Lieber Scal
Nun bin ich soweit, dass ich es wagen kann, auf Dein Schreiben zu antworten. Ich wähle dafür die Form eines Gesprächs und füge meine Antworten kursiv in Fettschrift ein:
Du schreibst: Zitat:
Bevor auf Deine Gedanken eingehe, möchte ich Folgendes anmerken: Ich poste in der Leselupe vorwiegend im Lyrikbereich, und nur gelegentlich mache ich Seitenblicke in andere Gebiete. Mehr wurde oder wird meinerseits nicht angestrebt, was daran liegt, dass ich meine Lebenssituation mit berücksichtigen muss oder will
Meine Antwort: …umso mehr danke ich Dir für die Zeit, die Du mir widmest – ich bin seit langem pensioniert und habe privilegierter Weise meine sämtliche Lebenszeit zur freien Verfügung -
(Sein und Situation - ein Thema, das mich auch philosophisch beschäftigt). Neben der Lyrik (bildhaftes Denken und intuitive Momente)
…tönt spannend – der analytische Idealismus, z.B. Bernardo Kastrup, geht davon aus, dass alles Bewusstsein ist. Auf dieser Basis wären bildhaftes Denken, intuitive Momente erklärbar, da wir mit dem «allumfassenden Bewusstsein» verbunden sind – ich kann problemlos Bewusstsein durch «Sein» ersetzen und tu dies hier, in unserem Gespräch auch -
«Sein und Situation» erinnert mich an die Quantenphysik – Doppelspaltexperiment. In diesem erzeugt die Messung, die Beobachtung die Wirklichkeit -
interessiere ich mich insbesondere für die phänomenologische Philosophie im Sinne einer (nichtakademischen) erkennenden Erfahrungs- oder Erlebniskunde. Diesen Interessensbereich hier näher zu charakterisieren, liegt aber insgesamt außerhalb meines "hiesigen" Bestrebens.
Vielleicht aber wird durch meinen Antwortversuch ein wenig nachvollziehbar, wie diese Forschungsmethode ihre Gedankenschritte setzt.
Wieso weiß ich eigentlich, dass Du etwas fühlst, wenn Du das hier liest - so wie ich auch, wenn ich diesen Satz formuliere?
…ja, ich fühle wie Du etwas beim Lesen, doch ich kann nicht wissen wie Du fühlst, und genauso wenig kannst Du wissen wie ich fühle. Wir können uns lediglich sprachlich verständigen und dank Definition der Begriffe, eine diesbezügliche Annäherung suchen. Das Fühlen, das Erlebnis, die Qualia bleibt subjektiv -
Es geht mir darum, derlei "Selbstverständlichkeiten" näher zu betrachten. Da geht es auch um ein "wir", sage ich mir, und frage Dich sogleich, ob Du das auch so siehst.
…da stimme ich Dir zu – das Leben ist Beziehung und Beziehung ist die Grundlage alles Seins. Das Leben entwickelt sich nur durch Beziehung und Anpassung weiter, so wie ich es verstehe – dies mein Verständnis der Evolution
Texte sind immer auch Bekundungen von temporären Aufenthalten in bestimmten Seelenorten, deren es so zahlreich viele und verschiedenstfärbige gibt (z.B. die uns vertraute unbefangene "Spielwiese des Lebens" mit ihren Heiterkeiten oder sonstigen Befindlichkeiten)
Seelenorte? Übersetze ich mit Fokus, auf den Ort, auf den sich mein Sein richtet
Texte können Begegnungsmomente von Sein und Situation "kreieren". Die Situation ist individuell, das Sein gemeinsam. Dass es aber eine jeweilige individuelle Situation gibt, ist wiederum auch eine Gemeinsamkeit.
…absolut – so sehe und erlebe ich dies ebenfalls –
Wenn ich nun an dieser Stelle auf das bisher Formulierte zurückblicke, dann kann ich mich fragen: Habe ich mich über etwas aufklären wollen? Wie habe ich das eigentlich gemacht? Lässt es sich überprüfen, nachvollziehen? Trifft es zu? Worauf vertraue ich? Ich beginne - erneut - mit Erkundungsschritten. Dabei sage ich mir: du vertraust auf die Wirklichkeit einer Möglichkeit.
Diese Wirklichkeit einer Möglichkeit zeigt sich als Vorhandenheit oder das Vorhandensein des Denkens.
Ist anderes denkbar? Auch mit dieser Frage greife ich nach dieser Anwesenheit, somit dem SEIN des Denkens (bitte prüfen).
…hmmm die Wirklichkeit einer Möglichkeit als Vorhandensein des Denkens?
die Quantenphysik geht davon aus, dass sich alles in einer «Superposition» befindet, alles Wahrscheinlichkeit ist. Die Wirklichkeit ergibt sich durch Messung, Beobachtung –
d.h. wenn Denken, = «Sein» ist, und ich Beides, als «denkendes Sein,» als Fokus/Beobachtung einsetze, so erzeuge ich Wirklichkeit und so lässt sich sagen, dass die Wirklichkeit einer Möglichkeit das Vorhandensein eines Denkens ist.
Anmerkung: Parmenides sagt übrigens auch, dass Denken Sein ist
Jetzt komme ich zu dem, wo ich anfangs schrieb "auf deine Gedanken eingehe", und zwar so, dass dabei ein bisschen wieder die Methode dessen mitvollziehbar werden möge, die ich mit phänomenologisch erkennender Erfahrungs- und Erlebniskunde bezeichnet habe.
"Ich darf darauf vertrauen, dass die ANWESEHEIT DES DENKENS gegeben ist, somit SEIN besitzt
Das ist das Grundphänomen.
Das - anwesende - Denken klärt mich darüber auf.
Dieses Grundphänomen ist die Basis für alles andere.
Ist das richtig? Ich kann das Denken befragen.
Womit ... ?
"Ja Scal, Womit? das ist die berechtigte Frage – als mögliche Antwort erlebe ich nur Schweigen, wenn ich mich in diese Frage in der Stille vertiefe, oder es trümmelt mir im Kopf - "
Womit?
Wenn ich das frage, richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit hin, die diese Frage vollzieht. Ich anerkenne deren Anwesenheit. Es ist eine antwortsuchende Denkbeobachtungsaufmerksamkeit.
- «antwortsuchende Denkbeobachtungsaufmerksamkeit» finde ich gut -
Womit? daran nage ich immer noch und kam bisher zum Schluss, dass Sein nicht nur Subjekt sondern auch Tätigkeit ist – habe dies gestern manuskripthaft wie folgt mal festgehalten:
Zurzeit erlebe ich „das Phänomen Sein“ irgendwie „quantastisch“ –. Es ist als Subjekt überall zugleich – Alles ist “Sein“ und mein „Sein“, mein Fokus, mit meinem mir zur Verfügung stehenden Sein, (u.a.geistige Fähigkeit, Sinne, Organe, z.B. Augen) bestimmt, wohin oder zu was ich mich hinwende, was ich beobachte; wie ich Etwas, die Wirklichkeit wahrnehme, erfahre, wie das „Sein“, wie die Wirklichkeit ist. In diesem Sinne schaffe ich mir meine Wirklichkeit.
So ist das „Sein“ auch eine Tätigkeit. D.h. ich muss mein mir zu Verfügung stehendes Denken, „mein Sein“ verändern, mich hinwenden zu Etwas, um Etwas wahrnehmen zu können, oder um in ihm, „im Sein“ zu sein.
D.h. Sein als Tätigkeit ist Denken und erzeugt neues Sein -
Bemerke ich "Schweigen", habe ich eine Erlebnisbefindlichkeit wahrgenommen, für die mir der Denkbegriff "Schweigen" stimmig und zutreffend erscheint.
und diese Erlebnisbefindlichkeit, dieses Schweigen möchte ich nicht missen.
Ist diese Charakterisierung eine Behauptung, eine These, eine Vermutung? Die Antwort ergibt sich durch einen Nachvollzug.
"Ich denke ob dies richtig ist oder nicht, beantwortet sich durch persönliches Erleben, ..."
" ... subjektiv mit einer subjektiv gestimmten Antwort – ja dem ist so oder dem ist nicht so – Vertrauen in die eigene Erfahrung, ins eigene Erleben, ist meiner Meinung nach die Lösung, und so kann ich ebenfalls, wie Du schreibst, darauf vertrauen, dass Denken Sein ist und bin mit diesem Erleben verdankenswerter Weise nicht allein – "
Ob es sich um eine subjektiv gestimmte Antwort handelt, erschließt sich erst durch eine denkende Beobachtung, die ich bei der Frage nach dem "Womit" noch nicht vollzogen habe.
Zum Vollzug: meine Praxis, mein Erleben:
Der Vollzug ereignet sich durch Nachdenken, Recherchieren oder für mich auch durch «in die Stille gehen», um nicht zu denken, um zu erfahren, was zu erfahren ist – Gedanken, Gefühle, Bilder können aufsteigen -
Ich vertraue darauf, dass mir die "Anwesenheit des Denkens" auch auf diese Frage (so ich sie stelle) Antwort zu geben weiß. Wenn "ES" mir sagt,
… «ES» gefällt mir –
es handle sich (z.B. beim Schweigen) "objektiv gesehen" um ein persönliches, subjektives Erlebnis,
…ja, es ist ein persönliches, subjektives Erleben
so anerkenne ich, dass das Denken subjektiv und objektiv übergreift,
subjektiv und objektiv übergreift? verstehe diese Aussage nicht ganz –. Ich verstehe durch einen Denkprozess, dass das Denken mehr als nur subjektiv oder objektiv ist. Denken steht darüber, und das Denken an und für sich ist «metaphysisch». Dem kann ich spontan zustimmen –; obwohl, seine Tätigkeit, das Denken ist anhand von Hirnströmen lokalisier- und messbar im Gehirn – doch das ist nur der Nachweis seiner Tätigkeit und nicht das Denken selbst -
dass seinem Anwesendsein eine unterscheidendes, differenzierendes Schauen und Sichten innewohnt.
das kann ich gut nachvollziehen, und dem kann ich auch beistimmen
Eine Art "Denkblick", der zunächst noch wie inhaltsleer auf etwas hin - aufklärungswillig - ausgerichtet ist
Mit dem Denkblick, der zunächst inhaltsleer auf etwas gerichtet ist, kann ich sehr gut etwas anfangen. So z.B. wenn ich für mich in der Stille Etwas klären und nicht im «Sein» versinken will, dann «wirkt» das «ES», die Intuition, und ich habe etwas intellektuell zu überprüfen und zu entscheiden, ob ich diesen Gedanken weiter spinnen oder verwerfen will -
… im Schweigen erlebe ich keine «Aufklärungswilligkeit» - und ich, mein Sein, möchte auch nicht weiter Aufklären – das Schweigen ist für mich derzeit das bestmögliche Erleben des/ meines Seins, das ich nicht verlieren möchte –
"Ich denke ob dies richtig ist oder nicht, beantwortet sich durch persönliches Erleben, subjektiv mit einer subjektiv gestimmten Antwort – ja dem ist so oder dem ist nicht so – Vertrauen in die eigene Erfahrung, ins eigene Erleben, ist meiner Meinung nach die Lösung, und so kann ich ebenfalls, wie Du schreibst, darauf vertrauen, dass Denken Sein ist und bin mit diesem Erleben verdankenswerter Weise nicht allein – "
Weiters ist es ein Phänomen, dass ich unmittelbar weiß, dass ein Mitmensch namens z.B. Wirena die vorangegangenen Gedanken nachzuvollziehen sich bemühte und sie wohl bestrebt sein wird, dies erneut zu tun. Das ergibt sich aus dem Vertrauen zur Anwesenheit, dem Sein des Denkens - in ihr und in mir.
…und wieder sind wir beim Vertrauen – und ich erlebe erneut, dass nicht nur Beziehung die Basis des Lebens, des Seins ist, sondern auch das Vertrauen in das Leben, in das Sein –
(was das Leben, das Sein auch immer ist und sein mag – dies ist eine Definitionssache oder ein subjektives, persönliches Erleben)
So gesehen: Das Sein des Denkens ist ein Erkenntniswille und ist als Selbsterkenntniswille unterwegs. Eine Willensbewegung, die sich ihrer selbst bewusst zu werden sucht.
…schön, dieser Bezug zum Willen, den ich sehr gut nachvollziehen, fühlen, erleben und auch intellektuell, denkerisch bestätigen kann – so gesehen, kommst auch Du zum Schluss, dass «Sein» auch eine Tätigkeit ist -
Phänomenologische Philsosophie im Sinne einer erkennenden Erlebnis- und Erfahrungskunde führt insofern in einen kontemplativen Bereich. Was das erwähnte "Schweigen" betrifft, erinnere ich mich an eine Bemerkung des Zen-Kenners Heinrich Doumolin, der einmal im Hinblick auf einen meditativen Bewusstseinszustand von einem "denkenden Nichtdenken" sprach. Von besonderen Erlebnissen, die sich durch ein vertieftes Denken ereigneten, sprechen u.a. ja auch die Philosophen Plotin, Fichte, Hegel oder Schelling.
«denkendes Nichtdenken» - witzig – denke dies ist mein Einstieg ins Schweigenerleben, das mich hin und wieder dann zum Fühlen, zum Wahrnehmen von wort- und namensloser Liebe führt -
Von diesem Vertrauen geht alles aus und alle Einsichten kehren letztlich zu ihm zurück.
Das kann ich wieder absolut in Fettschrift mitunterschreiben!
Sollte z.B. die Quantenphysik verlautbaren, zu letztgültigen, allgemeinen Erkenntnissen gefunden zu haben, wird sie schwerlich das hier erläuterte Grundphänomen wegklammern können, sollte sie mit ihren Einsichten einen philosophischen Anspruch verbinden wollen.
Soviel ich weiss und verstanden habe, steckt die Philosophie der Quantenphysik noch in den Kinderschuhen. Der Physiker Anton Zeilinger stellte vor vier Jahren fest, dass philosophisch die Erkenntnis der Relativitätstheorie und der Quantentheorie noch nicht angekommen, noch nicht verarbeitet ist. Meiner Meinung nach muss dafür erst eine Sprache gefunden, definiert werden.
Bei dem von mir hier skizzenhaft Geäußerten handelt es sich um einen persönlichen Ausgangspunkt, von dem aus ich auf die "klassische Philosophie" hinblicke, von dem aus sie mich interessiert. Es gibt da sicherlich einen unausschöpflichen Begegnungsreichtum. Ich zähle mich keineswegs zu den Philosophen im herkömmlichen Sinne, die sich mit Metaphysik, Logik, Ethik und all den zahlreichen historischen geistigen Entwicklungen - mehr oder weniger wissenschaftlich forschend - eingehend beschäftigen.
So, nach diesem Seitenblick wieder zurück zur Lyrik oder Kurzprosa oder was völlig Anderem ...
"Mein Leben besteht aus Augenblicken." (Novalis)
Auch mein Leben besteht aus Augenblicken! und «ES» lässt mich wissen, die Ewigkeit besteht aus unendlich vielen Augenblicken – beweisen lässt sich dies aber nicht
In diesem Sinne Scal, lass uns die Augenblicke bestmöglich geniessen und vielen herzlichen Dank für diesen «unakademischen», philosophischen Exkurs. Ich bin philosophisch überhaupt nicht gebildet und wäre mit einem klassischen, akademischen Austausch absolut überfordert. Doch ich denke, ich habe, so wie es hier nun steht, eine Lösung gefunden, um das beitragen, mitzuteilen zu können, was mir derzeit möglich ist.
Ich meinerseits werde weiter in der Leselupe lesen und schreiben, so von wegen Fischersommerloch und so
und mich auch noch weiter mit meinem «quantastischen Seinmanuskript» befassen. Mal sehen zu was mich das wieder führt – erlebe in letzter Zeit oft, dass daraus silbenzählend irgendwelche Senryus oder Haikus, die keine sind, entstehen. Hin und wieder, neu nun wieder, auch Ungereimtes - LG wirena
Nun bin ich soweit, dass ich es wagen kann, auf Dein Schreiben zu antworten. Ich wähle dafür die Form eines Gesprächs und füge meine Antworten kursiv in Fettschrift ein:
Du schreibst: Zitat:
Bevor auf Deine Gedanken eingehe, möchte ich Folgendes anmerken: Ich poste in der Leselupe vorwiegend im Lyrikbereich, und nur gelegentlich mache ich Seitenblicke in andere Gebiete. Mehr wurde oder wird meinerseits nicht angestrebt, was daran liegt, dass ich meine Lebenssituation mit berücksichtigen muss oder will
Meine Antwort: …umso mehr danke ich Dir für die Zeit, die Du mir widmest – ich bin seit langem pensioniert und habe privilegierter Weise meine sämtliche Lebenszeit zur freien Verfügung -
(Sein und Situation - ein Thema, das mich auch philosophisch beschäftigt). Neben der Lyrik (bildhaftes Denken und intuitive Momente)
…tönt spannend – der analytische Idealismus, z.B. Bernardo Kastrup, geht davon aus, dass alles Bewusstsein ist. Auf dieser Basis wären bildhaftes Denken, intuitive Momente erklärbar, da wir mit dem «allumfassenden Bewusstsein» verbunden sind – ich kann problemlos Bewusstsein durch «Sein» ersetzen und tu dies hier, in unserem Gespräch auch -
«Sein und Situation» erinnert mich an die Quantenphysik – Doppelspaltexperiment. In diesem erzeugt die Messung, die Beobachtung die Wirklichkeit -
- «das Sein» = die vielfältigen Möglichkeiten/ Wahrscheinlichkeit, das zu beobachtende Subjekt
- «die Situation» = der Fokus, das Denken, das wählt, auf welche Situation, sich das Sein, das Bewusstsein sich richtet, was beobachtet werden soll, der Experimentaufbau
interessiere ich mich insbesondere für die phänomenologische Philosophie im Sinne einer (nichtakademischen) erkennenden Erfahrungs- oder Erlebniskunde. Diesen Interessensbereich hier näher zu charakterisieren, liegt aber insgesamt außerhalb meines "hiesigen" Bestrebens.
Vielleicht aber wird durch meinen Antwortversuch ein wenig nachvollziehbar, wie diese Forschungsmethode ihre Gedankenschritte setzt.
Wieso weiß ich eigentlich, dass Du etwas fühlst, wenn Du das hier liest - so wie ich auch, wenn ich diesen Satz formuliere?
…ja, ich fühle wie Du etwas beim Lesen, doch ich kann nicht wissen wie Du fühlst, und genauso wenig kannst Du wissen wie ich fühle. Wir können uns lediglich sprachlich verständigen und dank Definition der Begriffe, eine diesbezügliche Annäherung suchen. Das Fühlen, das Erlebnis, die Qualia bleibt subjektiv -
Es geht mir darum, derlei "Selbstverständlichkeiten" näher zu betrachten. Da geht es auch um ein "wir", sage ich mir, und frage Dich sogleich, ob Du das auch so siehst.
…da stimme ich Dir zu – das Leben ist Beziehung und Beziehung ist die Grundlage alles Seins. Das Leben entwickelt sich nur durch Beziehung und Anpassung weiter, so wie ich es verstehe – dies mein Verständnis der Evolution
Texte sind immer auch Bekundungen von temporären Aufenthalten in bestimmten Seelenorten, deren es so zahlreich viele und verschiedenstfärbige gibt (z.B. die uns vertraute unbefangene "Spielwiese des Lebens" mit ihren Heiterkeiten oder sonstigen Befindlichkeiten)
Seelenorte? Übersetze ich mit Fokus, auf den Ort, auf den sich mein Sein richtet
Texte können Begegnungsmomente von Sein und Situation "kreieren". Die Situation ist individuell, das Sein gemeinsam. Dass es aber eine jeweilige individuelle Situation gibt, ist wiederum auch eine Gemeinsamkeit.
…absolut – so sehe und erlebe ich dies ebenfalls –
Wenn ich nun an dieser Stelle auf das bisher Formulierte zurückblicke, dann kann ich mich fragen: Habe ich mich über etwas aufklären wollen? Wie habe ich das eigentlich gemacht? Lässt es sich überprüfen, nachvollziehen? Trifft es zu? Worauf vertraue ich? Ich beginne - erneut - mit Erkundungsschritten. Dabei sage ich mir: du vertraust auf die Wirklichkeit einer Möglichkeit.
Diese Wirklichkeit einer Möglichkeit zeigt sich als Vorhandenheit oder das Vorhandensein des Denkens.
Ist anderes denkbar? Auch mit dieser Frage greife ich nach dieser Anwesenheit, somit dem SEIN des Denkens (bitte prüfen).
…hmmm die Wirklichkeit einer Möglichkeit als Vorhandensein des Denkens?
die Quantenphysik geht davon aus, dass sich alles in einer «Superposition» befindet, alles Wahrscheinlichkeit ist. Die Wirklichkeit ergibt sich durch Messung, Beobachtung –
d.h. wenn Denken, = «Sein» ist, und ich Beides, als «denkendes Sein,» als Fokus/Beobachtung einsetze, so erzeuge ich Wirklichkeit und so lässt sich sagen, dass die Wirklichkeit einer Möglichkeit das Vorhandensein eines Denkens ist.
Anmerkung: Parmenides sagt übrigens auch, dass Denken Sein ist
Jetzt komme ich zu dem, wo ich anfangs schrieb "auf deine Gedanken eingehe", und zwar so, dass dabei ein bisschen wieder die Methode dessen mitvollziehbar werden möge, die ich mit phänomenologisch erkennender Erfahrungs- und Erlebniskunde bezeichnet habe.
"Ich darf darauf vertrauen, dass die ANWESEHEIT DES DENKENS gegeben ist, somit SEIN besitzt
Das ist das Grundphänomen.
Das - anwesende - Denken klärt mich darüber auf.
Dieses Grundphänomen ist die Basis für alles andere.
Ist das richtig? Ich kann das Denken befragen.
Womit ... ?
"Ja Scal, Womit? das ist die berechtigte Frage – als mögliche Antwort erlebe ich nur Schweigen, wenn ich mich in diese Frage in der Stille vertiefe, oder es trümmelt mir im Kopf - "
Womit?
Wenn ich das frage, richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit hin, die diese Frage vollzieht. Ich anerkenne deren Anwesenheit. Es ist eine antwortsuchende Denkbeobachtungsaufmerksamkeit.
- «antwortsuchende Denkbeobachtungsaufmerksamkeit» finde ich gut -
Womit? daran nage ich immer noch und kam bisher zum Schluss, dass Sein nicht nur Subjekt sondern auch Tätigkeit ist – habe dies gestern manuskripthaft wie folgt mal festgehalten:
Zurzeit erlebe ich „das Phänomen Sein“ irgendwie „quantastisch“ –. Es ist als Subjekt überall zugleich – Alles ist “Sein“ und mein „Sein“, mein Fokus, mit meinem mir zur Verfügung stehenden Sein, (u.a.geistige Fähigkeit, Sinne, Organe, z.B. Augen) bestimmt, wohin oder zu was ich mich hinwende, was ich beobachte; wie ich Etwas, die Wirklichkeit wahrnehme, erfahre, wie das „Sein“, wie die Wirklichkeit ist. In diesem Sinne schaffe ich mir meine Wirklichkeit.
So ist das „Sein“ auch eine Tätigkeit. D.h. ich muss mein mir zu Verfügung stehendes Denken, „mein Sein“ verändern, mich hinwenden zu Etwas, um Etwas wahrnehmen zu können, oder um in ihm, „im Sein“ zu sein.
D.h. Sein als Tätigkeit ist Denken und erzeugt neues Sein -
Bemerke ich "Schweigen", habe ich eine Erlebnisbefindlichkeit wahrgenommen, für die mir der Denkbegriff "Schweigen" stimmig und zutreffend erscheint.
und diese Erlebnisbefindlichkeit, dieses Schweigen möchte ich nicht missen.
Ist diese Charakterisierung eine Behauptung, eine These, eine Vermutung? Die Antwort ergibt sich durch einen Nachvollzug.
"Ich denke ob dies richtig ist oder nicht, beantwortet sich durch persönliches Erleben, ..."
" ... subjektiv mit einer subjektiv gestimmten Antwort – ja dem ist so oder dem ist nicht so – Vertrauen in die eigene Erfahrung, ins eigene Erleben, ist meiner Meinung nach die Lösung, und so kann ich ebenfalls, wie Du schreibst, darauf vertrauen, dass Denken Sein ist und bin mit diesem Erleben verdankenswerter Weise nicht allein – "
Ob es sich um eine subjektiv gestimmte Antwort handelt, erschließt sich erst durch eine denkende Beobachtung, die ich bei der Frage nach dem "Womit" noch nicht vollzogen habe.
Zum Vollzug: meine Praxis, mein Erleben:
Der Vollzug ereignet sich durch Nachdenken, Recherchieren oder für mich auch durch «in die Stille gehen», um nicht zu denken, um zu erfahren, was zu erfahren ist – Gedanken, Gefühle, Bilder können aufsteigen -
Ich vertraue darauf, dass mir die "Anwesenheit des Denkens" auch auf diese Frage (so ich sie stelle) Antwort zu geben weiß. Wenn "ES" mir sagt,
… «ES» gefällt mir –
es handle sich (z.B. beim Schweigen) "objektiv gesehen" um ein persönliches, subjektives Erlebnis,
…ja, es ist ein persönliches, subjektives Erleben
so anerkenne ich, dass das Denken subjektiv und objektiv übergreift,
subjektiv und objektiv übergreift? verstehe diese Aussage nicht ganz –. Ich verstehe durch einen Denkprozess, dass das Denken mehr als nur subjektiv oder objektiv ist. Denken steht darüber, und das Denken an und für sich ist «metaphysisch». Dem kann ich spontan zustimmen –; obwohl, seine Tätigkeit, das Denken ist anhand von Hirnströmen lokalisier- und messbar im Gehirn – doch das ist nur der Nachweis seiner Tätigkeit und nicht das Denken selbst -
dass seinem Anwesendsein eine unterscheidendes, differenzierendes Schauen und Sichten innewohnt.
das kann ich gut nachvollziehen, und dem kann ich auch beistimmen
Eine Art "Denkblick", der zunächst noch wie inhaltsleer auf etwas hin - aufklärungswillig - ausgerichtet ist
Mit dem Denkblick, der zunächst inhaltsleer auf etwas gerichtet ist, kann ich sehr gut etwas anfangen. So z.B. wenn ich für mich in der Stille Etwas klären und nicht im «Sein» versinken will, dann «wirkt» das «ES», die Intuition, und ich habe etwas intellektuell zu überprüfen und zu entscheiden, ob ich diesen Gedanken weiter spinnen oder verwerfen will -
… im Schweigen erlebe ich keine «Aufklärungswilligkeit» - und ich, mein Sein, möchte auch nicht weiter Aufklären – das Schweigen ist für mich derzeit das bestmögliche Erleben des/ meines Seins, das ich nicht verlieren möchte –
"Ich denke ob dies richtig ist oder nicht, beantwortet sich durch persönliches Erleben, subjektiv mit einer subjektiv gestimmten Antwort – ja dem ist so oder dem ist nicht so – Vertrauen in die eigene Erfahrung, ins eigene Erleben, ist meiner Meinung nach die Lösung, und so kann ich ebenfalls, wie Du schreibst, darauf vertrauen, dass Denken Sein ist und bin mit diesem Erleben verdankenswerter Weise nicht allein – "
Weiters ist es ein Phänomen, dass ich unmittelbar weiß, dass ein Mitmensch namens z.B. Wirena die vorangegangenen Gedanken nachzuvollziehen sich bemühte und sie wohl bestrebt sein wird, dies erneut zu tun. Das ergibt sich aus dem Vertrauen zur Anwesenheit, dem Sein des Denkens - in ihr und in mir.
…und wieder sind wir beim Vertrauen – und ich erlebe erneut, dass nicht nur Beziehung die Basis des Lebens, des Seins ist, sondern auch das Vertrauen in das Leben, in das Sein –
(was das Leben, das Sein auch immer ist und sein mag – dies ist eine Definitionssache oder ein subjektives, persönliches Erleben)
So gesehen: Das Sein des Denkens ist ein Erkenntniswille und ist als Selbsterkenntniswille unterwegs. Eine Willensbewegung, die sich ihrer selbst bewusst zu werden sucht.
…schön, dieser Bezug zum Willen, den ich sehr gut nachvollziehen, fühlen, erleben und auch intellektuell, denkerisch bestätigen kann – so gesehen, kommst auch Du zum Schluss, dass «Sein» auch eine Tätigkeit ist -
Phänomenologische Philsosophie im Sinne einer erkennenden Erlebnis- und Erfahrungskunde führt insofern in einen kontemplativen Bereich. Was das erwähnte "Schweigen" betrifft, erinnere ich mich an eine Bemerkung des Zen-Kenners Heinrich Doumolin, der einmal im Hinblick auf einen meditativen Bewusstseinszustand von einem "denkenden Nichtdenken" sprach. Von besonderen Erlebnissen, die sich durch ein vertieftes Denken ereigneten, sprechen u.a. ja auch die Philosophen Plotin, Fichte, Hegel oder Schelling.
«denkendes Nichtdenken» - witzig – denke dies ist mein Einstieg ins Schweigenerleben, das mich hin und wieder dann zum Fühlen, zum Wahrnehmen von wort- und namensloser Liebe führt -
Von diesem Vertrauen geht alles aus und alle Einsichten kehren letztlich zu ihm zurück.
Das kann ich wieder absolut in Fettschrift mitunterschreiben!
Sollte z.B. die Quantenphysik verlautbaren, zu letztgültigen, allgemeinen Erkenntnissen gefunden zu haben, wird sie schwerlich das hier erläuterte Grundphänomen wegklammern können, sollte sie mit ihren Einsichten einen philosophischen Anspruch verbinden wollen.
Soviel ich weiss und verstanden habe, steckt die Philosophie der Quantenphysik noch in den Kinderschuhen. Der Physiker Anton Zeilinger stellte vor vier Jahren fest, dass philosophisch die Erkenntnis der Relativitätstheorie und der Quantentheorie noch nicht angekommen, noch nicht verarbeitet ist. Meiner Meinung nach muss dafür erst eine Sprache gefunden, definiert werden.
Bei dem von mir hier skizzenhaft Geäußerten handelt es sich um einen persönlichen Ausgangspunkt, von dem aus ich auf die "klassische Philosophie" hinblicke, von dem aus sie mich interessiert. Es gibt da sicherlich einen unausschöpflichen Begegnungsreichtum. Ich zähle mich keineswegs zu den Philosophen im herkömmlichen Sinne, die sich mit Metaphysik, Logik, Ethik und all den zahlreichen historischen geistigen Entwicklungen - mehr oder weniger wissenschaftlich forschend - eingehend beschäftigen.
So, nach diesem Seitenblick wieder zurück zur Lyrik oder Kurzprosa oder was völlig Anderem ...
"Mein Leben besteht aus Augenblicken." (Novalis)
Auch mein Leben besteht aus Augenblicken! und «ES» lässt mich wissen, die Ewigkeit besteht aus unendlich vielen Augenblicken – beweisen lässt sich dies aber nicht
In diesem Sinne Scal, lass uns die Augenblicke bestmöglich geniessen und vielen herzlichen Dank für diesen «unakademischen», philosophischen Exkurs. Ich bin philosophisch überhaupt nicht gebildet und wäre mit einem klassischen, akademischen Austausch absolut überfordert. Doch ich denke, ich habe, so wie es hier nun steht, eine Lösung gefunden, um das beitragen, mitzuteilen zu können, was mir derzeit möglich ist.
Ich meinerseits werde weiter in der Leselupe lesen und schreiben, so von wegen Fischersommerloch und so