Fragmente

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wirena

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Fortsetzung Zitate und eigene Gedanken angeregt durch Lesen „kleine Weltgeschichte der Philosophie“ von Hans Joachim Störig


Sokrates aus Athen, ca. 470 v.Chr.
Sokrates war Handwerker, Sohn eines Bildhauers und einer Hebamme. Er nahm an Feldzügen teil und wurde für seine Tapferkeit und Fähigkeit Strapazen zu ertragen vor allen ausgezeichnet. Zu seiner Lebzeit war Athen sehr demokratisch. Doch mehr als die Hälfte der Bewohner waren rechtslose Sklaven. Aus deren Arbeitsvertrag basierte der Wohlstand der übrigen, freien Bevölkerung. Ausser den Gegnern, der aristokratischen Partei zweifelte niemand die Sklaverei an. Während des Peloponnesischen Krieges (431-404 v.Chr.) tobte in Athen ein erbitterter Parteienkampf zwischen den herrschenden Demokraten und denjenigen, die insgeheim die aristokratische Verfassung Spartas für besser hielten.

Sokrates beteiligte sich nicht aktiv an der Politik, war aber der Erzieher der aristokratischen Jungend und Wortführer der aristokratischen Partei, genauer derjenige, der dieser Partei das geistige Rüstzeug geliefert hatte.

Sokrates vernachlässigte seinen Beruf und seine Familie. Ging ärmlich gekleidet auf die Plätze und Strassen und lehrte unentgeltlich die Jünglinge aus den führenden Familien der Stadt. Er ernährte sich durch Gastfreundschaft seiner Schüler und Freunde.

Seine Lehrtätigkeit bestand im Gespräch, in einem Frage- und Antwortspiel. Dabei sprach er nicht nur seine Schüler, sondern auch beliebige, allen Volksschichten angehörende Vorübergehende an. Verwickelte diese in ein Gespräch und stellte dann allgemeine philosophische Fragen, wie: Was ist Tugend? Wie gewinnen wir Wahrheit? Welches ist die beste Staatsverfassung? Dabei trieb er den Gesprächspartner immer weiter in die Enge, bis dieser erschöpft sein Nichtwissen eingestand. Das war das Ziel von Sokrates.

Sokrates wurde unberechtigterweise der Gottlosigkeit angeklagt und zum Tode verurteilt. Er musste einen Giftbecher trinken, die damals übliche Hinrichtungsart. Er lehnte es ab, um Gnade zu bitten und lehnte auch eine Flucht ab.

Seine mutige Verteidigungsrede ist uns in der Wiedergabe „die Apologie“ Platons erhalten. Über seine letzten Stunden vor seinem Tod, erzählt Platons „Phaidon“.

Die Lehre des Sokrates:
Sokrates hat nichts Schriftliches hinterlassen. Unser Wissen über ihn beruht hauptsächlich auf Berichten von Platon, Xenophon und Aristoteles. Zitat: „Er hat seine Aufgabe oft mit der Hebammenkunst, dem Beruf seiner Mutter, verglichen und gesagt, er habe nicht selbst Weisheit zu gebären, sondern nur andern zur Geburt ihrer Ideen zu verhelfen. In seiner Methode hat er dabei viel von der Dialektik der Sophisten, deren logische Kunststücke und Kniffe er nicht verschmäht….

….an dem blossen dialektischen Spiel, das alles und nichts beweist und am Ende eine Zerstörung jeden Massstabs zutage fördert, fand er kein Genügen. Er fühlte, dass eine innere Stimme in ihm war, die ihn leitete und von ungerechten Handlungen abhielt. Er nannte sie „daimonion“, das Gewissen (wörtlich „Das Göttliche“). Zitatende

Sokrates ging vom innerlich freien Menschen aus, der das Gute um seiner selbst willen tat.

Das Neue an Sokrates Lehre ist, dass er Tugend mit Wissen verknüpft. Dadurch, dass der Mensch sein Nichtwissen erkennt, fordert er ihn zur Selbstprüfung und Selbsteinkehr auf. Erkenne dich! Diese Tempelaufschrift war seine Lehre. Er wandte sich niemals an eine allgemeine Menschenmenge, sondern immer nur an den vor ihm stehenden Einzelmenschen.

Zitat: Als Menschenbildner, vom Glauben an den Menschen und Liebe zu ihm getrieben, muss man ihn verstehen, nicht als Lehrer irgendwelcher allgemeiner Sätze.“ Zitatende.

Sokrates war eine starke Persönlichkeit, die in der Gesellschaft wirkte. Er starb für seine Überzeugung und obwohl seine eigentliche Philosophie kaum greifbar ist, hat sie eine, wie Störig schreibt, unermessliche, geschichtliche Wirkung.
 
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wirena

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Fortsetzung Zitate und eigene Gedanken angeregt durch Lesen „kleine Weltgeschichte der Philosophie“ von Hans Joachim Störig

Platon
geb. 427 v.Chr. Sohn einer führenden Athener Familie
Platon war politisch interessiert und politisch tätig. Als er aber erlebte, wie in einem Brief von ihm zu lesen ist, dass die Verderbnis in der Gesetzgebung und der Sittenverfall in erstaunlicher Weise zunahm, alles ein plan- und zielloses Treiben, schliesslich ein Schwindel war, und miterleben musste, dass Sokrates zum Tode verurteilt wurde, wandte er sich angewidert von der Politik ab. Er gewann die Überzeugung, dass Zitat: „das Unglück des Menschengeschlechts nicht aufhören wird, bis entweder das Geschlecht der rechten und wahren Philosophen in den Staaten zur Regierung gelangt oder die Machthaber in den Staaten infolge einer göttlichen Fügung wirkliche Philosophen werden“. Zitatende

Platon war 20 Jahre alt, als er für acht Jahre Schüler von Sokrates wurde. Nach der Hinrichtung von Sokrates ging er nach Megara, unternahm später Reisen nach Ägypten, wurde mit deren Lehre, Religion und Priesterstand bekannt, und vermutlich reiste er noch weiter in den Orient und lernte die Weisheit der Inder kennen. Sicher ist, dass er für längere Zeit im griechisch kolonisierten Unteritalien und Sizilien war, dort das Wissen der pythagoreischen Schule aufnahm, was bestimmend für sein weiteres Denken war. Einige Zeit und später auch wieder, war er am Hofe des Tyrannen Dion von Syrakus, den er vergeblich für seine Ideen zu gewinnen versuchte.

387 v.Chr. eröffnete Platon in einem Garten von Athen eine Schule, die nach seinem Tode als „Platonische Akademie“ noch jahrhundertelang bestehen blieb. Er unterrichtete unentgeltlich, reiste aber immer wieder nach Syrakus. Platon starb mit 80 Jahren.

Platons Werke:
Platon hat Schriften hinterlassen. Die letzte „den Gesetzen“ ist von ihm selbst nicht vollendet. Ein Schüler hat sie nach seinem Tode herausgegeben. Die 15 wichtigsten Schriften sind von Hans Joachim Störig der Reihe nach wie folgt aufgelistet:

Die Apologie, Kriton, Protagoras, Gorgias, Memon, Kratylos, Symposion, Phaidon, Politeia, Phaidros, Theaitetos, Timaios, Kritias, Politikos, den Gesetzen.

Die Werke haben fast alle die Form von Dialogen und es ist schwer auseinanderzuhalten, wieviel von Sokrates hier gesagt wird, und wieviel Platon Sokrates Figur benutzt, um Eigenes zu sagen. Doch er sagt, Zitat: „…, dass er den innersten Kern seiner Lehre niemals einer Schrift anvertrauen und so der Missgunst und dem Unverständnis preisgebe würde. Darüber sagt er, ...es gibt keine Schrift von mir, und es wird nie eine geben; denn es lässt sich nicht wie anderes, das man erlernen kann, aussprechen, sondern es…entsteht plötzlich, wie von einem Funken entzündet, ein Licht in der Seele, das von nun an sich selbst erhält.“ Zitatende

Platon hat kein eigentliches philosophisches System. Er bekämpft und versucht die Sophistik zu überwinden. Als Grundirrtum erscheint ihm Protagoras Aussage, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, und dass es keinen allgemeinen Massstab geben könne. Auch die Rhetorik der „Überredung“ genügt ihm als Methode der Philosophie nicht. Doch wie die Sophisten traut er dem landläufigen Wissen, der sinnlichen Wahrnehmung nicht. Er setzt das Werk des Sokrates fort. Sein Denken geht aber darüber hinaus. Anstelle von „Ich weiss, dass ich nichts weiss“ setzt Platon die Lehre, dass in den ewigen Ideen ein Mass des Denkens und Handelns gegeben ist, und dass wir dies denkend erfassen können.

Zitat: „Platons Denken hebt sich nicht alleine von der Sophistik ab. Es setzt sich auch auseinander mit älteren Denker wie Demokrit und sieht im Gegensatz zu ihm die Welt als Zeugnis und Erzeugnis einer Welt-Vernunft; sodann mit der tragischen Weltschau der früheren Dichter und Philosophen. Bei Platon wird der dunkle Weltgrund zurückgedrängt; seine Philosophie ist „Licht-Metaphysik“. Mit dieser Eigenheit ist sie bestimmend für die gesamte abendländische Metaphysik bis in die Gegenwart.“ Zitatende

Die Ideenlehre:
Eros als Antrieb des Philosophierens. Nur der kann sich zur Erkenntnis der Ideen erheben, der einen philosophischen Trieb besitzt.
Platon gibt dem ursprünglichen Eros, der im Griechischen die Liebe (Zeugungstrieb) bezeichnete, auch die Bedeutung des Strebens vom Sinnlichen zum Geistigen, den Drang des Sterblichen, sich zur Unsterblichkeit zu erheben, und dieses Verlangen, diesen Trieb auch in anderen wachzurufen.

Zitat: „Die Lust an einer schönen Körpergestalt ist die unterste Stufe des Eros. Alle Beschäftigung mit dem Schönen nährt diesen Trieb, vor allem die Musik, die als Vorbereitung für die Philosophie angesehen wird, und die Mathematik, indem sie vom Sinnlichen abzusehen und die reinen Formen anzuschauen lehrt.“ Zitatende

Der Begriff „platonische Liebe“, so wie dieser heutzutage verwendet wird, beruht auf einem Missverständnis. Platon sagt damit: „Schlecht ist jener gemeine Liebhaber, der mehr den Leib als die Seele liebt“. Von Ausschaltung des Körperlichen ist nicht die Rede.


Dialektik als Methode des Philosophierens:

Rhetorik überredet, Dialektik ist die Kunst, im gemeinsamen suchenden Gespräch zum allgemein Gültigen zu gelangen. Zitat:

„Dialektisches Denken steigt einerseits vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Bedingten zum Unbedingten auf, andererseits steigt es durch alle Zwischenglieder vom Allgemeinen zum Besonderen und Einzelnen herab. Bei der Begriffsbildung ist, wie Platon im „Kratylos“ zeigt, die Gefahr zu vermeiden, dass man aus blossen Worten Aufschlüsse entnehmen will, die nur der Begriff der Sache selbst gewähren kann.“ Zitatende


Das Sein der Ideen:
Anhand des „Höhlengleichnis“, aus dem „Staat“ zeigt Platon auf, dass die sinnliche Wahrnehmung unseres Daseins, bloss Schatten der Welt der Ideen sind. Ideen = griechisch „eidos“ oder „idea“, ursprünglich „Bild“, sind demnach Formen, Gattungen, Allgemeinheiten des Seins. Ideen haben Realität, sind sogar, wie das Höhlengleichnis darstellt, die einzig wahre (metaphysische) Realität.

Die einzelnen Dinge vergehen, aber die Ideen bestehen als deren unvergängliche Urbilder weiter.


In späteren Jahren verband Platon die Ideen mit pythagoreischen Gedankengänge, mit Zahlen.

Die Naturwissenschaft hat Platon, im Unterschied zu seinem Lehrer Sokrates, in sein Denken miteinbezogen. Die Naturwissenschaft ist für ihn allerdings zweitrangig und kann keine Gewissheit, sondern nur Wahrscheinlichkeit geben. Dazu hat Platon im „Timaios“ eine naturwissenschaftliche Abhandlung verfasst.

Zur Frage wie überhaupt die Welt der Schatten, die die sichtbare Natur ist, zustande kommt, schreibt Platon im „Timaios“, sicherlich in Anlehnung an Demokrit, als (leeren) Raum. Zitat: „wofür vielleicht zutreffender zu sagen ist: Form der Äusserlichkeit, so dass nicht nur das Neben-, sondern auch das Nacheinander einbegriffen wäre. Es ist auch denkbar, dass Platon schon dieses zweite Prinzip in einem ganz allgemeinen Sinne als „Materie“ bezeichnet hat, wie nach ihm Aristoteles.“ Zitatende

Dennoch besteht eine gewisse Kluft, die Frage, welche Kraft es bewirkt, dass die Ideen als blosse in sich ruhende Urbilder überhaupt sich in der Materie abbilden. Zitat: „Die Platonische Philosophie kann dualistisch genannt werden. Weil sie diese Kluft zwischen zwei letzten Prinzipien nicht einschliesst.
Es bedürfte, um sie zu schliessen, eigentlich noch eines Dritten, das zwischen beiden vermittelt oder über beiden steht. In seinen Alterswerken hat sich Platon mehr und mehr der Annahme einer Gottheit oder Weltseele zugeneigt, die dies bewirkt. Er gibt diesen Gedanken aber nicht in Form sachlicher Erörterung, sondern eines Mythos – wie überhaupt bei Platon alle die Stellen, die sich einer strengen gedanklichen Erfassung entziehen, durch Mythen ausgefüllt sind.“ Zitatende.

Seele und Unsterblichkeit:
Zitat: „Die menschliche Seele ist nach Platon dreigeteilt: Denken, Wille und Begierde. Denken hat seinen Sinn im Kopf, das Gefühl in der Brust, die Begierde im Unterleibt.

Das Denken, die Vernunft, ist aber allein der unsterbliche Bestandteil, der sich beim Eintritt in den Leib mit den übrigen verbindet. Die unsterbliche Seele hat weder Anfang noch Ende und ist in ihrem Wesen der Weltseele gleichartig.

Alle unsere Erkenntnis ist ein Wiedererinnern aus früheren Zuständen und Verkörperungen der Seele…. Das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung.
“ Zitatende


Die Tugend:

Zitat:“ Im Reich der Ideen nimmt die Idee des höchsten Guten die oberste Stelle ein. Sie ist gewissermassen die Idee der Ideen. Das höchste Gute ist allem übergeordnet als sein oberster Zweck. Es ist der Endzweck der Welt…

Die Ethik Platons ergibt sich aus der Verbindung dieser Idee des höchsten Guten mit seiner Auffassung, dass die unsterbliche Seele dasjenige am Menschen ist, mit dem er an der Welt der Ideen Anteil hat. Das Ziel des Menschen ist es, sich durch Erhebung in die übersinnliche Welt in den Besitz jenes höchsten Guten zu setzen. Leib und Sinnlichkeit sind die Fesseln, die ihn daran hindern: „soma, sema“ – der Leib (ist) das Grab (der Seele) wie Platons kürzeste Formel dafür lautet.

Tugend ist der Zustand der Seele, in dem sie diesem Ziel nahekommt. Da die sichtbaren Dinge Abbilder der unsichtbaren sind, können sie, insonderheit in der Kunst, als Hilfsmittel zur Erfassung der Ideen dienen. Tugend ist – wie bei Sokrates – nur dann wirklich Tugen, wenn sie auf Einsicht gegründet ist. Sie ist daher auch lehrbar.“ Zitatende

Platon geht in der Tugendlehre über Sokrates hinaus. Den Tugendbegriff zerlegt er in vier Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit. Die ersten drei ordnet er der Seele zu. Die Gerechtigkeit umfasst alle andern Tugenden, sie besteht in den abgewogenen Verhältnis der drei Seelenteile und ihrer Tugenden.


Der Staat:

„Polis“ ist die Wurzel des Wortes „Politik“ und bedeutet, Rechtes Handeln, Tugend, Sittlichkeit, Gerechtigkeit. Alles, was Platon dem Einzelmenschen zuschreibt, kehrt im Staat in vergrössertem Massstab wieder. Die höchste Form des sittlichen Lebens ist das sittliche Leben der Gemeinschaft in einem guten Staat.

Zitat: „Es gibt ebenso viele Arten von Verfassungen, wie es Arten von Menschen gibt, denn die Verfassung entsteht aus dem Charakter der Menschen, die einen Staat bilden, und formt diesen wiederum. Platon untersucht die verschiedenen Staatsformen und den ihnen zugeordneten Menschentypus.“ Zitatende

Die Oligarchie ist diejenige Verfassung, die sich auf die Schätzung des Vermögens gründet, in der die Reichen herrschen, die Armen aber von der Regierung ausgeschlossen sind…, Aus dem in der Oligarchie herrschenden Klassenkampf kann eine Demokratie entstehen… Das Schlagwort der Demokratie ist Freiheit…. Der Demokratie folgt Tyrannis (Gewaltherrschaft)…Was die Oligarchie sich als das grösste Gut vorsteckte und wodurch sie auch zustande gekommen war, das war der grosse Reichtum. Die Unersättlichkeit im Reichtum aber und die Vernachlässigung alles übrigen um des Geldmachens willen führt zu ihrem Untergang… Und die Demokratie, löst sich auf durch die Unersättlichkeit in dem, was sie als ihr Gut bestimmt, durch die Freiheit. Und wenn etwas auf die Spitze getrieben wird, folgt ein Umschlag ins Gegenteil. So kann die auf die Spitze getriebene Freiheit für den einzelnen Bürger wie für den Staat in nichts anderes umschlagen als in die entsprechende Knechtschaft der Tyrannei.

Der ideale Staat:
Zitat: „Wie im Einzelmenschen Begierde, Wille, Vernunft bestehen und die Gerechtigkeit darin liegt, dass diese drei in das richtige Verhältnis kommen, so bestehen im staatlichen Leben von Natur aus drei verschiedene Aufgaben: Ernährung und Erwerb als Grundlage, Verteidigung nach aussen, Leitung durch Vernunft. Dem entsprechen die drei natürlichen Stände: die Gewerbebetreibenden, die wie Platon sie nennt, „Wächter“ oder Krieger, und die Herrschenden; und die Gerechtigkeit besteht auch hier im grossen darin, dass die drei, unter der Vernunft, in den rechten Einklang gebracht werden.

Der Staat muss jedem Kind, gleich welcher Herkunft, die gleichen Bildungsmöglichkeiten bieten. Gymnastik und Musik sind die Grundelemente der Erziehung in der Kindheit. Dazu kommt dann Rechnen, Mathematik und Vorübungen in der Dialektik, also im richtigen Denken. Die Standhaftigkeit ist durch Auferlegung von Schmerzen, Anstrengungen und Entbehrungen zu erproben und zu festigen. Mit dem zwanzigsten Lebensjahr folgt eine fünfjährige intellektuelle Schulung in der Philosophie. Die Fünfzigjährigen, im Lebenskampf gefestigt und erprobt, in Theorie und Praxis durchgebildeten Männer, rücken automatisch, ohne dass es noch einer Wahl bedürfte in führende Stellungen ein. Macht und Weisheit ist vereint. Dies das Ideal von dem Platon träumte.

Doch auch die Besten von den Besten sind von Verlockungen nicht gefeit. Die menschlichen Grundtriebe sind „Hunger und Liebe“. Geld und Besitz, Frau und Familie.

Zitat: „In beiden Richtungen muss diesen Versuchungen ein Riegel vorgeschoben werden. Für die Krieger wie für die (künftigen) Herrschenden, die sich aus den Kriegern rekrutieren – beide Gruppen fasst Platon hier unter „Wächter“ zusammen-, gilt seine Vorschrift: „Vor allen Dingen soll keiner von ihnen Eigentum besitzen, soweit es irgend zu vermeiden ist; sie dürfen auch kein eigenes Haus haben mit Schluss und Riegel, das jemandem, der die Absicht hätte einzutreten, den Eintritt verwehren würde. Sie sollen nur so viel empfangen, wie von abgehärteten Kriegern benötigt wird, die gemässigte und tapfere Männer sind. Sie werden von den Bürgern eine bestimmte Summe erhalten, so viel, wie zur Deckung der Jahresausgaben genügt, damit nicht etwas für das nächste Jahr übrigbleibe, und sie werden gemeinsame Mahlzeiten einnehmen und beisammen wohnen wie Soldaten im Lager….

Die Gemeinsamkeit in allem wird sich bei den Wächtern auch auf die Frauen erstrecken. Die Wächter werden keine Ehefrauen haben. Es wird vielmehr die Einrichtung getroffen, dass diese Frauen alle allen diesen Männern gemeinsein seien, keine aber irgendeinem besonders beiwohne, und so auch die Kinder gemeinsam, so dass weder ein Vater sein Kind kenne noch auch ein Kind seinen Vater…

Die breite Masse der Erwerbstätigen wird Privateigentum und private Familie beibehalten, dafür aber von jedem politischen Einfluss ausgeschlossen.“
Zitatende

Die Kritiker sagen: Platons Staatslehre ist eine Utopie. Er unterschätzt den Besitztrieb des Mannes sowohl im Hinblick auf materiellen Besitz wie auf die Frau. Auch würde die Zerstörung der Familie den gesellschaftlichen Zerfall herbeiführen.

Ein zweiter Einwand besagt, dass Platon den untrennbaren Zusammenhang der politischen und der wirtschaftlichen Macht nicht berücksichtigt hat.

Der dritte Einwand ist der, dass Platon, aus persönlicher Angst vor Missbrauch der demokratischen Rechte und geistiger Freiheit, zu weit gegangen sei.

Die Verteidiger entgegnen, dass diese Forderungen nur für eine auserlesene Minderheit Geltung haben, und dass die Mehrzahl der Menschen auf Eigentum, Geld, Luxus, privates Familienleben nie verzichten muss. Zudem habe Platon selbst in der Abgeklärtheit des Alters die meisten etwas überspannten Forderungen wieder fallengelassen. Zudem zeigt die Geschichte, dass Teile der Platonischen Lehre wiederholt in die Wirklichkeit umgesetzt wurden. Siehe:

Totalitäre Staaten, (eugenische (Reinhaltung und Verbesserung der Rasse gerichteten) Massnahmen im Nationalsozialismus. Der wirtschaftliche Kommunismus der Sowjetunion. Die Herrschaft durch Auslese aus allen Schichten gewonnenen geistigen Führungsschicht in der katholischen Kirche. Der Jesuitenstaat in Paraguay.

…und dass sich auch Platon selbst darüber im Klaren war, dass er ein schwer erreichbares Ideal entworfen hat.

Zu Platons Stellung in der griechischen Geistesgeschichte schreibt Hans Joachim Störig, Zitat: „Platons Werk in seinem – hier nicht annähernd erschöpften – ganzen Umfang ist der Gipfel der griechischen Philosophie. Alles Vorangegangene fliesst in ihm wie in einem Brennpunkt zusammen. Ausser auf sokratische und gewisse Elemente der sophistischen hat Platon auch auf die ältere Naturphilosophie zurückgegriffen. Dabei hat er nach anfänglicher Hinneigung zum starren Sein der eleatischen Schule später die Berechtigung des Werdens und der Vielheit mit aufgenommen, womit er in der Stellung zur Frage „Sein und Werden“ Heraklit nahegerückt ist.

Vor allem aber vereinigt sich in Platon erstmalig die Tradition der bisherigen griechischen Vernunftphilosophie mit dem in Orphik und Pythagoreismus schon zutage getretenen Glauben an Seelenwanderung, Läuterung und Erlösung. Platon gehört zu den seltenen Menschen, die mit dem Ewigkeitsgedanken vollen Ernst machen. Es zieht sich durch seine ethischen Betrachtungen die Grundanschauung „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“ Damit muss aber, wie wir schon bei den indischen Upanischaden gesehen haben, eine Abwertung des Sinnlichen notwendig Hand in Hand gehen. Diese aus dem Orient kommende Auffassung vom Menschen ist als ein „fremder Tropfen im griechischen Blut“ bezeichnet worden…

Platon ist und bleibt für alle Zeiten der Begründer der idealistischen Philosophie, der Vorkämpfer der Herrschaft des Geistigen im Leben, der Verkünder unbedingter sittlicher Normen für das menschliche Handeln und durch das alles einer der grössten Erzieher der Menschheit. Der Nachwelt erschien Platon schon bald nach seinem Hinscheiden als die verklärte Gestalt eines Weisen, der in harmonischem Gleichgewicht der Kräfte nach sittlicher Schönheit strebt…“ Zitatende
 

wirena

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Aristoteles 384 v.Chr. im Norden Griechenlands, in eine Ärztefamilie geboren

Aristoteles war in jungen Jahren 20 Jahre lang Schüler der Platonischen Akademie. Er war mehr als 40 Jahre jünger als Platon, der bereits in den Sechzigern stand. Er heiratete in Kleinasien die Adoptivtochter eines Mitschülers, der es dort zum Diktator gebracht hatte. Aristoteles wurde von Philipp, König von Mazedonien, der Griechenland mit Gewalt einigte, zum Hofe berufen um die Erziehung seines Sohnes Alexander, der als Alexander der Grosse in die Geschichte einging, zu übernehmen. Nach dem Regierungsantritt Alexanders kehrte Aristoteles nach Athen zurück und eröffnete eine eigene Schule, Lykeion (Lyzeum) genannt. Er widmete sich einer ausgedehnten Forschungs- und Lehrertätigkeit. Legte eine grosse Privatbibliothek und dazu eine naturwissenschaftliche Sammlung mit damals bekannten Pflanzen und Tieren an. Zu Vergleichszwecken liess Aristoteles auch alle bekannten Staatsverfassungen sammeln, insgesamt 158. Die Mittel hatte er dazu aus seinem Vermögen und vermutlich erhielt er auch Unterstützung von Alexander. Gegen Ende der zwölf Jahre, die Aristoteles seiner Schule vorstand, geriet er in politische Bedrängnis. Sein Verhältnis zu Alexander wurde schwierig und andererseits wurde er in Athen als Freund Alexanders und der mazedonischen Politik, die Athen seiner Freiheit beraubte, heftig angefeindet. Schlussendlich wurde er wie Sokrates der Gottlosigkeit angeklagt und zum Tode verurteilt. Er floh und starb im darauffolgenden Jahr, 322 v.Chr. vereinsamt im Exil.

Mehrere hundert Schriften waren von Aristoteles bekannt. Er lehrte in kleinerem Kreis für Fortgeschrittene, hielt aber auch volkstümlichere Vorträge. Auch seine Schriften umfassten Darstellungen für weitere Kreise, die verloren sind, und reine fachwissenschaftliche für die Schule.

Die erhaltenen Schriften sind schwierig zu lesen und kaum zu ordnen. Forschungsarbeiten haben das Echte vom Unechten gesondert und nach ihrem Inhalt in folgende Gruppen gegliedert:
  • Schriften zur Logik
  • Schriften zur Naturwissenschaft
  • Schriften zur Metaphysik
  • Schriften zur Ethik
  • Schriften zur Politik
  • Schriften zur Literatur und Rhetorik
Zitat: «Zwischen dem nüchternen, auf Sammlung und Katalogisierung alles Bestehenden und auf streng logische Beweisführung ausgehenden Geiste des Aristoteles und der dichterisch beflügelten, auf das Schöne und Ideale gerichteten Phantasie Platons besteht ein tiefgreifender Unterschied…

Aristoteles war in erster Linie Wissenschaftler. Doch auch er erblickt in der philosophischen Erkenntnis, die alles Bestehende unter einheitliche Prinzipien ordnet, die Krone des Wissens…

Die Logik:
Aristoteles hat die Logik als eigene Wissenschaft geschaffen
. Er verwendet diese Bezeichnung aber noch nicht, er sagt «Analytik» und anderes. Logik ist die Lehre vom richtigen Denken, genauer von den Formen und Methoden (also nicht dem Inhalt) des richtigen Denkens…. Von der Psychologie, die sich ja auch mit dem menschlichen Denken befasst, unterscheidet sie sich dadurch, dass sie nicht wie diese lehrt, wie sich der Verlauf unserer Gedanken wirklich abspielt, sondern wie er sich vollziehen soll, damit er zu wissenschaftlicher Erkenntnis führe.» Zitatende

Der Begriff:
Klare, für das wissenschaftliche Denken brauchbare Begriffe benötigen Definitionen. Zitat: «Zu jeder Definition gehören zwei Teile. Sie muss den zu definierender Gegenstand in eine Klasse einordnen, deren allgemeine Kennzeichen mit den Kennzeichen des zu definierenden Gegenstandes übereinstimmen. Was ist der Mensch? Der Mensch ist ein Lebewesen. Sie muss andererseits angeben, worin sich der Gegenstand von den anderen Gegenständen der gleichen Klasse unterscheidet: Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Lebewesen. Die Definition enthält also ein trennendes unterscheidendes und ein verbindendes, gemeinsames Merkmal (bzw. mehrere).

Es gibt Begriffe von höherer und geringerer Allgemeinheit. Lebewesen zum Beispiel ist ein allgemeinerer Begriff als Mensch oder Hund, da es neben diesen noch andere Lebewesen gibt. Man kann, indem man von einem Begriff höherer Allgemeinheit (Gattungsbegriff) ausgeht, durch Hinzunahme immer weiterer spezifischer Unterschiede zu engeren Begriffen (Artbegriffen) herabsteigen und von diesen weiter zu Begriffen, die so eng sind, dass sie sich nicht mehr in weitere Unterarten aufspalten lassen, sondern nur noch Einzelwesen unter sich begreifen: Lebewesen – Säugetier – Hund – Dackel – Rassendackel – Langhaardackel - brauner Langhaardackel – dieser braune Langhaardackel. Die Begriffslehre des Aristoteles legt grössten Wert darauf, dass das Absteigen vom Allgemeinen zum Besonderen und das umgekehrte Aufsteigen sich in der richtigen, stufenweisen, kein Zwischenglied auslassenden Folge vollziehe. Zitatende

Die Kategorien:
Aristoteles hat diesen Begriff eingeführt. Er bezeichnet ursprüngliche Grundbegriffe, die keinen Oberbegriff mehr haben. Die zehn Kategorien des Aristoteles sind:

Substanz, Quantität (Menge), Qualität (Beschaffenheit), Relation (Beziehung), Wo, Wann, Lage, Haben, Wirken, Leiden.
Die ersten vier sind die wichtigsten, unter diesen die Substanz.


Das Urteil:
Begriffe werden zu Sätzen oder logischen Urteilen verknüpft. Jedes Urteil hat mindestens zwei miteinander verbundene Begriffe. Subjekt ist der Begriff über den etwas ausgesagt wird, und Prädikat ist die Aussage, die über das Subjekt gemacht wird. Aristoteles teilt die Urteile in verschiedene Klassen.

Bejahendes Urteil = Diese Nelke ist rot
Verneinendes Urteil = Diese Nelke ist nicht rot
Allgemeines Urteil = Alle Nelken welken
Besonderes Urteil = Einige Nelken duften nicht
Einzelurteil = Diese Nelke ist gelb
Sein aussagendes Urteil = Diese Nelke blüht
Notwendigseiendes Urteil = Diese Nelke muss heute aufblühen
Möglichseiendes Urteil = Diese Nelke kann heute noch aufblühen

Der Schluss:
Zitat: Urteile verbinden wir zu Schlüssen. Die Lehre vom Schluss ist das Kernstück der Aristotelischen Logik. Das Fortschreiten des Denkens geht nach Aristoteles immer in Schlüssen vor sich. Ein Schluss ist eine Rede, in der aus gewissen Voraussetzungen etwas Neues hervorgeht. Er ist die Ableitung eines (neuen) Urteils aus anderen Urteilen. Er besteht also immer aus den Voraussetzungen (Prämissen) und der aus dieser gezogenen Schlussfolgerung (Konklusion).

Im Mittelpunkt der Schlusslehre steht der sogenannte Syllogismus. Er besteht aus drei Teilen: einen (allgemeinen) Obersatz: Alle Menschen sind sterblich; einem (speziellen) Untersatz: Sokrates ist ein Mensch. Dies sind die Prämissen. Folgerung: Also ist (auch) Sokrates sterblich.« Zitatende

Hans Joachim Störig weist darauf hin, dass «Sokrates ist sterblich» bereits schon im Obersatz der Prämisse vorausgesetzt ist. Er bezeichnet dies als Schwäche des Syllogismus.

Der Beweis:
Zitat: Der Beweis ist die (logisch) zwingende Herleitung eines Satzes aus anderen Sätzen vermittels fortlaufender Schlüsse. Dasjenige aus dem eine Behauptung bewiesen werden soll, muss natürlich seinerseits gesichert sein. Man muss es also wiederum aus übergeordneten Sätzen beweisen können. In unserer Vernunft haben wir nun nach Aristoteles ein Vermögen zu unmittelbarer und irrtumsfreier Erfassung solcher allgemeinen Sätze. Deren oberster ist der Satz vom Widerspruch: «Etwas das ist, kann nicht gleichzeitig und in derselben Hinsicht nicht sein.»

Die Induktion:

Induktion ist das Verfahren, einen Satz, anstatt ihn aus einem allgemeineren theoretisch herzuleiten (sog. Deduktion), dadurch zu erhärten, dass man seine tatsächliche Geltung an möglichst vielen unter ihn gehörenden Einzelfällen aufzeigt. Zum Beispiel kann der Satz «Metalle sind schwerer als Wasser» dadurch erhärtet werden, dass man nacheinander aufzeigt: Gold ist schwerer als Wasser, Silber ist schwerer als Wasser, Eisen ist schwerer als Wasser, und so fort. Eine unbedingte Gewissheit wird er freilich auf diese Weise niemals erlangen. Denn selbst wenn man alle bekannten Metalle durchprobiert, so könnte doch immer noch ein Metall entdeckt werden, das sich anders verhält.

Es versteht sich, dass die Induktion als Methode der Naturforschung nur für denjenigen Wert besitzt, der der Erfahrung, also der tatsächlichen Wahrnehmung durch die Sinne, vertraut. Aristoteles nimmt denn auch – im Gegensatz zu Platon – die Fähigkeit der Sinne, richtige Erkenntnis zu vermitteln, ausdrücklich in Schutz. Er sagt sogar, dass die Sinne als solche uns niemals täuschen, dass aller Irrtum nur aus der falschen Unterordnung und Verknüpfung der durch die Sinne gelieferten Daten im Denken entspringe; woraus sich auch das Gewicht erklärt, das er auf richtige Denkschulung eben die Logik, legen muss.» Zitatende

Die Metaphysik
:
Im Gegensatz zu Platon sagt Aristoteles, dass nur das Einzelne wirklich ist. Die platonische Ideenlehre kritisierte er aufs schärfste. Er weist nach, dass das Allgemeine nichts für sich, neben und ausserhalb der Dinge Existierendes ist. Die allgemeinen Begriffe sind Namen, nicht Dinge. In Wirklichkeit gibt es nur die zahllosen Einzeldinge. Zum Beispiel Bäume: «Baum» als ein Allgemeines, dem irgendeine Wirklichkeit zukäme, gibt es überhaupt nicht. Dieser Begriff existiert nur in unseren Köpfen.

Hans Joachim Störig sagt dazu: Damit waren die Fronten bezogen, zwischen denen sich das ganze Mittelalter hindurch der Streit zwischen «Realismus» und «Nominalismus» abspielen sollte.

Der Stoff und die Form:
Wie Platon sieht auch Aristoteles, dass die zahllosen Bäume vergehen, während Baum als Allgemeines fortbesteht. Dieses Allgemeine, Unveränderliche nennt Aristoteles Formen, wofür er aber auch zum Teil den von Platon verwendeten Begriff «eidos», Idee benützt.


Eine Form braucht, setzt etwas voraus, das geformt wird. Das Ungeformte und Unbestimmte, an dem die Formen in Erscheinung treten, nennt Aristoteles «Stoff» oder «Materie». Zitat: «Die Materie für sich genommen, unter Absehung von allen Formen, hat nicht Wirklichkeit. Da sie aber die Fähigkeit hat, unter den gestaltenden Kräften der Formen wirklich zu werden, hat sie Möglichkeit. Die Formen ihrerseits, indem sie der Materie zur Wirklichkeit verhelfen, sind nicht nur (wie die Ideen Platons) die ewigen Urbilder der Dinge, sondern zugleich auch ihr Zweck und die Kraft, die die ungestaltete Materie zur Wirklichkeit bringt.

Doch ist Materie für Aristoteles wiederum auch nichts rein Passives, das erst unter der Wirkung der Formen Wirklichkeit erhält. Denn Aristoteles lehrt, dass die Materie den formenden Kräften Widerstand leistet. Daraus erklärt es sich, dass alles Entstehende unvollkommen ist und dass die Entwicklung der Natur nur allmählich von niederen zu höheren Formen fortschreitet. Damit wird die Materie mehr oder weniger zu einem zweiten wirkenden Prinzip der aristotelischen Metaphysik.

Die vier Gründe des Seienden:
Stoff (griechisch hyle) und Form (griechisch morphe) behandelt Aristoteles im Zuge eines Gedankenganges, der für die gesamte abendländische Philosophie grundlegend geblieben ist: der Lehre von den vier Gründen des Seienden. Es sind – mit den seit der scholastischen Philosophie des Mittelalters eingebürgerten lateinischen Bezeichnungen genannt:
  • Die causa materialis, der Stoff (etwa das Silber, aus dem eine Opferschale gefertigt ist.
  • Die causa formalis, die Form, die eigentliche Form der Schale
  • Die causa efficiens, die Wirkursache (der Silberschmied, der die Schale geschaffen hat)
  • Die causa finalis, das Worumwillen oder die Zweckursache (die Bestimmung der Schale für die Opferhandlung)
Die Theologie:
Form und Stoff wirken von Ewigkeit her aufeinander und sind ohne Ende in Bewegung. Der Anstoss dazu muss von einem Bewegenden ausgegangen sein, das selbst nicht bewegt ist. Das kann nach Aristoteles nur die reine Form ohne Stoff sein. Reine Form ist das Vollkommene und so lehrt Aristotels eine Gottheit, die reines Denken, reiner Geist ist. Gott denkt nur das Höchste und Vollkommenste, und da er das Vollkommene selbst ist, denkt er sich selbst.

Die Natur:

Die Physik:

Zitat: «Was Aristoteles unter diesem Titel vorträgt, ist teils mehr Metaphysik als Physik, teils jedenfalls theoretische Physik. Er setzt sich mit den allgemeinen Grundbegriffen der Physik auseinander: Raum, Zeit m Materie, Ursache, Bewegung.» Zitatende

Hans Joachim Störig erwähnt nur einen Grundgedanken, der für spätere Naturerklärung am folgenreichsten ist. Zitat: «Die Beobachtung der Natur lässt uns überall eine wunderbare Zweckmässigkeit erkennen. Vom Grössten bis zum Kleinsten ist alles zweckmässig geordnet. Da das, was regelmässig auftritt, nicht vom Zufall hergeleitet werden kann, ist die durchgängige Zweckmässigkeit der Natur so zu erklären, dass der eigentliche Grund der Dinge in ihren Endursachen, in ihrer Zweckbestimmung liegt. Man nennt diese Art der Naturerklärung teleologisch.» Zitatende

Das Stufenreich des Lebendigen:
Aristoteles hat sich mit Botanik befasst und war der Haupturheber der systematischen und vergleichenden Zoologie. Wie in der Metaphysik dargelegt, hat ein Bewegtes ein Bewegendes. Hier ist nun das Bewegte der Leib und das Bewegende die Seele. Das Verhältnis von Leib und Seele ist dasselbe wie zwischen Stoff und Form. Die den Leib formende Seele nennt Aristoteles Entelechie. Dieser Begriff wird auch heute noch verwendet.

Die Seele ist der Zweck des Leibes und der Leib das Werkzeug (griechisch Organon) der Seele. Daher stammen die Begriffe Organ, Organismus, organisch, die Aristoteles zuerst gebildet hat.

Es gibt drei Arten von Seelen, die unterste, die ernährende oder Pflanzenseele, die weiter fortgeschrittene, die empfindende oder Tierseele und die höchste, die denkende oder Menschenseele.

Anthropologie, Ethik und Politik

Der Mensch:

Zu den niederen Seelentätigkeiten, ernährende, empfindende, denkende, erwähnt Aristoteles für den Menschen noch den Geist (Nous). Der Geist ist unsterblich und vergeht nicht mit dem Leib. Wie aber der reine Geist vor der Geburt und nach dem Tode existiert und in welcher Weise sich im lebenden Menschen der Geist mit den unteren Funktionen zur einheitlichen Persönlichkeit verbindet, dazu hat sich Aristoteles nicht geäussert.

Die Tugend:
Für alle Griechen der damaligen Zeit ist das höchste Gut des Menschen die Glückseligkeit. Da der Mensch in erster Linie Vernunftwesen ist, ist Vollkommenheit für ihn die höchste Ausbildung dieser Vernunft. Darin besteht die Tugend. Der doppelten Natur des Menschen entsprechend gibt es nach Aristoteles zwei Arten von Tugend:

Die ethischen Tugenden bestehen in der Herrschaft der Vernunft über die sinnlichen Triebe, und
die dianoetischen Tugenden bestehen in der Steigerung und Vervollkommnung der Vernunft selbst.

Der Staat:

Der Mensch ist ein «zoom politikon», ein geselliges (politisches) Lebewesen und benötigt für die Erhaltung und Vervollkommnung des Lebens der Gemeinschaft mit anderen. Wie für Platon ist auch für Aristoteles die sittliche Gemeinschaft der Bürger in einem auf Gesetz und Tugend gegründeten guten Staat die höchste und eigentliche Form der Sittlichkeit. Politik ist nicht anderes als angewandte Ethik.

Seine Lehre vom idealen Staat hat Aristoteles nicht vollendet. Mit Platon stimmt er darin überein, dass er sich den Idealstaat nur in den räumlich begrenzten Verhältnissen eines griechischen Stadtstaates vorstellen kann. Die Sklaverei erscheint ihm so naturgegeben wie allen seinen Landsleuten. Ehe, Familie und Gemeinde bewertet er sehr hoch.

Im Kapitel Kritik und Würdigung erwähnt Hans Joachim Störig, dass Aristoteles möglicherweise den Wert der Logik überschätzt hat, und dass die naturwissenschaftlichen Schriften viele Irrtümer enthalten. Zu bedenken gibt er aber, dass Aristoteles sich auf allen Gebieten in völligem Neuland befand, und ihm keine Hilfsmittel für seine Beobachtungen zur Verfügung standen. So musste er «Zeitbeobachtungen» ohne Uhr, Temperaturvergleiche ohne Thermometer, astronomische Beobachtungen ohne Fernrohr, meteorologische ohne Barometer vornehmen.

Das zweite Kapitel, «die Blütezeit der griechischen Philosophie» schliesst "Störig" mit der Aufzählung der Schulen ab.

Die Sokratiker: Neben Platon, der alle Schüler überragt, werden drei Schulden unterschieden: Zitat:

«Die megarische Schule, begründet von Eukleiden aus Megara (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Mathematiker). Sie vereinigt eleatische Gedanken (Parmenides) mit sokratischen.

Die kyrenaische Schule
, begründet von Aristippos aus Kyrena in Nordafrika. Bei ihm tritt an Stelle von Tugend und Vollkommenheit als Lebensziel die Lust, und zwar der Genuss des Augenblicks, und die Einsicht, wird zum Mittel der Lebenskunst, dem Leben soviel Genuss als möglich abzugewinnen.

Die kynische Schule
, begründet von Antisthenes. Ihr Schlüsselwort ist Bedürfnislosigkeit. Die Kyniker übten keinen Beruf aus, waren daher arm, wogegen sie aber ebenso gleichgültig waren wie gegen alle übrigen landläufigen Werte, zum Beispiel auch gegen die Vaterlandsliebe. Sie waren Weltbürger, Kosmopoliten. Sie verschmähten Kunst, Wissenschaft und begriffliche Spekulation. Der berühmteste Kyniker war Diogenes von Sinope, Schüler des Antisthenes und Zeitgenosse Alexanders des Grossen. Er erhielt den Spottnamen «Hund», griechisch kyon, davon stammt möglicherweise der Name der ganzen Schule. Auch unser Wort «zynisch» stammt daher.


Platons Schule wurde nach seinem Tode von seinen Schülern fortgeführt. Die alte Akademie hat hauptsächlich an Platons Altersphilosophie angeknüpft und diese noch stärker als er selbst mit Pythagoreischen Gedanken verbunden. Gegen 300 v.Chr. wurde die Akademie zu einem Hauptsitz der damals sich ausbreitenden skeptischen Philosophie. In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten des Eklektizismus, in nachchristlicher Zeit des Neuplatonismus.

Die Peripatetiker:
Nach einem Wandelgang (griechisch peripatos), in dem Aristoteles unterrichtete, wird seine Schule die peripatetische genannt. Die Nachfolger des Aristoteles haben sich mehr mit einzelwissenschaftlicher Forschung, namentlich in Physik, Mathematik und Musik, als mit eigentlicher Philosophie befasst.
 

wirena

Mitglied
Fortsetzung Zitate und eigene Gedanken angeregt durch Lesen „kleine Weltgeschichte der Philosophie“ von Hans Joachim Störig

Die griechische und römische Philosophie nach Aristoteles

Allgemeines – Hellenismus

Nach dem Tode von Alexander fiel das Reich in drei Grossstaaten Makedonien, Syrien und Ägypten. auseinander. In den zahlreichen kleineren Stadtstaaten, die daneben stehen blieben, wurde das Griechische die Sprache des Hofes und der geistigen Führungsschicht und die griechische Kultur die Grundlage der allgemeinen Bildung. Durch das Einwirken des Orients streifte die griechische Kultur ihren nationalgriechischen Charakter weitgehend ab und wurde zu einer kosmopolitischen Menschheitskultur. Im 19. Jahrhundert nannte der Historiker Droysen diese Kultur «Hellenismus».

Athen, das politisch nicht mehr selbständig war, blieb aber noch lange geistiger Mittelpunkt, insbesondere für Philosophie. Das Zeitalter des Hellenismus dauerte vom Tode Alexanders (der mit Aristoteles Tode fast zusammenfällt) bis etwas zur Zeitenwende.

Inzwischen hatte die aufsteigende Macht Roms ganz Italien in langen Kriegen geeinigt, dann begann die Eroberung der griechischen und hellenistischen Staaten, die später von den britischen Inseln bis tief nach Afrika und Asien hinein reichte.

In politischer Hinsicht trat Griechenland nur von einer Fremdherrschaft unter die andere, von der makedonischen unter die der Römer. In kultureller Hinsicht, war es aber umgekehrt. Das heisst, das politisch unterworfene Griechenland, das bisher kulturell den Osten beherrscht hatte, begann nun mit der kulturellen Eroberung Roms. Die griechische Bildung beherrschte Rom ähnlich wie im hellenisierten Osten. Dies gilt insbesondere für die die griechische Philosophie. Sie ist aber nicht mehr national griechisch. Der römische Geist hat sich eingeprägt. Damit verschieben sie die Akzente.

Kosmos war nun der Inbegriff des geordneten Weltganzen
Logos die alldurchwaltende Vernunft, als Urphänomen der Welt
Eros die Hingegebenheit an das Schöne, das mit dem sittlich Guten in nahe Verbindung gebracht wird.


Zitat: «Die Römer waren ein durch und durch praktisches Volk. Das Grösste, was sie neben ihrer Sprache und Literatur hinterlassen haben, ist das römische Recht und das Vorbild eines mit bis dahin nicht gekannter Vollkommenheit durchgebildeten Staatswesen. In beiden, durchaus nicht voneinander zu trennenden Bereichen liegt das Schwergewicht auf zwei Momenten; der sittlichen Einzelperson und deren Einordnung in Staat und Gesellschaft.» Zitatende

Die Philosophie verlagerte sich von den Spekulationen über die Natur hinweg zur Ethik. Zitat: «Dementsprechend waren es – während di hellenistische Wissenschaft sich stark an Aristoteles anlehnte – in der eigentlichen Philosophie der hellenistisch-römischen Zeit Sokrates und Platon, an die man vor allem anknüpfte; denn in ihren Lehren war die «ungriechische» Hinwendung zum Menschen und zur Ethik bis dahin am stärksten in Erscheinung getreten.

Wir begegnen in dieser Spätzeit der antiken Kultur keinem Denker, der an ursprünglicher Schöpferkraft und weltumspannender Genialität den grossen Philosophen der Blütezeit an die Seite zu stellen wäre. …Mehr als Kunst und Religion wurde die Philosophie zur beherrschenden Geistesmacht des Zeitalters, ja zum geistigen Rückgrat des Römischen Weltreiches. Sie blieb es, bis sie endlich durch das aufsteigende Christentum abgelöst wurde.» Zitatende


Die Stoiker

Zenon aus Kition auf Zypern lebte zwischen 340 und 260 v.Chr. gründete seine eigene Philosophenschule. Elean Zenon, Kleanthes und Chrysippos sind drei andere Vertreter des Stoizismus in der Anfangszeit. Zitat: «Neben dieser sogenannten älteren Stoa unterscheidet man eine mittlere Schule (Hauptvertreter Poseidonios) und eine jüngere. Deren Vertreter sind viel bekannter geworden als die älteren Stoiker. Es sind namentlich der Römer Seneca, der Kaiser Marcus Aurelius und der Sklave Epiktet. Alle drei lebten in den beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderten.

Der Kaiser Mark Aurel, der als zwölfjähriger die Lehren der stoischen Philosophie in sich aufgenommen hatte, hielt sie durch sein ganzes Leben fest und verwirklichte sie nicht nur in seiner persönlichen Lebensführung, sondern auch in seinem staatsmännischen Handeln. Die stoischen Tugenden des Mutes, der Unerschütterlichkeit und die Pflichttreue, Macht Selbstbeherrschung und Selbstverleugnung vereinigten sich bei ihm zu wahrer Herrschergrösse.

Die stoische Philosophie, jedenfalls in ihrem wichtigsten Teil, der Ethik, schliesst sich eng an die sokratische Schule der Kyniker an. Sie mildert allerdings die zahlreichen Überspanntheiten des alten Kynismus, was die Voraussetzung für eine weiterreichende Aufnahme ihrer Lehren war, und räumt ferner dem Wissen einen viel wichtigeren Platz ein.» Zitatende

Beides kommt bei Zenon zum Ausdruck. Erst schliesst er sich eng an den Kyniker Krates an, dann erkannte er, dass diese Lehre kein Lebensprogramm für die Allgemeinheit war und begann andere Philosophien zu studieren und zum Beispiel mit Heraklit zu verbinden.

Zitat: «Die Stoiker teilen ihr System mit einer für lange Zeit bestimmend gewordenen Einteilung in Logik, Physik und Ethik. Dabei hat die Ethik die oberste Stelle. Logik und Physik bilden Vorstufen zu ihr. In der Logik haben die Stoiker auf der von Aristoteles geschaffenen Grundlage weitergebaut. Sie unterscheiden als ihre beiden Teile die Rhetorik, als die Kunst, allein (monologisch) zu sprechen und die Dialektik, als die Kunst, mit anderen, gemeinschaftlich (dialogisch) zu sprechen und zu denken. In Bezug auf die Frage, ob dem Einzelnen oder dem Allgemeinen Wirklichkeit zukomme, stehen sie ganz auf der Seite des Aristoteles. Folgerichtiger als dieser schliessen sei aus der alleinigen Wirklichkeit der Einzelobjekte, dass die Erkenntnis von der Wahrnehmung des einzelnen, der Erfahrung, ausgehen müsse. Sie sind damit Empiriker. Der Geist ist bei der Geburt eine unbeschriebene Tafel (tabula rasa) in die erst die Erfahrung Vorstellungsinhalte hineinbringt. Die zehn Kategorien des Aristoteles reduzieren sie auf vier.» Zitatende

Die stoische Physik ist materialistisch. Zitat:» Es gibt nur Körperliches, teils von grober, teils von feinerer Beschaffenheit. Sie ist zweitens monistisch. Sie kennt nur ein Prinzip. Sie lehrt drittens, unter Heranziehung der Heraklitschen Lehre vom Urfeuer, eine strenge, dem Weltganzen innewohnende (immanente) Gesetzlichkeit. Die von innen wirkende (also nicht der Materie gegenüberstehende) bestimmende Kraft nennen sie Logos, Nus, Seele, Notwendigkeit, Vorsehung oder auch Gott (Zeus). Insofern das Göttliche für sie also mit dem lebendigen Weltganzen zusammenfällt, kann ihre Lehre viertens und letzten pantheistisch genannt werden.

Naturgemässes Leben ist das Schlüsselwort der stoischen Ethik. Dem Menschen als Vernunftswesen ist es allein gegeben, die göttliche Gesetzmässigkeit zu erkennen und sich in bewusstem Handeln danach zu richten. Darin besteht die einzige Tugen, darin besteht die einzige Glückseligkeit. Solche Tugen ist das einzig Gut.

Demgegenüber steht ein einziges Übel: Zitat: «die Schlechtigkeit, die im nicht-vernunft- und damit nicht-tugend-mässigen Leben besteht. Alles andere: Leben, Gesundheit, Besitz, Ehre, die von anderen hochgeschätzt werden, ebenso wie Alter, Krankheit, Tod, Armut Knechtschaft, Unehre, die von anderen verabscheut werden, sind für den Stoker weder gut noch schlecht, sondern gleichgültig.

Alles kommt demnach darauf an, zu erkennen was gut, was schlecht, was gleichgültig ist.» Sowohl in der Erkenntnis der richtigen Werte wie in unserem Bestreben, uns handelnd nach den erkannten Werten zu richten, werden wir durch die Affekte (Triebe, Leidenschaften) behindert. Zitatende. Das Ziel der Tugend ist erreicht, wenn wir den Kampf gegen die Affekte überwunden haben. Diesen Zustand nennen die Stoiker Leidenschaftslosigkeit (griechisch apatheia – daher unsere Wörter Apathie, apathisch).» Zitatende

All das ist auch in der kynischen Ethik zu finden. Die Stoiker, unter römischen Einfluss, bemühen sich aber ihr Ideal des Weisen, in Übereinstimmung mit dem grösseren Ganzen, in das der Mensch eingeordnet ist, zu bringen. Die kynische Lehr war im Grunde egoistisch. Die Stoiker kennen und preisen die Freundschaft unter den Weisen und haben grundlegende soziale Forderungen: Gerechtigkeit und Menschenliebe. Zitat: «und zwar beides in einem Ausmass, wie es bis dahin die Antike nicht gekannt hatte. Sie erstrecken sie nämlich auf alle Menschen, das heisst, sie schliessen auch die Sklaven und die Barbaren ein. Das waren wahrhaft revolutionäre Forderungen. Denn bis dahin hatte man unter «Mensch» mit fragloser Selbstverständlichkeit immer nur den freien griechischen und römischen Bürger verstanden…. So sind die Stoiker die ersten, die im Altertum einen umfassenden Humanitätsgedanken und einen ebenso umfassenden Kosmopolitismus vertreten haben.

Durch das Römerreich und über dieses hinaus haben stoische Gedankengänge in der europäischen Philosophie weitergewirkt. Anzeichen ihres Einflusses finden sich bei Giordano Bruno, Descartes, Spinoza, Locke, Kant, Schiller, Goethe und anderen. Die weltgeschichtliche Bedeutung des Stoizismus liegt aber noch mehr als in dieser Nachwirkung in seiner Beziehung zum Christentum. Im Kampf gegen das Christentum ging Marc Aurel aber besonders streng vor. Die Stoiker standen auf der Seite der hergebrachten Volksreligion. Diese wollten sie, trotz mancher Kritik nicht zerstören.» Zitatende
 
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