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Vergesser der verlorenen Tage
Alte Tage an den Haaren aus der Erinnerung heben. Träumen, Fotografien starren, Weißt-du-noch?-Gespräche. Wieviel leichter wäre es heute, Tagebuch geführt zu haben, in dem ich nachschlagen könnte. Was war am 28. September 1966 für Wetter? Da konnte ich noch nicht schreiben. Nicht mal krakeln. Aber dummes Zeug babbeln. Mich unbeholfen durch den Raum bewegen. Kleinkindliches Laufen. Also später … 13. März 1980. Das wär was. Das Elend der 9. Klasse nachlesen, den Schmerz darüber, jeden Tag ins elterliche Zuhause zurückkehren zu müssen. Die tägliche Angst davor, wieder unter eine schmerzvolle Erniedrigung zu geraten, denen ich gerade entwachsen will.
Alte Tage an den Haaren aus der Erinnerung heben. Träumen, Fotografien starren, Weißt-du-noch?-Gespräche. Das kann ich nur gelegentlich, wenn es sich mal zufällig ergibt. Ich habe ja nicht mal ein Fotoalbum zur Hand, das so weit zurückreicht, so gut sortiert ist. Mein Erinnern bleibt Glückssache. Wie Archäologie. So ähnlich. Es bleibt aufwendig, selbst mit Anhaltspunkten. Dinge, die ich in die verbliebene rechte Hand nehmen kann, unter die schwächer werdenden Augen. Nein, am fruchtbarsten bleiben Gespräche mit meinen persönlichen Zeitzeug*innen. Beim Zuhören und Dazwischenreden und Lachen kommt vieles wieder hoch. Das ist schön. Da müsste ich mitschreiben können. Am nächsten Tag ist so viel wieder weg.
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