Der lange Abschied von uns selbst, oder wie wir wurden, was wir sind - Teil 4 - Feiertagsausgabe!

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Der lange Abschied - Teil 3



3 Die Tage zuvor

3.1 Entscheidung 22.04.2019

Heute Morgen wachte ich auf, als Du mich küsstest. Wir standen am Strand von Ahrenshoop, die Ostsee umspülte unsere Füße, ich konnte Dich spüren, hören, sogar riechen. Oh, wie sehr ich Deinen Duft vermisse. Gerade als Deine Lippen meinen Mund berührten, erstmals nach so unendlich vielen Tagen, schrie eine Möwe am Himmel, weckte mich und beendete so diesen wunderschönen Traum.
Ich starrte in die leere Betthälfte, in der Du liegen solltest. Niemand da, verwaist, schon so lange und für immer. Die verdammte Illusion, die mir mein Unterbewusstsein vorgaukelte, fühlte sich so real an, dass mir Schauer über den Rücken liefen.
Mühsam kroch ich aus dem Bett, um mir einen Kaffee zu brauen. In der Küche stehen noch die Geschenke des Barons. Während die Kaffeemaschine heizte, öffnete ich den Koffer mit den beiden Pistolen.
Eine entnahm ich, führte die Sicherheitsüberprüfung durch, munitionierte eine Patrone auf und lud die Waffe fertig. Der Vollautomat meldete Betriebsbereitschaft, in meiner Faust hielt ich die Walther. Die Griffschalen sind aus Nussbaumholz, die Schusswaffe lag mir angenehm leicht in der Hand. Lange starrte ich aus dem Fenster. Ich wusste alles, was es zu wissen gibt, um Dir zu folgen. Das letzte Geräusch, welches ich hören würde, wäre das leise „Plopp“ des Schusses.
In mir war nichts mehr, Du bist weg und eine Rückkehr wird es nicht geben, egal was ich denke, sage, wünsche, unternehme. Unwichtig, wie viele Briefe ich Dir schreibe, Du wirst sie niemals lesen.
In diesem Moment herrschte völlige Leere in mir, kein Gefühl, keine Verzweiflung nur totale Ödnis in perfekter Schwärze. Das Surren der Kaffeemaschine, als sie sich ausschaltete, brachte mich wieder ins Hier und Jetzt. Das Geräusch zog meinen Geist aus der Dunkelheit des Nichts, zurück in unsere Küche.
Dort, in einem Zustand des Nichtexistierens versank ich für rund 30 Minuten. In diesem Augenblick erkannte ich, dass das diffuse Gefühl, nicht sterben zu wollen, welches ich am Abend der Geiselnahme entwickelte, nicht ausreichend sein wird, um mich am Leben zu halten.
Ich schaute auf die Pistole, entfernte die Patrone aus der Kammer, packte Waffe und Munition weg, schaltete die Kaffeemaschine wieder ein, entschied, diesen Weg nicht einzuschlagen. Sterbe ich, stirbst Du ein zweites Mal mit mir. Die Tatsache, dass Du mit meinem Tod dem Vergessen anheimfällst, stellt eine Belastung dar, von der ich nicht weiß, wie ich sie tragen soll.
Ob die Entscheidung von Dauer sein wird? Ich weiß es nicht. Während ich in unserer Küche stand, dem Kaffee zusah, wie er seinen Weg in die Tasse fand, schwarz und ölig zunächst, dann in ein immer helleres Braun changierend, seinen Duft mit zunehmender Intensität wahrnehmend, spürte ich die Tränen im Gesicht. Ich trank den Kaffee am Fenster, der Blick irrlichterte durch den Vorgarten auf die Straße, über die Du in Deinen viel zu frühen Tod fuhrst. Heulend wie ein Schlosshund stand ich da und wusste, egal welchen Weg ich wähle, wo immer er mich hinführt, es wird ein verdammt langer Marsch zurück ins Leben.
Ich bin Vieles, ein gläubiger Christ bin ich, wie Du weißt, nicht. Darüber machte ich mir nie Gedanken. Dass ich evangelisch getauft wurde, hilft auch nicht. Seit Deinem Tod bin ich eher Hoffender als Glaubender. Ich hoffe, dass nach unserem Tod etwas kommt. Sollte da was kommen, nachdem alles endet, wartest Du dort vielleicht auf mich. Damit gibt es zumindest eine winzige Chance, Dich wiederzusehen, Dir die Dinge zu sagen, zu denen ich in diesem Leben nicht mehr gekommen bin.
Wir beide haben keine Familie. Ja, ich habe einen Bruder, Familie geht dennoch anders. Sein Besuch bei mir, nach Deinem Tod hat uns nicht wirklich zusammen gebracht. Er hat es versucht, das rechne ich ihm hoch an, doch drei Jahrzehnte wenig Kontakt und einen schlechten Start, holt man nicht wieder auf. Du und ich haben bzw. hatten gute Freunde, Leute die uns seit vielen Jahren begleiten. Aber täuschen wir uns nicht selbst. Blut, ist dicker als Wasser. Egal wie nahe man jemanden steht, wenn ein Mensch stirbt, verwehen irgendwann die Spuren, da hatte Roman recht.
Erste Unschärfen in meinen Erinnerungen bemerke ich bereits. Unsere gemeinsame Geschichte endete, es kommen keine weiteren Bilder, Ereignisse, Begebenheiten mehr dazu. Neue Gedanken, Erlebnisse, Erzählungen überdecken das, was uns verband. Auch wenn ich momentan ein eher mönchisches Dasein führe, wird später wieder einmal Leben passieren. Bei allen, die dich mochten, vielleicht sogar liebten, setzt ab einem gewissen Punkt das Vergessen ein. Zwanzig Jahre weiter hält jemand ein altes Telefon in den Händen, mit Fotos, die man vor ewiger Zeit aufnahm und fragt sich, wer der Mensch auf dem Bild neben einem ist. So lange ich da bin, erlaube ich der Welt nicht, Dich aus ihrem Gedächtnis zu löschen.
Später, am heutigen Tag grübelte ich über den Besuch des Barons nach, seine pessimistische Einschätzung bezüglich meiner Überlebenschancen im Falle einer großen Katastrophe.
Es ist momentan nicht so, als ob ich viel vor habe, möglicherweise ist genau das mein Problem. Ich brauche eine Aufgabe, ein Projekt um die Gedanken, die bei mir im Kopf marodieren zu ordnen, zu zentrieren. Unmögliche Herausforderungen empfand ich schon immer äußerst anziehend. Vielleicht ist das eine Chance, aus dem Treibsand herauszufinden, in dem ich feststecke und langsam versinke. Der Eintritt des erwarteten Ereignisses ist hochgradig unwahrscheinlich. Tritt es ein, wie der Baron voraussagte, soll mein Tod unvermeidlich sein. Sieht so aus, als ob ich ein Projekt habe.
Eine Sache treibt mich besonders um, ein Gedanke, den ich nie verfolgte. Der Baron fragte nach meiner Einschätzung, angenommen, dass man die Menschen, die für die ganzen Hassposts im Internet verantwortlich sind, „von der Leine lässt“ wie er sich ausdrückte.
Welches Verhalten zeigen die Leute, die sich als abgehängt und vernachlässigt wahrnehmen, sobald Sie keine Konsequenzen für ihr Handeln mehr befürchten müssen? Da ich nie eine Überlegung an ein derartiges Szenario verschwendete, wusste ich nicht wirklich eine Antwort darauf.
Interessanterweise sprang mir einer der Mörder bei, Jewgenij, antwortete an meiner Stelle. Er vertrat die Überzeugung, dass viele, wenn nicht sogar die Meisten, ihrer angestauten Aggressivität freien Lauf lassen werden, überwiegend Männer, Frauen nur vereinzelt.
Der Baron nickte, diese Einschätzung deckte sich weitestgehend mit seiner eigenen.
Das lässt die Frage zurück, wie ich mich verhalten würde. Ich spüre weder Aggression in mir, noch Wut. Trauer und Verzweiflung ja, jedoch keinen Groll. Wo ist mein Platz in einem derartigen Szenario? Bei den Guten, den Bösen oder den Toten?
Etwas anderes ist mir heute klar geworden. Du bist weg und ich bin übrig geblieben. Auch wenn Roman recht hatte, und Schreiben zweifelsfrei eine therapeutische Wirkung hat, Dir Briefe zu schreiben, schmerzt zu sehr, als das ich damit weitermachen könnte oder wollte.
Ich bin am Überlegen, wie ich weiterschreibe. Dass ich das Memoire fortführen möchte, da bin ich mir sicher. Als fragwürdig beurteile ich, mich ausschließlich um die eigene Person, zu drehen. Mit „liebes Tagebuch“ werde ich nicht anfangen. Diesen Ansatz finde ich für einen, der die Mitte der Vierzig gerissen hat, irgendwie nicht passend. Vielleicht spreche ich einen Lesenden in der Zukunft an.
Grundsätzlich sollte in ein solches Journal niemand außer dem Verfasser Einblick nehmen. Andererseits, wenn´s jemand liest, nachdem ich tot bin, ist es mir auch egal.
Aber Du würdest wieder auferstehen. Was las ich kürzlich?
„Verliebt sich ein Schriftsteller in Dich, bist Du unsterblich.“
Ein ungewöhnlich versöhnlicher Gedanke nach einem verzweifelten Tag.


3.2 Erwägungen 23.04.2019

Seit zehn Jahren lebe ich hier. Miriam und ich errichteten das Haus gemeinsam. Da wir zu dem Zeitpunkt noch mit Kindern rechneten, bauten wir größer, als es im Nachhinein nötig gewesen wäre. Erst nachdem der Bau stand und sich nach wie vor kein Nachwuchs ankündigte, ließen wir uns testen. Im Ergebnis kam heraus, dass wir beide unfruchtbar sind. Dumm gelaufen.
Kurzfristig überlegten wir, das Haus wieder zu verkaufen. Wir sprechen hier immerhin von 220 qm, aufgeteilt auf zwei Stockwerke mit zwei Kinderzimmern, einem Gästezimmer, drei Bädern, einem Schlafzimmer einer riesigen Küche mit Esstisch und einem großen, zum Garten hin offenen Wohnzimmer. Schnell stellten wir fest, dass Platz Luxus ist und so behielten wir das Haus. Einen Raum für die Haustechnik und Vorräte gibt es ebenfalls und im Dachboden einen Technikraum. Den nutzen wir für die Solaranlage und die Batterien.
Gebaut haben wir 2008, mitten in der Finanzkrise. 2018 erweiterten wir das Ganze um eine Solaranlage mit Batteriespeicher. Da wir uns gut mit unseren Nachbarn verstanden, realisierten wir das Projekt „erneuerebare Energie“ mit fünf Nachbarhäusern. Wir legten uns alle Kollektoren auf die Dächer, installierten Batterien und schafften ein gemeinsames Blockheizkraftwerk an.
Kein Schnäppchen, doch wir konnten es uns leisten. Pro Einheit fielen rund 60.000.- € an, die Finanzierung lief fast ausschließlich über die KfW. Mit den Investitionen sind wir nicht komplett unabhängig vom öffentlichen Netz geworden, aber wir erreichen einen höheren Autarkiegrad als die meisten anderen Hausbesitzer in Deutschland.
Mein Haus liegt am linken Ende einer Sackgasse, die etwa 200 Meter lang ist und in einem Wendehammer endet. Links und rechts stehen jeweils sechs Gebäude, alle neu errichtet, die Grundstücke sind verhältnismäßig groß. Die Anlage ist im mittleren Bereich eines dreigliedrigen Baufelds am südlichen Rand des Dorfes angesiedelt. Von der Stichstraße führt eine Straße gerade in den Ortskern. Die Hütte meines Nachbarn befindet sich praktisch gegenüber der Kirche.
Links und rechts von unserem Baufeld sollte ursprünglich auch gebaut werden, es sind nochmals zwei Entwicklungsflächen vorhanden, die Erschließung der Grundstücke ist abgeschlossen. Bedingt durch die Insolvenz des Investors ist daraus bislang nichts geworden. Handelt sich wohl um ein kompliziertes Verfahren. Miriam und ich fanden es nicht weiter schlimm.
An Infrastruktur besitzt unser Dorf eine Kita, ein paar Kneipen beziehungsweise Gasthäuser, kleinere Läden, eine freiwillige Feuerwehr mit einem Fahrzeug. Am westlichen Ortsrand ist eine Sporthalle für mehrere Vereine. Das war´s.
Hinter den Gebäuden am Wendehammer liegen knapp 200 Meter freies Feld, dann fängt der Wald an. In etwas über 2 Kilometer Entfernung kommt ein Einkaufszentrum. Ein paar Bekleidungsgeschäfte, Restaurants, ein Lebensmittel- und Elektroladen. Geschäfte von denen Investoren einmal annahmen, dass sie auf eine Waldlichtung gehören.
Der Konsumtempel südlich der Gemeinde hat dem örtlichen Einzelhandel, wie üblich, nicht gutgetan. Vor zwei Jahren schloss die Bäckerei bei uns am Ort. Es gibt einen winzigen Edeka, die Frage ist nur, wie lange noch. Der Betreiber ist schon fast siebzig, seine Frau deutlich über sechzig und die Kinder leben in Berlin. Das besagte Shoppingcenter macht es den beiden nicht leichter.
Um zum Konsumtempel im Wald zu kommen, ist man gezwungen, auf die Umgehungsstraße zu fahren, bis zum Einkaufszentrum sind es knapp zehn Kilometer, durch Forst und Feld rund zweieinhalb. Das Neubaugebiet ist von einem stabilen Metallzaun umgeben. Der Bauträger hatte ihn anlegen lassen, da im Gehölz Wildschweine sind und er so Stress mit den Bauherren zu vermeiden hoffte. Miriam und ich ließen uns hinten eine Türe in den Zaun setzen, damit wir durch den Wald zum Einkaufszentrum gehen können.
Betrachte ich die Gegebenheiten, muss ich feststellen, man könnte an schlimmeren Orten von der Apokalypse überrascht werden. Von daher bleibe ich, wo ich bin. An welchen Ort sollte ich fliehen? Wenn ich es hier nicht schaffe, dann werde ich es nirgendwo hinkriegen zu überleben.


3.3 Maßnahmen 24.04.2019

Angenommen ich gehe davon aus, dass der Baron recht hat mit den geäußerten Befürchtungen, kann ich, dank seiner Unterstützung, Vorbereitungen treffen. Die Frage ist welche? Was kauft man, falls man nicht ausschließlich für sich selbst, sondern auch Freunde in die Überlegungen mit einbezieht?
Angenommen es so kommt, wie der Baron andeutete, muss ich nicht nur für eine kurze Zeit planen. Stattdessen für den Abschnitt bis zum eigenen Tod. Da fangen die Probleme bereits an. Was für eine Zeitspanne bis zum Lebensende ist realistisch? Das momentan prognostizierte Lebensalter liegt bei knapp 80 Jahren für Männer meiner Generation. Das hieße, ich müsste für mehr als 3 Dekaden Vorbereitungen treffen – auch mit 150.000.-- € unrealistisch.
Angenommen, der Baron hat recht, überlebe ich ohnehin nicht länger als vier Wochen, da reicht ein guter Einkauf aus.
Ohne über die Maßen optimistisch erscheinen zu wollen, plane ich für eine Zeitspanne von ein bis zwei Jahren. Irgendwann wird sich wieder eine Ordnung etablieren. Davon gehe ich fest aus (unabhängig von der Tatsache, dass es außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt, dass die jetzige Struktur wirklich verschwindet).
Ich fing heute an, Listen zu erstellen. Lebensmittel, Ausrüstung was man so brauchen kann. Waffen sind eine Herausforderung. Andererseits, besitze ich zwei Pistolen. Mehr tut nicht not. Ist zusätzliche Feuerkraft von Nöten, muss ich nur einen guten Schuss ansetzen und schon habe ich ein Sturmgewehr oder eine Maschinenpistole – zumindest theoretisch.
Autos sind ein anderes Problem, Benzin und Diesel zu horten ist umständlich und gefährlich. Ich besitze einen alten Passat Diesel. Okay, so alt ist er eigentlich nicht, aber sieben Jahre hat er jetzt auch schon auf dem Buckel und die VW-AG hat ja sowas wie die Sprungobsolenz erfunden. Mit der Karre sollte ich mich in Berlin nicht erwischen lassen. Entweder raubt einen das Ordnungsamt aus oder die Umweltschützer fackeln den Luftverpester ab.
Letzte Woche lag ein Prospekt in der Zeitung, da wurde der Nissan Leaf und der eEvalia angepriesen, einschließlich der Ladestation für bidirektionales Laden. Ich glaube, ich werde mir den eEvalia kaufen, ein kleiner Van, mit dem man in der Lage ist, einiges zu transportieren. Morgen besuche ich den Händler.
Ansonsten Konserven, getrocknete Hülsenfrüchte, Trockenobst, Samen von samenfesten Sorten für Gemüse und Getreide. Hanfsamen sollen gut sein. Kaffeebohnen, viele Kaffeebohnen. Der Vollautomat läuft nach einem Zusammenbruch weiter, da wir – ´tschuldigung, ich meine ich habe Solar und Batterien.
Ob die anderen kommen, weiß ich nicht und Miriam ist ja nicht mehr da. Vielleicht bin es auch nur ich, der sich hier eingräbt. Wir, bzw. ich werden sehen. Bezüglich sehen, fällt mir da ein, wie verhindere ich, dass jemand sieht, dass hier das Haus bewohnt ist? Eine gute Frage ...
Worüber ich mir ebenfalls Gedanken mache, ist, wie wir kommunizieren sollen, wenn die Telefonnetze zusammenbrechen. Okay, falls ich alleine bleibe, ist das jetzt nicht so sehr das Problem. Kommen meine Freunde dazu, ist das definitiv relevant. Eine intensive Recherche auf der Terrasse hat ergeben, dass es eine neue Software für Katastrophenfälle, genannt „der Postillion“ gibt.
Entwickelt wurde die Plattform durch eine Forschungsgruppe an drei Universitäten. Der Postillion ermöglicht es, mittels W-Lan in Verbindung zu bleiben. Es ist eine Art Messenger, man kann aber auch die Telefonfunktion in einem W-LAN-nutzen. In besagten Fall ruft man eine Nummer an, vorausgesetzt, sie ist im gleichen Netz eingeloggt. Zusätzlich verfügt das System über eine Funktion, die sich stille Post nennt. Ist diese Einstellung aktiviert, hört man, was gesprochen wird, ohne, dass man selbst sendet. Um Missbrauch vorzubeugen, ist es erforderlich die stille Post am sendenden Telefon immer aktiv einzuschalten.
Hübsch ist, dass der Postillion die Verbindungsqualität mit Posthörnchen anzeigt, es gibt maximal fünf Hörnchen. Nettes Gimmick. Alles was man braucht, ist ein funktionierendes W-Lan-Netz. Das Ganze läuft unter iOS, Android, macOS, Windows und Ubuntu – plattformübergreifend.
Ich habe mir mal die Dateien für sämtliche Systeme runtergeladen. Ist eine Möglichkeit und hat den Charme, dass es nicht so leicht abgehört werden kann wie Funk. Das W-Lan könnte ein Problem sein, mal sehen, was mir dazu einfällt.


3.4 Kaufrausch 25.04.2019

Nächste Woche bekomme ich den eEvalia, die Ladesäule wird zeitgleich geliefert und direkt montiert, sie schließen sie an das Solar-Grid an.
Heute habe ich eingekauft. Mit einer Robbe klapperte ich verschiedene Großmärkten ab. Zuvor lieh ich mir die Geschäftskunden-Karte von Ricardo und kaufte ein, vor allem Salz (ohne Rieselhilfe, naturbelassen) und unraffinierten Rohrohrzucker. Zwei verhältnismäßig günstige Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen.
Nahrung finde ich im Umland. Werder liegt im Süden von mir, dort befinden sich riesige Obstplantagen. Walnussbäume und Haselnusssträucher wachsen überall, sogar hier im Ort, damit wäre die Eiweißversorgung gesichert und Honig gibt es durch die ortsansässigen Imker ebenfalls ausreichend. Zehn Ein-Kilo-Eimer habe ich prophylaktisch noch in einem der Großhandelsmärkte mitgenommen. Das Zeug soll ja unbegrenzt haltbar sein.
Zwei mobile Tankstellen werden nächste Woche geliefert, geordert, von verschiedenen Händlern, beide per Nachnahme, damit es nicht auffällt. Sozusagen der energetische Hosenträger, falls das Elektromobil mal leere Batterien hat. Bögen, Armbrüste und Pfeile bestelle ich ebenfalls bei unterschiedlichen Anbietern, ebenso einen Satz Kampfmesser.
Damenhygieneartikel sind schwierig, ich bin mir da nicht sicher, was man respektive frau da benötigt.
Immerhin bin ich gedanklich weiter gekommen, was die Sichtbarkeit angeht. Ich habe einige Rollen schwarzes Tonpapier gekauft. Da fällt kein Licht durch, da würde nicht mal ein Fla-Scheinwerfer durchkommen. Auf die Fensterscheiben zuschneiden, festkleben – fertig. Wird allerdings sehr dunkel im Haus sein. Ich besorge prophylaktisch mal noch zwei oder drei Tageslichtlampen.
Spannungswandler und Solarmodule für Inselanlagen besorgte ich auch. So teuer sind die Dinger ja nicht mehr. Wobei ich das unter dem Aspekt zu betrachten ist, dass die meisten Leute keine 150.000.- € für ihr Hobby zur Verfügung haben. Mit Kabel waren wieder 3.000.- € weg.
Im Außenbereich will ich Kameras anbringen, sie sollten gut versteckt sein, nicht, dass sich einer der Nachbarn beobachtet fühlt. Nichts liegt mir ferner. Die Teile ordere ich morgen. Lieferfrist zehn Tage, ebenfalls eine Bestellung per Nachnahme.


3.5 Kontaktaufnahme 10.05.2019

Heute habe ich mit meinen Freunden per E-Mail Kontakt aufgenommen. Kaum klickte ich auf „senden“, hörte das Telefon nicht mehr auf zu klingeln.
Isabell rief als Erste an, wir telefonierten fast zwei Stunden, dann klingelten Max und Friedrich durch, danach Katharina, Heike, Tom und Michaela. Es hat mich überrascht, wie gut es tat, ihre Stimmen zu hören. Meinen Vorschlag mit einem Wiedersehen-Wochenende fanden alle genial.
Das Treffen soll am Himmelfahrtswochenende stattfinden. Wir vereinbarten, dass sie, soweit möglich, bereits am Mittwochabend kommen und bis Sonntag bleiben. Für den letzten Tag habe ich ein Havelfloß gebucht. Wir planen den Tag bei Potsdam auf dem Wasser zu verbringen, grillen und über das reden, was vor uns liegt. Wobei ich mir nicht sicher bin, was ich meinen Freunden sagen kann beziehungsweise soll.
Irgendwie kommt mir die ganze Geschichte sehr abstrus vor. Befremdlich oder nicht, ich habe mit der Planung von Gemüsebeeten begonnen, ist aber noch zu früh, um mit dem Pflanzen anzufangen.


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