Tagebuch

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Bernd

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Wolfgang Jeschke ist tot. Nun wird er nicht mehr zu einem Con kommen können, keine Bücher mehr schreiben.
Er hat sich sehr für die Science Fiction eingesetzt, vor allem auch früher als Lektor beim Heyne-Verlag.
 

Bernd

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Am Wochenende ist der letzte Lomnitz-Con. Der Wirt macht dieses Jahr zu, er hat leider keinen Nachfolger gefunden.

Es ist ein kleiner Science-Fiction-Relax-Con. Wenich Programm, viel schwatzen, in freier Natur.
 

Bernd

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Nun ist der Lomnitzcon Geschichte. Es war eine sehr schöne Veranstaltung. Ronald M. Hahn las zwei sehr kurzweilige und amüsante Kurzgeschichten vor, und es gab auch viel Zeit zum Schwatzen.
Es gab diesmal auch wieder ein Quiz vom "Oberförster" Michael Stöhr, das Qno gewann. Ich belegte einen hinteren Mittelplatz.
Am Ende musste jeder einen Gewinn mitnehmen.

Gestern waren wir bei einem Familientreffen anlässlich des ersten Geburtstages der Tochter meiner Nichte, soviel Familienmitglieder waren lange nicht zusammen.

Ich muss jetzt heute noch meine Kamera aufstellen, um bis Weihnachten die Sonnenbahn fotografieren zu können.
 

Bernd

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Heute kam das Buch von Erik Simon "Zeitmaschinen Spiegelwelten" bei mir an, eines der letzten Exemplare, die es bei Storiesende noch gab.
Es sind auch Fotos drin, die ich zur Illustration für Erik gemacht habe.

Ich habe es leider vor zwei Jahren beim SF-Con in Dresden verpasst.

Jedenfalls freue ich mich, dass es mit den Bildern geworden ist.
 

Bernd

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Fotomaterial bestellt, Emulsion "Inkodye" - damit kann ich eigene Drucke machen.

Es ist sehr warm in Dresden.

Selbst in den USA wird die Hitze gespürt, und man beginnt, an die Erwärmung zu glauben.

Folgt die Abkühlung? Es ist ein fraktaler Prozess.

Ich verfolge sehr aufmerksam die Geschehnisse in Griechenland und das Versagen des Kapitalismus hinsichtlich der Ökonomie.

Die westlichen Staaten benutzen Griechenland als Exempel, das sie statuieren.

Ich habe den Blog von Varoufakis abonniert. http://yanisvaroufakis.eu/ (englisch)

Er wurde ja von der Presse als eine Art Hampelmann dargestellt.

Aber ein Schuldenschnitt für Griechenland wird unumgänglich sein.
Oder als Alternative:
Wenn wir die griechische Wirtschaft genauso zertrampelt haben, wie die ostdeutsche, werden in Griechenland neue blühende Landschaften entstehen.
 

Bernd

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Ein Ohrwurm schwebt durch meinen Kopf, mit seltsamem Text:

"Sag, was willst du tun?"
"Ich will Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun!"
"Sag, was willst du tun?"
"Ich will Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun, Eija.
eija, eija, will Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun!
eija, eija, will Ausruhn tun tun, Ausruhn tun tun, Eija!"

"Sag, was willst du tun?"
"Ich will Baden gehn tun, Baden gehn tun, Baden gehn tun!"
...

"Sag, was willst du tun?"
"Ich will Eis essen tun, Eis essen tun, Eis essen tun!"
...
 

Bernd

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Am Sonnabend war ich bei Aufnamen zu einem Werbeclip. Ich bin eingesprungen, weil der Schauspieler, der den Opa spielen sollte, ausgefallen war. Dreharbeiten von 9:30 bis kurz vor Zwei.
Heute habe ich die Rohschnittfassung gesehen, es ist besser geworden, als ich dachte.
 

Bernd

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Wir waren ein paar Tage in Potsdam auf Urlaub. Dort haben wir auch Christianes Geburtstag gefeiert. Heute feiern wir noch mit den Dresdner Verwandten und Freunden.
Auf der Rückfahrt haben wir durch einen spitzen Stein einen Reifen eingebüßt, aber alles ist ok.
Zu Hause war dann die Telefonleitung defekt. Am Dienstag kommt Reparatur.

Interessanter ist ein Buch, das ich gerade lese, in dem geht es um Metaphern und Analogien, auch, wie die Sprache sie darstellt.

Im Moment lese ich gerade das Kapitel über "Versprecher". Man verspricht sich leicht und mixt Wörter oder Sprichwörter, verwechselt Namen (nicht die Personen) oder Personen (nicht die Namen). Alles tief im Gehirn verankert.

Ich mache jetzt ja schriftlich ähnliche Fehler, schreibe Wörter oder Schreibweisen, an die ich gar nicht gedacht habe.

Ein Teil sind Tippfehler, bei denen ich die Benachbarte Taste drücke, ein anderer Teil Tippfehler, in denen mein Gehirn den benachbarten Buchstaben wählt.

Sehr merkwürdig.

Auch [strike]beachbarte[/strike] benachbarte oder gar entgegengesetzte Wörter oder Wendungen.
 

Bernd

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Mich hat eine Bastelwut gepackt und das Kind in mir wurde mächtig. Ich kaufte einen Bausatz und es entstand eine Kamera Obscura. https://www.flickr.com/photos/116228447@N06/20967882900/in/dateposted-public/

Alles aus Pappe, außer die Linse.
Das Ergebnis ist schon faszinierend. Auf die Idee kam ich nach dem Sommerfest der Pahlitzsch-Gesellschaft, wo einer der Mitglieder eine mitgebracht hat.
Das Besondere: Das Bild entsteht, indem man wie weiland Canaletto das Bild der Umgebung auf eine Fläche projiziert und es dann abmalt oder abzeichnet.
Dieselbe Art Fotoapparate wird auf Terry Pratchetts Scheibenwelt verwendet, und wie dort wurde mein Bild schwarz-weiß, weil ich keine Farbe mithatte.
https://www.flickr.com/photos/116228447@N06/21157271835/in/dateposted-public/

Ich legte dann auch noch ein Stück Cyanotypie-Papier ein, belichtete ca. 4 Stunden und entwickelte das Bild mit Wasser.

Es ist leicht überbelichtet, zwei Stunden hätten wahrscheinlich ausgereicht. https://www.flickr.com/photos/116228447@N06/20981809519/in/dateposted-public/

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Heute bin ich wieder bei meiner Mutter zur Pflege.
Mittags gab es Rouladen, Grieß-und-Stärke-Klöße und Rotkraut.

Die Rouladen ganz klassisch:

Fleisch mit Senf bestreichen, mit Gwewürzgurke, Speckstreifen, Möhren und Zwiebel belegen und mit Salz bestreuen.
Wickeln, in etwas Öl anbraten, Wasser dazugeben, schmoren lassen, saure Sahne und Schmand dazu.

Für die Klöße:
Kartoffeln schälen und kochen, im Kochwasser stampfen und quirlen, Grieß dazugeben, einrühren, einen kleinen Teil mit Kartoffelstärke verarbeiten (in einem anderen Topf), dann den restlichen Brei dazugeben.
Semmelbrösel (in Würfel geschnittene Semmeln) in Butter rösten. Klöße formen, dabei jeweils einen gehäuften Teelöffel der Brösel einfügen und die Klöße in heißem Wasser brühen.
Dazu gab es Rotkohl (... nicht der, den ich als Farbstoff für Bilder genommen habe, natürlich).
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Am Wochenende war der PentaCon mit der Verleihung des Lasswitz-Preises in Dresden im Palitzsch-Hof.
Insgesamt fand ich ihn gut. Ich traf viele Bekannte wieder. Und es waren auch interessante Gespräche.
Besonderer Höhepunkt für mich war der Vortrag von KarlHeinz Steinmüller zu künstlichen und natürlichen Sprachen in der Geschichte und in der SF. „Von Babel zum Babelfisch. Sprachutopien in der Geschichte“
 

Bernd

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Wie ich Verschlüsse für die Praktica montierte

Ungefähr 1974 war ich Student an der TU Dresden. Im Rahmen des Studiums hatten wir ein mehrwöchiges Praktikum im VEB Pentacon in der Montageabteilung.
Die Montage erfolgte an einem Fließband, aber in "Nestfertigung". Das war ein Fortschritt und ein wesentlicher Unterschied zu Olsenbande und Charlie Chaplin (Moderne Zeiten), die an Fließbändern arbeiteten.

Es bedeutete, dass man selbst die Geschwindigkeit bestimmte, man konnte also auch mal auf die Toilette gehen.
Vorzugsweise arbeiteten Frauen in der Abteilung, und sie arbeiteten sehr schnell.
Jede von ihnen bearbeitete eine Baugruppe, von Zeit zu Zeit wurde gewechselt, sodass sie alles kannten, soweit ich mich erinnere, wurde darüber mal gesprochen. Wir waren in der Urlaubszeit dort. Für uns Studenten wurde der Prozess in kleinere Abschnitte zerlegt.Ich montierte also Metalllamellenverschlüsse. Ich legte den Metallvorhang ein und befestigte ein paar Federn, sodass der Vorhang schon funktionierte. Dann ging es zu weiteren Montageschritten.
Die Norm war für mich sehr hoch, die Frauen schafften sie aber problemlos. Ich schaffte am Anfang ca. 1/3, am Ende ungefähr 80% der Norm, genau weiß ich's nicht mehr.

Ich musste auch aufpassen, die winzigen Federn nicht zu überdehnen. Dann musste man sie wieder herunterfummeln und ersetzen.

Der Raum war groß und die "Nester" standen am Fließband. Ich hatte schwere Probleme mit Zugluft und brachte mir Decken mit, um meinen Rücken zu schützen.

Interessant war es jedenfalls.

Wenn die Norm erfüllt war, achteten die Frauen darauf, nicht zu viel zu machen. Sie nutzten die Zeit zur Regeneration, was vernünftig war. Sie waren echt flink.

Maschinen wurden nicht verwendet, sondern Lupen, Pinzetten und Schraubenzieher. (Auf die Idee, die DInger "Schraubendreher" zu nennen, kamen erst spätere "Sprachexperten".

Es war die Zeit, als die alte Form durch die neue kastenförmige ersetzt wurde. Statt Tuch war ein Metalllamellenschlitzverschluss eingebaut. Die gesamte Mechanik war neu, Nur das Auflagemaß und die M42-Fassung wurden beibehalten.

Die Belichtungshalbautomatik wurde mit Brückenschaltung betrieben, um die Quecksilberbatterien ablösen zu können, ich las vor Kurzem, dass schon bei der alten (Praktica Super TL) mit Brückenschaltung begonnen wurde.

Das Gehäuse der L-Reihe war leichter und der Aufbau wesentlich weniger aufwendig, zugleich zuverlässiger als bei der Praktica-Nova-Bauform.
Sie lag allerdings nicht so gut in der Hand und wirkte spielzeugkameraartiger.

Jedenfalls war es eine gute Erfahrung.

Das nur als kurzen Erlebnisbericht. Ich erinnere mich immer besser an frühere Erlebnisse, je mehr näherliegende ich vergesse.
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Auch ich war einst Zeißianer - Erlebnisse im VEB Carl Zeiß Jena

Auch ich war einst Zeißianer - Erlebnisse im VEB Carl Zeiß Jena

1979 wurde ich von einem Headhunter (die Bezeichnung gab es damals noch nicht) geworben, bei Carl-Zeiß in Gera anzufangen, dort würde ein neues Zeiss-Werk aufgebaut.
Ich wollte eine Familie gründen und brauchte eine Wohnung. In der DDR wurden Wohnungen im Wesentlichen durch Betriebe vergeben.
In den Bewerbungsgesprächen wurde viel über Carl-Zeiss gesprochen und die gerade erzielten Erfolge, darunter die Multi-Spektralkamera.
Der Werber sagte, uns erwarte eine sehr interessante Aufgabe in einer neuen Produktionsstätte und wir würden auch sofort eine neue Wohnung bekommen. Zu der Zeit arbeitete ich bei der TU in Dresden als Assistent von Professor Krause in einem auf vier Jahre befristeten Arbeitsverhältnis, ich forschte auf dem Gebiet "Geräuschentwicklung bei Stoßvorgängen", um die Geräusche elektronischer Schreibmaschinen zu minimieren, war aber gerade für anderthalb Jahre bei der Armee. Ein Jahr hatte ich an der TU schon hinter mir. Als ich an der TU nach Wohnung fragte, sagte man mir: Vier bis acht Jahre Wartezeit. Das war demotivierend und öffnete mich für eine Bewerbung.
Beim Bewerbungsgespräch wurde suggeriert, aber nicht gesagt, dass es um Kosmosforschung ginge (durch besondere Erwähnung der Multispektralkamera).
Es gab einige positiv klingende und einige negative Bedingungen:

Positiv:
Interessante Arbeit mit Perspektive einer Dissertation (da ich meine ja abbrechen musste)
Wohnung
Besseres Gehalt als an der TU Dresden. (zwischen 800 und 900 Mark statt ca. 600 Mark, Steigerung möglich)

Negativ:
Verpflichtungserklärung: Verschwiegenheit und kein "Westkontakt". Das wurde angeblich auch überwacht. Ich könne in keiner Gaststätte mehr sicher sein, nicht überwacht zu werden.
"Bestätigung" nötig. (Das bedeutete, dass ich vor Beginn der Arbeit eine Bestätigung brauchte, was ich aber nicht für schwierig hielt.
Katze im Sack kaufen - keine konkrete Arbeit wurde genannt.

Nach dem Armeedienst begann ich dann Mitte Mai 1979 beim VEB Carl Zeiß Jena in Jena Göschwitz zu arbeiten.
Ich wohnte zunächst in Gera Lusan in einem Arbeiterwohnheim, die Fertigstellung der Wohnungen hatte sich verzögert.

Dann kam ich Montag früh in Jena Göschwitz an, wo vorerst die Arbeitsstelle sich befand, die Fabrik in Gera war noch nicht fertig.

An der Wache musste ich über eine Stunde warten, ehe sich jemand um mich kümmerte. Dann wurde ich doch noch abgeholt, recht nervös. Ich hatte nach dieser Wartezeit kein gutes Gefühl mehr.
Ich kam dann in eine Produktionshalle und erhielt einen Schreibtisch inmitten von Maschinenlärm.
Dann folgte eine Belehrung und es folgten eine Reihe Arztbesuche beim Betriebsarzt, (wie es auch heute noch üblich ist in einigen Betrieben.)
Ich bekam keine Aufgabe und wurde nervös.
Mir wurde erklärt, ich sei noch nicht "bestätigt" und dürfe deshalb die geheimen Bereiche nicht betreten. Ich blieb also vorerst in der Fabrikhalle. Die anderen Mitarbeiter waren freundlich, konnten aber nichts für mich tun.
Die Falle war zugeschnappt.
Man machte mit mir einen Betriebsrundgang in den "offenen" Bereichen von Carl Zeiss. So konnte ich mir die Produktion und Justierung der Objektive ansehen. Jedes Objektiv wurde einzeln genau justiert. Hierdurch erhielten sie ihre besondere Schärfe.
Meist waren es, soweit ich mich erinnere, Frauen.
Zur Feinjustage wurde ein sehr einfaches Mittel verwendet: Klopfen. Durch leichtes Klopfen bewegten sich die Linsen leicht und wurden dann in der korrekten Position fixiert. (Diese Justage ist kaum möglich, wenn man ein Objektiv auseinander nimmt.)
Die meisten Objektive waren auf Schärfe getrimmt.
Meine ersten Aufgaben bestanden darin, innerbetrieblich Post zu befördern, zum Teil quer durch Jena, die Werke waren verstreut.
Nach ein paar Wochen erhielt ich einen "richtigen" Auftrag. Ich sollte eine Borhvorrichtung entwerfen, eine Art Schablone, die en Bohrer an die richtige Stelle leitete. Aber selbst die Stückzahl der Bauteile war geheim. Ich entwarf also die Bohrvorrichtung.
Carl Zeiss hatte Betriebsfunk. Manchmal wurden Durchsagen gesendet. Der Chef war Herr Biermann (nicht der Sänger). Er hilet ANsprachen in der Art: Die Produktion ist das wichtigste und es gelten keine Ausreden bei der Planerfüllung, und wenn man 25 Stunden am Tag arbeiten muss. So in der Art.
Ich hatte nichts zu tun, durfte mir auch keine Arbeit suchen, und so schrieb ich einen Brief an meine zukünftige Frau. Hinter mir sagte jemand "Guten Tag." Ich drehte mich um und sagte auch "Guten Tag!" und dann ging ein Feuerwerk auf mich los. Als das Gebrüll verstummt war, wusste ich, hier bleibe ich nicht.
Jedenfalls kam ich dann früh zur Arbeit, und wenn ich nichts zu tun hatte, ging ich aus dem Betrieb und spazierte durch Jena.
Dann kam doch noch ein größerer Auftrag: Ich sollte Unterlagen zum Nachbau einer Handhebelschere erstellen.
Eine Kopie einer vorhandenen. Es war leichter, das Ding nachzubauen, als eine neue zu erhalten.
Ich zeichnete, war froh, etwas tun zu können.
Nun stand auch der Hochzeitstermin fest, und ich hatte mich in Dresden beworben, bei Elektromat in der Leiterplattenfertigung.
In der Woche nach der Hochzeit konnte ich dort anfangen.
Außerdem bekam ich dann tatsächlich eine Wohnung (ich zog ja jetzt von außerhalb nach Dresden, alles sehr merkwürdig) und wir konnten zusammenziehen, meine Frau lebte in Potsdam. Das war Anfang Oktober 1979.
Mein Erlebnis Carl Zeiss war vorbei. Als ich mich verabschiedete, sagte man mir, ich hätte nicht gehen brauchen, die "Bestätigung" sei jetzt da.
Und in der Woche, als ich aufhörte, startete der Betrieb in Gera.

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Als ich mich bei dem Headhunter beschwerte, dass er so viele Lügen erzählt hätte, sagte er, es sei seine Aufgabe gewesen, Arbeitskräfte anzuwerben, und das hätte er getan.
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Kurzer Nachtrag: Nach der Wende erfuhr ich, dass das Werk Nachtsichtgeräte herstellte.

PS: Ich hoffe, dass es nicht unangemessen ist, wenn ich hier über meine Erlebnisse berichte.
 

molly

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Lieber Bernd,

ich lese sehr gern persönliche Erlebnisse und Du schreibst ja auch so interessant, dass ich einfach weiter lesen möchte.

Schönes Wochenende und viele Grüße

molly
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Mein Vater erzählte mir

In den 1950er Jahren hat mein Vater bei Carl Zeiss gelernt und gearbeitet.
Anfang der 1950er Jahre wurde der erste Rechner installiert, es war, glaube ich, ein Relaisrechner und es wurden viele Kilometer Kabel verlegt, Mein Vater war auch dabei, ich bin aber nicht sicher, ob er mit verdrahtet hat.
Es war eine der ersten Computeranwendungen in der DDR. Also wurden bereits in den 1950er Jahren Optiken digital berechnet.
Zum Vergleich der Schärfe erklärte mein Vater mir einen einfachen Test: Sie nahmen die Tageszeitung und fotografierten eine komplette Seite.
Dann konnte man sehr gut ohne große Messung Optiken vergleichen.
Hauptkriterium war Schärfe.
Später verließ er Carl Zeiss.

Noch eine kurze Geschichte. In der Zeit vom 17. Juni 1953 schützten die Zeissianer ihre Arbeitsplätze. Das hat mein Vater mir erzählt.
Es gab teilweise eine Art Maschinenstürmerei. Sie waren Tag und Nacht dort um Zerstörungen zu verhindern. Es war damals keineswegs so friedlich, wie 1989, 1989 war wahrhaftig ein gemeinsames Geschenk der Friedenspolitik.
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Meine Mutter spielte seit ihrer Kindheit diatonische Handharmonika, eine Art Knopfakkordeon, ähnlich der steirischen Harmonika.
Sie war in einer Musikgruppe im Dorf und sie fuhren dann Anfang der 1950er Jahre zu den Weltfestspielen der Jugend.
Sie fuhren in Güterzugwaggons, glaube ich. Jedenfalls riefen die Haselbacher im Dialekt aus dem Zug: "Beerbrei -Zahmet, Beerbrei-Zahmet!" (Beerenbrei, Kartoffelbrei), draußen wurde geantwortet "Druschba-Freundschaft! Druschba-Freundschaft!"

Gelernt hatte sie es bei einem Musiklehrer. Mein Opa spielte auch Instrumente, aber es ist immer schwierig, den eigenen Kindern etwas zu lernen.
Eines Tages hatte meine Mutter nicht geübt und konnte das Vorgesehene nicht. Da sagte der Lehrer, wenn sie nicht über, brauche sie gar nicht wiederkommen. Meine Mutter war so verängstigt, dass sie gar nicht heimwollte, sondern in den Herrenteich. Aber glücklicherweise ging sie nach Hause, was man schon daran sieht, dass ich schreibe.
Sie lernte immer fleißig und mit etwa 8 Jahren wurde sie selber Musiklehrer. Mein Opa gab Musikstunden, aber es waren zu viele Bewerber, da sagte er, sie sollten mal seine Margot fragen.
Einer ihrer Schüler (sie waren alle älter als sie) wurde später professioneller Musiker in einem Orchester.

Jedenfalls spielten sie immer zum Tanz auf, es gab ja noch keine Disko und kein Fernsehen.
Dafür gab es Kino.
Mein Opa war auch Filmvorführer. Mindestens seit Beginn der 1930er Jahre bis Anfang der 1970er Jahre war er Vorführer im Dorfkino.
Er besorgte einen tonkopf und baute den Stummfilmprojektor um mir dem Zusatzbausatz.
Die frühen Projektoren arbeiteten mit Lichtbogenlampen. Der Lichtbogen entstand zwischen zwei Stiften und war sehr heiß.
Die Filme waren leicht entflammbar. Einmal geriet ein Film in Brand - aber es gelang ihnen, die Rolle noch herauszubekommen.

Für mich als Kind war es faszinierend, die Filme mit ins Kino zu bringen, den Gong zu drücken (Nur wenige Kinos haben noch einen Gong, aber der gehört eigentlich dazu) und die Filme zurückzuspulen. Die Vorführer spulten sie immer zurück, damit es im nächsten Kino keine Probleme gab. Es waren zwischen 4 und 7 Spulen Hauptfilm, dazu kam der Augenzeuge und manchmal ein Kulturfilm.

Später machte ich selbst Amateurfamilienfilme und Dokumentarfilme von meiner Klasse und vom Studium auf Super 8.


Mein Opa war auch Tischlermeister, den Beruf hatte er von seinem Großvater geerbt, bei dem er aufwuchs. Sein Vater, der Hermann, war im ersten Weltkrieg verschollen. Ich habe erst vor etwa einem Jahr ein Foto von ihm bekommen. Erstaunlicherweise sehen wir einander im entsprechenden Alter sehr ähnlich.
Mein Opa interessierte sich mehr für Elektronik und baute ein kleines Wasserkraftwerk im Hof, wo das Haselbächlein floss, er hatte als erster elektrisches Licht im Dorf.
Als ich etwa vier oder fünf war, durfte ich in seiner Werkstatt Baugruppen auseinanderlöten, der Grundstock für meinen späteren Beruf.

Mein Opa baute natürlich Sender (illegal). Er legte ein Mikrofon in die Wirtschaft und plötzlich konnte das ganze Dorf die Leute in der Gaststätte hören.
Er wurde natürlich angepeilt. Mein anderer Opa war damals bei der Post und warnte ihn, sodass er alles verschwinden ließ und es verrann im Sande.

Als ich in den 1960er Jahren mit ungefähr 10 oder 12 Jahren einen Sender baute und mit meinem Freund zusammen testete, wurden wir angepeilt. Plötzlich eine Stimme aus dem Radio: "Lasst den Blödsinn!"
Ich war sehr erschrocken und hörte damit auf. Fast.
Ich baute später den Funksender von Popow nach, mit Lichtbogen und Fritter und führte ihn im Physik-Unterricht vor.
Heute würde das sicher Ärger geben, es ist das Gegenteil von Entstörung.

Mein Opa wurde zur Armee eingezogen und war zum Kriegsende an der See stationiert, ich habe den Ort vergessen. Er sprach nur einmal und kurz vor seinem Tod darüber. Die Offiziere waren zum großen Teil schon weg und die Soldaten spielten Fasching und putzten sich auf mit Offiziersuniformen und Orden.
Plötzlich wurden sie gefangengenommen und es brauchte einige Zeit zu beweisen, dass sie keine Offiziere waren.
Mein Opa kam nach England in die Landwirtschaft, es ging ihm dort recht gut.
Weil er Musik machte, kam er herum.
Aber sie dachten immer an zu Hause und wollten fliehen.
Zufällig fanden sie ein Flugzeug, was herumstand. Die Flucht misslang, denn zum Glück war der Tank leer.
Als dann die Gefangenschaft zu Ende war, kam er zurück nach Deutschland und war im Westen. Weil er nach dem Osten wollte, kam er in ein Lager unter freiem Himmel. Dort sind noch viele gestorben.
Sie hoben gruben aus, um wenigstens etwas windgeschützt zu sein, es war schlechtes Wetter. Mein Opa war 1983 verstorben, und weit nac der Wende habe ich dann im Fernsehen diese Lager gesehen. Jedenfalls kam mein Opa frei und wieder in den Osten.
In der Zwischenzeit hatten meine Oma und meine Mutter ihn als Kinovorführer ersetzt.
Anfang der 1970er Jahre wurden ihm die Verträge gekündigt und das Kino zur Sporthalle umgerüstet. Das Fernsehen hatte gewonnen. Es starben viele Kinos in der Zeit.
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Ich fing im Oktober 1979 bei Elektromat an, wurde freundlich begrüßt und erhielt eine Aufgabe. Dann kamen ebenfalls die ärztlichen Untersuchungen.
Ich bekam einen Stromlaufplan und die Aufgabe war, eine Leiterplatte zu entwerfen. Die Gruppe wurde neu aufgebaut, insofern hatte ich Glück. Ich sollte später Software zur Leiterplattenherstellung entwerfen, da war es eine gute Idee, welche zu konstruieren. Da ich schon seit früher Kindheit Hobby-Elektroniker war, fiel mir das nicht schwer. Es kam mir später noch mehr entgegen, weil unsere Tochter oft krank war. In der Zeit durfte ich Heimarbeit machen.
Einmal kam eine neue Schaltung, da sah man gleich, es würde schwer.
Ich sagte, sie sollten mir drei Tage Zeit geben, dann würde ich sagen, ob es geht.
(Durchschnittlich dauerte der manuelle Entwurf vier Wochen. Ich war jung und oft schneller.)
Und ich fand eine Systematik, so dass es ging. Das war dort mein erster großer Erfolg. Wir hatten eine Lichtzeichenanlage und ein Fotolabor, dort arbeitete Herr Kaldun, und er brachte uns immer die fertigen Probeabzüge. Schwarzweiß, hoher Kontrast und Genauigkeit waren gefragt. Die Bilder wurden auf Leiterplatten übertragen, dann entwickelt, dann wurde geätzt und dann durchkontaktiert.

Wir bekamen einen Rechner, einen russischen. Alle Beschreibung russisch. In der Schule war Russisch eins meiner schwachen Fächer, ich hatte nur eine zwei.
Im Studium kehrte es sich um. Ich bekam, ohne die Sprache besser zu beherrschen, eine eins. Dann machte ich Sprachkundigenausbildung, dort herrschten echtere Maßstäbe, aber ich bestand mit Drei.

Das reichte aus, um mich mit Russisch zu beschäftigen. Ich besorgte mir ein Solaris von Lem in Russisch und das Buch "Черные дыры" "Schwarze Löcher" von Steven Hawking. (Den kannte ich noch nicht.) Hinterher verstand ich einigermaßen Russisch.
Jedenfalls konnte ich die Bedienungsanleitung verstehen und wir bauten den Rechner zusammen, ein russische PDP11-Version.
Um den Rechner zu starten, musste man über eine Art Mäuseklavier Oktal-Code eingeben.
Ich schrieb dann Programme, hauptsächlich zur Ansteuerung der Lichtzeichenanlage und für Bohrlochstreifen, die die Koordinaten und Löcher für die Leiterplatten festlegten.
Ich konnte die sogar damals lesen.
Wir hatten einen Spezialisten, der direkt Softwareentwicklung studiert hatte. Es gab ein Problem. Er war darauf spezialisiert, sehr schöne Oberflächen zu programmieren, aber kannte sich nicht mit Leiterplatten aus, also auch nicht darin, wie man deren Symmetrien zur Vereinfachung des Codes verwenden kann. Er sollte eine Wegeoptimierung für die Bohrungen programmieren und sagte sofort, das ginge nicht, er bräuchte einen Großrechner dazu. Er programmierte es doch und nachdem das Programm einen Tag lief, brach es ab. Dann erhielt ich die Aufgabe, und schaffte es innerhalb von zwei Tagen alles fertig zu programmieren. Das Programm lief mit dem verfügbaren Rechner ca. 30 Minuten, heute würde es nicht mal eine Sekunde laufen.
Ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung machte aber die Firma zu.
Die Zeit, als ich bei Elektromat Software entwickelte, war mit der Zeit, als ich bei net-linx Nutzerdokumentation schrieb (die ist nach zwei Jahren Unterbrechung wieder da) die schönste Zeit in meinem Berufsleben.
 

Bernd

Foren-Redakteur
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Gestern war ich wieder bei meiner Mutter zu Besuch. Christiane hat zu Hase aufgeräumt, weil heute mein Schwiegervater mit seiner Freundin zu Besuch kommt.
Früh war noch starker Wind. In Dresden waren am Tag zuvor die Flüchtlingszelte geräumt worden, denn es gab eine Sturmwarnung, bei der die zulässige WIndstärke 8 überschritten wurde. Im Fernsehen dominierte das Geschehen in Frankreich.
Jedenfalls kam ich gut bei meiner Mutter an. Buß- und Bettag, in Sachsen Feiertag.
Ich bereitete das Mittagessen, Klöße, Rotkraut und Hühnerkeulen. Es hat sehr gut geschmeckt und meine Mutter hat eine ziemliche Portion mit zwei Klößen verdrückt.
Nach dem Mittagsschlaf tranken wir Kaffee. Das Wetter hatte sich stark verbessert, so konnten wir doch noch einen Spaziergang machen. Der Pflegedienst lobte meine Mutter sehr, sie kann ja kaum laufen.

Es fällt ihr alles sichtlich schwerer, und sie fragt fünfmal am Tag nach dem Wochentag und dem Datum.

Sie hat ein paar bevorzugte Fernsehsendungen, die sie nicht verpassen möchte, darunter "Rosenheimcop".
Sie löst regelmäßig Kreuzworträtsel.

Seit Kurzem ist sie leicht depressiv. Ich versuche sie aufzumuntern. Heute ist wieder meine Schwester dort, morgen wieder ich, am Sonnabend meine Schwester, Sonntag ich usw.
Sie wollte eigentlich gestern mit mir auf den Friedhof zum Grab von meinem Vatern, wir haben das aber auf Sonntag verschoben, denn es war zu windig.
 

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