Versickerte Erde

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Hallo Rachel,

die Wanderung eines Tropfens ist ohne Zweifel eine faszinierende Geschichte.

Was mich arg irritiert, ist der Titel. Wieso versickernde ERDE?
Es geht doch um einen Wassertropfen, der wird letztendlich in der Erde versickern.
Aber Erde, die versickert? Woher kommt die? Was meinst du damit?

Liebe Grüße
vom Clown
 

Rachel

Mitglied
Hei, lieber Clown, lieber Scal! Herzlichen Dank fürs Nachfragen und eure Gedanken. Freut mich sehr. :)

Versickerte Erde steht hier für Vergänglichkeit.

Gruß, Rachel
 
Zuletzt bearbeitet:

wiesner

Mitglied
Liebe Rachel,

ohne Titel und alles in Kleinschreibung gefiele mir das Gedicht besonders gut, der hier schon beschriebene 'Film' spulte sich nach Belieben neu auf (natürlich ein sehr persönliches Empfindungsmoment)

habe wieder sehr gerne ein Gedicht von Dir gelesen!

Gruß
Béla
 

Rachel

Mitglied
Die Titeländerung ist erst ein paar Tage alt, das Gedicht hieß lange einfach Nach einem langen Flug und fing auch so an. Ich verstehe und teile also eure Einwände, lieber Béla, lieber Clown. Mir gefällt aber auch der neue Titel. Ja, ein Empfindungsmoment, oder lyrisches Nachdenken, wie Scal meint, das trifft es alles gut.

Den Film verlassen, sich die eigene Geschichte vergänglich vorstellen. :)

Gruß, Rachel
 

Hanna Marie

Mitglied
Liebe Rachel, ich bin ganz neu hier und falle in dein Gedicht hinein, buchstäblich, und falle und falle, bis ins Moos.
LG Hanna
 

johP

Mitglied
Ein gedicht, das man als lang gestecktes bild malen könnte, so verwandelte sich in meinem kopf wort für wort zum bild. Schön
 

Rachel

Mitglied
Liebe Hanna Marie, die Vorstellung einer Landung ins Moos … danke dafür; klingt weich und naturverbunden; erinnert mich an ein frühes Gedicht, wo ich mich eingrabe und einen Moosteppich übers Haupt ziehe.


Liebe johP, es freut mich, was du sagst. Wörter unter-einander zum Laufen bringen (ja lang und gest(r)eckt), zum Film, wobei ich zuerst an einen Kreislauf dachte.

Willkommen im Forum und herzlichen Dank euch beiden! :)

LG Rachel
 

jon

Mitglied
Meine Sicht:
Weder ist die Idee, dass Erde vor allem aus Wasser, aus Tränen bestünde, in meinen Augen stimmig mit dem Text, noch dass "Versickerte Erde" was mit Vergänglichkeit oder dem ablaufenden Film zu tun hat.
Zweitens: Ab Vers 5 rollt/tropft die (Baum-)Spitze - das ergibt nachfolgend keine sinnvollen Bilder.
 

Rachel

Mitglied
Danke Jon für deine Sicht. Ich verworte, was Scal treffend als „lyrisches Denken“ bezeichnet. Es möchte mehr spüren als Wörter denken und das fällt … was sich erst im Flug erweist … ins Unfassbare.

Nach einem langen Flug durch den alten verinnerlichten Lebensbaum versickert die Erde mit allen Erinnerungen wie Wasser, Raum und Zeit in leere Bewusstheit. Am Baum wäre es die Spitze. Auf Schallplatte die spirituelle Rille. In der Kindheit ...

LG Rachel
 

D' Münchnerin

Mitglied
Lyrisches Denken ist also "Apfel meinen, Birne denken und Gartenzaun schreiben"? Nein, das ist nur wirr.
Dem schließe ich mich an. Außergewöhnliche Gedanken kundzutun, neue Perspektiven auf Alltägliches anstoßend: Finde ich gut; regt zum Nachdenken an. Aber ich denke, wenn ich mit meiner Schreibe eine für alle bedenkenswerte Botschaft rüberbringen möchte, sollte sie so formuliert sein, dass sie verstanden wird. Bei Rachels Zeilen kapiere ich - nichts.
 

D' Münchnerin

Mitglied
Danke Jon für deine Sicht. Ich verworte, was Scal treffend als „lyrisches Denken“ bezeichnet. Es möchte mehr spüren als Wörter denken und das fällt … was sich erst im Flug erweist … ins Unfassbare.

Nach einem langen Flug durch den alten verinnerlichten Lebensbaum versickert die Erde mit allen Erinnerungen wie Wasser, Raum und Zeit in leere Bewusstheit. Am Baum wäre es die Spitze. Auf Schallplatte die spirituelle Rille. In der Kindheit ...

LG Rachel
Was verstehst du unter einem "alter, verinnerlichter Lebensraum"?
 

Ubertas

Mitglied
So, ein kleiner gedanklicher Querflug :)

Erde versickert nicht grundsätzlich. Sie kann schlammig werden, Wind und Wetter kann sie forttragen – letzten Endes bleibt sie dickporiger als Wasser. Vielleicht schwemmt es winzige Teile aus dieser Erde. Diese versickern vielleicht.

Ich kann den Titel nehmen und danach im Gedicht nach Bestätigung suchen, ob er mir mit einem kleinen Bröckchen darin widerfährt. Oder ich lese das Gedicht und nehme den Titel nachträglich, als das an, was er mir sein kann: eine Botschaft. Für mich wird hier ein Flug beschrieben, der alles durchdringt am Baum bis hin zu seinem tiefsten, vielleicht letzten Blatt. Doch dieser Flug fällt tiefer aus, er weitet sich nicht, er überschreitet sogar die Blattgrenze, jedoch in einer Tiefe. Wohin er fällt, auf die versickerte Erde, ob diese als Paradox erlebt wird oder nicht, bleibt offen.
Am Baum könnte sogar wieder die Spitze erreicht werden, denn die Flugbahn eines Tropfens scheint mir hier umgekehrt genauso vorhanden zu sein. Seine Landung knüpft nicht mehr an eine einzige Vorstellung, denn ein „das hält ihn nicht auf“ widerspricht. Und in diesem leisen Gedicht schließt sich gerade deswegen ein Kreislauf, der außerhalb der Wahrnehmung liegt. Ins „fällt fällt“ greifen?
Es vollzieht sich, wiederkehrend vergänglich.

Querflug: Ende.

Liebe Grüße in die Runde,
ubertas
 



 
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