, vielen anderen Fortsetzungsgeschichten unter der Rubrik "Lange Texte" vergleichen), freut @ali deshalb so sehr, weil sie gelesen werden, obwohl eine Handvoll "Kollegen" nichts unversucht lässt, den Autor und seine Soap schlecht zu machen. Manche haben gar Schaum vor dem Mund.

Aber entweder ist die Nummer zu gut - oder die Versuche, sie auszubremsen, zu unwirksam.

Anyway. @Ali hat ganz zu Beginn geschrieben, dass ein Literaturforum wie die LeLu ein idealer Lebensraum für den aus den Zeitschriften verschwundenen "Feuilleton-Roman" sein könnte. Der Erfolg scheint ihm nun recht zu geben - das Ding läuft trotz aller Negativwerbung.

Natürlich wir's wieder welche geben, die behaupten, dass über jedem Scheißhaufen die Fliegen summten. Dazu stellt @ali fest, dass in der Tat eine Reihe der angebotenen, anderen Fortsetzungsgeschichten nicht das Gelbe vom Ei sind - sie haben aber alle nicht den großen Leserkreis der "Häuser am Fluss". Es muss also etwas in deren Zimmern zu finden sein, das es anderenorts nicht gibt.

Was das sein könnte, bekäme man nur heraus, wenn man hineinginge und sich drinnen umguckte, und wenn man "In der Lagune" badete. Angeblich betreten die heftigsten Kritiker aber weder das Haus, noch steigen sie ins Wasser.

Merkwürdig. Woher die wohl wissen, wie dürftig und wie kümmerlich es da drinnen aussieht und zugeht? Wie scheußlich zum Beispiel die Brombeermarmelade in der Fortsetzung von heute schmeckt ...

Sehr, sehr heiter

aligaga
 

Oben Unten