Luana Solari

Aniella

Mitglied
Hallo @John Goodman,

inhaltlich mochte ich den Text. Macht neugierig, wie es weitergehen könnte.
Leider stört es mich (!) doch sehr, dass so viele Sätze mit "Ich" beginnen. Hast Du Dir das mal selbst laut vorgelesen? Manchmal kann man es als Bekräftigung oder Betonung stehenlassen, aber hier ist es mir tatsächlich zuviel und lenkt mich damit vom Inhalt ab. Auch in der Ich-Perspektive kann man das anders lösen. Vielleicht magst Du es ja diesbezüglich noch einmal überdenken und überarbeiten?

LG Aniella
 

John Goodman

Mitglied
Moin Aniella,

vielen Dank für den Hinweis und vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast den Text zu lesen.

Ich habe nun alle wesentlichen Ich-Stellen gestrichen und auf ein gesundes Mindestmaß gesenkt.


Liebe Grüße

John
 

marcm200

Mitglied
In diesem Teil passiert sehr wenig - ein abgelehntes Hilfsangebot in einer Bäckerei. Dafür gibt es sehr viel Innenleben - nur melancholisches. Einen Sci-Fi-Aspekt sehe ich, bis auf die Erwähnung des Wortes "Android" nicht. Um Interesse für eine Story zu erzeugen, wäre es vielleicht besser gewesen, noch ein, zwei Kapitel mehr einzustellen, um mir ein wenig die Richtung der Story anzuzeigen.

Der Text hat aktuell noch kein Interesse bei mir geweckt, dem Leben Luanas weiter folgen zu wollen.

Zu Textbeginn bei "dann fallen die Worte, leise, aber scharf wie Glasscherben." würde ich irgendwie klarstellen, dass "sie" sich auf "ich" bezieht. Das erschloss sich mir in dieser Situation nicht.

Einige Bilder sind mir viel zu schwülstig.
- "Der Weg nach Hause ist wie das Auftauchen aus zu tiefem Wasser."
- "warte darauf, dass der erste Gedanke kommt – lauernd, wie ein Raubtier. "

Manche Bilder ergeben für mich keinen Sinn.
- "Ein körperlicher Schwindel gepaart mit einer Morgenübelkeit, die mich tief in die Kissen drücken"
- "Ich habe versucht, eine von euch zu sein, während mein Herz im Rhythmus sterbender Sterne schlug."
 

John Goodman

Mitglied
Hi marcm200,

vielen Dank, dass du die Story gelesen hast, sowie auch deine Anmerkungen zur Handlung. Ich nehme jeden Hinweis und Ratschlag gerne auf, zumal ich ohnehin nur ein Schreibanfänger bin, der sich gut und gerne im Buchstabendschungel verirrt.

Ich wollte bewusst im ersten Kapitel Luanas Innenleben skizzieren, um die Schlagkraft, die danach folgt, in den weiteren Kapiteln einzuweben.

Der Prolog hingegen soll dem Leser einen kleinen Hinweis liefern für die Fallhöhe, die einen später erwarten wird. Daher habe ich gezielt eine transzendentale Sprache gewählt (während mein Herz im Rhythmus sterbender Sterne schlug), die den Kontrast zwischen Prolog und Kapitel 1 verstärken soll.

Kapitel 2 ist bereits in den Startlöchern, es fehlt nur noch der Feinschliff, der für mich die härteste Aufgabe darstellt.



Liebe Grüße

John
 

jon

Mitglied
Ich habe zu lange nicht verstanden, über wen da in der Küche gelästert wird und wieso das Erzähl-Ich so reagiert.

Was mich grundsätzlich stört: die Selbst-Beschreibungen. Das mit den Haaren als "Vorhang" tut mir fast weh. Die Lösung mit dem Spiegel ist zwar nicht unlogisch, aber dieses Mittel (Spiegel) wird so oft als Notnagel benutzt, dass es für mich ein "G'schmäckle" hat.
Wenn man die Ich-Perspektive wählt, muss man akzeptieren, dass die Beschreibung der "Person Ich" extrem schwierig ist und nur selten sinnvoll gelingt. Wenn in einer Story wie hier das Äußere wichtig ist, dann besser nicht den Ich-Erzähler wählen.

Abgesehen davon ist mir das zu viel Nicht-Handlung und Selbstmitleid für den Einstieg in ein Buch.
Ich sehe auch nicht, dass diese lange Einführung nötig wäre, um ein spezielles Setting zu vermitteln. Man erfährt zwar, dass es im englischsprachigen Raum spielt (Mr. Sullivan) und 2040 stattfindet - aber in dem vielen Text gibt es keine weiteren Infos dazu (was unterscheidet 2040 von 2026?). Und: Das Wort "Waisenhaus" liegt wie ein Anachronismus in der Landschaft und bedarf meiner Meinung nach einer Erklärung.
 

John Goodman

Mitglied
Hi Jon,

vielen lieben Dank für deine Einschätzung. Ich werde mir zu Kapitel 1 noch einiges überlegen.

Zu dem Waisenhaus Stolperer: ich habe nicht ausgiebig recherchiert. In dem Kontext müsste es wohl Kinder- und Jugendheim heißen. Sofern das Waisenhaus keine spezielle Einrichtung darstellt, was es in meiner Story nicht tut. Ich werde das umgehend korrigieren.

In der Ich-Perspektive bin nicht bewandert, aber die Tiefe, die sie bietet, ist für mein Vorhaben unerlässlich, daher muss ich mir die Ich-Form aneignen. Konkret versuche ich mich an der Dekonstruktion des Seins. Die Prämisse in dem Fall lautet: Absolute Macht führt zwangsläufig zur Entmenschlichung.


Gruß

John
 

marcm200

Mitglied
Kapitel 2 war aktiver als der vorherige Post - das Telefongespräch. Die Innenschau wurde weniger, aber immer noch aufgeladen durch theatralische Bilder ("Der Gedanke zerfällt, bevor er mich trösten kann; er wird bitter."). Aber gut, falls Luana ein Androide ist, denken diese Wesen vielleicht auf eine solche Art.

Zwei Dinge treffen nicht meinen Geschmack: eben jene blumige Sprache, die mich von der Handlung ablenkt; sowie generell der Ich-Erzähler, und dann auch noch in der Gegenwartsform. Aber das ist nun mal dein Stil hier.

Ich würde nur empfehlen, längere Fortsetzungen einzustellen. Ich weiß nicht, auf wie viele Kapitel du die Geschichte insgesamt angelegt hast, aber sich zwanzig Mal in ein Setting hereinfinden zu müssen, wäre sehr ermüdend.

Gibt es eigentlich einen Buchrückentext oder eine Kurzzusammenfassung zur Geschichte, sodass ich ungefähr weiß, wohin es geht? Beschreibst du rein das tägliche Leben Luanas und ihre innere Wandlung, oder gibt es ein externes Ziel (Verbrechen, auf das alles hinsteuert; Aufstand der Androiden o.Ä.).
 

John Goodman

Mitglied
Moin marcm200, vielen lieben Dank, dass du auch dieses Kapitel gelesen hast. Auch wenn dir mein Stil nicht zusagt, freue mich sehr, dass du dich dennoch versuchst darin einzufinden. Danke dafür. :)

Um noch mal auf deine Anmerkung zurückzukommen: Luana ist kein Android, sondern nur eine zutiefst verletzte junge Frau, die ihr Selbstvertrauen nie richtig entfalten konnte. Ich finde diese "blumige Sprache" wie du sie nennst, wichtig um Luanas Innenleben nicht nur anzureißen, sondern ihr innerstes nach außen kehren. Kapitel 3 wird der Wendepunkt, der Luanas Leben in atomare Bestandteile auflösen wird - sinnbildlich.

Eine Kurzzusammenfassung habe ich so noch nicht, zumindest keine, die sich wirklich liest. Aber ich werde mich damit auseinandersetzen. In kurzen Texten bin ich nicht ausreichend geübt.


Gruß

John
 
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jon

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Es ist der vielleicht am weitesten verbreitete Irrtum unerfahrener Schreiber, dass die Ich-Perspektive das Mittel der Wahl sein sollte, wenn es ums Innenleben (oder Handlungsnähe) geht. Am "besten" noch durch das ausfühliche Darbieten der Gefühle und Gedanken.

Das Gegenteil ist der Fall: Den allerallerallerwenigsten Menschen ist bewusst, was tatsächlich in ihnen vorgeht. Sie "denken" das nicht. Nicht umsonst besteht eine Psychotherapie in erster Linie darin, diese wahren Regungen zu ermitteln und Worte dafür zu finden. Wenn es dir nicht gelingt - und das ist wahrscheinlich, denn das ist die hohe Schule der Charakterzeichnung - das, was dem "Ich" bewusst ist, ihrem tatsächliche Innenleben gegenüberzustellen und sichtbar zu machen, läufst du Gefahr, dass der Text nicht aufgeht.

In die andere Falle, die dieser Irrtum mit sich bringt, bist du schon getappt: Wenn jemand so denkt/fühlt, wie du es hier klingen lässt, verliert er sich früher oder später in diesem Denk-Fühl-Nebel. Man kann solche Figuren bauen, klar. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man sie glaubhaft "in Action" versetzen kann, ist nicht groß.

Eingebürgert hat sich, einfach nur "Heim" zu sagen. "Kinderheim" ist fast(!) schon Amtssprache.
 
Zuletzt bearbeitet:

jon

Mitglied
Nachtrag: Im Kapitel 2 passiert eigentlich auch nichts. Ein erboster Kunde ruft an, Luana setzt zu einer Beschwichtigung an, die zu greifen scheint, und bekommt dann aus völlig unerklärlichem Grund eine Krise, sodass sie abrupt auflegt. Der allergrößte Teil des Textes besteht aus … Innensicht, hätte ich beinahe gesagt, aber tatsächlich ist es reinste Abwesenheit von der Realität. Ich bin kein Psychologe, aber bestimmt gibt es für diesen krankheitsverdächtigen Zustand ein Fachwort. Es ist mir schleierhaft, wie so jemand diesen Job machen können soll.
 

John Goodman

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Vielen Dank, dass ihr euch dennoch die Zeit nimmt, den Text zu lesen und zu kommentieren. Ich habe sämtliche Ratschläge aufgenommen und werde sie mir verinnerlichen.

Kurz nochmal zu deiner Anmerkung: (bekommt dann aus völlig unerklärlichem Grund eine Krise) - Menschen, die ihr ganzes Leben lang keinen Anschluss finden, weil ihr Äußeres nicht in die Norm passt und sie dann ausgegrenzt werden, kann bereits ein vernichtender Blick reichen, um sie zu brechen. Zumal Luanas Trauma noch tief in den Knochen sitzt. Ja, Luana ist zu Beginn ein passiver Charakter, weil sie nie gelernt hat aktiv zu handeln, bis auf den Job und das Haus, konnte sie ihr Leben nie wirklich angehen. Aber dafür bin ich ja da. Ich werde Luanas grauen Alltag auseinanderbrechen lassen.



Liebe Grüße

John
 

marcm200

Mitglied
Kapitel 3 steigert die Depressivität der Geschichte weiter. Zum Glück endet die Story hier nicht, der Titel des folgenden Kapitels lässt ein wenig Hoffnung auf eine positive Entwicklung, die aber m.E. (noch?) nicht einsetzt.

Ist es nun ein Traum, oder ist das Haus wirklich zusammengestürz? Falls ja, warum? Das wäre eine externe Szene, welche die Depressivität der Story aufgelockert hätte. Mir gefallen solche Enden, die offen lassen, ob man nun in der Realität ist oder nicht, überhaupt nicht. Ich hätte es begrüßt, wenn dies klargemacht worden wäre. Nicht jedes Kapitel muss und soll mit einem Cluffhanger enden.

Warum starren die Leute sie an? Außer "Stechauge" wurde darauf, soweit ich mich erinnere, noch nicht ingegangen.

Die Geschichte muss im nächsten Kapitel aber dringend die Innenschau verlassen und sich auf Handlung fokussieren, auf eine Luana, die etwas unternimmt, um ihre Depressionen zu bekämpfen, und sie nicht einfach nur hinnimmt.

Ich vermute mal, dass du den Anfang der Story bewusst so negativ und defätistisch angelegt hast, um vielleicht Luanas "Auferstehung" umso wirkungsvoller in Szene setzen zu können. Mir persönlich sagt dieser Aufbau aber nicht zu.

Ist die Story eigentlich schon komplett fertig, zumindest als Exposé?


Schreibfehler:
- "öffne N sich meine Augen "
- "Wie ein Gewitter, [ der ] DAS in einer einzigen Entladung "
- "Tatasche" - Buchstabendreher
- "die zerfetz T e Kante des Kraters"
 

John Goodman

Mitglied
Vielen Dank für die Hinweise zur Fehlerkorrektur :) und vielen lieben Dank dafür, dass du den Text gelesen hast.

Ja, der Plot ist bereits vollständig ausgearbeitet.

Noch habe ich kein Exposé. Aber ich werde mich die Tage mal dran setzen.



Liebe Grüße

John
 

John Goodman

Mitglied
Kurze Anmerkung: In Kapitel 1bis 3 sind einige Hinweise versteckt, die auf Kapitel 4 Bezug nehmen. Für alle die Freude am Rätselraten haben.

;)
 
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jon

Mitglied
Kurz nochmal zu deiner Anmerkung: (bekommt dann aus völlig unerklärlichem Grund eine Krise) - Menschen, die ihr ganzes Leben lang keinen Anschluss finden, weil ihr Äußeres nicht in die Norm passt und sie dann ausgegrenzt werden, kann bereits ein vernichtender Blick reichen, um sie zu brechen. Zumal Luanas Trauma noch tief in den Knochen sitzt. Ja, Luana ist zu Beginn ein passiver Charakter, weil sie nie gelernt hat aktiv zu handeln, bis auf den Job und das Haus, konnte sie ihr Leben nie wirklich angehen.
Diese - durchaus richtige - Psycho-Erklärung hat mit dem Text nicht viel zu tun. Erstens ist das nicht der erste vernichtende Blick, all die folgenden Überlegungen hätte Luana schon (in inhaltlich analoger Form) viel früher anstellen müssen. Zweitens ist das im Text viel zu lang, vor allem in dieser eigentlich Aufmerksamkeit-heischenden Situation. Aus Erfahrung kann ich dir sagen: Solche Brüche trudeln nicht mit so viel Worten gemütlich heran (so viele Worte - auch innerliche - haben im Gegenteil eine mildernde Wirkung) - sie sind ganz plötzlich da.
 

John Goodman

Mitglied
Und genau das geschieht auch in Kapitel 2 - ein einziger Blick von Sarah lässt das Fass überlaufen und Luana zerbricht, selbst Mr. Sullivans ehrliche Fürsorge, wandelt sich für sie ins Negative.

Wenn Menschen ausgegrenzt werden, neigen sie dazu (nicht jeder) auf kurz oder lang sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Bei Luana kommt noch eine Prise Realitätsverlust dazu, weil sie bereits Menschen um sich herum hat, die sie weder abscheulich finden noch ausgrenzen. Aber ihr Trauma konnte sie nie richtig verarbeiten, den Schmerz nie wirklich abbauen, sie kann nicht anders als nur das Schlechte sehen, obwohl das Gute sie bereits umgibt. Was im Umkehrschluss beweist, dass Luana zwar auf ihre Empfindungen bedacht ist und bisweilen sehr emotional wirkt, aber keineswegs versteht, was in ihr wirklich vorgeht.



(all die folgenden Überlegungen hätte Luana schon (in inhaltlich analoger Form) viel früher anstellen müssen.)
Genau diesen Aspekt habe ich subtil eingewoben, durch ihre Selbstbeschreibung und Selbstwahrnehmung. Jede Szene zahlt darauf ein, aber halt nur zwischen den Zeilen. Zumal mit Kapitel 4 ein klarer Wendepunkt markiert wird.





Liebe Grüße

John
 

jon

Mitglied
… und noch mehr „Gerede“. Es ist völlig okay, den Leser am Anfang mit der Hauptfigur bekannt zu machen, aber de facto passiert nichts anderes. Es gibt keinen Plot. Und die Bezeichnung „Kapitel“ ist maßlos übertrieben. Übersicht über den bisherigen Plot:

Kapitel 1: Luana hört im Büro etwas. Sie geht nach Hause. Am nächsten Morgen geht sie zum Bäcker.

Kapitel 2: Ein Kunde ruft Luana an. Luana legt einfach auf.

Kapitel 3: Luana geht nach Hause.

… de facto geht es drei Kapitel lang nur darum, Luana kennenzulernen. Alles, was außer der eigentlichen Handlung passiert, sind Spielarten von „Leute finden Luana strange und Luana kann damit nicht umgehen“.

Kapitel 4: Luana wacht auf. (Der Hausbrand(?) ist vorher passiert.) Was dann passiert, verstehe ich nicht. Auch nach ca.5 Normseiten Innenschau nicht.
 



 
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