Weltformel

5,00 Stern(e) 1 Stimme

sufnus

Mitglied
Weltformel

Auf Nullniveau mit Schwundgebärde
zur Niederkunft - das Einmaleins
der Goetheklasse: Stirb & werde!
Wer jetzt noch "Herz" ruft, der hat keins

und macht sich selber ungeschehen
in Fluchtdistanz zum großen Staunen,
wenn Niemandsnamen uns verwehen
beim Zeitvertreiben (Ablaufraunen).

Und Totstelltricks? Bloß faule Zauber
aus Sinn und Form und Material;
der Letzte wischt den Tatort sauber:
Das läuft schon, Leute! Präfinal

blickt ratlos zwischen Schrei und Schreibe
kein Schwein mehr durch. Die nackten Zahlen
zerformeln sich: Die Welt als Scheibe
mit schlimmer Neigung zum Realen.
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Sufnus,
Großartig!
Es ist zwar noch nicht der erste Advent, aber ich zünde mir schon jetzt ein Teelicht an. Für eine Kerze mit Widmung reicht es dieses Jahr nicht mehr in die Scheibenwelt ;) . Oder doch?
Kalkmuschelnde Grüße aus tiefer Neigung.
Heute mit Nackenstarre
im Weichteildasein.
ubertas
 

Frodomir

Mitglied
Hallo sufnus,

ich hatte bereits angefangen, dein Gedicht zu interpretieren, aber ich muss gestehen, dass ich mit meiner Interpretation gescheitert bin


Meine Deutung ging in diese Richtung, dass ich annahm, du hättest ein Gedicht über den bedauernswerten Zustand der heutigen Lyrik geschrieben, sowohl was ihre Qualität, ihren Inhalt als auch ihre Reputation betrifft. Dabei sah ich in deinem Gedicht einige Zitate und Anspielungen, u.a. auf Goethes Gedicht Selige Sehnsucht ("Stirb & werde!") oder auch auf die Literaturzeitschrift Sinn und Form. Außerdem war ich begeistert über einige grandiose Verse und Reime, vor allem die letzte Strophe ist sprachlich überragend:
blickt ratlos zwischen Schrei und Schreibe
kein Schwein mehr durch. Die nackten Zahlen
zerformeln sich: Die Welt als Scheibe
mit schlimmer Neigung zum Realen.
Aber insgesamt ist es mir nicht gelungen, eine wirklich kohärente Deutung deines Gedichtes zu verfassen. Ich möchte dazu vorsichtig erwähnen, dass ich dieses Problem des teilweise Nichterfassens des Inhalts des Öfteren bei deiner Lyrik habe. Es ist durchaus möglich, dass ich meine Lesegewohnheiten nicht unbedingt auf die modernsten Literaturformen gerichtet habe und deshalb Schwierigkeiten habe, auf ebensolche Texte auf jener Ebene einzugehen, die ich mir selbst zum Anspruch gemacht habe. Oder einfacher ausgedrückt: Es fehlt mir möglicherweise an Bildung im gegenwartslyrischen Bereich. Der naive Teil in mir wünscht sich dennoch manches Mal einfach nur: Mehr Klarheit und für mich erkennbare Kohärenz.

Insgesamt scheint mir das ein geniales Werk zu sein, aber ich glaube, ich bin ihm nicht gewachsen.

Liebe Grüße
Frodomir
 



 
Oben Unten