Balladen und Moritaten - Kritiken und Wertungen

5,00 Stern(e) 1 Stimme
Die Moritat vom durstigen Dieter (Moritat, Joe Fliederstein

Hier wurde erfolgreich auf Dramatik gesetzt - die Stärke dieses Textes. Auch wenn es zu dem wirren Gemütszustand eines Alkoholikers
passen mag, so stören die ... Punkte ... doch ... etwas den Lesefluss. Hier würde ich persönlich eine andere Form oder ein anderes Layout wählen.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2
 
Die Moritat vom durstigen Dieter (Moritat, Joe Fliederstein

Hier wurde erfolgreich auf Dramatik gesetzt - die Stärke dieses Textes. Auch wenn es zu dem wirren Gemütszustand eines Alkoholikers
passen mag, so stören die ... Punkte ... doch ... etwas den Lesefluss. Hier würde ich persönlich eine andere Form wählen.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2
 
Ich und Michi ( Moritat, Anbas)

Ein wirklich toller Text - mit viel Charme, und was besonders beeindruckt: Es kommt im gesamten Text herüber, wie Kinder ticken. Allein im Titel wird dies schon deutlich (der "Esel kommt zuerst": ICH und Michi). Dass man nach drei, vier Strophen weiß, wohin die Reise geht - geschenkt!

Ob es sich um eine Moritat handelt, ist fraglich. Es könnte doch ebenso eine Ballade sein. Es ist jedenfalls nichts grotesk und es gibt auch keine Mordtat = Moritat. Es ist m. E. keine reine Kinderballade, sondern spricht bestimmt alle Generationen an - was ein großes Plus ist.

Formtreue: 2,9
Originalität und Kreativität: 3
Sprachliche Gestaltung: 3
 

Tula

Mitglied
Hallo in die Runde

das Gewehr geladen, nun endlich ein paar Schüsse von mir; ich hoffe nicht ins Leere und schon gar nicht ungerechtfertigt.


Oscarchen - Wasserfreuden (Moritat)

Heiter, schaurig und sehr unterhaltsam, ein mordlustiges Bekenntnis im unverkennbaren Oscarchen-Stil. Soweit ein vortreffliches Gedicht.
Zur Form: das Werk hat nur einen einzigen Hauptdarsteller im Monolog, was den Aufbau eines Spannungsbogens etwas erschwert hat.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Artbeck Feierabend - Die Ballade vom Zehner

Die Handlung als solche ist glaubwürdig; ähnliches geschah bereits im ‚richtigen Leben‘. Formell hat das Werk die Kennzeichen einer Ballade: Lyrik, Epik, Dramatik – alles vorhanden. Etwas befremdend ist die Form der Umsetzung; aber auch dahingehend sollten wir uns daran erinnern, dass es für Balladen keine vorgeschriebenen Formen gibt; so ist auch diese „erlaubt“.
Meine Kritik geht daher eher in das Sprachliche: die Ballade „reißt mich als Leser nicht mit“, es wirkt nicht spannend, der Höhepunkt liegt im eigentlichen Fall in der letzten Strophe. Liest sich zu sehr nach Zeitungsbericht als nach einem literarischen Werk.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 1,5

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James Blond – Ärztlicher Notdienst

Auch hier: unterhaltsam, witzig, sprachlich einwandfrei. Eine treffende Pointe, bei der mir dann doch ein Zweifel kommt: Lese ich nicht doch einen Witz in Form einer Ballade? Das ist sicher „erlaubt“, aber nicht unbedingt der Sinn einer Ballade.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Joe Fliederstein - Die Moritat vom durstigen Dieter

Das tragikomische Stück hat mich unterhalten, dem durstigen Dieter nachfühlend. Sein Ende kommt und ist unausweichlich, wobei mir dann trotzdem inhaltlich so etwas wie eine überraschende Wende fehlt.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Anbas – Ich und Michi (Moritat)

Wo anderswo Kindergedichte geschrieben werden, bei denen man mit den Knirpsen nur Mitleid bekommt, kann man dieses Werk gern empfehlen. Herzhaft, heiter, flüssig, von der ersten bis zur letzten Zeile gern gelesen.
Leider ist es keine Moritat; Kinder-abenteuerlich - gewiss, aber kein Beispiel für „kindliche Schandtaten“, die uns zu einer Moral führen könnten, was böse Kinder nicht machen sollten usw. Gerade das wäre hier ratsam, nicht zuletzt um sich vom Ringelnatz-Bezug etwas zu entfernen.

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Didi Costaire - Die Ballade von Balduins Ballladen

„Er liebt ihre Bälle und sie ihren Toren.“ - Ja, das ist eine herrliche Pointe für ein wunderbares Gedicht. ABER: eine Ballade ist dieses leider überhaupt nicht, weil: keine Epik, keine dramatischen Elemente. Schade für diesen Wettbewerb, aber ein Geheimtipp für andere.

Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 3,0

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Anbas – Doktor Bruchstein (Moritat)

Diese Geschichte hat in der Tat etwas Frankenstein-Klassisches und verbindet Horror mit Humor. Auch hier kommt mir das Epische etwas zu kurz: ich sehe keine Handlung im eigentlichen Sinne, was für die Moritat (im Vergleich zur Ballade) allerdings noch verzeihbar ist und durch die grotesken Gruselelemente kompensiert wird.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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James Blond - Wiener Toiletten Moritat

Dieses hat alles was ich von einer Moritat erwarte. Vielleicht ist es kein Zufall, dass man sich sprachlich hier schnell ans „Und der Haifisch, der hat Zähne“ erinnert. Das Stück ist witzig und ernst zugleich. Mir gefällt die versteckte Moral mit Bezug auf die Gleichgültigkeit der Klofrau, die man hier durchaus als „lehrreiches Beispiel“ verstehen darf. Ob der Wiener versperrt auf entleert reimt, kann ich nur ahnen :)

Formtreue: 3,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 3,0

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Joe Fliederstein - Moritat von der Unersättlichkeit

Die mordsmäßige Unersättlichkeit als Zündstoff für eine hervorragende Moritat. Auch dieses eine Art Selbstbekenntnis einer Verbrecherin im Monolog, wobei der Leser geschickt mit einbezogen wird (als stellte er die Fragen); außerdem wird eine echte Handlung bis ins letzte makabre Detail geschildert, so wie man es von einer Moritat erwartet.
Die Umsetzung finde ich ausgesprochen originell; Ringelnatz und andere hätten das nicht besser gemacht! Und der moralische Abschluss ist einleuchtend; wehe dem, der die Frauen unterschätzt!

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0

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James Blond – Am Himmelssee (Ballade)

Eine schaurige Ballade, die an Klassiker erinnert, lebhaft und authentisch in der Verdichtung der Szenen. Das Thema ist nicht unbedingt „modern“.

Formtreue: 3,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Didi Costaire - Crhyme time (Moritat)

Eine Moritat, bei der ich ebenfalls irgendwie auf Mackie Messer komme, wobei die Inkompetenz der Polizei inhaltlich im Vordergrund zu stehen scheint. Das hätte man meiner Meinung nach allerdings noch ausbauen können bzw. müssen, um es packender und auch „moralisch lehrreicher“ zu machen (Morden lohnt sich, solange der Kommissar dumm genug ist).
Mir gefällt die Umsetzung, alternativ zu den Formen der meisten Beiträge bisher. Länger wäre beim gewählten Reimschema wahrscheinlich ermüdend, was wiederum im Konflikt mit dem Wunsch nach mehr Detail steht. Somit leidet das Werk etwas an seiner Kürze.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

Didi Costaire

Mitglied
Auch von mir ein Update:


Oscarchen: Unbelehrbar (Ballade)
Hier würde selbst ich als nicht allzu großer Experte auf dem Gebiet sagen, dass es eher keine Ballade ist. Auch plätschert das Gedicht ein wenig dahin. Die letzte Strophe wirkt inhaltlich am stärksten, der Reim Natur/ Sig-natur fällt wiederum ab.
Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0


Joe Fliederstein: Badewannentraumballade
Da ist ja dieser Huckenbeck, der mir gestern im Elisabeth-Gedicht so gut gefiel, schon einmal aufgetaucht, bzw. Palme und Zipfel, die Maste biegend geistige Ergüsse einleitend. Ach ja, im Grunde verabscheue ich Partizipien in Gedichten, aber diesem anarchischen Huckenbeck kann man sie glatt durchgehen lassen. Eher schon würde ich ihm zurufen, dass er etwas schneller zum Schluss kommen sollte.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5


Oscarchen: Kinderfreuden (Moritat)
Formal ähnelt das Gedicht dem letzten mit seinen vierhebigen Jamben, beginnend mit einem reimlosen Vers und gefolgt von Kreuzreimen, die Sprache ist dem Thema angemessen schlichter und klarer. Inhaltlich am Anfang eine seichte, scheinbar einfühlsame Strophe, dann nimmt das Grauen bei Familie Fürchterlich seinen Lauf. Nicht schön, aber aufschlussreich.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0


Tula: die sturmfreie Ballade
Am Anfang ein strenger Blick, denn es gibt zwar gerade im Internet Cliquen, die sich durch gegenseitige Klicks pushen, aber eine Klicke kommt dabei nicht heraus. ;-)
Insgesamt gesehen recht launige Zeilen, von denen man nicht weiß, wo sie hinführen, bis man endlich in der Rosenhecke landet.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0


Joe Fliederstein: Kleine Hundeballade
Eine schöne Geschichte, leicht und locker erzählt. Dazu sehr saubere Verse auf sprachlich hohem Niveau, praktisch ohne Füllwörter und Wortwiederholungen und perfekt gereimt, klangvoll und verspielt. Gefällt mir sehr!
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,7
Sprachliche Gestaltung: 3,0
 

Tula

Mitglied
Oscarchen - Richtige Auswahl (Moritat)

Ein herzhaftes Werk schwarzen Humors, ich sehe Oscarchen hat eine besondere dichterische Säge dafür :) Ich denke, die Anforderungen an eine Moritat werden hier normgerecht erfüllt. Was die sprachliche Ausführung betrifft, hapert es in der Tat an einigen Stellen (siehe als Beispiele den metrischen Holperer in Zeile 2 – „ausstieß“, mit dem angebrannten Wasser verhält es sich ähnlich; 3 mal „dann“ in einer Strophe ...). Insgesamt überzeugt es mich, weiß aber auch, dass Oscarchen solche Gedichte noch weitaus knackiger schreiben kann.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0

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Joe Fliederstein – die Ballade vom Franz

Ein feines Stück, verhaltener Humor, sprachlich sehr gewandt. Ein Gedicht über das älteste Gewerbe der Welt, nicht ohne eine neue Perspektive einzubringen, die Pointe ist Spitze.
In der Form als Ballade geht es durch, ich sehe durchaus einen Ablauf einer Handlung, obwohl der Text insgesamt eher auf den Moment ausgerichtet ist.

Formtreue: 1,8
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0

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Didi Costaire - Wenn’s bei Reimers zweimal klingelt (Ballade)

Perfekt geschüttelt und mit Sinn, was bei einem längeren Werk dieser Gattung außerordentlich schwer ist. Leider ist auch dieses keine Ballade, Epik und Dramatik sind nicht vorhanden. Auf jeden Fall käme dieses Gedicht bei jedem Wettbewerb komischer Lyrik in die Endrunde, da habe ich wenig Zweifel.

Formtreue: 0,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0

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Oscarchen - Glückliche Fügung ( Ballade)

Ja, Fußball ohne Gerstensaft macht nur halb so viel Spaß; da stimme ich gern zu. Das epische Element ist vorhanden, obgleich es sich um eine Abfolge von nicht unbedingt verknüpften Geschehnissen am Rande des eigentlichen (des Fußballspiels) handelt. Daher kommen auch die dramatischen Elemente etwas zu kurz. Nichtsdestotrotz: ein freches, lustiges Oscarchen-Werk, so wir es von ihm gewohnt sind.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5


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Oscarchen – Unbelehrbar (Ballade)

Mir gefällt das Werk von der Idee und der entsprechenden sprachlichen Umsetzung her außerordentlich. Der Versuch, hier neue Wege zu beschreiten, ist gelungen. Es ist eine Ballade, nicht im klassischen Sinne, aber die grundsätzlichen Elemente sind vorhanden, mit einigen Abstrichen, was die Dramatik anbelangt.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Joe Fliederstein – Badewannenballade

Der Huckenbeck bringt mich hier sowohl zum alten Palmström als auch zu Ringelnatz, der sich einst in der Badewanne bewunderte. Eigentlich ist dieses noch viel witziger und origineller; sollte mein letztes Stündlein irgendwann in einer Badewanne schlagen, dann bitte auf diese Weise. Die einzige Kritik geht wiederum in Richtung Form; die Ballade hat zwar mehr als einen Beteiligten, aber irgendwie doch nur einen einzigen Darsteller, ohne dass die anderen (Affen, Damen) wirklich teilnehmen, also gewissermaßen als Staffage verbleiben.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 3,0
 
Didi Costaire – Novembernebelgrauen – ein herbstliches Fernsehspiel (Moritat)

Ich muss gestehen, mit dieser Moritat kann ich kaum etwas anfangen. Der Titel verspricht perfekt gemachtes Gegrusel, die bemühte Drei-Zeilen-Reimerei ist hin und wieder ganz originell, dann reimt sich auf «Zähne» – «Idee, ne», und unverhofft wird nach Art von Robert Altman’s last radio show eine Pause mit eingestreuter Reklame dazwischengeschaltet (könnte bei gekonnt gemachtem Gegrusel davor tatsächlich für eine Verschnaufpause gut sein) – eine Handlung scheint es zu geben, mir hat sich allerdings keine erschlossen. Und bei aller Kurzweiligkeit: Das Geschichte ist viiiel zu lang.

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 
Tula – Gladiatoren der Moderne (Moritat)

Ich glaube verstanden zu haben, worum es in dieser Moritat geht. Excel-Tabellen spielen hier eine schicksalentscheidende Rolle, das Büro als Arena, die Bilanz-Verantwortlichen im Kampf auf Leben und Verrecken – ich kenne mich in dieser Welt nicht wirklich aus, verfüge nur über TV-Kenntnisse, drum hätte ich mir die Geschichte «naiver» erzählt gewünscht. Es ist eine gute Idee, die Moritat von der Henkersbeil-Atmosphäre freizuräumen und stattdessen die Algorithmen als Waffe zu entdecken – nur müssten die Folterwerkzeuge und Finten in ihrer Wirkung beim Leser auch «erschreckend» konkret ankommen. Sind sie bei mir nur zum Teil.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 
Artbeck Feierabend – Die Ballade vom Dummbidel

Die Grundidee ist toll: Der aufs Blut gequälte Schüler – aus ihm wird später ein Krankenpfleger, der den Quälgeist von einst in seine Obhut bekommt. Wird es eine Ballade, die von Rache und Heimzahlen und Tod berichtet – im Text wird das nicht wirklich deutlich. Der Peiniger von einst «nahm den Trank» und «sank in kühle Ruh, sah sich selbst beim Schlafen zu» (eine großartige Schlusszeile) – ist er vergiftet worden, oder wird es eine auf lange Zeit geplante Heimzahlung? An dieser Ballade müsste gefeilt werden. Es holpert manchmal mächtig in den Zeilen. Und es müsste gekürzt werden, um der Grundidee Dramatik zu geben.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 1,5
 

anbas

Mitglied
Hallo Ihr Lieben,

bevor ich komplett ins Hintertreffen gerate, möchte ich schon mal ein paar weitere Wertungen abgeben:


Ballade von Franz (Ballade, Joe Fliederstein)

Für eine Ballade ist mir hier zu wenig Erzählung. Aus meiner Sicht ist es eher eine Milieustudie ohne großen Spannungsbogen. Sprachlich Sehe ich hier Licht und Schatten. Doch nachdem mir die inflationäre Verwendung der Worte "ein" und "eine" deutlich ins Auge gesprungen ist, fällt es mir schwer, dies bei der Wertung unberücksichtigt zu lassen.

Formtreue: 1,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 1,9



Wenn’s bei Reimers zweimal klingelt (Ballade, Didi Costaire)

Hut ab vor dem Mut eine geschüttelte Ballade ins Rennen zu schicken. Leider bleiben hierbei für mein Empfinden der Inhalt und die Formtreue auf der Strecke.

Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5



Glückliche Fügung (Ballade, Oscarchen)

Eine Fußballballade, der es aus meiner Sicht gut getan hätte, wenn der Fokus entweder nur auf die Geschehnisse auf dem Platz oder die Ereignisse drum herum gerichtet gewesen wäre. So aber bleibt bei mir der Eindruck, dass das Gedicht leicht zerfahren ist. Ungewöhnlich für mich bei Gedichten von Oscarchen: Hier hatte ich Schwierigkeiten, beim Lesen der Metrik zu folgen.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 1,8



Unbelehrbar (Ballade, Oscarchen)

Nee, eine Ballade ist dieser nachdenkliche Text nicht. Aber die Machart gefällt mir gut, auch, wenn es für mich inhaltlich nicht gerade den oder die "Aha-Effekte" gab.

Formtreue: 0,5
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5


Badewannentraumballade (Ballade, Joe Fliederstein)

Hätte nie gedacht, dass man über ein Bad eine Ballade schreiben kann. Doch, man kann – zumindest Joe kann es. Etwas wirr der Traum – wie Träume eben sind – und manchmal hatte ich etwas Schwierigkeiten, ihm über die ganze Länge zu folgen. Insgesamt aber eine gelungene Ballade, wie ich finde.

Formtreue: 2,2
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

anbas

Mitglied
Und weiter geht's:


Kinderfreuden (Moritat, Oscarchen)

Ja, so ein kleiner Racker kann einen gut auf Trab halten. Ein bisschen "Kevin allein zu Haus" – so jedenfalls meine Assoziation. Etwas überrascht war ich, dass "der kleine Kerl" schon in der Lage war, an der Elektrik herumzuspielen – ich hatte anfangs an einen Fünfjährigen gedacht…

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,0



die sturmfreie Ballade (Ballade, Tula)

Obwohl feucht-fröhliche Feiern nie so mein Ding waren, und ich Texte über Saufgelage häufig als sehr krampfig empfinde, ist hier alles anders: Mir gefällt diese Ballade so richtig gut. Ein wenig musste ich an die gerufenen Geister aus dem Zauberlehrling denken oder auch an "Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch" – das Grundprinzip funktioniert auch hier.

Formtreue: 2,8
Originalität und Kreativität: 2,8
Sprachliche Gestaltung: 2,5



Kleine Hundeballade (Ballade, Joe Fliederstein)

Jetzt habe ich die Ballade schon mehrfach gelesen und werde den Eindruck nicht los, dass hier die Zeiten, in denen erzählt wird, doch gehörig durcheinanderwirbeln. Vielleicht will deshalb auch nicht die große Begeisterung bei mir aufkommen. Falls ich auf dem Schlauch stehe, entschuldige ich mich für die 1,9 ;).

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 1,9
 
Doktor Bruchstein (Moritat, Anbas)

Es macht Spaß zu lesen, wie sich die Perfidität oder Ungeheuerlichkeit langsam steigert und auf welche Weise die Familienmitglieder den Doktor "unterstützen". Am Schluss frage ich mich, ob es für die Gattin bei dem "Liebesbeweis" Geschenk der Halskette) bleibt oder ob die Sache auch für für sie böse endet. Ich glaube, hier wird auch mit einem offenen Ende gespielt, was ich nicht schlecht finde.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 
Wiener Toiletten Moritat (James Blond)

Die ungewöhnliche Wahl eines banalen Schauplatzes (Klo), an dem Schreckliches passiert, der Sarkasmus und der lakonische Stil, das flotte Voranschreiten der Ereignisse, auch die wiederholende Struktur in der letzten Strophe - all das finde ich sehr gelungen, die sprachliche Gestaltung sowieso ...

Dass die "Opfer" Böses getan haben, wird klar angesprochen - aber man wird als Leser darüber lediglich informiert und aufgeklärt, man ist also nicht unmittelbar Zeuge ihrer Schlechtigkeit und daher auch nicht (so emotional) beteiligt. Das mag natürlich beabsichtigt sein und ist auch konsequent (bezogen auf den lakonischen Stil), dennoch könnte noch mehr Dramatik entstehen, wenn man ein noch konkreteres Beispiel einbauen würde.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 3
 
Moritat von der Unersättlichkeit (Joe Fliederstein)

Also hier sehe ich eindeutig Anklänge von Quentin Tarantino (und das mag nicht schlecht sein...) - angesichts der Fülle der blutigen Details habe ich das Gefühl, einer Filmszene von "From dusk till dawn" beizuwohnen. Fehlt noch, dass das lyrische Ich mit abgetrennten Gliedmaßen Luftgitarre spielt.

Mir sind die drastischen Schilderungen (z. B. Zitat: "Manchen Hintern hab ich schon mit Lust zerbissen, / Manches Männerohr vom Schädel abgerissen") - und hier sind wir bei der Geschmacksfrage - etwas over the top geraten, sodass ich mich beim Lesen ertappe, wie ich manches einfach überspringe und mich gedanklich nicht im Detail darauf einlasse, auch bei mehrfachem Lesen nicht ... (Zitat: "Männerschenkel schmecken zwar nur sehr bedingt, / Wenn die Männlichkeit sich ums Geschenkel schlingt, / Aber diese wiederum, an sich genossen, / Ist mir oft als Gaumenkitzel zugeflossen."). Dies ist aber nicht unbedingt als Schwäche des Textes anzukreiden, sondern liegt einfach nur an meinem Empfinden. Es ist natürlich konsequent und sprachlich gelungen umgesetzt worden.

Eine Frage an die Profis: Kann eine Morität per se überhaupt aus der Ich-Perspektive eine Mörders/einer Mörderin geschrieben werden? Mir scheint das nicht ganz stimmig, wenn man sich die Merkmale und Definitionen genauer ansieht.

Formtreue: 2
Originalität und Kreativität: 2
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 
Anbas – Im Totengrund (Moritat)
Eine Allerwelts-Moritat (wenn es der Form nach so etwas gibt). Nichts daran zu beanstanden, alles ganz unaufgeregt, das Gruseln muss man sich dazudenken, weil es in der Geschichte nichts zum Gruseln gibt. Rhythmisch holpert es hier und da, sprachlich ist es zweite Sahne. Nach diesem Strickmuster ist es auch für Ungeübte kein Problem, Moritaten zu erfinden, an denen es formal dann auch nichts auszusetzen gibt. Ich wundere mich über den Riesenkontrast zur Moritat "Doktor Bruchstein".

Formtreue: 2
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 1,8
 

Didi Costaire

Mitglied
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tula: Gladiatoren der Moderne (Moritat)
Die Idee, eine moderne Mobbing-Szenerie in einer Gladiatoren-Arena spielen zu lassen, gefällt mir sehr, auch das excel-lente Wortspiel und das Reimschema. Am Ende erfüllt die Moritat aber nicht ganz die Erwartungen, die sie anfangs weckt.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,2


Artbeck Feierabend: Die Ballade vom Dummbidel
Eine gute Geschichte gemäß dem Motto: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Anfang und Ende finde ich ziemlich gelungen, den Mittelteil nicht so spannend. Sprachlich und reimtechnisch würde ich die Verse als mittelmäßig einstufen.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 1,5


anbas: Im Totengrund (Moritat)
Die Verse sind trotz des hinkenden Versfußes in der Refrain-Schlusszeile flüssig zu lesen und vom Inhalt her gefällig, allerdings ohne den Leser so richtig in ihren Bann zu ziehen. Böse Geister, heulende Hunde und trübe Nebeltage gab es dazu schon zu oft.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 1,5
 
Didi Costaire – Morgenrot (Ballade)
Zunächst einmal ist das sprachlich eine Meisterleistung (mit vorweggeahntem Kichern der Leser zwischen den Zeilen). Die Unwahrscheinlichkeiten im Ablauf und die Textspielereien könnte man, wenn man wollte, dem Autor als Nachlässigkeiten ankreiden, ich will das aber auf gar keinen Fall. Ich sehe die kleine Geschichte als Zeichentrick-Ballade von Null auf hundertzehn ansteigen (die letzten zehn für den gammelnden Friedhelm, dessen Gammelei am Ende mir bisher völlig unerklärlich geblieben ist, das kann sich aber ändern).

Formtreue: 2
Originalität und Kreativität: 3
Sprachliche Gestaltung: 3
 
Walther – Die Hütte (Ballade)
Das Grandiose an dieser Ballade ist die hohe Wahrscheinlichkeit, mit der alles dargestellt ist. Trotz düster anmutender Kulisse spielt sich hier beinahe alltägliche Realität ab – nichts balladenhaft Fantasiertes. Die Strophen werden mit ehernem Gleichmut aneinandergereiht, und so entwickelt sich auch die Geschichte. Zwischen den Zeilen brodelt es. Von Handlung wird nur berichtet, sie passiert nicht, dennoch entsteht Innenspannung.

Formtreue: 2
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,5
 

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