Balladen und Moritaten - Kritiken und Wertungen

5,00 Stern(e) 1 Stimme

James Blond

Mitglied
Dies ist der Bewertungsfaden für den Balladen und Moritatenwettbewerb

Alle Wettbewerbsteilnehmer sind dazu aufgefordert, hier ihre Wertungen der Gedichte der anderen abzugeben, wobei für jedes Gedicht ein gesonderter Beitrag erstellt werden sollte.

  • Zunächst sollte der Titel des Werkes genannt und mit einem link versehen werden.
  • Es folgt ein kurzer Text, welcher die besonderen Qualitäten und Schwächen des Gedichtes herausstellt
  • Für diese drei Aspekte folgen dann Punktbewertungen:
    • Formtreue: Einhaltung der typischen Richtlinien und Merkmale
    • Originalität & Kreativität: Thema und inhaltliche Umsetzung
    • Sprachliche Gestaltung: sprachlich überzeugende Umsetzung des Inhalts
  • jeweils mit einer Punktevergabe von 0 - 3 Punkten:
    • 0 - nicht erkennbar
    • 1 - ansatzweise
    • 2 - überzeugend
    • 3 - hervorragend
Beispiel: Formtreue: 1 / Originalität & Kreativität: 3 / Sprachliche Gestaltung: 2

Bleibt bitte fair im Umgang mit euren Mitstreitern. :)
 

Didi Costaire

Mitglied
Hallo zusammen,

ich habe mal versucht, alle Texte, die vor meiner ersten Ballade eingereicht wurden, zu bewerten. Da ich mich mit der Thematik „Ballade/ Moritat“ bislang gar nicht großartig auseinandergesetzt habe, habe ich für den Aspekt „Formtreue“ immer 2 Punkte vergeben und würde es abgesehen von besonderen Auffälligkeiten auch weiter so handhaben.

Oscarchen - Wasserfreuden (Moritat)
Solide Schilderung des Wahnsinns. Sehr sauber gereimt mit durchgängigen Trochäen und weiblichen Kadenzen. Das geht gut los.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

Artbeck Feierabend - Die Ballade vom Zehner
Gefällt mir weniger. Der relativ freie Rhythmus passt zwar ganz gut zur Thematik, mit den bezugslosen Schlusszeilen der Terzette kann ich weniger anfangen. Die Geschichte an sich und ihr Ende finde ich nicht besonders erzählenswert.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,0
Sprachliche Gestaltung: 1,5

James Blond - Ärztlicher Notdienst (Ballade)
Originelle Geschichte, kurz und knackig erzählt. Formal nicht ganz so durchgestylt, aber gut lesbar.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0

Tula - die Moritat von Schneewitzchen
Eine sehr witzige Geschichte mit überraschender Wendung sowohl vom Inhalt her als auch von der Zeit, in der sie spielt. Die Sprache mit den vielen ausklingenden e‘s wie in „Lande“ passt zum märchenhaften Thema. Nur die Präsens-Verbform „spricht“ als Reim auf „Gesicht“ kommt mir merkwürdig vor.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

Joe Fliederstein - Die Mortitat vom durstigen Dieter
Drei Dinge kann Dieter: Lange Zeit knien, trinken und reimen selbst dann, wenn die Muttersprache allmählich verloren geht. Problematisch ist, dass die sieben Flaschen Wein eigentlich eine abendfüllende Aufführung auf der Bühne ergeben müssten. Besonders gut gefällt mir der liedhafte Aufbau mit Refrain.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

anbas - Ich und Michi (Moritat)
Sehr locker und natürlich erzählt. Am Ende konnte ich herzhaft lachen, obwohl die Pointe gar nicht ganz neu ist. Der „Rebell“ gefällt mir als Begriff hier besonders und auch die klangliche Verwandschaft der beiden beteiligten Personen. Sprachlich insgesamt trotz des einen oder anderen Füllwortes sehr passend als Ich-Erzählung bei sehr sauberem, gleichmäßigem Reimschema, innerhalb dessen zwei Verse einer Strophe jeweils eine inhaltliche Einheit darstellen.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,8

Die Auswahl der ersten Texte fand ich sehr lesenswert und anregend, insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass die Einreichung von bis zu sechs Gedichten pro Autor zu verdammt viel Bewertungsarbeit führen könnten. Dennoch bin ich gespannt, was noch an Balladen, Moritaten und Kritiken folgt.

Schöne Grüße
Didi Costaire
 

Didi Costaire

Mitglied
Zwei ergänzende Anmerkungen noch zu meinem Beitrag:

Bei Artbeck Feierabends Beitrag fehlt mir insbesondere der Humor. Alle anderen Gedichte sind ziemlich witzig.

Eine Schwäche sehe ich auch bei Tulas Moritat, und das ist die Überschrift. Das Wortspiel „Schneewitzchen“ passt nicht so recht zum Inhalt .
 
Didi Costaire hat es deutlich gesagt: "dass die Einreichung von bis zu sechs Gedichten pro Autor zu verdammt viel Bewertungsarbeit führen könnte." – Nach dreistündiger Beschäftigung mit den bisher vorliegenden Texten kann ich doch nur in Stichworten zusammenfassen, was ich zu den Arbeiten sagen möchte. Insgesamt – und das fiel sofort auf – ist das Niveau sehr hoch, und was noch viel erfreulicher ist: Das wird ein Wettbewerb der Originalität(en).

Hier meine Bewertungen der vorliegenden Texte:

Oscarchen - Wasserfreuden (Moritat)
Dramaturgisch sicher gesteuerter Aufbau des realitätsfreien Irrsinns. Die Schilderung geht über das Moritatenhafte hinaus, die Geschichte endet als aberwitzige Groteske. In ihrer Schlichtheit eine erzählerische Meisterleistung. Müsste man vor Publikum ausprobieren. Wie lange sind die Leute in der Lage, herzhaft darüber zu lachen?
Formtreue: 3,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

Artbeck Feierabend - Die Ballade vom Zehner
Eine Ballade ist das nicht. Ein Formschema ist für mich nicht zu erkennen. Es wird eine ziemlich unglaubhafte Geschichte erzählt, die so endet, wie man es sich nach fünf Glas Pils womöglich vorstellt. Eine Geschichte, die als Vorlage für eine Moritat vielleicht brauchbarer gewesen wäre – die Moritat hätte das Unglaubhafte ins Groteske umbiegen können.
Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 1,0
Sprachliche Gestaltung: 1,5

James Blond - Ärztlicher Notdienst (Ballade)
Eine Mischform aus Moritat und Ballade mit einer Schlusspointe wie aus der Hölle geschickt. Flott erzählt, mehr muss gar nicht sein, um so einen Schluss loszutreten.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0

Tula - die Moritat von Schneewitzchen
Die erste Ballade (eine Moritat ist es nach meinem Gefühl eher nicht) mit abschließender Moral von der Geschicht. Etwas «schlingernd» erzählt und dadurch etwas zu lang wirkend. Gespickt mit ein paar tollen Pointen: Zwergenfirmen peppt …, Apple-Mouse zurück. Die Strophe mit dem Namen Schneewitzchen zieht die Geschichte runter, sie ist an der insgesamt witzigen Geschichte das eher Witzloseste und Überflüssige.
Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0

anbas - Ich und Michi (Moritat)
Auch das eher eine Ballade (Moritat … Mordtat), von geradezu naivem Charme. Ganz schlicht in der Form gehalten, für eine Moritat viel zu unspektakulär (das aber ist gerade das Großartige), Mit Bildern von Janosch dazugepackt: eine Ballade für Kinder! Sogar für kleinere Kinder! Die den Rebell mögen werden.
Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0

Didi Costaire – die Ballade von Balduins Ballladen
Bei aller Hochachtung für die sprachlichen Kapriolen, die hier ins Balladen-Spiel gebracht werden, eine Ballade ist das überhaupt nicht, eine Moritat auch nicht. Es fehlt das Entscheidende: eine Handlung. Es ist eine Sammlung ulkiger Episoden, sehr flott und spielerisch erzählt, aber: virtuos am Thema vorbei.
Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

Tula – Die wundersame Reise des kleinen Plastebechers (Ballade)
Das ist eine ganz wunderbar erfundene Ballade, an der Dichter Tula, sag ich einfach mal so, noch feilen muss, damit aus ihr ein Balladen-Hit wird. Das Zeug dazu steckt in dieser Geschichte. Aber: Hier ein bisschen zu lang, da ein bisschen ungenau. Aber: stringent erzählt mit einem überraschenden und nur aus der Plastikbecher-Perspektive zu begreifenden Ende, und das ist märchenhaft schön.
Formtreue:3,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0


anbas – Doktor Bruchstein (Moritat)
Das ist eine Moritat nach unverwüstlichem Moritatenrezept. Eine Gruselgeschichte vom Feinsten. Detaillverliebt, mit mordsmäßigem Schluss. So soll es sein.
Formtreue:3,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0
 

James Blond

Mitglied
Oscarchen - Wasserfreuden (Moritat)

Die Moritat als mörderische Lebensbeichte trifft zwar nicht ganz das typische Moritatengenre, aber gar schauerlich bis grotesk ist die Karierre des ehrgeizigen Serienmörders schon. Als Formfanatiker vermisse ich etwas die Dramatik, die als Rückblick oft zu kurz kommt, doch der sprich-wörtliche Aufbruch zu neuen Ufern ist eine gelungene Pointe und zeigt eine gekonnte Dramaturgie. An der sprachlichen Form habe ich nichts auszusetzen.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

James Blond

Mitglied
Artbeck Feierabend: Die Ballade vom Zehner

Hier fällt mir die Bewertung schwer. So unglaublich die Geschichte auch klingen mag, ich meine mich aus der Presse zu erinnern, dass etwas Derartiges tatsächlich schon passiert ist. Und das ist seiner unglaublichen Entsetzlichkeit natürlich ein großartiger Balladenstoff. Dramatik pur. Auch die Dramaturgie gefällt mir sehr gut. Knapp gehalten zwar, aber auch die Stimmung passend einfangend. Immerhin so gut, dass ich den harten Aufschlag auch beim Lesen verspürte.
Auf der anderen Seite wird die sich steigernde Dramatik durch das unregelmäßige Metrum erheblich gestört, die Geschichte fließt nicht, sie stockt und holpert leider. Ich denke, die Ballade könnte durch eine entsprechende Überarbeitung erheblich verbessert werden.

Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 

James Blond

Mitglied
Tula: die Moritat von Schneewitzchen

Der Text nimmt deutlich Bezug auf den gesungenen Vortrag, er orientiert sich an der Moritat, doch ohne dabei in Schauergeschichten abzugleiten. So bleibt ein origineller, witzig-ironischer Märchenbezug, der bis zur (Pseudo-)Moral dramaturgisch durchgehalten wird. Die Geschichte ist gekonnt aufgebaut und wird trotz der Länge - Metrum sei dank - flott erzählt.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

James Blond

Mitglied
Joe Fliederstein: Die Moritat vom durstigen Dieter

Dieters Monolog mit den Flaschen und seinem Schöpfer zeigt eine wunderbare Bühnenpräsens. Man genießt das versoffene Lyrich in seinem schönsten Metier: der schonungs- bis hoffnungslosen Selbstdarstellung, in die auch noch gereimte Regieanweisungen eingeflossen sind. Das ganze kommt so frisch und locker, so spontan wie überzeugend rüber, dass es eine Lust ist, zu lesen.
Als Moritat würde ich den Text allerdings kaum erkennen, eher im Stil einer Villon-Ballade.

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

James Blond

Mitglied
anbas: Ich und Michi (Moritat)

Bei soviel Mikrodramatik aus dem Kinderkosmos ist das schon eher eine Parodie auf eine Moritat. Das Motiv der Ringelnatzschen Ameisenreise wird hier in 8x4 Verse gestrickt, äh gestreckt, was für sich genommen schon eine Leistung ist. Und es bleibt der kindlich süße Nachgeschmack eines aufregenden Abenteuers ... in der Tat eine sauber gearbeitete Kinderballade.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 

James Blond

Mitglied
Didi Costaire: die Ballade von Balduins Ballladen

Lustige Ballbetrachtungen mit viel kreativem Wortunsinn! Die acht Strophen bringen immer wieder neue Elemente in Balduins Wortballspiel, doch eine aufbauende Handlung liefern sie nicht. Ein Ballladen macht eben noch keine Ballade. Ist zwar geistreich und sprachgewandt, aber passt hier leider nicht.

Formtreue: 0,5
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,2
 

James Blond

Mitglied
Tula: Die wundersame Reise des kleinen Plastebechers (Ballade)

Eine originelle Idee und zugleich voller Ironie, den schwimmenden Müll der Meere im Sinne einer Glückstraumerfüllung zu beschreiben. Allerdings sind die neun Stationen der Becherreise auch ganz schön ermüdend und nicht wirklich überraschend, es wirkt etwas distanziert.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 

James Blond

Mitglied
anbas – Doktor Bruchstein (Moritat)

Eine Moritat wie aus dem Lehrbuch. Eher diskret und zurückhaltend im Ton, lässt sie nur das Allerschlimmste vermuten. Einfach in der Sprache, aber schwungvoll erzählt verliert sie weder Witz noch Charme. Wunderbarer Abgang mit Pointe. Allerdings fehlt am Ende die Moralkeule.

Formtreue:2,7
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,8
 

Oscarchen

Mitglied
Guten Morgen miteinander,

hier nun meine Bewertungen zu den bisher eingereichten Beiträgen.



Artbeck Feierabend: Die Ballade vom Zehner (Ballade)

Ungewöhnliche Darstellung einer Ballade. Liest sich unrund. Von der Idee her originell, Begeisterung will aber nicht aufkommen. Es fehlt der mitreißende Rhythmus.

Formtreue: 1,0

Originalität: 1,5

Sprachliche Gestaltung: 1,5



James Blond: Ärztlicher Notdienst (Ballade)

Schwungvoll präsentiert, zügig zu lesen, spaßiges Ende.

Zuordnung zu Ballade oder Moritat nicht eindeutig.

Formtreue: 2,0

Originalität: 2,5

Sprachliche Gestaltung: 2,0



Tula: Die Moritat vom Schneewitzchen (Moritat)

Sauberes Metrum, trotz der Länge schwungvoll und heiter, alltagstauglich.

Pointenreiche Unterhaltung. Zuordnung nicht eindeutig.

Formtreue: 2,0

Originalität: 2,5

Sprachliche Gestaltung: 2,5



Joe: Die Moritat vom durstigen Dieter (Moritat)

Sauber getaktet. Sprachlich gehoben. Man möchte mitsaufen. Es taugt zur musikalischen Verwendung. Balladen sowie Moritatentauglich.

Formtreue: 2,0

Originalität: 2,7

Sprachliche Gestaltung: 2,7



anbas: Ich und Michi (Moritat)

Einwandfreies Reimschema, außergewöhnlicher Reisebericht mit pfiffigem Ende. Sprachlich ohne Beanstandungen, absolut unblutig und somit jugendfrei.

Formtreue: 2,0

Originalität: 2,2

Sprachliche Gestaltung: 2,2



Didi Costaire: Die Ballade des Balduins (Ballade)

Einem Fußballfan gefällt es. Nette Pointen. Sprachlich anspruchsvoll. Eindeutig weder einer Ballade noch einer Moritat zuzuordnen.

Formtreue: 0,5

Originalität: 2,6

Sprachliche Gestaltung: 2,6



Tula: Umwelt (Ballade)

Absolut aktuell. Eine echte Ballade darf dann auch mal länger sein. Sprachlich gekonnt.

Formtreue: 2,8

Originalität: 3,0

Sprachliche Gestaltung: 2,5



anbas: Dr. Bruchstein (Moritat)

Ein begeisterndes Werk. Selten so unterhaltsam gegruselt. Eine Moritat, zweifelsfrei.

Formtreue: 3,0

Originalität: 2,8

Sprachliche Gestaltung: 2,8
 

Didi Costaire

Mitglied
Hallo zusammen,

nachfolgend meine nächsten Wertungen:


Tula: Die wundersame Reise des kleinen Plastebechers (Ballade)
Eine origineller Perspektivwechsel, das Gedicht liest sich aber relativ zäh. Da hat man ja das Gefühl, der Plastebecher hätte ein doch recht langes Leben. Die aus dem Rhythmus fallenden Schlussverse sind gewöhnungsbedürftig.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 1,5

anbas: Doktor Bruchstein (Moritat)
Die Idee passt gut. Formal ähnelt der Text dem ersten Beitrag (8 x 4 Strophen, Trochäen, wechselnde Kadenzen), allerdings in einer schlichteren Version, in der sich nur der jeweils zweite und vierte Vers reimen. Dabei geht zudem ein Reim daneben (Spinne-rei/ Metzge-rei) und das Gedicht enthält auch zu viele auchs.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 1,3

James Blond: Wiener Toiletten Moritat
Schöner schwarzer Humor mit einem kühnen Reim gleich zu Beginn. Sprachlich gut mit zwei kleinen Anmerkungen: In die Überschrift müsste meiner Meinung nach ein Bindestrich und der zweite Vers in der zweiten Strophe mit dem betonten „man“ vor dem unbetonten „nichts“ erscheint mir nicht optimal. Ansonsten hervorragend.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,8
Sprachliche Gestaltung: 2,2

Joe Fliederstein: Moritat von der Unersättlichkeit
Spannend und kannibalistisch! Was für ein Friseur brutzelt denn da, denkt man noch, als die Koteletten ins Spiel kommen, dann merkt man, die Wende ist nur ein Schlenker und am Ende wird die Auftaktstrophe noch einmal aufgegriffen und bestätigt. Gut beschrieben, die Sechsheber gehen genüsslich ins Detail.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5


Schöne Grüße
Didi Costaire
 
Hi in die Runde – hier meine nächsten Wertungen:

Wiener Toiletten-Moritat
Da steht er Pate: der schwarze Wiener Humor, Kreisler, Hader und andere. Beim ersten Lesen bin ich in der Dramaturgie der Geschichte etwas herumstolpert: Die Klofrau wartet zu Beginn, aber der Leichnam treibt schon, dann greift sie zur Klinge – der schwarze Humor lässt Verschiebungen dieser Art zu.
Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0


Am Himmelssee (Ballade)
Balladesker gehts nicht, die Geschichte fließt und fließt dahin, und mit Strophe 10 könnte Schluss sein. Danach wirds matter in der Schilderung: Die Vergangenheit der Marie wird aufgearbeitet, für die ich als Leser mich jetzt nicht mehr wirkich interessiere. Und wenn es denn sein muss: Eine Strophe wäre für mich ausreichend.
Formtreue: 3,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0


Crhyme time (Moritat)
Da hat es den Sprachspieler offenbar gewurmt: Jetzt ist eine Handlung da – und was für eine! Dass der Kommissar zwar «ermittelte» und ermitternd nicht weitergekommen wäre, ist sprachlich kein Unglück. Auf der Bühne vorgetragen, kann man das auffangen: Bis zum Kommissar gings immer auf «itterte», vor der Kommissar-Stelle macht der Vortragende eine Kunstpause, überlässt dem Publikum (das itternd schon eingeschworen ist) die Textarbeit, das Publikum kraxelt und findet nichts, der Vortragende erlöst es mit «ermittelte». Die Schlusspointe kommt ein bisschen auf schwachen Füßen.
Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5

Grüße JF
 

James Blond

Mitglied
... and here come the results from JB's jury:

Joe Fliederstein - Moritat von der Unersättlichkeit

Hier geht's nun richtig fett zur Sache. Dramatik pur mit Herbert - leider erfahren wir nicht genau, wie die fatale Femme den schuhbewaffneten Herby in mundgerechte Teile zerlegt bekam, eigentlich eine schaurige Moritatenpflicht. Der initiale Teil mit Dackel unterm Bett liest sich als erotischer Parcour, was ja nicht verkehrt ist. Allerdings fehlt eine dramatische Wende. Die Sache endet wie beabsichtigt, Widerstände werden detailfreudig ausschmückend geschildert. Die Mordtat als Kern der Moritat wird nur angedeutet. Auch das Thema überrascht mich jetzt nicht mehr wirklich, obwohl hier die typischen Täter-Opfer-Rollen vertauscht sind. Geschicktes Ende mit Moral als Pointe.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,8
Sprachliche Gestaltung: 2,7

Didi Costaire - Crhyme time (Moritat)

Dem Wortspieler Didi ist hier ein großartiger Coup gelungen, schließlich folgen hier alle 3 Strophen mit jeweils 8 Versen fast perfekt dem selben Reimschema, ohne dass es aufgedrängt oder bemüht wirkt, sondern überraschend geistreich und bis in die Schlusspointe echt witzig. Schade nur, dass dergleichen bei einer Moritat einen Nebenplatz einnimmt. Die Dramatik bleibt trotz der sprachlichen Steigerung recht überschaubar. Ein Gewitter, ein Spaziergänger, ein Schuss, eine Leiche, ein Kommissar, der hier auch mal des Reimes wegen "ermüttern" dürfte. Ich würde hier aufgrund der besonderen sprachlichen Ausgestaltung eher eine Ballade und weniger eine Moritat erkennen.

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 1,8
Sprachliche Gestaltung: 3,0

Oscarchen - Richtige Auswahl (Moritat)

"Da di dada di dada dida
Da di dada di dada dum"

Hurra, jetzt geht's nach all den Trochäen auch mal Richtung Arie, wie schön, auch wenn sich nun kleinere Fehler eingeschlichen haben (, einmal abgesehen vom fehlenden "n" in Vers 3): Vers 8 will sich nicht so recht dem Anapäst fügen, auch in Vers 23 muss ich den unbetonten Anfang etwas erzwingen. Insgesamt scheint mir das Vokabular nicht so ganz ausgereift. Die Dramatik aber folgt dem Moritatenlehrbuch: Exposition - Konfrontation - Wende - Abwicklung - Ausklang - Epilog, alles vom Feinsten. Allerdings wird auch hier der konkrete Akt des Tötens diskret umschifft. Mit der Schlussmoral tue ich mich etwas schwer - kann es sein, dass hier "Fasten" anstelle von "Feisten" (also Frechen) gemeint ist, dann gäben die "Drahtigen" auch mehr Sinn. Nehme aber gerne auch Erklärungen entgegen, denn mir scheint auch diese Schlussmoral etwas dünn.

Formtreue: 2,8
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 1,8

Tipp:
Ich weiß nicht, ob es euch auch schon aufgefallen ist, aber der Trend geht - von Artbecks Ballade einmal abgesehen - eindeutig zu den humorvoll-ironischen Varianten. Natürlich sind die leichter verdaulich, aber eine entsprechende Vorgabe gibt es hier nicht. Wer bei mir Originalitätspunkte einsammeln möchte, kann es auch ruhig einmal mit einem ernsten Gedicht versuchen.

Bis demnächst in diesem Theater
JB
 
Oscarchen - Richtige Auswahl (Moritat)

Ich tu mich schwer in der Beurteilung dieser Moritat. Vorneweg: Ich bin Oscarchen-Fan, der Angehimmelte kann eigentlich kein Thema in den Sand setzen. Aber gerade das scheint mir hier passiert zu sein. Zum einen: In Oscarchens Einstiegs-Moritat wurden die Frauen dieser Welt, auch die Frau an seiner Dichter-Seite bereits hingeschlachtet, das Thema war zu Ende gespielt. In der aktuellen Küchen-Moritat kommt die kannibalistische Komponente neu hinzu – aber auch die hatten wir schon. Ich wills mal ins Positive drehen: Die Küchen-Moritat reicht an die Einstiegs-Moritat nicht heran, auch nicht immer sprachlich, aber ich habe sie schließlich als ergänzende Episode zur Einstiegs-Moritat gelesen, und so gefiel sie mir.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 1,8
Sprachliche Gestaltung: 1,8
 

Oscarchen

Mitglied
Weiter gehts...

James Blond: Wiener Toiletten Moritat (Moritat)
Die Untiefen der menschlichen Seele fesselnd beschrieben. Sprachlich geschmeidig.
Die Kälte der Klofrau rundet die Geschichte harmonisch ab.
Formtreue: 2,5
Originalität: 2,4
Spr. Gestaltung: 2,2

Joe: Moritat von der Unersättlichkeit (Moritat)
Ein mächtiges Werk.Sprachlich wie man es gewohnt ist. Anpackend, schnörkellos, robust und originell.
beeindruckendes Finale.
Formtreue: 2,0
Originalität: 2,5
Spr. Gestaltung: 2,8

James Blond: Am Himmelssee (Ballade)
Ein nicht enden wollender Beitrag. Schon früh signalisieren erzwungene Endungen "schaun-Fraun" Ungeduld.
Der Blick ins Körperinnere gehört natürlich dazu. Flott zu lesen.
Formtreue: 2,7
Originalität: 2,2
Spr. Gestaltung: 2,0

Didi Costaire: Crhym time (Moritat)
Klasse gemacht! Sprachlich anspruchsvoll. Elegant erzählt. Das Ende hinkt leider dem Gesamtwerk hinterher.
Formtreue: 2,6
Originalität: 2,7
Spr. Gestaltung: 2,6
 

anbas

Mitglied
So, dann will ich mal in den Bewertungsreigen einsteigen. Ich hoffe, meine Bewertungen sind nicht allzu abhängig von meiner Tagesform – denn die ist seit Wochen eher mies :cool:.



Wasserfreuden (Moritat, Oscarchen)

Mir gefällt es, wenn eine Geschichte aus der Sicht des Täters erzählt wird. Auch die groteske Steigerung ist gelungen. Allerdings fehlt mir so etwas wie ein dramaturgisches Überraschungsmoment.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5


Die Ballade vom Zehner (Ballade, Artbeck Feierabend)

Inhaltlich ahnte ich sehr bald, was kommen wird. Irgendwie kam mir die Geschichte bekannt vor. Von der Machart her finde ich Vers- und Reimmaß schwierig. Es kommt kein richtiger Fluss in die Geschichte.

Formtreue: 1,8
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 1,8



Ärztlicher Notdienst (Ballade, James Blond)

Ich kenne diese Balladevon James schon etwas länger – und liebe sie. Mehr brauche ich dazu eigentlich nicht zu sagen.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,8



die Moritat von Schneewitzchen (Moritat, Tula)

Je häufiger ich diesen Text lese, umso mehr Spaß macht er mir. Länger dürfte er aber tatsächlich nicht sein – außer, es käme noch zu weiteren Irrungen und Wendungen in der Erzählung.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5



Die Moritat vom durstigen Dieter (Moritat, Joe Fliederstein)

Für mich eher eine Ballade als eine Moritat. Zum Lesen ist sie mir etwas zu langatmig – ich kann mir aber gut vorstellen, dass der Text, wenn er denn vorgetragen wird, richtig gut rüberkommt.

Formtreue: 2,0
Originalität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0



die Ballade von Balduins Ballladen (Ballade, Didi Costaire)

Die Idee mit den vielen "Ball-Varianten" gefällt mir. Allerdings sehe ich hier eher keine Ballade. Sprachlich gefällt mir der Text - allerdings mit Abzügen: So gefallen mir gleiche Reimwörter (Vorraum/Torraum) nicht so gut. Und an ein paar Stellen tue ich mich mit der Betonung einzelner Worte etwas schwer (z.B. "bis zum Autogrammball" – das betonte "zum" klingt nicht gut, knallt mir beim Lesen unschön um die Ohren).

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,2



Die wundersame Reise des kleinen Plastebechers (Ballade, Tula)

Origineller Idee. Doch die Reise ist mir dann doch etwas zu langatmig geworden. Mit der metrischen Gestaltung am Ende jedes Verses tue ich mich schwer. Vielleicht wäre es für mich einfacher, wenn dieser metrische Bruch abgesetzt und in eine Art Refrain umgewandelt wird.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0



Wiener Toiletten Moritat (Moritat, James Blond)

Hier brauchte ich mehrere Anläufe, um mich auf die Moritat einlassen zu können. Das Wort "Klofrau" wirkte auf mich eher als Spaßbremse, da es bei mir eine Erwartung/Assoziation in Richtung "krampfhaft lustig" auslöste – also Humor mit Vorschlaghammer. Doch der schwarze Humor, der dann folgte, gefiel und gefällt mir.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,0



Moritat von der Unersättlichkeit (Moritat, Joe Fliederstein)

Ein, wie ich finde, imposantes Spiel der Worte. Allerdings hätten mich mehrere kleinere "Männerschlachtereien" mehr interessiert, als der Bericht über die eine Gewaltorgie. Da versprechen die ersten zwei Verse mehr, als die Moritat am Ende hält.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0



Am Himmelssee (Ballade, James Blond)

Ja, so stelle ich mir eine Ballade vor. Auch die Geschichte an sich gefällt mir – nur die Auflösung zum Schluss ist mir etwas zu langatmig.

Formtreue: 2,8
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,2



Crhyme time (Moritat, Didi Costaire)

Von der sprachlichen Gestaltung her ist diese Moritat, die wohl eher eine Ballade ist, ein Genuss. Die Geschichte an sich ist mir aber zu dünn geraten. Während einige der bisher vorgestellten Ballade/Moritaten hin und wieder Längen aufwiesen, würde dieser Ballade noch etwas mehr Futter gut tun.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 3,0



Richtige Auswahl (Moritat, Oscarchen)

Die Geschichte an sich überzeugt mich nur bedingt. Auch, wenn ich an anderer Stelle schrieb, dass ich es mag, wenn das LyrIch aus seiner Perspektive erzählt, so glaube ich, dass diese Moritat besser rüberkommen würde, wenn sie in der 3. Person verfasst wäre. Bei dieser Variante habe ich sofort einen Sänger vor meinem inneren Auge, der mit einem Zeigestock auf gemalte Bilder zeigt, während er die Moritat vorträgt.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 1,8
Sprachliche Gestaltung: 2,2
 

Oscarchen

Mitglied
Joe Fliederstein: Ballade vom Franz (Ballade)

Ein wunderschönes Gedicht. Der Künstler nutzt den Freiraum sprachlicher Gestaltung und des Rhythmus. Es fehlt jedoch der Spannungsbogen. Die erotische Stimmung wird weitgehendst entpersonalisiert. Es wirkt in einigen Passagen wie ein Stilleben.
Die Kriterien einer Ballade im Bereich Epik und Dramatik sehe ich nicht erfüllt.

Formtreue: 1,8
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 3,0
 

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