Klimaänderung 2.05/38
Gestern fand eine wichtige Gerichtsveranstaltung des Irdischen Klimakontrollrats statt.
Das Volk gegen die Natur
Ort: Weltklimagerichtshof
Vorsitzender Richter: Richter Thermodynamikus
Angeklagte: Die Natur
Anklagevertreter: Internationale Konferenz für Symbolpolitik
Verteidiger: Professor Dr. Physik
Eröffnung
Richter: "Ich eröffne die Verhandlung gegen die Natur. Der Angeklagten wird vorgeworfen, die im rechtsverbindlichen Pariser Klimaabkommen festgelegte Obergrenze von 1,5 Grad zu missachten."
Natur: "Ich habe keine Aussagegenehmigung. Ich funktioniere einfach."
Die Anklage
Staatsanwalt: "Die Beweislage ist eindeutig. Trotz internationaler Beschlüsse steigt die Temperatur weiter. Die Natur hat sich als wenig kooperativ erwiesen und zeigt keinerlei Respekt vor diplomatischen Vereinbarungen."
Zeugen
Erster Zeuge: Das Kohlendioxid
Staatsanwalt: "Herr CO₂, haben Sie die Temperaturen erhöht?"
CO₂: "Ich berufe mich auf mein natürliches Strahlungsverhalten."
Zweiter Zeuge: Das Thermometer
Staatsanwalt: "Was haben Sie beobachtet?"
Thermometer: "Ich messe nur. Mir fehlt jede politische Bildung."
Dritter Zeuge: Die Atmosphäre
Staatsanwalt: "Warum haben Sie die Vereinbarung nicht eingehalten?"
Atmosphäre: "Es wurde versäumt, mir eine unterschriebene Kopie zuzustellen."
Sachverständige
Professor Newton
"Die Schwerkraft hält sich seit Jahrhunderten nicht an politische Beschlüsse. Gegen sie läuft bereits ein weiteres Verfahren."
Professor Einstein
"Die Naturgesetze zeigen sich unbeeindruckt von Mehrheitsbeschlüssen."
Professor Clausius
"Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik hat erklärt, dass er auf Anfragen des Gerichts grundsätzlich nicht reagiert."
Zuschauerraum
- Ein Vulkan schläft während der gesamten Verhandlung.
- Ein Gletscher schmilzt langsam vor sich hin.
- Die Sonne wird mehrmals zur Ordnung gerufen, weil sie ungefragt weiter strahlt.
- Mehrere Wolken verlassen wegen Formlosigkeit den Saal.
Kreuzverhör
Verteidiger: "Natur, wussten Sie überhaupt von dem Abkommen?"
Natur: "Nein."
Verteidiger: "Haben Sie es unterzeichnet?"
Natur: "Nein."
Verteidiger: "Sind Sie Vertragspartei?"
Natur: "Nein."
Verteidiger: "Dann keine weiteren Fragen."
Beratung des Gerichts
Nach dreitägiger Beratung kommt das Gericht zu folgendem Schluss:
- Die Natur hat sämtliche ihr vorgeworfenen Vorgänge tatsächlich verursacht.
- Die Natur handelt jedoch ausschließlich nach Naturgesetzen.
- Naturgesetze können weder durch Abstimmung noch durch Resolution geändert werden.
- Der Angeklagten konnte nicht nachgewiesen werden, jemals an den Verhandlungen teilgenommen zu haben.
Urteil
Im Namen des gesunden Menschenverstandes ergeht folgendes Urteil:
Die Angeklagte
Natur wird freigesprochen.
Die Kosten des Verfahrens tragen die Vertragsparteien, die offenbar angenommen haben, die Physik sei durch diplomatische Dokumente unmittelbar beeinflussbar.
Der Richter fügt hinzu:
"Das Gericht stellt klar, dass man Ziele vereinbaren kann. Die Temperatur erfährt davon jedoch erst, wenn sich die Emissionen ändern."
Natur verlässt schweigend den Saal und setzt ihre Arbeit fort.
Ende der Verhandlung.
Das offizielle Protokoll: (Eventuelle Abweichungen hat Kurzfried Entropie zu verantworten.)
Gerichtsschreiber: KI Copilot
Protokoll der öffentlichen Verhandlung im Verfahren: Weltgemeinschaft ./. Natur
09:00 Uhr
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung.
Die Angeklagte Natur erscheint nicht persönlich, sondern in einem Tarnmantel aus Wetter, Geologie, Ozeanen, Wolken und in der Hand mit einem unbeirrbaren Satz physikalischer Gesetze. Di Natur wabert leicht auf dem LED-Bildschirm wegen Fieber.
09:05 Uhr
Die Anklage verliest:
„Der globale Temperaturanstieg wird die Grenze von 1,5 Grad voraussichtlich schon in den nächsten Jahren überschreiten. Damit wird sie die im rechtsverbindlichen Pariser Klimaabkommen festgelegte Obergrenze verfehlen.“
Die Angeklagte zeigt keine erkennbare Reaktion.
09:15 Uhr
Der Richter fragt die Angeklagte:
„Haben Sie die Anklageschrift erhalten?“
Die Angeklagte antwortet durch ein leichtes Rascheln der Blätter:
„Nein. Außerdem habe ich noh viel Zeit.“
09:20 Uhr
Zeuge CO₂ wird vernommen.
Frage: „Weshalb tragen Sie zur Erwärmung bei?“
Antwort: „Das steht so in meinen Materialeigenschaften. Die wurden lange vor dem Pariser Abkommen definiert.“
09:45 Uhr
Sachverständiger Professor Thermodynamik erklärt:
„Die Natur erkennt weder Verträge noch Resolutionen an. Sie verarbeitet ausschließlich Anfangsbedingungen und Naturgesetze.“
Die Anklage beantragt daraufhin, die Naturgesetze als Mitbeschuldigte zu laden.
Der Antrag wird wegen Aussichtslosigkeit abgelehnt.
10:30 Uhr
Im Zuschauerraum:
- Die Sonne strahlt unbeirrt weiter.
- Ein Eisberg schmilzt demonstrativ.
- Drei Wolken enthalten sich jeder Stellungnahme.
- Ein Vulkan schläft.
- Die Schwerkraft sitzt regungslos in der letzten Reihe.
- In der Ferne leuchtet eine Supernova.
11:00 Uhr
Kreuzverhör der Natur.
Verteidiger:
„Haben Sie das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet?“
Natur:
„Nein.“
„Waren Sie bei den Verhandlungen anwesend?“
Natur:
„Nein.“
„Anerkennen Sie die Zuständigkeit dieses Gerichts?“
Natur:
„Ebenfalls nein.“
11:05 Uhr
Der Richter notiert:
„Die Angeklagte zeigt sich durchgehend unkooperativ und störrisch, allerdings in bemerkenswerter Konsequenz seit etwa 13,8 Milliarden Jahren.“
11:45 Uhr
Urteilsverkündung.
Im Namen des gesunden Menschenverstandes ergeht folgendes Urteil:
- Die Natur hat die ihr zur Last gelegten physikalischen Vorgänge tatsächlich verursacht.
- Die Natur handelte dabei streng gesetzestreu nach Naturgesetzen, weigerte sich aber hartnäckig, Verträge mit dem Gipfel der Schöpfung, dem gemeinen Menschen zu erfüllen.
- Diese Naturgesetze liegen außerhalb der Zuständigkeit dieses Gerichts.
- Die Angeklagte wird freigesprochen und zu einer Buse von 12 Wirbelstürmen verurteilt.
Die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger.
Schlussbemerkung des Gerichts
„Politische Ziele können beschlossen werden. Ob sie erreicht werden, entscheidet jedoch nicht die Abstimmung, sondern die Realität. Auf jeden Fall sind sie rechtskräftig und die Natur hat sie zu befolgen.“
11:50 Uhr
Die Angeklagte verlässt den Saal.
Genauer gesagt: Sie bleibt einfach überall im All.
11:50 Uhr
Die unterschiedlichen Fassungen sind auf die Unbestimmtheitsrelation zwischen Exekutive und Legislative zurückzuführen, die unterschiedliche Wörterbücher verwenden.
Arktos Hutschimodo
Beauftragter
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Eintrag für die UB (Universalbibliothek), Abteilung: Dokumente aus parallelen Verwaltungsrealitäten
Signatur: KL-2.05/38
Titel: Das Volk gegen die Natur. Gerichtsprotokoll einer klimajuristischen Auseinandersetzung
Verfasser: Arktos Hutschimodo
Mitwirkende: KI Copilot (Gerichtsschreiber), Kurzfried Entropie (Protokollabweichungen)
Gattung: Satirische Gerichtsfarce mit dokumentarischen Störungen
Entstehungsort: Weltklimagerichtshof, Sitzungssaal 1½
Schlagwörter: Natur, Klima, Thermodynamik, Bürokratie, Völkerrecht, Symbolpolitik, Gerichtswesen, Absurdität, Entropie, Protokollwesen
Kurzbeschreibung:
Das Werk dokumentiert einen historischen Versuch der Weltgemeinschaft, die Natur wegen Missachtung einer politisch festgelegten Temperaturgrenze gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen. Im Verlauf der Verhandlung treten Kohlendioxid, Atmosphäre, Thermometer und verschiedene Naturgesetze als Zeugen oder mittelbar Beteiligte auf. Die Angeklagte bestreitet weder die Tatsachen noch die Physik, verweigert jedoch die Anerkennung der gerichtlichen Zuständigkeit.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das beigefügte offizielle Sitzungsprotokoll des Gerichtsschreibers KI Copilot. Dieses entwickelt im Verlauf der Niederschrift zunehmend Eigenleben und enthält verschiedene logische Inkonsistenzen, darunter einen Freispruch mit anschließender Verurteilung sowie die Annahme, rechtskräftige Beschlüsse müssten von der Realität zwangsläufig befolgt werden.
Bibliothekarische Anmerkung:
Das Werk gilt als klassisches Beispiel der Verwaltungsphantastik des frühen 21. Jahrhunderts. Es illustriert den wiederkehrenden Irrtum, Naturgesetze mit Verwaltungsvorschriften zu verwechseln.
Erhaltungszustand:
Gut. Einige Passagen zeigen leichte Spuren von Entropie.
Hinweis für Leser:
Die Universalbibliothek übernimmt keine Haftung für kognitive Dissonanzen, die beim gleichzeitigen Lesen naturwissenschaftlicher und bürokratischer Abschnitte entstehen können.
Standortvermerk:
Regal 5, Fach
„Rechtskräftige Beschlüsse gegen die Wirklichkeit“, zwischen
- Die Republik gegen die Schwerkraft (vergriffen)
- Verordnung zur Vereinheitlichung natürlicher Konstanten (außer Kraft gesetzt)
Ausleihstatus:
Dauerleihe durch Realität.Bildung einer Supernova durch große Masse. Eine Rückgabe wird gegenwärtig nicht erwartet.
Statusupdate 1:
Ausleihstatus:
Dauerentnahme durch die Realität. Das Werk befindet sich derzeit außerhalb der bibliothekarischen Einflusszone. Wegen fortgesetzter Anlagerung amtlicher Stellungnahmen, Gegendarstellungen, Expertisen und Folgeberichte hat der Bestand eine kritische Masse erreicht. Die Entstehung einer Supernova wird verwaltungsintern beobachtet. Eine Rückgabe wird gegenwärtig nicht erwartet.
Statusupdate 2
Dauerleihe durch die Realität. Das Dokument konnte trotz intensiver Suche in Raum, Zeit und Verwaltung nicht zurückgeführt werden. Durch die fortgesetzte Ansammlung von Gutachten besitzt der Vorgang inzwischen Sterncharakter. Die Bildung einer Supernova gilt als wahrscheinlich. Mahngebühren wurden vorsorglich ausgesetzt.