Eine gute Geschichte

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FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ totlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – dass wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

Choricillo

Mitglied
Kleine Fehlerchen

Hallo Frank,

inhaltlich "muss ich dir mal glauben", da ich ja grad erst anfange, mich fuer das fiktive Schreiben zu interessieren.

Beim Durchlesen, was bei mir nicht Wort fuer Wort geschieht, sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen:
„Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ [strike][red]tot[/red][/strike][blue]tod[/blue]langweilig findet.
Bei dem folgenden Satz bin ich mir nicht sicher, meine aber diesbezueglich eine Korrektur gelesen zu haben:
„Da gibt es doch noch mehr!“
Die Kombination Ausrufezeichen-Anfuerungsstriche wirkt merkwuerdig an dieser Stelle. Es ist ja an sich keine wirkliche woertliche Rede, vielleicht waere es besser den Ausruf hier (nur) kursiv zu setzen. Oder so.

Den naechsten Punkt muss ich wohl nicht weiter erlaeutern:
Aliens könnten es auch machen – das[red][strike]s[/strike][/red] wäre aber zu vorhersehbar.
Da es sich um einen nichfiktiven Text handelt, genauer um eine Art Handbuch (haha :)), wuerde ich diesen Abschnitt unterteilen. Alles vor "Am Anfang ist die Idee" wuerde ich quasi als Einleitung stehen lassen und dann alles, was danach kommt:

01 Der Anfang - Die Idee
02 Das Fundament ...

Oha! Aber das Kapitel gibt es schon, und es gibt noch weitere danach, die die einzelnen Punkte der erwaehnten Liste behandeln.
Verstehst du, worauf ich hinaus will?
Du erwaehnst den "Anfang" bzw. die Idee, gehst aber an der Stelle nur kurz darauf ein, es folgt auch nichts weiter. Das gleiche machst du mit dem Fundament. Doch das bekommt dann ein eigenes Kapitel. Dem folgenden dann weitere Kapitel, auf die im Eigengstext aber nicht weiter eingegangen wird.
Also entweder du gehst in der Einfuehrung auf alle Punkte kury ein, oder auf keine.
Ob die "Idee am Anfang" nun hier erwaehnt wird oder in einem eigenen Kapitel, bleibt dann an dir und haengt wahrscheinlich von dem Ausmass der Infomationen ab, die du vermitteln willst.

Dann: Die Abstaende zwischen den Absaetzen/Abschnitten sollten einheitlich sein, ebenso die Formatierung von Ueberschriften. Anders als bei fiktiven Texten sind diese Dinge bei nichtfiktiven Texten sehr wichtig, um dem Leser durch "die Optik allein" das Wissen in strukturierter Form zu liefern. Je mehr Abschnitte und Unterabschnitte so ein Text hat, umso leichter faellt es ihnen, das Gelesene zu verinnerlichen und zu behalten.

Soviel fuer den Moment.
Saludos aus dem fernen Sueden
Choricillo
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Hallo Choricillo
Danke, dass Du dich mit der Theorie des Geschichten-Schreibens auseinandersetzt.
Die Grundidee entstand aus einigen Kommentaren, in denen es um recht grundlegende und theoretische Abhandlungen ging, zu einem bestimmten Text.

inhaltlich "muss ich dir mal glauben"
Nein, musst Du nicht. Du darfst aber gerne. Und Du darfst es als Anregung nehmen. Die Möglichkeiten und Informationen, die ich hier zusammengetragen habe, möchte ich nicht als "so-und-nicht-anders-Anleitung" verstanden wissen. Eher als eine "so-könnte-etwas-draus-werden-Info-Sammlung".

Danke auch für die Hinweise zu den Tippfehlern. Die habe ich natürlich sofort beseitigt. Ein seltsames Sonderzeichen mitten im Text ist mir noch aufgefallen. In meiner Vorlage ist dort ein Komma. Keine Ahnung, was da passiert ist.


„Da gibt es doch noch mehr!“
Die Kombination Ausrufezeichen-Anfuerungsstriche wirkt merkwuerdig an dieser Stelle.
Wieso?
Es ist durch die vorausgehende Einleitung eher gedacht als Ausruf durch "Manch einen".

Alles vor "Am Anfang ist die Idee" wuerde ich quasi als Einleitung stehen lassen und dann alles, was danach kommt:
01 Der Anfang - Die Idee
02 Das Fundament ...
Ich ahne worauf Du hinaus möchtest. Allerdings kann ich Dir keine Anleitung schreiben, wie Du eine Idee zu einer Geschichte findest. Mit diesen Informationen, die ich hier zusammengetragen habe, könnte es gelingen, eine gute und spannende Geschichte aus einer Idee zu machen. Zur Ideenfindung habe ich nirgendwo eine „Anleitung“ gefunden.

Du erwaehnst den "Anfang" bzw. die Idee, gehst aber an der Stelle nur kurz darauf ein, es folgt auch nichts weiter. Das gleiche machst du mit dem Fundament. Doch das bekommt dann ein eigenes Kapitel. Dem folgenden dann weitere Kapitel, auf die im Eigengstext aber nicht weiter eingegangen wird.
Am Anfang steht die Idee.
Dann versuche ich Schritt für Schritt einen Weg zu zeigen, wie daraus eine Geschichte werden kann.
Der Basisplot ist das Fundament, auf dem die Idee ruht.
Dann müssen Figuren herbeigezaubert werden und noch viele Dinge mehr.

Also entweder du gehst in der Einfuehrung auf alle Punkte kury ein, oder auf keine.
Nun ja, ich gehe auf die Punkte ein:
Der Schriftsteller definiert den Rahmen ([blue]Basisplot[/blue]), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf ([blue]Plot[/blue]) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung, Storyboard), er überlegt sich die sogenannte [blue]Prämisse[/blue], welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der [blue]Charaktere[/blue], ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem [blue]Zeitrahmen und dem Ort[/blue] des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.
Es folgen weitere Einzelheiten nach der (fiktiven) Anfrage “Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“.

Ob die "Idee am Anfang" nun hier erwaehnt wird oder in einem eigenen Kapitel, bleibt dann an dir und haengt wahrscheinlich von dem Ausmass der Infomationen ab, die du vermitteln willst.
Ich kann keine Anleitung zum „Ideen finden“ anbieten.
Ich (persönlich) mag auch keine Anleitung, zum Beispiel in der Programmiertechnik, die ganz gezielt Anhand eines bestimmten Programm-Beispiels eine bestimmte Programmiersprache näher zu bringen versucht. Man bekommt spezielle Befehle detailliert beschrieben. Aber spezielle Anforderungen (warum muss ich dieses und jenes so und nicht anders lösen) – darauf wird so gut wie gar nicht eingegangen. Beim Versuch, dann etwas eigenes auf die Beine zu stellen fällt man meist auf die Nase.
Stell Dir vor, anhand eines konkreten Beispiels einer Kurzgeschichte würde ich erklären, wie ich den Plot aufbaue, die Figuren entwickle, das Setting konstruiere und die Geschichte dann mit Leben fülle. Sobald jemand eine eigene Idee hat – wird es ihm (oder ihr) schwerfallen, meine Ausführungen nachzuvollziehen.

Dann: Die Abstaende zwischen den Absaetzen/Abschnitten sollten einheitlich sein, ebenso die Formatierung von Ueberschriften. Anders als bei fiktiven Texten sind diese Dinge bei nichtfiktiven Texten sehr wichtig, um dem Leser durch "die Optik allein" das Wissen in strukturierter Form zu liefern. Je mehr Abschnitte und Unterabschnitte so ein Text hat, umso leichter faellt es ihnen, das Gelesene zu verinnerlichen und zu behalten.
Da stimme ich Dir nicht zu.
Auch in fiktiven Texten sind derartige Dinge wichtig.

Leider sind die Möglichkeiten, einen formatierten Text abzugeben, ziemlich begrenzt.
Überschriften gibt es in der Leselupe nicht. Ich kann mir an dieser Stelle nur mit Formatierungen wie Fett / Unterstrichen / Kursiv oder eine entsprechende Kombination helfen.
Zusätzliche „Absätze“ entstehen unter anderem nach Listeneinträgen. Dies geschieht Automatisch, da habe ich keinen Einfluss drauf.
Es gibt verschiedene Grundaspekte zu einem Thema. Bleibe ich innerhalb der Erklärung eines Teilaspektes bei ein und derselben Sichtweise darauf, trenne ich nur mittels Zeilenumbruch.
Eine Leerzeile füge ich dazwischen, wenn sich die Sichtweise auf diesen Teilaspekt verändert, ich Beispielsweise die beschriebene Perspektive ändere.
Mit zwei Leerzeilen richte ich das Augenmerk auf einen anderen Teilaspekt des gleichen Themas.
Mit drei Leerzeilen abgesetzt sind die Links auf Hauptthema – vorhergehendes und nachfolgendes Thema.
Mit vier Leerzeilen abgesetzt sind die Quellenverweise aufgeführt. (Zumindest hoffe ich, es überall konstant eingehalten zu haben. ;) )

Ich überarbeite gerade alles noch einmal. Bislang habe ich jedes Kapitel in einem eigenen Dokument inklusive sämtlicher Steuerzeichen für die Leselupe. Das wird recht unübersichtlich. Ich schreibe gerade alles in eine einzelne Datei (vollständiger Text) ohne LeLu-Steuerzeichen. Daraus werde ich dann die einzelnen Kapitel generieren, was mir (hoffentlich) eine bessere Kontrolle über den Inhalt gibt.


Für Deine intensiven Bemühungen um diese Einleitung und Deine zahlreichen Anmerkungen möchte ich mich recht herzlich Bedanken.


Herzlich Grüßend
Frank


PS:
Diese verrückte Hyroglyphe krieg ich nicht aus dem Text raus ... Sobald ich aus Word heraus den Text einfüge, ist sie wieder drin - verdammt.
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

Ralph Ronneberger

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Frank,

da gibt es einen Lupianer, der sich eine Schweinearbeit macht, um in (möglichst) gestraffter und trotzdem inhaltlich umfassender Form anderen Autoren der Leselupe das (kleine) Einmaleins des Schreibhandwerks nahe zu bringen. Und keine Sau (mit einer Ausnahme) scheint es zu registrieren.

Auch wenn bei mir das tolle Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ im Bücherschrank steht, habe ich mir deine einzelnen Beiträge kopiert, zusammengeflickt, hübsch formatiert und ausgedruckt. (Natürlich nachdem ich sie gelesen hatte) Das geschah nicht in der Erwartung, inhaltlich komplett neues Material in den Händen halten zu wollen. Ich besaß vielmehr den Wunsch, somit eine Art „Handbuch“ über das Schreibhandwerk zur Verfügung zu haben, in dem man schnell mal nachblättern kann, wenn einem die Frage „Wie war das doch gleich?“ im Nacken sitzt. Das erspart das Blättern in dicken Wälzern oder das Suchen in dem Wust von Lehrheften, die ich mal vor vielen Jahren von der Schule des Schreibens erhielt.
Schon zu DDR-Zeiten habe ich nach Literatur gesucht, die etwas vom Handwerk des Schreibens vermitteln. Ich wurde sogar fündig. Allerdings fand ich alles, was da geschrieben stand, knochentrocken und obendrein kotzlangweilig. Ich sagte mir: „Schreiben kann nur von innen heraus kommen, es muss fließen – Regeln wirken da eher störend. Auf der Leselupe stelle ich immer wieder fest, wie sehr diese oder ähnliche Meinungen bei den meisten Mitgliedern verankert sind.

Erst nachdem ich deine Beiträge gelesen hatte, habe ich wieder in der alten DDR-Schwarte (diesmal allerdings gezielt) geblättert. Und siehe da, ich wurde fündig. Zwischen all dem Gedöns vom „festen Klassenstandpunkt“, den man gefälligst zu vertreten habe, fand ich nahezu die gleichen Regeln, die auch von dir genannt und erläutert werden. Ich vertrete die Auffassung, dass sie nahezu zeitlos sind.

Ich finde es schade, dass so viele LL-Schreiber die elementaren Regeln oder auch nur die Methodik bei der Herangehensweise (Vorbereitung) an ihr Schreibprojekt nicht nur nicht kennen, sondern gar nicht kennen lernen wollen. Diese Ablehnung basiert nicht selten auf dem Argument, dass jede Form von Regeln als Eingriff in die „schriftstellerische Freiheit“ empfunden wird. Ich sage es mal ganz grob: „Diejenigen, die eine solche Meinung vertreten, sind einfach nur zu faul oder glauben mit ihrem Können über derartigen Banalitäten zu stehen.“

Wenn es nach mir ginge, würde ich deine Ausarbeitung zur Pflichtlektüre für LL-Prosa-Schreiber machen. Aber da ist und bleibt natürlich der Wunsch der Vater des Gedanken. Und es bleibt mir nur das Bedauern darüber, dass deine Anleitung zur ernsthaften Beschäftigung mit dem Schreibhandwerk so gut wie keine Resonanz ausgelösten hat.
Vielleicht liest jemand diese Zeilen und ist danach bereit, mit mir gemeinsam den Hut vor deiner Arbeit zu ziehen.

Es grüßt Ralph
 

FrankK

Mitglied
Danke, Ralph,
für diesen gewaltigen Vorschuß an Lorbeeren. Es ist Dir sicherlich aufgefallen, dass ich mit der "Anleitung" noch nicht fertig bin.
Vielleicht, so denke ich, warten die Allermeisten ab, bis ich zum Schluss gekommen bin.
Vielleicht halten die Allermeisten mich auch für zu abgedreht. ;)
Vielleicht auch eine Mischung von beidem ...


Ja, ich habe das Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey ebenfalls vorliegen, ich zitiere ja auch streckenweise daraus.
Allerdings scheint es mir für Anfänger ziemlich viel vorauszusetzen.
Ich habe lange Zeit vieles aus dem Internet zusammengetragen, da gibt es vereinzelt ebenfalls Ratgeber, mitunter gezielt zu bestimmten Themen. Einige dieser Informationen wiedersprechen sich teilweise, dies sortiere ich gerade alles neu, da ich in meiner ersten Sortierung über Lücken und Ungereimtheiten gestolpert bin.
Ich muss allerdings feststellen, je mehr ich mich mit der Theorie des Schreibens beschäftige, um so deutlicher registriere ich die Arbeit, die hinter diesen ach so leichtfüßig daherkommenden Geschichten liegt.

Im Moment bin ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt, es wird also noch ein wenig dauern bis es weitergeht.


Danke noch einmal für die Anerkennung
und herzliche Grüße
Frank
 
A

Alberta

Gast
Zit.@RalphRonneberger:
da gibt es einen Lupianer, der sich eine Schweinearbeit macht, um in (möglichst) gestraffter und trotzdem inhaltlich umfassender Form anderen Autoren der Leselupe das (kleine) Einmaleins des Schreibhandwerks nahe zu bringen. Und keine Sau (mit einer Ausnahme) scheint es zu registrieren.
Lieber @FrankK: Ich bin zwar keine Sau ...habe die Trüffel aber dennoch gefunden - und muss erstmal sacken lassen und verdauen, was Du aufgespürt und an uns weitergegeben hast.
Ich finde solche Zusammenfassungen und Hinweise auf theoretische Weiterbildung sehr hilfreich: Danke!
 

molly

Mitglied
Hi Frank,

natürlich kenne ich Dein praktisches "Handbuch", schließlich hast Du mir schon mal eine Geschichte danach kommentiert, eine echte Fleißarbeit.

Ich finde, Du hast auch Deine Figuren: Gretel, Kasper... gut erklärt. Bei meinen Kindertheaterstücken fehlt meisten auch nicht der "Feigling",z.B. begleitet er die Gretel, sieht, dass am Ende des Wegs die Hexe lauert und verdrückt sich. Der Feigling macht das Böse oft erst möglich.

Jedenfallss werde ich gerne in Deinem Handbuch stöbern.
Danke Dir für die Mühe und ich bin auf den Rest gespannt.

Viele Grüße aus dem unter Hitze leidenden Ländle

molly
 

FrankK

Mitglied
Werte Alberta,
Liebe Molly

Ich danke Euch beiden recht herzlich für Eure wohlmeinenden Kundgebungen.

Das spornt an. ;)

Herzlichst Euer
Frank
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erzähler der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung ? Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 
Lieber FrankK,

wie schön, hier einen solchen Thread zu finden! Ich dachte schon, theoretisches Wissen und Ratgeber seien hier entweder völlig verpönt oder ich ein absoluter Exot, weil mich das interessiert.

Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.
Genauso sehe ich das - nachdem ich mich ein wenig mit Büchern zur Technik des Schreibens beschäftigt habe - auch. Als ich noch wild drauf los geschrieben habe, wusste ich meist in der Mitte nicht mehr weiter. Ein Konzept fehlte und ich brachte die Geschichte dann irgendwie zu Ende, aber richtig "rund" wurde sie nicht.

Vielen Dank, dass du dir hier die Mühe mit diesem Thread machst!

LG SilberneDelfine
 

FrankK

Mitglied
Hallo SilberneDelfine
Ich ahne, auf welche Erzählung Du dich zurückbeziehst wenn es um den Konflikt geht. ;)

Dramatische, äußere Konflikte und deren Lösungen sind immer das spannendste, was sich schreiben lässt. Vor allem dann, wenn die Charaktere an diesen Konflikten "wachsen" (in die eine oder andere Richtung).

Interessant zu lesen sind aber auch Geschichten über innere Konflikte, die schon seit langem schwelen können und relativ statisch bleiben. Veränderungen in diesen Situationen sind recht marginal aber, für den betreffenden Charakter, nicht minder bedeutsam.


Danke für Dein Feedback
Grüßend
Frank
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erfinder der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

FrankK

Mitglied
Eine gute Geschichte
„Wie geht das eigentlich? Was macht eine gute Geschichte aus? Wie schreibt man sie?
Gibt es dazu Anleitungen?“

Oh ja, man kann Anleitungen (in Form von Büchern) dazu kaufen, man kann an Volkshochschulen sogenannte Workshops besuchen (gegen Entgelt, natürlich), man kann sogar Studiengänge an Fern-Universitäten belegen (gegen noch mehr Entgelt, versteht sich).

Man kann aber auch das Internet bemühen, Suchmaschinen damit belästigen und hier und da dutzende bis hunderte lose verteilte Informationen zusammenklauben, die sich teilweise widersprechen, die sich teilweise ergänzen und – die teilweise gar keinen Wert besitzen.

Ich habe mir eine geraume Zeit die Mühe gemacht, viele dieser Infos zu sammeln, zusammenzufügen und auf ihren Gehalt abzuklopfen.

Jemand schrieb neulich innerhalb eines Kommentars:
… ich will lernen „gut und spannend“ zu schreiben
Daher fragte ich zurück:
Was ist „gut“?
In einfachster Definition erst mal „fehlerfrei“, und da meine ich nicht nur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Dazu gehören auch „Fehler“ (oder: Schwächen) in der Erzähl-Logik, in der Story-Logik, in der Charakter-Logik.
Fehler im Ablauf der Geschichte – sind die Szenen und Kapitel sinnvoll / nachvollziehbar miteinander verknüpft?
Fehler in der Erzählperspektive – ein Ich-Erzähler kann nicht aus seiner Position heraus „in den Kopf“ eines anderen Charakters schauen. Auch Ereignisse jenseits seiner Präsenz sind schwer zu vermitteln.

Was ist „spannend“?
Da scheiden sich die Geister, fast jeder empfindet etwas anderes als spannend. „Er“ genießt ein Fußballspiel, welches „sie“ todlangweilig findet. „Sie“ liest lieber den neuesten Roman ihrer Lieblingsautorin, dazu findet „er“ aber überhaupt keinen Zugang.
Also eine Frage des Geschmacks – da werfen sich Gedanken nach dem „Mainstream“ auf, dem Geschmack der breiten Masse, oder der gewünschten Zielgruppe.
Ganz allgemein entsteht Spannung in einer Geschichte durch Konflikte und deren Lösung (oder auch nicht).
Die Ausgestaltung von Konflikten – dazu gehört auch eine glaubwürdige Gestaltung der Charaktere. Die Rahmenhandlung muss eingehalten werden, die Richtung, in der die Story verläuft, muss beibehalten bleiben, die Figuren sollten an den Ergebnissen ihrer Handlungen eine Veränderung erleben.

Das sind schon mal eine ganze Menge Dinge, die man beachten muss. Manch einer mag glauben: „Da gibt es doch noch mehr!“ Und das stimmt.


Am Anfang ist die Idee
Die kann von irgendwoher gekommen oder durch irgendetwas ausgelöst worden sein. Diese Idee ist vielleicht ein bestimmtes Ereignis.
Dann beginnt man zu grübeln:
  • In welchem Rahmen (Basisplot) verpacke ich dieses Ereignis?
  • Wer soll dieses erleben (Charakter)?
  • Warum (Konflikt) soll dieser Person genau dies geschehen?
  • Wer ist noch daran beteiligt (Weitere Charaktere, Protagonisten, Antagonisten)?
  • Wann und wo (Zeit und Ort) lasse ich dieses Ereignis stattfinden?
  • Wie gestalte ich eine passende Stimmung (Atmosphäre) dazu?
  • Wie erzähle ich (Perspektive) die Geschichte?

“Wenn ich all diese Dinge beachtet habe – habe ich dann eine gute und spannende Geschichte?“
Lasst es mich so sagen: „Jein.“

Es ist nicht damit getan, einfach eine „Liste“ abzuarbeiten, an deren Ende als Ergebnis eine gute Geschichte herauskommt, aber wenn bereits hier Fehler gemacht werden, lassen sie sich später um so schlechter ausbügeln. Wenn da aber eine interessante Idee einfließt und alle Punkte der „Liste“ abgearbeitet sind, sollte die Geschichte zumindest von der „konstruktiven“ Seite in Ordnung sein und keine Schwächen aufweisen. Dann sollte die Geschichte auf einem stabilen Fundament stehen.

Eine gute Geschichte zu verfassen, ist wie der Bau eines Hauses.
Was soll es werden? Eine Gartenlaube? Eine Villa? Zweifamilienhaus mit Einliegerwohnung? Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage …?
Es gibt schier unendliche Möglichkeiten. Vielleicht ist die erste Idee: „Ein großes Fenster, Steinterrasse und ein weitläufiger Garten.“
Das klingt dann schon mal nicht nach einem Wohnsilo mit sechzig Familien.
Der Grundriss des Hauses muss wohl überlegt werden – der Grundriss bestimmt das Fundament.
Soll die Terrasse unterkellert sein? Sowas gibt es.
Soll die Garage vom Haus aus erreichbar sein? Garage ebenfalls unterkellert? Das könnte kritisch werden, wenn die Garage für schwere Fahrzeuge benutzt wird. Doppelgarage?
Es gibt schon so viel zu berücksichtigen, alleine um das Fundament zu erstellen.

Was dies nun mit einer „Geschichte“ zu tun hat?
Nehmen wir an, wir haben die Idee zu einem Kriminalfall. Um die Sache besonders modern zu gestalten, entscheiden wir uns für das Science-Fiction-Genre. Möglicherweise wird es ein Mord. Eine Apollo-Mission oder kleine Raumkapsel mit drei Mann Besatzung scheidet dann schon mal aus. Die Möglichkeiten sind zu gering – der Täterkreis zu klein. Es sei denn – Überraschung – wir (als Erfinder der Geschichte) schmuggeln einen „blinden Passagier“ mit hinein. Oder wir lassen den Bordcomputer den Mord begehen. Aliens könnten es auch machen – das wäre aber zu vorhersehbar.
Ein gescheites, brauchbares und ausbaufähiges Konstrukt muss also vorher überlegt sein.

Nach der Idee kommt die Planung – das Fundament
So, wie man ein Haus baut, kann man auch eine Geschichte konstruieren. Stück für Stück, nach einem definierten Plan. Architekten nennen so etwas eine Bauzeichnung, einem Schriftsteller steht seine eigene Ideensammlung zur Seite. Während der Architekt mit seinen Möglichkeiten an bestimmte Grenzen stoßen kann, stehen dem Schriftsteller auch nicht alle Wege offen, der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, innerhalb der Erzählstruktur muss sie aber logischen Regeln folgen. Mit jeder Geschichte wird die Realität neu erfunden, die Realität einer fiktiven Welt. Diese Welt kann ganz eng an unserer Welt angelehnt sein, sie kann sich aber auch völlig von ihr unterscheiden.
Der Schriftsteller definiert den Rahmen (Basisplot), in den er seine Geschichte einbettet, bringt die gesammelten (oder ausgearbeiteten) Ideen in eine dem Storylauf (Plot) folgende Reihenfolge (Stichpunkte, Zeitrahmen, Charakterbeteiligung Storyboard), er überlegt sich die sogenannte Prämisse, welche definiert, aus welcher Motivation heraus welches Endergebnis erreicht wird. Hiernach geht es an die Beschreibung der Charaktere, ein Lebenslauf in Form von Stichpunkten kann hilfreich sein. Schließlich muss er sich noch mit dem Zeitrahmen und dem Ort des Geschehens (Setting) auseinandersetzen.

“Wann kommt endlich ‚das Schreiben‘?“
Genau jetzt – oder etwas später. Je nach Geschichte sind nun noch Recherchen erforderlich, Beispielsweise um den Ort der Geschehnisse zu erfassen oder um historische Bezüge zu referenzieren. Auch sachliche, aktuelle Bezüge sollten überprüft werden.
All das wird (und wurde schon) aufgeschrieben. Nun wird ‚nur noch‘ ausreichend Fantasie benötigt, um die Notizen und Stichpunkte zu einer lesbaren Geschichte umzuwandeln.


Ich will versuchen, Schritt für Schritt einen Weg aufzuzeigen, wie ein angehender Verfasser eine Geschichte schreiben könnte, ich versuche darzustellen, welche Hürden es zu überwinden gilt. Es gibt keinen eindeutigen Weg, ich kann bestenfalls ein paar Wegweiser anbieten. Dies wird kein allwissender Ratgeber, so möchte ich diese Informationen auch nicht verstanden wissen. Viele Wege führen zum Ziel.


Hier nun zu den Details:
 

Etma

Mitglied
Zur Ideenfindung habe ich nirgendwo eine „Anleitung“ gefunden.
Oh das ist aber gerade das Spannende! Ich bin kein guter Schreiber, aber meine Ideen faszinieren mich jedes Mal - geht aber wohl mehreren so ... (*enttäuscht den Raum verlassend)

Zu deinem Text "eine gute Geschichte": vielleicht hätte ich lieber erstmal auf der Leselupe recherchieren sollen, bevor ich mir zu Weihnachten zwei redundante Bücher wünsche. Das andere, neben "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" (James N. Frey), ist von Elizabeth George, "Wort für Wort oder Die Kunst ein gutes Buch zu schreiben" (kennst du das auch?) - ich hab mir eigentlich ein anderes Buch gewünscht, keins dieser beiden (ärgerlich, ich weiß) hab aber natürlich wie immer nicht das bekommen, was ich wollte (*seufzend) :D

Ich persönlich begehe häufig den Fehler, ohne Rahmen einfach drauf loszuschreiben - was ich dagegen tun kann? Eine Gliederung erstellen, an der ich mich während dem Schreiben grob orientieren kann, sodass mein Text nicht zerfließt, wie Hagebuttenmarmelade ... deine Gedanken haben mich erneut auf diese Konklusion gebracht: es braucht Fundament!

Danke fürs überaus hilfreiche Verfassen, ich werde mich in naher Zukunft noch weiter in diese Texte eingraben, wertvoll, auch die Kommentare dazu werde und will ich gerne lesen :)

Schönen Sonntag noch!
Peter

Ach ja und was ist mit 11, 12, 13 - werden die noch verfasst? :)
 

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