Balladen und Moritaten - Kritiken und Wertungen

5,00 Stern(e) 1 Stimme

Oscarchen

Mitglied
Artbeck Feierabend: Die Ballade vom Dumdibel (Ballade)

Durchweg im Paarreim gestaltet. Könnte man schwungvoll nach der Melodie zur
„schwäbschen Eisenbahne“ vortragen. Ja, so kann es kommen im Leben. Nett verfasst!

Formtreue: 2,0
Originalität: 2,5
Spr. Gestaltung: 1,7


Anbas: Im Totengrund (Moritat)

Die Moritat verflicht sehr schön Natur und Handlungsabläufe. Der Wiederholungsvers
passt durchaus in die Erzählung. Ich sehe Ansätze von Schaurigkeit.

Formtreue: 2,0
Originalität 1,8
Spr. Gestaltung: 1,8


Didi Costaire: Novembergrauen (Moritat)

Meine Güte, in diesem Werk lernt man eine Menge Leute kennen! Und unentwegt dreht
sich die Moritatenorgel. Durch den eingängigen Rhythmus verpasst man fast die Werbe-
Einblendungen. Der Haufenreim animiert zum Rappen.

Formtreue: 1,5
Originalität: 2,2
Spr. Gestaltung: 1,8


Joe Fiederstein: Kleine Hundeballade (Ballade)

Ein Werk von Joe, unverkennbar. Liebevoll beschrieben, wie es sich hätte zutragen können.
Sprachlich einfallsreich und erfrischend mit feinem Humor verreimt. Und natürlich mit
versöhnlichem Ende.

Formtreue: 2,5
Originalität: 2,4
Spr. Gestaltung: 2,5


Tula: Gladiatoren der Moderne (Moritat)

Geschehnisse aus der Arbeitswelt, gefällt mir. Das Reimschema passt wunderbar zum
Thema. Man merkt durchaus, dass Tula noch im Arbeitsleben steht. Sprachlich anspruchsvoll und pfiffig gereimt.

Formtreue: 2,0
Originalität: 2,5
Spr. Gestaltung: 2,6


Didi Costaire: Morgenrot (Ballade)

Eine nette Wortspielerei, wie man sie von Didi kennt. Nah an der Realität. Ich sehe mich
da auch stehen, an dieser verflixten Ampel. Ist nicht mein bevorzugtes Reimschema, aber
ist ja auch egal. Schon beim Lesen konnte ich kaum ruhig bleiben.

Formtreue. 2,0
Originalität: 2,8
Spr. Gestaltung: 2,8
 

Tula

Mitglied
Hallo in die Runde
drei weitere Bewertungen meinerseits:

Oscarchen – Kinderfreuden
Ein lustiges, unterhaltsames Gedicht, das ich soweit gern gelesen habe. In der Form für mich ok, d.h. dem gewählten Thema entsprechend, bei welchem nun mal kein Blut spritzt und auch nicht muss. Auch wenn es (das Thema) durch einige Filme keine Neuheit mehr darstellt, sind die Streiche im Detail durchaus originell.
Ein Form-Fehler meiner Meinung nach ist: „Ich schreibe dies noch unter Schock“ - Die Moritat wird in der Regel vorgetragen.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 2,0

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Joe Fliederstein – kleine Hundeballade
Der Huckenbeck hat mittlerweile Tradition und dieses Gedicht fügt sich dichterisch nahtlos an die anderen an. Durchaus formgerecht, humorvoll, mit Liebe fürs Detail, wobei der Höhepunkt natürlich im Kampf der ersten Begegnung liegt. Immerhin geht es darum, wer den anderen in Zukunft beherrschen wird.
Andererseits nicht ganz so aufregend wie andere Werke Joe‘s wie z.B. die Badewannenballade.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,8
Sprachliche Gestaltung: 2,2


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Didi Costaire – Novembernebelgrauen - ein herbstliches Fernsehspiel (Moritat)

Zu Loben hier der Mut, einen alternativen Moritat-Versuch zu wagen. Diese Art von Fernsehabenden ist mir wohl bekannt; am Anfang sind die Dinge noch einigermaßen klar, dann nerven nicht nur die Werbepausen, es wird immer undurchsichtiger – wenig Handlung und viele Dialoge, die ersten drei Verdächtigen sind es nie gewesen, die Zuschauer werden an der Nase herumgeführt bis niemand mehr durchsieht.
Es wäre dennoch schöner gewesen, nicht nur die (Un-)Handlung selbst abzuhandeln, sondern auch im Wechselspiel die Verwirrung des Zuschauers (bzw. mehrerer gleichzeitig) einzubringen. Dahingehend denke ich steckt einerseits mehr Potential im Thema, wobei andererseits zumindest eine leichte Kürzung ratsam wäre.
Die sprachliche Gestaltung passt zur Idee; dennoch fehlt mir hier der Glanz anderer Gedichte von Didi.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 1,8
 

Didi Costaire

Mitglied
Walther: Die Hütte (Ballade)
Der Beitrag sticht durch seine bildhafte, lyrische Sprache hervor. Der Autor findet lesenswerte Metaphern, um das Schicksal des Mannes darzustellen. Insgesamt recht melancholisch mit einem Schmunzler beim Rumpelstilzchen.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,2
Sprachliche Gestaltung: 2,8
 

Tula

Mitglied
Hallo
und nun die bis dato letzten vier Werke:


Artbeck Feierabend - Die Ballade vom Dummbidel
„Das Leben ist hart an der Küste.“ - Das sagte einst unser Physik-Lehrer in Wustrow wenn er einem der ganz besonders (un)begabten Studenten zwangsläufig eine negative Note geben musst. Aber sonst war er ein lieber Mensch.
Also inhaltlich ein gern angenommenes Thema. Den Kriterien der Form hält das Gedicht stand, wobei ich jetzt endlich einmal bemerken möchte, dass die klassischen Balladen nicht immer (eher selten) im Paar-Reim und in vierzeiligen Strophen geschrieben wurden. Passt besser zu den liedhaften Moritaten.
Die Geschichte und ihre Moral gefällt mir, wobei ich die Länge des Werkes etwas bemängele. Die aufsteigende Demenz und der damit verbundene Berufsverlust nehmen 10 Strophen in Anspruch, was dem Spannungsaufbau nicht unbedingt dienlich ist.

Formtreue: 2,4
Originalität und Kreativität: 2,0
Sprachliche Gestaltung: 1,5

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Anbas – Im Totengrund (Moritat)
Eine auf den ersten Blick klassisch anmutende Moritat oder Ballade, wie man es nimmt. Ich denke hier eher an eine Ballade, weil es sprachlich an schaurig-grotesken Darstellungen irgendwie mangelt, wobei mir ebenso die Schandtat, welcher Art auch immer, fehlt. Andererseits sehe ich für eine Ballade wenig oder gar keine Handlung, keinen Konflikt, keine Auseinandersetzung mit einem „bedeutenden Problem“ oder zwischen den Hauptdarstellern, keinen Spannungsaufbau und auch keine Auflösung im eigentlichen Sinne. Also ist es vielleicht doch ein Gedicht über den heimatlichen Totengrund, mit einem Anflug von Parodie; locker und unterhaltsam durchaus, aber in keiner Weise mitreißend.

Formtreue: 1,0
Originalität und Kreativität: 1,5
Sprachliche Gestaltung: 1,5

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Didi Costaire – Morgenrot (Ballade)
Dieses gehört für mich eindeutig zu den Spitzenreitern im Wettbewerb: originelles Thema, den Regeln der Form entsprechend (wobei die Auflösung keine ist – alles bleibt verrammelt; aber gerade darin liegt der Witz) und sprachlich gekonnt, allerdings ohne die Kapriolen andere Werke Didi‘s. Und ganz nebenbei – der Schweifreim ist herausfordernder als der übliche Kreuz- oder gar Paarreim.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,5

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Walther – Die Hütte (Ballade)

Ein weiterer Geheimtipp und endlich eine Ballade, welche nicht von vornherein auf Komik setzt! Eine traurige Geschichte, lebensnah und glaubwürdig; die Moral, dass es trotz allem weitergehen muss. Sprachlich überzeugend (mMn bei traurigen Themen schwieriger zu erreichen als bei komischen!); auch mit seinen 13 Strophen habe ich das Werk an jeder Stelle mit Spannung weitergelesen. Wie anderswo bemerkt - lyrische Sprache; ein echter Walther!

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 3,0
 
Zuletzt bearbeitet:

Didi Costaire

Mitglied
Etwas zu den beiden nächsten Beiträgen...


Marie-Luise Wendland: Nicht ganz geklappt (Moritat)
Die Geschichte erscheint mir nicht besonders originell und die sprachlichen Mittel wirken im Vergleich zu anderen Werken in diesem Thread relativ bescheiden (Tut-Satz, unreine Reime, sich wiederholende Füllwörter). Immerhin wird der Trochäus durchgehalten.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,0
Sprachliche Gestaltung: 1,0


Marie-Luise Wendland: Erna (Ballade)
Es niemand jetzt vermuten tut, aber ein Lesevergnügen will sich bei mir auch hier angesichts einfacher Reime und Wortwahl nicht so recht einstellen. Die Handlung bietet zwar am Ende eine kleine Überraschung, allerdings relativ losgelöst vom restlichen Geschehen.
Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,2
Sprachliche Gestaltung: 0,5
 
Am Himmelssee (Ballade, James Blond)

Märchen- oder sagenhafte Anklänge, atmosphärisch und mit einem schönen Twist vom Begehren ins Grauen. Am Schluss eine unaufdringliche Auflösung oder Erläuterung der Sage. Alles ist stimmig und klassisch formuliert - dabei nimmt der Erzähler sich selbst nicht zu ernst und es blitzt auch ein heiterer Tonfall durch (Zitat: Schlecht von mir, sie zu begaffen/oder dumm, nicht hinzuschaun?/Männer werden leicht zu Affen,/göttlich strahlen höchstens Fraun.).

Bislang mein Favourit. Hier irgendein Gemeckere hervorzukramen, fällt mir nicht ein ... Deswegen volle Punktzahl.


Formtreue: 3
Originalität und Kreativität: 3 (klassisches Thema zwar, aber mit originellen Einschüben, Wechseln und Betrachtungen)
Sprachliche Gestaltung: 3
 
Crhyme Time (Moritat, Didi Costaire)

Sehr flott und temporeich! Die Strophen machen Lust auf mehr - schon der Titel mit seinem Wortspiel ist ansprechend. Gerade fängt es an, interessant zu werden, da hört es aber leider auf und es bleiben (für meinen Geschmack) zu viele Fragen offen - inhaltlich zu flüchtig und vage. Eher ein sprachlicher "Appetithappen" denn eine Ballade.

Formtreue: 1
Originalität und Kreativität: 2
Sprachliche Gestaltung: 3
 
Marie-Luise Wendland – Nicht ganz geklappt (Moritat)

Diese Moritat und auch die folgende Ballade bereiten mir Kopfschmerzen. Es ist mutig, nach dem riesigen Vorlauf jetzt noch einzusteigen, aber die Einfälle und formalen Mittel hinken diesem Mut hinterher. Leider. Ich denke, Didi Costaire hat in seiner Beurteilung die beiden Texte unvoreingenommen und fair bewertet, und seinem Urteil schließe ich mich an. Ich übernehme unverändert seine Bewertung.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,0
Sprachliche Gestaltung: 1,0
 
Marie-Luise Wendland – Erna (Ballade)

Hier gilt, was ich zu Marie-Luieses Moritat geschrieben habe. Für einen nächsten Wettbewerb könnte man überlegen, ob vor dem endgültigen Abgabetermin eventuell Änderungen (aufgrund von Vorschlägen der mitlesenden Teilnehmer) noch möglich sein sollten, wenn die Autorin/der Autor das ausdrücklich wollen – eine Bewertung würde dann nach der Überarbeitung abgegeben.
Ich übernehme unverändert Didi Costairs Bewertung dieser Ballade.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 1,2
Sprachliche Gestaltung: 0,5
 

James Blond

Mitglied
Herrje, da war ich wohl etwas lange in den Ferien - hier hat sich wunderbarerweise sich eine Menge getan und ich muss zusehen, dass ich den Rückstand meiner Kommenare noch aufhole.

Oscarchen - Kinderfreuden (Moritat)

Oscarchen (leider nicht ganz) allein zuhaus - so möchte man meinen. Die launige Sammlung bösartiger Bubenstreiche erinnert entfernt an entsprechende cineastische Vorbilder. So locker und flüssig hervorgebracht lassen sich die kindlichen Gemeinheiten durchaus mit einem Schmunzeln bewältigen, allerdings hätte ich mir in der Schlusspointe etwas deftigere Rachephantasie gewünscht. Und wenn das Büblein am Ende in die eigene Grube fiele, wäre das für eine Moritat wohl ein passenderes Finale.

Formtreue: 2,0
Originalität und Kreativität: 2,4
Sprachliche Gestaltung: 2,1
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Tula - die sturmfreie Ballade

Zugegeben: Ich musste das Gedicht mehrmals lesen, bevor ich trotz des Titels endlich begriff, worum es hier geht, aber das spricht nicht gegen den Text, denn der steckt voll innerer Dramatik, statt sich in Beschreibungen zu verlaufen. Nach dem dritten Durchgang erreiche ich die nötige Lesegeschwindigkeit und kann so auch dem akzelerierenden Metrum und den inneren Monologen meinen Tribut zollen. Eine ausgesprochen kreative Leistung!

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 3,0
Sprachliche Gestaltung: 2,4

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Joe Fliederstein - Kleine Hundeballade (Ballade)

Recht konventionell und formstabil beginnt die Ballade ihre Geschichte, dann reißt die Begrüßung von Hund und Herrchen alle metrischen und temporalen Grenzen nieder und im dramatischen Biss der Leidenschaft offenbart sich die ganze lyrische Inbrunst. Der Text erstrahlt in Fliedersterns luftig-lustiger Herzlichkeit, mit der er uns den Erstkontakt von Eberhard und Huckenbeck hier nahe bringt.


Formtreue: 2,3
Originalität und Kreativität: 2,6
Sprachliche Gestaltung: 2,2
 

James Blond

Mitglied
Didi Costaire - Novembernebelgrauen - ein herbstliches Fernsehspiel (Moritat)

Diese Moritat scheint mir aus einer TV-Serienfolge - inclusive rotgruseliger Webeeinlagen - hervorgegangen zu sein. Schade nur, dass man - vermutlich aufgrund fehlender bildlicher Ergänzungen - eine Handlung kaum vermuten kann. Die gereimten Splitter verdichten sich zu einer Art Splatterkritik, die um Distanz zu ihrer Schauerlichkeit bemüht ist. Gleichzeitig erwächst aber auch der Eindruck, dass der Reim allzu oft Pate bei der nicht enden wollenden Versentstehung stand, so dass man auf die schlussendlich angedrohte Fortsetzung eigentlich nicht mehr so erpicht ist ...

Formtreue: 1,4
Originalität und Kreativität: 2,1
Sprachliche Gestaltung: 2,3
 

James Blond

Mitglied
Tula - Gladiatoren der Moderne (Moritat)

Ein Firmenmeeting als Schaukampf der Moderne soll es sein. Keine leichte Aufgabe, wird hier doch meist mit subtileren Waffen im Verborgenen gekämpft, während vordergründig nur die Worthülsen aufeinander knallen. Angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten, den Leser in diese doppelbödige Welt der sachfremden Sachkritik nachvollziehbar einzuführen, beurteile ich den Versuch mehr als das Ergebnis, denn dem fehlt es trotz manch excel-lentem Einfall doch an Schlagkraft.

Formtreue: 2,2
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,0
 

James Blond

Mitglied
Artbeck Feierabend - Die Ballade vom Dummbidel

Eine nahezu klassische Ballade mit Wendepunkt: Der gepeinigte Schüler nimmt späte Rache (oder übt Gnade?) an seinem ehemaligen Lehrer. Guter Balladenstoff, in flotten Paarreimen aufs Papier gebracht, die auch einen etwas zu langen Text erträglich machen, auch wenn's Metrum manchmal hakt. Der Alptraum als dramatischer Höhepunkt ist ausgezeichnet, wenn auch etwas zu lang ausgeführt. Geniales Ende, das die Rache nur erahnen lässt. Sprachlich eher schlicht gehalten, was aber der Dramatik zugute kommt.

Formtreue: 2,5
Originalität und Kreativität: 2,7
Sprachliche Gestaltung: 2,2
 

James Blond

Mitglied
anbas - Im Totengrund (Moritat)

Man kann den Text auf zweierlei Weise lesen. Als eine echte Gruselgeschichte wirkt er schal und erschöpft sich an hinlänglich ausgereizten Szenerien. Stimmt man ihn jedoch als Moritatensang an, dann enthüllt er bald seine ironische Natur. Es gibt wohl kaum einen ungruseligeren Flecken als die Lünbeburger Heide, diesen Musterort harmloser Beschaulichkeit, wie er in jeder zweiten Strophe besungen wird. Hier versucht nun die Moritat mit den üblichen Stereotypien des Horrors eine Gruseligkeit hineinzuzwingen, die so offensichtlich an der Idylle scheitert, dass sie beides der Lächerlichkeit preisgibt.

Formtreue: 2,3
Originalität und Kreativität: 2,5
Sprachliche Gestaltung: 2,4
 

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