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13. August … Da war was. Tante Ilses Geburtstag? Ja, stimmt. Ich meine aber was anderes. Ich komme gleich drauf. 13.8. … ach! (schlag mir an die Stirn) Na klar, das war, als sie mich früh kurz nach vier wachgeklingelt haben. Alarm! Ich dachte Wunder was. Also rein in die Uniform, rauf aufs Fahrrad und ab zum Betrieb. Da strömten sie schon, die Genossen, durchs Werktor, die Werkstraße hinter, zur Garage. Da war schon alles beleuchtet. Ich versuchte, noch halb verschlafen, allmählich mitzubekommen, was los sei. Ich hörte nur, dass die ersten Genossen schon vor Ort wären, dass jetzt alles wie am Schnürchen klappen müsse, wir jetzt gemeinsam als Hundertschaft unter Waffen gestellt würden. Dann ist’s was Ernstes, ging mindestens mir durch den Kopf. Wahrscheinlich noch ein paar anderen. Außer uns wären noch Bautrupps unterwegs, hörten wir, sämtliche verlässliche Genossen würden außerdem heute auf den Beinen sein. Es ginge ums Ganze. Ick weeß noch, wie ich am Nachmittag verschwitzt im Eingang von Pachulkes Molkereiprodukte stand, und der alte Pachulke alle zehn Minuten rauskam um mich zu fragen, ob „… denn sein Laden nun zujemauert würde, er hätte was jehört, wo se dit schon jemacht hätten oder noch dabei warn. …“
„Mann, Pachulke“, ich tat betont proletarisch. „Ich weeßes doch ooch nich. Ich bin dreinzwanzich, eener der Jüngsten der Kampfgruppen der Werktätigen des Volkes.“ Ich tat jetzt betont offiziell und wandte mich betont brüsk von ihm ab, sorgfältig darauf achtend, dass ich im Vollschutz des Hauseingangs blieb, der mich einigermaßen vor der erbarmungslosen Augustsonne bewahrte, die jetzt schon voll aus dem Westen zu uns rüberballerte. In meinem Rücken hörte ich Pachulke vor sich hin blubbern. „Die spieln hier Weltjeschichte, und unsereens wird die jute Milch sauer. Zeiten sind dis, Zeiten!“
Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber als ich hörte, wie er die Tür von innen zumachte, habe ich mich betont ruckartig an die Wand gelehnt und mich dann langsam auf die Stufen sacken lassen. Ich hoffte, dass mich irgendwer so sah und Alarm schlug. Um meiner Ohnmacht Nachdruck zu verleihen, ließ ich die Kalaschnikow von der Schulter gleiten und möglichst ungebremst auf den Fußweg poltern. Zwei Finger ließ ich wie zufällig am Riemen hängen. Man weiß ja nie. Und die Waffe im Dienst verloren geben, nee, darauf stand bestimmt die Todesstrafe. Mindestens. Endlich zuckte sich was in der Nähe. „Was ist denn mit dem los?!“, brüllte jemand ganz nahe. „Sani! Ma n Schluck Wasser, der is hier umjekippt! Ruft ma n Arzt! _Quatsch Arzt, der steht gleich widder.“ Langsam sammelte sich ein wenig Volk um mich, und ich begann leise Geräusche zu stöhnen und die Augen etwas matschig aussehen zu lassen. Gierig trank ich aus der hingehaltenen Feldflasche eines Genossen. Ich hörte einen witzeln, der sich frage, wie man das antifaschistische Schutzdach draufbekommen wolle. Dann kam der Befehl, mich nachhause zu bringen. Ich sackte glücklich noch ein wenig mehr zusammen. Drei Stunden später war ich in Westberlin.
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Nachtrag:
Auf solchen Blödsinn kommt man komme ich, wenn von früh an am 13. August an den 13, August 1961 erinnert wird. Und das jedes Jahr ...
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