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Es naht der TAG DER REPUBLIK
Zeit, mich zu erinnern.
Auch, der StaSi Dank zu sagen.
War sie es doch, die mich lehrte auszudrücken,
was für ein Land ich mir wünsche,
und was für eins nicht.
Ich erinnere mich, wie ich dasaß, „zugeführt“.
Ein wenig ängstlich, ungewiss, was sie von mir wollten,
ob es irgendeinen Vorwurf gab, der zutreffen könnte.
Doch dann kamen interessante Fragen:
Hinterhältig, klar, das war mir bewusst.
Die wollten mich nicht kennenlernen,
wie einer einen kennenzulernen sucht,
dessen Freundschaft er sich wünscht.
Die suchten Stellen, wo sie Pflöcke einschlagen konnten,
um die sie ihre Ketten legen würden,
wenn es notwendig wäre.
Sie fragten also, ob meine Kleidung und die langen Haare
irgendeinen Protest ausdrücken sollen.
Ich sagte Nein, ich gehe so, weil es mir gefällt.
Und die Haare hat mir GoTT geschenkt, warum sollte ich
Sie schneiden lassen?
Na nu, wenn das so einfach wäre, würden doch viel mehr
Menschen in unserem Land so rumlaufen wie Sie. Ein bisschen
Andersseinwollen ist doch dabei … Das könne ich doch zugeben,
wir unterhielten uns doch hier nur mal ganz freundschaftlich …
Dann können Sie mir aber auch mal sagen, warum Sie mich
von zuhause geholt haben, ob Sie mir etwas vorwerfen, und
wann ich wieder gehen kann.
Nu werden Se mal nicht gleich frech, junger Mann.
Wie wir unsere Arbeit machen, ist ganz allein unsere Sache.
Wir waren bei Ihrer Protesthaltung angekommen. Dann
erzählen Sie uns doch mal, wogegen Sie so protestieren mit ihrer
Aufmachung. Wie nennt man denn das so? Hippie oder Rocker
oder was?
Ich zuckte die Schultern und ignorierte die Frage.
Guuut – dann eben anders. Was gefällt Ihnen denn bei uns in
der DDR nicht? Was würden Sie denn verändern, wenn Sie die
Möglichkeit dazu hätten?
Ich überlegte.
Das war anspruchsvoll. Ich könnte mich dumm stellen, eindimensional.
Was von besserer Cola, lauteren Rockfestivals und mehr Bananen faseln,
aber das wäre glatt gelogen, das fehlte mir alles gar nicht.
Was mir fehlte, war Reisefreiheit für alle, die gern reisen wollten, wohin es ihnen gefiele.
Mir fehlten die Entfaltungsmöglichkeiten der Künstler, von denen ich wusste, dass man ihnen jedes öffentliche Wirken untersagt hatte.
Mir fehlte die Möglichkeit, ein Geschäft, einen Handwerksbetrieb, eine selbstgewählte eigenverantwortliche Tätigkeit auszuüben, wenn man sich dazu fähig und berufen fühlte.
Mir fehlte politischer Streit zwischen Parteien, die nicht alle die gleichen Parolen benutzten.
Mir fehlte Kreativität beim Gestalten der Städte und Dörfer.
In diesen „freundschaftlichen Gesprächen“ wurde mir unterstellt, ich wolle Nazis,
Kapitalisten und allen möglichen Schwindlern Tür und Tor öffnen.
Diese „Gespräche“ waren es, nicht der Staatsbürgerkundeunterricht,
was mich formulieren lehrte,
welche Gesellschaft ich ablehne, und was für eine Gesellschaft
ich mir wünsche, wofür ich zu streiten und zu kämpfen bereit bin.
Danke dafür, StaSi!
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